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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg"

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URKUNDEN UND ACTEN8TÜCKE 

;■ 

ZUR GESCIITCHTK 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



AUF VERASLASSi;X(i SEIXEIl KÖXKiLiniEN HOHEIT DES 
KKOSI'KLNZEX V(lN FHEISSEX. 



VIERTER BAND. 



BERLIN. 
DRUCK UND VERLAG VON REORG REIMER. 

«' 1867. 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

küRFÜRSTKN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 



ZWEITER BAND. 



HERAi;.SGRr.EßE.N 



D«- B. EIIDMANNSDOHKFKK. 

PRIVAT-ÜUCr.XTEN AN HEB UNIVERSITÄT 7.V. BERLIN. 



BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1867. 



Vorwort. 



,n dem vurliegeiiden zweiten Bande der „Politischen 
Verhandlungen " ist im wesentlichen dasselbe Verfahren bei- 
>ehalten worden, wie es in dem ersten ßande dieser Serie 
und in den beiden anderen seitdem erschienenen Tbeilen 
dieser Publicatiun geübt worden ist. Nur bat der Heraus- 
geber, Ajigesidit« der immer gi-Össeren Dimensionen, welche 
mit der wachsenden Bedeutung des brandenbiu-gischen »Staates 
und niit der Erweiteiiing seiner Beziehungen von Jahr zu 
Jahr auch die ziu- Bearbeitung vorhegenden Materialien an- 
nehmen, sich veranlasst gesehen, in ausgedehnterem Maasse 
noch, als es bisher geschehen, unwesentliches zu entfernen, 
Schriftstücke von seeundärer Bedeutung nur excei-ptweise 
initenth eilen und grössere Acten mausen, bei denen Mieder ein 
völliges Uebergehen, noch eine Veröffeutliehung in forma an- 
gemessen erschien, in comprimirter Zu8ammenfa.ssung vor- 
zulegen. Es ist sein Wunsch, sowie es sein ernstliches Be- 
mühen war, dass hierbei überall das der Sache entsprechende 
Maas« richtig getroifen sein möge. 

.^uch für die den Texten beigefügten Anmerkungen und 
Einleitungen ist die bisher geübte Weise beibehalten worden; 
die Einleitungen kürzer, wo der volle Zusammenhang der 
roifgetheilfen Acten für sich selbst spricht, atisgedehnter, wo 
es erforderlich schien, diesen Zusammenhang besonders auf- 
iweisen oder einzelne einschlagende Fragen durch Herbei- 
{ebung aussenliegender V^erhältitisse und Materialien zu er- 
örtern. 



Von den einzelnen Abschnitt-en dieseis Bandes fuhrt d( 
erste die Beziehungen des Ktirfürgfen zn den Niederlandd 
bis zum Beginn de* norflisrhen Ki'iege.n und zu dem Büiic 
nisR v<»n ICöö; er ergänzf. nach dieser Seite hin abschliesaeni 
die im zweiten Band der -Auswärtigen Acten* aus. den «ie- 
derländiscbeu Archiven veröffentlichten Materialien für di 
Periode. l>ie im zweiten Abschnitt erläuterten Bezieh 
gen zu Pfalz-Xenburg !*ind an dieser Stelle nur bis zu del 
Prorisionalvergleich de.«* Jahres 1047 geführt worden; ai 
engste verschlingt sich gerade in den clevischen Landen all 
auch die auswärtigen Beziehungen, uiit dem Gang der inn 
ren, ständischen Verwickehingen: für diese steht in dem f< 
genden Bande der .Urkunden und Actenstücke-* eine uinfi 
»ende Behandlung zn erwarten, auf deren GrinKi erwt 
Ereignisse van 1651 in dir wahres Licht treten können. D 
westfälischen Friedensverhandlungen ist in dem dritten Ä 
schnitt ein grosser Theil dieses Bandes gewidmet worde 
man wird denselben nicht ausser Verhältnis«! zu der gi'»n> 
legenden Wichtigkeit des Gegenstandes rinden: aus einer fj 
unermesslicheii Ffdle weitschichtigster Schriftstücke galt 
hier kürzend und ausscheidend das dem gegebenen Zw 
dienende zu wählen, .\ndere mit den westtalischen Tractat 
gleichzeitige und ihren Verlauf ergänzende Verhandlung! 
bietet der vierte Abschnitt: während der letzte den Le» 
nun schon einführt in den Beginn des deutschen Keichslebe 
auf dem Boden des westtalischeu Friedens: er erläutert 
schwere Ki-isis. durch welche Brandenburg noch hindurch^ 
gehen umsste. ehe es in den Vollbesitz der territorialen Stel- 
lung gelangte, welche durch das Friedenswerk ihm angi 
wiesen worden war. 

Mit der endgiltigen Kegidirtnig dieser Verhältnisse schlie 
der vorliegende Hand. Müge sein Inhalt an seiner Stelle 
dazu beitragen, dem Stutliutn der vaterländischen Geschieh 
auch für diese Epoche immer mehr Freunde und Fonler 
zu erwecken. 

Berlin im August 1867. 

B. ErdmaimsdörÖer, 



I 




Inhalt. 



S.-ile 

Vorwort t 

I. Brandenburg und die Niederlande 1640 — 1655. 

Einleitung 3 

Acten 27 

II. Brandenburg und Pfalz-Nenburg 1640—1647. 

Einleitung 147 

Acten 155 

III. Die westfälischen Friedensverhandlungen 1644 — 1648. 

Einleitnag *. 342 

Acten 351 

IV. Verschiedene Verbandlungen 1645 — 1648. 

Einleitnng 739 

Acten. 

1. Winand Bodt im Haag 1645 745 

2. Verhandlungen mit Hessen-Cassel 1647-1648 .... 751 

3. Sendung v. Burgedorfs an KursacbseD und Braunscbweig 
1647-1648 762 

4. Sendung v. Kleist's nach Prag 1647—1648 814 

V. Friedensexecution und pommerische Grenzregnlirung 1648 — 1653. 

Einleitung 829 

Acten. 

1. Sendung v. Kleiet's nach Schweden 1649—1651 ... 843 

2. Executionstag zu Nürnberg 1649 1650 877 

3. Sendung v. Crockow's nach Wien 1651 — 1652 . . . 890 

4. Die Reise des Kurfürsten nach Prag 1652 915 

' 5. Die Grenzverhandlungeu in Stettin 1650-1653 .... 923 



Brandenburg und die Niederlande, 



MaMT. «ir 6«eh. d. Gr. KurittnMn. IV. 



Einleitung. 



Q 

Oowie durch die Erwerbung des Herzogthuins PreusseQ der branden- 

bnrgische Staat seit dem Anfang des tiiebzehiiteu Jahrhunderts in all die 

erweiterten uud bedeutanggebenden Beziehungen eingetreten war, welche 

«1er Besitz Jener wichtigen Stellang mit sich brachte, «o führte ihn die gleich* 

zeitige (iewinnoug eines Antheils an der jUlich-cleviächen Erbschalt in den 

Kreis der politischen InteresEen ein, welche iu diesen westlichen GrKQsbe- 

reicheD ihren Hauptbrennpunct hatten. Briuidenburg wurde nach dieser 

Seite hin ein lebendiges Glied iu dem Svatem von Mächten and Beütrebon- 

^en, welche hier neben und wider einander standen; an dieser Stelle, wo 

xoa Alters her die Gegensätze, die die europäische Politik bewegten, so 

oft anf einander getrülTeu waren, hatte dieser Staat nno gleichfalls einen 

Besitz and einen AuH[>ruch; es konnte fortan hier im Westen nichts iu 

Fra^e ges-tellt oder entschieden werden, ohne daas die heranwachsende aord- 

deotsche Macht von den anderen iu Rechnung gezogen wnrde, und ohne 

dM6 sie selbst ihrerseits ihre Rechnnug dabei anstellen mu^^ste. 

Eine FüUe neuer Reziehungeu that bich dadurch auf. Zu den wich- 
dg»ten gehören die zu den freien Terebigteu Niederlanden. Wir sind 
im Verlan/ nnaerer Pnblication an den Pnoct gelangt, wo die Acten ihre 
£t«Ue finden müssen, die den Beziehungen des Eurfursten Friedrich 
Wilhelm tu dieser Macht in der ersten Phase seiner Regierung ange-. 
hären. 

Die Natur ihrer eigenen Interessen hatte die Oeueralstaatendahiu fuhren 
müssen, in Bezng auf die mederrheinischen Herzogthümer keinerlei Ent- 
achcidung jemals ohne ihre Mitwirkung and ohne die geeignete WalimngJ 
ihre» eigenen dabei in Betracht kommeudeu Vurtheil« geschehen an lassen. 
In dem ersten Stadiniu de^ Streites war es ihneii vor allem darauf ange~ | 
kommen, dass die Besitzergreifung der beiden protestantiüchen Hauptpri^ { 
urüdeuteu, Kurijriiiideoburg und Pfalzneuburg, ius Werk gesetzt und be- 
haaptot wurde; bald nach dem Portmuuder Yertrag (1809), welcher diese 
b«iden vorttofig einigte, war uebeu fraozäsisclwr and englLscher, es besaii»^ 

1 * 



l, Bracdenbnrg und die Niederlande. 



ders die Hilfe niederlaudiBclier Truppen geweBCo, womit die beiden ^possi- 
direiideu Fürsten" das schoo voa kaiserlicher Seite besetzte Jülich zurück- 
erobertea (2. Sept. 1610) und damit die Besitznalime im Sinne der prote- 
stantischen, antihabs-bnrgiscbcn Partei vollendeten. Dann, als der Pfalzgraf 
Wolfgang Wilhelm von Neuburg zur katholischen Coufesf^ion und Partei 
übergegangen war und das kurbnindtnljurgiüche Haus dagegen .sich dem 
reformirten Bekenntniss zugewendet hatte und der grosse allgemeine Ge- 
gensatz somit auch in der Stellung der beiden jetzigen Inhaber der jülich- 
clevischen Lande sich wiederholte, uiiisste das Verhältuiss sich mehr dahin 
wetideUj dass die Oeneralsitaaten speciell den Schutz der brandenburgischen 
Ansprüche übernahmen, während der Pfalzgraf seinen Rückhalt bei der 
Liga, dem Kaiser nnd Spanten sachte. All die Versuche eines Arrange- 
ments, welche in den beiden letzten Jahrzehnten nnternommen worden, gin- 
gen unter niederländischer Beihilfe und Yermittelnng vor sich; sie waren 
der Anlass zn einer langen Reihe ron Beziehungen seiir schwankender und 
wechselnder Art, die sich nun zwischen Brandenburg und den Generabtaa- 
teo eröffneten. 

Als die jiilich-eleviselien Verwickelungen begannen, stand die Republik 
eben im Begrifl' den zwölfjährigen Waffenstillstand (9. April IßO'J) mit Spa- 
nien abzuscbliessen , welcher dann wirklich die ganze Frist hindurch bia 
1621 eingohnlteii worden ist. Unter dem Schatz dieser WafFeiinihe oecu- 
pirteß, wie bekannt, die Spanier von der einen, die Holländer von der an- 
dern Seite die militärisch wichtigsten Pnnute der streitigen Lande, jene an- 
geblich zu Gnasten des Pfalzgrafen, diese m Guni-ten Brandenburgs, beide 
vornehmlich in der Absicht, für den Fall eines künftigen neuen Zusaramen- 
Btosses sieb der besten Stellungen zu versiuLern. Der Vergleich von 
Xanten, der am 12. Nov. 1614 unter französischer, englischer, uiederlän- 
diacher and der protestantischen Union Vermitteluug , aber ohne Mitwir- 
kting Spanienfi gctroöen wurde, machte noch einen Versuch, die streitigen 
Lande vermittels einer vurliiutigeu T heilang allein zur Disposilion der beiden 
Fürsten zu stellen and die beiderseitigen Freunde und Helfer ans den occn- 
pirtcn festen Plätzen heran szuweiseu '); die Ausführung scheiterte einfach 
daran, dass die Spanier unter keiner Bedingung Wesel zu räumen ent- 
schlossen waren; es blieb für alle Tbeile nur übrig auf dem Wege des that- 
sächlichen Verfahrens weiter zu gehen und zu ergreifen, wessen mau hab- 
haft werden konnte; die Spanier unter Spinola zeigten sich dabei bei 
weitem als die thätigeren; ein kleiner Krieg um einzelne Posten, welcher 
aber die Form des Waffenstillstand-s äng.stlich (tufrocht erhielt, ging durch 
die nächsten Jahre. 

Aber mit dem Mai lÖlJl war die zwöIQährige Waffenruhe zwischen 
Spanien und den Niederlanden zu Ende. Der Ider neu begiimende Kampf 
war begleitet von dem Ausbruch der Febdsciigkeiten im Reich, des grossen 
deutschen Krieges. Gleich der erste Foldzugsplau Spinola's richtete sich 
gegen die unteren jülicb-clevisclien Lande, nm tou da aus gegen die Nie- 



I 



'} Ronaset histoire de k Baccesaion aux daches de Cleves, fierg et Jn- 
U«rs (Ameterd. 1736) L p. lül. U. p, 55 S'. 



Bioleitang. 



I 



derlaade vorzudriDgen; zagleicb wurde das von den EoIl&Ddem noch be- 
setzt« Jülich aDgegrifTeo uud nach längerem Wirierstand gewoaueQ (3, Febr. 
1622). Anderseits schrieben die Gencralstaaten uoch im Jahr 1621, an- 
geblich als RepresgalJe für mehrfache roD dort dem Spinola geirkhrte 
UQtcrsiiitzDDg, io den Landen Jülich und Berg eine Cöntribntion von 
100,000 Rth. aut'). 

Es sebien bei der Grösse der Gefahr selbstTerständüch, dass aoeh von 
brandenbnrgischer Seite jetzt etwas zur Rettong der Lande geschehen 
^ln.^äte. Als knrz vor Eröffnang des Feldzngs die Generalstaaten und Prinz 
Moriu TOD Oraaieu die brandenburgiscb-clevische Regierang in dringlicher 
Weise daraaf hinwiesen, fand man hier in der That die Gefahr drohend ge- 
ling, nm nof eigene Hand, ohne erst einen Befehl ron Berlin abzuwarten, 
vorzugehen — niaa nahm 1500 Mann In Dienst, die gemeinsam mit den noch 
rorhandenen brandenburgi.schen Trnppenresten nnd mit den Niederländern 
operiren sülhen*). 

Es ist bekannt, welche Stellung Kurfürst Georg Wilhelm in dieser 
Zeit nach der Schlacht am weissen Berge einnahm. Ohnmächtig und ent- 
schlusslos in der grosseü Hauptfrage, an aiieii Stellen bedroht nnd schon 
der Meinung seines Rathgcbers Schwartzcuberg sich zuneigend, der 
auf gutes EinTeraebmen mit der kaiserlichen Partei drang, wurde er von 
dem Ent^cblttss der cleviscben Regierung unangenehm berührt. Sollte er 
eich dort in den Kampf hlneinreissen lassen, den er an allen andern Puncten 
zu rermciden suchte* Die Eigenmächtigkeit in dem Verfahren der cleyi- 
schen Regierung kam noch dazu. Es erfolgte der Befehl, die geworbenen 
Völker wieder abzudanken; Schwartzcuberg ward abgesandt, denselben 
ios Werk zo setzen. Seitsam genug, Angesichts der drohendsten Gefahr 
erschien der Minister des Kurfürsten im Lande, dasselbe wehrlos zu mar 
ehm. Er brachte den Befehl mit, für diese von der clevischen Regierung 
^worbenen Truppen keinerlei Leistung von den kurfürstlichen Domainen 
geschehen zu lassen: sie wii'klich zur Auflö.sung zu bringen Tcrmoehte er 
trotz seiner Vollmachten nicht, es mangelte das Geld, am die Alannscbafben 
■bzndanken. 

lüdess war dies onn allerdings nnr der eine Theil der Massregeln, zu 
deren Ansfuhrcng Scbwartzenberg in Cleve erschien. Im Grunde war 
es, »ie es scheint, hauptsächlich die Empfindlichkeit über das eigenmäch- 
tige Auftreten der clevischeu Regierung, welches den Kurfürsten nnd seinen 
Minister zu Jenem Verfahren bestimmte. Anderseits erkannte man recht 
wol, das.i Etwas für die Sicherung der Lande geschehen müsse; Sc hwartzeu- 



•) Das letztere ergibt lieh sqb dem Alliancevertrag vom 23. Oet. 1624, Art. 5 
(AitzeniB Saken van Stael on Oorlogb I. p.iGb. Alle Citate auB Aitzema sind 
hier, wie in Vol. III. dieser Foblication, nach der Folioansgabe). 

*) Diese und diu folijenflen Nachrichten beeondera nach einem nrkandUchea 

Bericht Über den Verlauf der pfalzncnburgiscbeo Streitigkeiten, 

|Welch«o der Kurfurnl Friedrich Wilhelm bald nach seinem Begierungiautritt 

roD der cleviachen Regierung verlangte. Er iit datirt vom 22. Ang. 1641 und 

■llein von dem cleviicliea Balh Fiater unterxeicbnet. 



s 



I. Brimdenburg imd die NiedeTlaode. 



bcrg hatte zugleich den Anftmg, über eine Alliance mit den General- 
staateQ zu verhandeln. Das erste Mal kam man nicht zum Schluas*). An- 
fangs 1622 erschien er mit neuon Vollmachten; die cleTischeii Stände em- 
pfanden es übel, dasE der ihaen so verdächtige ScoatKinann mit gcdisEent» 
licher Fernhaltung jedes Beiratbes aus ihren Kreisen die Verhandlungen 
im Haag führte; unbekümmert darum scblose Schwartzenberg ab — so 
kam der brandeaburgiscb-niedertändiBche Altiancevertrag vom 10. März 
1622 zu Stande'). 

Es ist unnöthig, denselben hier in seinen einzelnen Bestimmungen so 
anoljsiren, von denen die meisten nie ganz zur Ausführung kamen. Gegen 
die Etaatische Garantie seiner Ansprüche in den Jülich- clerischen Landen 
übemahra der Kurfürst die Terpfliehtnng , während der ganzen Dauer der 
Alliance ein Regiment von 1000 Mann (was naclimals auf 1200 Mann und 
£wej Compagnien Reiter anwuchs) und für das erste Jahr der Alliance noch 
600 Mann ausserdem in niederländischen Diensten zu unterhalten (Art. VII, 
VIII.); ausserdem versprach er, für den Fal! der Erwerbung der ganzeb 
Erbsehaft mit niederländischer Hilfe, noch fernere zwanzig Jahre lang 3000 
Mann auf seine Kosten Tür die Generalstaaten zu stellen, und diese Lei- 
Btung sollte, wenn jener Fall nicht ganz einträte, nach Massgabe des Theils 
redneirt werden, welchen Brandenburg schliesslich von den Erbschaftstan- 
den zu eigen erlangen würde (An. XVI.). Es war wol nicht ganz nube- 
gnlndet, wenn Ton clevischer ständischer Seite behauptet wurde, dass 
Schwartze nberg von den klngen niederländischen Diplomaten sich habe 
übertheuem lassen, und dass in diesem Vertrag die General Staaten sieh nur 
ZD Dingen verpflichtet hätten, die ihre Stautsraison sie ohnedies zu thun 
zwang, während Brandenburg die drückendsten Verpflichtungen aufgelegt 
wurden. In der That gerieth auch Schwartzenberg selbst gleich von 
Anfang an über einzelne Puncte der Ausführung mit den General Staaten in 
Differenz ; natürlich aber befanden sieh die eleviseben Stände von vora- 
herein in entschiedenem Gr^gensatz gegen den ganzen Vertrag. Denn über 
sie sowol wie über die eigentliche provincielie Landesregierung hinweg hatt« 
Schwartzenberg mit dieser Alliance dem Lande eine Reihe von Lasten 
anfgebürdet, die, so sehr oder wenig sie der reellen Leistungs kraft der 
Lande angemessen sein mochten, jedenfalls vom ständischen Qesichtspunct 
aus zurückgewiesen und übermässig gefunden werden mnssten. Eine ge- 
wisse Contributionssumme wurde für jedes der einzelnen Lande zum Behuf 
der Werbung und Unterhaltung der stipulirten Truppen ausgeschrieben*); 



/ •) Aitzema L p, 49. 

•) Aitiema I. p. 114. Londorp Acta publica II. p, 623, Domont Corps 
dipl. V. 2. p. 409. 

*) Der <ibea (not. 3) genannte Aufsatz gibt die folgenden Zalilen: für Jülich 
60,000 Rth., für Cleve niid Berg je 40,000 RtL, ftlf Mark 24,000 Rtl),. für 
Kavenstoin öOOO Rth. — Dieaelban Zahlen gibt auch Vreede Inleiding tot 
«ene Oeschiedenis der Kederlaudschc Diplomatie (16&6 ff.) 11. 2. p. 152; nur (ör 
Raveuetein 8000 und ausserdem noch fdr Ravensberg 12,000 Rth, ; zusaa- 
men 179,000 Rth. 



I 



I 




Emlettang. 



aiederländiicfae Conunissara beaaspracbteo , die Erhebtmg der Gelder ror* 
zanelimeD oder zu überwachen, die Yerwendnug zu controllren; das Land 
wurde der Willkür stAstischer Beamten preis gegeben, die um so drücken- 
der werden masste, je enger der Bereich war, den die Holländer nocb gegen 
die Spanier für Branden barg behciupteten. 

So erhoben sich nnmittelbar nach dem Abschlnss eine Menge gewich* 
tiger Bedenken gegen diese AUiance ron 1622. Sie gleich in den ersten 
Monaten ihres nominellen Bestehens fast illasorisch zu machen, kam noöh 
der Umstand hinzu, daes eben in dieser Zeit der Baupckriegäschanplate 
»ich n«ch anderen Pnncten hinwendete, die clevischen Lande wnrden freier 
nnd die General Staaten mnssten üire Eaaptstärke nach der besonders be- 
drohten brabantischen ßüdgränze ihres Gebietes richten. Die brandenbor- 
giscbe Werbang im Clevischen schwebte somit recht eigentlich in derLoft; 
die Niederländer konnten über diese Truppen doch nicht so frei verfugen, 
■m sie an der Stelle der angeublicklichen Gefahr verwenden zu dürfen, nnd 
ftsderseits waren dieselben natürlich anch bei weitem nicht genügend, um 
in den Erbschaftslanden selbst gegen die spanischen Garnisonen oder gegen 
die Trnppen des Pfalzgrafen von Neubnrg etwas damit aasrichten zu 
kdnuen. 

Man machte es sich nicht schwer in dieser Zeit mit Terträgen; es war 
bald zu erkennen, dass dieses holländische Bündniss anter Toraussetzuogen 
gescbloäsen war, die nicht mehr zutrafen, „dass die Kapp mit der Alliance 
verschnitten war". Verschiedene Versuche, sich doch noch auf Grund der- 
eelben zn accommodiren, eine ConJerenz zu Emmerich (Jnni nnd Jali 1622)'), 
eine Sendang SamueTs v. Winterfeld nach dem Haag (December 1623)'), 
blieben ohne wesentlichem Resultat-, man trug daher kein Bedenken, alsbald 
nach der entgegengesetzten Seite hin einzulenken. Die AUernative war hier 
immer die, entweder enges Bündnies mit den Niederländern oder frennd- 
schaftlicbes Abkommen mit dem Pfalzgrafen von Ncnbnrg. Die altgemeine 
Richtung der Bchwartzenbergischcn Politik war natürlich dem letzteren gün- 
stiger als dem ersteren; jede engere Verbindnng mit den General Staaten 
konnte ihr nur als ein ungern ergriffenes letztes Angkunftamittel gelten; fUr 
jetzt gedachte man es zuerst noch einmal mit dem Neubnrger versachen zu 
müteen. Schon im Jahr 1623 machte die clevische B«gieraug (wie es 
»cheint, aus eigenem Antrieb) Einleitungen dazn; sie liess in Düsseldorf mit 
dem Pfalsgraf«n onterbandeln, sie behauptete spJtter, sehr annehmbare Be- 
dingungen erlangt zn haben. Aber wie früher so fanden auch jetzt diese 
Bemübungen keine Gnade am Berliner Hofe, und in der That kannte man 
ein allzu intimes Verhältnis^ der clerischen Stände und ihrer Organe zu 
der niederländischen Republik ebenso wenig gut heissen wie das der prenssi- 
s«ben Stände zn Polen. Es wäre nur darauf angekommen, dass Seh wartzen - 
bcrg selbst etwas Gedeihliches in dieser Richtung zu Stande gebracht hätte. 



*) Ueber diese Baifährlich nach Acten Vreede Inleiding IL 2. p. 150 ff. 

'i Udber diese ist nichts näheres bekannt, aaiser dem Empfehlungsbrief des 
Knrförtten für Winterfeld «n Franz r. Aorien dat. 18. Dec. 1^23, ebenda«, n. ä. 
Beugen p. SO, 



8 



I, Brendenhurgr nD<3 die Niedertande. 



Im Frijhjfthr 1624 erschien er wieder amRbein; in aaflalliger Eile and 
wie früher mit geflisseutlicher Umgehung der clevischen Regierung br&cbte 
er mit dem Pfalzgrafen zu Dust^eidorf den Provisionalirergleich vom 
U. Mai 1Ö24 zu Staude, Auf Grund einer neuen vorläufigen Theiluug sollte 
noch einmal, wie vor zehn Jahren zu Xanten, der Versuch gemacht wer- 
den, die spanischen und holländiseliea Truppeu zur allmäligeu Räumung 
der Lande zu bringen. Aber diese Theilung war aufs handgreiflichste zam 
Schaden Brandenburgs aoBgefallen; als der clcTische Canzier Heimbacb 
den Vertrag nach dem Haag brachte, um das Gutachten der GeueralEtaaten 
and des Prinzen Moriz von Oranien darüber einzuholen, war das tTrtheii 
beider, „der fromme Kurfürst wäre betrogen" und Brandenburg dürfe, was 
anch die Ansicht der clorischeu Regierung war, auf denselben nicht ein- 
geben. Somit war auf die eine Hauptbediugoiig des Erfotj^^, auf die Zu- 
stimmung der Niederländer, nicht zu reebnen; sie konnten keinen Accord 
zugeben, der dem katboliscb-ligistisohen Pfalzgrafen von Seuburg das Ueber- 
gewlcht und sogar eine Stellung gab, welche für die Niederlande eTcntuetl 
unbequem werden konnte"). Schwärt zenberg hatte von neuem eine 
Massrege! getroffen, die sich praktisch nuaus-führbiir erwies; aber der Pfalz- 
graf hatte das Recht iu den Händen, auf dem foriudl abgeschlossenen Ver- 
trag zu bestehen. 

Da also dieses Mittel, der niederländischen Alltaace aus dem Wege zu 
geben, sich onthanlich gezeigt hatte, so blieb abermalü nichtig übrig als sich 
mit dieser, so gut es gehen mochte, zurecht zu fiuden Im Sommer des 
nämlichen Jahres schon finden wir Schwartzenberg wieder im Haag in 
Verhandlung mit den Generalstaaten '"). Erat am 23, Oct. 1624 kam es za 
einer Erneuerung der AUiance"). Es wurden neue Bestimutungeii ge- 
troffen über die von dem Kurfürsten zn uut*rhaltenden Truppen ; nie sollen 
nicht ausser Landes verwendet werden, aber sie müssen neben dem Kur- 
fürsten auch den Gcneralstaatcn den Eid leisten und diese haben das Recht, 
sie durch Commissare inspiciren zu lassen. Ausserdem musste besonder» 
die Erhebung und Verwendung der zum Unterhalt der Truppen bestimmten 
Contributioneu geordnet werden, welche bisher am meisten zu Differenzen 
Anlass gegeben hatte. Es wurde bestimmt, dass zwei kurfürstliche Ein- 
nehmer angestellt werden sollten, diese werden eontrolirt von zwei Direc- 
toren aus der Mitte der elevischen Regierung, uud diese Direetoren haben 
den General Staaten über die Verwendung der eingekommenen Gelder Rech- 
nung abzulegen, Ton einer Räumung des Landes von Seiten der Nieder- 
länder war also nicht weiter die Rede; im Gegentheil werden denselben sehr 
eingreifende Befugnisse zugestanden. 



I 

I 



'} Auf den neabargiaehen Antheil fielen nach dieBem Vertrag nicht nnr die 
niederländische Enclave Ravenstein, sondern auch zwei clevigche Aemter 
iBselhnrg und Winuikendonk. 

") Dass diesmal u. a. auch der clevifiche (Jauzler Heimbacb ihn dorthin 
begleitete, a. beiüroysen Pr. Polit. 111. 1. p. 41. Ueber die besonderen Schwie- 
rigkeiten bei dieser Verhandlung a. Aitzema 1. p.466. 

") Aitzema L p. 464E 



Rinleitanff. 



Dagegen erlangte Scbwartzenberg in diesem Vortrag von 1624 nach 
einer aadem Seit« bin ein Zogcät^adnitit, wclcheti, wenn es dabei geblieben 
wäre, als ein ansehiiUcber Vortbeil zu betrachten gewesen sein würde. Dies 
betrar die sogenannte Hoefysersche Schold, eine Angelegenheit, die über 
ein halbem Jahrhandert lang sich durch alle brandenbiirgiseh-niedcdnndi- 
acben Beziehungen hiadurch^chlingt nnd die deshalb aneh hier in ihrem 
ZosanimenbaDg kurz dargelegt werden muäs "). 

Unmittelbar nach dem Xantener Vertrag (12. Nov. 1614) hatt« der da- 
mals als Statthalter in den clerischeu Landen verweilende Kurprinz Qeurg 
Wilhelm wiederholte Versuche gemacht, mit aiederläudischea Kaiifleuten 
eine Anleihe zu oontrahiren, vermöge deren (wie e» der Xantener Vertrag 
involvtrte) die braudenbnrglsche Tmppejimacht im Laude in eine ansehu- 
licbere Verfassung gebracht werden sollte ; die Oeüeral.^itaaten selbst be- 
gtinstigten deu Wunsch dnrch TJebernahnie einer Garantie"); aber erst IÖ16 
gielang es zum Abschlosä zu kommen; der branden burgischo Agent und 
Ratb Heinrich Stick bewog seinen Schwoger Peter Hoetyger, den 
Qeneraleinuehmer des Admiralitätscollt>g{ums kh Amsterdam, fUr den Kur- 
prinzen die Summe von *248,01H) holl, Gulden oder 100,CHK.l Rth, aufzubrin- 
gen; ein Maklergeld (Makelardye) von ciuem und der Zinstüs.i von .sie- 
ben Prücent wurden tstipolirt '*). 

Von da an lastete nun diese Schuld auf Kurhrandenburg. lu den er- 
sten vier Jahren waren uamhalte Summen au Ziuücn bb:(;ahU worden: dann 
kam mau in Rückstand. AI» jetzt Öcbw'artzenberg im ITaag verhan- 
delte, berechnete man die noch re»tiri>uden Interessen bi^ uH. Angnst 1024 
aor 111,204 fl. 2 fih. 8 pC. (nämlich mit Zinneszinscn und ausserdem so, dasa 
das stipullrte eiuprocentige Mäklergeld nicht nur einmal, soadern lür jedes 
Jahr neu augesetzt und gleiehfaltä Zim> und Zin.>icsKiiiK dafür berechnet 
wurde); das Capital hinzngenommen belief sich also jetzt die Gcsammt-.i 
schuld auf 359,204 fl. *2 sh. 8 pf. Seh» artzenberg erkannte die Berech- 
naog alt; richtig an. Was er von den General Staaten erlangte, war, dass 
ihm die von dem jetzigen Kurfürsten Georg Willieim l(ilÖ aussgestellt« 
Obligation zurliukgegebeu wurde und dagegen die Staaten als Garantie für 



'•) Man ändet nirgends eine xnaamuienliängeade üaritelluug von dem Ver- 
lauf dieser weiland viel besproclieuen Au)^i.<lt.'^eaUeil, Für die obige kurze Dar- 
stellaag wordtfo bandscbriftlich benutzt : Ij Memuire über die BuefyBer- 
ache Schnld dat. 3. Oct. 1641 (für den Kurfürsten Friedrich Wilhulw aufsein 
Yerlaugen von der clevischea Hegiening verfaast), uchgt iluu zugeliörigen Acteu- 
St&cken in Abachrift. 2} Memoire von Christoph Caspar v. Ltlanienthal 
1664 (in dem Journal seiner Geeandtschaft unch Frankreich in diesem Jahre). 
Gedruckt von liollandischi'r Seite: pUechtelicke ßedeackeu ende Advy- 
sen orer di> aldns genoemde HoeTyserse Öehnll, van de i'ijf üniverej- 
tcjieo der Geuniecrde Nederlandteclie Provintieu endo eenij^ andere voomaem*^ 
Bechl8-gelet>rdeu aldaer. (iedraekt iu 't Jaer Ml>(.'IvXn (ful. 272 pp.). Ausser- 
dem manches bei Aitzema zerstreut. 

") a. die Creditact« vom 12. Liec. 16H bei Aitüvma I. p,ll2. 

") Schaldversclireibung lieorg U'ilhelm's dat. Cleve 14. Febr, l(>lti, Aitzema 
ebendas. 



10 



X Brandenburg tind die Niederlande, 



Capital nad Zinsen eine Itnrfurstliche Verschreibang acoeprirten, in welcher 
ihnen einmal di(? noch seit 1621 restirenden Contributionen in Jülich (oben 
pag. 6 und not. 6) und sodann die Hälftt' von dem dem Kurfürsten nach 
den Verträgen mit Pfnlz-Neoburg en stehenden Halbantheil an eämmtlichen 
Domanialeiakünften in Jiilicb, Berg und Ravensberg assignirt wurden"). 

Dieses Abkommen, sagt der oben (not. 3) angeführte elevische Bericht, 
wurde bei Hofe als ein grosses Werk betrachtet. In gewisser Weise konnte 
Scbwartzenberg allerdings pich desselben als eines glücklichen Erfolges 
rühmen; die Hoefys ersehe Sehnld mit ihren hochaufgelaofenen Zinsen 
war eine sehr unbequeme Last; es war ein offenbarer 6ewinD, wenn die 
Generalstaatjen sich für dieselbe auf die Domainen von Jülich, Berg und 
Ravensberg anweisen Hessen, also auf denjeuigeu Theil der Erbscb anlande, 
der gegenwärtig fast ausschliesslich in Besitz der Spanier nnd des Neu- 
burgers war und der Yoraussicbtlich auch bei jeder künftigen Theilnng 
diesem zufallen musste. Man war dieser lästigen Verpflichtung ledig, die 
'Niederländer übernahmen es, den Gläubiger anf Kosten des Pfalzgrafen be- 
zahlt zu machen. 

Fünf Jahre darauf war es derselbe Scbwartzenberg, der mit einer 
neuen Wendung der Verhandlungen diesen Vorthei! wieder aufgab. Die 
Verhaltnisse waren total verändert; die kaiserliche und ligistische Politik 
hatte den Angriff der dänischen Coalition siegreich bestanden; nach dem 
Lübecker Frieden schien ihr allgemeiner Sieg unvermeidlich, das Restitu- 
tionsedjct erschien (6. März 1629), Knrbrandenburg sah sich in der schwie- 
rigsten Lage — kaiserliche Truppen in der Mark, der kaiserliche Hof and 
die Generäle raisstranisch nnd erbittert gegen den Kurfürsten, das Recht 
des Besitzes von Preussen schon bedenklich in Frage gestellt, nnd wenn 
dieses auch durch seine Lage mehr geschützt war, doch für die niederrhei- 
uischen Lande die ziemlich sichere Aussicht, dass man mit dem schon 1609 
verhängten nnd jetzt an Tilly übertragenen Sequester nun Ernst machen 
werde. Dazu nun die schwierigsten Verhältnisse in diesen Landen selbst. 
Die kaiserliche Intervention wurde von hier geradezu provocirt. Die ver- 
einigten Stände aller hatten 1628 die Hilfe des Kaisers gegen den Druck 
ihrer Landesherren nnd deren beiderseitigen V'erbündeten angerufen; man 
liesB es in Wien au den entsprechenden Mandaten nicht fehlen, der Kur- 
fürst Oeorg Wilhelm erhielt die besondere Weisung, seine Schuldsache 
mit den Generalstaaten in Ordnung zu bringen, um sodanu die Abführung 
ihrer Garnisonen zu verlangen nnd sein Bündniss mit ihnen zu lösen. 

Dies war die Situation, unter deren Eindruck Scbwartzenberg eine 
neue Regelung der Verhältnisse nntemahra. Auf ihn war natürlich dieser 
Eindruck ein besonders starker, die augenblickliche Lage schien die volle 
Bechtfertignng seiner ganzen polidschen RichtUDg zu enthalten, die nur 
vermöge der eigenthümliehen Complicationen der Jülich -clevischeu Angele- 
genheiten sich hier niemals ganz durchsetzen liei^is. Er erfuhr in Wien, 
wohin er sich begab, däss mau noch am ersten es sich gefallen lassen 
werde, wenn der Kurfiirst mit dem Pfalzgrafen von Neuburg sich freund- 



**) AUiancevertrag von 1624 Art V. 



BititeitAiDg. 



f1 



sehafUich rerglicbe **) , aber jedenfalls war die Lösung des VerhältDisses 
za den Niederlanden eine ganz nnerläasliche Forderung des kaiserliciien 
Hofes. 

Hierin Ug denn nun ausreichender Orond, dass Scbwartzenberg, 
als der Prinz Friedrich Heinrich von Oranieu jetzt im Mai 1628 den 
VersQch machie, einen nenen Theilungsaccord zu Staude zu bringen, diese 
T«rmittelting vereitelte und deu Knrfiirsten bestimmte, lieber noch einmal 
selbst mit dem Pfalzgrafen in Verhandlung zd treten. 

Das Resultat derselben war der neue von Schwartzenberg abge- 
ficbloBsene Düsseldorfer Provisional vergleich vom 9. März 1629. 
Es ist bekanntlich dieser auf fünf und zwanzig Jahre abgeschiosBeue Thei- 
iangsvertrag, dessen Negociaüon Ton jeher SchwartEenberg am schwer- 
atea znr Last gelegt und am meisten mit den gegen ihn gerichteten Be- 
stcchnngsklagen in Verbindung gesetzt worden ist"). Brandenburg erhielt 
nach demselben Cleve, Mark und Ravensherg; der Pfalzgraf von Neuhnrg 
die übrigen Theile und ausserdem noch daa Recht, binnen Jahresfrist zwi- 
schen Berg und Cleve zu wählen. Er verfehlte natürlich nicht, sich für 
dae weit ansehnlichere Cleve zn cntecheiden, und es bedurfte erst einer 
■benaaligen Dazwtschenknnft der Generalstaaten, die keines Falls den ka- 
tholischen Nenbnrger als Gränznacbbarn im Clevischen neben sich zu dul- 
den gemeint sein konnten, um durch ein neues im Haag getroffenes Ab- 
kommen (Aug. 1630) den Hauptfehler jenes Düsseldorfer Vergleichs zn 
corrigircn nnd Brandenburg wenigstens im Besitz von CSeve zu erhalten, 
wdgtgea nnn Ravunsberg von beiden Prätendenteu gemeinsam verwaltet 
wcfideii sollt«"). 

War diese leiKte Theiluiig in jeder Weise eine starke üebervortheilung 
Brandenburgs (denn auch in Bezug auf die angeblich gemeinsame Verwal- 
tOBg von Ravensberg stellte es sich tbatsächlich rielmehr alsbald so, dass 
von den vier Aemtern der Grafschaft der Kurfürst nnr das eine Amt Ra- 
Tensberg und der Pfalzgraf die drei andern in Besitz nahm), so musste 
d&Qiit anch namentlich der Gewinn wieder verloren gehen, den man 1624 
to Betreff der Hoefysersehen Schuld davon getragen hatte. Von einer 
Belastung des nenburgischen Antheils mit dieser Schuld durfte nnn natür- 
lich nicht ferner die Rede sein; der Pfaizgraf Wolf gang Wilhelm war 
weit «ntfemt, irgend eine Verpflichtung dieser Art auch nur in Frage kom- 
laen zu lassen, Schwartzenberg musste im Haag alsbald nach Vorle- 
gaag des neuen Prorisionalvergleichs speciellc Erklärung darüber abgeben 
aad der Kurfürst es noch überdies durch eine besondere Versicherung ver- 
briefen, dasa Brandenburg die Hoefj'serscfae Schald uebst Zinsen wieder 
auf die ihm zufallenden Landesthcile übernahm und in fünf Jahresterminen 
«o beticbtigen versprach"). 

"J Gosmar Schwartzeoberg p. 123. 

") S. darüber den »pologettsclien Abschnitt (13) bei (losinor p. 221 ff. 

»•) Attsema I. p. 1064. Roussei, II. p. 116. 

•») Acte dat. Haag 31. Juli 1629 bei Aitjema I. p. 924 f. Roüsset H. 
p. lli ff. and wiederholt durch eine Obligation des Kurfürsten Georg Wilhelm 
dat. Königsberg 8. Oct. 1629 bei Aitsema L p. 925. 



n 



I. Brandenburg nnil die Niederlande. 



Somit war oacb diesen Verhatidluagen von 1629 aad 1630 Braadeaborg 
weit iibeler gestellt «Is Kuror, Allerdings hiUt« lier Pfalzgraf in einem Ne- 
benrecess zu Düsseidorf (9. März 1629) versprochen, die Stände Ton Jülich 
zo ^disponiren", dass sie dem Knrfürsteii spätestens innerhalb dreier Jahre 
die Summe ron lüO.OUO Rth., die vou Berg, dass sie ihm 60,000 Rth. zahlen 
sollten; es war die 3Ieinung, dass diese dann zur Abtragung der Hoefyaer- 
Hchen Schuld verweudet würden. Aber auch nur die.se ganz laxe Verpflich- 
tung in möglichst wenig bindender Form hatte Schwartzenberg dem Pfalz- 
gr&fen abgewonneo; eine Haft für das Aufkomme a der Summe hatte dieser 
nicht übemommeo, und es war leicht vorauszusehen was geschah — die 
jillich-bergisehen Stände weigerteu die Zahlung, sie erklärten allerlei Ge- 
genforderungen an Kurbrandenburg zu haben nnd der Pfalzgraf (dem na- 
turlich wenig daran gelegen war) hielt damit seine Verpflichtung für erle- 
digt: er habe nur versprochen, seine Sfände dazu zu „dispouiren", dies habe 
er nach besten Kräften aber vergeblich gethan, selbst für die Zahlung auf- 
zukommen, sei er nicht verbunden"). 

Ebenso unklar «od unbefriedigend war das V'erhältuiss zu den Nieder- 
landen, in welches man durch diese Verträge trat. Der neue Provisional- 
vergleich mit Pfalz- Neuburg hatte im Grunde die Tendenz gehabt, eich 
durch denselben you dem ßündniss mit den Gencralstaaten lösen zu kön- 
nen, und nun war es vielmehr dahin gekommen, dass erst unter ihrer Mit- 
wirkung der wirkliche Abschluss erreicht worden war; eben dieser Ab- 
sobbisä aber war von der Art, dass es Bnindenbnrg schwerer als zuvor 
gemaelit war, ^ich der fortdauernden Wirkung der Alliance vou 1622 zu 
entledigen. Wie nachtheilig auch die jetzt sanetionirte Landestheilung sein 
mochte, nicht einmal in den ihm zugewiesenen Landen konnte der Kurfürst 
sich alg wirklichen Hf-rren betrachten, so lange die kraft der Alliance ge- 
worbenen Truppen, mehr den Niederländern als Brandenburg verpflichtet, 
im Lande waren, so lange die festen Plätze in den Händen jener sich be- 
fanden und die Hoefjrsersche Schuld unbezahlt blieb. 

An eine freiwillige Räumung der cleviscben Festungen von Seiten der 
Niederländer war Ireilich bei Fortdauer des Kriegb rücht ernstlich zu den- 
ken, nnd der spätere Vertauf zeigte, dass sie auch nach Beendigung des* 
selben aus diesen glücküch erlangten Posten nur im änssersten Fall zu 
weichen etitschlossen waren. Jetzt hatten sie neben den andern auch den 
wichtigsten dieser Plätze, Wesel, in ihrer Hand, welches durch einen glück- 
lichen Handstreich deu Spaniern entrissen worden war. !Nur das war ein 
Resultat, was allerdings erreicht wurde, dass nach langen Verhandlun- 
gSD mit Pfalz - Neuburg oiid deu Spaniern die niederländischen Truppen 



I 



**) Die Richtigkeit der Argumentation des Pfalzgrafen erkennt aach die cle- 
vische Regierung in dem Memoire über die Hoefysersche Schuld (1€4I) 
an: „An nnserm wenigen Ort müssen wir es davor halten, dass der Herr Meieter 
(Schwartzenberg) in dii*«t.<m pasa« den Herru Pfalzgrafen nicht genug vinculirat 
und dass .... diese Forderun^i; nicbt allerdings ilqnid and darauf kein gcwieser 
Staat zu machen;" doch soll man, fugt das Mt^noire hinzu, desshalb immerhin 
damit durchzudringen suchen. 



rit- 



EinleiluDg. 



1 



»ich anf die Bcsetznog ron Wesel , Etnnieridi und Rees beschränkten mid 
dää übrige Laut! frei Hessen; im April 1631 erfolgte diese Concentrirung 
nach den drei Festungen bin, die mit anpefahr 5O0O Manu besetzt wnr- 
F ■ den"). Immerhin blieben dabei von den in Dienst gewesenen Truppen 

P* I noch bedeutende Theile übrig, welthe liie Oeneralstaaten nicht Übernahmen 

P' I and die daher Braudeiibnrg nucli weiterhin zur Last fielen, besouders das 

P' w nach seinem Obersten ho genannte Oent'sulie Regiment. Da anch von spa- 

r^' I ciiscber Seite in den Landen des l'l'alzgrafen eine gleiche Eänmung eintrat, 

Inr die Lande somit vorläufig die so lang erwünschte Neutralität Jetzt er- 
reicht sehieu, so ^nullte Schwartzcuberg «ich natürlich auch dieser koste 
spieligea Reste so bald aU möglich zu erledigen. In den folgenden Jabreifl 
ist über die Abdaukung derselben iirinbläi-sig verhandelt worden; die Ge- 
i^abt I nernl Staaten hntt^'n die weiten Zusagen Uraudenburgs in denj Vertrag von 

l»i22 für sich, wonach diese.s selbst noch anf zwanzig Jahr nach Auflösung 
derAUiauce zm Haltung von 30i)(J M, in niederläudischem Dienst sich vei! 
pflichtet hatte ") ; verschiedene Vcreuche in den uäch^ten Jahren scheitert 
theils an der Weigerung der Ueneralstaaten, thcils (ab diese sich zn eine^ 
Coüipromiis geneigt zeigten) an der Unmöglichkeit die zur Abdankung de 
Trappen niithigen Gelder von dem Lande so erlangen"). Endlich im Jahr 
163ß kam man wenigstens über diese Angelegenheit zn einem Abschluss. 
Zwei elevische Rcamte, der Cauzler W inand v. Heimbach and der Land- 
drost Johann v. Broel gen. Plater, brachten im Haag ein Abkommen 
«u Stande, welches alä ein unter den obwaltenden Verhältnissen sehr gün- 
stiges bezeichnet werden mnss (4. Sept. 1636)"). 

Die Generalstanit'u verzichten in diesem Vertrag definitiv anf die von 
Brandenburg im Jair lßU2 libcruommeuen Verpflichtungeu ; sie verlangen 
ausser dem, was Kur Ablösung derselben bereit« geKahlt worden let, nur 
noch die Summe von 12T,f)(IO holl. Onlden; dagegen geben sie fortan (mit 
Auignahine der Festungen Emmerich, Rees und Wesel) dem Kurfürsten den 
Besitz und Genus» seiner Lande frei und verziehten auf alle weiteren 
walteamen Erhebungen in dciiielben, geloben aber dabei doch auch für we 
terbtn den Schuw dieser Lande, wenigsten» „koo veele de gelegenlheyt va 



re^H 

rt^fl 
ne^l 
d^ 



den 



»•) Alex, ran der Capellen Gedenkschrifteu I. p. G23 (wo GOOO atatt 50.000 
xn lps«n ist). 

"f Diese Verpttichtung iät in iler Alliance vou lti24 nicht formell eruuuerl 
worden, wurde aber als noch bestehend sogenomiuen, da der Vertrag von 1624 
onr als eine nähere Bestimintsng des früheren galt. ^m 

"} Di«de Versuche scbilüert ausrührlich der oben (not> 3) genanntä BeriebtH 
in den Jahren vnn irKl2 «u wurden dreimal 12tU')00 huU. fl. gezahlt als Ablö 
soag ftu- die übernomiuencn Verpflichtungen, ober die Ht.>li.änder erklärten diea 
für an7.itreicheDd and verlangten die jährliche WeiterbezaUlung der Summe bi 
tu einem definitiven Vergleich; waa dann etwa zu viel gezahlt worden sei, köui 
man au der Bui'fjrseTSchcD Schuld kürzen, 

") Altsemn U. p.336. — Der jnnge Karprinz Friedrich Wilhelm, der 
io dieser Zeit nch gewöhnlich za Dorrewaert bei Arnhelm aufhielt, kam wah- 
r«nd der Verimudlung im August 1636 selbst nach dem Haag und legt« sein 
Wort für den Abächluss ein (ebendas.). 



I 



J 



14 



I. Brandenborg und die Niederlande. 



dereelver Staet s&l komeu te Igdeu" ; sie verpßichten sich endlich, den PfaU- 
grafen Toa Keubnrg zur Zatilnng der 1629 rerBprochenen Summen „met 
alle gevoeglijke middelen ende soo veeie doenlijck* za veranlassen. 

Hiermit war denn nun, nie das öfter erwähnte Gutachten eich ana- 
drückt, „das grosse nud weitaussC'hende nnd viel Millionen auf sich habende 
Prätensionswerk and der ganze AUianzlärin im vierzehnten Jahre nach sei- 
ner Geburt schliessHch mit 127,000 Onldcn einmal vor alle abgefunden". 
Natürlich nicht in der Weise, dasa nun in der Tliot alles glatt und rund 
zu Ende gewesen wäre; aei es die allerdings änsserst schwierige Yerschlun- 
genheit solcher Geld- und Schuldverhältoisse'in dieser Zeit, oder die mau- 
gelhafte und incousequente Behandlung derselben durch wechselnde Be- 
amte"), oder auch geflissentliches Uebriglassen eines und des auderea 
Pnnetes als gelegentlich brauchbarer Handhabe zur Ausübung eines Drucks 
öder Gegendrucks, od^r sei es allcü dies zusammen — man schloss in dieser 
Zeit nicht leicht ein önancielles Abkommen zwischen zwei Staaten, ohne 
dasä sich nachträglich einige nicht erledigte Puncte fanden, an denen mau 
weiter einsetzen konnte. Wo ein Stärkerer gegen einen Schwächeren stand, 
war dies natürlich besonders ergiebig, und die Niederländer hatten in Geld- 
sachen iu determinirte Ansichten, als dass sie sich dies hatten entgehen lassen. 
So spielen auch hier nach dem Vertrag von lö36 und nachdem die atipu- 
lirte Summe von 127,000 Gulden längst berichtigt war, die Nachforderungen 
der Generalstaateu au Kurbrandeuburg unter dem Titel von YorsohüsBen, 
Restanten etc. noch eine lauge und verwickelte Rolle; es würde wenig loh' 
nen, diesem Gewirr ius einzelne nachzugehen, so wenig wie den Gegen- 
rechuungen, welche die andere Partei auch ihrerseits aufzustellen nicht un- 
teiliess. Jedenfalls wenigstens in der Hauptsache war diese für Brandes- 
bürg lästige Angelegenheit hiermit bei Seite geschafft. 

Als eine nicht minder peinliche Last blieb nun freilicU die Hoefyser- 
scbe Schuld doch noch übrig, uud die Niederländer hatten vielleicht nm 
so leichter sich zur Ablösung der anderen verstanden, als diese für sich 
allein noch immer voltständig hinreichte, nm Brandenburg in einer Art von 
Abhängigkeit zu erhalten und bei jeder passenden Zeit ein neues Pfand- 
recht auf die Dumainen uud Einkünfte von Cleve beanspiuchen zu können. 
Denn im Lauf der Jahre war diese Schuld in den Rechnungsbüchem des 
Admiralitäts-Einnehmers Hoefyscr aufs erklecklichste angeschwollen; nach 
einer clevischen Berechnung vom Anfang des Jahrs 1641 betrugen die Sum- 
men, welche von 1618 nn bis dahin nach und nach darauf abbezahlt worden 
waren, zusammen 258,784 S. holl., also etwas mehr als das 1616 entliehene 
Capital"); aber als um eben diese Zeit Hoefyser die Specißcation seiner 
Scbuldforderung den Generalstaateu zur Prüfung vorlegte, so belief sich 



4 



*^) z.B. gestand Schwartzeuberg zu wiederbolteu Malen bei seinen Ver- 
handlungen im Huag das Princip der Zinseazinsen ofäciell zu, während es von 
anderen nicht anerkannt wurde; in dem obigen Vertrag von l(i36 ist dasselbe 
Rlr die Hoefyaerscha Schuld formell zugegeben von zwei Mitgliedern der clevi» 
•chen Regierung, welche «inige Jalire daranf es wieder bestritt. 

"J Memoire über die Ho efys ersehe äcbuld. 



EuleituDg. 



i3 



dwMlb« Dach Abzug des bereits gezaUteu noch aaf 1, 126,955 fl. hall, d. L 
dafi Capital war nach Verlauf von fiiof und zwanzig Jahren etwas mehr als 
TArfuunacbt worden"). War nun auch diese Berechnung Hoefyser's ge- 
wiis von yorn herein mit Rücksicht darauf gestellt, dass bei der Realisiniüg 
donelben bedeutende Abzüge, Correctoren and Gegenberechnangeu eintre- 
ten würden, so blieb doch jedenfallg die von Brandenburg auzuerkeuuende 
Somme noch immer von einer solchen Höhe, dass an eine baldige Abzah- 
hnig in den jetzigen Verbältnissen nicht zn denken war, und die General- 
atftaten hatten als Bürgen der Anleihe nnd als natürliche Beschützer der 
lBtere»eeii ihrer Staatsangehörigen das Recht und die Pflicht dafür einza- 
Btehen nnd Brandenburg damit &o sehr zu bedrängen, als ihnen jeweilig 
MgemeBsen acbieuj ausserdem beanspruchten sie selbst unter dem Titel ron 
Restanten, Torschüssen etc. noch über eine halbe Million Golden, wovon 
freilieb die clerische Regierung nur 50,000 als liquid anerkannte. 

lo dem Vertrag vom 4. Bcpt. 1636 war anch über diese Schnldgache 
neae Beetimniung getroffen worden. Der Kurfürst versprach, ?on jetzt au 
im regelmässigen Jahresraten von 50,000 Rth. Capital, Zinsen und Zinses- 
noseDi abzutragen"); die Generalstaaten sollten, um ihm dies zu erleich- 
tern, ihre Autorität bei dem Pfalzgrafea von Xeabnrg für die Bezahlung 
dar 1629 von ihm auf den Namen seiner Stände zugesagten Summe ein- 
tflftMo; mit Hinznnahme einer Vergütung für Ravensberg nnd Rarenstein ver- 
Uagte Brandenburg jetzt auf diesen Titel 116,000 Rtb. 

Uatürlicb läugnete der Pfalzgraf nar.h wie vor jede persönliche Ver- 
pBicbtung fiir diese Summe. Brandenburg versuchte umsonst die General- 
stAftten zu überreden, dass sie die Forderung au Pfalz - Neuburg an Zah- 
lui^atatt für die Hoefyserscbe Schuld annehmen und, ühulich wie es 1624 
gMCbeben war, die Beibringung derselben selbst auf sieb nehmen möchten. 
Ui* politische Parte istellnng, welche Kurfürst Georg Wilhelm seit seiner 
Eifkläruag für den Prager Frieden ergriffi war nicht von der Art, am die 
Niederländer zu besonderen Gefälligkeiten zu veranlassen; sie hielten sich in 
itrictester Weise an Knrbrandeabnrg; wenn sie noch im Vertrage von 1636 
dem Eorrürsten zugesagt hatten, ihm auch bei seinen clevischen Ständen 
rar Aarbringung der nöthigeu Summe mit ihrer Autorität behilflich sein zu 
vollen, so war bald darauf eben diesen Ständen die formelle Versicherung 
erthwlt worden, dass die Generalstaaten zur Tilgung der Schuld sich 
l«d|^wh an die icurrürstUcheu Domainen und sonstigen Einkünfte halten 



*^ Aitsema U. p.'l26 (ad a. 1^) gibt in Bausch und Bogen 500,000 Rth. 
aa. — Wurde das Nehmen von Zinseazinaen lagestanden, so war gegen diese 
Bechoung , Einzelheiten etwa ausgenommen . wo) nicht viel ^insuwendeu ; ein 
Cspftai von jenem Betrage erreicht iu 25 Jahren unter den obigen Bedingungen 
aUerdines ungeßhr die von Hoefyeer angegebene Höbe. Die Differenz lag 
hM^taäcUkh darin, dass die Frage der Zinseazinseu controvers war, und sodann 
darin, daai von brandeaburgischer Seite ausser den direct gezahlten Geldern 
eiiia grosse Menge freiwilliger oder gezwungener Leistungea, sowie Schädigungen 
dei Landes aad besonders der kurfürstlichen Domainen in Gegenrechaung gssetit 
«wdeB koantca, 

**) AitsenalL p. 337; der Betrag der Schuld wird hier nicht genannt 



16 



I. Brandenburg utid diu Niederlaude, 



wollten'*); die Sohnld sollu- betrachtet werdeu als Schuld des Fürsteu, nicht ^ 
des Laode«. H 

Der Erfolg von iilleiu war, dass der Koletzt versprochene Zahhiiigstermiii 
auch diesmal wieder nicht eiügehalten wurde. Es kam noch hinzu, daS3 
trotz des 1636 gegebenen entg:egengesetKten Versprechens gleich im Som- 
mer darauf die Niederländer doch das Herzogthum Cleve wieder mit einer 
Ueträchtlicheti Trnppeneinqnartierung helegtea, welche deu Einwohnern ühne 
jede Entschädigung zur Last Gel und welche die Stände noch weniger als 
juvor geneigt machte, auch noch die fällige Jahresrate von 50,000 Rth. aof- 
zabringen. Die Jahre 1636 bis 1638 verstrichen auf diese Weise, ohne dass 
die Angelegenheit irgend weiter geführt wurde. 

Indess regte sich doch nun der eigentliche Gläubiger Hoefyeer. Er 
hatt« als Eassenbeamter des Amsterdamer AdmiralitÄtsico]!egs nicht nur 
seinen eigenen, sondern nnch den Credit dieser Behörde eingesetzt, die ihn 
dazu bevollmjichtigf hatte. Es waren von ihm Obligationen nnsgegeben 
worden, theils von ihm allein, thoils auch von Mitgliedern des Admiralitäte- 
collegs mituntrrzeichnet, welche auf die ^Brandeburglische Penningen* lan-^J 
teten; diese wichtige Behörde war also mit ihrem Namen und Credit be{^^ 
der Sache betheiligt, ohne dass üie bis dahin auf die Behandinng derselbea ' 
einen Einfluss geübt hatte. Wenn nun auch nach dem letzten Vertrag doch 
wieder die Zahlungen von brandenhnrgischer Seite unterblieben, so begann 
jetzt die Admiralitüt zu drängen; sie klagte bei der Stadt Amsterdam, diese 
bei den Staaten von Hollaud, diese bei den Generalstaaten, dass der Credit 
des Admiralittttscollegs unter diesen V'erhaltnissen zu leiden beginne; es 
wurde energische Abhilfe verlangt, man beantragte Executioa gegen Brau- 
denborg im Herzogthum Cleve. Nicht minder drängte Hoefyser seihet; 
er hatte in der That einen schweren Stand sowol der genannten Behörde 
gegenüber, als auch weil er selbst ansehnliche Summen zur jährlichen Zah- 
lung der fälligen Zinsen hatte aufnehmen müssen, die nun auf ihm lasteten; 
er verlangte gleichfalls Execution gegen den Kurfürsten ; wo nicht, so wollte 
er, wie er drohte, mit all seinen Gläubigem im Ilaag vor deu Generalstaateu 
«scheinen '"). 

Die Sache schien sieh einer Katastrophe nähern zu sollen; mit der 
äüssersten Noth brachte man für das Jahr 1639 einige Gelder stif, die ent- 
richtet wurden"); aber danät war man auch völlig erschöpft und die clevi- 
schen Stände, besonders die Städte, verlangten vor jeder weiteren BewilU 
gung erst Abstellung ihrer Gravamina und nuterhandelteu inzwischeu 
Haag wegen Festhaltnug der ihnen 1638 von dort her gemachten Zusiche- 
rung. Dazu nun traten jetzt die Gläubiger Hoefyser's gerichtlich gegen 
ihn auf; sie erlaugten im Februar 1640 zu Amsterdam ein Urtheil, welches 



illi- , 
he-" 



■*) Erktörang der Generalstaafen dat. S. Dec. 1638, citirt bei Aitzema 
p.724 (ad u. 1640). 

»^ Aitzemn II. p. 642 (5. Oct. 1639). 

*') Das Memoire über die Hoefj^serBche Schuld (1641) gibt als im 
Jahr 1639 beKuhll 60,937 fi. holl. au, also bei weitem nicht die jährlich zogesa 
SumniG von öO,000 BtL 



Einleitiuig. 



17 



Kor Zahlung eoadeionirtc ; er eiltu nach dem Uaag, um getndosam mit 
den Depatirteii der Admiralität aufs dringendste die Execution zu ver- 
ngcn"). 

Am 4. AprU 1640 besehloasen die Geueralstaaten endlicL, die Execution 
jegeo die Dotuainen des Herzogthams Cleve ins Werk zn setzen; der 
UaaCsrath (Racdt v&u Stute), als oberitc Finanzbehörde, ward mit der- 
eibea beauftragt, und dieser ernannte zwei seiner Mitglieder, Alexander 
ran der Capellen und l*L'tfr ßontsTraert z\t ihrer Leitung"). Indess 
^Wahrte ei doch noch mehrere Jluuate, ehe der Beschluss svirkücli voU- 
Aihrt wurde; als im Juli uoch immer uichts geschehen war, drängten die 
^t&&ten von Holland anfs neue, sie verlangten, dass die Execution dem 
itaat.srattt aligenommen und ihnen aufgetragen werde"). Dies geschah 
nun zwar iricht; indes» niuss^te nach eittifjem weiteren Zögern doch Ernst 
gemacht werden. Im üftolter begannen dif beiden Commitsare des Staats- 
raih^ ihre Thütigktit, indem sie an verschiedcueu JStellen, vorerst besonders 
in Lymer* und Lobiih, die kurfürstlichen Zoll- und Licentijcamteji, an an- 
dern Orten die Furi-tverwaliuugen suspcndirten, die Kassen mit Beschlag 
belegten nnd entweder neue Beamte austeilten oder die alten für sich in 
Pflicht nahmen"); die gesuiuniten landesherrliehen Einkünfte des Kurfürsten 
«ollteu jiuf diese Weise VDriauliy; in Besitz geuümmen werden. 

So ivatte man denn endlich die gefiirchtete Execution im Lande. Die 
Acten der iiäehstou iiunate sind* voll von Klagen über das gewaltsame Auf- 
treten der staatischen Execulorcn, welche zugleich mit den clevisehen Stan- 
ien in Vnterhaüdliing traten, um sie zur Zalduug einer Abschlagsurame zu 
bewegen. Von der andern Seite erhoben die Truijpen der Landgräßu von 
Uestien, die seit einiger Zeit sich im de vischen einquartiert hatten, die 
drUcktadsteu Contributionrn. Und bei all dem weigerten die Staude, be- 



") Bi-ridit liiia hnuitlenbiirgtsctien Agenten Christian v. Heimbach aus 
leo Haag iltit. 3. März ItiiO. 

**j Bericht H<>iml>«c)i'H dat. Emmerich 23. April 1640. In Cnpellen'a Ge- 
denkachriftcu {Ctrecht 1727) findet sich über diese ganze Augulegenheit niehta. 

**) Aitzemu II. p. 723. 

**) Besunders der Zoll von [>obith war ein suhr einträglicher; eine bei den 
Acten v\.trliaiulene Tabelle gibt die uncbfulgenden Zahlen: 
1612 - 21,3Ü'. lüli. l(j Gr, 





1613 - 14..st;s 


•26V, 




1614 - H;,.M:i - 


18^/. 




1615 - lO.-tls - 


i»Vt 




16li; — i7.(;;»ii - 


7 




1617 - 16,.'.7a - 


2'/. 




1618 - 15.082 - 


3 




161'J - 13,7M • 


lliV. 




1620 — 12.16!) 


SO';, 




1021 - U,iAil - 


i'l. 




1637 — 14,6:i7 - 


12 




1638 - 10.833 - 


P 




163a - 9.2711 - 


28 


IbUr. 


lot Ottk. i. Cr. KurninKii. IV 





Dana fehlen diu Angaben bis 



Brandenburg xmA di« Niederlande. 



sonders: die Städte, nicht nnr jede AnshiDV, sondern Hessen sich diese neue 
grüudliche Absehwäcliung: der landet herrliclien Gewalt so wilikominen sein, 
dass &ie, statt zti helfe», viflinehr auch noch gegen die Ma^-isregeln iii><ge- 
heitn operirtcn, welche von dem Kurl'firsten und der clcvisohen Regierung 
zur Rettung aus der augenblicküehen Notii verMicht wurden'*). 

Diese MassregeJQ waren zweierlei. Man entsciiloss sich einerseits, die 
aogenblii'ktich nöthtgen Uelder aufs schleiinig-stt' durch eine Yerpfaadung 
herbcizubringen; der kaiseriiehe Generalteldzcuguieister Freiherr Ale.i£ander 
ron Vehlen") liesa sich bereit finden, auf da» clerisehe Amt Scherett- 
beck und das Kirchspiel Bruiien öO.UOO Kth. dnr/.ostrecken; er war be- 
reit selbst noch mehr zu gehen, wenn ihm daii geuaiiute Amt itl» Maiiulehen 
überlassen würde"), iiaii blieb l»ei der Verpfandung; von der genannten 
Somme wurden ITjüÜO Kth. an Ilocfvser ausgezahlt. Trotzdem und trotz 
den aus der Esecution flicbseudcn Oeldcru erfolgte Anfangs April 1641 seia 
fttnnliches Fallissemeul. Es mu.«s dahin ges-tellt bleiben, uie weit dasselbe 
ein anfrit'htiges war"); jedenfalls war die nächste Folge des Ereignisses, 
dass die niederländischen Behcirden nnn noch mehr als bi»<her diese Schuld- 
sache als ihre eigene in die Iland nahmen: die Person Hoefyser's tritt 
jetzt ganz ^euriiek, das Admiralitätscolleg überuiramt die Schuld, sie wird 
fortan auf niedcrlandiecher Seite völlig als Staatsschuld behandelt. 

Die andere Massregel, die man ergrift', war die Sendung des brandeo- 
burgiücbeu Kriegsraths Joachim Friedrich v. Blumenthal nacii dem 
Haag, Blumeuthal hatte so eben geineiu!>am mit dem geheimen Ratk 
Erasmus Seidel lange fruchttose Ycriiaudlungeu mit deu elevisehen Stän- 
den geinhrt, um eine thäiigc Beihilfe zur Abwendung der drohenden Exo- 



**) So Boeliteu sie besonders die gk-ieh zu erwähnende Verplandung deg 
Amts Scherenbeck zn verüiiidern, itdem sie, allerdinga rergoblich, den Freilierrn 
V. Tehlen „geintiniideert btbben". Aitzcma II. p. 724 (ad Aug. 1040). 

iTj Vergl. über ihn Ledebur Archiv VT. p. 358. 

") Ee iat ein Zug. der zur Ciiaraktoristik der iuueiea Goscliiebto des dreiasig- 
jäbrigen ÜtriegeB gehört, wie h.iufig ia dieser geldarmen Zuit hellere Officiere als 
Inhaber grosser baarer Capitalien auftreten; der goldene Bodea des Knegslmad- 
werks, besonders in den oberen Steüen, tritt da deutlieli za Tage; besonders 
begegnet häufig die Anlage solcher CapttaliI^n zu käuflicliem udur Pfaiiderwerb 
liegender Herrscbaften , und die andaueruden Geldverlegeuhotten der Fürsten 
mögen dazu bäufig benatzt worden sein. 8o hier der Freilierr \\ Vehlen; 
ebenso der frühere hessische Generat Melnnder (v. Htillzaiiftl; s. a. die Rela- 
tion Blnmenthars aus d. Hang dat. 20. Nov. 1G40) , anderwärts nennt der Kur- 
fürst einmal ganz im allgemeiucn die „KriegsofScirer" oIb die Leute, bei denen 
man am beetea eine Anleihe machen kann (a. u. Instruction für Moll dat. 18, JaU 
1648). Ebendahin gehört da.? Geldi^eBCliaift des Kurfurslun mit Hnwalü bei Ge- 
legenheit des polnischen Kosakeuaufalundes, worüber e. diese rjamuilnng Vol. 1. 
p. 269 tr. [n anderen Kreisen ebenso, z. B, der kaisctiicht: Guuernl Aldringer 
bei ITnrter Ferdinaud II, Vol. IV. (XI,) p, 103 u. a. m, 

*') Nach Aitzema 11. p. 7öSI wurde daran gezwetfell — „zijndo anders dner 
na geblvken, dat h>< wel konde be taten", Vergl, die Kelaliou Blumeuthal's 
aas dem Haag dat. 16. April 1041, 



EmleitoDg. 



19 



on ihflcn zu erlangen; er giilt als eine hervorragende Capacität in 
FiaaDz^achcn nnd musste iiisorern als besonders geeignet ersrheinen, aaa in 
die**!!! kritiseheti Moruput den LieJerliiadisehen Rtclienkfjnitlern pegrnüber- 
zotreteu'*). Freilich wuren ulior ancli die Cüiicesssitineu , zn denen Bin- 
aeothal ermac-litigt war (.?. Am unten fotgiMidc lustruction), ron so weit 
gebeoder Art, dass die Aaualirae niid DurchCiihrung derselben nicht viel 
weniger ▼erderblieli erscheinen mnsste als die Executiuu selber. 

Mit den Actea dieser Gesandtschaft, welche iu die ietjten Monate des 
Kurfürsten ücurg Wilhelm und in die erstea seines Kaehfoigers fallt, 
eröffnen wir dieseu Abschnitt. Die Relationen Blnmenthal's aus dem 
Haag gewähren ein lebeudigeä Bild von dem Troibeu ata diesem diplomati- 
schen Ce(itrati>unct des hiebzebriten .TnhrlmiKierts; aber ihm bo vfcnig als 
seioen Yorgangcru gelang es, di*- peiulicho Schnidsacho zu einem befriedi- 
genden Altschlups tu fürdern. Schon hier tritt uu» der Gedanke einer orn- 
nisclicn Iteirat fiir den jungen Kurnirüteu Friedrich Wilhelm entgegen; 
es scheint, das« ItlnmentKal auf eigntie Fanst denselben im Haag tiuge- 
jTgt ond für K*Inc Verhandlungen benutzt bnt"). Aber 6o gern Prinz 
Friedrich Heinrvcli von Oranien üchon jetzt auf einen solchen Plan 
Mochte, anj Hofe zn KiinigÄbcrg trug man sich mit ganz anderen 
' I), und es wt «weifelhiilt, ob die Aiirejiungen ß) umcnthal's dort 

auch nur beitnnut geworden ?iud. Nach langen Bemühungen, während 
deren in derlliimath durch den Tod Georg Wilhelm's und Schwartzen- 
berg'i: die Vt-rhaltnissc sich völlig verwandelten, und während von dort 
schon der Befthi zum Abbrechen «ler Vrrhandhing ergangen «ar, erhielt 
der Gesandte seine Kudrc-olutioa von den GeneraLstaateu am lt. Mai 16^1"). 
Die Executioa wurde allerdings znrnckgciiommeu; dagegen VoHte der Kur- 
fiirst «b'^rinaLi «ich verpflichteii, jährlich .'»«,000 lilh. auf Abschlag zu tüWea 
niii] al.'. Pfand wollte» die Gcneralstaateu die Walser- und Landiicenten 
von Lobith, Iluhrnrl und Genne[> neb^t anderen ähnlichen Einnahmen im 
LAsde io der Hand behalten : die Annahme der oben erwähnten Schuld- 
fordenng von 100,000 Rth. an Pfalz-Neuburg an Zahlung!- Statt, mit der 
Vtri'flifhtung sie srjb.-t beizutreibeu, woranf B!nme n t bai besonders ge- 
druiig»u hatte, wurde ubge.^cb lagen; höchstens eine freundschaftliche Er- 
mahtiang nn den Pfalzgrafen wollte mau ergeben laseeu, deren Erfolg leicht 
Tonwsiusehen war. 

KariUr:t Friedrich Wilhelm bereichuetc an dieser Stelle seinen Eiti- 



♦•j So wurdf» er auch iiu TTaa^ heurtheilt: ,.hy .^opht liet met rekenen 
Beeel te bctalen" sagt Aitzcma lt. j>. T69 von ilim, der ihn übrigens als 
„eeo «ijg üttde viTStantligli Kdtlman" lobt (}>. 801). 

•'; \Ve<Ier in der Instruction, noth iu «Ilmi RL'Intlün'^n BlumentUors ist von 

il<>fn PUn die Kfld«; dti;;fia;eü versicIiTt Aitzuma «iodvrhoH anf das beatimro- 

''<; davon i;i(i;nKie!t wurden svi — „maer Eontler veel ghevulgh, 

i->t (lel ooijb m«er bad op de Koniugiu van Sweden"; er fügt 

hinza, m Hufu im Haag .,8e«r ghelujrstert na het propoost van cen 

IJuweliJK . :. ,,. 726. 769. «Ol. 

♦•j Aitzvioa II. p.Bül. Londorji Acta publica V. p. 741. 

52» 



20 



I Bramltsnliursr iiinl ilie Niederliinde. 



tritt dfirait, ttaws er diesem Abitüiiiiiifii seiue Ratification versagte. Was 
vor allem Noth tliat und was Braii'lenbarg vcrlaügtri inuästc, war, dasa 
endiieli durch eiac authentische uud uuter beiderseitiger Tlieilnahnie vorge- 
nommene Rechnung uud Gegcnrecliimng festgestellt wurde, welches nach 
den li.sherigen Alizahhingen und hd den GpgeufordpTiingnii Brandenliurgs 
der wirklich liquide Behiuf der Schuld war. Dies war bis dahin ia keiuur 
Weise geschehen; die Vornuhuie der Litjuidatioii war im Jahr 10'2y sti- 
puHrt worden, aber iiaehmals doch unterblieben. In all de» Verhfindlungon 
und Verträgen über diese Angelegenheit forderte der eine Tfieil und ver- 
sprach oder leistete der andere Hezahlunjf auf eiao Sehuld.suninH' hin, die 
nirgends genau angegeben nnd beiderseits aiiprobirt wsir; auch in dein Ab- 
kommen mit Bluraenthal hatten sich die General Staaten wieder begnügt, 
dieselbe als .,ccn seer groutc en exeessive sommc" m bezeichnen. Es ist 
klar, dass eine s<jlche Unbrstinimtheit in die>,('m Falle dem Gläubiger ebenso 
bequem, als deru i>chulduer unlief|uem sein luasisti'. Vi>n iSeginu der neuen 
Regierung an wird vun briindenbiirgiseber Seite die Forderung der läqni- 
dntiou als Vorbedingung für alles weitere vorangestellt, wahrend die Nie- 
derläniier theils dieselbe geradejin weit^em, theil? durch die einseitigste Be- 
handltiug der Sache den Abichlu^s uniuOglieh nnichen. Endlos schlingt 
sich von hier «b von neuem dieser Schuldprocosa mit immer wachsenden 
Zahlen durch alle weiteren Beziehuageu zwischen der niedcrliindisehcn Re- 
publik und dem braudeiiburgisehen Stnate nntiT Friedrieh 'Wilhelm; 
das zeitweilige Kiihen und Wiederaufleben desselben lauft parnlict nebcD 
dem WecliKol frenndschaftliehcr oder gereizter Stimmungen her, wie er sich 
aus der jedesmaligen Complicntion der poliiischen Verhältnisse ergab. Be- 
sonders die Provinz llullnmi hielt mit der grti.ssten Schärfe die erhobenen 
Ansprüche in ihrer ganzen Ausdehnung und mit gefli.ssentlicher Uinaas- 
BcbiebuDg einer abschliewscnden Regelung fest; man konnte, nicht ohne 
einigen Schein, das Benehmen nollands dahin deuten, ah sei die versteckte 
Absieht dieser Mucht, die braudeaburgische Öciinid mit Zinsen und Ziases- 
ziusen alhuälip so hoch aufschwellen zu lassen, dass die definitive Besitz- 
nf hme von Cleve sich schliesslich mit einem einfachen Rechenexempet recht- 
fertigen Hess*'). Jedenfalls gewannen die Holländer auf diese Weise einen 
Vorwand für ihr ferneres Bleibeu iu den clovisehen Fcstuiig<Mi und an den 
luerativeu rheiniselieu Zollstätteu; sie würden freilich auch ohne denselben 
kaum freiwillig von dort gewichen sein. 

Wir gehen hier nicht über den Zweck dieser einleitenden Betnerkungen 
hinaus auf die Einzelheiten des weiteren Verlaufs der Angelegenheit ein. 

*■) So der brandeaburgiselie OcsantUe iu EngltiDd Christoph v. Brandt 
im J. ICfii, wu die Slauteu wieder mit Exectition druliten und dennoch sieh hai-t- 
nückip weigerten, eine ordcnlliclie LIqnitünunj der SdnUd vnrzuni?limi'n; er fürch- 
tet, man werde die Schnid se lunge »ich sumuiirun Inüsen, „biB die Zinsen davon 
den jährlichflu Ordiuargefälien drs Utirr.ogdnnnB Clevc gleich asu fechuen, nm di» 
gänzliche Poascssiun des Herzoglhumä zn ergreifen^'. Droysen Preusa. Politik 
in. 3. p. 100. So (lueh Pufendorf Frid. Gnil. X. 1. ij-G-II als letzlun Zweck 
Johann de VVitt's: „eins Juhiti ... obtuntu ... tota dcmum ea proviuclu ab- 
aorbenda," 



4 



Einleitung. 



31 



K& »rird die Sache der Acten dieser Saniinlung pdti, wenigstens die wich- 
ti^.sU-Q Pliasen dieser MunntreserhrtDiJlmi^ iii der inmmguugläch nöiliigen 
Kiirzung an deti betreffenden Steflen vuriulütu-eii*'), Es Ijcdurfte — um nur 
des f udlichen Aliselilusses luit eioeni Worte zu gedcnlien^ noch einer Zeit 
%oü fftbt fieriig Jahren, ehe dieser durch die Umstäade erzwungen wurde; 
die Nioderlande mussten erst dareh die Invasioti Ludwig's XIV. dem Uu- 
tergang nahe gehracht sein, ehe der Kurfürst seine clevischen Plätze (mit 
Aufnahmo von Wesel und Eees) nicht aus ihren, sondern aus französiächen 
lliknden durch den Frieden von Vossem (1673) zurückerhielt, und eret fünf 
Jatire «pater entschlossen sieh die Generalstaaten, gegen die Kachlassnng 
grosser äubsidieiiretCe und gegen andere von Brandenburg gewährte Zuge- 
6t4tiduisse die Hüefysersche Schuld in einem Vertrag vom 26. FeLruar ItiTS 
endgiltig ta qui«iren**J. — 



Für diesen ersten Abschnitt niederländischer Beziehungen stehen ausser 
den bisher erörterten Angelegcuhetten besonders n'jch zwei nndere im Vor- 
dergrund. Die eine dio Vtrmililuitg des Kurfürsten Friedrich Wilhelm 
mit Louise ileuriette von Uranien, der ältesten Tochter des Prinien 
Friedrich Heinrich. Eine erste Andeutung des Planes bemerk tcu wir 
ichon oben in den ersten Monaten der Regierang des jungen Kurfürsten 
(png. 19), damah vielleicht ohne Wiasen seines Herrn von BInmcuthal 
angeregt. Gcwi>s aber stund auch Itir den Kurfürtien selbst diese Verbin- 
duug 6cbun Irüli als itweite» Glied der Alternative neben der mit Cbrt- 
stiae »un Jscbweden, und er trat in dieselbe eiu, subald er die Uuwahr- 
Bcbeiulichkeit erkanut, die andere, diteb zeitweilig sehr ernstlich beabsieh- 
tigte, la reali»ii"<-n. Wuliretnl wir nun aber den Oatig dieser nach Schweden 
gerichteten Projccte recht genau zu \-crfulgen ira irtoode siod, so verlassen 
ans i&r dos Zustandekummen der oranischen Heirat die Acten Tust durchaus, 
' 'len ebt'n*>i:iwol wie die der niedcTläiidisehcn Archive. Der 
ii ra-eb gefacht, die Verhandlungen kurz und zumeist münd- 
Licb gewesen zu «eiu; der leidende Zustand, worin der seinem Ende eich 
uahirtide Prin« Friedrich Heinrich *ich befand, mochte zor Beschleu- 
aiguog tuabnen; so wurde die Angelegenheit wol mehr in den vertrauüehen 
Formrn einer Famiiiensaelie als in denen einer politischen Verhandlniig zotn 
Absc'ltlofrH gebracht, obgleich die polilisehen Uoffuuugcn, welche der Kor- 
fUrsl Mif diese Verbindung setKte, bich gerade in der Zeit ihrer Schliessung 
deotlich erkennen la.<seN'"), 

Das andere Uauptiheiua dt-r brandeuburgisch-nlederläudischeti ßezie- 
huogeo in dieser Periode l.st die ürundung eine» neuen Altiancerer- 
baltnisseii zwischen den beiden Staaten, Als im November 1646 der 
Kurfürst seine \"enuahlung im Haag feierte, hoffte er zugleich mit dieser 



**) a. voi läufig' Vol. III. dipstr f^iitiiitilttüsr, nolcLur dit», von H. Ilr. Peter im 
|ll**g ^3ammett(.'n Di'.'dertäodiaL'beii Auttiii eDtIia.lt. 

"j P.irüüd<..rf XVL S.99 i>. 1277. Vgl. Urli. a. Actenst. III. p. 607. 
••) Vgl. unten die Abschuitte über die pfalz-aeaburgischen Beziebongen Bsd 
die wesiphaUacliea Fricdensverhundluagen. 



33 



I. Brandenbnnif ao^ die Niederlande, 



FarailienTerbiodung auch das alt« politische Band mit der R«pQbIik der 
sieben Provinzen von neuem titid öliue Sehwierigkeit knüpfen zu, können; in 
feierlicher Versammlung vor den OeiterftUtaaten erscheinend, eröffnete er 
diesen persönlich setue Absichten'"); man trat alsbald in Unierhandlong 
darüber. Es wäre nach dieser Einleitung schwer zu Tertnutheu geweaeu, 
dsss es Ton hier ab fast noch eines Jahrzelintes bedurfte, um die Angelegen- 
heit tum Absehluss zu bringen. Aber gerade die enge Fnmilienverbindung, 
in welche der Kurfürst nun mit dem Haoüe Oraaien getreten war, erschwerte 
vielmehr die Realisirnng seiner Wünsche, statt sie zu fördern. Die Frage 
der brandenbargischen Alliance wnrde dadurch hineingezogen in den Gf€- 
gensntz der beiden grossen niederländischen Parteien und sie .schwankt nn- 
enischieden anf und nieder, je nachdem die Freunde der Oranicr oder die 
Aristokratenpartei der Provinz Holland das Uebergewicht besitzen, ßjs- 
weUen dem Ziele ganz nahe, bisweilen anf einige Zelt ganz abgebrochen, | 
steht dieses politische Geschäft im Mittelpunct aller Beziehungen zwischen 
den beiden Staaten und berührt sich mit all den wichtigsten Fragen der 
inneren und äusseren Politik der Niederlande. Der Aufschwung der ora- 
iiischen Macht unter Wilhelm II, bringt die Verhandlungen dem Abschluss 
nahe, der unerwartete Tod dieses Fürsten (6. Nov. lüöO) und der darauf 
folgende rollkommene Sieg der Gegenpnrtei lässt sie für einige Zeit ganz 
Borücktroteu; der Ausbruch des grossen niederläudi^ch- englischen Krieges 
im Sommer 1652 bewirkt, dass im Herbst desselben Jahres von Seiten 
der Generalstaatcn dem Kurfürsten neue Eröffnungen und Erbietungen in 
Betreff der Alliance gemacht werden; und wiederum die Weise, wie dieser 
Krieg geführt und wie er im Sinn und Interesse der Aristokratenpartei von 
Holland durch den Frieden vom 15. Aprii 1654 beendigt wurde, gibt der 
herrsch luden Factiun neuen Anlass, die Angelegenheit bei Seite zu schie- 
ben; auf Grund der Ansschltessuug des orani.schen Hauses von den uieder- 
läudisehen Staatsämtern (Acte van Seclusie) vereinigen sich die beiden Re- 
publiken, ihr Bund soll jede Reetauraticm hier de» Huuses Uranien, dort 
des eng verwandten Hauses Stuart unmöglich machen. Die Stellung Bran- 
denburgs hierzu war klar vorgezeiehuet; es stand gerade auf der Seite aller 
re staurat urischeu Versuche und mit den Oraniern trat zugleich auch bis zu 
einem gewissen Grade die Sache der vertriebenen Stuarts in sein Interesse ' 
ein. Hierdurch werden auch die Beziehungen der herrschenden niederlaudi- i 
scheu Partei zu dem republtkanis-chen England von hemmender Wirknug 
für die Suche der braudeutiurgiscben Alliance; die Gestalt Oliver Crom- 
well 's ragt bedeutsam in dieselbe hinein. ^| 

Das entscheidende Moment für die endliche Erledigung der Sache bildet ^^ 
dann die mit Beginn des Jahres 1C55 neu auftauchende nordische Frage. 
Karl Gustav von Schweden rüstete zu einem neuen grossen Kample ge- 
gen Polen. Damit waren zugleich die Häfen des polnischen wie des her- 
ZOgHcben Preussen schwer bedroht, war der gesammte Ostseehandcl von| 
nenem der Gefahr ausgesetzt, unter den aussaugenden Druck der schwedi- 



I 
I 



• 



1646. 



") S. den \'urtrag des KorrUrsten bei dieaer Gelegenheit uuten t. d. 13/23. Nov. 



Einleitnog. 



33 



ecbeo Erpresmngvn gestellt zu werden. Msn Ltttt« in Holland die Erfah- 
raag«u dieser Art aus der Zeit GnstaT Adolfs nicht Tergcüsen*'); jetzt 
durfte man bei der frenndschaf Hieben Verbindung Ewischen Schweden und 
der riraü^ireodea Hände Lsioactit England selbst noch scblimnjerei: als da- 
mal« befürchten, rielleioht telbst im schlimmsten Fall eine zeitweilige gänz- 
liche oder thcilweise Ausschtiessmig der holländischen Handelsschiffe aas 
den baltischen Häfen. Dies war eine Chance, welcher die Niederlande nicht 
teitig und energisch genug vurbauen konnten; der eine Hauptnerv ihres 
ganzen Haudels lag in der Oi^isee; weit über eiu Drittel ihrer nach aus~ 
wänigeo Hafeu fahrenden Schiffe bildeten die „Q stseefahrer'; der Reich- 
tliom Hollands gründete sich in einem höchst beträchtiichen VerhäUniss anf 
die Verbindung mit den Hiifcn von Pomraern, Preussen, Kurland, Li?land, 
Esthlaud"). lü dieser Situation mussten nun auch die der brandenbnrgi- 
scben Verbindung abgeneigtesten Staatsmänner in Holland sich klar machen 
aad aus alter Erfahrung die Erinnerung daran auffrischen, dass es für die- 
sen Staat in Bezug auf seine baltischen luteressen neben Dänemark keinen 
nifaeren und natürlicheren Verbündeten gab, als das braodeoburgische Her- 
tugthura in Preusseu. Auch hier handelte es sich dem erdrückenden üeber- 
gewicht Schwedens gegenüber um die ExistenK; kamen dnrch Gewalt oder 
Vertrag die Haien von l'illau, Krinigsberg, Memel in schwedische Hände, 
so hürte da» Herzogtimm Preusseu anf ein selbständiger Staat zu sein; 
aber dann war auch der holländische Handel an dieser Stelle rettungslos 
eioer Macht preisgegeben, die im höchsten Maass gcldbedürftig keine Scho> 
nnag kannte: von den prenssisclieu Uaupthäfen blieb dann allein Danzig 
noch frei, and dieses hatte schon früher in ähnlichen Lagen gezeigt, dass 
es als autonomer Uandels*tuat sich mit dem Gegner — gleichviel zu wes- 
sen Schilden — abzufinden vtrstand. 

Auf Grund dieser Verhältnisse kommt endlich die Alliance romST. Jali 
16Sä zu Stande. Aach jetzt nicht ohne das hartnäckigste Sträuben der 
gtaaieti too Holland und der dort herrschenden Parteiführer gegen die 
Quien peinliche Verbmdung; aber diese lag doch 2n unverkennbar im In- 
lereese de$ Gesammtstaates^ die grossen Handelsstädte, sowie die anderen 
Provinzen erhoben laut ihre Stimtue dafiir — während in dem ganzen bi^- 



»») Vgl. Vol. L p. 23 f. 

**) Vr«ede Inleiding IL 3. Hülagcn p. 116 gibt aas dem honändiachen Retcha- 
archiv eine UübKrtiictit über den Bestnud der niederländischen HaadelBoiarioe 
und ihrer Tliäiigkeit im Jahr 1634. Danach beüef sich die Gesaraattzahl der 
»cttvea naadybaclilfle auf 34,850, die lUäammL-n jäUrlicL 2,002,500 Lasten frach- 
t«t«n. Von diesen sind ÜO.OOO „Binnenlandsvaarders", mit zueammea 600,000 
Lasten; Alt Ostauefahrer über sind 6000 äehiffe mit 720,000 Lasten; während 
•. B. der Handel nach England, tichuttlund, Irland nud Frankreich nur durch 
1500 Schiffe mit löO.'XKl Lasten, der nach Guinea, BraaiÜen. Ost- und Weatin- 
dien nur durch 3CtO ächilTo mit 75,000 La.'atcu repräseutirt wird. — Natürlich mo- 
ilificirt sich das Vvrhaltuisa divser Zaiileu zu dur eigvntliclien Bandelsbilauce 
noch nach Wt-rtli und Beschaflcuheit der bei den verschiedenen Haudelsziigen 
äberwicgvudeu WaareuklaBsen; aber es bezuichuet auch bo die huhe Wichtigkeit 
dar baltiacheu tichÜItaUrt für die Nioderlaude. 



34 



L Brandenhurg nnd die Miederlanile. 



herigen V(?rl auf der AUiancevcrhoniilnngeQ BraiKlcnburg als der einer Stutze 
bedürftige Tlieil riagrsitaudcii lifttU- , kam es nun in dorn li-tzten Studitun 
dersflheri iu dii- giiustigerp Lnge, des Krfolges gewiss mit ruhiger Zurück- 
haltung dem Abschlnss cütppgensi'lieu zx) könneii und so dem gesehlosse- 
Den Bündütas viel mehr den Chiirabter eines foedus ueqiiuDi zu verleihen, als 
es der VVuusch der uitHlerlündischcii Ötaalbmäniier gewesen war'"). 

Die iu diesem Abschnitt veröffentlichten Actenstückc begleiten die Ver- 
handlungen bis tüTa Abschluss der Alliancc. Uuter den zahlreichen vor- 
übergehend mit der Führung des Geschäfts betrauten Ijraudeuburgisehcn 
Beamten steht als der bedtntendstc der elevische Kanzler Dr. Daniel Wei- 
man da, der im Herbst 1652 dieselbe übernahm und bis zum Abschiusä 
in der Hand behielt. Er ist einer der heri?orragenfl:;ten uuter den Geseliäfts- 
münuern des Kurfürsten in dieser Zeit; zugleich Diplomat und Itegierungs- 
beamter und mit der erstaunlieh<ten Rühiigkoit, abwechselnd iii Cleve und 
im Haag, beiden Aufgaben zu gleicher Zeit obliegend; seine Depeschen, 
üeine Gutachten gehören zn den be^tget^chriebenen uud einsichtigsten die- 
ser Zeit; neben den inneren Angelegenheiten der clevischcn Lande be- 
herrscht er mit eindringendster Sach- und I'ersoualkenntniss die iiiederlän- 
discheu Verhältnisse; von hier ans bat er die bcbtp Gelegenheit, dem Gang 
der Diage in England genau zu folgen und er gilt als Autorität auch nach 
dieser Seite hin in dem Rathe des KurUirsten. Aber nicht minder über- 
sieht er anch die ajideren entfernteren Beziehungen und luteressen des Staates, 
sowie den Zusamnienhang deraltgemciuen europäischen Verhältnisse; daneben 
begegnen wtr ihm auch in den intimt^ten und persünliehstcü Vertrauens Sachen 
des Kurfürsten; er macht lür dieeien deu Entwurf seines Testamentes roiu Au- 
gost 1655"). Ein Denkmal seiner Thätigkeit ist seiu grosses, zehnbäudiges 
GeschäftsjoumaJ, iu wi'lcbes er Tag für Tag die politisichen Vurkominnisse 
eintrug; es gewährt, namentlich durch den hier niedergelegten und ab- 
schriftlich aufbewahrten politischen BricfwecliHel halb privater, halb olfieieller 
Natnr mit einer grossen Anzahl einfiuj.-reiclH.T Personen den belehrendsten 
Einblick in die Geschichte dor Jahre vou läuft an bis 1661 und hat eine 
Menge wichtiger Actenstücke erhalten, deren Originale in den Archiven 
sich nicht mehr finden. Diese Tagebücher befinden sich iu dem Provincial- 
archiv zu Düsseldorf und werden für den nächsten Th^il dieser Saminlung, 
für die Zeit dos nordischen Krieges, eine wichtige Quelle bilden. Einzeloes 
von den in Düsseldorf aufbewahrten Papieren Weiman's ist in Abschrif- 
ten and Auszügen anch schon für den gegenwärtigen Band zu Rathe ge- 
logen worden. 

Neben Wei man stcdien als Helfer zweiten Ranges der ständige Re- 
sident im Haag Johann Copes und der Resident in Amsterdam Mat- 
thias Dügeu"). 

'*) Die Cercmunie!lfr»gen üind Uiefür in dieser Zeit ein ((radmes-siT; vergl. 
aber die uugewöhaliche Nachgiebigkeit der Ntedeiländur hierin bei dieser Gele- 
genheit Wicqnefort histoire des provincea uoiea II. p. 3ö6. 

•'J Droyaen das Testniuent des Gr. Knrfürsteu (1866) p. 15. 

**) M. Dögon ist duraetbc, der auch als mibtäiischer Schriftsteller und Ken- 



I 



« 



Eiolcitang. 



35 



Eudlich ist in dieser TerbiDclung Graf Johann Moritz ron Nassau- 
Siegen (seit Noy. 1662 Fürst) zu erwähnen"). Aus der viflfttltig ver- 
zweigien jüngeren Linie des nassanisehfn Hauses stammend (^eb, 1(304), 
wftT er in jungen Jahren in deu Kriegsdten»t der uiedtrlänilischen Republik 
eiugetrcten; von 1620 an hatte er unter den Priuzcu Morit/ und Friedrich 
Heinrich tu allen Ktim^tfen des Staates mit Aus-üeichmirig Theil genomaien; 
dann war er 1636 2nm GeneralgouFerncur des Tiicderliiodischon Brasilien 
ernannt worden; die sieben Juhre seiner Verwaltung sind die gläuzendstcn 
in der Geschichte dieser Colonie gewesen, obwol tchou jotit die sehwcren 
Versüamnisse der Regierung sieh empfiuülich raaehten, welche weuige Jahre 
nach dem Abgang des Grafen deu Verlust von Urasiiieu hfrUeifuhru-u (1054). 
Im Jahre 1644 war er nach den Kiederlandeii zurückgekehrt; er war zum 
GeiierallieDteuimt der Keitcrei und zum ConiiimndanUii tun Wesel ernannt 
worden und hatte an den Feidiügen der niichsli-n Jahre Theil gcn>tnimea. 
In dieser Zeit war es, wo Graf Johann Moritz ia Verbindung mit dem 
KorlürKteii Friedrich Wilhelm an<l seinem Staate trat, Die perKönliehe 
Bekanntschaft der beiden Fürsten stammte aus der Zeit, wo Friedrieb 
Wilhelm als Kurprinz in deu Niederlanden gelebt hatte: von Arubeim 
ADS hatte er 1636 den Grafen in dem Lager von ychenkenschanz besucht, 
dessen Belagerung dieser leitete ; ein weiterer für den jüngeren , lerubegie- 
rigen Kurprinzen höchst lehrreicher Verkehr hatte sich daran gektiüpft") — 
jet£i im Jahr 1647 berief dieser als Kurfürst den vielerfuiireneu Mann als 
Stauhalter der elevischeu Lande io seine Dienste. Neben seiuen eigent- 
lichen Obliegenheiten ihr die Landesregleruug der rheinischen Herzogihümer 
war Graf Johann lUoritz natürlich ganü besonders geeignet, um für die 
Herstellung eines frenodsebaftlieheij \"erhältui»ises mit der nachbarlichen Ke- 
publik zn wirken; seine niederltindiscben Aemter behielt er bei; er war aufs 
tüfste rertrant mit allen Vcrhältniasen und Persönlichkeiten in jenem Staate, 
seiDe nnhe Verwandtschaft mit dem oraniächen Haa«.e stand ihm als mäcb- 
tige» Hilfsmittel zur äcite. 8o hat auch er — und jedenfalls in viel höhe* 
rtm Msasse als es seine nur sehr fragmentartücli erhalteae Currespoodenz 
«rkeonen lässi — an dem Werke der Allianc»- mitgewirkt. 

Diese Verbindung hat in ihren reellen Erfolgen für die brandenburgi- 
Bch« Pulitik im nordischen Kriege den HfiiTnuTigen uicht entj'prüchen, die 
man im Anfang darauf setzte. Die nämlichen Motive, welche den Abschlubs 
derselben auf holtandischer Seite so lange verzögerten, wirkten auch wei- 
terhin fort, und die wundirbareu, ganz uüvorhergeseheueu WeehselfTilIe dieses^ 
Kriegen gilben deu niederlaJJdi^cheu Staatv^raannem bequemen Aulass, dio 
Beziehungen zu Brandenburg sch'in bald wieder moglichüt nach Maassgab« 



d«* ArUllerie- nnd ForiificalionäweseuB namhaft ist; vergl. Knuig bistor. 
deki]tI«niDg von Berlin 11. p.88. f. Gausauge braudunb.-preosa. Kriegswesen 
p. 73. Auch in der Aegelegeolieit der brauiienliargUcUen Flottengriiadaog war 
er «ia eifriger Hfelfur, «it.- an einer spateren Stelle zu iscigen. 

") Drieeea Lehen des Fürsten Jofanua Moritz vnn Kassau-Siogen. (Berlin.^ 
IM».) 

»*> Pufeudorf XIX. S. 102. 



26 



I. Brandenburg ond die Niederlnnde. 



ejuer Politik der freien Hand m handhaben. Indes s war dämm dennoch 
di? Begründung dtei>ei^ Uiindtiisses nicht ganz gering anznschlagen; denn 
wenn auch tnilitärifch und finaisciell die daraus Jür Bmudeuburg erwachsen- 
den Vorthi'ile nicht von sehr eingreifender Wichtigkeit wurden, wenn aach 
mit dem Haager Concert (21. Mai 165Ü) #ich endlich die Niederäande «u ' 
einer ganz entgegengesetzten Rithtung schlugen: das officielle Biindiiiss mit ^M 
den General Staaten warf dennoeh, besonders in den ersten Jahren des Kriegea, ^* 
daü Gewicht des ntederlämlischen Ansehens in die Waagschale des Kur- 
fürsten nnd stärkte die diplomatische Stellung desselben sowol den Schwe- 
den ais den Pulen gegenüber; „thuts keinen grossen Vortheil iu wirklicher ^^ 
Hilfe (so bemerkt Weiroau einmal sehr treffend), das Aeusserliche ist ^M 
doch nicht ohne Nutzen, weil die Kriege auch mit Gerüchten geführt " 
werden'^"). Die Darlegung der ferneren Schicksale des so miiheTüU jtu 
Staude gebrachten AIHancewerkes während des nordischen Crieges, nach 
Maasfgabe der diesseitigen Acten, wird dem nächsti n Theile dieser Publi- 
caiion angehören; die Acten dafür von niederländischer Seite sind Vol. III. 
p. 86— 138 euthalten. 

E? ist znm Schluss noch einer Art von Beziehungen zwischen den Nie- 
derlanden und dem brandenburgischen Staat in gedenken; derjenigen näm- 
lich, welche die Stände der clevisehen Lande mit den Generalstaaten un- 
terhielten, um bei ihnen Schuta und Rath iu ihren inneren Verfajssunga- 
kämpfen gegen die kurfürstliche Landeshoheit zu finden. In den hier 
Teröli'entlichten Acten finden diese Verhandlangen nur gelegentliche Erwäh- 
nung; ihr FoÜer Verlauf und die ganze Tendenz dieser Verbindnng kann 
nur im Zusammenhang mit dir Eutwickelung der ständischen Verhältnisse 
in den cle vischen Landen überhaupt dargelegt werden. 



I 



') Weitnan an den Kurfürsten, dat. Haag 19. März 1658. 




Graf Schwartzenberg an den Kurtiirsten Georg Wilhelm. 
• Dat. Spandau 17/27. April 1G40. 

[Absendung von Blunjentlia] aiid Htsimbach nach <lem Hitag.] 

Blnmentbal hat gerafben, ihm für seine bealx^ietatigte GesaDdtschaft 164 
nacb dem Haag den cle?isclieu KaoKler Dr. v. Heimbach beizugeben. 27. Apr. 
Sehwarizenberg billigt dies und üljersendet zur AaslVrtignng das Con- 
eept einer gemeiDsauieu Instruction fiir beide und einer chiffrirtea fürBln- 
meathal alleiu. 



Kurfürst Georg Wilhelm an Joachim Friedrich v. Blumenthal. 

Dat. König-sberg. 

[Absesdnng nach dem Haag. Die gebeime chiflrirte Instraction.] 

DerCaazIerDr, V. Heimbach soll ihaj als ü weiter Gesandter zugegeben 
werden; es wird die iur sie beide gern ei u sc haftliche Instruction übersandt. 

hSo viel aber die geheiinte rait Ciffera gesciiriebeue, die Ihr schon 
habet, belanget, derohalbcu stellen Wir zu Euerm und Erasini Öeidcl's, 
die Ihr in rc praesenti stehet und nach allen UnjBt^inden und ver- 
spürtem Verhallen und berfdr koniuieuden Actionen am besten davon 
judiciren könnet, Bedenken und Gutachten, oh sie !>. Heimbachen auch 
zu communiciren sei; behndet Ihr et« dann zu thuu zu sein, so hat es 
seine Wep und negociiret Ihr den Puukt zusammen, wo aber nicht, 
so bteibets dabei, daes Ihr es allein thuet:|, wie Euch schon znge- 
Bcbricben worden; wobei denen von den Staaten, mit welchen diesea. 
Werk tractiret wird, daunoch zu Gemtlth zu filhrea sein will, |:da8s' 



28 



I. Brandeubnrg und ilit» Niederlaade. 



Wir ja nimmer boffcn woller, dass sie wider Uos, einen OhurfllrBten 
des Kcicbs, lieber per \iiim executioiiis unt'reuudiich verfalireii, als 
etwas thun wollen, so einige« lUlrgeni zum Missfalleu gereichen 
möchte ;1- 



deii geh. 



Landgerichts- und Kriegsrath etc. 



I 



d^^ 



Memorial für 

Joachim Friedricli von ßlumeiithal und den Kanzler Winand 
von Heinibach, der Rechte D., hei ihrer Schickung an 
Herren Staaten, o. D. ') 

[Einsprache! gegen din beabsicliti^te ataatische Kxecution. Erbieten zur Abtre- 
taag der clevischen Wasser- uijd Landlicenteo, Uebertragung der neaburgischen m 
äctiuKl an die GoiiM'alstaaten.] I 

Darstellnng der scliwierigeo La«;e des Kiirfüi-steii und der Unmöglich- 
keit, jetzt lüf die ScLuld der 100,000 Rilj. unit aufgewachsener Interessen ■ 
aofzukommen , zumal da die clevucbca Stände jcdo £eist£uer daiu versagt fl 
haben. 

Weil Wir dann dabei befahreten, dasa sie, den unferachiedlichen 
Andeutungen zu Folge, mit einiger tJiätlicben Execution verfahren und 
ein Stock vom Lande hiuwegnelimen möchten, hätten Wir sie abgc- 
echickt, dafür zu bitten. Uud weil solclirr Weg also nunacbharlicb 
und unfreundlich sein und von mäuniglichen verstanden und aufge- 
nommen werden wHrde, das8 Wir Uns nimtnerniehr versehen wolllen, 
dass er von ihnen, als Uusern und Unsers Hauses von langen Jahren 
hero 80 wol affectionirlen Freunden ..... sollte wollen vorgenommen 
werden, so haben sie darauf um Einetellung solches Zugriffs freund- 
lich nachbarlich anzusuchen und s^chlicssHdi zu begehren, weil sie Be- 
fehl hätten, ihnen solche Vorschläge zu thun, die sie unverwerflich 
befinden wUrden, sie wollten sich gefallen lassen, gewisse Personen 
aus ihrem Mittel zu verordnen, die mit ihnen darüher in vertrauliche 
Conferenz treten möchten, die dann verhoffe utlieli ohne Frucht und 
guten Effect nicht sein wHrde. 

Wann uun liirrauf die Deputation erfolget, haben sie. Unsere^ 

Räthe anfangs zu gedenken, «lass Wir nochmals in der Zuver-j 

eicht wären, es wUrde bei denen zulet/.t verglichenen Terminen, dasad 
jährlich öO.fMK) Tbaler bezahlet werden Bullten, gelassen werden. Weil ' 
Wir dann unter allen Unseren Ehmahnien keine gewissere, darhei ein 
baarer Pfenning, hätten, als die Wasser-Ucenten zu Kubrurt, Lobicht 



1 

1 



') Daa Datum der aasgeferligten Tnatniction wird sein: Königsberg 14. Mst| 
1640, wie dirr CredeöEbrief, der bei Attzema H. p. 801 orwälmt wird. 



loBtrnctiüu Bliiiiivrithurs ducIi Avm Unafc. 



29 



und Gciiiie|i, suwol auch dk' L;uid - Licentcn . wie die bisher von etli- 
chen Dcputirten von Landständen erhoben worden, so wollten Wii 
Ben solche eiozuhchen, bis säe daiaue ihre Bezahlung erlanget, ab- 
cten und tibergeben. Und könnten zu dem Ende die Beamten, so 
labei gebrauchet werden lullssen. ueben der Tfliebt, so sie Uns ge- 
eWorpu, noch mit einer andern auf die Herren Staaten gerichtet, 
ihnen allemal das Oeld zu liefern und sowol als Uns Reehnunjr und 
reliciua zu thun und zu praestiren, daneben beleget werden, damit 
nicht, wann duppelte Diener da wären, mehr Unkosten darauf gingen; 
danu ihnen die Lieentstellen j?ar allein ciazugehen, niüchte ein grösser 
Ombrage hei Spanien machen, nucli ihren Dienern weniger 8ieirerheit 
g«ben, al» wann si«^ L'iisere Diener und also in neutrnlitatc bleiben 
und nur mit gewissem Respect und Maass ihnen auch verbunden seiud. 
Zwar werden sie bald einwenden, dass es mit Gennej» niclit practi- 
calie], weil di^r Ort in spaui.sehen Händen; aber darauf hätten Unsere 
Räthe 2u antworten, dass sielis leicht viclleielit ändern könnte; bia 
dskbin aber sollte zu Gennep keine Anstalt bei den Dienern gemacht, 
«oudem alles in geheim gehalten, dannoeh gleicbwul es nicht anders 
mit den Geftlllen, als dass sie ihnen zukonnnen, treulich in Acht ge- 
ttoniiiicn und ihnen aus der Landrentmeisterei dieselbe richtig ver- 
tevcM, auch deswegen die Rechnung alle Jahr naehrichtlicb auf Treu 
ind (rlaubcn vorgezeiget werden, 

N'ehen diesem, weil Wir leicht zu ermessen, dass diese Licenten 
dem Werk allein nicht genug thun werden, haben sie nochmals, wie 
schon mehr geschehen, vorzuschlagen, daas die Herren Staaten die 
b'>'i,(Kj(( Reiclisthaler, so Uns vermöge klaren Vergleichs des Herrn 
WaUgrafen Ld. aus deu eiubabendcu Landen zu zahlen schuldig, in 
wlutura annehmen möchten. Wir erinnern Uns zwar wol, dass sie 
'ii'h dessen hiebevor geweigert, und also möchte es auch ferner ge- 
«bclicn; aber es haben ihnen ilcnnoch Unsere RSthe zu Gcniüth zu 
fähren, dass Wir allemal dieses Abseben dabei gehabt. Ja Wir habeu 
ihre klare Zusage, dass sie Uns zu deren Erlangung verhelfen wollen, 
inj in dem Respect seind Wir es also eingegangen. — Sie hätten 
«ach wol so viel AuthoritiU hei Sr. Ld. nnd dcro Landen, dass sie 
•uijchwer dazu kommen können; Wir wUssten auch uieht, was sie fllr 
Trsach bätleo, S. Ld. (die doch diese Post nicht weniger Uns schul- 
(ii?, wie e» der Vertrag im Haag gemaehet in sich hiilt, als Vfk deu 
Htn-eo Stauten die andere) mehr als Uns iu Acht zu haben und lieber 
Uns au hart anzukeifen, dase sie Uns Unsere. Domaincu entziehen 
Wollten, El« S. Ld. und Ihre Laude, da es ihnen eben so wenig an 



30 



L Brandenburg und die Niederlande. 



ExceutionsTnitteln manpelu kann, als bei Uns, eonderlich an Raven- 
stoln, 80 ihnen wo! so nahe und fdjrlich gelegen, als zum Theil Un- 
sere CIc^^9chel] Latido, — — Ist dau aber je nichts zu erhalten, so 
müssen Wir es Gott befohlen sein lassen und wollen Unserer Räthe 
Relation gewärtig sein. — 



CTcheirae Instruction für den von Blumenthal im Hage zu 

gebrauchen '). 

[Die „gemeine Mittel" in den cleTiectic^n ätädteu einzuführeo, um das Geld 

beizubringen.] 

|:Weil Wir besorgen, es raöchtc auch dnreh die in der Haupt 

instruetion euthaltene Vorsehläge der Sachen nicht yöllig gerathen und _ 

geholfen werden können, so ist Uns ferner beigefallen, weil doeh ao.^ 

der Städte Theil die meiste Ungeneigettbeit, Una zn helfen, von deneti 

diesseit Rheine, darunter Wesel die andern verführet, lierkommt, daaa 

er einem oder ein Paar von den Staaten unter den Fuss geben könnte, 

aber es in höchster gebeiiu zu halten bitten, dass Wir zufrieden sein ■ 

wollten, sie möchten in denselben Städten die gemeine Mittel'), 

auf Maass wie in ihren Oeldrischen und Zutpbaniechen Quartieren, 

einfuhren und auf Abschlag ihrer Forderung erheben, welches sie dann 

ohne alle Schwierigkeit zu thun vermögen. Die Ursache, warum dieses 

mit Unsenu otfenen Zulassen nicht gescheheu kann, ist, dass [Wir 

daher nicht allein die Städte gar von Uns abatieniren, sondern auch _ 

gewiss befahren mUsstcn, dass]*) sie Uns fWr der Kais. Maj. hart Ter- ^ 

klagen, sehr odios machen und scharfe Mandata wider Uns extrahlren 

würden. Auf die vorgeschlagene Weise aber haben Wir Uns zu ent- 

sehukligen, dass es ohn Unscrn Willen geschichet und Wir es nicht 

hindern können; werden auch wol böse Briefe deswegen schreiben ■ 

mttsson; indeaaen aber kfinnen sie doch continuiren, und wollen Wir 

ja hoffen, mau werde Uns nicht gefahren, sondern Unsere Trenmei- 

nung und Willfährigkeit zm- Zahlung daraus erkennen, Alles richtig 



') Conccpt, mit d«m Vermerk, dsss m paiiz in Chiffre zu acUen ist. 

*) Mit (liesvm Kamen „gemeine Mitte i" (gemecno middeleu) wird eine lo 
mehrerea niodorläudisehen rrovitizun gebrauch liclio Cünaumtionsateuer bezeich- 
net; zu verBclitHdeoeii Zeiten wurde ihre EiDführung in den cleviaeben Städten 
zor Sprache L'ebraciit; eo schon tu dem Iloager Vertrag vun 1622 (a, ob. p. 6) 
Art. VI.; eo jetzt 1G40 durch öohwartzenberg; daou w joder 1644 (b. ad b,), 
uod später 16(>5 dtireb Johann Moritz v. Naaeau (Orieaen Leben des Por- 
sten Job. MuritK p.3(Ji3j. Vgl. «inigons hiezu daa gleicheBestrebeu Schwartzen- 
berg's den pretiBBisclitn fetadteo gegvüüber Vol. J. p.36ft" 

*J Das Biugeklotouicrte im Concept »UBgeatridieu. 






Instruction Blumenthars nach den) Haag. 



31 



in Defalcatinn bringen lasecn und nach erlangter Zahlung davon wie- 
der nnaufhaltlict abstehen; dessen man sich dann an Seiten der Herren 
Staaten rercrsiren und es doch überall bei der Canzlei so anßtellen 
TUHsste, dass es isranz in eeheim bliche; eonsten würde es gar nicht 
li^stehen kCmnen and Uns sehr gfliädlieb sein, ihnen selbst aber nichts 
»ntzen. :l 



DerEan/lcr V. Hcltnbech ^tnrb uacb einem Schreiben Blumcntbal's 

^dat. Clere 26. April 1640), eben als dieser »ach Etnmeiich kauj, am ihm 

^ie luÄtructioii tiiitzütheilfii. Blumeritbal begibt sich darauf nach einiger 

Tür/hgt'njng allein nat-h dem Haag, wo er erst oui 10/20. Oct. aiikomuit. 

Seine Pro|)Oiition legt er am 24. Oet. ab; sie ist gedruckt bei Aitzema II. 

p. 725. Zur Verhandlung mit ihm wird eine Conimission ernannt., bestehend 

ans den Herreu Verbolt, Buckborst, Olicamp, Vosberg, Wede, 

Loa, Uipperda, Aldriaga. Die zwei cr.'^ten Kelatiouen ßlnmenthars 

tas dem Haag fehlen. 




Blumentlial an de» Kurf'üi'sten Georg Wilhelm. 
Dat. ürafenhaag 13. Nov. 1640. 

ichten TOD Capellen und Olicamp über die Sclinldsachc. Vehlen wünscht 
ßelehnung statt VerpCanduag.] 

Die Angelegenheit ist noch nicht sehr vorgeschritten — BlDmnnthal 19. NorJ 
«ntgepen operiren die Agenten der clevisclien Stände and des Pfalgrafen 

»■Ofi Kfubnrg, 

Gestern war ich bei dem Herrn liCapelle:), welehen ich recht 
ronfiilent and zu E. Cb. D. bestem vor allen andei-n disponiret finde; 
Otr klaget, Juss die Stände alhier zu gross Gehiir hatten; jedoch mei- 
''cle er, sie tiiUssten sich wo! lenken lassen niitssen, wann llire Hoebmög. 
eiD Paar ihres Mittels ins Land von Cleye schicketen; denn ausser 
'ifii' Stünde Hilfe, sehe er wol, würden E. Ch. D. aus dieser Sache 
doch nicht kommen, es wäre dann Sache, dass Sie das meiste vom 
Lande rerkaufeu wollten. 

Bei Herrn Olican ans der Provinz Holland, welcher der härteste 
"i dieser Sachen (st, bin ich auch vorgestern wieder gewesen; der 
*^Pt, es mllsste bei der Esecntjon, so nunmehr all angefangen wäre, 
^«bleiben; E. Ch. D. haben Älittel genug zu zahlen; wann Sie nur 
'wen Staat etwas einzigen, so könnten Sie aus Prcusacn wol eiu 
•T"iii<m ßtji. jährlich schicken; allein Sie wäiren zu liberal und gäben 
™ fiel Morgen Landes an die Juiikherren in Prcusaeu. Zuletzt sagte 
*r «loch, die Sache erforderte eine reife Deliberation. — 

E» hat der von Vehlen mir beiüegenden Brief geschrieben und 



32 



BniDilenburg imd die Siederlaode. 



^M dubei dieses zu verstehen geben lassen, dass, wenn E. Ch. D. ! 

^m das Hhus Seherenbeek mit aller Zugehör zu einem Mannlehen ge'~ 

^B wollten, er sich noch wol ein 8CHX) Kth., aucli noch wol eines meh 

^P getrosten wollte. Ich glaube, er sollte noeb wol bis auf ]r),00f) 

H' bewegen lassen; er hat nur zwei kleine Söhne, so vielleicht vor 

H lauf der 25 Jahren versterben könnten ; wann er nun 15.f>0ü Rth. gäj 

^B und man sidi einbilden wnlltc, wie es dann auch ist, das», wenn a 

^B diese 15,00(1 Kth. nicht hätte, sie diese Sä Jahr alle halbe Jahr wie« 

^M den Staateu verzinset werden mlisstcn, welches dann in 2ö Jahren 

^M Summa von etzliclien G0,000 Rth. machen wtode, da wir doch 

^H. von dem von Vehlen diese 2;") Jahr mehr nichts zu hofl'en hab 

^H »0 sehe ich uicbt. warum E. Ch, 1). es nicht thun wollten. Er 

^M gehret weder Ihrer Kais. Maj., noch der Stände Consens, sondern 

^1 will es in {geheim halten; wer wcisH, ob nicht in 25 Jahren ein gl 

^M ander Vcrgb-icb möchte getroffen werden; dann hat er den Streit 

^H dem und wSrcn E. Cb. D, daraus. Ich envarte hierüber E. Ch. 

^M Befehl und Verordnung. 

^B Die Wechselbriel'e des von Vcbleu über die audcru S2|O00 Rth. i 

^^^^ Ecbon aageiangt. 

^m Dr. Bohn an den Laudreiitiueister Lucas Blaspeil in Eiumeri 
H Dat. Haag 19. Nov. 1G40'). 

^H [Geacbebene Zahlnng einer .Summe iin Uoefyser. Dessen Fallissement und 

^H Execution in CW.ve, Aheicht der Stadt Auiäterdtini, d'w. Schuld au sicii za h 

^H gpu. Gereizte Stimmuti^ in dea Niedorlatiden gegen Schwiirtzetibei-);; Streit 
^^ eioetn Niedoriäuder. (iegenwirknng der tlevischoii Stände im Haag.] 

19. Nov. Berichte Ihme biemit, dass Gottlob nunmehr die mir bishero i 

verdriess- und mUhcselige uffgebene Commissi on der Tractaten 
dem Freiherrn von Vehlen so weit zum gewünschten End gebrafl 
dass vorgestern der Emjifanger Houffciser in meinem Beiwe« 
32,0(X) Kth. cmiifangen, venueine auch, der Jude wrrde mit Hej 
Blumentbars Diener über 3 oder zum längsten 4 Tage die Ubr 
80iH) Kth. von Emden anbringen und vollends Uberlicbcrn, damit 
soweit dessen imjiortune Creditoreu in etwas mögen gestillet werdi 
Es beruhet aber diese Sache gegenwärtig mehrentheils dar 
dass durch unnaehlässi'gcs der Amsterdamer Creditoren Ansuchen 



') Der Sthreibor ist wol der aiieh sonst als hrandenburgiscLer „aiederläil 
scher Factor' vorkommende Johaun Boh«. Ueber deu cleviaclien Land ^ 
laetBter Lucas Blaspoil vergl. C 8 war Scbwartzooberg p. liiS. 3tJ6ff. 



(3«r«Ute Stimmnag Lu den NiedcrlaadeD gegen SchwaHzenberg. 



33 



Afagigtrat daselbgten wider den Empfänger Ho uff eiser die vorlängat 
in rem jadicatam ergangene Öeüten?, zur wirlilichen Esecution zu brin- 
gea Torhabena, können sich aber de modo exequendi nicht allerdings 
Teretobaren. . . , Inmittels wird hei der Admiralität gebeten, dieselbe 
möchte die Action an sich nehmen, die Creditoren contentiren und 
folgende auf die Clevische Üouiainen jiroeedireu. — 
H Ifh habe vun verscheideneu . so mich nicht gekennet, in Amster- 
dam und !<i)uderlieh in Harleni und alhie gestern uff dem Wagen von 
zweien Mitreisenden, einem SchöflFen von Amsterdam und einem Ad- 
vucaten, verstanden, dass jetzo durch die Geoeralitet von Holland bei 
der Gcneralitct stark nrgiret und getrieben würde, die Stadt Amster- 
dam wäre urpietig die Pfenninge zu erlegen, die Creditoren zu con- 
tentiren und die Aetie vollkoiumlieh au sich zu bringen, daiern ihnen 
Hui^sen cum appcrtinentiis möchte eingeräumt werden, oder aber aie 
an ihrem ordinär! Coutributionscontingeut so viel Pfenninge wederum 
möchten einhalten, wollten alsdann Huissen der Generalitet von Hol- 
land oder den Staaten flcneral wederum etnrilumen, und thäten de 
praescDti hierüber tractiren. 

Ich habe zwar mit grosser Ungeduld diese Discursen angehört 

«od iuletzt, was dieuUch gewesen, geantwortet; es ist aber bei denen 

Leuten die Verbitterung so gross gewesen (sonderlich weil einer unter 

«loeD mit Partieipant der verschossener Gelder gewesen), dass keine 

"Cdeii boren noch annehmen wollten, sondern hei ihrem platt und 

■"allen hollandischen Unverstand beatauden, allerhand isoleute Worter 

"Od Injurien Hher Ihre Hochw. Gn. den Herrn Meister ausgegossen, 

*•*«• mir vorivalir das Herz davon wehe thilte. mag es nicht sehrei- 

"*^Ä, werde es mUndlich Ew. sageu. 

Ich bin darüber mit einem jungen Becker aus Seeland, von Mid- 

**^borg bürtig, hart in Worten gcrathcn, dass ihm hedrauete. er sollte 

^Oix solchen Caluninien im Haag Ked und Antwort geben, welcher 

^**" deme uuaugesehcn gar scliimpnich begegnete, mit Vermelden, 

^**i fiollte zu Hamburg und andern Orten dergleichen wol mehr ver- 

^Otnen. und wäre er zu Amsterdam in einer Uerberg gewesen, da- 

^^Ibstcn ein Edelmann aus dorn Cle\isfheu Land auch dasselbe, was 

^^ Hiigte, und noch wol grober geredet hJitte. Wäre ich nicht Uber- 

y'Ännet gewesen, oder hätte solchen Vogel bei uns im Land gehabt, 

'^w wollte einen andern Frocews gegen ihn instituiret haben. Aber 

"'^ grosse Licenz dieses Landes* lehret einen wol unvermeinte Geduld 

■^gen. und Gott weiss, dass mich des guten Herrn halber höchlich 

"Stmhet und alteriret habe. 

•*»i«t. IUI antb. i). Cr- KtirfUnteo. IV. tt 



34 



I. Brandenburg und die Niederlaude, 



Ew. wollen doeh selbsten der Ende uff Mittel gedeuketi, wie sol- 
chera bevorstehenden Unheil möge vorgebauet werden. Der Ton Blu- 

mentlial tbuct hie grogscu Fleiss ein snlchen Schlaf: zu diTertiren, 
aber es scheinet, das Haus brennet inwendig. Unsere Stände su^gnr- 
riren (sie) den Fremden, Avas sie von Unseres Uaiides EigenscliaA 
nicht wissen und iiiuss ich es davor halten, dass, su lang ihre Deptt- 
tiite hieselbsten verbleiben, des von Blumenthars Werbung desto 
schwerer lallen wird, der siuh sonsten bereits mit Worten theils wol- 
affectionirte Freunde gemacht hat; weil dieselbe aber ulhie den tjack 
nicht füllen und ihrer theils lange Zeit mit Promessen seint entreleniret 
worden, m will vor allen Dingen nöthig sein, die Herrn wollen uff 
Mitteln gedenken, dass S. Gest. zu solchem Eud ehestes Tages bunre 
Pfenninge, zu etwan meines Bedtlnkeus luOü Rth., haben möge. — 



Bliimeiitlial 



an den Kurfürsten Georg Wilhelm. 



Dal. Gräfe n- 



haaff 20. Nov. st. 



1C40. 



[Diverae Verhundlongen. Eiu Wink ik's Herru v. Riiipurda. Wiuder das Am- 

Bterdanier Froject. Wie man zu (ield st^lunguu koiiue. Mau verlangt die Ga> 

runtie der cleviacheii StfiLde.J 

'SO.Nüv. Besprechungen mit V'erbolt, dt-m Vorsitzenden der zur Terhniidluug 

mit BluDienthal craatititeii t'oiuniiKiinn, der iujrk'icli geh, Rath des Prin- 
zen ist. Er rätb, uiciit allzu eilig /.u geben, Des-gleicheu mit Sümmels- 
dyck, welcher jetit ¥on der hoIländiscbfQ Ritterschaft zur Generalität de- 
pDtirt worden ist; er findet, ihn gut affeotioiiirt — ^oder /ora vreuigsten also, 
dftss er Untersc.pid zwischen grosser Herren und gemeiner Leute negotia- 
tionireu zu machen [jflegeii (.-ic) miihscu, welches viel alliier nicht wissen.'^ — 
— Noch aus einem habe ich abnehmen können, dass ein jeder 
zu bekommen gedenket. Dieses war der Herr von Kipperda; fragete 
mich nach den Bur »Junkern, so in der Wetterau in der Stadt Fried- 
berg wohneten ; ich antwortete ihm, dass es so würe und sie von nie- 
mand als dem Kaiser und Reich dei)eiidireten. Ja, sagte er, das sein 
rechte Edelleuf, die andern aber sehid gleichsam wie der Fitrslen Escla- 
ven, die Fürsten in Denlsrhland miis»en von ihren Edelleulen wie Oraaula 
7'especlirel trerdi-n ; sie, die Fürsten in Denlscklnnd, tcotlen alles umsoiist 
haben und Ihim bergeyvn »irhts; die grosseste Gnaden, so sie Eincui 
thflten, wäre, dass sie Einem die Hand küssen Hessen und sageteo, 
Wir neind Ench mit Gnaden getrogen; das wäre Alle.s, was man von 
ihnen hHttc. Das sagete er mir in Praeseuz aller andern fünf Nebeu- 
Doputirtcn. 

Man redet hier sehr stark, dass aus Amsterdam privat Leute al- 
bier sein sollen, (Ue diese ganze Post den Creditoren wollen bezahlen 



I 
I 



BlamoDtluJ im Hang. 



35 



and bef ehren, dass dieser Status ihnen gewisse Oerter wieder ein- 
räanien wolle. — 

Das dienstlichste, wie mir diejenigen, so es noch gut meinen, an 
die Hand gehen, wird wol dieses sein, sich zu bemüben, ob uiau zu 
ItXi.fMYi Rth. kommen und das Capital auf einmal abtragen könnei 
and dann, sagen sie, werde man mit nuffeyeer besser als nun, da 
er »ich fast wenig oder nichts durch diese geringe Post, wie sie es 
nennen, reiten könnte, sprechen können. Melauder') hat das Geld 
vvül und würde es auch wol thun, aber der will nichts pfandweise 
haben, sondern erblich und hat sein Augenmerk auf Lobit und Dins- 
laken; sonsten meine ich so viel, als ich habe vermerken kOnnen, woJ, 
dam Vehlen auf die vor S Tagen unterth. angezeigte Maass noch 
wol zu löjCKX' Rth. würde Ratli wissen und das wol iu kurzer Zeit; 
Iwaim ich nur bald Antwort l]ekäuie. Darnach möchte zu bedenken 
sein, ob es nicht besser wäre, diiss man den Ständen nach vermerkter 
Sicberiieit. dass sie zum wenigsten lfji"i,rif»rt Rth. geben wollten, ihnen 
Satisfaction gebe; denn hier gibt ihnen jedermann Recht und E. Ch. D. 
das höchste Unrecht. Ich versehe auch aber festiglicb, dass, wenn 
Leute ohne Passion da sein würden, von diesem Ort, und ihnen, wie 
sich« gehörete, einredeten, sie wilrden sieb lenken lassen und von ihrer 
bisherigen so grossen Härtigkeit atwteheu. 

Mir ist in Vertrauen gesagt worden, dass, wenn sie mit mir weiter 
in Confercnz treten tvtirden, der erste Punct dieser sein sollte, dass 
E. Ch. D, 3. 4 oder 5 Leute, die sie nennen wollten, aus dem Her- 
Z4>gtbum Cleve ihnen sollte zu Btlrgen setzen, dass dasjenige, was 
man sich alhier vergleichen würde, sollte gehalten werden und die 
Terminen in Amsterdam auf bestimmte Zeit ge^ahlet werden. Ich 
h«be mit E. Ch. D. Amtscammerrath IJ. Baehman geredet, dass er 
neb am lOCtO ßth. zu Amsterdam bei seinen guten Freunden bemUhen 
wolle, bis diejenigen I0,C>CiO Rth. von Vehlen ankommen, und zusehen, 
ob ich die härteste ein wenig dadurch zu bessern Gedanken bewegen 
könnte. — ^___^ 

Graf Adam von Schw.irtzenberg an Blnmentiial. 

Dat. Colin a. d. Sp. 1« 2«. Nur. 1640. 

[IM« Ufbenuihiuf dtir uvubnrgiBcbeit Hcholil. ZarückwetBung der sl&fttischen Efo- 28. 1 

miscbuug i(] Cleve.] 

Aaiwürt mm( die |rehleDde) Relatiou dat. 6. Nov. Sehwartienberg be- 



') Tgl. eblititniig t>- IS ooi- 38. 



3' 



36 



I. Brnndetiburg und dk Niederlande, 



duucrt, dasB die Geiieralstaaten SehwIerigketU'u maeliün, die 160,000 Rth.') 
Ton dem Pfabgrafen in Zahlung an^miflitucQ, da doch der Vertrag von 
1630 uuter ilirer Autoi'iiiit gocbloüseii wi>rdcn ist — „;omal da notorium 
und des Herra Pfalzgrafuii Delil. nJinmermebr mit gnteiu Gcwi^^cu leugnen 
kann, dasa dieje^; Geld eben 7U Ilu'cr Ilocbning. Zabiuijg aupdriicklieh be- 
williget ivordeu, wie Wir datiii, wann es Nuth, mit einem korpcrlieheu Kid 

zu bekräftigen vermögeu. Was bat mau auch für Ursftehe, [dass mso) 

auf des Herrn Pfalzgraten Ausfiüelite, und da;s S. f. D. es it^.o also aus- 
legen wollen, dass Sie nur operani tu prnestireu 7.ugei-nget, so sehr tiehet, 
da es doch der Ouebstab und contrahentiuin mens anders gibt'i"' — Hilft 
aber alles niebts, so gibt es kein anderes Mittel, „als was Ihr in Cyffem 
habet". 

„Dass aber die Staaten einige Haudhing zwischen Sr. Cb. D. und den 
Ständen, sie gesehelie im Uaag oder zu Emmerich, an die Hand nehmen 
sollten, das könneu Wir gar ideht dieulieh befinden; denn dadurch würden 
sie gleichsam ju Richtern über S. Ch. D. geset^et, und hätten sie sich doch 
lu besorgen, dass in den meisten Piineten sie ehe den Ständen, als Sr. Ch. D. 
beifallen möebteu. — ßeßn.ien aber die Herren Staaten, dass die Stände, 
wie Ihr meldet, iu etjlicbcn Dingen ku weit gehen, können sie denselben 
solches doch wol zu yer*.tehen geben und Sr. Ch. D. dergleichen nicht an- 
zumuthen sie ermahnen." — 



Schwartzenbei'g an Blumeiithal, Dat. Colin a.d.Sp, "J; i^; 164U. 

[Eurückweisang der ÄnmaBauagen der clevisehen Stünde. Die Licentcn sind nicht 
Eigenthum der Stände, sunderii des Landeahorreo. Vorzunehmende Verpfandun- 
gen lieber an Privatluulu als an die Staaten. Die gewünachte Belebnimfj Vehleu'a 
hat Bedenken. Keglenniff und Auitisfciinimfr in ClevK.] 

3. Uee. — Dass die CleviseUeu Staude dermiiasen Gehör haben und fuvur, 

auch Glauben finden in alten Dingen, was sie vorgeben und wider 
S. Ch. D. einstreuen, das ist wol zu verwundern und will Uns be- 
dllnkcn, es wJire fiiglicher, man wiese die Deputirte gar znrlick, dann 
sie komnieu nicht von einer Rcptibiicti, sondern es ist ein Herzog von 
Cleve da, der schicket an die Herren Staaten und negotiiret mit ihnen, 
welches Ständen, die Unterthanen seind, nicht zustehet. — 

Die General^tanten sollen weiter nicht!- thun, als dass sie ernstlich an 
die cletischeu Stände schreiben, ^auch ihren Deputirte» dürr hcrau.üäagen, 
dass sie schuldig, Sr. Ch. f>. unter die Arme 7,n greifen und einen Tbeil 
dieser Schuld Kableu müssten". für den Theil, der dann dem K.nrt(irsteu 
abxntrageQ verbleibt, werden die Wasser- und Landlicenten, wena sie nnr 



') In einer spateren Resototion dat. 'i/12. Jan. fügt Schwartzeaberg Uin«o: 
„wie wo! es billij,' ISO.fXW Rlb. sein sollten, weil auf die Grafschaft Ravensberg 
damals 20,000 Rth. niilgeBchlagen wurden," Nach einer anderen Rechnung wer- 
den 175,000 Rth. gesetzt, so gerechnet, dass von den 20,000 Ktb. '/* fär das von 
dem EnrfürBten wirklich besesaeoe Amt Kavenaberg abgezogen wird. 



I 

a 



I 



BlciTD^athal im Haag. 



37 



Aditig angestellt werden, voUkominen ausreicheo, „dass die Zinsen gar rdch- 
livh and nach jährlich etwas rum Capital daraus erhoben und abgeführt wer- 
den kßune*. 

Und ist ja das auch fremde, dass sie den ClevischcMi Ständen 
darin Glauben ^eben, daae die Licenten ihnen zugehöreten; dann wo 
hat mau jcmiils erfahren, dass Zölle und Licenten den Uutei'thanen, 
wie sie seind, ziigehören? sondern sie kommen den Landesfllrsten zn, 
und stehet bei ihnen, wann sie dieselbe legitimo modo erhalten haben, 
wohin sie dieselbe verwenden wollen, und baben ihnen ihre eobditi 
darunter keine leges oder Maas zu geben. 

Wullcu die Staaten au deu Licenten üich nicht genügen lassen, so musB 
mau xur Verptänduug eiuzelaer Stücke Echreiten; dabei ist es aber vorzn- 
lieben, wenn sich Privat! tute finden, welche das Geld anfiTand vorstrecken 
wollen, wie i. B. der General Melander dabei berücksichtigt werden 
könnte. 

Und ob gleich deren et/liche aein möchten, die solche Verpfän- 
duogen improbirten, so halten Wir ea doch dafür, dase aus zweien 
böaen das geringste zu erwählen, und noch leidlicher sei, etzliche 
Stöcken particular Personen einzugeben, und von ihnen Geld A 6 pro 
Cent aufzuDchnjen, als solche mächtige Rempublicam in eiu ganz Land 
sich einsetzen zu lassen und dazu das Hundert mit ü zu verzinsen und! 
solchen Zins alle halbe Jahr wieder zu verziuben und Mackelereigeld 
darneben zu bezahlen, welches ja ein solcher um sich fressender Krebs 
ist. dasB er das ganze Corjms bald verzehren kann. Uns will aber 
bedtinken, dass es dieser Weitläufigkeit gar nicht bedUrfe, goudern 
dem Werk Überflüssig gcrathen sei, wann neben den Land- und Was- 
serlicenteu dasjenige practiciret und ins Werk gestellet, so Ihr mit 
CyflTern geschrieben in mandatie habt, üarutn wollet Ihr vornehm- 
lich darauf gehen und uegotiiren. 

Dass aber dem von Veblen das Amt Scherenbeck zum Mann- 
teben hingegeben werden sollte, darllber stehen Wir an und können 
ohne Sr. Ch. D., dero Wir es unterth. referiren wollen, sonderbarer 
Bewilligung nichts resolvireu. Ihr kiinnet ihn aber bei gutem Willen 
erhalten und Euch bemtlben, dass die hinterstellige lO.lAKJ Hth. auch 
ehest mögen ausgezablet werden. — 

Wir finden auch sonst in Eurer Kelation, daas Ihr vermeinet, wann 
es dahin gerichtet, dass nirgends wohin etwas gezablet wUrde, ehe 
and zuvor diese Schuld abgcfHihret, dass alsdann die Amtskammer 
von der Kegieruug depcndircn möchte. Es will Uns aber bed linken, 
dass es dennoch nicht nöthig sei, sondern billig ein absonderliches 
Corpus bleibe, wie dann der Enden Überall, auch in Holland und Gel- 



I. BrandenlturK und die NiedurtaDdi?, 




2«. Dec. 



86 



derland, sonderbare Reclienkammorn , wie es geheissen wird, ecind. 
Und worden ja die .Stände einmal gnug daran lml>en, dass H. Ch. D. 
noch zween adelige Rätbe, als deu Banm von WaeUtendoak and 
den von Strunokede iinzusetKen, und dasa zwei Corpora, des Staats 
und der JuHtiz., sein sollten, gewilliget. Es stecket nur ein Eigeiioutü 
etzlicher Leute mit 8r. Ch. D. Schade darunter, tfonsten wtissten Wir 
ja nicht, was ihnen daran gelegen, und warum es ihnen nicht eben 
gleich gilt, dase die Amtskammer von Sr. Ch. D. iunuediate und nicht 
von der Regierung dependiret. — 

Am 16,26. Dcc. Sfhreibt SchwarUeuberg iiu ßjumenthal die Nachricht 
von dem Tode des Kurliirsten Georg Wilhelm, 



Dat. Grafen- 



I 
I 



Bliimentbal ati den Kurfürsten Georg Wilhelm 

hang 4. Dec. 1640. 

[Schwierigkeit ^egen dt« clevischen Stände HufstakoniTnen. EbiiDao hoffVinngelos 
die Anuatime der neuborgiechen Hchnitl, Der Plitu mit deD gemeiaea MittAla 

BciioD vurralhcu.] 

4. Dec. — |:Der Herr Cap eil e hat mir wol zehenmal gesagt, das8 E. Ch. D. 
wider die Stände nichts erhalten würden, so lange sie hier wären und 
über die Gravaiaina klagcten", denn wenn man hier schon ctzUehe 
wol affectionirtc hätte, so hülfe es doch nichts, weil ihrer viel wären 
und Bie eich sobald an andere hängen. :| ■ 

Die 160,"W) Hth, von dem Herzog von Neiihurg werden sie nicht 
annehmen; ich habe durch einen, der sehr wol eich auf Geld ver- 
stehet, gondircn lassen, ob vermittelst verschiedenen ]:Donativen es 
zu erlangen sttiude, so wollte ich auf Ratitication von «olcher Summ« J 
bis 1(J,(XKJ Thlr. dazu enijtloyireu; aber sie halten das wenige ge- 
wisse, so Keiiburg täglich gelicu lässt:|, höher als solche lloti'nung. — 

|:Mit Capellen habe ich wieder etzUche Mal, denn ich sonst nie^l 
maads vertrauen darf, von Einführung der Mitteln geredet '). Er 
meinet, ich inllsste warten, bis Uarscholt wieder komiueu; aber die 
Stände ncgociiren schon so sehr dawider, als wann icUs lauge Zeit 
negoeüret hätte; Voss bürg sagt ihnen alles wieder, wie auch Ran- 
dewick.:| — 

Bliitneiithal an deu Kiirfm-steii Georg Wilhelm. Dat. Graf'en-j 
haag 11. Dec. 1640. 

fAgitation der pierischen Städte gegen Brandenburg im Haag. Der Ageat Pan. 

,Dec. Es haben die Ötädte Wesel, Rees und Emmerich wieder i^chreiJ 
') Vgl oben p.3u. 




Blamentbal iin Haag. A^ritatioD der clovischan Stände. 



30 



htn anbero geschicket, so vergaiigeoen Freitag verlesen worden. Der 
Inhalt ist dieser, dass sie hüreten, dam wegen £. Cb. D. leb alliier 
iboen viele iiraejuilicirliche Dinge sucbete, dabero bäten sie, ibneu 
Ti>n iilleiu Ciiinmuiiieation zu tiiun, was icb vorbracbt hätte und weiter 
■vorhringren würde; '2*it> ihre Verantwortung, so sie gegen mir thuE 
"wflrden. gleiehinässig zu examiuiren nnd also vors dritte, sie iingehört, 
nichts la schliessen, S'Uidern bei der ihnen einmal mit gutem Bedacht 
ertheilteu Deelaration uud schriftlichen Befreiung von dieser Schuld 
verbleiben zu lassen '). 

Etzlich scind so aequi gewesen und haben gesaget, es wUrde ein 
ungereimt Ding sein, wann sie sich alhier unterstehen wollten, E. Ch. D. 
und (lero Stände vor ihnen disputiren zu lassen; doch haben sie der 
Htände Sehreiben den Committireten auch zugesehiekt Die Edelleute 
zwar nehmen sich an, als ob sie nicbts damit zu thun hätten; denn 
»ii* doch wol wissen können, dass, was den Stauden alhier zu gute 
gehandelt wird, ihuen dasselbe per consequens auch mit zu Statten 
I komme. Der Agent Hau, ein verlaufener Mönch, bemühet sich ge- 
waltig, alles was ich negocire zu erfahren und nach Wesel wieder 
za schreiben; su bald icb zu einem von den Herrn alhier komme, so 
finde ich ihn da, oder er kömmt zunj mebreutheil, wenn ich annocb 
da bin. Ich habe ihme eine gute Kappe zugeschnitten, so ihme, wie 
ich vermeine, heute wird angelegt werden. Er hat beiliegendes Schrei- 
ben') von hinnen nach Wesel geschrieben; darüber nun habe ich mich 
bei etzlichen wnl aft'ectionirten beschwert, dass die Städte durch ihr 
Geld vermeinten alhier alles hindern zu können, und dass dasselbe 
idiiuui] diesem .Statui nicht dieuen kOunte, zum andern bei allen vor- 
skiueu benachbarteu piiteutalen es schimpflich wäre, wenn man lei- 
woUte, dass ein schlechter Kerl von theils so vornehmeu Herren, 
Is wie in diesem .Staate wären, so iihel urtheileu und mit Corrnptionen 
chuldigen dlirtYe. Darauf haben mich zwo gebeten, als Aldriuga 
und Capellen, ich sollte ihuen, so ich vorgestern getban, Copiam ge- 
lieu; sie wollten bcfürdem, dass er in den Kath kommen und eine 
attliche Kappe erlangen sollte. Von wemc er alles so wieder er- 
Ihret, ist Musch uud Voessberg. — 



«) Vgl. obeo p. 16 not 29. 
*) FeWt 



40 



I. Braoclenbnrg und die Niederlande, 



Blunienthal an den Kurfürsten Georg Wilhelm. Dat. Grafen- 
haag 25. Dec. 1640. 

[IntercesBion des Prinzen von Oranien und der Staaten bei den clevischco De- 

püttrteu zu Gunsten des Kiirfürftten. Nothwendige Nachhilfe diircli BoatechUDg. 

Wenig ^oeJige Stiminang am Hof.J 

■ Dec. Als ich vergangenen Dienstag die Post abgeschickt gehabt, so ist 
mir noch desselben Abends dieser vertraulirhe Bericht geschehen, dass 
|:der Prinz hätte den Herrn Vosberg und Verholten rufen :| lassen und 
sie erinnert, sie wollten dahin gedenken, dass |:die Stände E. Ch. D. 
nicht allein lassen, sondern helfen;| wollten; im Fall nicht, so würde 
man andere Mittel zur Hand nehmen. Darauf ist weiter erfolget, dass 
die sammtliche Comniittirte des folgenden Tages, als Mittwoch frflhe, 
die Deputirte von der Ritterschaft und der Städte Agenten haben zu 
sich berufen und ihnen diese Anzeige gethan, daas Ihre Hochmögen- 
heiten nicht begreifen könnten, dass E. Ch. D. diese Schuld, als welche 
Sie ans Noth und zu Wolfarth dos Landes zu maeben necessitiret wor- 
den, allein zu bczalileu hätten, simdem sie finden in allewege billig, 
dass die Clevischen Stände das Ihrige mit dazu zu tragen hätten. Also 
begebreten sie hiemit an sie, dass sie die HälHe daron Über sich neh- 
men wolltcu; wUrde dasselbe aber nicht geschehen, so machte es wol 
den Släuden zu einem grossen Nachtheilig sein können, wofür sie 
dieselbe ge warnet haben wollten. 

Worauf sie geantwortet hätten, dass ihre Intention niemaln gi 
weseu wäre, E. Ch. D. so ganz ohne HUtfe zu lassen, sondern sie 
hätten ja schon t)0,iitH.) R(h. ge williget'), auch sich zu verschiedenen 
Malen, und insonderheit die Städte noch vor weniger Zeit dahin er- 
kläret, dass, wauD ihnen ihre wol fuiidirte Gravamiua wtirden wirk- 
lich sein ahgethan, sie alsdann E, Ch. D. mit einer namhaften Summa 
Geldes zu pulfe kommen wollten. Hiemit nu eonfonuirten die von 
der Ritterschaft sich gleichmässig und begebreten nicht mehr, als sieH 
wollten mit mir reden, dass wegen E. Ch. D. ich ihiieu ihre wol fun- 
dirte Gravamina abtliuu müchte, t<(i wUri-u sie bereit, das Ihrige auch 
sofort zu thun. — 

Hiebei berichte E. Ch. D. ich uutertb., wie dass mich heuten Herr 
Capelle gefraget, oh ich wol Mittel hätte, 8 oder lO.iHX) Ktb. zu 
spendiren, im Fall erhalten werden könnte, die [iNeuburgisciie Schuld 
anzunehmen ;|; erhielte es zwar halb unmöglich und hätte j:Neuburg:| 



I 



') Im Jahr 1631 waren von den cleriscben Stioden 60,000, voq dea m&rki- . 
Beben 20,000 lUli. betrillij^ und entcicbt^it, voa der clerisulieu R<^)j^eraag ubur SU 
Mdern Zwecken rerwendet worden. 



Blnmenthal im Haag- Die cleriechen Stände. 



41 



^urch dergleichen Mittel |:alle Provincien auf seine Seite gebracht:], 
aber doch wollte er seheu, was zu tlmn sein vvtlrde, [iVerbolt wäre 
auf E. Cb, D. Seiten hierin, atjer sonst etwas hierauf der Stfldte Sei- 
len -j. Ich habe geantwortet, ja ich hätte die Mitte!, und dass ich ihm 
anvertrauen wollte, wie die Negoci.ition gegen einem oder dem an- 
dern wtlrde zu fuhren sein nnd in allem seinem Gutlinden nach mich 
comportiren. 

Ich thue den ganzen Tag fast nichts, als von einem zum andern 
fahren, aber es ist niemand, der »ich recht des Werks will annehmen, 
aus Furcht, den Prinzen zu oflfendiren. Ich will aber weiter mein Be- 
ates thun und sollte noehmaln der beständigen Meinung sein, dasa, 
wenn E. Ch. D. ein courtois Handschreiben an de» Prinzen llochheit 
tbtm wollten, dass dasselbe riel operiren wUrde. 

tP. Ö. Gnädigster Herr. Ich hübe vor diesem unterth. erinnert, 
ob E. Cii. D. Ihr nicht wollten gefallen lassen, etwa vor Iimmj Rth. 
weniger oder mehr von bernsteinen Sachen alhier an der Prinzesse 
Ton Uranien zu spendiren, oder jetzo an den jungen Prinz-en, der es 
»einer Maitresse verehren möchte, nnd dann i>b E. Ch. D. nieht belie- 
bem möchte, ein Handschreiben an des Prinzen Huchheit zü thun und 
dao hiesige Verrichtung dadurch zu recommendiren. — Ihre Maj. die 
Kbüigin '), welches ich unterth. zu rühmen billig habe, die recommen- 
diren und bemitheu sieh in dieser Sache, als wann es dero eigen wäre; 
_ aber bei des Prinzen Hofe da scheinet es, als wenn sie in den Ge- 
danken wäreu, es hielten E. Ch. D. die alte Correspondenz ganz auf- 
gehoben. — 



CöDduleaz an den Kuriürsteu Friedrich Wilhelm wegen des Tode» sei- 31. D« 
aes ViittTs dat. Haag 31. Dl-c. 1040. — Dieses Schreiben kommt m Köoigs- 
herg an am 24 Jan. lÖ4i. 



ßlumentliai an den Kariüi'bten. Dat. Grafeiihaag 7. Juu. 1641. 

iVerfuhfeD der Btatttisclien tiiecution im Clefischeu. ilie Dcputirtcu der clevi- 

B^hcD Stande.] 

Das« die zu Emmerich sich anuoch befindliche Committirte von lan. 

•l«"! Kath von Staaten noch immer gleich sehr mit der Execution fort- T.Jan. 

^Cü, das werden E. Ch. D. aus bcigfhgtcm der Clevischen Anife- 

kainmer Bericht Ihr können unterth. referiren lassen. Ob ich nun 



') Di* Witwe dea Pfitlzgrafeu nnd weiland Böhmenkönigs Priedrieli V. (f 1632), 
Elijahcih, Tochter Jacob'e I. vod Engittod. 



42 



I. BraudenburfT um] tJio Niederlando. 




wol dasselbe etzliclicn Herren alhirr vorgebracht, die aucb der Cf»in- 
mittirten Proceiluren niulit loben, so kann ich doch keine härtere Schrei- _ 
ben erhalten. Iiwimdcrlieit iiabc ich solir darüber geklaget, dasa sie f 
80 eifrig im Geldeintnabuen sein und liahe die Anttvort bekommeii, 
das» es eiue An/.eiije zum VcrreieiMi sei und sie diese Gelder zu Be- 
zahlung ihrer Dielen, so täglich sechs hollimd. FI. vor jeden niacfaeti, 
yerweiiden wtirden. Ich bin noch wol mein Lebetag an keinem Ort | 
gewesen, da grosse Herrn in wenigere Cüusidcration kommen, ab wenn 
man hier bei einem oder dem andern in particulari seines Herrn Sache ■ 
recommendiret. Plurimi omnia metiuntur ex utili. 1 

Der Clevischen Staude Deputirte wollen numehr mit dieser Keso- 
lutiim auch von hinnen ziehen, dass, wenn E. Ch. D. dero endliche 
Resolution ihnen werden zn verstehen geben lassen, und dieselbe also 
beschaifen wäre, dass ihren Gravaminibus dadurch Satisfaction ge- 
schehe, 80 wollten sie sich auch angreifen und E. Ch. D. mit einem 
ehrlichen zu Hülfe kommen. — 




BlnDienthal an den Kurfürsten. Dat. Grat'enhaag 15. Jan. 1641. 

fKomischea Quiproquo.] 
Weitliiufigo Berichte über allerbaud Besuche nod Unterredungen mit 
einaeliien von dtu G eneralst.aftten. — 
15. Jaa. Vergangenen Freitag war der Herr Eandewick bei mir und be- 
dankete sich zum höchsten Air ein IJirseh und ein Fuder Wein, so 
ich ihm geschickt hätte, mit angehängtem weitläutigem Versprechen, 
E. Ch. D. hinwiederum in dero Sachen zu dienen. Üb ich nun wol 
wegen E. Ch. D. nichts verehret hatte, auch noch zur Zeit, da ich 
nicht weiss, was ich au-srichtcn werde, keine Ursach habe, Praesent 
auszutheilen, so mochte ich doch, um ihn nicht beschämt zu machen, 
nicht sagen, dass es von E. Ch. D. nicht herkäme, sondern antwortete 
allein per generalia. dass ich bishero viele HoH'ninig auf seine Assi- 
stenz gesetzet hätte und zweifelte auch nicht, E. Ch. D. wllrden vor 
meinem Abreisen ihm dero gnädige AÜ'eelion mit mehrerm versichern 
lassen. Des andern Tages habe ich verstanden, dass des Herzogen 
von Neu bürg f. Dchl. den Wein und das Hirsch ihm haben ins Haus 
geschickt, als er nicht daheim gewesen. — 



I 



Blomeathal im Hang. BeateclinogatreibeD. Oriffii^r Mosch. 



43 



Slumenthül an den Kurfürsten. Dat. (jrat'ciiliaag 2G.Febr. Iß41. 

fCoterredun»: mit dem Griffier Uusch. lusitiuutionen einus Kelilbedürftijreo 

Frenndea.] 

— Am vergangenen Snniinbend war ich bei «lern fJnftier Musch'). -*> Febr.' 

eagte ihm Dank vur die iui^ewanilte BuniOhim^' und hat weiter 

^e Hauiitsache zu gutem Ende befurdera zu helfen. Weiln nun aller- 
tmnd Qotable Sachen in seiner Antwort enthalten waren, »n liabo ich 
-nicht unterlassen wollen, dieselbe untcrth. zu berichten. L'nd war es 
tlieses. dass er sagte: 

Herr, wns soll ich sagen, \'.ich torge, Ihr trvrdei alhier, wie andern 
mtek geschehen, hetrot/tti irei'deti:\, wo Ihr Euch nicht trni nirsehel und 
guten Rath gebraucJtct. Ich höre, \:lbr seid liberal, ijebel dieaem Geld, 
jenem Holz, dem dritten H'ein;| und dergleichen. Nun glaube ich, «ie 
Wfrdeti Euch \:gu(e HVir/e:| geben, auch tcol etuilich zn Wege bringen, 
dang Itir eine Resolution, wie die torigrn auch gewesen sein, erlangen 
moget, nämlich, daim man durch alle dienstliche iVege des Herrn Ffati- 
yrafen f. Dchl »«r Bezahlung anhalten und ttichi nachlassen woHte, bis 
w heiahlt hätte, aber im Fall solche Bezahlung durch andere Wege re- 
tardiret wurde, dieselbe den Herr» General Staaten nicht impiitiret trer- 
dtn, noch ran den Zinsen etwas abgehen sollte. Ob aber mit einer sol- 
chen Resolution E, Ck. D. geholfen wäre, das Hesse er mich bedenken. 
Darum \:rathe ich Euch, sehet wol zu, was Ihr thuet und seid nicht mehr 
« tiberal an diejenige, so doch nichts oder wenig bei der Sachen thun 
twneny alles muss doch iuletu an mich kommen, als der ich stets hier 
*w lind zur Stelle bleibe, die andern ziehett weg, ehe sie eine Informa- 
'Wn ton der Sachen haben und kommen andere wieder, die nichts wis~ 
»Hl, als trag sie von mir erfahren;], low allen denen, die mit dem 
Btmi Meister, Her viel cor seinen Herrn spcndiret hat, hierin tractiret 
^<Ae», ist keiner übrig ausser dem einzigen Itcrscholt. Ihr würdet mit 
ffkiigtter guter Hesolution \:nicbt nach Emmerich sein kommen, so wird 
'ier l'fahgraf andere nihier und eben auf Euere Weise tractiret haben, 
»«rf iUinn werden sie alle wider Euch sein. Was Ihr aber wegen Eueres 
Btmt thun wollt, das sagt nur mir und lassl mich nur negoriren, ich 
mll hoffen Euch mit Effect zu helfen, die andern aber werden es nicht 
(A«B können, und Euer Herr, wenn er höret, dass Ihr so cid Ueld zu- 



') Düs Amt des Oriffier entspricht uugefalir dem einee GeneraXataatsaecre- 
tifj; g. darüber Vrwede loleiding I. p.62ff. — Der jetzige lubaber Curüelios 
Hnscli gleicht in aeineto Auftreten hier ganz den öc bilde rangen, die eoust Toa 
ilus jenAcbt werden (Vreedo IL 2. Bijkgeu p, 87ff.}. 



44 



I. Braadenburg und die Niederlande. 



r>or tceggescketikl habel, der wird glauben, dass Ihr's Uim abgestoh 
und nickt den Leuten gegeben tmbet.:] ^t 

Ich sagte ibnie sehr hohen Dank für seine vertrauliche WarM 
mit Anziehung, dass freilicli E. Ch. ü. am geringsten nicht würde 
dienet sein, wenn die IteBolution also allein fallen sollte. Bondern s 
wtlrde es müssen geschehen, dasB E. Ch. D, eine Quittung bekam 
dass sie dieser 17.^,(J')0 Eth. hinftlro nicht mehr, sondern des He 
Pfal/.grafen Ücbl. tider dero Stände gemahnet werden sollten. 

\:Ja, ja, sagte er, dazu wird Euch VerboH tcol nicht bringen. 
köre ^war, dass er taid tiorh ein paar getoaltig cor Euch reden, a 
was kimnen sie ohne mich? Nichts.'.\ Fragte darauf weiter, was 
bishero an Gel de spendiret hätte und was ich vermeinte, dass E. Cb, 
wol employiren würden. 

Damit brlcbt diesüs GL'spräeh ab. EiaL^ii Versuch, den Mann ( 
dienstbar zu lonchcn, uuterJäsbt Blunienthni. 



Blumenthal au den Kurfürsten. Dat. Grafenhaag 5. März 16i 

[VerhatidluugPB d«r cleviecUeu Stände mit den Staaten.] 
6. März. — Schliesslich ist E. Ch. D. bekannt, dass ich auf Begehren Hi 
Hochmügenheiten bald anfangs mein Sachen schriftlich eingeben a 
sen; dasselbe ist den .Ständen [von Cleve| communiciret und bei ih 
gehauenen Versammlung weitläufig darüber deliheriret und end) 
den Staaten eine weitUiutige Deduction oder llefutation zugeschi 
worden. Sobald ichs erfahren, bo habe ich zwar die beide Deputi 
alhicr ersuchot, um sie uicbt eiuzugeben, weiln E. Ch. D. wtl 
schimpflich und ihnen übel anständig sciu, dass bie wider E. Ch. 
alB ihren neuen Landeafürsten, gegen den sie sieh alstets und 
hieber einer unterth. Affection vernehuicn lassen, sollten Schrii 
wechseln, und dass sie es E. Ch, D. gelbsten zuschicken oder mir 
zu übersenden eiuliefern wollten. 

Der von Boezlar aber gab wir zur Antwort, dass es ihnen nii 
sondern ihrem Agenten l'au wäre zukommen, der es auch schon ül 
antwortet hätte, und dass er betbrdorn wollte, dass ich Copiani da' 
bekommen möchte. Wie ich von Emmerich adrisiret werde, soll 
sein, dass sie suchen, die Staaten wollen von E. Ch. D. diese Seh 
und nicht von ihnen suchen und dann, dass E. Cb. D. nicht bemS 
tiget wären, den Stauten die Wasser- und LandÜceutcn, als wel 
ihnen zustünden und woraus sie ihre nothwcndige Kosten zu den h 
desreisen und sonsten zu nebmeu hätten, zu übergeben; doch kl 
ichs noch nicht wissen. Gestern sind die von Wesel hier ankomm 



Blaiiu-Qtbal im Baag. Hoffbooplose BemühniigeQ. 



45 



war nntcnn Praetext von 8ervitien, alitr Dach anderer Meinung darum, 
disa i«ie diese Hltlfe von ihnen aluvälzen mögen. Wovon ich über 
actt Tage ein mehreres werde referircn können. 

Gnildigster Herr. Eben, da ich gcliliessen tvIII, liabe ich Copiam 
deg Scbreibens, bo die Cleviscben Landstände an die Staaten General 
gethaii, bekommen, welches in dipia liiebei zu befinde». Wünschen 
möchte ich. dass iche vor desselben Einlieferung gewusst hätte, so 
würde ich wol sehr dawider gebeten haben, denn alles was heute ein- 
inmint, wird morgen copirct und in die Frovinelen geschickt, und 
Bberraorgeu weiss es ein jeder. 

E. Ch, D. gnfid. Befehl zu Folge habe ich also bald aufgehört, 
deu Punct wegen der gemeinen Mitteln zu negociren. Nun sorge ich 
stbr. sie werden durch die Weselsche Aitgconlncte so viel operiren, 
das8 die Stauten weder Wasser-, noch Landlicenten werden anneh- 
tuen, sondern undisputirliche StUckc Laben wollen. Also wUrde der 
Saeieu sehr vorträglich sein, wenn E. Ch. D. in Zeiten mir Befehl 
lüsctic'kten, was alsdann weiter und auf solchen Fall wflrde zu thun 
Min. Dann das halte ich einmal ganz vor unmöglich, dasa E. Ch. D. 
diese schwere Zinsen, ich geschweige des Capitals, aus den Duniainen 
lUein werden bezahlen können, wann dauebst die Bezahlung der Die- 
ner daraus soll genommen werdeu. 

Was auch E. Ch. D. endlich in Abthuung ihrer Gravaminum sich 
^cMiessig werden resolviren wollen, dessen Maturation wird der Sa- 
gten gleiebmässig nicht umHeulich sein. Dann ich befinde, das» son- 
'teti der Respect. wegen der unter ihnen aufgerichteter und mit einem 
»'Jrfierlichen Eide beschworener Vorbindniss, sieh mehr und mehr min- 
dern and alles dem Verlauf näher kommen wird. Und werdeu E, Ch. D. 
"Seh ihnen ifegebener billigmfissiger Satisftiction auch weit besser zu 
**aen babeo, wie weit Sie hinfUro in llirer Necessitet auf der Stände 
^ith^giicbe Hülfe sich werden zu verlassen haben. — 



In der aitch5ten Helatinit dat. 12. März f^pricbt Blumpnthal aD.<^, dass lä.M&rz. 
'^fh allPH), |f B.s er Melit, er keine Hoffnung suf das Gelingen seine? Haupt- 
"*ckca hat, da nii ein«' Annahme der oprtbnrgiselicn Schuld von Seiten 
'''''' (äpTitraUlanten nicht zu denken ^^t; besonder» widerseueii sich die Staa- 
*" voa Holland dietem Au^inucu entschieden. „In Sumuja, ich befinde, 
il«is (liefic« eine solche Sache, wuriurch, im Fall kein mcbrerÄpsisteui oder 
*feb Billigkeil Hlhier 7.it iTlialtfn, iintl keine Mittel von auderu Orten her, 
*!' ilip im Fiirrtt-nthuM) C'leve können erhoben werden, vor die Hand kotn- 
ffn, dass dieser Krrbs dajä ganze Corpos, ob es schon ein Königreich 
'*i', mit der Zeit absorbiren wird." 



4B 



I. Brnndenbarg und die Kiederlande. 



5. Apr, 



Der Kurfürst an Blumenthal. Dat. Königsberg 5. April 1641. 

[AbberafunfC Blamenthnl's. Dutik an den Prinzen von OniDien. Beatechiiags- 

geltier.] 

TVlr haben aus des verstorbenen HeiTii Meisters imterschiedlichen 
Schreiben venxHiiinen, dass Ihr rielfältige Kelationes auf Unscrn giiäd. 
Befehlich iu duplo ausgefertiget, so Uns aber dennoch alle nicht zu- 
gekonuiicii, wondcrii in Stettin angehalten, .jedoch Uns hernacher theils 
vom Herrn Meister xiigescliicket. oder derselben Contenta gehorsamst 
referiret worden. Wann dann Unsere Clensche Stände ihre Deputirte, 
mit denen Wir von einem und dein andern ferner zu tractiren, anhero 
abzuordnen gesinnt-t und mit der vorseinder Negocialion im Haag, 
wiewol ilirg an Eucrm Flciss nicht lasset ermangeln, sehr langsam 
daher gehet, viel Unkosten aber dennoch dazu gehören: so erachten 
Wir unnJitliig und nicht fllr rathsam zu sein, dasB Ilir Euch länger 
des Orts aufhaltet, sondern seind gnädigst zufrieden, dnss Ihr Euch 
nunniohr von danncn erheben und Euch nacher Berlin wiederum be- 
geben und die Sachen in dem Stande, wie sie itzo eeind, verbleiben 
lassen niUget. 

Ihr habet dennoch ein Danksagung Sclireil)cn an den Herrn Prin- 
zen von Uranien (welches Ihr wol der öebuhr nach zu insinuiren wis- 
sen werdet) hiebei wegen des Holzes ') und der 160,r)<)i> Rth. cum copia 
zu entjifangcn und seind Wir gnfld. wol zufrieden, sofern jetzterwähnte 
Summe von den Herren Staaten acceptiret werden sollte, das« Ihr 
drei tausend Rtb. an die, so dazu geholfen, spendiren müget, jedoch 
nicht ehe, als wann diese Acceptation wirklich ivird geschehen nnd 
erfolget worden sein. — 



Die Relationen Foni 19. n. 26. Man, 2. n. 9. April enthalten nichts als 
den ansfübrlichcn Bericht über immer neue Wciteronpen und Verzögerun- 
gen, wahrend Blumen thal immer dringender seineu Endbescheid fordert. 



ßlumentbal an den Kurfürsten. Dat. Grafenhaag 16. April 1641. 

[HoefVäer's Fatlissement. DiscnSBioiien darüber. Ende dw Gesandtschaft.] 
16. Apr. — IliernäcUst verhalte E. Ch, D. icb nnterth. nicht, dass der Punct 

wegen der Examination des Hoeft'yser'e Rechnung und Defalcation 
dessen, so er E. Ch. ü. etwa zu viel angerechnet hat, nuinehr so 



') D. h. dip IntercesBion des PrinKea wegen der von den niederländiichen 
CommiBsaneu in den clevischen Uomunialfursten guübten Verbeernogen. YergL 
hifirsn Aitsema II. p. 827. 



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Blutneotbal im Haag. Eudu der V«rliuii<iluug. 



47 



riei {.Tiissere Difficultct haben wird, weiln gedachter Hoeffyser vor 
uDgefiilir 10 Tagen Banquerote gespiolet uod sieb mit der Flucht nach 
VerlaasiiBg Haus und Hof salviret, weleheB die Staaten Generain ge- 
waltig jetzo zu ihrem BehllU' gehiuuchen, gestalt dann der von Voess- 
bcrg bei letzgehaltener Confcrciiz mir diese Worte mit nicht geringer 
BeaBeiitiment vurhielt: es wäre Schande, dass man nicht besser Parole 
gehalten und diesen Mann sn um Ehre und Gut gebracht hütte, und 
dasB roan nun sehe, dass derselbe, wie ich so vielmal angezogen 
Mute, 80 groaseu Gewinst bei dieser Jauche nicht genossen, und ob 
man ihn mit Billigkeit zu Moderation seiner Forderung anhalten könnte? 

Worauf ieh antwortete, das« die Verhinderniss, die E. Ch. D. bis- 
her<( der Zahlung halber gehabt, weitläufig waren angezogen worden, 
liasä al»er Hoeffyser an diesem Falliment selbst und nicht E. Ch. D. 
Schuld hätte. Das wäre ans folgendem erweislieh: das», wenn Ho ef- 
fy*er seiner angegebenen Rechnung nach alle halbe Jahr Geld auf- 
genomnien. die Staatisehen Octroyes wol eniplnyiret und die Credi- 
torcs contentiret hätte, derselbe jetzo nicht mehr, als ein einziges 
halbes Jahr schuldig sein würde, um welches willen ihm die Credi- 
tores so beschwerlich zu fallen keine hesomlerc Ihsaehe wtlrden ge- 
habt haben; meiner Meinung aber nach wUrdc des Falliments Ursache 
diese sein, dass er die Staatische Octroyes wllrde luissbrauchet und 
»ttf fremde Namen falsche Obligationes gemacht und unterdess das 
Geld aus der Staaten Empfang zu Bezahlung der Creditoren ge- 
Douuueu und gebrauchet haben, in Hoffnung, dass, wann durch diese 
Execution E. Ch, D. zu Aufbringung ein oder zwei hundert tausend 
Rtli. hätten constringiret werden sollen, er alsdann solch Geld wie- 
derum in der Staaten Empfang einbringen und unterdess die Zinsen 
geniessen wollte. 

Worauf die Deputirte sich zwar einander ansahen, mir aber keine 
reite«? Antwort gaben. Meine grössesle Sorge ist jetzo nur diese, 
der vonCapelle, welcher so lange zu Emmerich gewesen und 
tennoi^n alhie wieder erwartet wird, nicht etwa mehrere Difficultet 

60 der Genieasung der ihnen auf Ratification E, Ch. D. assigui- 

"retcn dreien Zöllen umeheu möge; denn wTnn er sagen sollte, dass 

alle Stöcke, nebest den Wasser- und Laiidticenlen noch keine l.i.mx) Kth. 

aaetrageu, so ftirehte ich, sie dürften von neuem schwierig werden. — 



Die? ist die letzte vorhandene Relation Blnineiithars. Es folgt daun 
ili« Schlu^sresolotion der GeupraUtaaten dat. 17. Mai 1641, deren schon 
en (pag. IS) gedacht worden ist. 



48 



1. Bmndenbnrg' and die Niederlautle, 



Dat. Haag 



Christian von Heimbach an den Kurfürsten 
2, 12. Aug. 1641. 

[Die Hoeryserscbe Schuld ist von der Admimliiät Äbernommen. (lewaltgame 
OccujHition des Lioeots zu Gennep' durch die Holländer. Vergeblicber Proteat 

12.Ang. E. Ch. D. hab ich hiemit in UnterthSnigkeit nit sollen verhalten, 

wasgeetalt die Herren General Staaten mir haben anzeigen lassen, 
dasB, nachdem der Empfänger Hoeffyser ... unlängrst hat failliret, 
die Admiralität au Amsterdam nuiuehr hätte angeuuonnen, diejenige 
Creditores, welche bei obgemelter Suniina interessirt sein, zu conten- 
tiren, und dfisä danuächst die Zahlung, welche sonsteu an HoefTyser 
pflegt zu geschehen . . . hinfUro an die geuielte Admiralität würde zu 
thun sein, die dann hinwiederum die besagte Creditoren wttrde be- 
friedigen. — 

Die iiiiwe.'; enden Dejiiilirten der Admiralität driiigcu dnrauf, dass der 
Korfürst den mif Blmueiitbal p'truD'fuei! Ic-tüttn AIrscbied rtttificire. 

Hierauf hat sich ferner zugetragen, als E, Ch. D. Haus Gennep 
erobert wurden'), dass die Herren General Staaten, mit Comnmnica- 
tion und utf cingeuommeneB Bedenken der Admiralität, haben reaol- 
yirt, eich daselbsten der Licenten zu bemächtigen und zu deren Be- 
dienung einen Liceutmeister und andere da?;u nöthige Beamten zu 
bestellen, niassen sie dieselbe zu solchem Ende ihre Patenten bereit 
haben empfangen und Pflichten geleistet. 

So bald ich nuu dieses der Herren Staaten Voraehmens bin inne 
worden, hab ich dagegen die Nothdurft mit gebttbrlicher Anziehung 
voriger Tractafen und Vergleich, wodurch allem Eingriff in E, Ch. D. 
Domainen wird begegnet, zwar nach Vermögen bester Gestalt einge- 
wendet, aber nichts efl'ectuiren können, und wird es bei den Herreu 
Staaten darujf gcnnmmcn, Ihrer Hochmög. Meinung sei gar nicht, ^d 
in E. Ch. D. Domaiuen einzugreifen, sondern was mit den Lieenten " 
zu Gennep vorgehe, das geschehe in der That ex contractu vennög 
des genielten mit dem von Blumenthal gemachten Abscheida, wobei 
Ihren Iloflimög, unter andern auch iu siiecie die vorbesagte Lieenten 
wären oiniignoriret und ciugeräunict worden, an dessen Ratitication 
Ihre Hochnifig. nicht wollten zweifeln'). Sollten aber E. Ch. D. den- 
selben Abscheid nicht ratiäciren, m venneinten die Herren Staaten, 



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'} GeuDep, l>is dahin von den Spaniern besetzt, vod den NiederländerD er- 
obert mit C'apitulutiun dat. 27. Juli 1641 (Aitzcuiu II. p. 782 ff.)- Di« Lieeuton 
VOD GuiiDe)) bliebet! vuii da an bis zuletzt in den Häaden der Uolläuder. 

*) Aitsema II. p. 801; vgl. oben Emleltimg p. 19- 



Die Hoefrseraohe Schnld. 



49 



sie w&ren gleichwol befnfrt. uff ihre Versiclierung wegen der an E. Ch. D. 
habender Forderuüg bedacht zu sein; und wllrde es uff solchen bei 
den Herreu .Staaten miveniiutheten Fall bei deu Liccnten zu Gennep 
nicht können verbleiben, sondern ilesfalla weiter gegangen werden 
mtts^en; es wäre denn dass E. Cb. D. ru(Vibten gutfinden, mit Ihren 
Hucbniög. uff andere Weise und Mittel zu Abstaltung der gemelteu 
Forderung handeln zu lassen. — 



Die clevische Regierung lui doii Kiu'fnröteii . Dat. Emmerich 

3. Oct. 1641. 

(Unterz. Job. van dem Broel. gen. Plater.) 

[Nölhwemligp Vtiroabmc 'k'r Liiiniiiinuis? iter HoefyaeracheD ScUuld; dabei za 

beobachtende OescUalteorduuiig. Stftiid des Budget» von Ctere und Mark.] 

E. Ch. D. haben wir unsrrn itutertli, Bericht und Bedenken über 3. Oo 
die schwere und gefährliche Schuld an IIocffvHer oder die Herren 

Stanteu bieuiit Itberscbicken sollen, und haben dieselbe daraus 

gnädigst abzunehmen worauf es damit itzo beruhet '). 

Doniniic^bst wird unser dabei llber die Forderung in selbiger Rech- 
aung annutirtcs unterth. Rcdenkeu zu erwägen und zu judiciren ste- 
hen, oh nil diese excessivc Forderung guten Theile zumal unrichtig, 
^össeren Theils illi(|uid und darüber die Liquidation förderlichst an 
Hand zu nehmen und '/.uvordcrst das liquidum ab illi(]uido zu sepa- 
rireu uud Über Bezahlung des liquifli tiicb zu vergleichen wäre, da 
dann auch diesesi zu crwiigen stünde, vor welchen diese Liquidation 
anzustellen, und welchen Richtern E. Ch. H. sich diesfalls aubniittiren 
wollten. 

Was die Lifguidation au sich «elbsten anlanget, da haben wir be- 
reits in unsenn unterth. Bedenken Ursachen angezogen, warum wir 
Temieiiieu w<dlten, dass dieselbe furderliehst, jedueh nicht eilender 
zur Haud zu uehmeu wäre, als wann der Herr Prinz zu Uranien und 
einige der vornehmsten aus den CoUegiis der General und Rath von 
Staten wol djirUber inforuiirct und zu dem, was billig uud redlich, 
diaponirct wären, welches um sn viel da mehr nrttbig, dass weil wir 
<lie««e Xaehricbt erlanget, dass der HoefTyser (welcher vor ein halb 
Jabr banquerouttircl hat) im Hagen in dieser Sachen viele tind eon- 
sidcrabile Freunde gemacbet habe. — 

Vor welchen aber diese Sache zu submittiren, das weiseu die 
Concordata, welche vor diesem zwischen diesen und Venacbbarten 



') Vfl. obeu Eiiileiltinp Dot. 12. 
ÜAittr. tut ütuu. il, Gr. KurUji^ieiK fV. 



50 



I. BraDdenbur^ und die Niederlande. 



I 



Landen ufgeriebtet, ilarinncn versehen, wann sicli dergleichen Strei- 
tigkeiten erregen, dass alsdann heidcrseits einige RiUlie, welche ihrer 
Eiden zu erlassen, niederzusetzen und einen Ohniann zu wählen bei 
Macht sein; durch selltige Hchickung werden auch vcnuuthlich in Er- 
wSgung des verderblichen Zustand» E. Ch. D. Landen gelindere ter- 
mini solutionis und etwa dieses können erlialten werden, dass bei con- 
tinuirendem beschwerlichem Zustand in diesen Landen E. Ch. D. nit 
ferner möchten beschweret werden, als mit Bezahlung der jährlich 
erfallenden Pensionen gegen Augelulning, wann die Zeiten sieh bes- 
sern, und zu mehrern Mitteln zu gelangen, dass auch auf das Capital 
die Bezahlungen nach Gelegenheit erfolgen stdlen. 

Damit aber auch E, Cb. D. von dem Z)t);tand der Domainen, und 
wie viel Staats bei itzigeui alleullialhen verderbliclien Zustand darauf 
zu machen, gnädigste uachrichtlichc Wissenschaft liiitten, haben wir 
nit uüdienlich ennessen, densel])en herbei zu fügen und ist aus der 
Beilage zu ersehen, dass des Filrstenthums Cleve Intraden vor das 
verderbliche Jahr ltlH5 ausljraeht haben ungefAhr 74,4()r) Thlr. ad 
30 8., und die aus den Grafschaften Mark und Kavensberg etwan 
16,0UO derselben Thb*., welche machen in Rth. zu CO s. 4fS,20a Rth. 
28 9. Nach dem Jahr aber und bei itzigeni Statu iM,09T Thlr. IT 8., 
macht in Rth. 17,048 47 s. ungefähr. Dagegen an ordinari Ausga- 
ben .34,«82 Tblr. 27 8., machen ad Rth. 17,441 27 s., und alao 
an die 400 KtU. höher als der Empfang; daraus alao nichts zu der 
alten oder neuen Schuldenlast, damit E. Ch. D. Domainen behaftet, 
genommen werden kann'). _ 

Zur Alibille diet^es Zu^^taitdes wird be!;ouders eine dauernde Xcutraltt&t f 
der clevisctieu Ltiiide und zu dem Eude ViriiaiiUluagen mit dem kaiserli- 
eben Hof und mit den Geueralstaalcii cmpl'obleu. — 



Für das Jahr 1642 liegt für die uiederUiidisch-brandcnburgischeii Be- 
zieljQügeu Qiehts von Belang vor; die Verüiuiiibmg übtr die Schukisache 
stockt. Mit Beginn des J. 1643 tritt eine UL>ue PersÖDÜcbkeit iu diesen jl 
Kreis herein, Johann v. Norprad begegnet uns noch im März 1641 in 
pfalz-uculiurgisclien Dieustcn uls Oberst und Gouverneur von Dügseldorf; 
in dieser Zeit kam er als Gfs>andtor des rfolzgnd'eii nach Köuigjiberg; bald 
nachher scheint er in ZerHürtiusse mit seinem Herrn geratheu zu sciu, uod 
trat in bratidenburgiäche Dieuste über. Er wurde zam geheimeu Rath er- 
nannt {dat. Kötiigfcberg 27. Jan. 1154.3); neinc Di'-ustitftLructiuß (dat. ibid. 
10. Febr. 1643) stellt ihn howol für die inneren Angtlegenbtiten der eleviscbea 



') L&Dt Beilage belanfen sich die onf den korrcirstlicben Domänen haftenden , 
SciiDldeD in sechs Posten auf 81t>,TT5Vi Btb. 



Cleviache DomalDen. Norpr&d. GemeeDe Middelen. 



51 



L&udp, wie für die Beziehungen nach auHsen an die Spitze der clevipchen 
Regipmng; fUe Verb and langen mit den Niederlaudeu aud mit Ffalz-^euburg 
waren ihm besonders aavcrtraot. 



Jan van Boeynenburcli. gen. van Honstoin, an den Kui'fiij'Sten, 

»Dat. Emmerich 10. Mni 1644. 
I^thnt i» RückBicht onf Beine Eijreti?ehan als Glied tSer Rittersehaft eine Com- 
f ' tnisaloü uncb «ieni Haag la .Sachen der „(rc^rociiion Middel" ab.] 

Myn beer Nurpraett Lutenant General hccfft my eenige dagen 
roer 9tn Tertricb na den Hag-e uiundeliiige iut vertrouweu geopenbaert, 
hoe datl U. Curf. Dtirchl. gencdij^st hcvnlen ende bolieift heeflft, oas 
Doctoren Diets. Jloetsvelt ende ininne geringe persoeii genedigst 
op te greven eene comiuisgie om diselvige toe verrichten by de beeren 
Staten Generali in den Hage; in welche coinmiesie. de ich evenml 
ftiett hebb«.r gesieu, soldeu ven*att sin twce poeintcn: hett eerste poiut 
was. datt wy by de beeren Staten Generali soldon aenhi>lden oia 
handtbidingc , ao vranneor U. Curf. Üurchl. eenige gemeene mid- 
flelen') in de .Steden van U. Cnrf. Dun-hl. Landen van Cleve tott 
betalingc van de »ladische offte andere schulden soldcn genoettsaecht 
gyn intevoercn; hett tiveede poeint was de liquidatie van de Hoef- 
(isserechc schult. 

Op bett eerste poeint. belangende de handtbidinge der Staten 
Generali, dacrnp gal irb U. Citrf. Durchl. ondeidenigst ende gehoer- 
sambst naer minne geringe verstant dienen, datt sulcho vocrnoemde 
handtbidinge wel by opentliche coniinlBsio doer di 2 voernoembde 
beeren üoctoreu Diets ende Moetsvclt kan worden gesolieiteert, 
als t^inde beide ordinsirisec radcn, die op gcene landagCii ci»niparereu 
oiHe «ein bebben. macr hettsclvige en kan doer minue geringe per- 
t>oen nictt gescideu, in ccnc opeiibare commissic ende by opentlicbe 
prctpositie in de Stateu Generali, um rcdeuen datt ich eeu extraordi- 
naris Landtraett ende mede een stant ofltc lit van de beeren van de 
Itidderecbap bin, dewelebc Landtraden principaliter tott geonco andere 
fine mede binnen acngestclt, als oni te eumpareren np de Landttagen, 
die ran U. f'urf. Durcbl. wurden iitgescrevcn, o!u op diselrige Lan- 
dagen wel toe betrachten ende bcherttigen, dattcr niett t»tt nadeel 
oifte preiuditie van U. Curf. Diircbl. ende dermlver Landen, als oeb 
mede tott nadeel van di «elgefuudeerte previlegien der Stcnden mag 
TO€rgenoemeu ende getracteert worden. — 



1644. 
10. Mai. 



<) VfL oben p. 30 Dot 2. 



4* 



52 



X. Bruudenburg: and die Niederlande. 



So wannen ich nu, Durchl. genedigster Curfurst en beer, ala Landt- 
raett ende medestant oflrte litt van de beeren van de RidderscbaflPt 
butten hare kenuiss ende weetteii in ecne npentlifbe i^mmmssie ofte 
propositie by den Heeren Staten Generali in den Hage opentlioh ginge 
Boliciteren voer U. Cur f. Durcbl. de bandbidinge, so wanneer U. Cnrf. 
Durchl. in de voemncnibde steedcn de gemeene niiddelen iin*nerden, 
80 Bfildeii de beeren van de Ridderseap my utt Uacre vergadcringe 
doen gaen ende niy numtncr nieer wedmmb op Landagen in haere 
vergaderinge willen admitteren ende my voer infaem verelaren, liett- 
welche soldo strecken UM groetteti «mdienst- van V. Ourf. ntirelil.. diu 
redenen so docnlicb U. Curf. Durchl, noetsaekilich eenen staot an 
de hant raoetfeu holden; sulchs doende kan de handbidinge van de 
Heereil Staten Generali sunder eenige swaericheitt gcol»tineert wor- 
den; de beeren vau Belliuchhoeveu, Waebtenbroecb, Sons- 
velt ende andere heereu vau de Ridilerschafft suUen gehichgeuis kun- 
nen geven, watt devoiren datt ich hebbe gedaen, op datt sieb de 
beeren van de Ritterschafft vast aen U. Curf, Durchl. 8<»lden bidden 
ende U. Curf. Durchl. och niede onder de armen grippeu, waert<»e sy 
och meest gedisponeert eude wel genügen binnen. 



Der Kurfüi'St an den Prinzen Friedrich Heinrieh v. Oranien. 
Dat. Berlin 9, 19. Mai 1644. 

[Excesse der liwBäischen Truppsu im Cloirischen.] 

19. Mai. Mousieur mon Oncle. Mon conaeiller le Sienr de Norpradt m'aj 

fait entendre les atteutats que les HesBois ont fatt snr mes geus' 

logös a Sonfibeck, et que nc leur ayaut vcmlu siicceder en niesrae 

fa^;on [qu'] ä Xanten ils s'en trouvent offenses et procedent rigoreuse- 

raent contre ceax de la ville et leur imposent nne amende fort grave. 

Or le dict de Norpradt a tresbien fait, den avoir fait inconti- 
nent aes plaintes envere vous, et ue doubte nullenient que par Vostre 
autborit^ 51s soyent dcsia dispoaös de desister de telles procedures qui 
certeB sont contre toute raison. m 

Cefieudant Je n'ay pas voulu nianquer de vous recommender soi- 
gneusenient pur celleey ectte aflaire, vous suppliaut, iMons. mon Oncle, 
de vouloir remedier a ees inconvenients ä lin que nies bonnes iuten- 
tions, nullement contraires aus Hessois, ne re^olvent quelque ccnpe- 
schemeut par leur moyen. Ce sera un graud accroisaement des obliga- 
tione que je voaa ay saus eela etc. 



Die Bessen im üleviscbmj. flulz- niift Fleischhaudel aus Preassen, 5^ 



fr Kurfür&t an Job. v. Nui-piad. Dat. Berlin 19, 29. Juni 1644. 

1« Restttuirting der drei cievischen Plätze, Finanzpläne. Holz- und Fleisch- 
idel aus Prcusieo nach dun NiedürtuDcleQ. Truppen nach <]«□ cievischen 

Iisaden-j 

Eure unterth. Relation vom '^ jj,;', aus Clere ist Uns nit allein zu 
Recht zukommen, beBündern Wir baben auch aus derselben Euere Ver- 
richtung in (lein Hage, eowol bei des Herrn Prinzen von Uranien Ld., 
als sousteu den Herren General Staaten mit völligem VerguUgen gnä- 
digst vemiimmen. Wie Wir nnn aus der ungeweigertcn Bewilligung 
;:der eingeräumten Platzen derselben gute Affection zu Fortsezung Un- 
iMrg wolmeinenden Vorhabens gnugsam verspllren und deshalben bei 
dfQsdben mit gebührlicher Danksagung einzukomnien baben: also 
wtillen Wir verboffen, dass bei solcher Handhabung das übrige in 
dem Werk auch unschwer erfttlgcn werde. — 

lui Ucbrigen, so sein Wir mit Euch darin einig, dass dasjenige, 
was man jetzo an Gelde in den Händen hat, nit herausgebe, beson- 
dere lu Fortsetzung dieses Werks an sich behalte und auf die Mit- 
iiEln gedenke, wie dasselbe in andere Wege möge suppliret und er- 
Hattet werden, welches dann aus der Ostseite Euern Gedanken nach 
fol wird verhüffentlich geschehen können. — 
Was nu den Vorschlag des Geholtz in diesen Landen angehet, 
ft befinden Wir denselben sehr gut und haben dessen in diesem Lande 
Men tlberflüssigen Vorrath. Alleiu dass Wir es sollen auf Hamburg 
KhaffpU, dasselbe würde Uns fast schwer und unmöglich fallen; Wir 
w'iUeu lieber jeden Baum um so viel weniger in loco geben und nur 
dsvor 2 Rth. nehmen, welcher sonstcn zu Hamburg vor 7 oder 8 Rth. 
könnte ausbracht werden. Derhalben zu vernehmen sein würde, ob 
4ie llolzkaufleute selbiges Holz nit wollten auf dem Stamm sich an- 
weisen lassen und auf ein gewisses vor jeden Baum handeln; welches 
*ir dann wol gehöret, dass andere aus Niedcrlauden in das Stift 
Lyck tmd . . . (?) kommende Halzkaufer gethan. Öonsten wollen Wir 
oil allein aus diesem Lande gerne Hok folgen lassen, wie gleichfalls 
!iQsPreas*ieu Klapholz uud anderes, hesondeni Wir wollten auch noch 
w^'l lugebcn, dass dergleichen aus dem elegischen geschehe, gestalt 
^i' dann Holzung der Ort haben, so auf grosser Gefahr stehet, als 
der Wcllerische Pcsch, so nahe bei Duisberg auf der Isel lieget und 
andere». Wir finden auch jiracticabpl, dass preussische Waaren und 
Wim»! gedUrretes Fleisch hcrausgeschickel und zu Gelde gemachet 
werde, welches Wir dann auch in fleissige Acht nehmen und mit Un- 



9. Janj. 



ad 



54 



I. Brandenburg uod die Niederlaude, 



«erm Oberkammerer, sobald er von Cttstrin wieder hiehcr kommen 
wird, unterreden. 

|:Schlie8slicli, so sollen die beide Compaguien zu Pferd so babl auf 
hundert jede werden gebracbt werden, im Eude des künftigen Monats 
Juli herauBgesebicket werden, und würde gut sein, wann gegen selbige 
Zeit Ihr Eucb in die Grafäcbaft llavensberg würdet verfügen können. :| 



Unter demselben Datum DauksagttDgsschreibeD an die General^taaten 
für die ReE>tituiruDg der drei clevischeii Plätze Dui^biu-g, Dinslaken aud Holt. 



Fabian ßurggi-af zu Dohna an den Kurfüi'sten. Dat. Haag 

4, Dec. li>45*)- 

[Audienz bei dem Prinzen Ton Orniiien; gute Zusagen in Betreff der neuburgi- 
«eben äuche. (Jardiaal Muzarin'e Gesiimung ^'eguu den FfulzgrafeD. Mau mnss 
die Gunerulstsuteu 2u gewioucn suche ii. Wiuhtigkeil uiuor engeren Verbindung 

mit den Niederlündeu.] 

1645. E. Cb. D. soll icb biedurch njieb Versieberung meiner getreuen 

*■ Dec. pflicbtscbuldigen Dienste unterth. berichten, dass ich gestern bei Sr. f. 

Gn. dem Prinzen von Oranien dcro mir gnädigst mitgegebene Cre- 

denzscbreiben und Comwission angebracht und darauf zur Antwort 

erhalten, geniclt S. f. Gu, thüteu sieb wegen des guten Vertraueup, 

so E. Cb, D. zu ihm trügen, büeblieh bedanken, wollten auch alles 

dabin richteu, dass dieselbe io dergleichen gutem Zuversicht weiter 

bebarren würden, i^ie hätten grosse Ursacb, in der Cleviechen Sachen 

waehsam ui sein, indem der Ffal/graf von Neuburg durch den 

von Wesspenninck, seinen Abgesandten, sich alhio bei allen Leuten 

beschwerte, als ob ihm von E. Ch. D. gross Unrecht geschehe, und 

yie die einmal aufgerichtete Verträge uiclit hielten. Er, der Prinz 

von Oranien, wUsste zwar nicht die Umstände der Sachen, wäre aber 

von Herzen begierig, E, Cb. D. bei allen fürfallenden Gelegenheiten 

angcnebuc Dienste zu leisten. 

Hierauf bab icb 8r. f. Gn. den statiim causae (welchen ich alhie 

laut meinem von Berlin aus getbancn unterth. Bericht drucken lassen) 

pro infurmatione gegeben'), dabei auch weitläufig auageftiiirt, was 

dieser ytaat von E. Cb. D. gutes zu hoflen und iiingegeu von Pfalz 

Kenburg böses zu fürchten hätte, auch angehalten, man wolle seinem 

unbilligen Ansuchen kein Gehör geben, sondern riehnehr E. Cb. D. 



I 



\ 



') Üeber die Reise Uohnu's nach dem Haag und Paria vergi. Vol. L 
p.eiO. (iW. 

*) Vergi. ebcudas. p. 642 üot. 



Dohna im ?ug. 



55 



gerechte Sache wider des Oegentlieils unliilligen Gewalt schützen hel- 
fen. Hiczu hat sich S. f. Gn, alles guten erboten und mir Recommen- 
tdfttioneB in Fiiiiikreich versprochen, sich auch erkläret, alles was 
Linög^Uch wäre, io diesem Staat zu E. Ch. D, Bestem zu dispo- 
^niren. — 

Für wenig Tagen habe ich einen Brief gesehen, den der Cardinal 
tarin an den hiesigen franzfigisuhen Residenten Brasset geschrie- 
i, darinne enthalten, er der Cardinal wU8»te wol, der Heriog von 
Neu bürg niacliete sich grosse Huffhimg auf die privat Freundschaft, 
so sie zuvor mit einander in Italien gehabt, es wäre aber an E. Cb. D. 
mehr gelegen und wtlrde dem Herzogen seine vermeinte Faniiliaritet 
wenig oder nichts helfen. 

Es wird mir sonst von etlichen guten Freunden an die Hand ge- 
geben, dieweil die Herren Staaten einmal fiir Haltung des provisional 
Vertrags gutgessiget, könnte nicht undienlich sein, wann E. Ch. D, bei 
denselben um VuUentziehung gemelter Caution anhielten und sie da- 
durch vcrobligirten, Pfalz Neuburg entweder mit gut oder nnt Gewalt 
zu lmup;en, das» Sie E. Ch. D. niüssten voUkomniene Satisfac- 
'tion geben. Meinen wenigen Erachtcns wäre es ein nützlich Werk, 
wann E. Ch. D. bei meiner Kliekreise aus Frankreich mir gnäd. Cre- 
denischrciben und Comniission an die Herrn Staaten zuschickten und 
.sie dadurch sucheteu i)i die Sache einzuwickeln. Und ist nicht ohne, 
' das« sich etliche wol infentioniile Leute nicht wenig verwundern, dag« 
M 8ü lange nadigiblicben, indem «el der Herren Staaten und son- 
derlich die aus der Proiinz Geldern, Overi^sel etc. {welche E. Ch, D. 
lieber als den Ptalzgrafeu zum Nachbarn hätten) auf nichts anders 
warten. 

Ich meines geringen Theiles sehe keinen Staat, welcher E. Ch. D. 
mehr dienen kaun, als eben dieser, wegen seiner grosseu Macht zu 
Laede und insonderheit zu Wasser, wie dann auch der Nahheit an 
E. Ch. D. Jülich- und Clevische Laude, uud dann der Möglichkeit, 
«leroselbcn mit ein»r ansehnlichen flacht zu Wasser bei Pommern und 
'*ireu8sen zu assistiren. Zudem leiden eß ihre Interesse nicht, dass 
*in kuiboliseher oder dem Spanier so wol aUecHonirter Herr in den 
Jttlicbchen Landen, und dann die Schweden durch geruhigen Posaess 
öc« Herzogthuujs Pommern die Nordsee [sicj fast allein regieren sollten. 
Ans Holchen wichtigen Urrsachen dann wol tn wünschen wäre, dass 
E- t'b. I>, in stjrkcui Verhlindniss mit deu Herreu Staaten wären. — 
Biuher habe ich mich noch alhie aufhalten müssen, theils des 
TOD Wesspenninck Negoeiationes cu hiutertrcihen , weil E, Ch. D. 



5g I. Brandeabarg und die Niederlande. 

Agent nicht eben zur Stelle ist, dann auch und fllrnehmlieh auf die] 
neuen Credeutiales an den Cardinal Mazariu m warten. — 



ib. 
teivH 



Instruction für („Unseni als Gentilhonime envoye abgeschick- 
ten Rath" etc.) Ewald von Kleist an die (ieneralstaaten und 
den Prinzeu von Oranieu. Dat. Königsberg 10. März 1646. 

[Der pommeriachu uud der ueobar^sclie Streit. Klage bei dem PrinKeii voOi 
Oroolen ilb^r die Renitenz dvr cleviscben t^täcdu; Bitte am getiignete Uat 

atütiUBg.] 

1646. 1) Ausführliche Darlegung dee ganzen Verlaufs der pommerischeu 

10. März. Angelegeuheit, des. Uechtes des Kurfürsten an diese Lande und BittOM 
um Unterstützung der CTenenilstauten hei den Verhaüdlungen darüber. ^ 

2) Ehensu Darlegung der pfalz-neubu rgischen Diflcreuj!, Der 
Kurfürst habe den präteudirten I'rovisjimmlvertrag von 1(129 und 1630 aus 
guten Gründen nicht ratiiicirt und üd dazu nicht verpflichtet 1) weil er in 
diesen Landen „nklit iure hereditaric, ?<judt>rn iure proprio sive majomtas 
snccedire*. 2) Weil jener Vertrag von 1(529 und lti30 deu früher accep- 
tirt^n und ratiöcirten Vertragen von Dortmund 1(509 und Xanten 1614 wi' 
derspreche, überdies anch durch den offentuntUg bestochenen Grafen' 
Seh wartzenberg dem verstorbenen Kurfürsten »ufgeredet worden seL 
3) Weil die lieeiuirächtiguug für Urauderiburg in deiuselhen allzu enorm 
sei; weitere Ausführung hievou mit deu bekannten Argumenten; die veT' 
langte AljBtaudsKunime, die der Pfahgraf zahlen soll nach dem A'ertraj 
von 1629, wird auf 186,000 Rth, angegeben, 100,000 aus Jülich, 60,000 an 
Berg, 20,000 aus Ravensherg, tJOOO aus Ravenstein. 



I 

I 



Kurzes Neben-Memorial. Uuserm Abgeschickten , dem 
von Kleisteu, wird biemit ferner comniittii-et, bei des H. Prinzen zu 
Uranien Ld. auch dieses ä part fdr^ubringen: ea wurde Sr. Ld. an->jl 
noch uneutfallen sein, wasmas-^en Wir uff vorhergehende mit dero- 
eelben gepdogcne CoBinmnication, insonderheit aber zu Uettung und 
Defension Unserer Lande, auch Besetzung der Uns wieder eingeräum- 
ten Plätze Duisburg und Calear einige wenige Fussvölker uud Keiterejfl 
geworben. Wir hätten Uns auch zu Unsern Cievigchen Siänden wol 
gänzlich versehen, sie würden .... deu darzu gehörigen Unterhalt 
gehorsamst gerne Über sich genommen Italien. Wir mUssten aber dan- 
nooh das Widerspiel und das« sie sich zu Beifjriugung des Unterhalts 
für geuielle VöUter bis dato gar nicht verstehen wollen, vernehmen; ....^ 
zwar hUtteu sie uff beseheheue vielfältige ZugemUthllihruug eudlicfa!^ 
einige freiwillige Steuern, als im Aprili 1645 »M-KX) Th., im Augusto 
eiusd. a. üO,(.KK»Th. und itzo im Januario IM\\ t.S,tMXl Th. bewilliget^ 
80 auch zum Unterhalt der Völker, so weit sie reichen können, emJ 



Sendnn^ Kleist's in den Hiiag. 



57 



■fei 



ployiret worden; zu eioeni luehrerem aber wollten sie nunmehr gar 
ui(!ht verstehen, sondern hätten uulängst einige atia ihrem Mittel zu 
Uns anbero deputiret, dureh welche sie Uns Kwar an Htntt des zu 
Äbtilguttg der Caramcrschulilen in a, Uiüli albereit bewilligten Depu- 
tstions-Werks einige andere Mittel oflcriren liesaen, aber anderer Ge- 
stalt nicht, dann dofem Wir die Völker wieder abdanken, oder uffs 
wenigste aus den Cleviachcn Landen abfuhren nnd d;inn ihnen in 
allen ihren GravaniiDibuB vollige Hatisfactiou ihrem sclbsteigeiieji Be- 
gehren nach geben würden. 

Nan wäre Uns da» erste gar nicht thuulich, könnte auch ohne 
UuBerer Lande und des gaüxcu Staates äusserster Gefahr und Ab- 
iruch Unserer Churf. Rcputatinn, ja aucli der den ilerreii Staaten und 
rfer Frau Landgrätin gegebenen Parole gar nicht geschehen. Das 
ändere wäre Uns uicbt weniger bedenklich, weil man Uns in puncto 
paraoiinum dasjenige, was von Ungern hoehlöbl. Vorfahren nie he- 
■iifet worden, anmuthen und solche Dinge zu contirniiren suchcte, 
81 viel zu hart in Unsere landesfürstl. üohcit dringen, wo nicht gar 
^ ein congurtium gubematioais hinausliefen, auch bisher nie ad ob- 
Wrvantiam gckomtuen. 

Wir hätten ihnen zwar den Unfug solcher ihrer Poätulaten ge- 

'"'g'aam zu Gemüth führen lassen aber sie beharreten dennoeh 

^^ ihrer Opinia^tritSt, und bliebe Uns also kein anderes Mittel mehr 
"''rtg, dann dass Wir den unentbehrlichen Unterhalt, wie ungern Wir 
"ticli darza kämen, durchs Land selbst austheilcn und durch die Un- 
'^'T^ beitreiben lassen tnUssten, 

Nachdem aber auch dieses ausser Zweifel allerhand Schwierig- 
*ti Querelen und andere besorgliche Incouvenientia verursachen, in- 
•"•i^erheit aber die Ostseitische Städte sich wol gar der Esecution 
"Pponiren dürften: so ersuchten Wir S. Ld. im liergebrachten Ver- 
'^^leB gar freundvcttcrlich, Sie wollten nicht allein Ihres hohen Orts 
LUsiere Intention freund vetterlich sccundiren und die gute und starke 
"^tid darob halten, sondern auch im Fall deshalb von besagtcu Uu- 
*^*"en !5tiinden einige Querelen an Sie oder die Kempubtiearn gelangen 
*'^Hteu, es dahin vermitteln, damit die Querulanten nicht allein abge- 
""^Lnet, sondern vielmehr zu mehrenu Gehorsam und besserer Accom- 
Biodiruug gegen Uns gebührlich angewiesen werden möchten. — 



Dit weiteren Acten der Yerhandlaugen Kleist's im Haag s. ürk. u. 
^ct in. p. ä IT. fiiue öchlussrtxoluti'jn der Geueralstaaten »eheiut nicht 
cnbeüt vorUeu zu s-kiu. Dtms Klcibi tiu^sur der obigen Intitruclion auch 



58 



I. Brandenburg and die Niederlande. 



schon den Auftrag hatte, die Hfirnih^angclegeQUeit mit der PriaKCSsin voa 
Orauien einzuleiten, ist nach Aitzcnia III, p. 106 wahrscheinlich; die Acten 
geben nichts dariilier. 



Instruction für Alhajnlt Philiiip von der Boreh und Johann 

von Boynel)urg an die Staaten von Holland, Seeland und 

Utrecht. Dat. Duisburg 3/13. Nov. 1646. 

[Verluuf der schwedlscli-purameriBeljoD Angelegenheit: einstige Verheiasungen 
GaatBv Adolfa; jetziges Verlangen der .Schweden nueh dem Besitz von Pommern. 
Bedenklicliki<it für don Handel der Niederlande; eie sollen ihre Stimme dagegen 
einlegen. Die Niederländer sollen vun Spanien Neutralitut bedingen für den 
Fall eines Cuuflictee mit dem Netibiir^'ßr. Sie sollen die Renitenten unter den 
clevischen Stünden nicht niileratiitzen. Anaeicht auf Abscliluss einer Alliaoce.J 

13. Nov. — Nach erlangter Audicntz und abäjelcgtcm Uuserein gtlngtigen Gmss 
und Erbieten zu aller nachbiirlii-her Freundschaft, soll er denenselbou 
femer vortragen, dass, wie in Ao l(i27 daa Herzogthum Pommern mit 
starker Kaiser!, Gumison belegtet worden, und uolclios deni Könige 
in Schweden, chriatmildcn Angedenkens, etwas verdächtig vorgelioin- 
mea und befürchtet, dass solches Dir. Eon. MaJ, Statuj sehr nach« 
theiiig sein wtirde, dieselbe zwar mit etzlicbcn Sehiflfea in Pommern 
angesetzct und aus ctzlicben Plätzen die Kaiserlichen vertrieben; die- 
wei! aber die vnruebmstc Städte, aia Öteltiu, Strahlsuud und andere 
Oerter in nichrbc.sagt''r Kaiaerlicticr Hände nicht gewesen, mit des 
letittverstorbencu Herzogen von PiPininem Ld. und allen Ständen eine 
starke AUiancc aufgerichtet, dass Ihr Krtn, Maj, noch dero Succcssoren 
desfalls an Pommern das geringste nicht zu praetendiren belüget sein 
sollten; welches dann Ilire Kön. Maj. auch mebnnals zum öfteren 8o- 
wol in Privatdiscoursen, als auch gegen Uiisers in Gott rubouden Herrn 
Vatorn Gn, abgcsebickte Diener repetiret und ganz hoch und könig- 
lich betheuert, dass Sie nicht ein Fuss breit, zu gescbweigen ein meh- 
rers, von Pommerti begehrten, gondern wären zu dem Ende mit Ihren 
Waffen auf den Iteichsbodcn gekommen, dass Sie den Bedrängten 
Buccurriren und zu dem ihrigen, so ihuen abgenommen, wieder ver- 
helfen möchten. 

Ob Wir Uns nun wol auf solche Königliche hochbetheuerliche 
Wort, Unser ganz, unstreitiges Recht , , . . verlassen und Uns nimmer 
versehen können, dass von der jelztregiereiideu Königin in Schweden 
als Unser nahen Blutsfreuudin solche Unsere Laude appetiret und be- 
gehret werden sollten: so hätten Wir doch mit Schmerzen erfahren 
mllesen, dass die zu Osnabrück anwesende Kön. Schwedische Pleni- 



I 



Bitte am Hilfe ^egen Schweden in der pomraerigchen Sache. 



5d 



I 



potentUrii solche Unsere Lande in ihrer EepUfjae nicht allein zu ilirer 
begehrten Satisfiiction in Vorsehlag gebracht, besondern auch .... 
Qoch bis ant' diese Stunde fest darauf beharret; und würde Uns auch 
desfalls von allen andern Ständen, i'oruehmlich aber den Franxösischen 
Herrn Plenipotentiariis, weil jedermännij^'lich des Friedens begierig 
»väre, also zugesetzet, dass Wir Uns dieser iSachen halijer in ziem- 
lichen angustiis befänden. — 

Was vor ein hohes Interesse die Herren Staaten und alle an der 
See belegene Städte hieran trügen, dasa diese Lande unter ihrem na- 
tttrlicben Herren verbleiben, und nicht das inare BaltiRUm unter einer 
ohne das so mäi^htigeu Kronen Gewalt gebracht werde. wUrden sie 
selbst gntigsani enuessen; dann hei dem das douiiuium maris sein 
wird, bei dem wird auch die Direction aller commerciorum stehen. — 

Dieses Werk, als vuu welcliem nächst Gott entweder die Couser- 
Tatiou oder auch die ganze Ruin Unsers Staats und Verlust aller Unser 
Länder einzig und allein dependirte, l^e uns sehr hart an, wüssten 
aber niemand, zu dem Wir Uns hierin getreuem Rath und aufrichtiger 
Amtstentz, dann zu ih^nen, diu Herren Staaten, als welche selhsl so 
hoch hieran interessiret, xu getrosten. 

Und weil Wir auch in der That verspürten, dass sich die Krön 
Schweden, im Fall sie nur merken wtlrde, dass die Herren Staaten 
etwas mit mehrcm Xaclidruck hiewidcr redeten, viel glimpflicher und 
raiüounabler erzeigen würde, so ersuchten Wir sie ganz fleissig, sie 
wollten bei itziger ihrer Zusammenkunft dieses Werk in reife Deli- 
beration ziehen und einen dieser Sachen zuträglichen Sehlusa fassen, 
und solches ihren zu MUnster anwesenden Gesandten aufs fleissigste 
anbefehlen, damit sie den Herren Schwedischen mit mehrem Ernst, 
dann bishero geschehen, zuredeten, dieselbige zur Raison, und dass 
sie mit derjenigeu Offerte, die Wir zu Bezeugung Unsers friedliehen- 
den Gemütlis gethau (gegen einem gnug^anicn Aeqiiivalen)) acijuiesci- 
Tfjn inSgen, persuadirteu; wobei wol angezeiget werden kann, di^s 
Wir den Schwedischen albereit die ganze Insel Rügen, so ein vor- 
treSltches Land, daa Fürstenthum Bahrt imd noch dazu etzliche andere 
Plätze mehr angeboteu, von ihuen aber als viel zu geringe verworfen 
würde. 

Widerlegung etwa t-rfolgfuiler Einwürfe zu Gnusten Scliwedeos. 
Folgen dann die bckaüuten Auklugcpuncte gegen Ueu Herzog voo 
Nenbarg, avhbi der Bitte am luterpo^itiou zu Guustcn des Eurfürtiten. 

Dnd weil Wir auch glaubwürdig berichtet, dass die Herren Staa- 
ten mit der Krön Spanien in Tractateo stünden und solche wol ehe- 



60 



I Brandenburg tand die Niederlande. 



Btes Eur Perfection kommen dörften, dazu Wii ihnea von Herzen gra- 
tulirten, so si>U sich Uuscr Abgeschickter aufs äusserste bemühen, von 
ihnen zu erbalteii, dass mit iu die eonditiones pacis gebracbt werde, 
wann Wir wider Verhoffcn und auf den Fall, dass der Pfalzgrafe zur 
Billigkeit nicht lu. bewegen stünde, mit demselben verfallen und da» 
Uneerige zu erhallen suchen müssten, die Krön Spanien sich darin 
ganz imd gar nieht iniBchen, noch dem Pfalzgrafen assistiren sollte; 
dieweil ohne das sie keinen beständigen Frieden haben köuuten, son- 
dern obligiret sein wUrden, auf solchen Fall Uns wiederum zu assi- 
stiren, dadurch sie dann de novo mit der Krön Spanien in Krieg ge-' 
riethen. 

Nachdem auch Unsere Stände des Herzogthums Cleve sich 
unterstanden, allerhand Beschwer über Uns bei den Herren Staaten 
zu führen und dieselbe mit so falschem Bericht hintergangen und ver- 
leitet, dass sie eine ganz widrige Ordre an ihre Coramendauten er- 
theilet, so soll er denselben renionstriren, dass Uns daran gross Un- 
recht gcsi'hehe und nur von etzliehen, so Uus und Unserm Churf. 
Hause libel aftVctioniiet wären und dagegen dem Pfalzgrafen adhae- 
rireten, herrühte, welche einen und andern mit aufwiegelten und. Uns 
Bo wol bei den Herren Staaten zu denigriren, als auch bei Unsem 
Ständen selbst verhasst zu machen, erdichteten, als gingen Wir damit 
um, dass Wir den Ständen ihre Privilegien nehmen und dieselbe ganz 
unter die FiiBse trclen wollten. Nun hofften Wir zwar ia ganz Kur- 
zem allen getreuen Ständen das Widerspiel in der That zu erweisen, 
indem W^ir denenselben alle auf der Billigkeit gegründete Privilegia 
confirmiren und ihren geführteu Gravaminibus abhelfeu wollten, dea- 
falls Wir albereit Unsere gehorsame Stände auf einen Landtag ver- 
schrieben. Nachdem W^ir Uns aber besorgen mUssten, dass solche 
böse Leute nicht feiern, stmderu zu des Pfalzgrafen Bestem und Dieuste 
noch ferucr allerhand erdenken würden, so ersuchten Wir die Herren 
Staaten, sie wollten denselben keinen Glauben ferner beimessen, ihnen 
vielmehr solch unziemliches Beginnen verweisen und sie zu schuldi- 
gem Gehorsam und Devotion anweisen, und die an ihre Commaadan- 
ten ausgelassene Ordre levociren. — 

Und ob Wir gleich ein Zeit hero aus unumgänglichen Ursacheu in 
diesen Landen elstliche wenig Völker halten niflssen, so whr doch das 
im geringsten nicht zu Sehmüleruug ihrer Privilegien augesehea; der 
aufgewandte Unterhalt war auch so gross nicht, dass sie mit Fug dar- 
über klagen köuuten ; das Kl.ngen geschehe auch nicht von den Stän- 
den ingcsammt, als welche wol crkeuneten, dass, wann Wir diese 



■ 
I 



I 



Klagen gegen tue cleviBchen Stände. 



61 



Völker uieht geworben, sie den Hessischen die Contribution , deren 
Wir sie CDtliuben, eoutiauirlicb geben müssen, sondern, wie bereit ge- 
dacht, wären es nur etj^icbe widerwärtige, und zwar der painstiscben 
Religion zugethane Leute; welches I'nser Abgeschickter alter gegen 
niemand, als die evangeliseb aeiud, erwähnen mrd. 

Die Stände iui Herzoglhum Jülich und Berge hätten gleiche Pri- 
vilegia mit Jenen im Cle\isclien Lande, imd gleichwol schriebe der 
Pfalzgrafe aueb unbegrilsset der Stande eine Ci^ntributitm nach der 
andern aus, welches sieb auf ein weit höheres beliefe, als was Wir 
begehrten, and wllrde lüenmlu gehört, dass dergleichen Klagen vor- 
gingen, ^lel weniger, das» einer oder nndcr Pcitentat dem Pfalzgrafen 
hierin hinderlich wäre. Unser Abgeschickter v\ird allen Fleiss an- 
wenden, den Herren Staaten dieses also 7u inipriiniren, damit sich 
solche widerwärtige Kü|>fe auf deren Patrociniuni nicht mehr /.u ver- 
lassen haben mögen. 

Und hat er die HeiTcn Staaten dagegen zu versichern, dass Wir 

solches mit aller bestilndigen nachbarlichen FreundBchaft erwidern, 

auch aufs eheste niit dcucnselbeii eine feste und nahe AUiauce schliessen 

und desfalls entweder selbst in den Haag kommen oder die Unseri- 

gen dabin verordncu wollten, worauf sie sich gewiss und sicherlich 

lu veriasscR hätten. Den Vornehmsten und die zu Erlangung Unserer 

Intention das mowte vermögen, soll er versprechen, dass, wann sie 

««b Will hierin erzeigen würden. Wir es um sie in ganz kurzem in 

der That crkeuuen wnllten; welches dann auch nicht nachbleiben soll, 

^d wird Unser AbgCacliicktcr Uns bei seiner Wiederkunft diejenigen, 

w sich zum besten erzeiget, zu benennen wissen. 

Dafern Unser Abgeschickter zn spfite kommen und die Herren 
^taattri albcreit von einander sein sollten, soll er dannoch dieses alles 
W (lein Direetore der Provincien ablegen und fieissig anb-alten , dass 
M Wi beviirsteheuder General Vcrsanunlung iiropouirt und in Delibe- 
Jitiuii gezogen werde. — 



•Mit derselben 1 usuuctiou »ird Adolf Wcrucr v. Pallaiidt, Erb- 
■"«rscliaü dcR Her/ogtlinnjs Clcve, an die Staaten von Overyssel, Grö Dingen 
nnd Frit'slaud geschickt. 

E* licgou bei den Acten die hierauf erfolgten Resolutionen der 
St&uca Overyssel, üeldcra, Frieeland, Oröinugen {Ende Nov. 1646), welcbe 
»Ite besüüders aur die pommcri^elie Sucbe eingehen mid iu derselben ihre 
^ •.TtreudoDg versprechen, .Als Resultat derselben vgl. das Schreiben der 
GbQeriüstaateu ilq dieCoDigin Cbri&tini.' vgn Schweden aud die laetruction 



62 



L Brandenburg untl die Niederlande. 



für die GesaniUen in MütiRter beide dat. 29. Dec. 1646 (TJrk. u. Acteuet.] 
III. p,8ff,). 



1 
I 



Mündlicher Vortrag des Kurfürsten bei den Generalstaaten. 
[Dat. Haag 13, 23. Nov. lß4G.]') 

[Begrüssitng. Einleitung Kur Alliance. Bitte um Unterstützung; in der DifiereoE 
mit Schwedeu viegen Purnmeru. Beschwerde gegen Pfalz-Nenbnrg. Anzeige der M 
lievurfltefaeuden Verw.ililuug.] ^ 

23. Nov. Praeinissis curialibus. 8. Ch. D. erfreuten Sich zuforderst ihrer 

aller gute» Wiihlsutaüdes und wUiisehteu, dass sie der Allerhöchste 
dabei ferner zu vielen lanjL'CU Zeiten fristen und beständig erhalten 
und ihre Consilia zu luehrcr Aufnehniuug ihres Staats gedeihen las- 
sen wollte. 

1) Und nachdem Sic sicli noch wol erinnerten, wasgestalt dero in 
Gott ruhender Herr Vater Chnrfitröt Georg Wilhelm hoehl. Meioori, 
mit diesem Statu vor vielen Jahren alhereit verschiedene sichere AI- 
lianeen beschlossen und aufgerichtet, Ihr und Ihres Hauses itziger Zu- 
stand auch also heschaffen. das8 Sic dieselbe noch ferner zu unter- 
halten nicht undienlicli erachten könnten, so hätten Sie sich zur Reno- 
vation derselben noch unlängst durch dero Rath und Kamnierherm 
Ewald von Kleisten erbieten lassen, und bei solcher Ihrer Inten- ■ 
tion verblieben Sie nochmals beständig, wären auch zu dem Ende in 
Person anhero kommen, um sie, die Herren Staaten, dessen nochnaaln 
XU versichern, nnd wann aiioli sie ihres Orts sich darzu geneigt ver- 
nehmen lassen werden, solches alles mit dem förderlichsten ins Werk 
zu richten luid sich mit dieser löbl. Republik einer sicheren nnd be- 
ständigen Alliance anderweit zu vergleichen: \v(dltcn demnach ihre 
gewtorigc Erklärung nnmehr gewärtig sein, ■ 

2) (Differenz mit Schweden wegen Pinnmem.) Hiernächst und Tors 
ander wllrde ihnen ausser Zweifel von ihren zu Münster residiren- 
den Abgesandten zur Genüge iilbereit hinterbracht sein, wäre auch 
ohne dess reiclis- und weltkundig, was die Kiin. Maj. und Krön Schwe- 
den in puncto Ihrer vom Reich praetendirten Satisfaction für unbillige 
und unchristüche Postulata uff Ihre unstreitige ponimerische Erhlaude j_ 
augestrenget. ^ 

Nun wäre iui Gegcutheil bekannt, was Ihr Chnrf. Haus Branden- 



') Concept mit vielen L'orrecturen von Eraamna Seidel. Ueber da» Aensier- 
liche dieses peraünlicbeu Krscbuinens des Korfüfsten vor d«n OeneratstAateu 
B. Aitzema Ul. {».144. 



Der Kttrfuret persüoljch vor den Getieralstaaten. 



63 



bürg über zwei und mehr hundert Jahren fllr starke. recbtraSssige 
PneteBBiüne4s auf diese pouimcriBehe FUn^tentliUnier gehabt, was auch 
dir Wütige Kriege dartiber geflihret, und welchcrgeatalt dieselbe end- 
lich in an. Ifii'H durch klare und httchthcuerlich beschwortie, auch 
TOD den Römischen Kaisern continua serie zu ruebruial bestätigte Suc- 
ressiim- und Erbverträge, bo auch der ponnnerl^chcn [..»ndständc eid- 
licfip Rf'vi^rsales per cxprcssuni dabin Ter;;Hchen, dass, im Fall der 
ftir»t!, Stamm der Her/ngcu zu Stettin -Puiutoern abgehen und dieselbe 
ohne inüiinliciic Lehnserbcu (welches am 20. Mart. 16.S7 also erfolget) 
verstt-rben \riirdcn, nlsdann alle diese Uerzng- und Fllrsteiithllmer Steltiu- 
rmiiniern. Cassubcn, Wendrn und RKgcn. wie auch die Grafsctuift 
Gutzkau und zugehörige Länder samt und souders ohne einige Ex- 
cqttion an das Churhaii* Brandeid)urg und derzeit regierenden Chur- 
fflrsk-n continua serie und zu ewigen Zeiten, in Kraft der biebevor 
erlsn^'ten erblichen Kuiserl. und Köuigl. Ciince.Hsiimeu. Induhen und 
Rtcliten. ohne alle Ein- und Widerrede komuicu und fallen, sie, die 
Luidstäade, auch uff solchem Fall keinen andern als die Markgrafen 
Hiid ChurfHrsten 7,n Brandenburg flir ihre Erhherrn und LandeBfUrstcn 
erkennen und unweigerlich aunebmen sollen. 

Und damit solcbes alles um so viel desto beständiger sein und 
unverbrüchlicher gehalten werden möchte, haben nicbt allein die re- 
gierenden fiömischcii Kaiser, ja aucb mich die itzo regierende Kais. 
Maj. selbst diesen Erbvertra^ von Fullnn zu Füllen bestätiget, son- 
dern auch ilberdem das Haus Brandenburg mit diesen Herzog- und 
FOrstentliunicn alsofort und siniultanee wirklieb investiret. 

Ja, C8 haben ferner die gemelte Landständc diesen Erbvertrag 
mit einem körperlichen Eide bekräftiget, auch so ofte sie in bege- 
bendem Fall einem suecedirenden Herzoge zu Pommern gehuldiget, 
auch dem Dause Brandenburg jcdesuials die schuldige Huhligungs- 
pfUcht wirklich zugleich mit geleistet und sich noch darzu durch ab- 
sanderlicbc eidliche bcachworne ßerersalen verpflichtet, keinem an- 
dern als allein dem Hause Brandenburg sich mit Treuen und Pflichten 
zu verbinden. Mit dem ferneren Anbange und clausula derngatoria, 
d»g» Ton diesen ihren dem Ihuise Hnmdeuburg geleisteten Eiden und 
Pflichten weder sie noch ihre Posteri zu ewigen Zeiten von Nieman- 
den lossgezählet oder absdlviret werden sollen, und so solches etwa 
geschehe, dasselbe doch nicht kräftig, sondern null und nichtig und 
TOD ihnen kcinesweges gehalten werden sollte, inmassen angeregter 
Erbvertrag und der Stände Keversalen mit mehrem bezeugen. 

UieduTch wäre nun 5r. Ch. D. und dero Churf. Hause ein solch 



64 




r. BraDdenburg nnd die Niederlande 



I 



reales, wnl radicirtes unrt besttlDdio^pg Recbt zugewachseu, so Dero- 
selbeti lind Hirfni Hause widpr Ilireii Willen von Niemanden genommen 
nodi inteirertirt werden könnte, und danupnhero hätten Sie sich wol 
nicht versehen, das» die Kön. Maj. und Krön Schweden diese Ihre 
und Ihres Hauses Erldande würden heg:ehrt und affcctiret haben, zu- 
mal da höchsternielte Königin Hr. Cli. T>. mit tio naher Blutfreundschaft 
verwandt und Ihre beiderseits hochgeehrte Eltern unter einem uiUtter- 
liehen Herzen gelegen, L>) S. Ch. D. Zeit Ihrer ganzen Churf. Regie- 
rung der Krön nichts widriges, tiberall aber wol alle niltgliche Freund- 
schaft und v\e\ utitxliche Dienste erwiesen, ^) und (Iberdeni die seligst 
verstorbene Kön, Maj. so wol Sie und Ihr Haus als auch den zuletzt 
verstorbenen Herzog zu Ponnuem und sammtliche Landstände. ja die 
gan/.e ehrbare Welt viel eines andern au mehnnaleu öffentlich und 
hüchstliethenerlich versiiihert hätten. 

Naehdem aber gleichwol dessen allen ungeachtet nunmehr das 
widrige erfolget, so hütten S, Ch. D. eich ans Liebe zum Frieden 
in soweit cndetieh llbt-rwundcn, dasB Sie durch dero zn Munster und 
Osnaltrugge anwesende tresandten der Krön Schweden et^vas, jedoch 
gegen eine» annehmlichen und gnugsamen Aeqnivalcnt, offeriren las- 
sen; allermassen Sie bei weiterer Conferenz (darzu sie etzliohe ihres 
Mittels und zwar mit dem fttrderliehsteu, weil S, Cb. D. wegen aus- 
geschriebenen elevischcn Landtags sich alliier nicht lange aufhalten 
könnten, diese Sacb am besten und fliglichsten durch uiUndliche Con- 
ferenz sieh thun lasset, zu deputiren ersucbt würdet)) durch Ihre bei 
sich habende Rätlie mit mehrereiu Bericht thun lassen wtdlten. Ob 
und wie weit nun dessen besebchene Uffert acceptiret werden nuichte, 
würde in kurzem zu vernehmen sein; sollten aber die Herrn Staaten 
dasselbe beiderseits Stiitui naehtheilig zu sein befinden, wollten Sie 
dero Eiiirathen (zumal da res «och integra) gerne darllber vernehmen. 

Wann aber auch dieses Offert über Verhoflen nicht Platz finden 
sollte, uff solchen Fall ersuchten S. Ch, D. sie (als dero zuverlässige 
treue Freunde und Naphbani) sie wollten sich I"hrer mit gutem Rath, 
diculicher lntcri>osition. auch da die nicht fruchten sollte, wirklicher 
Assistenz getreulieb annehmen, und Sie und. Ihr Churf. Haus in einer 
80 gerechten und billigen auch ihren selbst eigenen Staat uieht wenig 
affieirendor Sachen nit verlassen. 

3) (Wider Pfalz -Keuhurg.) Drittens häitten Sie ihnen durch den i 
von Kleisten vor diesem albercit mit mehrerm zu vernehmen gege- ^M 
ben, wie gar unfreutidlieh und unbillig der Herr Pfalzgraf zu Neu- " 
bürg ndt Ihr umginge, und Ihr dasjenige, was Ihr vermöge des 



I 

I 

I 



I 



Der Kurfürst peraüulicü vyr deo Generalstaaten. 



65 



HjBiiteii an. 1014 solenniter aufgerichteten Vertrages nitione [losseasio- 

Di« proyisionaliter geltlllirte, bis dato zur Ungebülir vorcntliielte, ja aucli 

den in an. 1621t durch deti Grafen von Schwartzenberg Ihrem Churf. 

aiiBe zu merklichem ScIiaJen praet'ipitirten provisiunal Vergleich (darzu 

h jedoch S. Ch. D. aus erbebliehen Kedeo und Ursaeheu nicht ver- 

n könnte) nicht einst aditnpliret, sondern auch demselben la voU- 

wege contraveniret hüttcn. 

Tnd weil denn hcichermelter Pfalzgraf bis dato sich zu keiner 
Billigkeil anschicken wollen, sondern die Hach nur vna einer Zeit zur 
andern vergeblich auf-, S, CL. D. aber immerhin aus den Landen 
zu halten suchte: 8(» ersuchten S. Ch. D. sie gleichfalls inständig 
und fieissig. sie wollten auch ob dieser Sach die gtite Hand ferner 
balteu und den Herrn I'falzgrafen vermittelst ihrer beiden TUeileu un- 
längst oirerirten lutei-position dahin anweisen, damit er sich zur Bil- 
ligkeit und zw der im Xantisthcn Vergleich einmal behandelter und 
von beiden Theilen beliebten gleichmässigeu Partition der Lande be- 
qaeiiie. auch wegen bishero Sr. Ch. D. und dero Hause vorenthobenen 
^Bfli> Tie\jahrigen Nutzungen gebührende Satisfactiou thun und dadurch 
^"indere Weitlfiuftigkeit verhütet werden möge. 

I 4) Bchliesglich hätten Sie zu mehrer Erweisung, dass Sie mit den 

I Herrn Staaten in gutem Vertrauen und treuer Naehbarschaft zu leben 
^K^esinnet, sich im Namen Gottes günzlich resolviret, mit des Herrn 
^'Prinzen zw IVanien tlocheit (als dessen und dero hochsei, Vorfahren 
f tapfere heroische Actiunes und ftlrtreffeutliche Merita um diese Re- 
publik männiglichen bekannt) in noch nähere Freundschaft zu treten 
und mit dero ältesten Prinzessin sich in eine Alliance der heiligen 
Ehe riuzulassen; hÄtteii aber gjeichwol aus gutem zu sie tragendem 
Vertrauen ihnen solches nicht verschweigen, sondern vielmehr dero 
Advis auch hierüber vernehmen wollen, nicht zweifelnde, sie werden 
ihnen allenseitö diese gute und christliche Intention nicht zu^vider, 
sondern nelmehr lieb und angenehm sein laHsen. 

Dahingegen und uff solchen Fall wären Sie nach wie vor erbötig. 
ihrer, der Herrn Staateu, beständiger treuer Freund und Nachbar zu 
sein und zu verbleiben , auch sulcbcs bei aller Begebenheit wirklich 
tu erweisen und was iu Ihrem Vermögen sein würde, ihrem Staat 
nua Besten gern mit anzuwenden. 



Haler. TOT <!i>cb. 4. tir. Ruiftlmea. IV. 



66 



I. Brandetiburg und die Niederlande. 



Memorial der brandeiibm'gischen Depiitirten an die General-j 
Staaten. Dat. Haag 4. Dee. 1646'). 

[Wunsch des Kiirfiiraton eim> rtefL-iiaiviiIliaüce zu schlieaat'n. Stand der pommfr* 
acheo Fmge; die versehiedencti gemachten Vorschläge znr Lösnng dernelhen.I 

Dee. Damit E. Hoeliiiiug. Sr, Ch. D., Unsei*» gtiüd. Herrn, Instruction 

iiud WilleusDieiunng eigentlich und um bü viel destu klärliclier zn 
vernthuien, so haben Wir niclit undieulieii zu sein cniics.sen, dasje- 
nige, was bei jtliigst gehaltener C'onferenz utt' lialjendcn special Bel'cbl 
von uns an- und rurbracht, nochmals mit ivenigem schriftlieh und mit 
luehrer Ausfuhrung zu iteriren, und weil dem Verlaut nach zu Mtln- 
ster und Osnabrück zum Schluss der Tract«ten eehr geeilet wrd und 
daher suraniuui 'perieuUim etiam in minima mora versiret, die Besehlea- 
iiigung E. Hoehiut'ig. gewieriger Erklärung darauf um ao viel mehr 
zu bef!>rdern. 

Und ist anfänglich hJichstged. Sr. Ch. D. principal acopus fllruehm- 
lich dahin gerichtet, die von Ihren hachlflld. Vorfahren vor \ielen 
Jahren albereit mit diesem Staat der vereinigten Niederlande aufge- 
richtete pnedera und darauf gepflogene gute Correspoudenz, Freuud- 
und Nachbarschaft zu erneuern und vermittelst Schliessung einer neuen 
aufrechten Üefeusivalliance noch ferner zu bestätigen. 

Derselben Fundament soll und mues sein mutua tides firmaque 
anticitia et reciproca defcnsio. Dann ob /.war S. Ch. D. einigen Meu- 
sehen zu offendircn, oder auch sich durch diese Verbundniss vom H. 
Rom, Reich, dessen vornehmes Membrum Sie sein, zu separiren und 
dem schuldigen Respect, damit Sie der Kais. Maj. und dem Keicb ver- 
wandt, das geringste zu derogiren gar nicht gcmeiuet: so sind Sie 
doch darin nicht zu verdenken, dasa Sie dasjenige, was zu Ihrer u»d 
Ihres Churf. Hauses höchstnöthigen Defension und Conservation utithig, 
und nützlich, sorgfUltig beobachten und sich aller dienlicher und zu-: 
lÄssiger Üefensionsuiittel .... gebrauchen. 

Diesem nach ersuchen Sie E. Hochmßg. nocbmal inständiges Fleisse^ 
rieh Ihrer und Ihres Ilausefs in allen Angelegenheiten treulich anzu 
nehmen, dero Bestes Ihrer guten "VVolvermögenheit nach ttberall zu be- 
fördern und Hie bei Ihren Landen und Leuten durch fUgliche Mittel 
mainteniren, defendiren und erhalten helfen. 

Dagegen wiederholen S. Ch. D. Ihr voriges in dcro Proposittou 
beschehenes freundnachbarlicLcs Erbieten, werdeu und wollen auch 



I 
I 



1 

1 



■) Voo der Haud des geh. Ruths Erasmui eJeidel. 
Conrud v. Bnrgadorf, O. v. Schwerin und Seidel. 



Di« Depotirten sind 



Binleilong sar Alliance. 



67 



tlenuelbcii uüt Haltung guter treuer und bestÄudiger Freund- und Naeh- 
bsrechnü wirklich naclikomineii uud auch dieses Staats Bestes und 
Au&iebmen nacli alteui Ibrem Vermögen m befördern Ihr angelegen 
Hin lassen. 

Weiter die Bitte um den Beistand der GeiicralBtaaten in der pommer- 
ebto Ajigele^enheit bei den Yerhandlnngea in Oaiiabrück und Münster. 
dm Ende werden die Vorschläge aufgezählt, die bis dabin zur gütlichen 
cilcpng dieser Controverse gemacht worden waren: 1) Der Voraelilag 
aef Subi'en iltttiou , wonach Schweden ganz Püumern vom Reich zum 
«■rhält uud dasselbe sugteich &h Afterlehen au Brandenburg üurück 
lit. nierauf will der Kurfürst um Friedens Willen eingehen. 

2) Die poiumerihchcn Lande verbleibt-u insgesaiumt bei ßrandeubarg; 
Btliwt'deu aber erhält die Simultanbclchnuug ?,ur gesaminteu Hand für 
fleu Fall, il&ss der Kurfürst ohne Leibeserben sterben würde. Dies haben 
lie pounuerischen Stände kürzlich vorgeschlagen. Schweden kaaa hierauf 

^•elir gut eiugchen, ztunal da es dann jedenfalls noch eine andre stattliche 
tisl'ftction an Landen vom Reich erhalten würde — „welche sie bemach- 
ils fveniente snccessionis casu Sr. Ch. D. Herrn Vettern gegen Abstand 
htti aa diesen Landen habenden juris hinwiederum zuwenden könnten**. 

3) Der Kurfürft hat sich sogar entschlossen, ein bestimmtes Stück von 
Pomuiero, gegen Versichaffung eines bestimmten Aequivaleaies, den Schwe- 

eo tu nberlashen — dagegen verlangen die Schweden weit mehr und selbst 
BtettiB, wiidnrch der Knrliirst der Uder beraubt werden würde. 

Dif General Staaten werdcu um Rath und HUi'e in dieser Angelegenheit 
i. — Die Heuburgische Sache sei ihnen ohne dies zur Genüge be- 



W Kurtiifst an die Gesandten in Osnabrück nnd Münster. 
Dat. Grafetdiaag 9. üec. 1646. 
IPUn oiuer Defensivalliance luit den Niederlaoden. Vertnählußgaanzeige.] 

Nachdem Wir Uns und Unsenu Cburt'. Hause erspriesslicb zu sein 9. Dec. 
nea»en, die v<iu Ungeru in (rott ruhenden Herrn Vorfahren, hochsei. 
ioged. . mit dem Stnat dieser Vereinig-ten Xiederltinden aufgerichtete 
f'>«ilertt zu rcuovireu uud veroiittelst einer Defeusion-Alliance zu be- 
ttigen: so haben Wir nicht unterlassen wollen. Euch Copiam davon, 
•Wir durch Unsere ulhier anwesende Käthe deu Herrn General Staaten 
Jwhalber mllnd- uuii «chrif'ilich Torbringcn lassen, hierbei xu commu- 
ucircii'j, auf das»« Ihr Unsere eigentliche Gedanken darUber, wohin 
dich Unser Scopus gericiitet, erlernen und sofern dieses Werks 
ber etwa« «iuistre bei einem und dem andern des Orta geredt wUrde, 
w<lchc8 mit Bestände diluireu müchtet. — 



V Ingredientie tot h«u Altiautie bei Aitsema m. p. 149 ff. 



6* 



68 



I, Braiidnciliarg und die Nicdcrlunde. 



Schliesslicben lassen Wir Euch auch hiermit in Gnaden unverhal- 
ten seiu, obwol Unser Cburf. Beilager auf den G/l(\. Januarii des be- 
vorstehenden Jahres hcstiunut geweHen, dass dennoch dasselbige aus 
gervisseu ertieblicheo Ursachen aitticipiret und vrirgestern. war der 
7. dieses, alhie in der Enge und ohne einige Weitläuftiglteit gllU-klich 
und w{)l, Gott IjoI», coimunimiret und vollbracht worden'). Wir seind 
eutsoblossen, Uns mit dem förderlichsten von hinnen nacher Unser 
Residenz Cleve zu erbeben, davou Wir Euch ferner Nachrichtuug ins 
kttuftige geben wollen. — 



I 



I 



Memorial der lji-uiidc*iiliiirgist'!ieii Depiitu-teii an die General 
Staaten. Dat. Haag 17, Dec. 1*j4G'). 

(Die Scliwedeii ertieben neue ganz exceeaive Forderuageu in Betreff PommerDB; 
höeliste Gel'ubr Tür deti ganüeii braudenbnrgiBt'Jjcn Staat: Bitte am Hilfe.] 

17. Dec. Es i.>!t heute eiiu' Kelatiou der hrandeuburgiscleii Gefsandtschaft in 

üt^uabrüc'k eingrlnujjt, wonach die schwcdiecht-n PiL'iiiiiotentiarieu abermals 
unverhofft ihre Mciuuug gfäiiclerf litilir-ii, die Ijislier vM'haudeltrn Yprmitte 
Iniigsvorschtäge in üetreft' Pouiinerup jetzt verworl'eu nud cleliuitif ganr; 
Vorpommern, aber von Hint^rpommeni auch Stettin, die [nsel Wolliu uud 
das Stilt Cammin, uebet Colbcrg vorlaugcu, uud eutiveder die» unt Conseiis 
des Kurfürsten, oder auderti Fall* ganz l'oniuieni vom Reich »lunehnieii 
woUeu, ^mit diesem feruern AiiUange, dai^s in diesem auch die Herreu Stao- 
ten Geueral ihnen oieUt auwider sein würden noch köunten, weil sie mit i 
deuet) selben stark vcrallüret nnd der freien Navigation halber sich mit dervj 
Krou albereit verglichen , im übrigen aber in der unlängst aufgerichteten 
AUiance Ihrer Königin uud Krou das doniiuinm raaris balcici eingeräuuiet 
uud üugeittandeu hätt«u'*. 

Nun wird allerseits heftig auf den ScUluss der Friedenstractaten ge- 
drängt; es ist a!(*'i böL'hste Gefahr im Ver/.ug. 

Dana willigen .S. Ch. D. nicht in die Schwedische ohstehende Pi 
stulata. so gehet nicht nllein ganz Poniniem verloren, sondern man 
wird sich noch darzu auch der ('hur Brandenburg (so sie ausser dea 
dreien noch übrigen Hauittfestuugen schon in ihren Tlanden und Ge«S 
walt, auch unter ihrer Contribution haben) vollends gar zu beuülch 
tigen und also S. Cb. I>, durch allerhand zwangliche Mittel, denen 
S. Ch, y. hei «othaneni Ihren» Zustand zu reeistiren nicht bastnnt seiii, 
zu Ertheilung Ihres C'onacnsua zu forziren nicht nnterlasseu. Willige 
Sie aber darin uud Uberlasse« der Krön neben Vorpouiuieru auch 



uet 
^^ 

an 
ea 

\e-^ 

h- 

en^ 

n,m 



') Der HeiratliBcontract dat. 's Gravenhage T. Dec. 1646, eliendas. 
p. 145 ff. 

•) Conoepl von der Hand des geh. Batbs EraamuB Seidel. 



TenaAhluQg. Drängen der Schweden in der pommerischca Sache. ß9 

Stettin, Wollin, Cammin und alle Seeport zusaniint dem Oderstrora, so 
kommt nicbt allein der Ueberrest von Uinterpommern (weil fast nichts 
mekr bleibet) in keine Consideration, eondern es werden auch Sr. Ch. 
D. Chiirbraudenburgi sehen Landen alle Coniuiercia abgeschnitten und 
diesellie dadurch inntil gremacht, ja dcro ganzer Staat uff einmal gar 
Obern ilaufen geworfen. In solchen aagustiie und höchst gefäbrlichem 
Ziistiuide können S. Ch. D„ nächst Gott, zu niemanden anders als den 
Uimu i?taaten General dieser Vereinigten Niederlanden, als Ihren 
niaulieusgenossen und alten Verallürten, ja an diesem Werk selbst 
«tark liiteressirten Freunden und Nachbarn Ihre Zuflucht nehmen etc. 



Der Kurfürst; an Anrli-eas Bicker, Deputirten der Provinz 
Holland zu den Generalstaaten'). Dat. Haag 31. Dec. Ifi4fi. 

[S(«ill tlini die Wichtigkeit der pommerisehen f<uche vor. Bitte nm Beförderung 

der AlliaDcesache.] 

ünsern gfinstigen Gniss bevor, Edler, besonders Lieber. Wir ha- ^\. DecJ 
lien des Herrn eilfertigres von hinnen Keisen gar ungern vernommen, 
liieweil Wir geneigt gewesen, Uns dabevor wegen Unsern angelegenen 
Jachen mit Ihm zu unterreden und Seines wolmeinenden Raths zu 
pfiegtii. Demnach es aber Seine Gelegenheit nit gewesen, sich alhle 
iünger aufzuhalten, als halien Wir es müssen dahin gestellt sein las- 
«0. anterdessen aber nit fllrbci gehen wollen, zuförderst L^nsere Poni- 
merische Sache Ihm hiedurch bestennassen zu recommandiren, damit 
" dfreclben nicht allein fUr sich reiflich nachdenken, sondern sie auch 
Seinen Hemi CuUe^en und Übrigen Magistraten daselbst') dergestalt 
wrgtellcn und zu Gemiith führen wolle, auf dass Wir ihrer gümmtlich 
(«1» ^reiche für anrlem dabei interessiret, auch zuversichtlich Uns l>e- 
•Widm wol zugethan sein) guten Kaths, wie Wir Uns darinnen zu 
verhalten und wohin Wir diejenigen, die von allen Seiten unablässig 
ia Im dringen, endlich zu bescheiden, ebistes theilhaftig werden mö- 
gen Dann Wir Ihm nit verhnlteu widlen, dass dasjenige, so Wir -in 
Uangel verhofl'ter Zusammensetzung einzugehen möchten genöthiget 
»^^rden, nit tm remediren sein wird und mit Verlauf der Zeit ihnen 
«owol als Uns hochschäidlich und praejudicirlich fallen möchte. 



') Zogtciolt einer ron den Biirgermeistem xu Amet«rdsai. Eine Anfzeichoung 
M» Jen .1. 1650 sftgt über ihn: „il ■» re^ des b^o^tices da Priace d'Oraage «t 
• »»uj« A« cela il s'empresge d'itre an sem'ce du Priuce eu toot ce qu'il pont" 
fTutde Inleidiag U. 2. BijlagBn p. Ul). 

*| D. b. EU Amsterdam . 



7Ö 



T Brandenburg und die Niederlttdde. 



Danäehst haben Wir Ihn auch gönstig ersuchen wollen. Seines Orts 
mit allem Fleiss zu l)etorfleni, damit Wir wegen der oflerirten Al- 
liance eine endliche unverKbgevle tiud gowtirige EeBohitjon erlangen 
mögen. Wobei Er mid seine Herrn ('«liegen wol au erwägen, was 
es bei Unaem und dieses Staats missgönstigen flli- Gedanken und Nach- 
rede geben würde, wann Wir unverrichter Sachen von hinnen reisen 
sollten, gestalt Wir Uns anderer hoehaugelegenen Oeiächäfte halber in 
kurzem darzu werden resolviren mllBsen. Wir versehen Uns aber zu 
der löblichen Stadt Amsterdam, als eine der vornehmsten Glieder diese« 
Staats, dass sie mit ihrem guten E&empel iindern flirgehen und »ie 
zu Maturation der Sachen Unser erheischender Intention nach bewegen 
werden, — 



I 



sge^. 



Der Kurfürst an Ewald v, Kleist. Dat. Cleve 2, Jan. 1647 

[Der KupfiirBt ist in der ponimeriacheii Suche von ullen Seiten verlassen; er maas 
den Schweden naobgc^beu; Eteist eoli dies den OenerslBtauten und dem Prinzen 

uDEL-igen. ServitTi im Kaag.) ^m 

t(>47. In was fllr einem gefilhrHchen Zustande die Sachen wegen Ün-W 
S.Jan. gg].g Herwgthums Pommern bei den Friedenstractaten begriffen, sol- 
ches haben Wir aus Unserer Ahgesandteu eingekonimenen letzten Ke-^ 
lation zur Genüge vernomuieu, aucli hat es Uns der itzo alhie anwe- 
sende Grat' von Wittgenstein ') mit melirera mtlndiicli berichtet. 

Nun ist es wol gewisslich zum höchsten zu beklagen, dass Uns nictt 
allein die Kaiserliche und Küniglieh Französische Pleuii»otcntiarii, s<m- 
dern auch aller C'hur-, Flirsten und Stände des Orts anwesende Ge- 
sandte, ja auch Unsere eigene Glaubensgenossen, hierunter zuwider 
sein, welches Wir denn an seinen Ort stellen und dem gerechten Gott 
befehlen mlissen. ^ 



Dieweil Wir dann gedrungen werden, Uns wegen gedachter Un- 
serer Pomnierischen Lande gegen der Krön Sch^veden also zu erklä- 
ren, dasö nicht allein Unser Churf. Haus, sondern auch die E 
Generalstaaten der vereinigten Niederlanden, wie auch andere meh 
80 daran intereesiret, dadurch merklichen Schaden eut]ilinden werden, 
Bo verhoffen Wir, dass mau Uns derhalber, angesehen Wir von allen 
Interessenten verlassen, und l*ns von niemanden mit einiger Hülfe be- 
gegnet wird, nichts zu imputiren, sondern gmigsani zw entschuldigen 
haben wird, gestalt Ihr denn solches wolgemelteu Herrn Goneralstaaten 



:kia- 
enrofl 
lehrfl 
•den^ 



') Graf Johann v. .Sayri- Wittgenstein, Huiipt der tjnwdenburgisclie 
Gesandteclmlt in Osnabrück und Miiaater. 



Niifbgiebigkeit in Pommeni. Johana Moritz von NMsao. 71 

der Gebuhr nach, jedoch in geheim, reuioiistrireii uod zu vernehmen 
gebeo wolltet. 

Sicht wenifrer habt ILr auch solches an des Herrn Prinzen zu 
Uranien I^d., wie auch an deru Gemahlin lA. zu hringen, auch von 
Ihrer beiderseits Ld. Ld. zu verneliuien. ob es Um nicht besser sei. 
von twdeu Uebeln das geringste zu erwählen und lieber etwas von 
loüem Landen zu verliciren. als des ganzen quitt zu gehen. 

I'n» verlauget auch zu erfahren, was der Coute de .Servient 
Av$ Ort& angebracht habe, und könnt Ihr ihm gleicht'alb zu verstehen 
g^etieii, wie uabUlig man mit Uns umgebe. 

Hfr Kiirfürf^t an den Gesandten Joh. Froraliold in Münster. 
Dat. Cleve 25. Sept. 1647. 

[Vurdicbiige Pläne in den Niederlanden in Betreff der oocnpirten eleviacben 

Sfädte.] 

Als Wir verstanden haben, ob sollten in den Unirten NiederlSn- 2.=i. Sept. 

dwrHi-n Provincien einige Leute sothane Consilia foviren oder ftihren, 

dws rnnn an Seiten der Herren ßetieral Staaten bei jetziger Oelcgen- 

Wt und zerrttttetem Zustande des Rüiiiischeii Reichs hei der Kais. Maj. 

^ttplireii und um Vcrlehnung mit l'useni zu diesem FUrsteuthum gc- 

trigen, nb«»r jetzo mit Staatischen Guamisonen belegten Städten an- 

Jten möchte, so befehlen Wir Euch gnildigst, dass Ihr unvermerkter 

hm und mit Verschweigung, dass Wir hierum mssen, dieses Werks 

»ilKT ftei^sige Erkundigung anstellet und, was Ihr davon in Krfah- 

% bringet , ITns mit getreuem Fleisse referiret; uud da Ihr, dass 

(TM an dem Werke sei. vermerket, L'nsertAvcgen Alles, was Uns 

Uosenu Chur- und FUrstlichen Hause fürträglich, dawider an- 

tind ebfQliret. — 

Kine hierauf benngliche BerichterstattuQg Fromhold'B liegt nicht vor, 



Das Jahr ]641 bietet im übrigen wenig bemerkeuswerthee fUr dieVer- 

(ilungcn mit den Niederlanden. (Vergl. Vol. HL p. 3f.) Am 'J«. Oel. 

erfolgt« die Ernennung des (iralen (Nov. Ißö'i Fürstcu) Johann 

itriti von N ntsaa-Siegen mui Statthalter von Cleve, Miirk uud Ra- 

^'), dessen Thätigkeit nach aussen indesu erbt einige Jahre iipüter 

hervortritt. 

I Driesen Leben des Fünrten .Tobtinn MoritK von Knssan -Siegen (Berlin 



72 



I. Brandeobitcg tind die Niederlande. 



Der Kurfürst an die, Gesandter) in Münster und Osnabrück. 
Dat. Cleve 13."Nov. 1647. 

fGewalts&mkeit des Diederländtschen Gouverneurs in Emmerich gegen da« dortige 
JeeoitencoUeg-, Der Kurfürat uDscliuldip durun.J 

. Nov. Wir lassen Euch auch unverhalten, dass neuUclier Tage der Staa- 

tische Gouverneur in Unserer Stadt Emnierieli uebenst einem Fiscal 
durch gewapnete Holdaten in das .alda gelegenes Jesuiter CoUegiuui 
gegangen und diejenige Schüler, deren Eltern in den Vereinigten Pro- 
vineien wohnen, gewaltthätiger Weise herausgeholet, auch anuodi ge- 
fänglich alda halten. Ob Wir nun zwar sofurt zween Unserer Clevi- 
schen Käthe dahin geschicket, dem Gouverneur solchen Unfug zu 
verweisen und ihne von solchen unzieniUcheu und wder Unsere lan- 
desfürstliche Huheit laufenden Proceiluren ab/Aimahnen, so hat es doch 
weniger dann nichts verfangen, sondern continuiren sie vielmehr noch 
immerhin in solcher unbilligen Thätlichkeit, sich auf ein Placat be- 
ziehend, worin die General Staaten ihren Einwohnern verboten haben 
sollen, ihre Kinder in Jeeuiter Schulen zu schicken. Wann Wir Uns 
dann darüber noch hefllrcUten müssen, dass zu MUuüter bei den Ca- 
tholischen Gesandtschaften dieaes also genommen werden möchte, als 
colludirten Wir hierin mit vielbesagten Herren Staaten, so wollet ihr 
desfalls an allen Orten, da dieser Sache halber etwas vorgehen wird, 
die Sache, wie sie au ihm selbst ist, und dass Uns solche Eingriffe 
sehr uahe gingen, Wir auch solches zu ahnden nicht unterlassen wür- 
den, zu erzählen eingedenk sein. — , 



I 



i 



Christian Moll an den Km-fürsten. Dat. Haag H. Jan. 164H. 

[Die Getraltthiitigkeit g^gen das Jesuitencolkg itj Emoierich ist redressirt.] 9 
1648. — Heute Vormittag um 1 1 Uhren bin ich zur Audienz in Ihro ' 

6. Jan. Hochmög-, der Herren General Staaten Versammlung durch zwei Pro- 
vineien ihre Gedeimtirte, den Herrn Vosbergen aus Seeland und 
Herrn Roerda ans Friesland, eingeholet, auch nach gehaltener Prä- 
position und E. Ch. D. Hbergebenem Sehreiben aus Cleve vom 2'.>. Dec. 
Itj47 also wiederuHi abß'efUlirt worden. Und lassen E. Ch, D, die 
hüchgemelten Hen'n Geueral Staaten nebcust ihren dienst- und freund- 
nachbarlichen Gruss versichern, dass nunmehr die gefangene Hollän- 
dische Knaben ?,u Emmerich kost- und schadlos relaxiret sein und 
bleibeu und werden die Herreu General Staaten deswegen morgen 
ein Schreiben an £. Ch. D, einstellen und selbiges ebistes einbringen 
lassen. — 



SUaLGcwiJtBuinkviten in EmmericU. Krprt'ssniigon d. Eatserl. u. Colnischen. 73 

Instruction für den geh. Hath Job. Motzfeld und den Resi- 
denten im Ha«g Christian Moll an die Generalstaaten nnd 
den Prinzen von Oranien. Dat. Cleve 18. Febr. 1648'). 

fGrattilntion zum spaniBchen Frieden. Bitte uin Unterittit heutig bei den weiteren 
Verhaudlnogen. Klage über gesteigerte Erdnickimg-en dar kaiiiTlieheii imd cöl- 
niüchei) Trappoti: der Ktirfürst ist eutschlüüsea Gewalt dagH^tfo anzuwenden. 
Bitte am Intercsesgion der GeBeraislaateD. sowie um üeberläanuag einiger Tni|i- 
j)en. Die andern laufenden GeBchäfte,] 

ISratutation zn dem glücklichen AbsclUuäs des FriedeDB mit Spanien, 18. Febr. 
mit der Bitte, nnu den Friede^n in Deutschland um so mehr befördern 
ttt helfen; deagleichen ujöehteii ti'w die genilirliche Lage der refortnirten 
Religion bei den Friedenstractateu im Auge behalten'). 

Endlich haben Unsere Abgeordnete wülgeiiieltcü Herrn Geueral 
ötaHten fliruutragen, was gestalt Wir die unsägliche Be<irÄn^nis,s Unser 
durch die Kaiserliche, Schwedische, Chur-Cflln- tmd Hessische so lang 
gewährte Itberschwere C"ntriHiitioiien und Exactlonen fast ganz er- 
whfipften Unlertlianen in Unscrn Orafschaften Mark und Kiiveiisberg .... 
Hnger nicht haben ansehen kfinnen. sondern durch vielfaltige Ver- 
whicltttngen, Schreiben und Xcgnciationen Uns bei den Parteien aller- 
«its liahin beintihet, das» Wir gemelte Unsere Länder der unerträg- 
lichen Lasten entheben tind sie in vorige Freiheit und ruhigem Wesen 
wiederum eetxeu möchten. Wuiidt Wir es auch durch göttliche Ver- 
leihung so weit gebracht, dass sowol die Kön. Hchwedischc, als der 
frau Landgrälin zu Hessen-Cassel lA. eich zu gänzlicher Üemission 
und Aufhebung obgedaehter Contribution anhcissich gemacht haben; 
fliihingegen aber wäre so wenig an Kaiserlicher als* an Chur-Cölni- 
«chei Seiten bis dato da» geringtite nicht in effectu r.n erhalten ge- 
wesen, benoudern hätte mau vielmehr eines und andern Theiis die 
foötributionen um eiu merkliches verhBhen, auch mit gewattthaitigen 
Eiecutionen dieselbe beizutreiben achiidiicher und zumal um diese Zeit 
•'ä'ires tandverderblicher Weise in uiehrervviihnten Unseren l^andern 
»"TfHhren wollen. 

Dahingegen Wir Uns zwar entschlossen, der in der Natur und 
*ller Völker Rechten zugelassenen Defensiimsmilteln t» geltratichen, 
liitten auch albereitsi Uiisem ttbrislen und Befehlshabern gelndeu, <je- 
*alt mit Gewalt zu wehren und die armen Unterthanen wider alle 
Thäilichkciten £u schtltzen und zu handhaben. 



') Vg). Aitiemu III. p.26!l. 

'1 Big hieher eotaprechettd die FropuaitioD der Gesandten im Haag dat. 
2Ü Ftbr. m Crk. a. Actuust. UL y, 38. 



74 



I, Bntadeuburg und die Niedertnnde. 



I 



Weiln aber gleichwol dieses Werk so besebaffeii, das» allerhaud 
Erweiterungen daraus entsteheu käiintfu und Wir zumal geneigt wä- 
ren, Alles waB /.u neuer L'urulte und Fonientimng des leider auDoch 
w&hrenden hlutijjen Kriegswesens Ursat'li oder Anlasg geben uiöchte. 
iu{1gli<'hsterma)<sen und m viel mit gutem Gewissen und ohn Verscbniä- ■ 
lerung Unser Ehre und Repiitatiun geschehen kann und mag, t.ü mei* 
den und zu decliniren: so wären Wir auf die Gedanken gerathea, 
dasB es zu Verblltung neuer motuitm ein gutes und zureichliches Mittel 
sein würde, wann es den Herrn GeneralstHaten belieben möchte, in 
Kraft dero nnt der Kais. Maj. und Köm. Reich behandelten Nentralitet, 
worunter Unser gesanunte Clevistdi-, Mark- und Kavensbergisehe Län- 
der begriffen, sich derselben so weit anzunehmen, dase sie des Chur- 
fOrsten zu CiTln Ld., wie auch dem Kaiserl. General Feldmarschall 
Lamboy .... der mit ihnen gemaehteu Neutralitet und ihrer in Con- 
servation Unserer Laude habenden Interesse beweglich erinnert hÄt- 
ten'); und wann sie Uns auch daneben den freuudnaehbarlichen Willen 
thun wollten, zu Erweisung ruehrers Erntites etzliche ihrer Völker mit 
den Unsrigen zu eonjungiren und aebst denselbigen hin und wieder 
in die .Süldte und Dörfer besagter Unser Grafsi'haften zu verlegen, 
und tlber dem ihren Gouverneurs und Commandanten auf den FroQ- 
tieren zu befehlen, dass sie den l.'nsrigen, im Fall sie überwältiget 
würden, wirklich assi!*tiren sollten. 

Dann also den Ghurcölnisehen und anderen im Kachdenken ge- 
geben und sie zurückgelialten werden möchten, die ndt ihnen und 
kraft einer Kaiserl. im Jahr i(i35 ertheiltcn Itesulutiuii auch mit Uns 
wegen obgedachter und anderer Unser Lande babeude Xeutralitet zu 
vitdiren oder ui brechen. — ■ 

Ausserdem dk* den Gfstimlton schuu bekannten l'imctc: die auT den 
clevicchpti Lniiden haftende Schuld, tiie Rfstitution der von deu Geoeral- 
staaten noch besetKtcn Pliifcte nnd eudlieh die Verhandlung Über die AI* 
liance. 



I 



Motzfeld und Moll Relationen an den Kurfürsten. Dat. Gra- 
fenhaag 27. Febr., 3. März, 8. März bis 19. März 1648. J 

Die Angelegenheit ist. uoch nicht vurgerijekt; von allen Seiteu wird 
den Oesandleu VLiraiixgcisngt, dass die GeneralstiMiteii auf die gewünschte 
Oonjuuction staatischer Truppen mit den kurfürstlichen sich nicht eintasseti ■ 
würden. Dagegen erwirkeu die Gesandten deu Erlass eines Schreibens der 



') D&B A^S^ht*o vun äclircibeu dieses tiluues an den Kurfürslöo von 
G'öln und au General Lamboy bezeugt AHzema IXL p. 2l]9. 



Vergebliche Brmühutig um Hilfe gegen Kureuln. Die frnnk. Markgrafen. 75 

QeneralstsAten an den Kaiser. Sehr tbÄttg ioi Ititoressp de» Kurftintea ist 
die ,Princesse Duuairit^re"' von Oraut(ru, I>ii' Verliaiidliing üWr die AlliaDcrj 
wird von allen Seiten gr-rathen, sct aufaiischi<'beii, bi? der Friede mit Spa- 
nien TotUlaudig ütir l'erfectiiMi getaugt aud nUiüfirt wtiri*. 

S"i 'i L-rfiilgt die Rüi'kl)enifuiig Motsl'eld's. ohne dass über die 

Gegen- 'MT ViTbandlnng t'ioe genügi-nrtc ResDlatiou von den Iteiieral- 

staiueii ertheilt wurden würe. (D&t. Giere 13. März 1648.) 



llieriiiich folgcu Jiuüachst die Verhandlungen von Hörn, Kchwerin, 
Bertt^sw iia<l Puriuinnti im Haag iui Mai 1641^, dereu Acten in Urk. 
ti. Actcnst. III. p. 4r) fl'. mitgetheitt üiud. 



Der Resident Cliristian Moll an den Ktu-fürsten. Dat. Haag 

13. April 1648. 

[l)W preneaische Mitbelphonng der rränkischeo Markgrafen.] 
Aus dem gnädigsten Reseriptn vom 10. huiiis habe E. Ch. D. gn&- 13. Apr. 
<%(teB Congetit*, hetrcflFeude die Sollicitirimg der Herren General 
Staaten Iiiterfession llber der IVcussi sehen SiiceeBsjon Saciie für die 
Wde Herrn Gevettern und .Markgrafen zu Brandenburg, HH. Cliri- 
»lian und Albrei'hts f. Gn. f. Gn. in geborsaiuster Unterthänigkeit 
ich wol eingeuomuien '). Es sollte auch an meiner unterth. Behutsam- 
keil nicht ermangeln, dass Kf>n. Maj. zu Polen und dcbwedeu etc. 
weder merken aocb erfahren sollten, dass von und wegen E. Ch. D. 
rtie Intercessittualia bei den Herrn General Staten alhie obtiniret wUr- 
Jeu. Dieses aber bringet eine gauie Unmöglichkeit, mich darin also 
«1 verhalten in dieser Xegotiation, da.s8 es auch keinen Schein be- 
llten sollte, als wann es von denen beiden hoehgemelten Herrn 
Markgrafen nicJit herkommen, sondern von der Hll. General Staaten 
propri') motu bei Kön. M:y. üu Polen intercedirct werden sollte; me 
iolcbes E. Ch. D. in dero angeregtem gnäd. Befehlich mir, diese Cau- 
tioiietu auch expresse injungiren. Hierum erwarte E. Ch. D. nähere 
pU. Declaration. — 



Randbemerkung rau der Hand Schweriu'»: S. Ch. D. ia Bran- 

«i'ulmrg, unser giiad. Herr, haben uochiiiftls con.Heiitiret, dass der Resident 
für tliT Uerrn iliirkgruJVn (T. GU. bti deu Herrn tStaattu Getieral soUici- 
önn soll, jedoch dergestalt, dass Sr. CU. D. .Name darüber keine» Wcgeh 



') Vgl. ürk, n, Actenst. I. p.74. 337. Loudorp Acta publ. V. p. 757 ff. — 
Die b«i<leu fHinkiBcheD Markjcrafea hntien kurz Kavoi- sich in Sacben ihrer preaaei> 
aebea Mitbek-bating ao Mull gewt^udet. 



76 



L Braadeaborg und die Niedt^rladd«. 



gebraucht werde; welches ihm iu Autwort 
18. April 1648. - 



ist angedeutet worden den 



Instruction t'iir den gebeiiuen Kaminergenchts- und Lehens- j 

Rath Ottu von Schwerin an die Herren Biiigermeister und' 

Rath der Stadt Amsterdam. Dat. Cleve 13. Juli 1648. 

[Bitte um üeberlassung von Truppon und um eine Anleihe. Varpfäadting der 

cleviacUen oder der PiUauer Zölle. Die Gefahr von Koaaken nud Tartaren — 

allerlei vorzubringende Motive für tlewähmug der vurlangteu Unterstützung.] 

.Juli. Schweriu soll sich nach Amsterdam begeben nud nach erlangter Aodicnx 

bei Bürgertneif-teru uud Rath Folgendes vortragen. 

Weiln Wir verstanden, tlass die Herren General Staaten etliche 
Kriegsvölker licentireten oder abdauketon, dass Uns dieselben über- 
lassen werden möchten, und die Stadt Amsterdam oder einige für- 
nehme l'rivatlf'ute darinnen mit einer Anleihe von l.W.OfX) oder znan 
wenigsten 100,(XK) Kth. gegen ein billiges Interesse, also fünf odw 
üum htiehsten sechs fürs htmdert willfahren wollen. Wir wflren dar- 
entgegen erbötig, ihnen sothane Gelder mit den geBammten Wasser- 
licenten in Uusent Clevisehen r.anden, oder anch den Licenten oder 
Zollgcfällen in der l'iilau mit der Conditiim zu versichern, dass dar- M 
von benanntes jährliches Interesse bezahlet, dieselbe auch ihnen bis 
zn völliger erlangter ihrer Wiederzahhinge an Caiiital, Interesse und 
bewei »liehen Unkosten ku einem handfesten sicheren Unterpfande haf- 
ten und sein sollen. M 

Worbei sieh der von Schwerin zu desto besserer Peranasion 
allerhand nach drllckli eher Motiven zu gebrauchen und insonderheit 
anzuführen wissen- wird: ■ 

1) Dass Wir als der Krön Polen lehenstragender Fürst deroselben 
wider die heidnische barbarische Völker und grausame Feinde der 
Christenheit, von welchen sie jelzo infestiret würde, billig zu assistireu 
oder Hülfe zu leisten gehalten wären, damit nit in bemelter Krön ne- 
henst den Catholischen zugleich die Evangelische ihrer Kirchen, Got- 
tesdienstes, Freiheit, Habe und Güter beraubet, jänmierlicher Weise 
mit Weibern und Kindern gemartert, geschändet, zn Esclaven gemacht 
und blutdUrstiglich hingerichtet werden. 

2) Üass anf den Fall gerne Ite barbarische Völker sich der Krön 
Polen bemäclitigen sollten, denselben der Weg in Unsere Preussische, 
ja wol auch deutsche Laude tind das Königreich Ungarn oflen sein 
und man sich daselbst glciehmässiger Gefahr zu besorgen haben 
würde; und 



I 



Bitte tun Geld and l'rnpiteu: Koeakeii- noJ Tartareugefahr. 



77 



3) wäre solche Gefalir danini desto nielir zu befUrehten, weiln 

Idie MdÄfuwiter, oder wol die Türken sich dieser Gelegenbeit zu ihrem 
Viirtlifil wider die Christenheit am-li bedienen und darzn 
il nicht wenig dnrcb der Christen Uneinigkeit veranlasset werden 
im'icbten. 
ä) So dürften aucii dardurch der Tlemi General Staaten Estat 
tiDil die Stadt Amsterdaru grossen Abgiang und Schaden an den TVa- 
Ifiquen leiden, ja wann Polen und Preussen verderbet und ausgefidet 
würeo. grijssen Miingel an Getreide und Korn emptindeii; bevorab 
vnan aueli 
C>) die beide septentriimalisehe Kmnen ihre Reiehe, Laude und 
Seekfeu an der Ostsee sclilijssen, oder doch die Licenten so hueh 
^ darinmeiii steigerten und setzten, dass die Handelung und Nahrung ees- 
^B(ir«ji (ider /.um wenigsten sebr beschwerlich fallen mtVsste. 
^^ 7) Da Wir auch mit einer Kriegsvertassung bereit wfireu und der 
Krön Puleu Assistenz leisten tbäten, niöehten dadurch die Polen von 
itehtmg der läcenten in Preuaseu. welohe sie w<il fltr diesem hätten 
fftroebmen wollen, abgehalten und nicht allein 

Ä) itur Beförderung eines ewigen Friedens zwischen Polen und 
IBtItffedeu disponiret, sondern auch i>ei fllrstehcnder Wahl der neue 
zu dessen Ratihabition gebracht werden können. Nicht weniger 
|*äre gate Ilofl'nnng, dass 

S'l hei dieser OwJision den Evangelischen in Pulen Sicherheit 
|*ffen de* Exercitii ReUgionis verschaffet werden könnte, zuge- 
itliwcigen 

Ift) das* gleirhfrtllx durch dieses Mittel die Vrdker sowid tu der 

<lt Aiiisterdaiii als der sännutlicheu EvangcHschen Besten beizube- 

[ »alten und zu verhüten stände, damit andere Potentaten solche nicht 

*kämen und sich derselben zu Schaden und Xachtheil der Unirteu 

oTincien und Stadt Amsterdam oder gedachter Evaugeli scher nicht 

fbram-heteu. Wie auch die Henen Geueral .Staaten und Stadt Am- 

efdani nach erlangtem Friede und ihrem Contentemeut von der Krön 

tnien 

11) dem Allerhöchsten kein angenehmeres Dankopfer bringeo 
ttcn. als wann sie die Christenheit aus benielter grausamer Christ- 
ler und Feinde des christlichen glaubigen Häufleins Kachen er- 

Dod von deren Tyrannei beides Leibes und der Seeleu befreien 
_iBl(en. Also wllrdeu sie dardurch 

12) die Krun Polen, Uns seihst, ja die ganze Christenheit, inson- 
beit die Krangelische verobligiren , und der Stadt Amsterdam hin- 



78 



I, Brandenburg und die Niederlande. 



wiederum m allen NotliftlleQ ffetrenlich zu assistiien und zu einer im- 
luerwäbreuden Garantie verbrlldern. • — 



Dabei Creditive au den Rath und ftu die drei Bürgermeister von Am- 
sterdam, Andreas ßicker, Wawerii und de Gra?e; zngleicb wird 

der Resident in Amsterdam ilu.tthias D^gen angewiesen, Schwerin 
bei seiner Verriuljtnng zur Hand zu gchou. 

Dabei auch eine mit, der obigen gleiciilautende Instruction für Schwerin 
au die Generalstaatcn, wolcbe indess in einero Sebreiben des Knrfürsten an 
Schwerin (dat. Cleve 18. Juli) wiilerruren wird, mit dem Bemcrlsfn , da«« 
er in Amtfterdnm lileibeu und die Saebe führen s^ol] ; mit der Verhandlung 
im Haag .sei der dortige Resident Chrit^tiau Moll beauftragt worden. 

Die lustrnction für Moll iai Hang gleichen Inhalte mit der obigen, 
dazu tioch die 



Dat.. Cleve 18. Juli 1648. 

Anwerbung von Offi- 



I 
\ 



Nebeniiistriictioii für Christian Moll 

(Näher« Aaafiiljrungen über die Erlanpuug einer Aideihe 

eieren «ud Truppen.] 

18, Juli. Damit dasjenige, was in fdrgesatzter Unser Inatmction enthalten, desto 
che und leichter erhalten werde, ist Unser grnäd. Befelil, daas sieb Unser 
Gesandter Chtistian Moll auch in des Graveuhaageu nach Leuten, 
welche die von Uns tlirffeachhijreueGeldsuiunien zahlen, erkundige, und 
da solche Gelder daselbst so wenig bei den Herrn Staaten Qeneraln, 
als Privaten ganz nieht, oder auch nicht voJlkommlich uflFzubringeD sein, 
Heissig, ob dann dieselben tdcbt an andern Oertcrn, in Städten oder 
uffm Lande zu bekommen, nachfrage, aueh daferne darzu Hofftiung, 
sieh an die Oerter und zu den Leuten verfüge und alle Bemllbnng 
anwende, dass Wir zu beuielter Anleihe und den Geldeni gelangen 
mögen. Zu dessen Faiilitiruug er den Leuten, so die Gelder au9- 
zahlen und mit den Wasserlicenten in Unserm Herzogtlium Cleve oder 
den Preussischen Zollgefällen in der Pillau sich versichem laij.<;en wol- 
len, aber deru Adniinistration alsotort in Händen zu haben hegehren, 
solches wol zusagen und vermelden kann, wie Wir mit ilinen uff die 
Alanier, dass sie Uns ein gewisses Annuum datttr rersprechen und ihre 
jährliche Pensiones oder Zinsen davon einlsclmlton, den Uebcrrest aber 
Vm herausgeben, zu schliesBOu, und da sie uff sothaiie Wege .... 
einen Vortheil darbei haben, ihnen denselben wol gönnen wollten. 
Ebenfalls hat Unser Gesandter und Bath bei Kriegs Officirem, inBi»n- 
derbeit solchen, welche Uns ihre unterhabende oder sonsten Ton an- 
dern Regimcuteru und Con»i)aguien Völker zuzubringen und steh sellrat 
in Bestallung einzulassen genieinet sein möchten, allen möglichen Fleiaa 
anzuwenden, damit er »ie daliin disponire. Uns gegen genügsame Ver- ■ 



I 
I 



Verhamllniigi'n üb^r eüie Anleilie. 



79 



ung rSelder ftirzusetzeu, /.umiilti Wir nicht ung-encigf sein, eothaiie 
er, welche iliror Qualiteteii und Wulverlialteiiti gute Gezeugniss 
den Kriegs Generalen haben, wann sie Uns, wie gedacht, mit 
i]«ibpn unterthätiigst willfuliren wollen, iu Unsere Bestallung und 
)ien»te lu nehmen. Wtircu auch < Hficirer , welche zwar zu Anleihen 
keine Mittel hatten, Uns aber gute Anwih! Völker mit Cundition, dass 
iie i'emeinen Knechte sich anstatt des Mustermunats mit einem Monat 
die Offidrer aber mit einem halben Monat ft.ige eontentireu 
D. mbrin^'en wollten, sein Wir gnftdigst resolvirt, auch dienelben 
»Dinriefmien und wrird Unser Gesandter bowoI denen, als andern Offi- 
jirmi und Soldaten andeuten, "weil Wir sie in Unseru Märkischen und 
BUTtnsbcr^ischen Landen in (Tnarnisnn legen wfditen, und sie da- 
eibsteu ihren Unterhalt bekommen würden, lebeten Wir der Hofl- 
itun^'c, rtasa sie mit gedachten ünsern Ftlrschlitgen und Erbieten auch 
»nl friedlieh sein würden. — 



Otto von Schwerin an den Kurfürsten. Dat. Amsterdam 
19. Juli 1648 (m. pr.). 

I' iThaiidlriug mit tieu Bürgermeiiiterii von Amsterdam. Vorschlug dem Kiirftir- 
H«» Tnii)j>tfti zu Itriljeii. Aaf eine Golduuleilie schlechtt? Auseiclit. Di« „Ostfahrer'' 
fiir die GewiibmDg deraelbea.] 

Ich habe mit jtlngater Post an den Herrn von Honi gesehrieben. ig.Jnli. 

.d8«g der BUrgenneister twu VVawern grosse Gcneigentheit zu denen 

Bir Tou E. Ch. D. gnäd. aufgetragenen Sachen bezeiget; derselbe 

fefblelljet auch noch dabei, als« dasß ich die meiste Hoffnung auf ihn 

8tie. Der Herr Bürgermeister de Grave alier machet bei der Sa- 

«eu pro9»e Difticulteten, welche« ich gleichwol nicht dahin deute, als 

^ann er E. Ch. ü. entgegen sein sollte, dieweil er «ich vor seine 

un gar geneigt erweiset. Aber er berichtet, duss resolviret sei, 

'me Abdankung zu thun, sundcni nur Idoss eine Ueduction, w<imit 

t'b. 1). wenig gedient sein wllrde. Nach vielem Kemonstriren aber 

'** «lieser Vorschlag bis Mittel kommen, dasä maß E, Ch. D. die 50 

"tue Comiiagnicn, so gleichwul sehr gute Soldaten sein sollen, leiben 

*'h«; dann der Staat Kollte sie auch nicht gar entbehi'en, und liat 

"iicfte Vertröstung gethan, Ama, wann der Prinz vtm Oraiiieu nur 

"«IU int'liuirte und das Werk mit embrassirte, so wollte er die Stadt 

Migtcrdaju dahin disponireu, dass sie daiin couseutiren sollte. Zu 

f^iii Gelde aber wlls«te er kein Kath tu geben, die Stadt miissfe selbst 

[fosse Capituliu mit Interessen zahlen, und ob ich ihm gleich rem<iustrirte, 

sie dieses Geld zu grossem Nutzen emplo^lren ktinnteu, so blieb 



80 



I Briiiid«nbarg und die Niederlande. 



er doph bei seiner Meinung, die Stadt hätte kein Geld zu verleij 
Von Privatis aber wollte er auch sehr zweifeln; dann die setzen n 
perne auf so weit e]it!eu:eiii? t'iiferpfande, thilten atiel) nur ihr G 
so aus, dass sie es alle halbe Jahr wieder haben könnteo; und c 
mir, idi sollte nach dem Haag zu dem Prinzen, der könnte am hei 
wegen des Volks VorächJä^e thun, auch wol Rath gehen, wie man 
80 vielem Oelde gelaugen könnte; er wollte auch in den Haag I 
mir Auleitung geben, bei wem das Werk zu unterbauen wäre. . 

Will also meine Reise nacber dem Haag nehmen und alda. 
hätte ich in partieulier zu verrichten, mich aufhalten und indei 
aller Möglichkeit nach versuchen, wie weit es bei dem Prinzen 
bringen ; stelle aber E. Ch. D. untertb. anheim, ob Sie nicht inde« 
anf mehrere Vorschläge, zu Geld zu gelangen, gnädigst gedeni 
wollen. Es werden beute noch Kaufleute zu mir kommen, mit d« 
ich dieses Puncts halber reden will, HeiT Giesebier liegt sehr kq 
zu Bett, und kann mich dessen nicht gebrauchen. Herr Doge a 
bemüht sich sehr fleissig; wegen der Schiffe wird es wol keine D 
cultet haben, wann nur die andere beide Puucte ihre Richtigkeit 
lauget. 

Gleich jetzt ist ein Kaufmann, bo nach Preussen handelt, bei 
gewesen, welcber mir ziemliche Vertröstung gibt, verhoffet ee a 
wol gar dahin zu bringen, dass alle Ostlkhvers den Magistrat zu 
suchen, dass sie E. Ch, D. iu diesem liiblicheu Deeseiu aasisti 
sollen. — 



Der Kiii-iurst an Otto von Schwerin. Dat. Cleve 22. Juli 1& 
füroliiiiig den Pillatier Zoll zu erhölieu. Vorst-hiag der Verpfündung vuu Huya| 
.Juli. l-> soll mit den erwähnte» ^Ostfalirem** weiter miterhaudelu. 

Wurde aber Hher besseres Verb offen bei ermelten Ostfahrern ni< 
zu erhalten sein, habet Ihr denselben mit guter Manier zu verste! 
zu geben, das« Wir den Pillauischen Zoll nothdrilnglich erhöben i 
mit andern wegen Aufbringung einer gewiesen Summe Geldes li 
dein mitssen. 

Ihr könnet auch diesen Vorschlag thun, wann sie auf Unser i 
Huyssen solchen Vorschuss thun und sich mit einer Pfand verscli 
bung versicheru lassen wollen, dass Wir dazu gnäd. geneigt w| 
und wagen des Quanti Uns mit ihnen vereinigen wollten. — 



Schweriu in Amsterdam. 



81 



'>!() von Schwerin aii den Kurfürsteii. Dat. Amsterdam 
21. Juli 1648. 

(iawtrrdani seigt sieb ^neigt zur Uebt^rlasintig von Trappen. Auf Geld ivUBeito 
geringe AoBBicht, — Weilerer Fortj^ang der AogelegenhRit.] 

Sobald aus E. Cb. D. ^näd. Bcfelil vom 18. Juli ich unterth. er- 21. Juli. 
«eben, wie Sie es mit fernerer Fortstellung der mir guäd. aufgetrage- 
nen N'ejfotiatiün gelialten haben wollen, habe ich sofort Herrn Mollen 
in dem Hag von demjenigen, was liie vurgegangen, gnugsame Infor- 
aution gegeben und werde ich mich im tlhrigeu E, Ch, Ü, gnäd. Be- 
fehl gemäss von hie wieder nacher Cleve verfUgen. 

Hiemächst berichte E. Ch. D. ich gehorsamst, dass der Herr Bürger- 
Heister von Wawern mich gestern zu iMittage neben»! Herrn Dogen 
fisste gehabt und in Vertrauen berichtet, dass der Magistrat alhie 
Be»e Sache in Deliheration gezogen, ujid naclideni sie befunden, dass 
ein Werk wäre, so ihrer Stadt sehr zuträglich, 9o wolhen sie es 
nil embraiiisiren ; dieweil sie alter in dergleichen Fällen sehr hehut- 
gelien und ihre luelinatiimes hinderhalten müsstcu, damit der an- 
rteren Pro^-incien und Htädte Jalousie, die ihrer Macht halben albereit 
•ehr p-ofeS wäre, nicht noch mehr ;£unähme, so hätten aie ihrem jetzt- 
jfefiereiidcn Bürgermeister de Grave committiret, ehestes uaclier dem 
ätgt in gehen, gestalt dann derselbe albereit dahin gereiset, und 
licMg Werk also KU mesnagiren, damit E. Ch. D. 7,u Ihrem Intent ge- 
*get) möchten, haben ihm auch in specic anbefohlen, es dahin rieh- 
en tu. helfen, dass E. Ch. D. die .5(1 neue Comiiaguien Uberkummen 
H'Vlilen. 

Wie ich nun wegen des (»eldes Envsllinnng gethan, da hat er 
luir .\ntang8 höi'hlich cimtestiret, dass die Stadt gar kein haar Geld 
kättp, hätt grosse .ausgaben wegen des vielen Bauens, war jetzt noch 
"Ivirt. einen Strom, um frisch Wasser alhie zu haben, durch die 
'^'f'tt /,ii führen, wozu gruss Geld gehfiren würde. Jeditch hielt er 
wor, dass dem ungeachtet nmn endlich wo! noch so viel Mittel liu- 
»fü kniiute. wann es nur v\egon des Volke« erstlich seune Richtigkeit 
Mtlo. Auf den Fall aber niUssten sie von der Generalitet und dem 
■"liten darum ersuchet werden, dann ausserhalb dem wUrden sie sich 
*" nicht» verstehen und auf solche Art war es auch viel besser vor 
t-'h. U., dann der Staat war damit engagiret E. Cli. D. ferner zu 
**i»tireii. — Er sagte. E. Ch. D. mltssten suchen, durch alle Mittel 
"'"1 l'rinzen zu disponiren. dauu derselbe wollte gar nicht verstehen 
*" der Abdankung von den 5ü Compagnien, dagegeu war der Staat 
lÖirer gerne quitt. 

»•ur. i<ir iuch. d. Gr. KurlbmMi. IV. '' 



82 



I. Branäetibore und äie Niederta.tide. 



Ich habe ihn weiters gefraget, ob er dann nicht vermeinte, dass 
man von Privatis alhie Reld gegen Unterpfand bekommen könnte; da 
war er mit Herrn Dogen eiuer Meinung, dass dieselbe dazu schwer- 
lieh wurden zu dispouiren sein; dauu dieselbe thäteu ihr Geld niuuner 
auf lange Zelt weg, es kirne iliuen oft Oeeagion vor, da sie cont pro 
Cent haben könnten, leb will dennoch nicht unterlassen zu versuchen^ > 
ob ich noch einige Kaufleute aufirciben Uäiiii, desfalls ii'h dann heute i 
Kesolutiou von einem erwarte, un weleben Herr Blaspiel mir Adress 
gegeben. 

Im üebrigcn möge der Kurrürst inm di'n Residctiten Moll im Hang 
über Alles instrniren; er werde, sobald er wegen des Geldes Gewit<sbeitJ 
habe, zurückkehren. 



lü. Aug. 



Weitere Berichte liegen von Scbweria nicht vor. Weder seine Beum 
buugeu, nocli die Moll's im Haag glückten. In einer neuen 

lusjtrucLiou für Christiiin Moll >tu Bürgermeister und Rat 
Tüll Amsterdam dat. Cleve l(J, Aug. 1648 
wird das uämlielie Verlangen wie vorlier noch einmal dringender angebracht 
und bis zu T pOt. Interessen zugesagt, 

P.S. In cas unscn Raed ende Ambassadeur Ch. Moll niet so promp- 
telijek als het well vau noodon wäre tot Amsterdam soude worden depe- 
BCheert, ofte oock egeen ran de büvengemelte sommcn ipiam tc verkrygeu, 
soo sali hy werstichejt doen op de juweelen, die hem hierneTcns sallea 
worden toegestelt, te lichten de Summe van 30,000 Kth. — 

Auch soll er um einige ScbifTe zur Beförderung von 2000 Mann nach 
Preussen bitteu. 

Mitte September lö48 ist Mol! in derselben Angelegenheit in Gronin- 
gen thätig, wo er einen versprechenden Bescheid erhält {Relat. dat. Gro- 
ningen 10/20. Sept. IÖ48). 



I 



^^H 



Instruction fiii* „Uiisern Bedienten Jacob Freudemann" 
den Haag. Dat. Cleve 11. Sept. 1648'). 

[Plan einer Defensivrüstung des westfaliacben Kreises ; der Kurfürst beansprucht 

dss DirectoriuTU. Uie Geaeralstaateu aollL<u die cleTisehen Stände zu einer ent^J 

sprechenden Leistung dispuniren.] 

11. Sept. Chur-Cöln und PfalzgraC Wolfgang Wilhelm haben bei den Geuernl- 

staateu nachgesuclit, ilass sie ihre Mitwirkung cinlegei) möchten, damit dent | 
westphiilischeu Kreis von den kriegführenden T heilen die Neutralität ge- 
wahrt werde. Prcudemauu soll dieses Begebreu unterstützen, uameutlich 
mit Hilfe des Herrn von Capelleu; zur Unterstützung dieser Neutralität J 

') Coocept Pbilipp's V. Horu. — Freudemauu kommt ausser dieser äendang 
in dt>ii Acten uicbt vor. 



t 

I 



Anleibeversache. Westfälische Kreiartiatnog. 



83 



•ber xnÜESten die Stände des westfäliüchen Kreises eine Rüstong von rem 

defei^siTem Charakter uiiterDOhinGD, welcbe die Gtneralstaaten zu antergtützen 

Ttranlasst werden solleo. 

Da aber bei dieeer Kreisrüstuug Alles auf die Leitung derselben 

ankuiniut, so wird gedachter Unser Bedienter vorhinbenaunten Leuten 
Bolctea f&retellen und dieselben ersuclieu, dass eie anch darbei Fltr- 
sorge tmgen uud die Stände des Kreises von den Hocbmög. Herrn 
Staaten erinnert werden. Uns bei mehrgemelter Verfassung solches 
Directoriuin xu Übertragen. — 

Damit auch oft besagte Kreisstände desto eher disponiret werden, 
ÜnB das Direetoriuui nicht zu disputiren, sondern vielmehr uffzutragen, 
"od der Kreis nebenst Unsem Landen desto ftlglicher defendirt wer- 
den könnte, sähen Wir gerne, dass von den Herren General Staaten 
Unsere Clensche Stände, zunialu dieselbe nuniehr fast ein Jahr keine 
K?iegg(5ontributiones abgestattet, zuvor auch etzliche Jahr der Exemtion 
tisfon genossen, fleissig und beweglich ermahnet würden, Uns mit 
Miltcln siu Werbung und Verpflegung eines Kegiments zu Fuss von 
IW) Mann und einer Conipagnie zu Koss von 1,W Köpfen ohne die 
'JfBcirer, zur Hand und Steiu'e zu gehen und zu konnuen. 

iDdbsg soll inan aber, Dami^utlich am kaiserlichen Hofe, nicht merkeu 
lassen, „dass dies Werk so stark von Uns urgLrt würde,'' souderu es nur 
»I» lim Interesse der General Staaten erscheiuen lassen. — 



Jacob Freuderaanii an den Kurfürsten. Dat.' Urafeiihaag 
17. Sept. 1648. 

p Terbul diimg im Haag; niemand will sich anf Jie Sache einlassen. Ein apaat- 
^""f cAntrag an die Generals taaten. Grund der bobeo Korupretae in Jen Nie- 
derltiuden. lu Betn-ff des Ulrectoriunia ist man einverstanJeu.] 

Ata 14. Sept. Ankunft im Haag; am 15. Verhandlung mit Herrn 
f^*l« eilen; dieser täth, nicht eher die Sache in die ticneralität zu brin- 
^'^ fc>is bei den Einzelnen jfehörig vorgebaut worden sei. 

Giesem zufolge habe dem Herrn von Gent aus Geldern, dem IT.Sepfc 
'"Tl Matenessen au» Holland, lleri-n Voabergen aus Seeland, 

"^ aus Utrecht, Herrn Andre e aus Frieslaud, Herrn Isel- 

^"^ieu und Kipperd» aus Overyssel die Credentialen gebührend 

**"geben eti'. Habe aber von etzUclicu dieser keine sonderbare 

"^'itiation zu dem Werke befunden, indem sie mir vorgestellt: 

1) Dass sie niemaln an dero Kais. Maj. etwas durch Absendung 
"^i" Briefe gelangen lassen und dahero die Generalitet sich dessen 

"^igeru wtürde. 

2) So wfire Frankreich . Schweden und Hesseu durch ihren ge- 

6* 



84 



T. Brandeoburg titid dii> Niederlande. 



1 
I 



machten Frieden albereit ofFendiret, wUrden also durch solche Absen- 
dung oder Briefen jemehr und mehr irritiret werden, indem sie alle 
Oerter und Festungeu iu dem WeBtphälisehen KreiH quittiren und eva- 
euiren und alle Contrilmtionen abstellen sollten. — 

3) Wann die Herren General Staaten gleich in sidehe Absendung 
oder Schreiben vermlligten, so wtlrde es doch nichts eflectuiren; denn 
Frankreich und Sclnveden nimnier würden naehgebon, das» der West- 
pbäliselie Kreis sich iu Verfassung lirfichtc, alleriiiassen sie befüreliten 
iiiilasten, es würde der Obereäclisisehe und Niedersäehsiaehe Kreis tiacb- 
folgeu und, wann eie eine Anzahl Vrdkcr auf die Beine gebracht, 
Schweden und Frankreich T<^ra teutscheu Boden jagen möchten, ja 
der WestphäHsclie Kreis das ciimpeUe inlrare ihnen spielen dürfte. 

4) Mit Gewalt und mit ihren Waffen dem Westphälischeu Kreise 
die Neatralitet jm erwerben, wollte ihr Staat nicht leiden und liefe 
der Allianee, die sie nyt den kriegenden Theilen hätten, ganz ent- 
gegen. 

5) Wollte mir Einer in Vertrauen sagen, dass die spanische Le- 
gati der Staaten Pleuipotentiariis angetragen, wann sie mit ihrem Kö- 
nige in eine Alliance treten würden, das Directoriuni Über deu ganzen 
Weatijhälischen Kreis haben sollten; bloss allein um diesen Staat mit 
Prankreich in einen Krieg zu setzen, — M 

Freudematiii wicJcrlegt diese einzelnen Puucte. 

Ich habe ihnen auch unter andera zu Genillthe gef^hret, dass 
man iu den GUHsehen, Bergischen und andern Westphalischen Landen 
einen Malter Ito^ken vor 8 fi. kauf hielte, hier aber danehe l*'i ja 2ü M 
Gulden geben uillsste, dahero dass das Koni die Maas und den Rhein ■ 
ab wegen Unsicherheit nicht konnte abgefuhvet uud thirentgegen an- 
dere Waaren ^vierter herauf gebracht werden, und wann also von einem ■ 
oder dem andern kriegenden Theil der WestphiSlische Kreis und die 
Mosel, Rhein »md Maass sollte occupirt werden, solche und dernglei- 
ohen Theuerung, Inconvenientien, Licenten und Zolin nstelhmgen tncbr 
erfolgen durften. — 

Weil aber diese Saehe (leJdern, Holland, Groningen und Üver- 
yssel ratione connnerciorum am meisten angehet, als muss itieselbe 
bei denen am meisten getrieben, fUruehmlich dem Hath Cate aufs beste 
recommandiret werden, der es data occasione in der Proviucc Holland, 
die jetzo versammelt, bringen und zu einem guten Effect befördera 
könnte. 

Sonst haben sie alle und jede des Direetorii halber keinen Disput 
gemachet, sondern aus ihreu selhsteigenen vielfältigen Rationibus dahin 



I 
I 




Tcirhtadlang Freademaun'a iin Haag. Die BesetsiiDg der clov. Feshmgea. §5 

coUimiret, dass keinem, er sei auch wer er wollte, ala Sr. Ch, D. das- 
selbe sollte und mllsste aufgetragen werden; wie dann auch gerne an 
die Clensche Stände um Werbung und Unterhaltung einee Regiments 
zu Fu88 und Compagnie zu Pferde die Herrn General Staaten schrei- 
ben würden. — 

Wettere Relatioaen von Freudemann gind nicht vorhanden. 



I)er Kurfüi>t an Philipp Hörn, Christian Moll und MattMas 
Dogen. Dat. Cleve 10. Oct. 1648. 

(D«r Kurfürst willigt in die n-eiteru zeitweilige Beietzang clevischer Plätze durch 
die Niederländer für die Dauer der AHidnue. Entwurf des betreffenden Artikels.] 

Nachdem Wir aus Eurer unterth. abgelegten Relation verBtändiget lo. Oct. 
worden, daes es sich bei Vorgleiehung der AUiance, so Wir mit den 
Herreu Staaten Generalen zu schliessen vorhahens sein, annoch an 
Bfüatzung etlicher Unser Cleviachen Städte stossen thue : so eeind Wir 
endlii'li gnäd. zufrieden und wollen kraft dieses gewilliget haben, dass 
selbiger Puiict dergestalt eingerichtet werde, dass es nämlich Zeit wäh- 
render Älliance (welehe von dato des ychlusses acht nach einander 
folgende Jahre beständig verbleiben soll) wegen bemelter mit Staati- 
Khen Guamisonen besetzter Städte in Unserm Herzogtbum Cleve bei 
dem, wie es in vorigen AUiancen und Verträgen veraccordiret und 
|jergehen, ferner gelassen werden solle, inmassen Ihr aus dem beige- 
iBenen und von Uns unterschriebeaen Atticulo mit mebrem zu er- 
habet. 
Art. 12. Es BoUeQ auch darch die Haltang der GuarnisoneD in obged. 
u, Testuugen und Orttu I. H. M. kein Recht oder Gerechtigkeit er- 
M, uoch Sr. Cb. D. oder deren Nachkommen einig Praejudiz daraus 
ItTwaeWu; jedoch Zeit wfthrL'udor achtjährigen Alliauce wegen bemelter 
Staatisielien Giiaraisoncii besetzter Clcvischen Städte es bei dem , wie 
t» ia Torigen Alliuitceii aui! Verträgen veraccordiret und verseben, gelassen 
Nod «utfrdpgf-cn, wie auch sonsten, so lange Guarnison in berührten Städten 
l»ein würde, den Guberuatoren und Commendanten in selbigen Vestuugen 
BOfi Städten aasdriickiich und scharflich befohlen werden, von den Unter- 
o*Dta in Sr. Ch. D. Landen nicht lucbr zu hei.^chen, noch zd fordern, dann 
dcü vereinigtet! Proviacien itzo gebräuchlich ist. — 

Uer Kurfürfit an den Residenten Christian Moll im Haag. 
Dat. Cleve 12. Nov. I(i48. 

'polnisches BittecUreitjcn übersBudt als Ililfsmittel für die Anleiheverliandluag.] 

Üt'bersendet ihm zu dem schon vorher über»cbickten Schreiben des 12. Nov. 
trzbischofs von GnescD an die preussischen Oberröthe {dat. 1. Oct.}, noch 



86 



I. Brandenbnrg and «lie Niederlande. 



ein neuerdings eingekommenes Schreiben desBelbeo an den Kurfürsten de«] 
gleichen Inhalts ') — 

damit Ihr Euch dessen an allen dienlichen Orten, zumal in der 
bewussten Negociation der 200,(MJO Rtli. zu gebrauchen und dieselbe fl 
dadurch um so viel eher zur gewünschten gewierigen Resolution und 
Endschaft befördern könnt. Ilir habt aber dennoch itzbemeltes ori- 
ginal Schreiben nicht aus Händen zu geben, sondern nur, wie gedacht, 
an dienlichen Orten rorzuzeigen, und da je die Nothdurft erfordern 
sollte, daes eine Copey davon gegeben werden mllBSte, sind Wir Un- 
sers Orts damit gnädigst zufrieden. Und werdet Ihr Uns das Original 
nicht allein künfrig wieder zu Unsem Händen liefern, sondern auch 
bei diesem Lacqueyen eigentliche unterth. Nachricht UberscUreiben, 
wessen Wir Uns endlich wegen gedachten Anlehens der 2f*0,()0rj Rth. 
zu getrosten, und wann man deshalb im Haag bei einander kommen 
wird. Im widrigen, und da Ihr keine Hoifnung dazu absehen solltet, 
mtissten Wirs dahin stellen und alsdann auf andere Mittel bedacht 
sein, wodurch Wir etwa sonst bei andern Potentaten, dazu sich dann 
einige albereit offeriret*), auf den Pillauschen Zoll zu solchem Änlehen 
förderlichst gelangen mögen. 



im 



HsAg. 



Der Kurfürst an den Hesidenten Christian Moli 
Dat, Cleve 2. Dec. 1648. 

[Dfta Recht des Knrfiirsten zof Verpfändang des Pillauer Zolls.] 
2. Dec. Fortsetzung der Verhandlung über die Anleihe. 

Daaa sonsten des Orts Torgegeben werden darf, ob hätten Wir 
wegen der Krön Polen und Preussisehen Ständen gar keine Macht den 
Pillauischen Zoll zu versetzen, oder es wäre doch albereit so viel 
darauf erhoben, dass solche Verpfändung ohne das nicht zu practici- 
ren : solches befremdet Uns gewiss über alle Maass sehre und möchten 
Wir gern wissen, gestalt Ihr dann mit allem Fleiss darnach zu for- 
schen, was doch das für Leute sein mOgen, die dergleichen frevelhaf- 
tige grobe Lügen von Uns und Unserro Eslat so ungescheut ausspren-fl 
gen dürfen, und könnt Ihr wj»! ofl entlieh und gegen jedermänniglich" 
frei contestiren, dass Un» hierunter grusaer Tort geschiehct und von 



d 



«) Vgl. ürk. u. Actenat. I. p. 9. 251. 301 f. 

') Diese Angabe seheint nur ein diploraatischeB Hilfsmittel zu sein; es findet 
sich in den anderweitigen Acten nichts wa« sie bestätigt. 



Porl^oBg der AnleiheTermche. Kleist im Haag. 



87 



denen, so dergleicben zu Unaerer Verkleiiienmg; prnpaliren, als ehr- 
loMD .Schelmen and Dtebea nachgelogen wird '). — 



1 ho 
I im 



Ewald V. Kleist an den Kurfürsten. Dat. Haag 8. Dec. 1648'). 

[?«rti«ndliiog mit der Prineessio Witwe. Vuii deu Generalstaaten keine Aue- 
liebt »nf Unterstützung gegen Schweden. Stelloug DänemarkB ; der Kurfürst soll 
ticb Ott dieser Macht in Ternehmeu eetüen ; die städtische Alliance auf ümw«- 
feii in eireicben. Die Princeasin rütli. einstweilen nicht mehr um die Alliance 
BMbjasnchrtn ; Aeassening des Ht?nn v. Gent. Die Princeaein empfiehlt äUBaerete 
Toraicht bei einer niederlaudiBcheti Anleihe. Eine westfäÜHChc Defensivrerfas- 
snng wird ron den Geoerälätaaten nicht auterstutzt werden,] 

K« Princessin Witwe von Oraoieii macht wenig Hoflnuug, dass die 8. De".' 
l6«ii»r»lstaateQ in den neuen Verwiekelungen mit Schweden dem Kurfürsten 
wl helfen werden. 

Der im deiitechen Frieden enthaltene Passus, bei welchem den 
•Schweden die moderna ^^ectigalia und ].,ieenteu in Poinmem und Meek- 
letihurg in Händen bleibend, wird I. Hoheit Meinung nach alhie noch 
«lir Zeit sonderUeh nicht beachtet, noch deswegen auf einige Oppo- 
•itjoü mit jemand ichtwae tractiret; nur sind Sie gewiss, das8 der 
Llefelt*^ in geuatier Cyrrespondeiiz mit etlichen Leuten in Amsterdam 

ntinuiret; Sie habe aber hinter den rechten Grund (wie Sie gedenkej 
^elieiclit darum nicht kummen können, weil man vermerket, dase Sie 
die Alliance mit E. Ch. D. alhie gerne befordert sehen, die Staaten 
*l*«r, I. Hoheit iluthmassang nach, lieber zuvor mit Dennemarck und 
andero Niedersächsischen Herrschaften das Werk festsetzen wollten. 

Hiehei haben 1. Hoheit erinnert, dass Ihr dllnke, E. Ch. D. wäre 
hochnötliig. sich mit Dennemarck etwas zu stringiren und näher zu 

*»teheu. zumal solches derselben bei diesem Staat grossen Bespect 
"0'^ Xtitzen scbalfen wtlrde. Ja, Sie dürlten noch mehr sagen, daes 
^- Ch, D. die von .Schwedischer Seit angcmuthete Alliance bei dieser 
2*''» zwar nicht hauptsächlich zu tiactiien, aber auf alle Wege und 

Schwedeu selbst in Vigeur zu erhalten un<l den Schweden in diesen 

lianken plaisiblement an die Hand zu gehen hätten; wodurch E. 
D. die von Ihr bei üinen gefassete Jalousie vermindern imd füg- 



') l'oncept, mit der Bemerkung am Baude: „Ist von Sr. Üh. D. aelbat dnroh- 
8»l<is«ii." 

'I Lieber diese Anweeenheit Kl eist's im Haag Aitzema lU. p. 282, mit 
*f Wzeu Notiz: „sora tjdta scheen oö'er wat inclinatie iu Hollaodt was; maer 
nder eevolgh." — Eine loBlraction iat nicUt vorhanden. 

•) laetr. Pac. Osn. X. §. 13, 

') Gesandter von Dänemark. 



88 



I, Brandeoburg uud die Niederlande. 




I 



liehe Gelegenheit erlaiigen könnte, ihre vorhabende Intentiones zu pe- 
netrireD, um welcher I. Hoheit nicht in wenigen Sorgen stünde. Sie 
haben mir aber gnädigst befohlen, dies Advis in grössten geheim zn 
meBnagiren, sonst wUrde sie mich im Fall, dass solches von ihr her- 
rlthrte, esclatiren sollte, gewiss desadvouiven werden; Sie setzten hinzu, 
dass Bothane Miene gegen Schweden diesen Staat sehr zu E. Ch. D. 
Intention fuhren würde; und könnte es derselhen gar von ihr nicht 
verdacht werden, weil E. Ch. D. diesem Staat Ehre gnug gethan, und 
mehr, als dero Respect gelitten, ihn gesucbet hätten. Wie denn hochged. 
1. Hoheit, 80 viel die zwischen E. Ch. D. und diesem Staat bishero 
f erainutirte AUiance betrifft, zu derselben ganz kein Herz noch Belie- 
ben mehr tragen, sondern gut finden, dass man, nm seihige in Eflfect 
zu bringen, kein Wort mehr verlieren sollte. Es hfitt noch gestern 
der Herr von Gent') also mit I. Hoheit gesprochen: es wundere ihn, 
worum man die AUiance so inständig suche, weil es gewiss, daaa» 
wann es der Staaten Interesse erfordert, sie E. Ch. D. ohne einige 
Alliance helfen und favorisiren werde»; im widrigen Fall wird keine 
auch die Starkeste Alliance sie zu der geringsten wtlrklichen Assistenz 
bringen. Man sollte deswegen (vermeinen I. Hoheit), was Sie bei Den- 
nemarck und Schweden erinnerten, wol in Acht nehmen, so wtlrde 
sich dieser Staat, hei welchem keine Raison oder Remoustrance , ©he 
sie recht ftlhlen, was ihnen schaden kann, ichtvvas verschlagen noch 
helfen will, wtd seihst anfinden und einstellen; alsdann auch hessers 
Kaufs mit ihnen zu handeln stünde. 

Die letzte Deelaralion der Staaten von Holland wegen der Alliance 
und Anleihe hat I. Hoheit in ohgesetzter Meinung sehr bekräftiget; ■ 
imnassen dieselbe zu ohcrwflhntcr Anleihe der Gelder nicht viel mehr 
Hoffnung haben; fUruehndii'b waiin, wie aus der ücclaralion erhellet, 
dieselbe bei der Generalitet soll negotüret werden, welche anjetzo in 
voller Arbeit, ihi- Mesnagc zn refonuiren uud einzuziehen, begriffen; 
oder da ja etwas erfolgen snlltc, wozu Sie doch keine Apparenz sehen, 
wlirde zu besorgen sein, ilass die Gefahr und hohes rraejudice. den 
Vortheil uud die Hülfe E. Ch. D. weit überwägen konnte, zumal diesen 
Leuten wenig zu trauen, da sie einen importanten Vortheil nehmen 
können, welcher ihuen mit Verpfändimg des Pillauischen Zolles hand- 
greiflich /.ufallen wlirde, und sie bei geringster Verhiuderniss der Be- 
zahlung diese und andere practendirte Schuhlen leichtlich zusammen 
schlagen und sich an so vortheilhaftem Ort mit Gewalt maintenirg^j 



') Urk. u. Acteüst. 111. jj.öO, 



Ralbscblä^e der PriDceeein Wttwe tod Oranien, 



89 



w 



kfliöten, anderer Gefahr zu geschweigen, welche von denen, 8o dic- 
MM Staat ins künftige entgegen leben möchten, billig zu befaliren wäre. 
Sie hSttcn in Betrachtung dieses und aus Antrieb treumütlerlicUer Af- 
fertion zu E. Ch. D. sich gegen Herrn Mollen neulich etwas hart 
erwiesen, hoffeten, E. Ch. D. wtlrclen solches nicht in Ubelera Tcrmer- 
keo ; Sie wünschten , dass , dafem man sich dieser Anlcilie nicht ent- 
irre^clien, man dieselbe bei Particuliereu und zwar auf andre Engage- 
ment, als der Pillau, zu Wege bringen könnte; befählen mir auch 
w lange alhie zu bleiben, bis Herr Dogen, wessen Sie alle Stunde von 
Amsterdam gewärtig, angclanget, ob in einem und anderem alsdann 
mehr Nacbricht erfolgete. 

Zu einer DefeuBionsverfassung im We8ti>häU9chen Kreis werden, 

I. Hoheit Emiessens, die Staaten eich anjetzo nicht engagiren und im 

Fall es dazu käme, eine solche Anstalt damit zu machen vielleicht 

Vorhabens sein, mit welcher E. Ch. D. schwerlich übereinstimmen 

möchten; bin desfalls an den Herrn von Gent bei guter Gelegenheil 

davon 2U sprechen verwiesen worden, ohne daas I. Hoheit davon ein 

mebrers speciticirete. Dieses haben I. Hoheit bei denen sich gefllgten 

Occasioneu mir gnadigst cuuimunicircn wollen und E. Ch. D. ich in 

Effnterttiäiiigkeit hinterbringen sollen. 



i>er Kui-fiirst an Ewald v. Kleist. Dat. Cleve U.Dec. 1648. 
Socb «in letzter Verbuch bei den Geoerahtaateii durch Muli angegrdnet. Rück. 



bernfnng.J 

Nachdem Uns gestern spät Euer unterth. Schreiben durch den ll. Dec. 
Expressen zu gnäd. Händen geliefert worden, so haben Wir nicht un- 
terlassen, dasselbe alsofort selbst zu verlesen. Gleich wie Wir nun 
dsratis anfangs die von Unser Frau Schwiegermutter Gn. ftlr Uns und 
Uosem Staat tragende freundmtUterlicLe Sorgfalt zu verspüren gehabt, 
also nehmen Wir solches alles zu hohem Dank auf etc. 

Und nachdem Wir demnächst ferner so viel wol abnehmen kön- 
nen, dass das Werk nur auf die lange Bank geschoben und wol 
schwerlich Unsere woluieineutliche Intention erreichet werden dllrfte: 
so haben Wir gestriges Tages Unserm Rath und ordinär Ambassa- 
deur im Haag, Christian Mollen, in schriftlichem Befehl aufgege- 
ben, solche Unsere hewusste Angelegenheiten und Desideria nochmals 
in pleno der Generalitet zu propouiren und um calhegoriselie «chleu- 
nigste Resolution, wessen Wir Uns eigentlich in beiden Stücken zu 
getrösten, beweglich anzuhalten. Wohin nun dieselbe fallen wird, 
mllSBen Wir erwarten. — 



90 



L Brandenbnrg und die Niederlaade, 



Ihr Euer« Ort& aber habt Euch numehr daselbst femer nicht auf- 
zuhalten, sondern . . . wieder anJiero zu begeben. 



. Dec, 



1649. 



Der Kurfüj-st an den Residenten Christian Moll im Haag. 
Dat. Cleve 26. Dec. 1648. 

[Die Aljianc»- und AnleibeverhaudluDgen sollen Türe erste sistirt werden.] 
Uns ist Euere unterth. Relation vom 23. hujus wol zugekommen, 
und ergehet darufT biemit an Euch Unser gnäd. Befehlig, dass Ihr 
hiufüro ubne espresse Unsere gnäd. Ordre so wenig bei den Herrn 
General Staaten als einiger Pr»jvineien, wie auch sonsten nieniands M 
aus der Generalitet oder der Provincien Mittel ferner wegen der AI- " 
lianee und Anleihe Euch bewerbet, sondern bis so lange an Euch 
vom Herrn Capellen oder andern dessen Commissarien etwas ge- 
bracht wird, mit aller femern Erinnerung gänzlich zurückhaltet; auch 
da Euch einige Resolution oder der seeret iVrticul intimiret wird, sel- 
bige nicht anderer Gestalt, als nur bloss alleine ad referendum und 
Uns unterth. zu überschicken annehmet. Da auch gleich Unser Frauen 
Schwieger Ld. an Euch begehren sollte, bemelter Punete halber ferner 
in publicis oder bei einem oder andern etwas zu negociireu, habt 
Ihr Euch damit, dass Ihr solches ohne ausdrücklichen Unsern Befehl 
nicht thun dürfet, zu entschuldigen und Uns davon vorhero in Ünter- 
thänigkeit Part zu geben. 

P. a. Solltet Ihr sonsten mit einem oder andern wegen der An- 
leihe zu privat Discursen kommen, werdet Ihr nur als für Euch an- 
zeigen, was massen Euch wol bekannt, dass Wir Mittel genug hfittes, 
uff die Pillauisehe ZollgefäUe Gelder durch Anleihe zu bckonuuea, — 



I 



Unter demselben Datum eine gleiche Anwei&uug anSttatthiae Dögen 
in Amoterdanj, nebst dem Aiiltriig ins geheim zu soudiren, ^wohero doch 
diese der Provincien Holland und WestfriesJand widrige Bezeigung herrüh- 
ren möge*. 



Diese Sistirang der Verhatidlmigcu ist indess nur von karzer Dauer; schon 
bald im Jahr 1641» beginnen sie von neuem, über die Alliancc, die verlangte 
Anleihe, die Litjuidiruug der Hoefy serscheu Schuld; allerdings auch jetrt 
ohne dass eine dieser Angelegenheiten irgend wesentlich gefordert wird. 
War bisher alles an dem zäheu Widerstand der Provinz Holland gesehei- 
tert, 60 lag jetzt die entscheidende Aufgabe durin, diesen zu überwinden. 
Dem Resideutcu in Amsterdam, Matthias Dögen, Gel dies besonders zu. 



J 



17. Juli. Creditiv für M. Dögen an die Staaten von Holland dat. Hamm 

IT. Juli 1649. 



AllianceverhaudluDgen. 



91 



3kl, Dogen an den Kurfürsten dat. Amsterdam 17. Aug. 1649. 
Gibt Bericht von einer für seinen ZwL'ck imt^rnommeneu Reiae darcii die 
ProvxBE; er hofft auf gut« Wirknng davon bei dem bevorswhenden Zusam- 
iiieatiE*itt der Frorincialstaaten. Der Feusionar Cats namentlich hat sich 
sebr geneigt gezeigt;, der Kurfürst möge ihn mit einem Complimentirsehrei- 
ben Tbeehrcn. Auch der Bürgermeister Bicker „lenkt sich idlgemäehlich 
siif Unsere Seite", ist aber noch nicht sieher. — Dögeii bittet bei der Wich- 
liglceii der Sache ihm den geh. Rath Philipp Hörn zur Unterstützung zu 
Mhickeo. 

Bas Weitere ergibt sich ans Vol. III. p. 56 fl'. 



17. An 



Anfang 1650 finden wir die brandenburgischen Räthe Job. Moritz 

»• ^ assau, Philipp Horu, Werner Wilhelm Blanpeil, Joh. Copeti, 

He rnittun Wittenhorst. zu Sunsfeld, Dr. Witte im Haag üj neuen 

»erhandlungen über die Alliance. Die UftuptdüFerenz ist noch immer die, 

nass man niederländischer Seits nicht auf die von dem Kurfürsten verlangte 

*<m8chliei.gung der anderen, nicht-eievischen, brandenburgis'chen Laude ein- 

feUeu will. Höchstens hat jetzt die Provinz Holland sich zu der Fassung 

oertfii gezeigt, dass die Alliance sich beziehen soll auf: Jülich, Clcv2, Berg, 

■''**rck, Ravensberg, Ravenstein „und andere E. Ch. D. Lande". Zu vöUi- 

S^^ speeificirter Nennung der andern Lande will man sich nur bequemen, 

*t»rern, wie sehr gewünscht wird, noch andere benachbarte protes^tantische 

«tÄiide hinzuträten und die Alliance so einen grossem Umfang erlangte. 

t-^^lation Blaspeii's dat. Haag 8/18. Jan. 16ö0.) 



1050. 



18. J4 



Der Kurfürst an die Gesandten dat. Sparemberg 26. Jan. 1650. — 26, J^ 
"^ «?na die Generabtaaten aich nicht anders fügen, so will er darin nacbgc- 
^ «j, daas nur die clevischen Lande speciiicbt, die andern nur allgemein be- 
^ Sehnet werden. 



<i 



Bin nener Incidenzfall war, dass in eben dieser Zeit der knrcölnische 
- ^sandte, Herr »on Lützenrath'), mit dem Plan einer Alliance zwischen 
^„,^0 Kicderlanden, Brandenbarg und Kmcöln (nebst Lüttich) hervortrat. 
^^ 'er Kurfürst w^ies den Plan nicht von der Hand: kommt die Alliance mit 
^^^^^n Niederlanden nicht zu Stande, so werde eme solche mit Kurebln und 
"^^^^esseu- Kassel immer erwünscht sein (Resolut, dat. Grüuiugcn S. März 1650). B.'- 
"^V.ls indess Lützenrath im Mai 1650 nach L'leve kam, um weiter über 
^^*ü Plan zu verhandeln, schien derselbe einen Charakter zu enthüllen, der 
^6 unmöglich machte, darauf einzugehen; der cölnische Gesandte verlangte 
*^eben anderem besonders den Beitritt des katholischen P falzgrafe u von 
^cübnrg und zwar so, ,„da.sö mau I. f. Dchi, den Titel cinei< General- 
Xiieuteuauts, ohn einigen Unterhalt, gönnete". Bei der notorisch feindseli- 
gen titellang , die der 1' f a 1 z g r a f damals bereits gegen Brandenburg ein- 
aaIuu, bei seinen anderweitigen drohenden anttprotestantischen V'erblndungen 
«nd Unterhandlungen {Droysen Gesch. d. pr. Polit. 111. 1. p. 349) mnsste 



') Herr van Clarenbeeck ofLatzenraet bei Aitsema III. p. 381.486, 
der indesa mchl« geuaaei über diese Verhandloog hat. 



92 



I. Brandenburg nQ<t di« Niedertande. 



der cöluiäche Vorschlag d^m Kurfiirsteii ganz uiithuQücb, ja tieUeiebt alt 
eine ihm gelegte Sclilinge er^dieiiieii; er konnte sich nicht in eine Verbin- 
dnug eiulasBPu, iu weh-her dem feinseligen Pfalzgrafen die Rolle eines Jinn- 
desgenends zugedacht war'). Er wies den Plan kurzer Hand znrück — es 
würde allen Eraugelischen unr Verdacht einflössen, als habe man liier auf 
katholischer Seite etwas absonderliches vor (Resolution dat. Colin a. &p. 
. Mai. 22. Mai 1650). Damit wurde, so viel die Acten sehen lasseii| die Verhand- 
lang zunächst abgebrochen. 

Inzwischen war man im Haag eo weit gekommen, dass bis zum April 
1650 alle becha Provinzen, ausser Holland, unbedingt fijr die AUiance ge- 
wonnen waren; nur Holt and hält noch daran lest, dass die nicht-clevischen 
Lande de» Kurfürsten nicht in die.selbe eingeschlo.'^sen werden dürfen. Ein 
anwesender schwedischer Gesandter sucht in demselben Sinne zu wir- 
ken. Anderen kommt hinzu, was den Fortgang der Sache hemmt. 



I 



,Apr. «Joh. Copcs an den Karfürsteu dat. Haag 5. April 1650. Er enO- 

Bchuldigt die Langsamkeit damit, „dass dieser Estat mit höchsten Geschäf- 
ten, mit dergleichen sie in vielen Jahren uit so überhäuft gewesen, beladen 
und dauneuhero ,'iich so schwierig als veränderlich beUndet; als da seiad 
der Redress ihrer Finanzien, darauf die Cassation oder Reduction der Sol 
datesca muss folgen; auch ^o nothwendig, dass, wann schon Holland sel- 
bige thnt, gleicbwol so verschuldet bleibet, dass es jedes Jahr über eine 
Million zurückgehet." 

Das siegreiche Auftreten des Statthalters Wilhelm's IL gegen die' 
Provinz Holland schien indess auch der Sache der brandeuburgit^chL'n Al- 
liance günstig werden zu sollen; eine An/abl widerstrebender Elemente in 
Holland wurden ans ihren Stellen entfernt (so der oben pag. 69 genannte 
Bürgermeister Bicker von Am8t<?rdam nebst seinem Bruder)'); im Herbst 
1650 schien der Abschlubs nach den Berichten der kurfürstlichen Gesandten 
ganz nahe bevorzustehen — ^so viel Monate, als wir Jahre geduldet, habea 
wir nun nicht nötliig, rebus permauoutibus nt nunc sunt" (M. Dogen an 
ST.Aug. den Kurfürsten dat. 27. Aug. 1660). 

Aber der plötzliche Tod Wilhelm's II. (6. Nov. ItiöO) vernichtete 
noch einmal diese HoÖ'uungen. Mit Ende 1650 werden unter dem Einllnss 
der nun trinmphircndcn Provinst Holland die Verhandlungen über di« bran- 
denburgisehe Allianee, sowie das LiquidationsgeücUäft der Hoefj'serscheu 
Schuld vorerst bei Seite gelegt; an ihre Stelle treten zunächst die pein- 
lichen Weiterungen über die Vormundschaft des nach dem Tod seines Va- 
ters geborenen Prinzen Wilhelm III. von Oranien, so wie über die 
Verwaltung der oranisclien Güter während der Minorennität. Auf diese ist 
hier nicht einzugehen. Ueber die Vermittclung der Oencralstaaten bei dem 
pfalz-nenburgischen Krieg lööl s. unten den betreffenden Abschnitt. 
1652. Im Herbst 1652 wird, diesmal auf Veranlassung der Generalstaatcn 

gelbst, die AUiauceverhandlung wieder aufgenommen, ^'on Seiten des Kur- 

') Ein ähnlicher Plan taucht dann im J. 1653 wieder auf. Aitzem a lU. p. 853. 
') Aitzema Hl. p,4i8. 



1 
I 
I 
1 



AlliknceverbandlongeD, Eintritt Dsoiel Weiman's. 



93 



IBnteo erhalten der elei-iiscUe Kanzler Daniel Weiman und der Resi- 
dent im Haag Johann Copes Auftrag dieselije zn führen (dat. Colin a. Sp. 
I2;*i2. Oct. 1652); M. Dogen ist in Amsterdam für dieselbe thätig, 22.0c 



I 



M, Dogen an den Kurfürsten. Dat. Amsterdam 14. Oct. 1652. 

[tinte Aassichten. Berürchtiingen in Schweden und England.] 
Die Verhandlung i.'^t wieder im Gange; die Stadt Amsterdam ist jetzt 
geneigt für dieselbe. Die Schweden sind mit den guten Aussichten 
für die Allianee sehr wenig zufrieden 

Aus England schreilieii sie, doss E. Ch. D. mit dero AUianee fflr- 
haben, das Uoeht'tirstlielie Jiaus von Oranien iu diesem .Stttat zu be- 
fedtigeii und hernach auch das Königliclie Haus von Stuart zu un- 
lerstützen und nieder aufzurichten; und suchen also Jalousie zu er- 
wecken. Hoffe aber, je weniger dieses Werk losen Buben und Mnrdem 
behaglich, so raelir es Gott gefällig und der ganzen Christeuheit er- 
äpriesslich sein werde. 



U.Oo 



M'eiman und Copes an den Kui'fQrsten. Dat. Haag 
lü. Dec. Ifi52'). 

[Uueotachiedeue Yerhaudlungen über die Hauptfrage.] 

Gl sind Commi^sare ernannt worden, um mit ihnen zu yerhandelu. Die tu, Dei 
Brauilenliurger dringen darauf, daSs rann nnn holländischer Seits die Wei- 
gerung aufgehe . die uicht-clevischen Lande des Kurfürsten iu die Allianee 
wifiniiehmen ; t*ifi betouen, dass es ja die General Staaten gewesen, welche 
ilie Wiederaufniibme der Trnetaten veranlasst. 

Man antwortete uns darauf, zwar ohne wäre es nicht, I. H. M. 
halten sieh erboten zu Reassumirung der Tractaten; sie wären auch 
zuüial gewogen, diese zur Perfection zu bringen, wollten sich avicli 
nicht eben ijraecise verbinden an die vitrige Projecten und Resolu- 
titne«; sie hätten gedacht, weiln die Conjuncturen sehr verändert, die 
hbarte Fürsten und Herreu sich hier und dort zusanuuenthäten 

Verbündnisse uffrichteten, ja auch Schweden, Lüneburg und Hes- 
•61 bereits »iicli wirklich couföderirt hätten, E. CIi. D. würden darauf 
''sheu Ketlexiciu genommen, und wir wllrden also eiu und andere Mo- 
^'i^en haben tllj-gebraeht, wodurch sie hätten können zu begehrter Re- 
*tilutioii bewogen werden. 

Die brandenburgit^ehen Genaudten erklärcu, ganz begouders auf der 
Elnicblif.sisuug von Pommern und Prenssen neben Cleve »tc. bestehen zu 

') Uie TolgtuileD Uelatiuuen tlieite beider theils Weiniau's allein »iuU 
^■lle ruo dieHum eigeshindig geschriebeu. 




94 



I. BraDdenbnrg ood die Niederlande. 



müssea: mit den aadereu liaDdcn könoe man es xar Noth daliiD gestellt 
8«iu tassen. i 



M. Dogen an den Kurfürsten. Dat. Amsterdam 25. Febr. 1653. , 

[nollandiscbt; AneSüchte, Tod des EleilhgpeDBionärK Fsttw.] ^M 

1(553. Zu der Zeit, dass ich erstmals nacli meiner Krankheit bei den 

aö. Feljr. Herrn BUr^ermeistern erscliien, hat man zuletzt in den Privatdiscuraen 

luicb wollen aondiren, wenn zugleich Preussen und Cleve von diesem 

Estat in Protection angenommen wtlrden, ob man danu an unserer 

Seite Contentement haben könnte. 

Ich replicirte scherzweise, E. Ch. D, würden dero Landen dann 
auch repartiren mUssen; meinete, daes gegen Prenssen und Clere 
E. Ch. D. würden hinwiederum nicht diese ganze Republik, wie bei 
allen recht^emeiuten aufrichtigen Verbllndnissen tiblieh, sondern ohu- 
getalir Overyssel und ein Thcil des Stifts von Utrecht zu proteg^n 
verbunden werden, . . . Woraus sie alsbald die incongruit^ und inso- 
lence ihres dickgemelten Secret-Articuls wol einnahmen und selbst 
auslachten. 

Der Rathspeiisionär von Holland Adrian Pauw, Herr von Heem- 
Ktede, ist plötzlich gestorben; er war ein grosser Freund vuu England 
und Schweden und uus wenig bold: ^ich gönne ihm den Himmel wol, sein 
Tod aber kann un» durchaus nicht schaden" '). 



I 
I 



Weimaii und Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 
8. April 1653. 

8. Apr. Es scheinet, Holland wird immer eifriger gegen England und da- 
hero auch sorgfältiger in Erhaltung guter Freundschaß mit andern. 
Man gedenket zugleich auf eine Ahschickuug ins Reich, und die Be- 
schliessuug einer Allianz mit Frankreich wird nunmehr von allen be- 
herziget. ^ 

Weiman und Copes an den Kurfürsten. Dat; Haag 
2t). Mai 1653. 

[Protest der cleviecb-raärkiseh^n ätänile gegen die AUiance darch Aitzema.] 
20. Mai. Ueberdeni vernehmen wir, dass gestern der Hanse-Stadte Hesident 

Aitzema*) bei den Herrn Staaten General Audienz erhalten und Na- 



') VgL Wicquefort bist de8 provincee anies (Ed. Amaterd. IBßi'ß.) 11. p.27a 
— Sein Nachfolger wurde Johann de Witt. 

') Le» von Aitüema, der bekautile, hier oft citlrte Geachicblichreiber; 
er erwähnt diese Kiugabe HI. p. 848. 



AtliancererUiindlun^n. Der uiederländisch-englisplie Krieg'. 



95 



imeus der Cleve- und Märkisulien Landstände mUud- uud schriftlich 
ätdlt hab, wasDiassen E. Ch. D. vermöge Landtagsrecesses de 
a- U>49 keine Alliance mit jemand oUne ihr Vorwissen, so viel solche 
Länder anginge, schliessen könnte. 

Man gibt aber von Seiten der Oeacralstaaten nicht viel darauf und er- 
klärt es privatim lur unangemesseD, das» die Stünde sicli hieber uud nicht 
aa den Korfurst^n gewendet Imbeu. 



Weimaii und Copes an den Kin-fürsten. Dat. Haag 

3. Juni 1653. 
Dieses ist gewiss, nachdem der spanische Ambaseadeur und der 3. Juni. 
^ neuburgische Abgeorduete so viel Fleisses gegen E. Ch. ü. heimlich 
'und öffentlich angewendet, daes solches die Tractaten mit E. Ch. D. 
um so viel mehr considerabel gemacht habe. 

Die Gesandten halten für gut, jetzt wo der Krieg der Niederlande mit 
Engtaitd entbrannt ist, durclinas nicht auf den Absüliluss 2U drängen, :JOU- 
deru obznwarteu wie der Krieg lauft. 



Weiman und Copen an den Kurfürsten. Dat. Haag 
24. Jiuii 1653. 

[Zur SituBtion. Zuwartende Steliimg uugeratheu.] 
Es lisset sich in diesem Estat alles ziemlich wunderlich an']; 24. Ji^ 
man will Fried mit England, und weil nmn ihn zu sehr will, dürfte 
man ihn uicht wo! erhalten. Geschiehet es nun nicht, so dürfte es 
endlich seltsame \*eräiuderung geben. Auf allen Fall möchte es dem- 
nach das sicherste für £. Ch. D. sein, langsam tractiren zu lasaen 
und langsam zu schliesseu, inmittels aber auf alles ein wachendes 
Auge zu haben. 

Weiman und Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 
I.Juli 1653. 

bellte StimmDugeD im Haag. Oraalsvhe äympatliieu im Volk. Holfnoog aaf 
den Frieden mft Eugl&nd.J 

Ilullond ist iiouli iiumer Kartiekhaltend in dur Altfaneessche. 1. Joli 

Inzwischen lasset es sich zwiüchcn den Regeuten nicht allerdings 

zo beständiger Einigkeit an, sondern es seind die Gemüther ziemlich 

zertheüet. Die Englischen liegen ftir den Hafen, die Equipage gehet 



*) Einen iuteres«anten Ueberblick über die Lagti des Staats in dieser Zeit, 
b«MDdert dit» von Holland, gibt Aitcemu III. p.DOQ: „Hollandt iu oamadit". 



96 



I. Brundeobiirg und die Miederlmiile. 



dagegen fast lan^Bani vun Statten. Das Volk ist schwierig und ruft 
ad geditiunem usque uacb Orange, naek einem Haupte: und denen 
Bok'lieM nicht gefallet, dieselbe steben zweifelhaft und stille und hoffen 
allem Ansehen nach nur auf gute Zeitung von ibreu Abgeordueten 
aus England, damit sie durch Friede, wie er audi sein möchte , die 
Geinüther zur Einigkeit, das Volk von den orani^ehen Gedanken uud 
sich uud ihre Maximen iu yicberbeit wieder bringen niöcbten. 

\Vir'derhi»lte Mabtiutig, hei solchen üiii.-,laiiiieu ilie AlliaiiL-esuche uicht , 
ullitii liringeiiii zu betreiben. 



S, Juli. 



Weiniaii und Copes au den Kurfürsten. Dat. Haag 
8. Jidi 1653. 

[Wachsen dea allgemeinen Hissbebuguns in den Niededandeu.] 
Mait erwartet täglich Nachrichten von den Gesandten in London. 
Iniiiittels häufet sieb das Misstniuen uuter den Provinzen und Re- 
genten, düs Murren des Volkes uud die Ungeduld der Kaufleute nimmt 
zu; und gleiehwie es mäuniglicb zumal fremd uud ungewöhnlich für- ^ 
kömrat, dass die Hafen, welche bis hiehln die Kinnahme fast aller fl 
Welt Reichtbunis und Zeugen so vielfältiger Vidorien gewesen, nun- 
mehr von den Feinden dermassen besetzt sein und bleiben, das» nichts 
heraus oder herein kann, so dürfte an einer grossen Veränderung in 
diesem Estat endlich ein mehrers nicht ermangeln als unangenehme 
Zeitung auH Englaiul. Nämlich werden diejenige, welche durch ge- 
ringe Auzabl Holland und durch Holland die anderen Provinzen füh- 
ren, nicht Fried aus England scharten, oder inzwischen Sieg auf der 
See befechten, so stehet zu befahren, das Volk werde die Regeuten, 
und die Regenten werden etliche wenig unter ihnen auf andere Wege 
bringen. 

Nutiuiiwendung wie im vorigen Schreiben. 



7. Juli, 



Kaiser b'erdiuaiifi lU. au den Kurfürsten. Dat. Regensburg 

7. Juli 1653. 

[KiiiijpriiL'h duB Kuiaers gegen das Bünduiss mit den Niederiaudeii; Torbelialt 
kAJserlicber Enlscbeidung in der jülicli-clevisohen S»cbe.] 

Uurcbleuchtiger hfichgeborner lieher Oheim und riiuiftli-st. Wir 
mögen E. Ld, nicht bergen, dass Un.«» glaubwürdiger Bericht einge- 
langt, wasmasscu zwischen E. Ld. und den General Staaten der Ver- 
einigten Xiedcrlaudischen Provincien ein ganz gelabrliche BUndntss 
2U vermeinter Delcndlrung Ihres präteudirten Rechtens zu den üttUcb 



<J«folir (&r das Eleicli auä ilein uimlerlunilUcU-etigliacbeu Krieg. 



97 



•eben, Cleviachen und Bergiscbeo Laudeii aufgerichtet uud geschlossen 
werden wollte. 

StDtemaleu aber hierdurch Unserer uud des h. Reichs Jurisdiction, 
Autorität uud Gerechtigkeit nicht wenig prUjudicirt, auch andern Prä- 
tendenten zu gedachten Landen zu luihc getreten werden würde, auch 
daraus allerhand Gefahr und Ungelegenheit entätchen könnte: als 
haben Wir als das Überhaupt im Reich aus väterlicher tragender 
Sorgfalt zu des gemeinen Wesens Beruhigung nicht geiibrigt sein 
können, bei E. Lil. dicsfall» gel)lllireiide Erinnerung zu thun, au die- 
selbe freund-, «»heim- und guädiglicb gesiun^nd. Sie wollen von 90- 
thaneni weit augsehendem Vorhahen abstehen und sich ftbberübrter 
BUndniss, da es sich mit derselben vorgebrachter Masseu verhalten 
sollte, wiederum abtliuti uud eutschiagen, sondern sich dem Frieden- 
schluea, als welcher Mass und Ordnung gibt, wie die Jdlich'sche 
S«c©e«8ions9trittigkeitfn vou Uns erlediget werden sollen, auch Ihres 
Ort« geuhtss bezeigeu und bequeuicn. üa» gereicht Uns an E. Ld. 
ueben denie, das» es deui Friedenscblus!^ und des b. Ileicbs Satzungen 
gemäss ist zu äingcnehuieu gnüd. Gefallen, dero Wir mit freuiuloheim- 
Uclieui Willen, Kaigert, liulden uud allem guten wolbeigethan'). 



Der Kurfürst an Kaiser Ferdinand III. Dat. CoUii a. Sp. 

3. Aug. 1653'). 

[£(n]kflndllclie uud «otscliiedeue Antwort des KorfürsteD; die „^erefäbrlichea B&nd- 
QissQ" airid bei der Gegenpartei.] 

ÄUH E. Kais. Miy. au Mich abgelassenen allergnäd. Schreiben de 3. Aag^ 
dot«! ßegensburg am 7. Juli dieses untergeschricbeiien Jahres habe 
ich mit gehöriger Reverenz verlesen uud verstanden . . . etc. {Recapi- 
lalaüou.] 

Ich kann darauf E. Kais. Mftj. zum wahrhatVn Gegenbericht 
unterth. nicht verhalten, dasa ich mir niemalen in Sinn genommen, 
wider E, Kai«. Slaj., da« b. Reich oder auch contra Instrumentum 
Paris einig gefährliches Verhiuduiss zu machen; somleru ich 
verbleibe vielmehr in tcrminis des erwähnten Inslrumentt und suche 
mit den wolgedachten General Staaten das alte Verhttndniss, so meine 



■j Im Haag vai, wie Copee dat. 19/29. Juli voa dort schreibt, eiui; Copie 
dieces kaiserlicbeu Schn-ibpns voriiniideu. AitKenia tll. p. 849 gibt eiaeD Aub- 
sug tlaruu. Zogb'icb suchte dur kttis. ßesideut in Hünibarg D ut tenberg, d«r 
kfXrzlIch uacb dem Hang gvliutuuieii, gegen Abäcbluse derAUtauce zu macbinireD. 

'J Mit ßenolotioa dat. lu, Ang, Itjö,? uii die OeBBndte-u in Regeneborg Mir 
Ueb«rr«icbusg gescbickl. 

. tat Gwcb. lt. Gr. Kurruriicii. IV. ^ 



98 



I. Br&ndfiDburg und die Niederlande, 



raiiipntn Hnntit ■ 



in Gott ruhende Vorfahren mit deiiBelben geliabt, zu Erhaltu 
nacbbarliclier Freunilscbart uud Seeurität, ducli salvo jurameuto, diituit 
ich E. Kais. Maj. und dem h. Keich obstriDgiret hm, bestätigeu zu 
lassen. J 

Zwar liiltte ich gmigsanie Ursach niit-h vorzusehen und zu mciucr 
ConservatJDU, Defensiou und Seeurität eiuige Verblludniss cuw exteris 
zu niacheu; wann vun allen Ei'keu her mir glaul)«iirdiger Berit'ht 
zukommet, samnit wUrdeu von einigen Pi-fiteudeutcn zu den JUlisdieu 
imd Cle\ischeu Landen mir entgegenlaufende VerbthidniijBc contrahiret. 
durch gutliche ('om|K)sition selion sopirfe lites resuscitiret und aller- 
hand Maehinationee wider mich nnterbauet. Allein ich habe da« 
uiitertb. Vertrauen zu E. Kais. Maj., gleich wie dieselbe von gefähr- 
lichen BlUidnissen abzustehen micii allergn. erinnern, Sie werden 
auch also keinem anderu dergleichen weitausseheude Foedera ver^ 
statten und mich bei meinen unstreitigen wolgegrlindeten Rechten m 
obgednehteu etc. Landen sclditzen; gi'stalt ich dann meine Nothdurft 
im ordentlichen Procees suche; und werden E. Kais. Maj. bei Nach- 
sehuug dereu Acten allergnüd. befinden, dass es nicht auf meiner, 
eonderu auf meines (JegeutheiJa Seiten ermangeln thue. E. Kais. Maj 
thue ich hiermit in deu Schutz etc. 



1 



Dfr Kiirfüi'st ati Heraog August zu Braunschweig- Wolfen- 

büttel Dat. Colin a. Sp. 5, Juli 1G53. 

(Concept von 0. v. Schwerin.) 

[Hiaweigong auf dir Gefulir für das Ratdi iii dem jutüigen ntederländjaeh-engli- 
schen Krieg. AntTurderaDg jm geniRtneatnea Hfiearegela.] 

"16. Juli. Wir stehen ausser allem Zweifel, es werden E. Ld. albereit mit 

sonderbarem Nachdenken dem Ihr beiwohuendeu hulieu Verstände 
nach erwogen haben, was für ein weitausseh eu des Werk aus dem 
zwischen den Vereinigten Niederlanden luul der jetzo in Engeland das 
Regiment führenden Cr um well i sehen Partei entstandenen Kriegsfeuer 
zu werden beginne, und wie hochnacbtheilig dem ganzen Römischen 
Reiche s«iu würde, wann besagte eugelische Partei durch Gottes Ver- 
häugnisB mit fernerem Snccrss nider gedachte Vereinigte Niederlän- 
dische Pnnincieu ujterireu und mit so nachdrücklicher Macht in sel- 
bigen Landen ansetzen und festen Stand fassen sollte. 

Alldieweil Wir nun Unsere Orts jederzeit daftir gehalten und in 
den festen Gedauken gestanden, dass die ChnrfiSrsten und Stande 
de» Reichs und zuvorderst die nSchst benachbarten in Consideratiou 
ihres Interesse und der allgemeinen Reichs- uud LaudcswoUahrt iwcb 



I 

I 

I 
1 




I Bti»prach d. Eitisers gegeo il. niederl, AHiaDCe. Zaräckweisnng deaselben. 0^ 

Möglichkeit zu verhüten lätten, dasa dieser Status, als welcher bis- 
kero eine Voniiauer des h. Reichs dergestalt gewesen, dass von sel- 
biger Seiten her kein ausländischer Potentat ihm die Impression machen 
B, etwas liaujitsächliehes darwider zn tentiren, zu keiner Ruin ge- 
nulge: so haben Wir keines We^es umgeheu können, mit E. Ld. 
in freundfihuilichcni guten Vertrauen daraus zu conirouniciren. Dieselbe 
iiierbd gebührend erauchende. Sie wollen Belieben tragen, Cns dero 
iwoUnftige« Judicium und Gutachten darüber zu eröffnen und zn be- 
rictlen. wie Sie etwa vermeinen, dass mehrgedachtem Statui der 
Vereiuigten Provineien bei dieser andrijjgenden nicht geringschätzigen 
Uefahr succurriret und .... conserviret bleiben möge. Sn wollen Wir 
Dach BcHnden, so viel an Uns, das ünserige gern darzu thun und an 
ütuwrer Cooperation nichts ermangeln lassen. 

Gleiclilautfud au Herzng Christian Ltiilwig v. Braunschweig-CellCj 
Hctiag Ueorg Wilhelm v. Uatuiuver, Laiidgriil' Wilhelm t. Hesüeo. 



Job. L'opes an den Kiufüi-steii. Dat. Haag 19/29. JiiJi 1653. 
(Ajptation fiir Or&nten; die BefchJahaberstelleu zu Wusser nad Laiidu,] 

Eb haben die Herrn Staaten von Zeelaud ihren hie anwesenden 29. Julfi 
Ue|mtirten gar ernsthaft mgeschrieben . sie gullten ehestes Tages der 
(»eneralität vortragen, wie hochnötig es wiire, den Prinzen von 
[Oranien zum Capiteinen, Geueraln und Admiralu an7.u6tel)en und die 
^f meine damit in Oehorsani zu hallen, auch die Ätliauce zwischen 
E- Ch. Ü. und diesem Estat völlig zu schliessen. 

Weil nun selbige Provinz des Lieutenants Generals keine Meldung 
*h«t, wird vennuihet. liass Holland dazu wird verstehen kOuuen, mit 
diesem Beding, dass die Sachen m Wasser dem Lieut. Adniiratn 
'rf«>ui|i und die Soldutesca zu Laude dem Herrn v. Brederode 
•uitergeben blicbea. Die Übrigen Proviucien werden Immer dem 
^fiflien von Uranien Beifall geben; über des General Lieutenants 
^int aber könnten starke Dissensiones lallen, die uiau jetzo zwar nil 
Wiueiuet zu regen, heraacher aber durch eins oder anderes Tempe- 
"«uentuin wegzunehmen. — 

Neue !>tarke Ril^tut^gell zur See. 



iJauiel Weiuiaii an den Kuifürsteii. Dat. Haag 5. Aug. 1653. 

lAudaavmde Aboeigruug van Holkud gegen die Atltunce: itetes Hioblicketi UROh 

Etiglaad.J 

Hollttod bat seine Erklärung über die Alliimee uoch iiumfi* ujfbt abge- 5. Aug 
C^l>ea, verspricht m aber vuu Tag zu Tag. 



I* 



100 



I. Bracdenhiirg nott die NieilerlBD^e. 



Wenn'a aber gar zu lang wird, luUssen wirs einen Weg wie deti 
andern dafltr hatten, diese Verzögerung reflectire noch iiuuier anf die 
englischen Tractaten; wovon man doch auch annoch nichts anders 
BcWiesiBeu kann, als daes eie Crom well wenig zu Herzen gehen und 
ins Ende entweder auf gefährliche Conditiones oder wol gar zu nichts 
au88chlagen mtJehten. 

Oewisslich an hol) Sndi scher Seite ists ein solcher Ernst, dass sie 
das geringste nicht thuu wollen, woran uum sicli in England i«t<issen 
möchte; und daher durfte es kommen, dass man von Election des 
Prinzen von Orange zum Capitein General iiiehtÄ hören will, \vie- 
wol Seeland sehr drauf dringet, dasH man den König von England 
nicht will lassen hieher kommen, wiewnl Se. Maj. siehs fürgenommen, 
und also vielleicht auch, dasa man mit E. Gl. D. zum Schlüsse nicht 
will, weiln ihres Redltnkens solches in Anaehen des Hauses von 
Orange die Sache auch afficiren möchte. — 



Joh, Copes an den Kni'fiirstoii. Dat. Haag 2/12. Aug. 1653. 

[Straaaenkrawalic im ITan^ und oranische Demoiigtratlonen.] 
"Aug. Es seind die Jllngsfe abf^ewichene fitnf ad sechs Tage hieselhsten 

in grosser Confusiou zuhradit, indcme am 7. hujus des Ahends spät 
die Prineesse Royale mit ihrem Sohne, dem jungen Prinzen von 
Oragnien, im Hagen einkommen und ein ziemlicher Anzahl kleiner 
Jungen dem Prinzen am folgenden Tag mit Oragnien Feldzeichen, so 
von Papier gemacht, am Vorliofe udt ihren Trouimen und ein Trom- 
pete congratulirt ; der holländische Advoeatus Fisci aber mit eigener 
Hand die Trompet weggenommen und etlichen die Oragnie Feldzeichen 
abgerissen hat; und darüber seihige Jungen nebeust etlichen Frauen 
gich zusammen gerottet, des Fiscali Haus mit Steine attacqniret und 
wann nit die Reuter ufgesessen und ßie behindert, ausgeplimdert 
haben sollten. Des Abends ward dieser Ufl'lauf stärker, und ehe 
mans innen werden konnte, \vurfen sie dem neuen Kathspensionaris 
de Witte seine Fenster ein uud hernach denen von Amsterdam und 
dem Procnratori Fisci und gaben sich in Ruhe, weiln anstund 6 Com- 
pagnien Pferden liiehin gefordert und etliche Comiiagnieu BHrger die 
Nachtwache hielten, eo dass keitie fernere Com motion entstanden; nur 
dase die Bürger ebensuwol als die Jungen Vive Oragnien gernlen 
nnd man der Bürgerschaft die alten oragnische Fäbudel hat wieder 
gehen mUssen. — 



I 



OnuiiMhi) netnunstratioBen im Huag. Stockua der Allianceverhaiidltuig. ]0{ 

Weiman u. Copes an den Kiu'fürste;i. Dat. Haag 19. Aug. 1653. 

fTvrgviiva der der AUUtucv gttuuigtuD Pturtui. ZarücUialieudu« Aarireten der 
brandenburgischen Geaandtea] 

Die von Seeland seind iiujetzt bereits versammlet. Gelderland 19. 
al)er wird am 21. Aug. Laudtag halten, und werden dieselben, wie 
man uns berichtet, uocbtnal heständig resoMren und festfitellen, tnaa 
tnUs&e (lolland quocunque modo zu Beschliessung der Allianz mit 
E. eil. D. disponircn. 

Wenn wir nun das Werk dabin crmessen, es sei ratbeain, solcbea 
fUrgeUen zu lassen und zu geben, ivic weit die von Holland darauf 
reflectircn werden, 8(» verbeißen wir, E. Cb. D. werde es uicbt miss- 
(alleu, dasg wir immer nocb leise geUeu; denn solchen Falls, wenn 
gleich auch endlich aus dem Werke gar nichts weiden möchte, 
E. Cb. D. in dem Ansehen verbleiben, dass Sie um die Allianz nicht 
aogesachet, sondern angeauchet worden seind. — 

In den DäL-bAt«n Monaten bleibt die .Aogelegenbeit tu der nämlichen 
Situutiou. uhae d&yf bruudeubiu'g. Se^its auf Abschlass gedrungen wird. 

Uc'btT die Ailiancc /wisulieu UÖlu und den G. St. wird auch immer 
weiter gt'baudeU, doch uhue wegentlichi^u Furtgang, von dem Hinzutritt 
Brandenburg» in das Biiiidm'ss mit Cöln ist wenig mehr die Rtde. 

Dagegen soll eine abdonderliche Defensionsvcrlassoug zwischen den 
G. 8t. und Knrcöln fiir das Stift Lüttich zu Stande kommen. Der Kur- 
fbriit weist aeiut^ (jeüundten au, nichts dergleichen zu Stand konmieu za 
Uiteeo, ohne daüs er hinzugczugt;u wird. 



I>er Ktirlürst an Wejraan und Copes, Dat. CöUn a. Sp. 

7. Nov. 1653. 

!^<)eiikljche9 Auftroteu der Kntbolischeu anf dem Kreittog zu Esaen. Eraene- 

'^g d»r AUiuuceverhttudlutigen. Eiuecblnsa andrer evongeliacher äUinde. Kin- 

fctiliiga der geaummteu brnndeulturgischen Lande.] 

DtT Kreisittg iu Essen') ist suspendnrt worden, aber mit Abfassung 17. 
'üie» Reeewaea, worm u. u. der Herr v, Raoschenberg zum Krei&obersten 
''•'Ngiiirt worden ist. Auiiscrdcm haben die Katbolisclieu dort in Wider- 
*I"^t-*h mit dem In?t. Pac. den Eraugeli^chen die „l'aritÄt in adjunctioue 
""«ciaiinm» geweigert. 

All dae> und andres i^t sehr bedenklich für die EvaugeUschen. liran- 
'**nbürg soll gegto den ausdrücklichen Inhalt de» Vergleichs von IWT 
*utt der Coudirectiou des Kjfistag« aufcgeschlosoea wcrdeu, und lum Kreig- 



') Ueber dioseo westfälischen Kreistag s, uiberes in einem späteren Ab* 
.^pAWtj. 



102 



T. Brandenbarg and die Niederlande. 



obersten will man einen Mann ernennen, ^welcher in wirklichen neuburgischen 
Diensten sieh befindet, dem Haujie Oesterreich alleiiia! ganz lest angehangen, 
und über das wider die Evangelischen allemal eine sonderbare Bitterkeit 
verspüren lassen." Mit Brannschweig und der sehwediFchen Regiernng ist 
man deshalb bereitf* in Verbindung getreten. 

Wenn Wir aber couaideriren, dass die Herren Staaten wegen der 
nahen Nachbarschaft und zumaln anjetzo bei ihrem aiiswäitigen Kriege M 
bei diesem Werk nicht allein sehr hoch interessiret, wie sie denn ' 
solches alljereit hochveniUuftig begriffen haben, besondern auch diesein 
Werk viel leichter und ehe begegnet werden kfinnte, wenn die zwischen ■ 
Uns und den Herrn Staaten hiebevnrn projectirte Alliance zu ihrer 
Perfecüon gebracht werden möchte : 90 haben Wir Euch hieniit in 
gnäd. Befehl auftragen wollen, mit den Contidentesten , oder die iaf 
dieser Alliance Hache cnniiuittiret sein, vertraulich zu reden, obiges 

alles ihnen wol zu renionstriren etc Und weil sie allemal 

darauf bestanden, diiss sie nicht mit Uns allein, besoudeni lieber 
mit allen Evangelischen zugleich in Btlndniss treten wollten, eo kdnnt 
Ihr ihnen dabei zu verstehen geben, daes Uns solches gleichergeetalt 

lieb und angcnehiu sein swUte Wobei Ihr auch dieses wol 

erinnern könnet, dass nicht zu hoffen, alle evangelische Chur- und 
fürstliche Häuser zu dieser Alliance zu bringe», weil ein Theil ans 
gewissen Respeeten sich fast melir auf die Kathiilische sttttzeten. 
daher gleiehergestalt wol von Köthen zu wissen, auf welche Häu»e: 
sie hierin reflectiren. 

Wir wissen Uns auch noch zu erinnern, dass die Herren Staaten 
hiebevorn nicht alle Unsere Lande in dieser Alliance heschliessen 
wollen. Weil solches aber wegen der Zwiespalt mit der Krön Schwe- 
den geschehen, solche aber numehr nicht allein ganz bcigeleget, 
beaondeni Wir auch mit derselben in vollkommenem guten Verständ- 



d 



niss leben . . 
bestehen. — 



so hoffen Wir, man werde darauf nun nicht weiter 



Weiman u. Copes an den Kin-fürsten. Dat. Haag 18. Nov. 1653. 

[Couferenz tiher die tiiedecliindiach- coinischo Alliant;«. Die Generalstaaten ent- 

Bobuldigeu, dass sie mit Cöjn steh in eine Defeuiivverfasanng ohne Znratb von 

BraDdeabarg einzulasBen in Begriff stehen, Aiieicht Weiman's.] 

18. Nov. Am verwichenen II. Nov. wurden Wir ersuchetj mit zweien aus 

dem Mittel der Staaten General in Conferenz zu treten. Wir thale 

solches am gewöhnlichen Orte und trug uns der Herr Schoock ai 

Gelderland und darbei auch der Herr Kipperda aus Overyssel nac 

der Länge tllr: wasnmssen dieser Estat nun von etlichen Tagen heru 



I 



US 



I>ef«n«iVbaD<! Kwi«cheD <äen Staaten ttnd Knreöln. 




103 



mit einigen Abgeordneten Sr. Cli. D. zu Co In getractiret , wie man 
letwa gegen alle tein<llitbe Invasiunes eine Defensionsverfasaung ein- 
Igthen und ios Werk stellen uiöebte (Beilage: Projeet einer niederlän- 
'diich-crtlnischi'H AUiancc, von den cölner Gesanilteii eilige j^eben) ') ... 
wie maB aber dieselbe Ueniaehnials extendireu möchte vermittelst 
Miteingchliessung; anderer Puteutateo, Churftlrsteii und Stände, sonder- 
M des we8ti)hälischen Kreises, also daas daraus eine Tollstäadige 
liigue irtiarautie und Allianz werden könnte. 

Wenn nun I. H. M. darbei erwogen hätten, dase sie bei solchen 

and dergleichen Tractateu billig fUmfhnilieh auf E. Ch. D. als einen 

»Iten Buiidesgetioaseu ihr Absehen dergestalt m machen hätten, daes 

Be ohne dero Hinzuziehung nnd Miteinratben nichts beachliessen 

FinScbtea, go wäre zwar nicht i»hne, was die Ligue guarantie angiuge, 

liarnnter würden sie nichts thun oder fdrnehmeu, es wäre denn mit 

iCutlindeu E. Ch. D., als die sie immerfort dabei principaliter und 

»^die einige Versicherung unter so vielen verdächtigen Freunden 

onsideriren wllrden; ersucbeleu uns auch zugleich , wir möchten 

Ktk'bes E. Ch. D. unterth. bekannt machen, 

Was aber die etwanliehe Defensiousverfassung beträfe, da wünacli- 

tn sie, ee wäre noch so viel Zeit Übrig, das« man auch darunter, 

he etwa« gesehlosiieu würde. E. Ch. D. zusehreiben und dero guäd. 

ileiuuug fUglich einholen könnte. Wenn aber die Noth tllr der Thür 

und ptriculum in mora wäre (denn mau vernähme, das« die lothrin- 

giMhe und andere lYupiien in Anzug nach der Mase schon begriffenj, 

» würden sie mit Chur-Cöln als Prinzen von Lüttich deswegen ä part 

etwa« schliessen mtlseen und wollten 1. H. M. nicht zweifeln, E. Ch. D. 

worden »ich solches, nach so bewandten Sachen, nicht zuwider sein 

Itasen, sondern bochvernllnftig erwitgen, dass man allem Unwesen in 

dtea SU begegnen für diesmal nicht anders thun können. 

Die C.J. St. lareei) Tielmehr den Kurfürsten bitten, auch seine Oefen- 
üDsmiiicl mit deu ihrigen zu Tcrbindeu aiid wtTfäe man für die Wahl 
liücf UbfTauführers ^llrgeII, den^eii Person dem Kurfürsten nicht zu- 
wider Ware. 

Die Sache itt bereits bei deu Ü. St. eingebracht — uur Holland 
►idtniireln noch dem Abschluss uud mau meiut, es will auch diese Auge- 
K^nheit hinuns ziehen, biü Cb sieht, wie die cnglisctiea Troctaten ablaufen. 

Und weil wir apprchcndireu, es milchte E. Ch. D. nicht aller- 
g« angeuebni sein, dass man alhier mit Chur-Cöln fast in einem 
lugenblick tractirct und sehleusset, da man E. Ch. D. doch so lange 



') Abgedniclrt hei Aitzema Ul. p. $60. 



104 



r Branilpn^tnri; nriil die Niedprlande. 



I 



aiifgehalten und wenn ein Sfilches Pntvisiouale würde flarnach 
den Kreti« und eonsten geextendiret werden, dass Clmr-Cöln fllr 
Haupt und primario, E, Ch. D. nur sccundarirj oder acccHSorie möch- 
ten consideriret werden; so «iiöt-hte unseres unterth. Bedenkens e« 
wol 811 gar undienHch nicht «ei«, dum aueh dieserwegen nichts be- 
schlossen wtlrd. Auf allen Fall aber werden es die WüIaSFeetionirte 
wol dahin richten, wenn dennoch der Sehlnss ei*foIgen tnftchte, dag« 
Chur-Cölne Dchl. daraus kein sonderlich Vortheil oder Vorrecht sich 
bei weiterer FTandlung würde anmassen kJInnen, sondem dass Sie 
genugsam verspüren mögen, dass dieser Estat immerfort das alte und 
grosse Vertrauen zu E. Ch. D. setze. ^ 

In einer Epätoren Conferenz schlägt Eurcöln als aDfEanehmende Mit- 
glieder der Defensionsverfas.'Jimg noch vor; Kurmainz, Kurtrior, Würtem 
berg, Bisi'hof vtm Münster, Abt von t'orneliniüuster, Abt von Stabl'i u. a. 
Er stellt aneh He^sen-Caesel in Aufsicht. Auf Pfftlz-Neuburg ist nicht zn 
reebnen, da er »ich mit Spanien and Lothringen rereinigt hat. 



1 



Job. Copes an den Ktirfm*sten. Dat. Haag 13/23. Dec. 1653, 

[Die Gefalu- <1it knrciiliii sehen Alliancepläiie fiir Brandenburg-,] M 

Dec. Ich niuss auch E. Ch. D. unterth. berichten, d,is8 der pfalz- " 
neuburgisehe Resident hieeelbaten. der von Grujthuysen, sich hei 
seinen Confidenten, sonderlichen denen der pfibstischen Keligion ver- 
merken lassen, dass dieses der Weg wäre, E. Ch. U. aller Allianeen 
zu entblössen nnd dass er verhoffete, die geistliche Churftlrsten, nebeus 
denen von Lnttieh und Münster wtlrdcn dieses Defensionswerk mit 
dieseru Estat bo feste stellen, dass, wenn E, Ch. D. nit bald einkämen, 
Bundern das Werk in Bedenken ziehen nder uff Einschlicssung seiner 
andern Chur- und FHrstenthumeu bestehen wollten, sie einseitig und 
absunderlichen schliessen und also E. Ch. D. hinfllrter daraus h*l- 
ten sollen. M 

Deme dann der Liittichsehcn Dc]»itirten einer in selbigem Privat- 
discursn Beifall getban und schlugen flir, sie mllsstcn dazu eine zu- 
verlässige Präsidentschaft in der Generalität wahniehnien; und wäre 
der clevischen und juliehschen Stände Iteputirten Intention zu Hegens- J 
bürg uf gleichen Fuss gerichtet, E. Ch. D. bei I. Kais. Maj. in selbigen " 
Stand zu bringen, dass Sie in dero cle\*i8chen und angehörigen Lau- 
den keine Macht haben, suuclern alles von dannen aus gouverniren 
mUssten. Der Herzog von Neuburg wäre der einzige, so bei I. Kais. 
Maj. in Achtung wäre und dessen Allianzen mit Chur-Ciiln und Chur- 
Sachseu prävalirten deine, was E. Ch, D, derends begehren möchten. 



Defensivhand «wichen den Staftten nnd Knrcöln. 



lOf 



Dtr Kurfürttt an Joh. Copes dat. Cnlln n, Sp. 20, Pebr 1664. 

Bei den jetzigen Einralieii der Truppen des Rery.ogp von hnthrlnuen in 

dto Stilt Liittich soll Copes „die Besclileunigiing der Alliuiice mit C'hur- 

' Wli) ond deo Herren Generalstaaten sich mit allem Fleiss angelegen sein 

en"; zugleicb soll er unter der Hand erkunden, ob aneh die L-levi8chi.«n 

sich für den Fall eines AngriflV bulländiscJuT Hilfe in verseben 

rillltt?a. (Vergi. hierzu tinten den Abuchnitt über den Reichstag tu Re- 

' f (Bsbnrg.) 



[Stattbaiter und geheime Riithe von Cleve an den Kurfürsten. 
•Dat. Cleve 3. Febr. Ifi.'i4. 
(ünterz. allein Joh. Moriz v. Nassau; auf der Adresse; „zu eigenen 

Händen".) 

[Gstachten über Ailiaiiceu. Die mit Enrcölß wird verwürfen. Mit den General- 

btluIeD allein tüT die cleviücheii Laude ist sie unnütbig, wuii die GeoeralstA«ten 

|loi]8t ecboD zu deren .Schutz verpflichtet sind. Das beste eine Verbindung des 

güDzen westfätiscben Kreigea.J 

E. Ch. D. hat »ich gnäd. gefallen lassen, in einem am 27. Dec. 1854- 
165.? gegebenen Postseripto unsere unterth. Gndanken über einer 3- ''^'^'■• 
Alliauz, wovon zwischen Chur-Cfiln und den Herreu Oeneral Staaten 
der Vereinigten Niederlande gehandelt, und zu welcher auch E. Cb. D, 
T(>n beiden Theilen ersuchet wurde, zu fordern und uns zugleich gnäd. 
,ID befehlen, dass wir hieraus mit den hieeigen Landständen, weil e» 
ch E. Ch. D. Orts Cleve und Mark betreffen würde, vertranlich 
den sollten. 
Xun würde diesfalls die Frage zweierlei sein; Erstlich, ob E. Ch. D. 
I>ch von wegen dieser Ihrer Lande in eine gesamuite Allianz mit 
bur-CölB und den Vereinigten Niederlanden, oder aber nur vor eich 
fÖMeiäg mit deneelben Niederlanden in eine solche Verbflndnies ein- 
tdlassen hätte. 

Bei dem ersten Falle wäre zu bedenken, dass Chur-Cfiln. eigent- 
von der Bache zu reden, dergleichen Allianz vor dieHnial nur 
um Bochet, damit sich S. Ch. D. im 8tift Ltittich der r>othringii*cben 
kehren möge. Lothringen aber ist jetzo des Königs von Hispanien 
Wilgenoss, führet den Krieg zu desselben Nutz und Besten, gebratieht 
rh auch eben jetzo des hispanischen starken Beistand«., in gedachtem 
mit Irewalt Quartier zu nehmen, also dass diesfalls neben einein 
't'ltgroll, der mit darunter laufen wag, vornehmlich das hispaniwh«^ 
der Hauptzweck des lothringischen jetzigen Thuns und 
ist DerwcgcD auch die Herren General Staaten bishcro so 
rarSeUialten . ehe sie sieh in die Cöluische gesuchte Allianz 



156 



I. Branflenhnrp nml die JÜederlaiide. 



vertiefen, daiuit sie nicht etwa mit Hispanien selbat darüber zerfallen 
inöcliten. 

Wann aun der Herzog von Lothringen ivtlrde innen werden, dass 
E. Ch. D. sieb in eine absouderliche Allianz wider S. Dclil. eingelassen 
oder auch nur davon traetiret hätte, eo wtlrde S. Dchl. Ihrer bekann- 
ten Art nach gewiss nicht unterlaasen, sich an hiesigen Landen zu 
rächen, zu gesehweigen, wie dasselbe zu Brßssel und in Hispaniea 
selbst wtlrde aufgenommon werden. 

Wäre es aber Sache, dass der ganze weatphälische Kreis eich in 
eine Defensionsverfassung wider mänuiglich stellete, auch zu einem 
ebeuniässif en Ende mit den Herrn General Staaten in einige Verbind- 
niss trete, alsdann würde es an Seiten E. Ch. D. als eines vornehmen 
Kreifistandes auch kein Bedenken haben können; jedoch dergestalt, 
dase. man dieselbe mit der ungereimten üweifelhaftigkeit Ihrer Session 
und Vüti auf den Kreistagen allerdiugs verschonete. 

Und gehet demnach unser gehorsamstes uuvorgreifliches Gutachten 
dahin, es sei E. Ch. U. nicht ratbsam, sich in berührte gesanimte 
Allianz einzulassen. 

So viel dann vor's zweite eine besondere Allianz zwischen E. Ch. D. 
und den Herren Geuei-al Rtaateu anlauget, wird E, Ch. D. sich gnäd. 
entsinnen, wasmassen die Herren Oeueral Staaten in dem Anno IG36 
am 4. iSept. getroffenen Vergleich laut hierbei liegenden Extracts an- 
gelobet, daes sie E. Ch. Ü. iu Ihren elevisehen und angehdrigea 
Landen gegen männiglich, so viel ihr Staat wird leiden können, con- 
serviren und tnanuteniren helfen und ob Jemand dieselbe Lande mit 
Invasion oder auf andere Mauier beschweren würde, dagegen die 
hülfliche Hand nachbarlich bieten sollen'). 

Gleich wie nun E. Ch. I). durch diese .\ngelobung der Herren 
General Staaten alles dasjenige, was E. Ch. D. durch eine neue 
Allianz von ihnen dieser Laude halber erlangen künnte, schon vor 
sich haben, und zwar solch ergcsüilt, dass E. Ch. D, mit keinen 
Gegenleistungen hinwiederum beschweret werden: also wollte uns 
bedUnken, es wlirdc diesfalls keiner auderwärtlichen Verbindniss mit 
den Herren G. St. von NUthen, sondern rathsainer und genugsam 
sein, da.s8 E. Ch. Ü, sich an besagte Angelobung fest hielte und deren 
nach vorfallenden Begcbenheiteu zu dieser Ihrer Laude Bestem ge- 
brauchte. 

Zu welchem Ende, unsers uuterth. Ermessens, sehr dienlich sein 



I 
I 



*} Tgl. oben Einleitnog p. 13. 



Job. Murttz V. Nassan über die ^lliaace. 



107 



witrde, da £. Ch. D. geliebte, einmal vor alle eiuen sonderbaren gnäd. j 

Befelil an una des Inhalt« ergehen zu lassen, dass wir iu Kraft an- 1 

gczngeoer Staatiseber Angelobiing bei allen Vorfallen , da wir BolchcB " 

Qöthtg achten würden, 1, Hochniög. nicht allein uui Hilf und Beistand * 

zu ersuchen, somlern uns auch deaaelbcn wirklich zu gebratifben j 

haben sollten. I 

Wir werden zwar auch nicht umgehen, die .Aufrichtung eine» I 

Aiisechueses de« Landvolkes in .\cht zu nehmen, aber wie E. Ch. D. 1 

gtäA. erachten kann, will sich darauf wenig zu verlassen sein, be- 1 

Torab weil sie über die Grenzen auch nicht zu folgen pflegen. ] 

Von diesen AllianzgachcD haben wir auch E. Ch. D. gnäd. Befehl J 

zu Folge mit den vertrautesten der jetzo alhior wegen Execution des I 

jtlDg^ten Landtagssohlusses anwesenden Deputirt^n der Stände in ge- I 

beim geredet, welche aber nicht vor rathsaiu ermessen, den Land- 1 

sULoden etwas v<in einer besonderer Allianz mit einem oder anderen i 

b«oachbaiten Potentaten vorzubringen; sintemal sie darzu gar nicht I 

gesioDet; aber wenn sich der ganze westphälische Kreis zusammen ^ 
Terbunden, alsdann üjres Orts ganz willig sein würden. — ^^ 

Weiman an den Kurlursten. Dat. Haag 12. Mai l(j54. 1 

[I>ie 8tA«teo von HuUuud beschiiessen die Seclustoiigacte gegcD dtia Huiib Ors- I 

Bi«ii. Groinweil der angebliche Urheber davon. Groeee Aufregitug dariiber. I 

OtKULRCber Frutest dtigugen; die l4etiurnlstaateD aehineti ihn an: Holland mase ^H 

eiDlenkeu.] ^H 

Vergebliche Verhftndluugen mit der Prineess Royal über die Tutel- 1 

■ngelegenheit. I 

Inmittelst gehe ich billig nicht vorbei, weiln es den fürstlichen 1 2. Mali 

Pnpillani betrifft, dass die verwichenen Tage, und zwar etwa den 2., 1 

3. md 4. laufenden Monats, bei den Staaten von Holhind in gnissem ' 

^heint und nachdem von allen und jedem jnsbesnuder das juramen- J 

tani silcntii abgeleget, ist in Deliberation gebracht und beschhtssen I 

worden, man sollte oder wollte den Prinz von Uranien zu keinen 1 

leiten hinJ^ro zu einigen hohen Aemtern, Charge« und Diguitäten 1 

''«minen oder gelangen lassen. Man vernahm darbei, dass solcher J 

^^\n»ii per majora und da fast das halbe Theil der StSdle, als 1 

^»rtehi, Leydcn, Schonhoven, Edani, Gonda. Alkmar, I 

^"khuj-aen und Hörn, theils nicht gei<tininiot, thcils dissentiret. I 

8*ooinraen und am Dienstage frflhe per exprcseum nach England I 

"'»•'r^andt worden. In der Kitterschal't sollen der von Beverwerd, 1 

Tun der Deess, Wartnond, Wiramenum und Suhagen gleichfalls I 
■olctkem Condusum widersprochen haben. ^J 



108 



I. Brondeoburg und die Niederluade. 



Die Ursach und Motiven aber, waruui man zu einein eolchen iin 
billigen und schändliclien Werke grckouimcn, sagen sie, bestehe darin, 
das» Crom well zu kciuciu Friedeu oder desgeu Publication verstehen 
wollen, es sei denn, das» mm wenigsten Holland einen solchen 
SchlusB nehmen und ihn dessen gnugsani versichern würde. Lumittelst 
kam die Ratification vidlkonimlieli und ausdiiickliche Botsichaft aus^ 
England ein, dass der Fried am 4. Mai bereits zn London w^re " 
publieiret worden, und männi^lich nahm also vorerwähnte Motiv mehr 
für einen Prätext als Wahrheit. Das Volk fing darauf an heftig au 
murren; die andern Provinzen bezeigeten einen grossen Widerwillen, 
alle Gemüther ächicklcn sich fast zu Extremitäten; und als Friesland 
und Groningen bei der Generalität eine zumal herbe dol^auee darüber 
folgende tllhreteu und alles wider Holland rief, dass es öffentlich 
wider die Uniim, iudirecte gegen die insgemein beschlossene Fricdens- 
artikul ohne Noth, ohne Grund verfahren und gehandelt, dass die 
ÄmbassadeuTB zur Rede zu. stellen, warum sie von einem solchen 
Werke nichts au die Generalität berichtet .... Seeland insbesonder 
protestirte, dass Holland wider die besondere Coucordate, welche sie 
unter einander hätten, gethau: so hatte I. Höh. mit des Herrn Statt- 
halters von Friesland Exe. ') überleget, was die Vonuundschaft bei 
einem solchen Werke et^va zu thun haben möchte. 

Das Resultat der ÜiTathuDg: ist, daüs ein Memoire aufgesetjtt wird, 
welches der Geaeraliiat, sowie deu Staaten von Holland übergeben wird. 

Die Generalität hat es heftig zu Gemttthe genommen und als- 
fortens beschlossen, man sollte das Werk an die respective Provinzen 
gelangen lassen, um sich deren Bescheids zu erholen. Holland hat 
»ich darüber höchlich hestürzet befunden, und weilu sie inlquitatem 
facti allerends erkcunen und bekennen müssen und iuniittelst wol 
sehen, was Händel daraus entstehen können, so haben sie geresolviret, 
man solle allen Fleiss anwenden, imi die Resolution wieder einzu- 
ziehen, auch Crom well dahin zu bewegen, dass er ihme solches nicht 
wolle lassen zuwider sein; inmassen sie denn alsfortens zwei Expressen 
nach London abgcfertiget mit ernsthaftem Befehl an ihre Abgesandten, 
dass dieselbe die Resolutiim nicht extradireu, wo sie noch in ihren 
Händen wäre, oder sonst auch alle mi)gliche Devoiren thuu sollen* 

um derselben sieh wieder zu bemäclitigen Der Rsvth PensiouarinSj 

de Witt hat solelies 1. Hob, auch bekannt gemacht. — 



I 



n 

I 



'} ü. b. die verwitwet« Friucdssiii Amalie t. Orauien mit dem Priuzen 
Wilhelm Friedrich v. Nussaii-Dietz , der Statthalter von Friealand uiid mit 
der zweiten Tochter der Priacesöin vennäblt, also Schwager des Kurfüreten war. 



Die ,^cte ran Seclnaie" 



109 



Der Kurfürst an die General Staaten. Dat. Cälln a. Sp. 



des 



8. Mai 1654. 

die „Acte van Ji 



des 






Kurfürsten ^^en die „Acte van JiBclnsie"; Verdienste 
sehen HansPB, ÄufTordeninpr t)ie Heclogioa zn annulliren.] 

Wir haben zu unterscliiedlicbeu Malen durch einkommende Be- la Mai. 
richte vemammen, wie dass in dem zwischen den Niederländischen 
Cnirten Provincien und den En^'lUmlern bisliero vorgewesenen Frie- 
deimtmctateii einige zw des Junten Prinzen zu Uranien und dessen 
Uauaes Pntjudiz und Naohtheil gereichende Articul von einige«, wie- 
wol wider E. Huebmög. WisHCu und Willen, beliebet worden. Oh Wir 
nun wol nuB vielen Ursachen und Bevvejjnisscn gänzlich davor halten, 
E. Hochuifig. werden nichts, was xu hochgemelten Prinzens und dessen 
fttrstl. Hauses Nachtheil augesehen, verstatteu, so ist uns dennoch 
aottzo vor gewiss hiuterbracht. welchergestalt von einem und andern 
so %veit gegangen, dass ilurch einen secreten Articul vtirgedachten 
EDglSnderu versprochen, "den jungen Prinzen zu Uranien neben 
seiner Posterität \*on allen Benefteien, Prilrogutiven und Chargen, so 
ne löblichen VnrfaJiren in den Niederländischen Unirteu Provincien 
rcb dern tapfere und heroische Thafen erlanget uud bishero .... 
»o rlihnilieh administriret, m entsetzen und auszuschlieasen. Welches 
wie es jedermänniglichen sehr befrcnid vorkommen, alsu ist solches 
Cns soivol wegen der nahen .\nvenvandtni.ss als uhJtegeuden Tutel 
dieses ftlrstlichen Pupillen desto tiefer zu Oemlith gegangen; insonder- 
heit wenn Wir bei Uns überlegen und betrachten die grosse Wol- 
thaten, so dieses Pinnzcn Vorfahren ImchrHhnd. Gedilcbtnias den 
Nietlerländischen Provincien erwiesen, au« was bedrUngtein desperaten 
und verlassenem Zustande sie selbige mit Vergicssung ihres Bluta,' 
Darsetzung Leibes und Lebens, auch williger Darreichung ihres eigenen 
fruls rermittelst unüberwindlicher Stand haftigkeit in so grosse Sicher- 
heit. Rohe und Öorirenden tStaat, welches sowol von Feinden als 
Freunden bekannt werden niuss, nächst göttlicher Hlllfe gesetzet und 

hefestiget 

Weil Wir nun der gewissen Hoffnung sein, ca werden E. Hochniög. 
nicbl weniger dann Ihre Vorfahren dieses fllrstl. Hauses grosse 
Äcritctj um den Staat eonsideriren und ein besonderes Missfallen aas 
«üpifti wider selbiges gefllhrten Proceduren emiifangen und sothane 
Ewlttsion und Hintansetzung ("llr der ganzen Welt und Posterität un- 
verantwortlich halten: als ersuchen wir E. HoehniOg-, Sie wollen ia 
Erwägung desseu allen , und vornehmlich, dass dergleichen Exclusiou 



JIO 



I. Brandenburg und die Niederiand«. 



auch wider den geringsten Eiiiwoliner ohne Verechulden mit Recht 
nicht geschehen kann, Ihre Oedanken dahin richten, damit dasjeuige, 
was in den gesclilossenen Friedenstractaten dein jungen IMnxen za 
Uranien und desseu Hause zu Naehtheil eingegangen, redressiret werde 
und diesem flirstliclien Pupillen in seiner Minderjährigkeit , , . , kein 
Ungleich und Unrecht zugezogen werde; dasa er also dadurch viel 
mehr Anlas» halten möge, in seiner Vorfahren Uibliche Fussstapfen 
zu treten, auch sich z« ebenmässigen und zu Aufaehmea des Staates 
gereichenden Thaten qualiticiret zu machen, als über diese gleich- 
sam verächtliche Esclusion, welche doch mit Recht nimmermehr 
einigen Effect haben kann, sich in seinen wachsenden Jahren zum^ 
hiJchsten zu beschweren. fl 

Gleich wie nun hieriiinen E. Hochmög. ein gerechtes Werk zu 
Ihrem unsterblichen Ruhm verUben, die Oeniflther Ihrer Einwohner, 
welche sonst meistentheiles hierüber mehr betrübet als durch den g&- 
machten Frieden erfreuet werden niöchten, in gewünschte Tollkonumene 
Ruhe setzen, Uns und andere diesem Hause angehörige höchlich 
obligiren werden: als wollen Wir Uns anr'h dahin äusserst bemühen, 
damit nfterwähnter fllrstliulier Fupill in allen fürstlichen Tugenden 
dergestalt erzogen werde, das« er sich in der That auch gegen Sie 
daukbarlich halten und erzeigen möge, und Sie ins künftige nicht 
weniger von ihm als von seinen hochrUhmlichen Vorfahren alles Bei- 
stands, Hülfe und Uath sich versichert halten mögen. — 



I 



Weiniaii an den Kui-für^ten. Dat. Haag 19. Mai 1654. 

[Weiteres in Betreff der Seclusionaaete.] 
lä>. Miii._ De Witt hat. an die Princessin von Orftnien eine Antwort gerichtet,) 
worin er das Geschehene als »liirL'h die Nothwondigkeit erzwungen hinstellt; 
es kcinnc dem Prinzen bei seiner Jugend kein wirklicher Schade sein, die 
Ausschiiei^.suugüresolution könne ja später widerrufen werden und jedenfalls 
würde Hollaini den Priu^eii zu eiitscbäUigen wissen. M 

Die Deputirten zur Generalität, wie auch das gemeine Volk iat ™ 
heftig und ungeduldig; mau stillet sie aber aniioch alles Fleissea mit 
der Hoffnung, die Resolution werde aus England wol wieder zurück- 
kommen. Gewiss ists, etliche gar wenig Personen in Holland haben 
dieses Werk expractisiret und zwar ohne Noth, weswegen deun fast, 
alle Glieder übel zufrieden sein. 

Oranischer Seit« ist man jedenfalls, auch für die scUlimmste Eveutna 
lität, entschlossen, nur gemässigte Mittel anzuwenden nnd der Zeit lu veT< 
trauen, da mau sich auf diese Stimninugen doch nicht verlassen kanti. 



Die „Acte taq Seclnsie". 



Hl 



In den folgenden Wocheu dauern in dea JJiederlaodeu die sehr erreg- 
ten Sueiu^kfit«n ülier die Seclnsiousaete fort — Holland ftlleiii gegen afle 
andern Proriuiseü; und aucii in Holland, wie WeiinBu heliouptet, sind die 
Stünmen sehr getlieili ond bei weitem nicht alle mit de Witt nnd seiner 
Partei eitiTenitnndea. — «Am verwichenen 17. Joiu ist die Antwort der 
hollÄQdi^cbeu Ambassadeurs aus England alhie einkomnien; .sie bencbteii 
dabei. da»s »ie die Aele van Seelusie an Crom well bereits wirklieh iiber- 
Itefert, weil dersellte keiues Weges hätte können bewogen werden, darvoo 
»bzuüCciieii." Grosse Bewegung durch die anderen ProvitiKen ausser Hol- 
land, iu denea man um so mehr ouu den Prinzen für die ibni zustehenden 
Aemter tn deüignireu sich beeilt, (Relut. dat. 23. Juni.) Inde.ss, scheint 23. JuaT" 
es, kiihJt siieh doch der Bifer der ^echs Provinzen bald ab; schon am 
30. Juli schreibt Weimati: „Zu besorgen stehet, zu der Trirklicheu Desig- 30. Ja 
natiou werde man nicht sehreiten, weit mänuigüeh Crom well fürchtet und 
der Friede Jfoth leiden möchte; Holland aber in seinem Thun als ^ingulier 
ond bunde!.I)rür?big xu desadvouLfeu, darin werden allem Vermotheu naeh 
alle iechs Provinzen wol übereinkommen." ludess geschieht jenes doch 
z. Th.; Oeidcrland znerst reicht seine Missbilligung der Seclusionsacte 
Ton Holland ein und de^ignirt seinerüeitü den Prinzen zum C'a[iirain-Geue- 
ral and Admiral. (Relat. dat. 11. Ang.) Am T. Oet. Iijft4 zeigen die 11, Ao 
Staaten Fon Oberyssel dem Kurfürsten an, dass sie den Prinzen tarn T. Oct. 
Capitain-General und Statthalter ernannt. 

Im Augu.-t liibA utitemimmt die verwitwet« Princessin rou Oranien 
ine Reise nach Berlin, um sieb mit dem Kurfürsten persönlich über diese 
'wichtige Huusaugelegenheit zu vernehmen. 

In dieser Zeit »ind die Schreiben von Weiman und Copes fast 
^iMiäscbliessHch erfüllt von Berichten iilier den Fortgang der Tormiind- 
rhtttlsangelegenheit, die Streitigkeiten mit der Princess Royal etc.; man 
findet bei Aitzema und a. a. U. das Material hierfür in ansreichender 
Pulle. 

In Betreff der Alliance traten uns erst mit Beginn des folgenden Jah- 
äs wieder Bt-riehte Weinian's aus dem Haag entgegen Mittler Weile 
fwar der Friede «wischen den JCiederlanden nnd England geschlos.^en wor- 
den {Ib. April I6Ö4); auf Grund der Secinsionsacte entstand zwischen 
Crom» eil und den iu den Niederlanden dominirenden Ari*tokrateD 
von Holland da« engste Biindniss, welches antistnartisch, autioranixch 
uud damit zugleich nneh antibrandenbnrgisch war. Die branden bnrgl- 
he Alliance trat dadurch in den Hintergrund; ja bei der otfenkun- 
iigen Verbindung des Kurfiirsten mit dem Stuart, Karl 11, (vergl. un- 
ta die Regensbnrger Reicbstagiiacten), konnte die weitere Verhandlung 
^darüber dem Protecior gegenüber zu einer Verlegenheit werden. Es 
»chelut, d&j« dieses Jahr hiudurch die i^ache so ziemlich geruht hat, bis 
die Gefahr von Schweden her iiv anfs neue belebt. 



112 



I. fimoileuburg nnd die Niederlaude. 



I 
« 



Der Kui-fürst an Daniel Weiuian. Dat. Colin a. Sp. 
9. Jan. 1655'). 

[Gefahr für die (iruuaaischtiu Hitfeti von Scliwedeo her; das Intereiae der Nie- 
derlaiidu dabei. Memoire darüber.] 

1Cd5. Wir werden aus iler Krnn Schweden in Vertrauen ver^vanit, ob 

lö. Jao. g„iite die Krmigl. Wurde daselbst eiue secrete Scbickun^ in Polen 
gethan hiiUeii und pro itonditiou eines ewigen Friedens nebenst der 
Renunciatiou iilf die Krön und das Herzogthuiu Lirland aueli die 
Ce89ion Unser hdder prenssi scher Seeportc Pillan und Meniel ge- 
fordert; ilir zwcifelsülin die Reelmuug luacbend, es könnte uiclits so 
unbilliges oder ungereimtes gefordert oder uff die Bahn gebracht 
werden, das bei jetzigem der polnischen ßepublique zerrüttetem und fl 
sehr getiibrliuhem Zustande nicht zu erhalten stllnd. 

Hingegen lüiben etliche schwedische Miuistri in Pouimem, um 
Uns irre zu machen, gleichsstia verniernngsweise einem Unser vor- fl 
nehmsten Bedienten daselbst hiuterbracbt, ob war dergleichen bereits 
von polnischer Seiten ilrnen aapräsentiret worden. . . . 

Wenn Wir aber Uns uf einer Seiten das jetzige llbele Coniporte- 
ment vorstellen in dem Kriege gegen Moscau, die Misslielligkeitea 
zwischen deiu Künige und den Ständen, Jalousie und Aemulationes 
zwischen den Feldherren und von der andern die retroacta überlegen, 
wie man fast in die 30 Jahre hero nach Unsern Porten gestanden: 
so können W^ir gleiuhwol dieses so schlechterdings nicht übergehen 
lassen. 

Den Nicderiatideu uui^^s au der Verhütiiug eiaea solchen Planes sehr 
viel gelegen sein und Weimau »oll dies vorstellen und Erklärung darüber 
verlangen, wai^ die G. St, im Fall eines Aiigrilfs gegen den Kurfürsten thun 
würden, Ist die AnUvort unbefriedigend, so soll W. ihnen andeuten, dass der , 
Kurfürst auf die.-is Weise genöchigt *ei, eineAlliance mit Schweden zu schlies- ^| 



I 



sen, uui seiner Häf'eu willea, „oder wol gar dieselben gegen einen aasehn 
liehen Altrag (massen dann Uusers Herrn Vätern Gnaden ganz Schlesien 
angcboteu worden) dem Könige in Spanien zu übergeben." 

Des beiliegenden Memorials soll er sich zu seiner Verbandtong m 
den G. St. bedieueu 



u 

1 



'J Die Üoiicepte der Kurf, Sclireibeu in dieser Angetegenhoit siud in dieser 
Zeit all« von dem geh. Ratli Lorenz Chrietopb v. SumnitK; vou iliiii auch 
das folgende Memoire. 



W Die bnttiHclii^u ttit^reitwii (It«r Niederlttn*]« dnrcb Schweden beJröbt. 113 

Warum deueti Herren .Staatt^n (leiieral der Verehiigten Nie- 
derlande und in spet^ie der Stadt Amsterdam nicht gerathen 
sei. die preussische Seeporte in eine.s zur See mächtigen 
Potentaten und in specie der Krön Schweden Hände kommen 

zu Ia.s8en. 

l) Weil ee die Hcliltlssel Hein derer Laude, daraus die Niederlande 
ÜDterbalt suclier iiiHsseu und eie den (äjössten Abzug ihrer bstJndiaoi- 
»chen Waareu gelmht, 

i) Ihre wlinfi da» zu bocli steigende Maclit und Einkommen 
merklictj würde verstärket, ja der absolute Dotniimt der Ostsee, dar- 
tiaeb sie so lange gestanden, erreiebet und bestätiget werden, also 
dass sie die Counuercia nach Belieben legen und einrichten k&uuteu. 

3) Sie würden sieh anitzo nicht in denen Tcruiiuis. wie hiebevor 
bei deiH sei-lisjährigeu Anstände geschehen'), halten, dass sie die 
Handltnig nnt tlberniäsHigeiu Zidl hoerbweien , sondern ausser allem 
Zweifel s<dehe Edicta, als das englische Parlament vor etlichen Jahren 
publieiret •), zur Execution hringeii. dass sie andern Nationen keine 

dem Waaren in die Hafen zu verfuhren oder herausztdiringen ver- 
tten, als ihreH Lande» Früchte und Manufacturcn. 

4) Oestalt dann ein vornehmer schwedischer Minister sich dieeer 
Fonnalien bei Sr. Th. l), gebrauchet: es hätten die Hidhlnder den 
andern die Handlung in der Ostsee gestohlen, mau tuilsste «ie ihnen 
wieder aus den Händen bringen. 

n) Darauf f<)lgend9 solche V'orschlfige geschehen, wie der Salz-, 
Einen- und Kupferstafiel uacher Wismnr geleget werden könnte. 

fi) \Va^ vor t'aiessen tou sehwedischer Heitcn »len Danzigern, 
"in dieselbe sicher zu machen, erwiesen und wie die 8tadt Lübeck 

Cl>ereitg dabin verleitet, dass sie der flnlläuder Comiuen-ien Untergang 
iliren l'fwach» zu sein glauben, selbes kann denselben nicht verbi>r- 
?eu »ein. 
7) Wie es aber ihrem Staat nicht gerathen sei, nachzusehen oder 
™ Regtatten, dass einen Potentuten Macht in lior Ostsee zu hoch steige, 
•Isrflher haben dip Staaten seihst ihr fsputitnent wirklich erwiesen, 
""iem nie durch die däneuiSrkis(rhe Macht, welche doch der Schwe 
"•«n ilziger hei weitem nicht gleich gewesen, so grosse Jalousie ge- 
i&sst. diiK« nie auch um dicselhige zu brechen und die schwedische 
cnipurzulieheu, ihnen die Hand zu bieten keine Scheu getrjigeii. 

') Schwedisch-pitluiBcber Wuffeiistillsluu*) vom J. l(52y. Vgl. Vnl. I. p, 11 IT. 
^j Die eogliache Navigutioiieactu vuni 9. Üct. 1651. 
ütio. ,K, Henk j. Gt. Kurrurcigu. IV. S 



B|pub1 
^Pstat 



114 



I. Braudeoburg und die Niederlniide. 



8) Aus eben dieseu Motiven haben sie aucU in a. 1635 liei denen j 
damaligen Stuiusdortieclieu Tractaton vur underu Mediatoren niit^| 
grossem Eiler daliiu gearbeitet, dass die Hafeu wieder aus der Krön " 
Schweden Haadeu gebracht worden. _ 

9) Und sieder deme hat Bitrgermeister Bicker seliger, da bei f 
Autretung des jetzigen Künigea in Polen Regierung deru Staat zur 
Mediation iuvitiret und die Reassumtion der Tractatcn zu befördern ^d 
ersuchet worden, repräMentiren lassen, wie er rathsaui finde, derW 
Sachen etwas Anstand zu geben, bis sich die Sachen in Polen etwas 
hesser angelassen und die Schweden ssur Decadence würden gelenket 
haben; in Ansehung, dass bei der damaligen Cotijunctur keine Appa- 
renz war, die livländidcbe Häfeu duri'h Tractaten aus der Schweden 
Händen zu bringen, und ihr Staat keines Weges leiden könnte, die-j 
selbe in perpctuuni ihnen zn lassen. 

Sign. Colin a, d. Sp-, i). Jan. 1656. 



Weiinaii au den Kuidürsteii. Dat. Haag 9. Febi-. 1G55. 

jD«8 entecheideude Wort in der frage ist bei Holland und liesoiidt^rs ljt*i Aiii- 

ät<.irdfuu. Keise dorlliiD.J 

9. Febr. Was E. Ch. D. in dat. 19/i'. Jan. au mich, die schwed- und 

polnische Händel betrefteiid, gnüd. gelangen lassen, solches hab mit 
geborsamster Erbietuug w(d erhalten. Nun betrachte ich die Wich- 
tigkeit des Werkes und betiude, dass dandt an diesem Orte zumal 
leise wird gegangen werden müssen; denn gleich^vie bie altes laog- 
sani hergebet, so kann Bchwerlicb etwas verborgen bleiben; und wenn 
ich darbei dann bedenke, da Scliweden etwas jerfabren würde, das« 
es causam pro non causa nebuicn und aus einem Prfitext, dass 
E. Ch. D. gegen sie etwas geniachiniret, eine Hrsach machen dürften, 
etwas unredliches zu begehren: so hab ich es das sicherste zu sein 
ermessen, albie bei keinem Menschen einige Eröflnung zu thun und 
in Betrachtung, dass die Provinzen ohne Holland und Holland ohne 
Amsterdam in einer solchen Sai-he nichts vermögen, mir tltrgenouimen 
nach Amsterdam als auf das Gruudwerk zu gehen und daselbst mit 
möglichster KUrsielitigkeit zn sondircn, was uian sich gutes von soleheu 
Leuten wird zu versehen haben. Wird die Stadt dann ihr Interesse 
begreifen, dass mau drauf fussen kann, so wrd's uut den Ubrigeu 
allen sieh schon schicken. Wo aber nicht, so wUrde E. Ch. D. eine 
andere Maasse mltsseu nehmen und am besten thun, dass Sie alhie 
das Werk uugerllhret Hessen. 

Heute oder gewisslich morgen werde ich nnch auf d. Weg tuache«. 



I 



Amsterdam und die AlItAiici?. Kücksicbt auf Rnglacd. 



115 



Weimaii an den Kurfürsiten. I>at. Haa§ IG. Febr. 1655. 

fVerbatidlung in AmMerdam. EnaotUigeude ZiisicUerungeu.] 

Laage TJattiredung mit dem Atusterdamer Bürgermeister de (iraef, 16. Febr. 
der die AIH&nce wünsuht nad befordert nnd aueh i^clioii unterriclitet ist über 
dif Wdeßkliclifu Absiebten der Scbwedeii. 

Versprach mir mit vielen Betheiierung^en, dass er das Werk dahio 
wollte dirigiren lielfen, damit die Allianz mit E. Cb. D. schleuai^ 
gesehlossen etc. . . . werde ; mit dem HinzutliUD, er zweifelte nicbt, zu 
Lande würden E. Ch. D. Ihre Hafen guugsam besetzt halten; was 
aber die See augiage, da würden sie, Dänemark, ja der Protectur 
aelbst wohl Mittel finden, Gewalt zu sfeuren und v<m E. Cb. D. 
abtakelireu. Amsterdam wäre schon geresolviret, ftir sich eine 
Flutte von 36 KriegTSScliiffen ausjsurllaten . wenu auch Holland selbst 
%vflr«le contradic'ircn ; und würden sie zwar dem Werk den Namen 
geben, dass es auf die Levante sein Absehen hätte; er versiclierte 
mich aber in geheim, sie wUrdcu auf die Ostsee ihr Aug bulteu und 
in 14 Tagen fertig sein. — 



Weiniati an Freiherrn v. Schwerin. Dat. Haag 9. März 1655. 

[AU«R liitugt vuD EDgUad ab, Weiaeagaugeu übßr ('romweH'a oalieu .Sturz; ull- 

fsmeine Krbitterau^ gogeo ihn. Charakteriatik des eogtisclieu Volbee. ^vtiminuiig 

in deu Niedertaadeo. Die Alltancesacbe niht.] 

Die AUianceiiacho ist noch uichi weiter gedielten; es ht gut, den Leuten 9. Marx.] 
nicht zu Hehr nachzulaufen, Dachdeui tiie jetiCt geuugsam iustruirt üind. 

Es liaugt jetzt oHes davon üb, welcheu Erfolg der König vou Etiglaud 
jtlil mit »einL'm ReKniumtiuiisversueh habeu wird; im Herzen wünscht man 
hitr. d(W(i Crom.well auch dicBiiinl rfiussireu möge. 

Und würde es ihnen nicht allerdings niithig, sondern vielmehr 
Mthdeivklirh sein, mit Sr. Cb. D. zu schliessen. weiln solches ihnen 
^ dem Proteclor Uhel gedeutet werden mftchte. Es ist gebier nicht 
M glauben, wie sehr die holländische Calmle auf diesen Manu siebet. 

Diese« aber isl w<d gewiss: würde diis Werk mit iiim umschla- 
g««, man dürfte solchen Falls alliie auch grosse \'erändernng ver- 
"«linie«. Kun, der Himmel wolle das Werk ftirdeni und segnen. 

Wenn man betrachlet die Gräucin des Crom w ellischen Na- 
meus, den bittern äillgemoinen Unwilien des Volks gegen denselben, 
^^ Trennung der Kriegsinacht, und dass die Uuterthanen bereits die 
5^'euerii (uti ucrvus rerum gerendanim , ita Hdei ae ubsetjuii notam) 
Sweipert haben, allenuasseu solche» alle» wahr und zu allen Seiten 
Wkannt ist: *(• dllrfte man, als weit sonst voti »o hohen und künf- 
Hgeu Dingen geurtbeilt werden mag, aicli die Hotfnung macheu, das» 

8* 



116 



I. Braut] euburg und die Niederlnnde. 



der Cromweltisclie Periudus du seiu, dase es uinscblageu woUi|| 
und dass dieselbe, welche die Ungerechtigkeit bislieiu me Wasser 
eingesoffen, nunmehr die Gnindsumie des erschreckliclien Zorn« 
(iottes werden einschiingen iiiiissen. Es ist keine Conspiratiuii länger, 
denn dieselbe heimlich uud unter wenigen sein kann, aundern es ist 
iu effectu ein allgemeiner Aufstand, weiln alles, gros» uud klein. 
London uud andere StiUlte, der f^yldat selbst, gegen T nun well 
schreiet und rufet. Xoii deliberan* sed desciverunt. yueni siuguli 
uon possunt, omnes uta-idunt. ■ 

Er Crom well kann auch sehiverlich die GcmÜther wieder ^ewin- 
ueu, weiln er nicht länger, aller Tyrannen Kunst, betrdgen kami. Die 
Masques Religion, Freiheit, Verleiehternng der gemeiueu La»t u. dergl. 
liegen bereite, weiln er die Änabaptiäteu von-rst, womit er sonst 
das Grund werk seines uu glücklichen OlHckes gelegt, hernach die 
Levellers, die ihnie trefflich geholfen, und endlich die Indeiien^ 
dcnten verlassen, womit er sonst alles aufs Höchste gebraeht; UB 
also öffentlich bezeuget, dasK ihm alle Religitmen gleieh gelten. 
l^arlamentcn als das Herz und Aug des Volkes hat er jiro libidiuÄ 
8ua jedesmals gesetxet uud verjaget; die Taxen und Lasten setzt er_ 
higher im Anfang seiner Regierung , als sie jemalen bei den KSuige 
gewesen in ihrem höehsteu Arischen. Wer will ihm denn trauen? 

Wenn man hieboi nun niiiimt die Art der englisehcu .Nation, die 
in ihrem Gehorsam ohne Ende geliorsamet und in ihrem Zorn ohne 
Maasseu zürnet — tpii intmililfr sri-nhtttt, giiperhe domiiiitnlur — 
da tüdten und «ich todt schlagen lassen wie die Munde, wenn sie 
anfangen, sich zu oinmastrircn: so ist liöcblieh zu yermuthen, das 
es dem Hause Stuart nach so vielen trllben liegegnungen wieder 
wolgehen und dass Gott seine Irerechtigkeit noch werde sehen Utgae^ 
gegen die Rotte, die bis dahero mit Künigen als mit ihren KnechteiT 
und Uebelthätern und mit allen Potentaten als uiif ihren Uutertliauen 
ge8))ielet und mit 8o vieler tausend tauseml elendiger Menschen Gu 
und Blnle nichts geauchet als zu lierrsclien. 

Gewiss ists, ihnen ist liereits angst und bange. Et hie ex|ialle» 
cunt etiam amiculi eorum — aditn, sermone, artibus fere alii. Sic 
fangen und spannen ohuc Aufhören. Wo seind aber Turne, HeukerM 
Stricke nir alle? Wo der Haw aufs Höchste gestiegen, da ist Blnt- 
vergiesseu nur tHie zum Feuer und werden solche Conspiratioiu-» 
nicht gedämpfet mit herben Mitteln, sondern fortgesetzet. . . . Kun. 
Gottes (Jericlite seind uncrforschlich und die Zeit wird uns in kurz«ui 
lehren, was aus obbemelten llüudelu werden wolle. u 



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Reutach« Aueicbt libpr KoRland nntpr Cromwell. ||'J' 

[nmittels glaub ich nicht, dass flir S. Ch. D. albie wird etwas zu 
[iiein. — 

V\eiiiian an den Ktirtiirstfii. Dat. Haag 16. März lfi55. 

llliUDfverliandliiDg; Kiitiluss C'rümweU's in Biillaix). Ge>8cht!it«rter Restanra- 

tionsrereach.] 

Kf /Mt Verhfttitiluiig aufgetragene Sache ist uoeh nicht weiter ge- 16. Marx. 

Bin auch deswegen wiederum zu Anisterdam gewesen und be- 
Biie. da&* die von .\n19terda1n sith das Werk lassen ernstlich ange- 
fegen sein .... sie haben in Senatu beechlosseo, man nillsse mit 
E. Ch. U. schlieseen und sullten ihre Deputati im Haag alles Ernstes 
•lirsur treiben .... sri dass ich wol sehe, Holland ist genug geinfor- 
miret mn ihrem hohen Interesse, und wo sie es an jetzt in wenig 
Ta^n Zeit nicht thnn, was ihr Estat selbst erfordert, so nmsB man 
daraus sehliessen, dass sie aus besonderen Respecteu nicht wollen und 
"1*58 also von einer förmlichen Alliance nicht.«* werden dörfte. Der 
IVitector in England lieget denen, die die Kegieruug in Händen 
haben, gar zw sehr in den Augen und dürfen sie fast auf nichts ge- 
'lenkeD, welches demselben auch von weitem unangenehm sein möchte. 
Hätte Gott des Königs Üesseins gesegnet, so wUrd man alhie eine 
luutal andere Luft gespRret haben. Das Gerlichte von des Königs 
''löi'k liatte aUiie die Leute schon verändert. 



IJer Kurfürst an Weiinaii im Haag. Dat. Colin a. Sp. 
12. März 1(;55. 

«bw«.iliijch» Rilslimgeo gegen I'olcn- Versuch zur Abwendung des Kriege,] 

Wir werden auh t^chweden berichtet, dass man daselbst nicht 22. Mhtz. 
flu mit der starken Armatur furtfahre, besondern auch solche Dis- 
aller Orten nihre, daraus zu besorgen, es dttrfte zu Unserm und 
^«rer Vereinigten Niederlande grossem Nachtbeil gegen Polen aus- 
eehen. 

iJcnicelbeu nun womöglich vorzukommen, haben Wir Unserm 
liin abgeschickten Legatiuusrath ' t Ordre ertbeilt, darauf zu driugen. 
mau »ich der Tractaten halber etwas weiter gegen Uns heraus- 
'«s«e und die Cunditionen in V'ertraueu entdecke, vermittelst deren, 
|B beiftiiudiger Frieden gestiftet oder utTs wenigste der Anstand uff 

'1 Johttsn Ulriuli UubrL-isenski — im October 1Ö54 imch ächweden ge- 
dickt. 



H8 



I. Braodeubiirg nnd die Niederlande. 



etliche Jahr prorogiret werden konnte, auf dass Wir bei der Krön 
Polen , . . . rtie Sach ebenmässig treiben können. 

Weimau soll im Haag bewirkeu, (Jans iVir Xiederlaiider sich in de; 
gleichen Sinne bemühen. 



1 



Weinian an den Kurtürsten. Dat. Hnag 19, April 1655 

[Steigende Aurregung; von den hrandenburgiacben Hesaadten i^^scbürCj 
19. Apr. Man apprebendiret alhie die schwedische Armatur höchlich, und 

seind nicht allein die Kaufleiit, sondern anch alle ftlrnehnie Regenten 
heftig geallamiiret. Ans Stockholm, Danzig und Hamburg schreiben 
des EstatH Residenten alle einmütbig auch, dass es auf Polen und 
zwarn Preussen und Danzig angesehen, und in Schweden das allge- 
meine Gerüchte seie, in künftigem Monat würden ihres Königs Flaggen 
fttr Danzig wehen. Mftnniglich ist darüber nicht wenig bestUrzet. und 
damit dieses grosse Corpus nicht ?m langsam bewogen, sondern desto 
mehr in allen seinen Gliedern gemoviret werde, so bestellen wir unter 
der Hand, dass solche Zeitungen auch in die Arasterdaniische Gazetten 
und Courrenten und also unter die Kauileute mehr und mehr kommen. 



Dat. Haag 4. Mai 1655. 






4. Mai. 



Weiman an den KiirfTii-stcn. 

[Unterredung' mit de Witt; seine vorliiafigen Bedingungen. Allgemeine gut« istim. 
mung. AmBterdam und liottenlttm.J 

Unterredung mit dem Ratht^pensionair, der »teh dem Abschlug» d^fl 
Allianco formell .'»ehr wid geneigt zeigt. 

Und wollte er mir in Vertrauen wol sagen, das» seines Bedflnkens 
alles fllrnebiiilich hierauf ankommen würd: 1) dass ich mltsste Machl 
haben, mit ihnen zum wenigsten snb ratificatione zu schliessen; 2) dass 
man zwarn die praestationes ordinarias etwa auf gewisse und /.warn 
eine solche Maasse, als vor diesem wäre fllrgewcsen, bringen mfisgte. 
Wenns aber damit nicht würd getban seiji . . . und also der Estat mil 
gan/.en Flotten und andern Geldmitteln dürfte zu Hilf kommen müssen, 
dass dannenhero 3) würd gedacht worden müssen, woraus E. Ch. D. 
in eventuui solche extraordinaria auxilia wollten refundiren, und ab 
E. Ch. D. auch würden Schwierigkeit machen dafür die Hafen in 
Preussen und sonst Ihre Doiuainen im Clevischen schriftlich zu ver- 
binden; 4) würd man an ihrer Seite auch stipuliren, dass E. Ch. D. 
■Ihre Hafen an niemand anders verbinden, viel weniger einräumen 
mllsse; 5) dass keine Verhöhung der Zölle zu ihrem Is'achtheile vo: 
genommen, sondern alles mit ihrem Gutfiuden und Einrathen geth, 
werden möchte. 



Fortgang der AltianceverlisndlnD!;. 



119 



Weiman erklärt, er werde sich auf diese Bedingungen erklsrcn, iobald 
ihm dieselben pnblieo noraine vorgebracht würden, 

i*o Ttel ich all» detn äueserlichen sehen kann, ist es männiglicheTi 
ein guter Em^t. ... Ich kann keine Stadt sehen , die sich opponiren 
wird, wenn Amsterdam ftlrgehet. Rotterdam zwar sah, wie man 
merkete. tlie Ehre, welche E. Ch. D. denen von Amsterdam ange- 
Ibn'), mit einem nachdenklichen Ange au, weil sie immer Jalousie 
fegen einander haben. Wenn aber ihre Magistratswahl die verwicbene 
Tage Eiemlich favorahel für das Haus Oranien aiisgefallen, so ver- 

^—boffe ich. es werde sich damit wieder ersetzen. 

^H Weiman bittet um scbleantge Instraction in Betreff obiger Panete. 

^^ Der Kurfürst an Weiman. Dat I.Mai 1655. 

[Antwort auf die Vorschläge de Witt'e. Die Verpfandung der preuseiachen Haren 
«bljelelint, BeBiere VorBchläge der Gegner. Die Verpfändung an andere 
■ird nictil erfolgen. In Bezng auf die Zolle wird freie Hand vorbefaalteo.] 

Uebersendet die gewiiuschte Vollmacht'} nnd in&tmction (dat. 1. Mai 11. Usi. 
KS6SJ. Bescheid »uf die obigen Bedingungen. 

Ein extraMrdinarium avixiliiim mit glänzen Flotten worden Wir 

iflit begehren, iiolOi suchen, ohne allein zu Üefendirung desjenigen, 

oran die Herren Staaten, ob es schon das unserige, mehr denn Wir 

Ibsl interessiret, als der Seehafen, die von anderen nicht wol offen- 

**t werden. Uns zu iucinnmodiren, besondern vnelmehr zu dem Ende, 

Iwiil die Niederlande aus der Ostsee gebracht und allen anderen 

^atitmen lege» commerciorum zu ihrem schlechten Vortheil fUrgeschrie- 

hen werden. Können derwegen die Herren Staaten diese Sache nicht 

Milers als C4iugam propriam considerircn «nd derohalben auehj was 

(Urauf gewendet, von Uns mit Fug nicht reposciren. 

HöchMtent^ will der Kurfürst, wenn eine uiederländ. Flotte in Frenssen 
cheint, «ich zti ProviantlieferLmgeti verpflichten. 

Wenn Wir aber einige Summen Geldes von ihnen aufnehmen 

rden, hätten Wir der Hypotheken halber alsdann absonderlich Uns 

tihnenzu vergleichen. Sollten Wir wnsten zu dergleichen Conditinnen 

ret werden, dadurch die Hafen versetzt werden und also gar ver- 

*ö gehen mUssten, könnlen Wir nicht absehen, was fllr Nutzen 



Jie Stadt .\riiali>rdam wur eingeladen wurden, Taufpalbe des um 6. Fel)r, 

»burenen Kiirprinxen Karl Emil zn sv\a. Aitzeina ITI. p. 1199, — Uc- 

"Swj gult der Tatifaame Karl AnetoBs in Kurland; man vernmthete darin eine 

OWoigio für da» Uaua .Stuart (Nienpoort an de Witt iu Urieven III. p. 68); 

Unrecht; der erste Tanfpathe v,u König Ksrl Gnetav von ijchwoden. 

'i r.ednickl bei Aitjema ID. p. 1202 f. 



120 



I. BrüDclenbtvrg und die Nieilerlitiule. 



Wir aus aothauer Alliance öchöpfeu «ilrden . massen Wir auf die 
Weise doch tun das Unsere kämen; uu<l stiiade der rnterschied nur 
darin, dass Wir mittels einer der^'leieheii Alliance Uns spoute um das 
Unariife bräcliten. 

Diejenigen, so smisten von der andern Seiten so grosöen Appetit 
zu Unsern Hafen haben und selbigen gungt>ani an Tag gegeben, haben 
dergleichen nachtheilige Dinge Uns nicht ftlrgestdilagen, besondem, 
wenn Wir mit ihnen glHlich dartlber transigiron und ihnen »elhige 
abtreten wollten, erhieten sie «ich: 

li die Coiumereia also comuiuni consilio anzuordnen und zu din- 
gen, dase Unsere Lande dadurch eben den Vortheil, den die ihrige, 
erlangen und geniessen snllten; M 

2) wird Uns gegen sothane Hafen ein lieliebig Aeijuivalens. wobei 
kein Onus der ftarnisdn und mehr Einkünfte sein möchten, uffe- 
riret. ^ M 

Anreichend die vierte Condition, da »tipuHret werden möchte, 
anderen Unsere Hafen nicht zu verbinden, dabei ist keine Schwierigkeit _ 
mnl ist eben dasselbige, so Wir intendiren. ^ 

Filuftens die Erhiihung der Zölle belangend, da erfordert Unser 
eigenen l>ande Aufnehmen, das.«* durch derglcichöu Dinge die Hande- 
hing davon nicht abgewendet werde, und würden Wir sothane Er- 
höhung nicht fllrnehnien, es sei denn, dass Wir zu KriegSEeiten daiu 
gezwungen wurden. Wir wollten auch der Herren Staaten als alliirter 
Freunde Kath und Bedenken hierüber wol vernehmen, aber was ver- 
bindliches hierunter unt ihnen zu pacisciren, würde Uns vieler Ursachen 
halber bedenklich fallen, es sei denn, dass die Herren Stantea reoi- 
proce sich obligireu, ohne Unser (iuttinden in ihren Landen in der- 
gleichen Sachen nichts fUrzunelimen, — 



II.Mni. 



Welinan an den Knrfm-sten. Dat. Haag 11. Mai 1655. 

fAUrtrmireti'te Nnchrichfeti ane Schweden- Die Actieii dwr Alliance steigen. Eut- 
gogtiiikuiiiiuendt Eile der NiodeHander. Vorlegung eiuea Froject«». Uiuhltch 
auf Civniwvll, Weimun rutli, «icb endliob iiiich tuk dicsum zu >'er(rag«i). Di« 
GetH>ri»lstii!iteu wünacben L'roniweirs Aufuahiue in die Älliauee. Aeiieseruug du« 
i:<nglischeu ätaatasecretärs Thiirloe über den Kurfüraten.) 

Pif Provinz Hollnnd hat von ihrem Residenten in Stookbolm sehr allar 
iniriMide Jiaclirichten über die kriegerischen Absichten Schwedens erhaltet 
es ist auf Oanzig und Prcussen unstreitig abgesehen. Urosse Bestürsnof 
in Hollaud über diese Aussicht. 

Die Angelegenheit der Alliauce wird nun wieder rurgenomnien , und 



Fortjrane «ipr Allianceverhandlimg. 



121 



Hollatnii ist mit piuem Mule bfÄser fiir «liesHI)«- gestituuit'). Kiii? iveuf De- 
pat&tion wiNl eramiut, am mit (h'ii hrunilcnhurg'. freiiiiiidten zu verhanrlt'lii, 
u it»rer Spiize Herr t. VerUolt, licr tkr Suche vun jeher (fiiiistig war. 

Ich verfilme iiiicli also zii obhcmeHen Herrn Verbolten, bat um 
B*»chleuiiigiiii|r des Werk«, zeigete luit wenigem die X»itliweiidijErkpit, 
Ibat es bei dem melireri Thcil der andern nicht weniger, ivdln idi 
tiatnit sieinlieh l'ainiliar war und ward also gleieli folgenden Tage« 
durch den von Verholt Zeit zur Cnnferenz liestioomet, 

Mao erschien und ward vorab hcschlosBen, das» man an des 

Efttats ordinarie Ambaäsadeurs alsbaht zu schreiben hätte, und da«i« 

man folgenden Tages weiter resoiviren und das Rapport fertig machen 

sollte. Solches ist nun gestern nach Mittag auch also erftdget . . . man 

wird nirh mit Holland in allen Sachen fügen und drauf in Conferenz 

Büclien zu treten nnt uns. Da« rt)Dce[it iles Tractuts sellier aber, wie 

«e! ich mich antdi darum bemllhet, hab ich nicht bekommen können; 

soll nicht ^-iel abweichen von deme, das mau uns in A. Uiö^i schon 

xUjfeBtellt, und das lllrnehmste hierin bestehen: I) »ie wollen E. CU. D. 

niaoutemren hei den cleviscben cte. Landen und den Hafen in i'reussen 

und Pommern; 2J die Zeit von K Jahreu und ;{) daninter verbunden 

8«itu an ordinär und unentgeltlichen auxiliis zu unterhalten ÜiWKi Mann 

»od an extraordinarie so viel zu prfisliren. es sei in Volk. fJeld, 

^hiffen und sonst, als die Noth und Gelegenheit der .Sache jetiesmab 

erfordern wird, worHber man denn jedes luals ins besonder zu 

liftndcin haben solle. 

Driügtude Bitte um haldigi^ Iiij^tructioii r— dk' liiiche ist im besten 
Oiog Dod die Umstünde gtm^cigcr als je. 

Und wo ai)*dann der Frotcctor aus London der Sache keinen 
oto« gehen wird, so dürfte ein guter Schluss erfolgen. 

Bei vorigen meinen unterth. Relationen hab ich Erwägung gethan, 
^^ die harte Partei in Holland bereits nach England geschrieben. 
l«Mait durch den Ambassadeur Nieu]nirt sondiren zu lassen, wie der 
Pfoteetor des Estats Alliautz mit E. ( h. D. begreifen wiird. Was 
"M darauf geantwortet, hab ich in grossem geheim bekommen von 
«inem guten Freunde, und werden solches E. Ch. D, aus der Beilage 
gnäd. vernehmen. Es ist fast nicht zu glauben, wie sehr dieser Esfat 
»af flie englische Regierung siebet, llntl wird niauniglicb alliie end- 
l'cli in die Gedanken konnneu, dass E. Ch. D. auch Ihres hohen 
Tb«ils werden klllglieh thun, da Sie zuletzt, gleichwie schier alle 



't Vgl. diu tiesointiuu dur GoueralatiMtt*Q vom H. Mai Urk. ii, ActKOit. [[|. 



123 



t. Branilecilxti:^ and die Niederlande. 



hau mit ihm unterhalten bei wäh- 
jh. D. nicht, Ihre Widerwärtigen fl 
iämsehen Ministri und zwam der ~ 

I 



Potentaten, des ProtertortB Feind9<'haft wegnehmen und mieden; 
wo ihn Oott IHsset, was fmcii die Welt dagegen wllnscliet, 8o hah 
sich ein ander darunter hillig zufrieden zu geben, damit er sich nicht 
dran stoase, sagen alhie die Stsüitaleute. Und wo der Himmel Strafe 
Bber ihn verhänget, inmasBeti man »ich aus allen Umständen ein andere 
nicht einbilden kann, so wird dieselbe nieht ausbleiben, wenn gleich 
Menschen eine gedrungene Freundschaft mit ihm unterhalten bei w^äb- 
render seiner Tyrannei; thuns E. Ch. 
werden sieh dessen bedienen; die dänische i 

EnvovÄ Rosewinus sagete mir vorgesteiti noch, er könne nicht sa^en, 
wie sehr Schweden erwähntem Crom well flattire und anliege. 

Dieser Stat apprehendirt snichee auch sehr In die Allianz 

selbfit, inmassen ich darob wol lierichtet bin, werden sie deswegen 
auch ausdrUckhch einfliessen lassen, dass dem Prot ectori frei bleiben 
solle, in dieselbe mit hineinzutreten. Und wiesen wir nicht, wie 
E. Ch. D. solches werden nach Bewandtniss jetziger Conjuncturen 
entgehen kennen, 

Beilage. Aengaende den C. v. B[randenburg] seyde hy [NB. 
Thurlne, Secretarius und fltrnehmster Favorit des Protectors], dat die 
sich tegens hacr scer partiael hadde getoont ende dat hy gepaesio- 
neert wag in "t interest van Priiice van Oraignen. Ick [Xieportj seyde, 
dat syn eygen iuterest in desen ongetwyffelt soude prepondereren; 
eyndelyck helonfde hy naerder met I. H. seift te sprecken '). 

Weiman an dfii Kurfürsten. l>at. Haag 18. Mai 1655. 

1 Kiirtgaiig (lur AUiancesache.) 

18. Msi. So viel ich spttren kann, so gehet die holländische Cabale und 
was davon dependiret, darauf, wir niWssten unsers Theils ein Memo- 
riale ttbergeben und könnten sie eher nicht zur Conferen» verstehen; 
der Hath Peusionarius de Witt sagcte mir solches selbst. 

Wciniiiu jflaubt, d&t^t^ man sich dieser Fornjalität ohne Nachtheil fUgen 
kanu. 

Ich laufe uienumd viel nach, sondern thue alles tanquam aliud 
agendo, und wo ichs am meisten treibe, da »ehe ich doch auf E. Ch. 
D. hohen Respect dermassen, dasa ich zwam das Werk angenehm 
mache, aber zugleich zeige, dass E. Ch. D, ein anders tbun könne, 



') DieiHB Fragmeut iet aua dem liriefu des uiederlüiidischen GesttudtcnNiea- 
)|)Oort au Job. de Witt dal. Wostinüaster 30. April 1656; der guixu Brier fiodet 
'i^li in Juh. do Witt Briuvua lU. p.52f. 



\ 



Fortgnop der AUianceverhaodlmig. 123 

wenn man hie nicht wnlle. Das Concept Tractats bat mir Einer in 
hohem Vertrauen iesen lassen, die -Abschrift aber hab ich nicht be- 
Lkonimen können, Nienialen ist einige Sache Wi ihnen mehr geeecre- 
Itiret aU eben dieses Werk. Die Ingredienten seind nieines unterth. 
lErmessens leidlich und . . . wo man des Hangs halb sich vergleichen 
rliaiui'), so möchte man das ganze Werk in zweien Sessionibus scbliessen 
'können. ^J 

I W'eiraan an den Kurfürsten. Dat. Haag 2. Juni 1655. 

[FortgttDj; der Yerhaodlnng. Sprödigkoit von tiane'ig. ZuEiehang soderer ^H 

. Mächte.] ^^ 

f Mehrere ConrereozenWeiiaao'i: mit den Comroi»tsaren über die AlHance 3. Jnn 
Ein Projeet derselben wird ihm übergeben; nach langer Erwägung trifft 
Weimau, der gar nicht im Dctiül inütruirt ist, einige Aendernngen au dew- 
Kelben nnd erklärt endlich, wofern mun diese Aeuderuogen annähme, so 
wollte er, auf die Ratification des EorfUriiteu hin, diesen Entwurf aceep- 
tiren. 

Man ist hie mit Dan zig bekümmert, weiln ee sich nicht angibt-, 
man wttrd ihm ;mch gern die Hand bieten, wenn man nur den ge- 
mgsten Prätext hätte, 

Wo E. Ch. D. gut fänden, Polen und gedachte Stadt in diese 
Alliaüce mit hineinzubringen, es wäre directo oder indirecto, 8(dche8 
möchte an hiesigem Orte viellciebt nicht anders als ftlr eine er- 
•Unschte Sache genommen werden. Und wo sie ihrerseits den Pro- 
'fctor drin brächten und engagireten zur Vertheidigung der Ostsee 
und der Krön Polen, so mficbte Schweden \ielleicht etwas leiser gehen, 
niirbei der Alliaiiceeutwurf nebst ilen von Weiman hiuKugetiigteu Mu- 
«üficalionen. 

I>er Kurfürst an Wehnan. Dat 29. Mai 1055. ^ 

lAineDdements zu dem holUtidischeu Entivurf, Die Krwiihaniig Euglutids iiud 
"'• Pruttctors womöglieb zu lügen; Beseitigung des Anidriicks ,,Ru|mblik". 
Polen nnd Ifanzig ntisichpr. VoUmaehl Btim Abschliiss.} 

Billigt seine Verhnndlimgeu; liei dem mitgeschickti'n Entwurf werden S.Jun 
"'"ige Puncte leicht uiodilicirt. 

Beim 17. Punct wollet Euch bemühen, dass dasjenige ausgelassen 
'^•de. wag vom Protectore dabei angehangen'); wegen seiner Re- 

'i Ceher die obwallende Rangfrage vgl. Wicqueforl Hist. des Vmv. iin, 

*)•.. „So verre de berre Protector viui de Kepubijque van Kugelant, 
^oUkbl eode IrUnl ett. gedisponeeret coade werden sicli in deie AlUantie mede 



124 



BrujKJpnViiirir iiod ilip Niederlande. 



ceprion haben Wir Uns vdrliin erkläret und bleiben annoch dabei. 
So ist auch beiui 20. Artikul') anderer Potentaten wegen, und das« 
dieselbe zur AUianee m ziehen, gnugsatn Provision geschehen. Ihr 
werdet dieses also tractiren, dato es nirlit viel Aufsehens mache "oder 
zur Avereion aufgenoninieii werde, me denn res ipsa am Tage und 
argumenta an der Hand, warum Wir mit dergleichen Staat, der mit 
Vn« ganx nicht begränzet nnd dem zur See von seineu AUirten mtlsBte 
asBistiret werden, in eine dergleichen mutuelle Alliance nicht einlassen 
können. Mit den Herrn Staaten hat es in reguard der elevischen 
Lande und \ieler gemeinen lutercHflc eine ganz andere Bewandtnis» 
nnd Cimsitieratiiui, so sich Itei dem englischen Prntector gar nicht 
finden will. 

Sollten die Herren Staaten darauf dringen, dass dennoch von ihrer 
Seite des Protectoris möge gedacht werden, so lassen Wir ee ge- 
schehen; jedoch das» «ie ihn fUr sich als ihren Allürten einscidiessen; 
und ratione tenninorum habt Ihr dabin zu sehen, dass er nur „Prn- 
tector von Eugelaud" und nicht „der Republiqne Engeland" 
möge »lualiticiret werden '), 

Der Krone Polen wie auch der Danziger Meinung hei diesem 
Werk »eind Wir nicht versichert, lassen es also bei den Terminis des 
'JO. Articuls hcM'enden, 

IJeigehcnd werden Blinit|uct^ Inr A'olbuftclitcu zar Scbliess'aDg und Cn- 
lersscichtuing der Atliuiice übersaiidt für F. Johsinn Moritz von Nassau 
und Joli. Cujics; Weininn hat. scbou eine solche. 



8, .Tnni 



Weiinan an den Kurffir.'*teii. Dat. Haag 8. Juni IfiftÄ. 

(Weiniiin setzt ilie Vfrliandlutig ohne neue Ordre iles Kurrürateii fort. Ertnah- 
iiungen an tbe Nfeileriaüder bei dieser rSeleReoliBil. Dif; mtliUriaclie Hiifc. Die 
Frage der Zollerhöhung. Die KiascLUessniig <les iVntectore su vermetden od- 
mngtich. Allee fertifr tiia aat die Zuetiniraun^ TIollandH; die ISÜitIte sehr geneigt. 

RüliifTBs Aliwurlen.) 

Noch innner i^t keine Rcsolntiim des Kurfürsten bi Betrefl' der Alliaiicp- 
verhftiidluug nnd nninentlicb iu Betreff des übersendeten Entwurfs einge- 
tpifl'en. Weiiimii battc gewünscht bis dabin warte« zu können, nber die 



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I 
I 

I 



I 



ititoloftci) . . . dHt S. Huclili. duer imt vitu l)t>;?der8yta »al wurden |j;eiidnailleürt.' 
(Niederbind, Entwurf Art XVII.; in dem atigHScIiloseeneu Vertrug Art. XVItl.) 

') Art, XX. .UlKemi-ine Il«BfimmnnK über ninmuiehuug anderer Machte, und 
bes. der Stände des westfid. »ud uiedL'rsiicIis. iCreiueg zu der .\llian<re. 

') Dleaeni Verinnpon wiirdo iinlliinlbsidier Sei!« nacligejreben ; vgl. Art. XV'III. 
des Allinöcevertriigs liei Aitzemu IIl. [r. 12()2. (.'roinxvell leimte es itbrigens 
uleliidd ab. von dvoautii Artikel l.retirituvli zu machon (Nienpuurt su dt» Witt' 
dat. Wuatuiiiuater 30. Juli 1655 in Brieven IU. p. 92). 



Fortgang iler Allinucfverliuddlun);. 



135 



Silcb^ drangt, lliug»'rl■^ Zögern würUi' nur den ubneliiu heslphpudeu Ver- 
dtcfat bestürkcu, ^E. Cli. D. wtirt'D heinilich mit Schwede» ^feugngmt und 
p^M'luiw «ll*'i< nur .-iinulHto*. So lic-chlicsst er mdlicli in de» Verband- 
luiipi'ii weiter zu jrelien; er lihergiltf deu Deptitirteii der Üeueriitsrünteii tu 
einer Conferenz am 3. Juni da« von iliiu ttmeudirtc Cotieept. — 

Mit diesem Hiuzuthun: 1) dass ichs dafür hielte, ea wäre nun 
nicht Zeit lange 7,11 inarehaiidireti. soiuleni peneryse zu traetireii und 
iu Bt'liliesseD. 

2) Ich thäte alles huIi ratiticatione E. Oh. 1). etc. . . . 
Eudlich fULrete ich ilmcn jier succies und mit vielem Discursu zu 
GemUthe, wo raai» etwas bestäiidigeB, etwas gutes, etwas ehrliches 
ttJii diesem Werk /ai machen gemeinet, sn mllsste man allerseits dar- 
anf gehen, dass die Mittel mit ilem Zwecke verglichen und alsu alle 
und jede Disjnitatioues . . . iil)gckehret werden möchten. Uiirin be- 
stünde die .Seele aller Verhiiidnissen ; ginge es andern, so wären ea 
nichts als Binmlncra, todte Litterii und ein abgezwungener We|r zu 
tauBcnrI rneinigkeitrn /u vprlallen. — HDndiiissc wilren Freundschaf- 
teu Hill' Ehre uud eine gemeine Cons^cn'atirm gebanet. Heimliche drifte 
"0(1 uiräemliehe Hedingnugen wJlren iln' lijft. Auf Vortheil mllsste dabei 
aucL nicht gesehen werden, als der da in gemeinem lillleke bestehet. 
Geld würde nimmer besser angewandt, als da man seine freunde, 
<ias Ut ein Thcil seiner selbslen», rettete. ,.. Summa, in Biinduisseu 
aufzurichten mllsse man ehrlich und t'reundlieli verfahren; so wäre» 
£• l'b. Ü. geslunet, als ein hidier FUrst uud Sie ver»rilien sieb des- 
gleieheu zu diesem Estat, als altem und treuen liuudesgenopsen, die 
da selbst wohl begreifen vvUrden, dass Sr. Cb. 1». Wnldstaiid ein gut 
Hieil ihrer .Sicherheit wäre. 

lliiün gebt luau iiiil' dir \ rrbiindlurig über dii- fiuzelueii vnii Weiiiiaii 
«meiitlirirri Artikid d«K Kiit\iurl> i'iti Weiiuiiu verlnujjl, dm^s die Geiierul- 
»liuttea sich iiitht »Ibin fiir die |prl*ll^üiseberl etc. Uiifeii, ^oudll•n auch für 
"lif daiu gebiirigeii Uaudi; verpfiielitcn. Er findet die von den Geiieral- 
•tMttii !i«gi.'h(pteiie evcut. luilitüriscbe Hilfe utigcDÜgeud , dus wcitt're nUe- 
lu&l auf bewundere Vcrlmiidhiugiu in jedem ciii^flDeu Full Hivkoinmeii zu 
liMea, Sri giiuit uustutthud *, ,iu eiiieui ^olc!len Kstnt , da die Consilia ^o 
'"ilf»»««, iijürstcu die Mittel inunrr vor.tu» gewiss abgeiiprocbeu und fertig 
»♦in, KODBt verriethe uiun s;oinen Freund, deme intm helfen »ollte, und der 
"eind lochet«^ dmnit, d^u v» sebri-ekeu mtictie,- 

Was nun die Verhidiuug der Zölle angehet und zwar dep If». Ar- 
tikul '(. da gibta wid die nieinte Schwierigkeit. Die vnn Aiu^terdaw 
l'eeifcni Bukhen l'uuct heftig, und «aget da» gan/.t Corpus, eben darum 



'J Art XVI. iu dem geBcliluaseiieu Vcrlrng. 



126 



I, Brandenburg uud Oie NiedurUnde. 



wollten sie Alliance otachen, dass sie solchea Verhöbuugen wollten 
vorbiegen; w« nun E. Ch. D. solches gelbst thun wUrdeo, was hätten 
sie dean vor Yortlieil darub, dasa sie andere aus den Hafen zu keh- 
ren sucheten? 

Ich hub mich aber darunter 2U nichts in effeetu einlassen wollen, 
sondern angezeiget, wasmasaen E, Ch. D, keines weges gem einet wfiren 
solches zu thun; dass 8ie sich aber sollten lassen binden ... solches 
wäre unbillig und wider die Art beständiger AlUaneen, es wäre denn, 
dass I. H. M. zu dergleichen in ihren Hafen sich reciproce verbinden 
worden. Besnuders aber wtlrd e» gar zu theuer gekautlt sein, wenn 
man eine gelimitirte Hülfe gegen einen unendlichen Hchatz in hohen 
Nöthen aniiehnien sullte. ^ 

Endlieb werden E. Ch. D. Zweifels ohn auch auf den 17. Artikul 
nicht wenig Reflexion nehmen und zwsini, dawa des Protectoris drin 
ausdrllcklicli gcdaelit wird. Meines unterth. Ortes hah ich mich des- 
wegen auch nicht wenig, sondern wol von ganzer Seelen bekümmert 
gefunden. Was wollte ich aber thun? Einestheils hätte ich gewUu- 
schet, dass uian's herausbringen uiJjgen und kann darzu llraach gnug 
ersehen. Andern Theils sähe ich so klar, als die Sonne im hellen 
Mittage scheinet, wo ichs rühren wUrd, dass nicht allein das ganze 
Tractat damit zu seheitern gehen, sondern auch dieses daraus erfolgen 
wllrd, dass derselb Proteetor es ftlr eine Feindseligkeit deuten und 
denjenigen Vorschub und Hülfe leisten dürfte, iiin welcher Feindschaft 
E. Ch. D. Hm nieisten bekümmert sein könnten, bichweden wilrd es 
gewisslicb ein geratheu Spiel sein. . . . leb verhofle dauuenhero, E. Ch. 
D. werden selbst gnädigst ermessen, dass mau der Zeit mnss weichen, 
wenn mau üherwinnen will, was die Zeit widriges fürbriuget, und 
mir dauueuhero nieht in Ungnaden deuten, dass ich solchen Punct 
nicht gedisinitiret. Wo E. f'b. D. iler Meinung wären, dennoch lieher 
alles fahren zu lassen als darzu zu kommen, so stehet Ihr solches 
noch inmier frei, weiln Sie mich desadvouiren ktinuen. Und wo Sie 
entäcblossen sein, der W^elt zu zeigen, dass Sie mit Crom well nichts 
wollen gemeines haben, wie es auch kommen mJichte, so wird solches 
in Verwerfung dieser Handlung herfürleuehtt-n mit desto niebrereui 
Esclat. — 

Wie nun diese Conferenz geendiget, so berichteten die Deimtati 
ans Corpus. Ich vernahm, das» die Generalität meine Kaisonuements 
wol begrili'en und rühmlich darvon geredet, Holland aber das ganze 
Werk Über- und ad referendum angenommen hätte. 

Auf Uullaiida Euuch«)duug küuimt uuti uocb allet> au. 



I 



J 



Fortgang der AllUuceverhuodtuDg, Cruruwell als UiDderoisa. ^ 27 I 

Amsterdam treibet sehr; Rotterdam und Leyden secondireii I 

es trefflich; tinrieni Lab ich aucli wol geinfMnuiret. E. Ch. D. Wider- I 
würtige Sehens selir sauer an, und liab ich Werks saug, die Geröcbte 

wegzunehmen, das« Sie heimliche Intelligenz uiit Schweden haben J 

sollten. Die däuigdie Miiiit^tri befördern das Werk lieimliub. leb halte I 

Diivh aber indifferent und geretiriret bei den meisten und blügse uieiue 1 
lutention he! uiemnud, als die da vini im[)erii iu Händen haben. ^H 

Joh. Moi'iU V. Nassau an den Kurtiirsteii. Dat. Haag I 

8, Juni lf>.'>ri. (lu. pr.) I 

[Gäuxlicbe AbltüDgigkml d«r Hoiläudi*r von Cromwell. Cromwelt gegen Branden* 1 

biiTg eingeiximmen. Uebele Wirkiinj^ duvuu anT dii- AtliHuceaiigeleijeiitiiiit.] I 

E. Ch. D. berichte in unterth. Vertrauen, das» \vh fUrchte, E. Ch. D. 8. Juni,J 

werden tod diesem Staat wenig ui erwarten haben, alsu Holland alles 1 

regieret und von dem Frotectiir alsu dependirt, dass ohne dessen J 

Gutachten und Cunseut auch da« allerg^eriugste nicht gesebiebt. — • I 

Subald als die Generalität aelbsteu angefangen und hucb uöthig I 

befunden die Allianeo mit E. Ch. D. zu erfassen, itbnaugesehen die 1 

von Amsterdam diese Sach, aU uieiüt InteresHirte, auch ponssiren. so I 

haben duch die übrigen durch einen express Abgesandten Pincq dem 1 

Protector bienon Pari gegeben und «ein Ontnchten hierlther einge- J 

holet, auch ibrc Stiumi in der fieueralität so lang Buspeudiret, bis die I 

Resolution mn obgedarbtem einkommen. Welche war, das.s er die I 

AUiaiice mit E. Ch. D. ilieseuv Staat nicht verdenken könnte aU seiende I 

we^B der Seehafen interessirt. J 

Auch was Neuwert') mehr in dieser Sacb schreibt (zu lang um I 

^ verbalen) bab mit Augen gesehen. Es acbeiiit aber, dass er 1 

^futawelt sieb nader [sic{ bedacht bat und anheru wissen lassen, dass I 

'^ eil, D. dem König mit Rath und Tliat assintirete, auch von seiner I 

Person '} fremde Discurseu CUbretcn; derbalben ihm die Persun von 1 

^' Ch. D. sehr »uspect wäre, I 

Sieder mir dieses letzte zu Obren konmieu, hat man augensehein- I 

liclt eine gruH^e Kubligkeit bei etlichen von Ilollaud wegen der Albaner 1 

'pUren können; bleiben min wieileriini stehen auf deu Hang; wollen I 

deo Heer vau der Capell »(die aus dieser Cummission (darin er 1 

*"'clie Jahr mit grussem Lob gewesen) ausstussen unter dem Schein, 1 

w »ei ein Clev'scher Vasall und E. Ch. U. verobligirt; woraus urtheileu I 



'I Nienpurt, oiederländisclier (iestuidlei' iu l!)n)claiid. 



128 



1. Uriiadeulmrg iiud die Niederluude. 



itiUÄS, dasä man an Seiten etlicher bftaer affectionirter HoUfiader die 
8acb und E. Ch. D. suche autkulialten, um Tieileicht ^wisehec zween 
Stuhle zu thun iiiederzusefzeii. Atie uütevthüiiiger Affeetiou und höch- 
stem Vertrnuen lial» iiötbig geachtet, E. ('Ij. 1). dieses liekamit zu 
luaclieu. 



Weiinaii ati den Kurfürsten. Ihü. 



Haag 15. Juni 1655. 



I Purtgnng der AlliaiiCüverliandtang. Gerächte über geheime Verliindung des Knr- 
fürsteü mit Schwede», HoUanii eröfl'net gruasu AusBichteu. UijtPrreduugeu mit 
de Witt und nudcren, Ein subnedtBulKfr Gesaudtur im Haag. Misetraaen der 
Niederländer gegen die Ati^icliteo ScliwedeuB; Riistuugeu. Drängen Weiinao's 

zum Abschlass.] 

15. Jnui. I'i'' l'roviuj; Holland bpriith noch iraiuyr von Tag zn Tfig über di 

Alliflncci»ngf!t'geuli('it. 

Icli untprliess nictht. den fU rnehinstcn inraittelBt, uncb deme mir 
füi'kam, dasa es die Nuth erhciscLeti', zuzuspreehen und solche Infor- 
mation zu geben, als ieli veruieinete, dass der Zeit und Sachen Be- 
schaffen lieit erfiirdertc; und observirte darbei imnierfort meinen vori- 
jre.li niodnni procedendi, die ShcIic zu reiMinmendiren, d(»ch bei we- 
nigen und ohne bassesse. 

Der Argwohn gegni di'ii KiirfuDiteii uud die Abneigung zur AHiHn« 
mit ihm in( iilitr in Holliiixl lioch viflt»eh iiueh sehr ^tark und wird ge- 
ilis^enüich genährt. 

E. Ch. D. ist die Cabale uiid ihr Sinn guugsam beltanut. Schwe- 
den hilft darunter; der clexiscUen Stände Agent ') lief und spargirte 
alle« gegen uns; Franki'eicli nuifj vielleicht uaaehuUIig daran sein. 
Sonst erhielten sie heitnltche Sclireibeu aus ScLwedeu, die E. Ch. D. 
verdflclitig luaclieten; und uiänuiglicli berief «ich auf Briefe, welche 
aus Berlin an Farticuliere sollten geschrieben seiu. worin enthalten, 
wie sehr E. t'h. D. in Freundüchaii und vertraulicher Correspoodem 
mit Schweden stunde, uud dasa E, Ch. D. Werbungen nicht allein mit 
Bchwedischeni Vorvvisnen, siuulern auch auf des Königs Anmahnung 
geschäheu uud was dergleicheu Dinge mehr war'). 

•) Der öb«ü [i,tl4 irnt. 2 geuauute Leo vou Aifr.emu; über ihn sagl eia 
Brier den Prinzen Wilhelm Friedrich ron NaBeau-Uietz <Tgl. ob. p. 108) 
au Weiiiiaii dut. 14, ,Iuli l(j65: „AytKuiu en de Witt ayti goede vraudeu. en 
al Wut Aylmiia doeu cari tegeua luydeu van qualitevl, diit dnet hy, liel sohej^nt, 
hei ie in dun aerl en gesluuht, eyne voursaten bebbeii het uock gedaen." (Wei- 
maii's 'l'agpbneli.) 

») So schreibt auch de Witt ao Nieupoorl in Buglaiid (diit. S.Juli 1656): 
„muer fwy) werdun van tydt lot tydt nieer ende ineer daer inne gei'onfirmeert. 
dut Braudeuburgh met .Swedeu stact in guede iutelUguutie." Ue Witt ßrieven 

m. i>. 77 



1 



I 



P ort gang der AUiauceverhAodlnDgeo. 



129 



Woinifin sticht alle dergleichen Gerüchte zu widerlegen. 
Damit onn aueb das Scheiden derer von Holland die Sache nicht 
möchte in Unrichtigkeit belassen, so verfügte ich mich zu denen von 
.^iiiBterdaui und andern den t'llrnehnisten Gliedern und remonatrirete 
ihnen, wie nüthig es sein würd, das« sie des Werkes ein End maeheteu 
ood nicht weggehen machten, bis das Werk xura ScUluase gebracht 
worden wilre. Sie sageten, wasmassen sie verliüffet'en, auf mein Con- 
cept deromassen zu reeolviren, das» ich wtlrd zufrieden sein, und wäre 
□lünaiglich darzn geneigt; ftie kannten aber so lange nicht bleiben, 
bis ich meine Gegenerklärung einbrächte. — 

Amsterdam eriuahncte und ersuchete mich darbei inmittelst so- 
gleieh, ich mochte von wegen E. Cb. D. das Werk so viel läeilitiren, 
als es mir immer möglich sein wUrd . . . was man fUr diesmal etwa in 
einem und andern niclit so gar prn sunimo wUrd erhalten unter so fielen 
scbwermlitlngen langsamen Cunsiliis, solches wflrd die Zeit suppliren 
können ; an Affection enuaugelte es bei ihnen nicht . . . wenu man die 
Holländer nur im Schiffe hätte, so würden sie die Hand getreulich 
anlegen. Der Herr von Brederttde sagete mir, sie hätten grosse 
Dinge fllr, welche sie gedächten durch E. Ch. D. und auf Ihren Na- 
men auszuführen. Man wUrd Ihr an Armeen zu Wasser und Lande 
verhelfen, damit sie per latus E. Ch, D. zu Vertheidigung der Ostsee 
allen feindlichen Gedaidien wehren und steuern möchten. Andere 
sagten mir dergleichen in hoher Confidenz, 

Wenn mir aber solche Sachen nicht schienen gnug und so be- 
schaffen zu sein, daas ich darum sollte abweichen von dem, was ich 
sonst in dem dieserseits Ilbergebenen Concept als E. Ch. D. letztere 
Erklärung gesetzet ... so gedachte ich, es würd zumal dienlich sein, 
dass Holland fUr dem Scheiden solches wissen und ihre Resolutifln 
darnach richten mochte. Ich vcrfllgetc mich dannenhcro zu dem Ratbe 
Pensionärin de Witt und gab ibme nach ein und andern Zuredungen 
zn verstehen, dass sie meine Fiualerkl^rung in Händen hätten, weiter 
würde ich mich gewiftslich, als weit die Substantialia anginge, nicht 
auslassen, und wollte ich ihn demnnch ersuchet Inibcn, Holland dahin 
zn berichten, dass Hie darvon nicht abgehen möchten, wo sie begeh- 
reten zn sehliessen. Dem von Wavern sagete ich desgleichen, ani- 
mirele andere, ging nach Amsterdam und trieb durch den von Mar- 
«eveeu'). welcher treft'licb mit E. Ch. Ü. zufrieden ist, das Werk 
auch immer stärker an und vernahm eudtieh, dasi; Holland bei sich 



') V. Wareru tind v. Maraevei'ü. beiJ« Bürgermeister vöa Aoutardaio. 

■nler. IUI Gucti. tl. (Ir. Kiirrtintcn IV, ü 



130 



I. Brandenborg naü die Nied<>r1ande. 



den Schiuss genommen und am Freitage denselben zur Geaeralttät 

einmbringeu fUrbabens. ^| 

Das CoDfept ward mir in lioheni Vertrauen zu lesen gccdmtniini- 
ciret und war's \n effcctu dieses, wie ichs in der hicbci kommenden 
Beilage ungeffihrlieh begriffen'). leb sähe die Kraft des Unterschieds; 
and ... TCrfilgte mich zu den ttlrnchuieien, trieb die Difl'erentialpiinc- Ä 
len. tanquam aliud agcndo, aiti börbsten und sohbissä endlicb, weiln 
Holland cinkonimen wlirtl, ao möchten sie alles fleissig Ilherjegen and 
dabin cooperiren, dass die Generalität mit meinem Concept sieh ohne 
viel Diäpntiren fügen wollte, die Zeit wäire gar zu köstlich, in allem M 
Fall mochte man «ngcs?luTiit mit mir zur Confcrenz treten, damit man 
zu beiden Seiten ohne weitere Zeitspüderung sehen miiehte, ob von 
der Sache etwas werden dürfte oder nicht. — 

Und vernahm ich bemacb, dass Holland am verwicbeneu Freitaire 
zu Mittag ihr Advis zur fJeneralitilt wirklieh eingebracht, und dass 
nach Verlesung desselbigen war geresohnret wurden, man sollte aller- 
seits Zeit ad dcliberandum nehmen bis auf folgenden Tag, mit dem 
Bedinge, dass der Prsiisident alle Sachen zurUcksotKcn und nur dieses 
Werk in Deliberation und zum Schlüsse bringen sollte. 

Inraittelst kam derKfin. schwedigcbe Baron Spaar in Qualität als 
Ahlegatus albie ein und als er am Samstage Audienz gehabt und nicht» 
als ein schlechtes Compliment gemachet [AriÄi-igo des Rogicrungisiiiitritttt 
etc.], so ward darauf nicht uliein wenig Reflexion gencnumen, sondern 
auch die vorhin schon bei ihnen vtirlmndene Meinung verstärket, dass 
Schwedeu den Estat nur mit guten Worteu zu speisen und aufzuhalten 
suchete. Und nalm» Holland alafortcns die Resolution um zu schei- 
den, inniassen auch selbigen Tags noch ein jedweder nach Hause 
eilete. In der Generalität aber ward dardurch verursachet, dass von 
UDserm Alliancewerke nichts vorkam. 

Inzwischen alli-rli-i militürfsiche uud diplomatisclie Vorbereitongcii; die 
nördlichen Grenzen in Friet^land und Grouiiigcii werden gegen einen schwe- 
dTPuhi'ii Ueberfiill voa Bremen her ins Anpu gelaust.: ilie Klutte wird lirim- 
lich geni.'.tet; etliL-he Schiffe (solleu schon luild in die Üjtti^i'i' ixbg(!li(."ii. 

Das Misstraueu [gegen Schwedeu] wird auch immer grösser, und 
gleich wie ein solch €(»rpu8 nur mit vieler Mühe bewogen wird, so 
gehet es hastig, wenn e.s am Gange ist. — 

Wann nun bei Ho bewandten Sachen das Alliaucewerk zwei Tage 
Bcbier stille gestanden und ich besorgcte, es mOchte djunit noch lang- 
samer hergehen, so ging ich gestern zu dem Rath Pensionario de Witt 



I 

I 



■) Beilage fehlt. 



OröDde gegen die Aafbithmt! (j'romweU's tu die AUiance. 



131 



and fOhrete demsellien mit i^ietn liebem Ernst zu Gemathe, dass E. Cli, 
D. eiidlicb wisseu niUssteu, wessen Sie sicli zu diesen Tractaten zu 
vereehcn; die Zeit und Sachen kannten keinen Verzug ohne Schaden 
leiden. Und ^b mir dcrscltic unter Welen hoben Sineerationfin und 
Bzcusen xur Antwort, sie eileteu nicht weniger als ich und wllrd die 
Sache als heute gewissHclj in der Generalität festgestellet werden. — 



Der Kui-fürst an Weiiuan. Dat. 12. Juni lß55. 

Antwon auf die Relation vuni 15. Ablehnung des Verdachts, als stünde 22. Jani 
der Kn^f^Ji^^^ In Einversfüiidniss mit den SeLweden, ^colches seind gar uu- 
rrCinlltc-be und von di'ii Gstzettiers erdiehtt^te Dinge". Und alles andere 
der Att fiind nur Ausfluchte der üolländer, die kdne rechte Lust zu der 
Alliance haben. 



Job. Moritz V. Nassau an den Kurfürsteu. Dat. Haag 
21. Juni 1655. (m. pr.) 

fArpiineote g«geu die Aufiistime C'romweirs in die staatisclie Alliance.j 
Was vor diesem aus einem sinceren Eifer zu E. Ch. D. Dienst 21.JunJ.* 
ich schrieben, werden E. Cb. D. verliotTentlicb empfangen haben. 
Dass man an dieser Seit euebt, E. Ch. D. aufzulialton, um vielleicht 
tiadtirch zwischen zwei Stöhl in die Aaebo zu setzen, verstäirkt meine 
"liinion nicht wenig, dass man sucht den Protector mit in E. Cb. D. 
Ulia.ü<rc einzula.S!4en oder einzunehmen. Ein guter Fund, um alles 
Ob» ein Haufen zu werfen. Diese Eiulasaung von Cromwell i&t von 
eim^D practiciret, mir auch in Vertrauen bekannt geniacbt und be- 
»ttnt viel gute Patrioten nicht wenig. Diese Einlassung verursacht 
aDerhsad Dieeursen , unter andern ... 1 ) dass sehr hedenklteU wäre, 
Criiniwell in die Allianee zu nehmen, weil Kais. Maj., alle Cbur- 
luul Fttrsten und SUinde des Reichs sich hieran stossen wili'den und 
E. Ch. D. suapect halten. 

2) S«» wBnle zu nicht gemacht die Üevoiren, welche E. Ch. D. so 
li'Wich bal>eD angewandt, dem Kflnig vor dem Reich zu thun assistiren. 
li) Würde durch diese Einlassung die bös affectionirte Partei in 
^"icilerUmd verstärkt. 

4) Dass besser wäre, E. Ch. D. auch fest darauf stehen würden, 
i«s man über alle Puncten die AUiauce betreffend eins wäre, bevorn 
"an in D«1iber:itii>n brächt die Einlassung von dem Protector; denn 
dadurch Üiffcrcntieu möchten entstehe«, wodurch das ganze Werk der 
Allianee möchte zu nicht gebracht werden. 



132 



I. BraDdeubor^ and Jie Niederlande. 



5) So confinnirten E. Cb. D., wann Cromwell eingenominei 
würde, die Sedusie von dem Prinz von Oranien. 

6) Einmal fest zu sein au solch einer Person, da kein Abkommen' 
mehr, der aucb nicht als sein eigen Vortheü sucht, gleich der Teufel. 

7) Alle E. Ch. D. Alliirten wurden ein f^räuel von diosem Croni-^ 
well ohne Zweifel haben. 

8) Der Schluss dieser Patrioten nnd E. Ch. D. Zugethanen war^ 
beaser sich auf (!ott zu verlaasen und aonsfeu sein bestes zu thun 
dann diesen Cromwell einzunehmen. 

Verhoffentlich werden E. Ch. D, nicht lll)el deuten, dass diese« 
obige also weitLHuftig geschrieben habe. Ich verreis diesen Moment 
nacher Clevc, um E. Ch. D. Befehlen alda gehorsamst zu warten. 



Weiman an den Kurfüi-sten. Dat. Haag 22. Juni 1655. 

[Neue Verzögerungen; Machinationeü des cleTJacheB AgentBU Aitzein«, Oppo- 
aitiöD ftegen die TheihmUme t'apelleii'g an den Tractateii, — Proteat gegeo die 
EinmiachnnsT der rieiieralätaaleu iu d'w Weeelsclie Augelegeulielt. Die noch re- 
stireiideu Hiudernisae der Alliance^ Scliwierigkeit wegeü der Auroabme Crom- 
. well'fl iu dieselbe; geheime Pläne.] 

22 Jiuii. Der Portgaug der Alliaiicevorhandlutig ist diese ganze WoeUe uutcr- 
broeheu worden durch die von der SUdt Wetiel eingebracht«? Klage gegen 
den KnrfürFten. 

Woraus denn dieses auch erfidget. dass ihr Agent Ailsiema die 
AU iancetrac taten dahin zu lenken gesuchet, dass man an Seite des 
Estats ansdjltcklich hineiusetzen sollte, maa wollte zwarn E. Ch. D. 
bei den clevigchen ... Ländern nuiuutenireu , es ndlsstc aber solches 
nicht weiter verstanden werden, als da E. Ch. D. die Stände nach 
ihren Privilegien regieren wUrd, und da dagegen etwa gehandelt würd. 
dasB dem Estat bevorbleiben sollte, alsdann in Kraft des Xantischeu 
Traetates von a. 1014 den Bcschwereten die htilfliche Hand zu bieten '). 

Fürs zweite kam dieses immerfort auch noch ins Mittel, dass Hol- 
land deu von der Capelle in dieser Sache znm Commissario nicht 
ISnger dulden wollte, welches denn eo viel Ungelegenheit auch ver- 
ursacbetP, dass, da die andern ^ro^^n7.en mebrcntbeils solches fllr ua> 
begTÜudct achteten, Holland dardui'ch desto langsamer ging'l. 

Operationen Weituan's gegen die Wesel sehe Klagedcputation. 



I 



') Die GeDeralstaaten hatten in einem besouderoD Actenstück die Uanuiti« 
de» Vertrags von Xanten l(;i4 übernnmtncn ; diese „XantiscLe Garaijtte'| 
dttt. Haag 13. Ilee. 1614 ist gedruckt bei Aitzeina I. jj. 106. üeber di<? Ou* 
ttinuliclikeit einer Berurmig auf eie s. das Tulgend«? kurrürstlicUe SvlireibeD. 

*) Vgl. ürk. u. Actenst. UI. p.8G uol.4. 



Inirigneu der clevigchen Stiode. 



133 



Wir zeigten mit genügsamen Eifer darbei auch an, wie es so gar 
ciue lie^lerliche Sache sein wllrd. das« der Estat sich in solche Sachen 
iniArheu vv«v||te; E. Ch. D. und in alleni Falle wSre der Kaiser und 
das Reich darin competens jndes. Die Ouarantie wäre eine todte Ge- 
bnrt. gleichwie der Xantiöche Vertrag; in iiiso partii wäre eretieket. — 
Wir gaften ihnen diesem nftchet auch noch zu bedenken, wie übel 
sie thun wUnlen, da sie sieh einer particulier Stadt annehmen woll- 
ten, geg^ii Recht und Reden, weiln s'dches auch gegea ihren eignen 
Vortheii an!<>laul'en wllrd, iamagseü deu Estat ja leiclitlich bekannt 
Mns kßnnte, das» die Werbungen nicht de gayet^ de coeur. sondern 
oor darum beecbähen, damit man auf allen Fall gemeinen Feinden 
Widerstand thun k5nnte. 

Und war endlich unser Schluss, wo «ich der Estat im geringsten 

in dieses Werk mischen . . , wUrd, das» solches nicht allein E. Ch. D. 

mm hfiehsteo missfallen, sondern auch gewisse Ursache geben wUrd, 

die gn&M Handhing dran zu gebeu und abzubrechen. Ich sagete 

etlichen rund, solche Sachen zicleten dahin, das» sie mit E. Ch. D. 

«üe Regierung des elemclieii Landes in effectu theileu wollten; für 

solchen Fotderibui* und Confueileratis möchte man lieber keine haben '). 

Hierauf scind nuu viele Coiiteutiones in der Generalität fllrge- 

fallen. und »eind alle ['rovin/.en zwaru darin einig worden, dass man 

für (tiesnial mn «1er Weselschen Klage nichts däspouireu sollte. Ilol- 

laml, ?jeebnd und Utrecht aber, oder vielmehr die Herren de Witt, 

Velb und ran der Holck') seind der Meinung verblieben, man 

wllk j)ich durch eine ausdrückliche ClauguJ iui Tractat dennoch da» 

Kecht reserviren. 

Di« Jrti FIau|)^<ckwit'^igkt'iteD iu Hczug anf die AlUance siüd jetzt uoch: 

1) Dass man E. Ch. D. die Verhöhung des Zolles benimmt. 

2) Das« man der Guarantie gedenket. 

3) DasB man den Protector auf solche Maasse einschliesset. 
Wo nun E. Ch. D. das erste auf solche Manier als ichs gcstellet ') 



'I Aitieiiia III. p. 1204 bemerkt iu Bt'trelT dieser Vi-rhuüdluogL'D iiber die 
..XiaUictie l"J«irilntii'" : „«It'u I lot-r Wi-jiBan baddt^ suleke dnjJylijcke litst daer 
«•fkeB, (lat by meermaej aeyde: tci- aal Uever mijn ««lut lalrn nf m^Aen, wr 4«r- 
••», üt cioi tot tiatn". 

*) ü«l<erdie buidi-n letzterfn vgl. die gleichmitige Charakteristik b&i Freede 

Inlfiiiiug [1. 2 BüIrtgi'D p. 142; liuBondnrs von der Hitoick, Bürgermeister poa 

lii. ifilt als Ocguer liratidcuburg«: .«rurorisaut aatant qu'il peiit ceux (]ai 

: i-kiMiit de rKleoleiir lU' UrHodt-bourg et du Cumle d'OslfriBe. D est aases 

" i' au 9j«leme politinne dti Parleineut d'Augleterru." 

< i'i' betrcITüudc Beilag* fehlt. 



134 



T. Brandenburg nni] die Nit<der)and<>. 



k^rnnteii passireii lassen und gedenken, wo Hie in Alliancc bleibcD, 
dass Sic alsdann «alvä amiciliä nicht wul wtinlen zur VerUlibuug kom- 
men können . . . uud wo die Allianee cessircn wllrd, dass Sie alsdann 
ungebundeo seind: so möchte wul Hufluung sein, dasH man an Seite 
des EBtats sich derGuaranlie begäbe. Was aber den dritten anhebet, 
denselben kann man oluie .die buchste Helabr nicht eiuuial rubren; 
hie wird man gcwisalicb uicbt durvon abstebeu, was bitl'ts dona, il^» 
man viel davon redet? 

Ja, es wUrd E. Cli. D. nicht nbne Gefahr sein, wenn man web aae' 
alhie getröstete nichts zu schliesscu; denn solches Cromwclln nicht 
verborgen bleiben und andern ihr Credit und Macht nicht wenig ver- 
stärken wUrd. Damit ich aber auch dieses nicht nnvei-suehet Hesse, 
80 hab ich» bereit» «nter der Hand dahin gebracht gehalil, dass es 
drei Provinzen Gelderland, Fricsland und Overjasol proprio mfttu ange- 
rlJbret und fllr sich selbst ins Mittel gebracht, mau möcbte Crom well 
wie andere Potentaten und Gealliirten ad declinandani invidiam nur in 
genere einschliesscn. Es bat sich aber Holland alsfortens mit allem 
Eifer dagegen nicht allein bertig vernohrncn lassen, sondern auch au- 
gezogen, dass der Estat anders als geschehen 7,u thun nicht vermöchte, 
vveiln c» austbiicklich bei dem Ictjiteu Friedenstractat Art. 15 wäre 
besehlosscn worden. 

Ich vernehme auch unt«r der Hand und in huhem Geheioi. daa« 
es daran so weit ermangelt, dass man Crom well taeite vorbeigehen fl 
sollte, dass sie bereits daran arbeiten, wie man eine defensive Allianee 
zwischen Engeland, Dänemark, E. Ch. Ü. und diesem Estat möcbt« 
belegen und erthätigen können. — 



I 

1 



;55.| 



Der Kurfürst an Weiman. Dat. Colin a. Sp. 19. Juni 1655 

[Der Kurfürst vprztchtel auf liie Erhöhung der preasaischeu ScöiöUa für die 

Dauer der Alliaace. AUloliaiin^ der Emmiscliang^ der GeDcralst&ateu in L'ltsvo 

tmter dem Vorwuud der ühcrDommvneo Garantie. Die uameDtliche Aurnuluiii) 

C'ruDiwcll's iti duQ V'crlra^; iiugorn zugeätaudeu.] 

29. Juni. Erstens was die F>höhimg der Zölle betrifft, so soll wegen dieser Por 
dcrung der Holländer die Tcrbandluug nicht zerschlagcii werden. 

Zwar kann die Erhöhung ein weit niehres bringen als die Hülfe 
ausweiset, so von den Herren Staaten Uns vcrsproeben wird, welches 
Ihr wol remonstriren könnet; massen der Zoll in der Pillau hei schwe- 
dischen Zeiten bei ti(.)tj,i K MJ Iltb. gebracht. Wir könnten Uns auch de 
selben Mittels bei solchen Nothfälleu uud Knegij'/.eiten , so es erfor 
dem müchteti, wol gebrauchen; es wiirde Uns auch ächweden darin 



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EiD»chlifSfaug CromwL-ll'?. Pn^uiäiache Seesölle. XnoliactK' Gsrantie, |35 

nicht imgerne die Uaml bieten, geetalt sie Uö» (Iädq dazu schon An- 
lass gegeben. Weil Wir aber deuen Ratiimibus, so Wir Euch jQiigst- 
hiii Uherschreibeu lasiK-n, wanint Wir Uus und Uiiserm fitaat eine enge 
VerfeUludnif« mit »len V^ereinigteu l'rovineieu zuträglich eraeliten. an- 
Oi>eli itibaeriren, wollen Wir auch um dieses Punctea willeu die Trac- 
ten beute nicht brechen oder aufheben. Es kann auch das Werk 
daliin gerichtet werden, dass die V^erhöhung ohne ihre, der Staaten, 
"Vorbewusst uieht sollte vorgeiionitiieu werdeu. 

2) Nichts ungereimteres aber ist Uns bei dem Werke fUrgekom- 
luen als die Beibehaltung der Xantischen Guarantie. Wann die 
Herreo Staaten sich dazu verbunden erkennen und Wir nüttels dieses 
Traetats dariu gehelen sollten, würden sie die Festungen Jülich und 
DflSäcldorf wider den im Rüni. Reich neulich publicirten Frieden ein- 
nehmen und schleiCen lassen, auch alle Pro visional vertrage, woran sie 
selbst mit laborirct, umschatten mllssen. Wie ibneu solches thunlich 
und Uns verantwortlich, ist am Tage, und ebenso wol schickt sich 
auch die Approbation solchei' Garantie bei dieser Allianee. — 

;}) .^nreicbeud des Protectoris Eiuschliessung, so wäre gut, dass 
die Provinzen GelderUmd, Friealand und Overyssel unter der Uand 
küiiaten dispooirt werdeu, da^s. Eurem Bericht nach, sie voriger Mei- 
nung und der ftencralinclusion inhaeriren möchten. Es wird auch 
Art- XV. der Union mit England keine expresse oder namentliche Ein- 
schliesBung erfordert und beiludet sieb dergleichen Eiuschliessung auch 
Dicht in der zwischen iSeJiweden und Euglaud aufgerichteten Allianee. 

Weil aber . . . Ihr allschun ein Concepl der Allianee Unserthalben 
deu Esiaatisclieu Dcputirten llbcrgebeu, darin die Keception des Pro- 
tections enthalten gewesen, so sehen Wir nicht, wie anitzo ohu grosses 
Aufsehen und des Werks Präjudiz daruuter etwas zu ändern sein 
möchte. Könnten aber die vorbin angedeutete Temperamenta Statt 
fiiid&u, haltet Ihr Euch darum äusserst zu bemillieu. 



Weimaii an den Kurfürsten. Dat. Haag 29. Juni 1655. 

[Dio Alli&nccaacbe steht, Aiifregeodc Nacliricbtea aus .Schweden; gi^heime Cor- 
Lje»jK»nJeuli^n. Veräuilerlichkeit der niederliiudisclicn Staatsmänner. Der Artikel 
Iber Aw Nicliterlinhung der preusaisehen Seuiolle. Die EiQBchliessnng Crom- 
weil'e ia die AUiaoct.'. <.ienictite ulier Schnedvu und den Kurriirsten. Angeb- 
liche fluue deg Kurfürsten, preusäiache Houverainität etc.J 

Die vcrwichene VVoche bab ich nichts getfaan, sondern mich immer 29. Ja 
in tcnuiuis delihcrationis gehalten; und hat solches bis daher» kein 
Aufsehen verursachet, weilu der Kath Pcnsionarius de Witt nicht ein- 



136 



T, Brandenburg und die Nieäerliitide. 



heiniisch und die Generalität mit den Omlandischen Sachen dernmassen 
ist beschäftiget gewesen, dass sie niclita anderes tiiun können. Cnd 
weiln ich dieses w«l gewusst, so Hess ich mich dennoch an, als wäre 
ich fertig, zur Couferenz zu kommen, damit ich E. Ch. D. immerfort 
extra moram hielte. 

Inniittelst erhielten sie Briefe aua Schweden, dass die ftchiffsniacht 
Bich vielleicht gegen die Pillau hegeben niOchtc, und machte duBiielh 
die Gemllther ein wenig wieder munter. Dagegen schrieb einer von 
den heimlichen Correspondenten (die sie fltr wenig Wochen an viele 
Oerter und vielleiclit auch nach Berlin ausgeflchickct), dass er im Bre- 
mischen einen E. Ch. D, Ministers, welcher an Königs mark heim- 
liche Sachen angebracht haben sollte, hätte angetroffen und davon 
vernommen, dass E. Ch. D. in Pouimcm auch mit den schwedischen 
Ministria negotüren Hessen etc.; wodurch die Regierung denn wieder 
ein wenig stutzig geworden. 

Es ist schier nicht zu besehreihen, wie veräinderlich alhie die G«- 
mttther, wie unsicher auch die Rcsolutiones seind; von allen Winden wer- 
den sie fast getrieben, und gleichwie sie ohne Haupt, ohne Ansehen 
and in ihren Inclinatiouibus getheilet, dauueuhero deromasseu onibra- 
gews seind, dass sie zur Sicherheit veretellen nud alles nicht achten, 
wenn ihnen tlie geringste gute Luft zuwehet; so tllrcliten sie sich fast 
fttr ihrem eigenen Schatten, wenn etwa Zeitungen cinkommen oder 
etwas fUrgehet, welches ihnen im geringsten zuwider ist. Dieses 
möchte nun wol nachlassen, wenn sie mit E. Ch. D. wllrden etwas 
endliches beschlossen nnd also einen Cours genommen haben, da sie 
worden fest an gebunden sein. 

Weimau hat eich endlich entschlossen, seineu Allinucceutwurf bei der 
Generalität einzureichen er geht ansführlieli die eiuzeliieu Artikel desselben 
durch und rechtfertigt die Passung derselben. 

Der 16. Artikel ist von nicht geringer Coneideration, in Ansehung, 
dasB darin E. Ch. D. wollen zu Nichtvcrhöhung itcs Zolls verbunden 
werden. Nun hah ich vom j\nfang hero alles gethan und gcremon- 
striret, wag dagegen einigernmssen gethan und geremonstriret werden 
können, gestalt E. Ch. D. darunter die freie Hand zu lassen. Nir- 
gends aber hat's sich mehr gezeiget, dass man alhie mit Kantleuten 
zu thun hat, als eben bei diesem l'unct. Der Kath Feusionarius halte 
in der Generalität öffentlich geaaget, hierin bestünde ihrerseits die 
Seele" des Werkes; wUrd mau dieselbe aus diesem Articul nehmen, »o 
nehme man der Alliance das Leben. , 

Wir haben uns zum höchsten dieserwegeu bektlmmcrt gefunden! 



I 



Die Frage der Erhnhang der prenBBischea Seexnlle. 



137 



und haben zu einer Seite geconsideriret, wie Iiiirt, wie uubillig und 

absclieuüch ea fUr E. Ch. D, ist, dasa Sie sich dessen hegeben 

sollen , was Ihr Gott und das Recht gelben zu Ihrer Rettung, und 

dass Sie in Ihrer Noth sollen stehen lassen ein Mittel, welches allein 

ia Zeit der Noth ohne Blasiue und Unredlichkeit ist. Zur andern 

Öeite haben wir dagegen wol gespUret, würd man hierauf bestehen, 

däss alsdann alles zurückgehen dörfte, welches E, Ch. D. denn auch 

nicht wenig Beaehwerd verursachen dtirtte; und haben daunenhero 

auf Temperamenten gedacht und zwarn solche, die da E. t'h. D. zwani 

in etwas zurückhalten, Ihr die Hände aber nicht allerdinge binden 

und fesseln niüchten. Deswegen haben wir nun vielmalcn gevariiret . . . 

endlichen aber haben wirs auf eine solche Maasse gestellet, das» wir 

verhoffen, E. Cli. Ü. werd damit gnäd. zufrieden sein; denn durch 

Bdkhen Weg Ihr das Arbitrium noch ziemlich beibehalten wird'), — 

Amsterdam vermeinet, E. Ch. D. würd sich darunter fügen, weiln Ihr's 

»u Vortbeil gedeihete, wenn Sie keine Verhöhung thun wUrd, sintemal 

E.CIlD. dardurch um desto mehr Trafli(M| au Ihre Hafen ziehen und 

«1» per indirectum gewinnen würd, wessen Sie sich directo sehienen 

m begeben. — 

Der l!?, Artikul hat mich von Anfang heftig bekümmert, indeme 
ich die ausdrückliche Einscbliessnng des Prutectorig gerne verhütet 
pewben. Wenns aber eine pur lautere l'muriglichkeit und eine Sache 
»«n solchem Bedenken ist, dass man dieselbe schier nicht rühren kann 
«Ime die höchste Gefahr, so liab ich den Artikul für diesmal auch 
weiter nicht alteriren dürfen, als dass ich das Wort Re publique lier- 
aiisgelaseen; ich werds aber auf allen Fall deuten, dass es errore 
wribeotis heschehen, 

Es Tcrlautet, daüs die ächwediücbcu Truppen fieh nm Stettin herum 

Und weiln E. Ch, D. Völker aus dem Cle^^schen zugleich auf- 
hfecben, so gibt solches alhie auch immerfort noch allerlei Nachden- 
''cu; hei dem Volke zwaru allerhand ungeheure Zcit\uigen. in den 



') Art 16 io dem vou dtiti Generaistoaten iib(>rgebeDen Entwurr vergprichl 
"•f Knrfürit die Nichtt'rhöhuiig der Zöüe für die NifderläiidKr „uuder 
S**Qderhand« prtteil". In WeinittD'a Kntwiirf litnlet die rftetlet „onder 
B**nderbaode pret«xt, »onder de l)Oog«te noul, geDii»«D inleregt ende 
■*iiai»ie von H. H. M." Letztere Fasauug. nur mit piner kleinen Aendurung, 
"^ denn auch in den abgeschlogaencn Vertrag uborgegangen. Atltema III. 
P-'20a. Ol, Witt b6zeil^^llJ^^l die» als „de principaSe stipulatien tot Totudeel 
^** <iei«a äta«t" tu dt>r guasen AUi»nce (an Nieopoort dat. 23. Juli 1655. Brie- 



138 



I. Brandeiibarg nu<i die Nrnderlande. 



GeniUthern der Kegeuten aber diese Ouibra^je: E. Ch. D. wüid sieh 

mit Schweden Atgen und dahci lK>diii^a'D. dass luiiii Ihr PrcuäReo von. ^M 
Polen frei luacheu uiid die Jiiliuhsche Liuider in solidum liefern sulle; " 
wenn Schweden nur Danzig kriege und die Macht wieder in Deutsch- 
land führen möge, bo würde es wul zufrieden sein und Frankreich 
ein linderes nicht suchen; E. Ch. D, wurden sich dabei suchen con- 
siderabel zu machen und Ihr Thuu damit justificiren können, weiln 
Sie I'olen nicht vertheidigen könnte, dass Ihr die Noth einen eolehen 
Weg gezeiget um sich zu retten. 



Joh. Copes an den Kiirfiirsten. Dat. Haag 19 29. Juni 1655. 

[BwBchwurilu der .Statit VVi^su! lilier die kurf. Rcgiertini;, Viiratütliing der Gene- 

ralstaaU'ix im den Rcaidedten Üopea über dies«« Fall. H«rufiiü(,' auf deo jüng- 

steu ßL<iebaal>Bcbied; Verweiaiiiig uu iltüi Ivurftirsluo und i?vuul. duu K.ui8<ir.] 

29. Juni. Mein Voriges hat E. Cb. I>. untcrth, hiuterhracht. wie das« die 
Stadt Wesel hiehin geschrieben') und I. fi. M. kUiglicheu reraon- 
strirt hätte, daes E. Ch. D. Regierung des Kuiflirsteuthunis Cleve sie 
begchwerete mit neue Geldsteuer zu Unterhaltung der jetzo geworbe- 
neu Miliz, und wie sie ersuchetcu davon befreiet zu werden zufulg 
der a. 1014 bemi Xantischeu Vertrag versprüchenen Garantie, und wie 
selbiges Schreiben hie viel Unlüsten gebährct hätte. 

Wonif am 23. dcsselbigcn Monats |Juuij ist erfolget, dass I. H. M. 
uiii'J) ersucht zu »ie in eine Nebeukauimer zu kommen; da ich dann 
erschienen und praesentes gefunden die Herren flendrich von der 
Capelle, Beverningh, Veth, Staveuisse, Uoolck, Alva, Rip- 
perda und Schuylcnburg; uud ist von dem Herrn von der Ca- 
peileu vorgetragen worden, dass I. H. M, abermalen ein Schreiben 
von der Stadt Wesel empfangen hätten, dieses Inhalts, dass sie ufTs 
neue von der Churf Regierung zu Cleve ufl" Poeue der Execution an- 
gestrenget würden, sichere Summe Geldes in 3 ad 4 Tagen zu erle- 
gen; welches, wie es ihren Privilegien, auch dem a. I641I gemachten 
Landrecess zuwider wäre, so ihitten sie bitten, I. 11. M. kraft ihnen 
obliegender Garantie selbiges heuiuien und dein Weselschen Comnian- 
danten anbefehlen wollten, selbiges de facto zu behindern: so hätten 
dennoch I. H. M. nichts resolvireu wollen, sie hätten mich ehest dar- 
über gehöret uud ilicscr Saclien Beschafleuheit eingenommen. 

Ich bedankte selbige Herren üeputirten ihrer Coiumunication hal- 



I 
1 

I 



I 



') Das Sulireibeii dat. 8. Jaai 1665. Die vou der clev. KegieruDg Verlangt« 
Summe betrüg) l?d(l Itlh. 



Klnseii iW>r Stadt Wesel im Hiuur. 



139 



bea ond sagte, dass dieses eine Sacbe wäre vnn weitem AasHehen, 
darllber ich zu berichten mieh nit völlig instriUrt beflluile; wäre auch 
hei der Stadt Wesel zu viel gethan, sclbijjos liichin gelangen zu las- 
sen; könnte glcichwol (ler iliscursum uieht verhalten, dass vor etlichcu 
M'tnaleu E. Ch. D. iu Gefolge eines gemeinen KciL-lisebhissw ') ilcn 
clerischen Ständen ebeniiüis&ig als ihren Ständen anderer FürHtenthH- 
mer bekannt gemacht hätten, dass im Eeich einige motiiH titdliei sich 
empörten and sie also eiue Geldsteuer umzuschlagen sich inttssten ge- 
fallen lassen; und da selbige clevische Stände uff gewisse Mimsse 
darein consentiret und diese Sache keinen Ausstand leiden müchte, 
hätte E. Ch. D. die Matrieul durch dero geheime HciL^ierungsrathc aus- 
fertigen und die Gelder am l'(»rderUchsteu ausschlagen lassen. 

Der Ländtaj;^i«reccgs tod I(>49, fuhrt Copes aus, finde auf diese jt^tzigp 
Frage gar keiue Anwendung, da e?s .sich hier um eine Reich übesCitnuiuug 
liiunlplt, und schuf sst mit der Aufforderung — 

das« I. H. M. der Stadt Wesel Schreiben zurücklegen und selbige 
Wi E. Ch. D. verweisen wollten, und wenn sie dann virmeinten be- 
scftiven zu bleiben, sie wol wtlrdeu zu l. Kai». Maj. zn gehen wissen, 
'^Mnnen sie dann sieh oftern in viel geriugeren Sachen gekehrt hätten. 



I 



Der Kiu-turst an Weiman. Dat. 26. Juni 165&. 

I ••^rschiedeDC BemerkuDgüD zn dem AllianceoDtwiirf. Beginn der scbweditcheD 
oiilitiiriBcheu Operationen.] 

Die Defensionsverpfliehtnug der Oeoeral Staaten ist nicht nur zu stellen cTolii 
r den clerischen Landen auf die ^so au der Üftsee belegen'*; denn 
«rärde die Mark, Halberstadt, Miuden etc. ausgetjchlo^sen t>eiu; son- 
°^fxx auch auf alle die, Mrclche „sonisleu in Teat«cbiaud oder dem Rom. 
^eU;b situiret". 

Weinjao's Veränderung ini Art. Itt wird »pprobirt — .„nur das« die an- 
K^njhrte NotU, nm desto mehr die Sacbe ta dctcrmluirea und dem ajtdern 
^Htil Cuntcutcmeat tu geben, ani" die Kriegünoth in s]>ecie rebt4'ingirct 
"^rdea möchte'-. 

Ihr habt biebei zu rcmunstriren , dass, wenn die Herren Staaten 

"^hon die ü*M) Mann als »auxiliares eopias einwilligen würden, solches 

•"eilt die Hallte itetrage dessen, m wol ehenialen in der l'ilbm allein 

*^* Kriegsreite« an Zolle erhoben. — Sollten lll>er alles Verlioffen die 

"''^gegchlageno Teniperanienta nicht verl'aiifjen, noch admittiret wer- 

***", könnten Wir zwar das Werk . . , gänzlich nicht liegen lassen 

^er abbretsbeni Ihr habt aber alsdauu die i!^eit der Allianz auf so 



') Art. 180 d«8 juDg8t«t) B^ichsabschiüiJa von lf>54. 



140 



I, Braudeohnrp nud die Ntederknde. 



wenig als möglich und etwa zwei, drei oder vier Jahre aufe höclute 
zu eetzen. 

lu Betreff Cromwi'U'« «ull Weinian rersatiheu, ob ileM-cri unvenneid- 
Ikbe Ein-ehlic-sung »uicht in einen .-ecreteii Artikd sylltf gebracht, werdeo 

Wir haben des Orts zu herichtcn, dass gestriges Tages der schwe- 
dische Geoeial Fcldniarschall Wittenberg den Fans durch Poinmem 
hei uns gesuclit, und dass er etwa auf wenig Tage seineu Marsch 
dadurch nehmen und zufolge Sr. Kön. Wrd. zu Schweden Befehl in 
Action treten milsse, ohne Anzeigung wohin selbiger Zug gemeinet, 
angezeiget. Wir haben ihn an den Ki-ei»obcrslen und auf die ge- 
wöhnliche CHUtiones, so den lieichsconstitutioueii von a. löftö und lö<>4 
gemäss, verwiesen. — 



1 



I 



Weiinan und Copes an den Kiirfib'sten, Dat. Haag^ 
5. Juli 1G55. 

[Amaterdaiu dringt auf deu Abschlotia. Audienz hei der Oeneralitat.j 

.Juli. Ea' wird gewirkt, um das vod Weimao iibergebene Concept den Herru 

Regenten zu euipfehlen. 

Der RcBident Copea ging dauuenhcro ain Sonnabend nach Am- 
sterdani, nahm unser Conceiit uut und kam heute frHhe wieder im 
Haago an, referirend, er nebst E. Ch. ü. Agenten Dogen hätten mit 
den anwesenden Bürgermeistern Conterenz gehalten und . . . diesijn 
ßeBcheid bekuHnnen: weilu sie nicht andere sehen könnten, als dass 
wenig Differenz vorhanden und die Sache Eile erforderte, so wollten 
sie mit ihren Collegen reden so bald immer möglich und inmittelst 
an den v. Wavern diese V^erorduuug ergehen lassen, dass er fal- ■ 
genden Tages im Haag sein und Namens der Stadt Amsterdam allen 
Fleiss anwenden sollte, damit uns in denen annoch uneutscheidenen 
Puncten gewillfahret und der wirkliche Schluss darauf hofordert wer- 
den möchte. M 

Diesem näcliet fuhren wir heute am Mittage zur Audienz; man 
empfing uns dem Brauche nach gebührlich - und wuriien geleitet in 
die Generalitätscannner, worin l. H. M. iu corpore versammelt waren; 
man gab uns den gewöhnlichen Sitz, und wir jiroponirten darauf prae- 
missis curiah'bms, dass wir in mandatis hätten, die Allianztnictaten soj 
viel itnmer möglich zu beschleunigen . . . etc. Wie nun solches ge-l 
schehen, und die Herren Staaten mit grosser Attention alles angehöret 
und verzeichnet, so gingen wir wieder daiTon und vernahmen nach- 
gehenda, dass alles wol aufgenommen und beechloaeeu worden, com- 



gcliwierlgkeiten des letstea Stadiums der Unterhaudlung. -141 

ini8sa.rii causjie nuichten sich wieder zusaimiientliun . . ■ und wollten 
0ie darauf ihre ßesulution abfanden. 



Ciftmde an dieser Stelle, wo die Verhandlnngeo ihrem Ende entgegen- 
gehen, fehlen aidTalieuder Weise in dem Berliner Archiv sowol die Depe- 
schen Weiman's, als die erganzeuden von Cope», für Jidi aud Anfang 
Anglist 1655; sie müssen durch einen besonderen Zufall abhanden gekom- 
lucu sein. Oliicklichcr Weisse künneii wir das läiJd dieser letzten Torgänge 
^Kbt:^ z,nm Abseblnss der AJliaaee ans dem ersten Band der Weinian'gcheu 
^^w Oeschäftsjüurnale {s. oben p. 24) völlig ausreichend ergänzen. 
f Ton Mitte Juli ali folgen die Conferenzen mit den niederländischen 

I Cotmnissaren rasch auf einander. Am 20. Juli nimmt die Versammlung der 
% KtÄaten von Holland das AlÜHnceproject an; nur noeh wenige Conlroverg- 
^^k puncte wie die Raugfrage {oben p. 123 n. 1) bleilieu itlirig. Oleich darauf wird 
^ die höllaodiscbe Erklärung bei der OeneraütÄt eingeliracht (22. Juli), ein Paar 
Tftge Dachher wird aucii in derKangfrage ein Abkommen getroflen (26. Juli) : 
~ alle Schwierigkeiten scheinen beseitigt. 

ALer eine neue war inzwischen von anderer Seite aufgetaucht. Eben 
JHzt begann Karl Oustav von Schweden die Feind>cligkeiteu gegen Po- 
len; er hatte alle Hebe] eingesetzt, am das Bündniss zwischen dem Kor- 
fürf-ten und den Generalstanten zn hintertreiben; au Drohungen fehlte es so 
»enrg wie an Verheissnugen. Am Iß. Juli erschienen als Bevollmächtigte 
^^8 Kurfürstian Schwerin und Wal deck in Stettin, um dort mit den 
wowedischeuCommissaren Oxeustjerna und LiHieström zu verhandeln. 
_ ^Veise, wie diese sich über die .staatische Ailiance ansserten, veranlasste 
'^^' beiden brandenbnrgischen Gesandten au Weimaii zu schreiben mit der 
"■"'"greuden Aufforderung, deu Absehlnss noch hi n au szn schieben (dat. 
'^'■20. Jnli 1655). 

-Ä.m 29. Juli erhält Weiman dieses Schreibeu; er eilt nach Cleve, sich 29. Jaü. 
Ol« tlem dort weilenden Prinzen Moritz lu besprechen; es wird beschloa- 
"' *lie Unterüeichnung hinauszuschieben, wenn es ohne völligen Bruch ge- 
cftet»^,, könne, andern Fall'; aber deu Tractat zu vollziehen. 

-t>ie Reise Weiman's gerade bei der jetzigen Sachlage hatte im Hang 
*'eaili^|]j. Tcrwundernng erregt; man hatte lu seiner Abwesenheit mit Co- 
P*' 'breiter verhandelt nnd fast alleB ins Beine gebracht. Als Weiman 

"*"* «einer Rückkehr am 5. August wieder in der Coufereiiz erschien, wer- 
den « 

ÜDdi, 



**-3! (seine Tersuche, noch einen Aufschub zu bewirken, von den nieder- 



gehen Commissareu zurückgewiesen, man verlangt entweder die Aus- 

j ^^elnng der scliuu ujiterschriebcucn Instrumente, oder droht mit völligem 

***Xjcb der Verhandlung. So entschliesst er meh am 5. August zur Aus- 

*^iig des Instruments. „Was wollten wir nun thun? die Ruptur war 

^ -tilgen (schreibt Weiman in seinem Tagebuch); Adversarii wünscheten 

**• "^^ ir koMiten nicht sehen, dass solches Sr, Ch. D. würd gefallen. Erg« 

wuratet* ieli in mir zu Gott, bat um Weisheit, resolvirte zu schliessen, weil 

^^ "Kfiti auder Auskommen erseben konnte. — Unsere Uauptmesures nah- 

"'*'* »ir aber heimlich hierauf; würd S. Ch. D. mit dem Staat einen Weg 



&.AQi 



143 



1. Br^ndenbiirg und die Kiedetlande. 



wie den andern zu schliesscD gemeinci: »ein und bleiben, so würden wir 
niV'lits zu vifl gctlian haben, weil S. Ch. D. sich solchen Fall.« an kdnen 
Strohbalm stcisi«eu, sondern sich allerdings würd gefallen lassen, dass wir 
qttBUclöcimqne gescblossen und die Riiptur yerraieden; wo Sie aber andere 
Gedanken haben und etwa mit anderen sieh etigagiren wollen, solchen Falls 
würden wir doch auch noch besser thnn, diiss wir schlössen, ah dass wir 
brächen; denn Sie solchen Fall» tingebnudene Hand hic!t«n, indem Sie nns 
dei^advouircn könnten; und könnten Sie inmittelst desto besser Ihre Coudi 
tiones mit anderen miiehen, weiln Sie gleichsam sub elypeo Ihr Vortheil 
stipuliren würden. — Uli (die niederläudischen Coiumissare) nalunen unsere 
Erklärung mit sonderbarlieh freudigem Muthe an. Wir rcicheten daraal 
(um aliquatenus iptJo facto den Vorrang in behaupten) unserseits Insun- 
mentnm und den secreten Artienl au sie, viiu uiiw beiden unterschrieben 
[Weiman und Copeü] in Original! über. Uli thatcn desgleichen an uug. 
Man besah die Haud und Siegel von allen beiden Seiten. Wir mocheten 
ein Compliment und protcstirten von Sr. Ch. D. guten Affcction und Since- 
rität. gegen diesen Staat. Uli thatcu solches vicissim, utrinfjue multo cum 
verboruin bonure. Wir wünscheteu einander Glück und Gottei- Segen und 
nahmen jedestheils auf, die Batilication rcsp. zu befördern und auzubriEgen." 
Unmittelbar darauf eilt Wciman nach Ijerliu, sein Verfahren zu recht- 
fertigen und die Rutification des Knrfiir.<teu zu betreiben, Inzwischen war 
ein Sehreiben an ihn unterwegs, welches, wenn früher eingetroffen, der 
Sache eine andere Wendung gegeben haben würde, 



I 



Weiman. Dat. Oranienburg "; i"J^. 



1655. 



Der Kurfürst an 

(Eigenhändig.) 

[KriL'geriiche Bewegungen des Königs vou Schweden. Uessen PrcrteBt gegea 
die oiedGrläiidisclie Alliauee. Belebl, den AbBcUluss :u verzögern,] 

.Aug. Euere unterth. Relation etc. weiset aus, was bei der jUngstai 
Conferenz Itlrgegangen und wie nahe man zum Ziel konmieu. Wir 
eehen 7Avar, dass das Werk fttr dieses Mal nicht höher kotmte ge- ■ 
trieben werden und kiinnten geschehen lassen, dass man darauf 
schlösse. Wir haben Euch aber im höchsten Geheim zu eutdeeke», _ 
dass, nachdem der König in Schweden ein Corpus von 12,00(1 M. in % 
Polen gesandt und mit einer ebenso starken Ann^e iu Vorpoinmem 
und an Unserer Grenze «tchet, seine Flotte aber naeher P ') ge 



sandt, auch in Livland so \ie] Völker ausgesetzt, wie er etwa itzo 
bei sich hat, dass Wir dannenliero einige Unserer gebeimeu Käthe 
an ihn abgesandt, zwischen Polen und I. Köu. Maj. Fnedenshandluug 
zu versuchen und in Entstehung derselben wegen Unserer Lande Trac- 
tiiten zu ptiegen. Daselbst ist nuu unter andern Conditioneu fttrg 



I 



') ünlvBeriicli — «vi Patiig? 



Gontreordi« r.n spät. Endlicher Abgchluss der Alliance. 



143 



i;: 



seillagen, dass Wir die Staatischc Aüiance, als ein Werk der 
Freuudsehaft mit I, Maj. ganz cflnträr, (juittircn möchten, zuvorderst 
wieweit selbige die jireusisisclien Lande augehet. Nun sollten Wir um 
solchen AnmiUhens willen vieltiielir sidehe Alliamrc pressiren; als aber, 
wie oben cnvähnt. Wir mit der seliwediRcben Msielit ganz umringt, 
zwei WnjTvodschaften in Polen sicli schon aceomraodiret und. wie 
Wir berichtet werden, den König aus Schweden tlir ihren Herren und 
I'rtiteettifcn (also lant«n die Relati<>nes) augeuounnen haben sollen; 
wem auch mit dein Schluss verfahren werden snllte, des Orts alhie, 
*Ia die Gefahr am nächsten, zu fernerer Handlung des Königs ans- 
•Jrtieklicher Erklärung nach keine H<tffnung: so haben Wir Euch diese 
Bt^wandtnis» eröffnen wollen, mit guiul. Befehl, Ihr selbe in geheim 
halten und um stilchen Zustauds willen den Sehluss der AUianee 
daselbsten mit guter Manier und so viel möglich mit Un- 
s^riu Glimpf bis auf weitere Andeutung von Uns traisniren 
Wollet. 

Euch ist bekannt, dass man super quantn locorum an dieser Seite 

eiti mehrerei iirätcndirt, auch so vermi'igc der Artieid selhsten wegen 

^^8 extraordiuarü suhsidii ein Fartieiilartractat tUrgenommcn worden. 

»^öniile nun damit der Schluss aufgehalten luid das Partieulartractat 

tott^esetzt werden (wie Uns denn in Wahrheit zu Erhaltung des Zwecks 

**'^8er Alliance dasjenige, so darin veraecurdiret, wenig nutzet), wUrdet 

•ur Euch dessen allen zu Unterhaltung des Werks und Differiruug des 

Schlusses bedienen. Findet Ihr auch des Orts pro re nata einige 

"ccurrenz, damit Ihr folglich das Werk aufhalten könntet, möchtet Dir 

**ieli derselben gebrauchen. Wollte es sich schicken, dass Hir einen 

|6esuch{ zu Prinz ^lauritz von Nassau zum Prätext nähmet, als 

"*»■ principaliter zur Handlung deputrret, könntet Ihr selbigen wol 

''** O, jedoch dass Wir Nachricht davon hätten. Je weniger Ihr Euch 

*'**' Uuscrn Befehl hieniit berufet, je weniger Nachdenken gibts des 

^*^ bei der Euch bekannten schon entstandenen Ombrage. Wir ypt- 

•*«n Uns zu Euch, Ihr bestes Fleisses mit aller Treuen dahin labo- 

*"^n werdet, dass das Werk ohne weitem Bescheid nicht gewehlosscn, 

oi><ili einig Widerwillen, viel weniger Kuptur des Orts verhanget wer- 

'*'^** möge. Honst senden Wir Etieh hiebei ein Chiffcr, die Ihr Euch- 

aeereten Dingen gebrauchen könnt. 



m 



Es war lu ^pät, ali dieses Srtirt^iberi cintnif. W ei in an lieliitiU sich 
^teiu mil dem gebehlossejieu Alliaiicovertrag oul" deiu Wege nach Berlin, 
*o tr Mitte Augu»t ciutraf. Mau t]iu88te hier die vollcnUttte Tbatsache 



'144 ^- Brandenbnrg und die Niederiande. 

hinnehmen, nnd es seheint, dass sie jetzt sogar willkommen war: Weiman 
bemerkt in seinem Tagebach, dass alles über die Alliance sowol, wie über 
seine persönliche Ankunft sehr erfreut gewesen sei. Ende Angast reiste 
er mit der Ratification des Kurfürsten nach dem Haag zurück. Seine wei- 
tere Thätigkeit dort während des nordischen Krieges gehört einem folgen- 
den Abschnitt an. 



n. 
Brandenburg und Pfalz-Neuburg. 



ItMUr. IUI Gcwk. d. 6r. KuriOnMii. IV. lO 



m 



Einleitung. 



Der Verlauf der St.rcitigkeit«ü zwischen Knrbrandenbnrg nnd Pfalz- 
Nenburg als t'ratcndeuten der Jülich -clevisftheD Erbschaft Bcit dem Jalire 
IßüS ist in der HaupUache so Ipekannt, dass eine Wiedererzähloui^' dersel- 
^*n hier nnterlaHsen werden darf Auch sind die wichtigeren Pnnete in 
''w Einleitung zu dem vorigen Abschnitt berührt worden. In dem jetzt 
^'%enden stellen wir die Acten zusammen, welche den Verhandlungen vom 
^gierangsantritt Friedrich Willftlm's bis zu dem neneu Düsseldorfer 
"•^vif^inniil vergleich vom 8. April 1647 angehören. 

Der Kurfürst überuahm diese schwierige Angelegenheit in der Such- 

/"»gc?, welche durch den Düsseldorfer Vergleich von 1G29 und durch die 1630 

^ JJaag vorgenommenen Mödiflcationen desselben geschaffen worden war*). 

**_*'»e beträchtliche UeberTortheilnng ßrandeabnrgs in dem Vertrage war 

'*^Hi zu rerkcnnen; in der Ausführnng ging der Pfalzgraf Wolfgang 

Mr - 



t4. 



\Jhelin sogar noch darüber hinaus. Kurfürst Georg Wilhelm hint«r- 

*'^«B winem Sohn als meinen Antheil an den Erbschaftslanden das Her«og- 

'*Tn CleTe, die Grafschaft Mark und den Anspruch auf die mit dem Pfalz- 

^ •'Ä.f f n gemeinsam zu iühreiide Verwaltung der Grafschaft Ravensberg, einen 

"^Uapruch, der, wie schon früher bemerkt, thatsächlicb dadurch fürs erste 

^*"'«"kungjiloB war, dasa der Pfalzgraf den bei weitem grOssten Theil des Lan- 

*^^s «ich angeeignet hatte, ohne das« es zn der lt)30 stipnlirten Gemein- 

^Äxuitejt der Regierung gekommen war. 

Wie in den meisten anderen Beziehungen, wax Kurfürst Friedrich 
" tlhelin auch hier entschlossen, von der vön seinem Vater verfolgten 
"üiljtung abzugehen. Doch war die Ausruhrung hier besonders schwierig 
''**d mancherlei formalen Rechtsbedenken unterworfen. Von den fünf und 
**«niig Jahren, Für die der letzte Pro visii mal vergleich in allen Formen 
'^«ehttins geschtofsen war, waren jetzt erst elf verflossen; Pfal» • Neuburg 



') Vgl. obe^o p. 11 ff. 



10» 



148 



n. Braudenbiirg und Pfftlz-Neiiljnrg. 



konnte mit ziemlich einlenchtMidom formollen Recht darnnf dringen , da 
entweder die fiinfnndzwoiizitrjaiirijre Frist bis zu Kiide eingehalten wen 
oder dass eine neue Verlmudliiiig diwli jedrnfails von der Ba^is de:i Tertra 
von 1629 au.-igehc. Demgt'ge»iil>cr war derEinwaud, dass Graf Seh wartie 
Ijerp (witrauf iti den niiti folg(/nden Verliandliingen ein Hauptgewicht g 
legt wurde) liei jibsebluss^ di-s Yergleiehs von 1629 mala öde gebaiide 
und dasA er von dem Getaner bestochen war, so wahrseheijdich man ( 
Tltatsache vielleicht mnehen konnte, doch von geringem Gewicht; — 
stand ihm die Anerkeiaiuug des Kurfürsten Georg Wilhelm nnd die fl 
jiüirigc Geltung des Vertrags gegenüber; war Brandenburg bei jener letjsj 
Verhandlung nbel beralhen gewesen, so konnte den Folgen dieses Mi?ijj 
Schicks vor Ablauf der htipulirteu Frist nur mit Willen des andern Pac 
centeu oder de facta abgeholfen werden. Das Argument, dessen man si 
brandenburgischer Seits gelegentlieh bedient, dass nach dem lehnsrechtlich 
Chiirakter dieser Jülich -clevischen Lande der Kurfürst au keine ihm prajl 
dicirliche Bestimniiiug seines Vorgängers gebunden 8?i, dass er ^?.n diesi 
Löüden uicht jure hereditario, souderu proprio nnd ex Providentia miyori 
tiuccedire*, war in dieser Anwendung nuf einen provisioiialiter geschlossen 
Vergleich jedenfalls ron sehr zweifcllinftem Ileiditüwertlj. Was die Nicl 
Zahlung der löÜH rtijinlirten Gehlsumme von Seiten des Pfalzgrafen bctr 
so fahen wir sclion oheu (pag, 12), wie der zweideutige Ausdruck, d 
Schwartüenberg hier zugelassen hatte, jenem einen goten Anhalt 1 
seine Weigerung gab. Nur in Bezug auf die geiueinsatne Regierung v 
Raventiberg st-and der l'fulzgraf in IRllüugbnrer Weise ausserhalb seil 
Zusagen von 1629/30. 

Es gehört zu dem ganzen Svsteni politischer Umkehr, welches je' 
in's Leben trat, dass Kurfürst Friedrich Wilheltn von voni herein dl 
Rochtsverbindlielikeit der letzten Vertrage für sich in Abrede stellte. l!^beq| 
wie mit energischer Wendung die bisherigen schiefen Verhältnisse zu Poh 
Schweden, dem Kaiser rasch uud durchschlagend geWst worden vrnn 
ninssle Brandenburg auch in den Fiirstcnthiimern am Rhein sich um jed 
Preis aus einer faUchen und gefährh'chen Situation befreien, in welcher 
Gefahr lief, bei der ersten günstigen Gelegenheit von dem katholischeu M 
besitfcr gänzlich verdrängt zu werden. Die Verwerfung des Vertrags f 
](j2'.> war hieri^u der erste Schritt. Das unten mitgetheilte Gutachten « 
clevischen Kegiernng vom 12. März 1642 fasst in Kürze die wichtigsten C 
sichtspnncte zusammen, von denen umii weiterhin bei der BeUaudinng < 
Sache ausging. 

Wir dürfen von dieser Stelle aus eine zieniliehe Reihe von Verhar 
luugeu wahrend der nächsten Jahre, die völlig resaltatlos die Angelegt 
hciten ganz auf dem Insherigen Standpuucte stehen Hessen, iibergehen. K 
die Berufimg von Johann von Norprad auB den Diensten des Pfa 
grafeu Wolfgang Wilhelm au die Spitze der clevischen Regierung hrln 
ein neues Element herein'). Es lässt sieh aus einigen gelegentlieheu A 
deutungeu erkennen, dass dieser Uebcrgang Norprad's in das eutgega 

'j Vgl. oben p.50. 



Binleinuig. 



149 



etzte Lager äeineD Grnud tu per^bnlicben Zerwüifoissen mit dem Pfalz- 
fTtifeu gehallt holitu mufts; eiuc gereizt« Stimmnug gegen »eiucti friiliereii 
gibt sich bei verscbiedenen Anlässeu kand. Maii wird auf diese 
eilig gpiiaiutte PtTsoiilicbkeii für die iiioere Geschichte dieser Verhältnisse 
»lirend der erateu Jahre des: Kiirfiirsteii ein grosseres Gewicht legen niiis- 
«11. als bifher ge^cbehen ist. Von seinem £iutrict in brandeuLurgiscbe 
Dienste an ist er, nicht ohue mauaiehfache hervurtreieiide Opposition gegen 
*iup öaii^uinische Art, die Angel egeubeiten 20 betreiben, ganz besonders 
«e nnmhige, vorwartstreibeiide Element; das Abkommen von 162SI/30 wird 
ütht mehr al.< rechtsbeätändig anerkannt-, »amit liegt, der Weg zn t!iat»äcb> 
eher Verändenmg der angenblickliehen BesitzverhältniBse offen, und Nor- 
md sucht uuabiäöiig den Knrnirst*n auJ' diesen Weg zu drängen und 
Mt)»^!! Bruch mit dem Pfalzgrafen herbeizuführen. 

la der Tbat leigen sieb auf diese Weise bei näherer Betracbtung die 

pthre hh su dem Provisionalvergleieh ron 1647 hin bewegter und erfüllter 

DD uljprhaud Plänen und Ausätzen, als der ernte Anbück und ali< die 

iiuliel«- Ufbergeliung derselben bei Pufendijrf ^ermuthen liisst-'). Suhon 

lab 164.5, bald nach seinem Eintritt in die Dienste des Kurfiir«ten, 

chteXorprnd diesem den Vor^ohlag, mit Gewalt gegen den Pialzgralen 

^asiuLreiten ; der Gedanke fand principiell vdlen BeiJ'alE; allerdings sei 

erKnrfurst ^wol befugt, einen Eingritf in des Herrn Pfalxgrafeu besitsseode 

Bt'rter >ü thiin, um .-iieb daraus Ihres Xaehtbeil,', de fueto zu erhoieu"; nur 

ßUek»icht auf die allgemeine Lage der Dinge müsse mau jet^t davun 

bselieii. 

Aber fortan blieben Pliine dieser An an der Tagesordnung. Mit dem 
Jlhr 1R4Ö beleben sich die Verhandlungen niit dem Pfalzgrafen von neuem, 
''Ff nur um immer mehr herauezustellen, dass au ein güiliclies Auseiuan- 
'''■fkuutnien uieht zu denken ist. Die Ansicht Nor|irad's gewann neuen 
o<lcu. Aul* seiu Betreibeu fanden uamhafte Trupptiiwerbungeu iui Clevt- 
^^ti Statt; aus Preusncu lier, wo der Kurfürst sich noch befand, Tührte 
i^oTg Ehrentreich von Bnrgsdorf ein Reiterregiment nach Cleire 
^'ftjr, 1646): andere folgten später im Jahre *j; Fab4an yon Dohna 
*wti «ach Pariß gesandt und erhielt dort die enuutbigendsten Zusiche- 
>'" fiir den Fall, das» der Kurfürst sich daran wagen wollte, ,die 
'l'iiicr aus Jülich iiud die Kaiserlieben aus Dusscldori zu jageu"^); in 
'»twliau war .-tchon im Mar/ 1645, unzweifelhaft nach falschen Ucrichten 
»m Dtti<>.eldorf('r Hofe, die ^■acb^icht verbrettet, ilatis der Kurl'iü-st bereits 
^ Peiudscligkeitcii begonaeii habe'). I>as wichtigste Actcnstück hiciur, 



') bi der dem viertvu üucb vuriiugest eilten Einleitnug zu dem Krieg von 
51, Dauientlicb IV. §, 04, wo er von «lern zweiten Diiastldorfer Vergleich un- 
ittdhur 7.U dem dritten vim UUT uberapriBgt. 
*) Ü. unten ud a. lt>45 zu Anfwig and Drk. u. Acteust. U. p. 11, Uoricbl 
d's frttuzösisciiea Oesuadleii Bregy una Königsberg, dat. 24, Sept. 1645. 
') Ebeudag. I. p. 610. 643. 

^ Sciutiibeu des Erzbiecliofs Lubieuski von Oueeen und andrer Magnaten 
den KnrrurDtCLi dut. Varsav. 29. März 164&: „repente in praesunti umuitUQ 



150 



n. Bmndenborg uad Pfalz-Neuburg. 



aas welchem der Thatbostand dießer kriegerisehea Afipiraiioaen zuc 

hervortritt, ist (neben den unteo i'üigeudeu sehr lehn-cielieii Friv« 
G. E. voD Bnrgsdorf's au seineü Bruder Conrad, den Ve: 
des Kurfürsten) das nach einer im Düsseldorfer ArchiT befindlicb 
Schrift roitgetheilte, wahrscheinlich ans der Feder des Kauzlers S ig i 
V. Götze staiuiueude Qutiw-hten des geheimen Katlis zu Berlin. A 
schiedenste und nicht ohne einige EmptindliijUkt'it darüber, dass d 
fürst, ohne sie zu befragen, schou so weit iu der Sache gegaugi 
verwirft diese Behörde den Gedanken au ein kriegerischeB Vül^el 
tadelt mit den schärfsten Wendungen eineu solchen Krieg, mit so m 
liehen dipiomatischeu und militärischen Vorbereitungen nnternonmi 
ein Werk strafbaren Leichtsinns. Der geheime Rath mochte in diese 
Recht haben ; allerdings scheinen seine Eiuweudungen sehr schlageni 
Autiirität trug den Sieg davon über die Ansichten, die von Cleve 
tcnd gemacht wurden uad denen die eigene Neigung des jungen 
zu euergischem Eingreifen wol auf halbem Weg entgegengekomii 
Die Kriegspläne wurden zunächst aufgegeben; man bemarkt in de 
der nächsten Wochen, dass das Cabinet des Kurfürsten sHb die G 
und Motive jenes Gutachtens zu cigeu gemacht bat'). Auch die nii 
viel Zuversicht erweckenden Etusicht«u, welche G. E. von ßnr 
bei seiner Anwesenheit iu Cleve von dem Staud der Dinge gewönne 
und die er dem Kurfürsten durch seinen Bruder mittheUen Uess, 
mahnen, sich dem Drängen Korprad's nicht allzusehr anzuvertrai 

Indess war dies doch nur ein Aufschub. Die Uaterhaudlungeii 
neu von ' neuem und ebenso resultatlos wie früher. Im Mai 1646 
der KurfurBt das Herzogthum Preusseu; nach kurzem Aufenthall 
Mark erschien er imClevischca; es kam ihm darauf an, dem Sit2 c 
fälificben Tractateu näher zu sein; zugleich staud seine Vermählung 
Princessiu von Orauieu üi Au.-sucht uud furderte seine Anwesenhe 
lieh auch galt es, jetzt in der pfalz-nenburgischen Sache einen Schri 
zu tkun. 

Man wird uuteu eine Anzahl von Actenstücken üuden, welche 
dass jene im Jahr 164ö fallen gelassenen Kriegs ge danken eiu Jah] 
als der Kurfürst persönlich sich in seinen westlichen Provinzen 



Ordinum couventu unnciatur, ap^rtum hostilitatem a Ser"^ V'> contr 
Ducem Neoburgicuu) ojcerceri locaquc uli(|uut iu ditioue Jniiaccnsi al 
insessa nomiuu Ser''* V" teneri." Die Maguntuo protestiren gegen i 
gcbhcheu „belli tentamenta" des Kurfürsten. Dagegen spottet ( 
einem bald darauf geschriebenen Briefe an Kouig Vladialav IV. (K€ 
o. D.) über jene falschen Nachrichten; „Suaui Dileclionem [sc. der I 
taiu celeres alere uancios, ut iu uuperis Keipublicae couveutibus cogitati 
Btraa praeverteret." (Üüaseldorfer Archiv,) Vergl auch ürk. u. Ao 
p. 160. 

') Vgl. z.B. das Schreiben Gonrad's v. Borgs dorf an N"orprad 
oigeberg 30. Nov. 16i5, und das des Kurfürsten an Norprad datKi 
3. Jan. 1646. 




Eünteitun^. 



151 



etUch wwder anfgeuommen and diesmal in der That bis zu etoem ge- 

■unssfn rtnifle diiirhgt'fiilirt wurden. Nachdem (die Versnchc sich gütlich 

zu vLTütaiidigcii nhermals' gescheitert waren, liess im November 164ö 

der Knrturfit iilötilich einen Theil des Herzogthuius Berg militümcli bc- 

-• *7i'n; er traf seint-u Oegner ganz nnvorbereitet; Ijts unter die Mauern von 

'. ' - -eldorf, wo der I'i'alzgraf rc-idirte, drangen die brandenijurgii'ehen Trup- 

peu unter Führung deis Obersten Georg Bhreutreich von ßurgsdorf 

»or nad nahmen Quartier in der Umgegend; auf Widei^t&ud trafen sie 

aivht; drr Pfal-sgruf war für den Augenblick ohne ollt Ressourcen; bis 

Mitte December blieben so die Trupjjea des Kurfürsten im Bergischen 

liegen. 

}jU einem Krieg also kam es mit dieser crätcu militärischen Action des 

t^urfüriteu nicht; mit geringeu ätreitkraften wurde der Einfall uuCernummen, 

»nf ungefähr ISOO Mann ?.u Puss und Ross gibt der Pfalzgraf die Zahl 

■'er ftiudlicltcn Trappen an'); im Erfolg war das Unternehmen vielmehr 

t?i«t' gegen den widerspänstigen Mitbesitzer verbängte Execntion. eine 

'^wiutgsmasfregel , um denselben auf bessere Qedanken in Bezug auf die 

*w fiilirendeu Verhiwidlaugen zu bringen; und während der ganzen Episode 

wurden diese fortgesetzt. So wenig beiuerklich hat isicb in jenen stürmi- 

^bei] Zeiten die&er kleine Zwischenfall gemacht, dasä die Kunde davou sich 

ganz Ttrlor und erst hier wieder aufgefrischt wird*). 

Eine andere Frage ist freilich, ob dem Kurfürsten, als er sich jetzt zu 
Sc«r»l(&ainem Eingreifen entschlo&s, doch nicht noch andere Qcdaaken 
Turschwehten. 

In eben denselben Wochen, wo der Kurfürst hier am Rhein aggressir 

"ufint, ütandeu seine Angelegenheiten nach einer andern Seite hin in der 

»i«lwten Bedrängnis*: es wurde immer deutlicher, dass die Schwedeu 

«nt«chloi<*en waren, au» Pommern nicht zu weichen, die Verhandlungen 

in Oätmbrück gestalteten sich immer hoffnungsloser, Hilfe iu dieser Sache 

*rv von keiner Seit« zu erwarten; binnen kurzem, so war voranszuseben, 

tBtti?te man weichen, nnd es handelte sich dann vorzugsweise darum, mög- 

lichit werthvolle Aec|uivaleutstücke für da.s an Schweden abgetretene Pom- 

attru za crlaugeu. Uuter den hierbei geforderten Ent^chädigungeQ werden 

g^ewcihtilich die Jülich- bergischen Lande nicht mit genannt; indess ist auch 

Uta iliesen die Rede gewesen; schon in einer Resulutiou au seine Gesandten 

tu Oenabnick vom 8. August U34ti nennt der Kurfürst neben anderen eveu- 

mellen Eutächädigungsansprüehen auch „die völlige Possessiou in den jü- 

Ucbscben Landen'*"'), und am pfalz-neuburgiscbeu Hofe hielt man eich durch 

t*) „In die tuneeud Soldaten von Ihrer Leib^ardia zu Roas, und daneben 
b 20f) Dragoner und 600 zu Fubs." So der Ffalzgraf in einem Schreiben an 
PrinieeB von Oranien (ö. D.) im December 1646; dieeeeitige authcntiflche 
j^eisnngen durüher finden sich nicht. 
BfRouaeet hist. de la saccesiion L p. 172 acheint eine Kotiz davon gehabt 
«,u haben, doch ziemlich ungenau. AafTallend ist, daas nnch die fVanzosiichen 
Berichte aus Müneter in den Negociatione eecretes etc. den Vorfall gar 
oieht erwäbnfu. 
^_ ") Ebeusu iu einer aus dem Haag datirten Besulution vom 2i. Dec. 1646. 



153 



n. Brandenbnrg und Pfalz-Neubarg, 



diese Plänp ffir sehr ernstlich berlroht und wandte nU-h mit Hilftgesucheaf 
nanh Polen: die Abnicbt des Karfursteo sei, sii'Ii für das abzutretende Pom-J 
mero mit den jiilicher Landen zu entschädigen"). fl 

Sehr walirscheinlich haben in der That Erwngiingen dipser Art bei dMB 
Kurfürsten zu dem Ent^ehliisü heigetragen, gerade jetzt dos Zerwürföiss im 
dem Pfftlzgrafen in benutzen und durch Bessetzutig des augränzenden Ker-Ü 
gigeben Herzogthamg ein angemei^sencs Faustpfand für alle Fälle in di^ 
Hand m bekommen. 1 

Es kommt noch ein anderes hinzn. Die Vorbereitungen zu diesen« 
Feldzng gegen den Pfakgrafcn werden getroffen in der nämlicheii Zeit,' 
wo die Verhandlungen über die oranische Heirat in's Reine kamen; d 
Oberst von ßnrgsdorf führt in den nämlichen Tagen seine Tmppen in'i 
Bergische hinein , wo der Kurfürst sich nach dem Haag begibt, um seine 
Vermählung mit der Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich zu volM 
ziehen; vom Haag aus leitet der Kurfürst den weiteren Gang des UnteM 
nehmeus. 1 

Eü ist unmöglich, den Zusammenhang zu verkennen, der hierin liegta 
Wenn ein Jahr früher die geheimen E-äthe in Berlin die Kriegi<gedaukeql 
des Kurfürsten neben anderen Gründen vorzüglich darum abgewiesen haM 
ten, weil es noch völlig an dem für ein solches Unternehmen erforde rlicheÄ 
diplomatischen Unterbau ermangele, so war dem jetzt, wie es schien, scholi 
einigennassen abgeholfen; nmn war mit Frankreich in Beziehung getreten; 
das Auftreten der brandeaburgiscbeu Gesandtschaft in Osnabrück und MüDStet 
hatte der ganzen Stellung des Earfüfst«n einen anderen Charakter TerlieheDj 
vor allem aber gedachte man in der jetzt bevorstehenden oranisch-niederi 
ländiechen "\*erbindung den sicheren. Ruckhalt, den „beständigen Rückend 
zu gewinnen, den jenes Gutachten als Vorbedingung für ein kriegerische^ 
Auftreten gefordert hatte. Offenbar hatte der Kurfürst von den pülttischei| 
Folgen seiner Heirat grössere Erwartungen als die Wirklichkeit in E 
Inng brachte"); ein enges Bündniss mit den Staaten sollte der FamiÜenvei 
bindung auf dem Fuss folgen; darauf gestützt hoffte der Kurfürst me 
wagen zu dürfen als bisher; man erkennt in deu Acten, wie alle die wiol 
tigsten Geschäfte dieser Wochen nach den Tagen seiner persönlicbeD Ai 
Wesenheit im Haag hin gravitiren. 

So steht unn vor allem jenes Unternehmen gegen den Ffalzgrafen 
diesen Erwartungen in Verbindung. Unzweifelhaft hoffte der Kurfürst dabfl 
auf mehr als auf die Gutheissung einer kleinen Eieeutionsmaasregel , dl 
den Gegner nur mürbe für einen neuen besseren Provisionalvergleich ml 
chen sollt.e. Diu persönlichen Verhandlungen dets Kurfürsten Im Hatj 
muKSten die Entscheidung bringen. Leider sind wir über diese im Eii 
zelnea gar nicht unterrichtet; der Kurfürst traf den Prinzen Friedrio 

I 

") S. doB Schreiben des jüngeren Ffalzgrafen Philipp W übe Im an d^ 

polnischen Rcichsstande dat. 28. Sept. 1646 in Urk. u. Actenat. I. p. 319. ' 

") Aitüemo III. p. 149. Syu Uoop ende iaboeklinghe was, dat oin dit aji 

Houweljck dese Stael eoude embrasseoren alle syne intereateu. ende b]j 

eonderlyck hem belpen aeo Pomereo. J 



¥ 



BiDleitoflg. 



153 



ffeiarich im Haag bereits kränker, als er vermnthet hatte; die Vemiüh- 
Inn^ massie bei-flileiinigi werden; dcuiioeli wnr er in den ersten Tagen 
n&cl) seiner Ankunft noch toII der besten Hofl'nungen und üehriob in dic- 
s^Ta Sinne an üeine Gesandten in Osnabrück und Münster; jedenfalls aber 
stcrllse der weitere Verlauf bald heraus, dass ebein>ow**nig wie in der pom- 
iii^ri»ehen aucli in dieser pfalz-neuburgigeheu Suche auf tUatsaeliliebe Un- 
tersttitzang von den Niederlanden her zu reclinen war. Noeb vom Haag 
jBs beTabl der Kurfürst die Abführung seiner Truppen aus dem Herxog- 
" tun Berg. 

Man würde nun aber den inneren Zusammenhanjj aller dieser Vi trjjängo 
aieht rftUig erfassen, wenn man nicht noch eine andere Reihe von Motiven 
in Betracht söge. Wie sehr das Aof and Nieder dieser politischen nud 
militAriiiehen Operationen, tou einer Seite her betrachtet, sich in enper Ver- 
bindnng zeigt, mit dt'u jeweiligen Couibinntiiiufn der grossen allgemeinen 
ond ansvärtigen Verbältnipse — man wendet sich um, und das Giinze er- 
»cheiot mit einem Male ebenso entschieden bedingt von einer ganz, anderen 
Vetbiodnng, beherrscht von ganz anderen Interessen. All die berührten 
Ansitze and Bejitrebnngen einer activen nnswärtigen f'olitik Jieigeu ingleich 
ein Antlitz nach innen, nach der Seite der stÄudisehen Verhältnisse itin; 
die Frage eines ersten Krieges ist zuglcicli die Frage der militärischen Nen- 
gruüiinng des brandenburgischcu Staate, die an yielc Stadien durchlaufende 
Streitfrage zwischen stÄudiscber Antonomie und fürstlicher Landesliobeit. 
Ditsc Werbungen und Troppenansammlungcn in den clevischen Landen voiu 
Jihr HJ44 an sind der erste Ansatz iu der Schöpfung de» neuen branden- 
bu^iichen Heerwesens durch den grossen Kurfürsten. Vom ersten Augen- 
liHck 8ü stellt sich die geschlossene 0|»position der elevi.>ich - märkischen 
Sätode gegen all diese Maassregeln. Verweigerung der erforderlichen Gel- 
ief ituD Unterhalt der Tmppen, Entziehung oder Erschwerung aller Sub- 
nrtetiimittel, bisweilen sogar Verweigerung der Aufnahme in einzelnen Städten 
— tnit diesen imd andern Mitteln suchte man systematisch die militärihche 
MBchteatfaltung des Landesherrn unmöglich zu michen. Und nicht ohne 
Erfolg, Wir lernten früher die entsprechenden Operationen der Stände im 
Umogtham Preussen kennen"); ganz ähnlich verjährt man hier, und in 
«*' That gelingt es den Standen, die angesammelten Truppen durch be- 
'•■Tltche Versagnng zureichender Mittel sehr bald in die peinlichste Lage 
lu briügca, Schon imJahrltMö sahNorprad, der hierbei, wie es seheint, 
*Ii«i sanguinische Hoffnnngeo gehegt und erweckt hatte, die Antlösung der 
ArtDÄe vor Angeu; es fehlte an allem: „ant-er Status bricht,* schreibt er 
im Sept. 1645, wofern nicht Etwa* geschieht. Was sollte geschehen'/ Nor- 
pr»<l Terlaogt den Krieg gegen den Pfal/grafen, das hiess zunächst die Ein- 
Ugemtig der braiidenburgischen Trn|>pea in das Herzogthnm Berg oder 
ereotnellJülich, wo sie auf Kricgsfus» Verpflegimg erzwingen konnten, Be- 
tnchcet man die Dinge von dieser Seite (und die unten folgenden Acten 
vtJscD besonders nachdrücklich darauf hin), ao will jene ganze luvoüiun in 
dm Land des Pfalzgrafen, die im Jahr 1645 zuerst entworfen und ein Jahr 



"i Utk. tt. Aotenat. L p. 9 f. 



fS4 



n. Brandenhiirg noil Pfalx-Nenbarg. 



dartiQf wirklich uusgedilirb wurde, uiis ftiüt nur tils eine durvli die Ausse 
Noth vcmiilasstc luilitärisL-hc Vt'rttiiUungsiimstin.'g«l ei'schciueu; man st 
vor der Alternative, cutweder dio Titi|)pru aiisoiuaudfr laiircn zu sch^ 
oder sie in fremdem üeblet mit Gewalt cinziifjiijivtireu. 

Man dürfte, zur riclitifreu Würdigiiinr dev Verhältnisse, diesen Uesicblj 
punct einer uumittelbareu praktiselieu NDthweudigkcit ebenso wenig abt 
den grösseren politischen JJeziehungeu nbersehea, als es richtig sein «riirdl 
ihn neben diesen, die Ircilich minder aiigenTälUg üind, einseitig als da» Eni 
scheideude bu betonen. Wie die Berichte Burgsdorf' s von seiner B«| 
gisehen Espedition zeigen, war die S|ieonlfttion eine verfehlte, die elg«Ml 
Trnppen iii Feindesland mit leichter Mühe unterhalten zu wollen, ohne dfl| 
man sich auch feindlieh gegen die festen Städte wandte; man fand auf det 
flachen Land dort alles so leer, wie man es daheim verlassen hatt«. ,Dl 
Leute, schreibt ISurgsdorf an den Kurfürsten (28. Nov. 1646), sind dies« 
Landes des Krieges dcrmasscn gewöhnet, dass sie denselben weniger «^ 
nichts achten; ihre Aecker f-tntl IjeaSet, das Getreide haben sie ausgedr^ 
scheu und wegge flüchtet." Die Noth stellte nich im Feindesland noch grösa^ 
heraus als ira eigenen; die Tnippen Burgsdorf' s mnssten ebenso wt 
Mangel an den noth wendigsten Bedürfnissen ihren Rückzug antreten, ^ 
die erkannte Ungunst der politischen Lage, den Kurfürsten nöthigte, t^ 
seinen, wie immer gestalteten, grösseren Plünen zur Verhandlung über eiii4 
nenen Provisional vergleich herabzusteigen. I 

So entligte also dieses kleine Vorspiel des Kriegs von 1651, ebenso itf 
dieser, mit einem Rückzug; der Kuriurst hatte seine Kräfte und die Gn^ 
geiner Lage übersehätzt, aber er verstand es, 'im rechten Moment von d^ 
ITnansfiihrbaren zurückzutreten und von dem missgliiekten Uuternehins) 
doch noch den möglichBt grösrten Vortheil 2U ziehen, unter dem Eindra4 
des so eben gezeigten entschlossenen Auftretens begann er Ueno Unt«| 
handlungen mit dem I'falzgrafcu; für diese wenigstens hatte er nun d^ 
ganze Gewicht der Niederlande auf seiner Seite; zur Führung derselbe 
wurde Conrad von Bnrgsdorf nach DüsKeldurf gesandt, dessen Ura(M 
tm der Spitze der Oeenpationstrappcn im Herzogthmu Berg gebtaadM 
hatte. 

Die Berichte Bnrgsdorf s von dieser Gesandtschaft bilden den le« 
ten Theil dieses Abschnitts. Kin neuer t'rovisionnlvergleich roiu S, Apl) 
1Ü47 «-urtle geschlossen; er enthielt wenigstens einige Bedingungen, sowj 
in Bezug auf die Theilnng der Ijatuie als uarnentlich auf die Ku vielen ij 
rungeuAniass gebenden kirchlichen Verhältnisse in Jülich nudBerg, welch 
dem Kurfürsten Satisfaction gewähren kurmten (s. u. am Sehhiss des A| 
Schnitts). Von wie geringer Garantie und wie kurzer Dauer indtss iliei 
Zustand war, zeigt der weiter unten folgende Abschnitt über den pfa 
neuburgischen Krieg vom Jahr 16ÖL 




öie Gesandten von Mainz, Cöln und Baiern auf dfin Ivur- 
furstentag zu Niirnherg an den Pfalzgraleti Wolfgang Wilhelm. 
Dat. Ni'u-riberg 7. Mai 1640. 

Sie erbieten sieb Namens ihrer Herren als VeriniUler Kur endlichen Ifi40. 
Beileinrag der jiilielischen Streitigkeiten ond bitten deu Tfalzgrafen nm Er- 7. MaLJ 
llüroBg seiner Absichten. 

Wiederhi'inng dieser Aufrage (dat. 10. Jnü 1040); 8«chneu und Bran- 10. Juli^ 
tlfaljttrg hatten sieh iinf Befragen zu ünterbandluugen bereit erklärt und 
üe angebüteue Vermitteluug angenommen. 



Kaiser Ferdinand IIT. an Pfalzgraf Wolfgang Wilheltn. 

Dat. Regensburg 6. Febr. lfJ41. 

Die drei Kurfürsten haben, da sie von Neuburg keiue Antwort erhal- 

t*n, Bicli an den Kaiser gewandt; auch er wünsche allerdings eiiu'u giitb'- 

chcn Vergleich herbeigefidirt zu sehen, natürlich unter Vorbehalt Knisierl. 

Beitätignng. Der l'falzgnif miige also sich der angeboteneu Vennittelung 

Wienen, ^doeh unbe.schadei der Güliscbeu Hauptsachen^ „daneben aber 

weh den Gülischen Jodiciulprocess befördern nnd nach nnnmehr vor ge- 

iBumer Zeit erlangter CouiDiUDication der Acten dero rechtliche Nothdnrft 

bieberor auferlegter Massen ohne ferneren Aufzug bei Uns handeln and 

elobritigeu'. 



1fi41. 

(j. Ft'lir. 



t56 



II, Brandeoburg iiDd Pfalz-Neuburjf. 



Pfalzgraf Wolfgatig Wilhelm an den Kurlui-sten. Dat, Düssel- 
dorf 15. März 1(j41. 

"15. Mar«. Creden?.bricf für ,(1cd Vfsteu Unser» geht'imr-u Rath, atich bestellten 
Obris!t*n und Guberuatüreii m liksigor Resideuastadt Düsseldorf und lie- 
be« Getrenen Joliaonen von Norprad"'), 

Das Rccrcditiv des Kurfürsten dat Sönigüberg 26. Juli 1641. 



.Mni. 



Dat. Dilsseldorf ; 



Pfalzgraf Woll'gang Wilhelm an den Kaiser. 

25. Mai 1641. 

Er habe seine Erklärung über die angebotene Vermittelung »ernchoben, 
wpil er bisher immer die Absicht gehabt habe, persönlich auf den Reichs- 
tag nach Regent bürg zu kommen — ,da ich dann, wann ich nicht persön- 
lich gegenwärtig, miuh iu einer so wichtigen Sach iu Handlung uicbt wot 
einlas.seu könnt, äouderliuh weil meine älteste Riithe, die um die vorige 
Handlung die beste WisseiiHchaft gehabt und haben, entweder verstorben 
oder Alters und Leibes liidispusition halber also inconimodiret t.eia, dass 
ich mich deren auf eiue so weite Reise bis uacli Regeusburg »ehwerlich 
würde gebrauchen and es mit ihnen wagen dürfeu." Jet^t aber könne er 
bei den obwaltenden Icriegert sehen Verhültuissen {«ein Land nicht verlassen, 
ohne von den Kurfürsten von Baiern, Sachsen und Brandenburg, so wie 
von den kaiscrüchcn Generalen und den andern kriegrühreiideu Theilen 
völlige Versicherung zu haben, dass in seiner Abwesenheit nicht« scu aebem 
und seines Laude.s Nachtheil vorgenommen würde, üebrigen* sei er etetafl 
zum reehllichen Auftrag der streitigen Ansprüche bereit gewesen, und ha- 
ben alle Parteien ihre darauf bezüglichen Schriften laugst eingegeben, so 
dass die Sache , schier bis zum Beschluss in Judicio auägeführet"; es fehlt 
nur, das6 der kaiserliche Spruch gefällt wird, und wenn sieb alle Theilo 
schuldiger Mas.seu diesem fügen, so wird dieser ganze Process der Beför- 
derung des allgemeinen Friedens dnrchans nicht im Wege stehen. b^'^I- 
mehr aber wollte ich, jedoch ohne untcrth. Maas^gebnng, dafür hatten, das«, 
wann die Pfälzische Sache, daraas der erste Ursprung dieses laugwierigea 
und blutigen Krieges und allgemeinen Reichsverderbens entstanden, vor 
allen Dingen bi billige Weg auf das schleunigste accommodiret oder uu^ 
getragen, dass dadurch die Trau<|uilürnug des h. Reichs merklich würd 
befördert werden," Er gedenkt hierbui seiner eigenen Reehtc au den pfäl. 
mchen Landen, und dass ,,nach der Ileidelbergischeu Lini ich der uäehst 
zur Snccession in ubgednchten Chur- und Landen bin". Dagegen hat uui 
Baiern und Cöln diese der Wilhelmischeu Linie angeeignet: Mainz abe: 
hält von den pfälzischen Landen uocb immer die Bergstrasse zurück. ,Di&!' 
&em uach haben E. Kais. Mnj. bei sich selbsten allergnüd. zu ermessen, 
dass, solange diese Sachen nicht der Gebühr deterndnirt und vorglicheu, 
ich idcht unbillig Bedeuken trage, diejenige, weiche sich ndr und meinen- 



1 



') Vgl. oben p. 50. 



trcterUiitidliinjt *]ea pralzgrafen mit dem Euser. 



157 



Haiw in einer so wichtigen Sachen «iJorsiHzen untj gegen welche ieb uud 

tuw Agnat! so starke Forderungen hiiben, in rier Gülischen Saehea, daran 

niein und meines Hauses Wtilsfand gnterniasseii dependiref., jiro niediatori- 

1)0« anztinetimeii , bevorab du der Herrn Uhurfürsrcn zn (.'öllu und Uaieru 

I^W., als ich djesetbe auf dero und des Cliur - MiiinziBchen Gesandten t^r- 

»tts an mich dieserhalb getlianes Schreiben dnreh einige meine RätUie in 

freoudvetterlichem A' ertrauen iTsiicbeu bissen und zn vernehmen begehrot, 

"■"s iimn in der vorgeschlagene u Tructation etwa für einen Mudum odrr 

Mediom gebrnuchen möchte, dieselbe von dieser vorhabender Handlung 

«kier nichts wissen wollen, welches mir dann desto mehrers Nachdeukeu 

»■«rnrsacht hat." Ueberdies, da nach des Kai'^ers Willen auch der Jndicial- 

(■""cess geinen Fortgang haben «oll, „so kann ich Uei mir nicht ersinnen, 

'"ich erdenken, worüber dann die Handinng anznsteUen, wann die Hanpt- 

»ache und Judicialproces in mueiu Stand verbleiben solle, sintemal mir gar 

"• beseliwerlieh wäre, das» ich inieti erst wegen der Possession dieser Laude, 

""•^'Iche dnreh göttlichen Heistand ich nnn über die '6'2 Jahr continujret, in 

'ieui. Handinngen einlassen sollte". Er beabsichtigt vielmehr, seine „fernere 

•^»-htliehe Nothdurft sobald iuniier möglich jödieiuliter einzubringen*. 

" tiioehi der Kaiser dennoch noch aUK^erdem eine gütliche Verhandlung, 

"uti nvar unter anderen Veruiittlern, so könne er sich, indess anf keinen 

Aticleru Ort, als auf Cöbi, dazn eiula^geu. — 



^*ei- Kuri'Qi'st aii die clevische Regierung. Dat. Königsberg 

29. Nov. 1641. 

I t>ie geailiing Noqjrwl's hu den Karturaten. Anffüi'tlerung zur Erstattung eines 
Oulivchtens über die nfuborgiscbe Sache.] 

Eticli wird ausser Zweifel wol hewuast sein, welchergestalt Herrn äJ). 

*alxgrafen Wolfgang Wilbeliu's U)d. vor diesem dero Rath und Ober- 

*'*^»t .lohaun von Norprad an Uiim abgeordnet. Dessen VVerbuug ist 

**Un kllrzlieli darin hextsiuden, dass S, Mid. es Ulis anheiin stelleten, 

**** Wir den mit Ihr getroffenen Provisioaalvergleich confinuiren oder 

^'^s mit derselben in neue Traetaten der Glllichsehen, Cle^iselien und 

^^^gehöri^eu Landen ballier einlassen wollteu. Wann Wir dann ob- 

^rtachteni de« Herrn Pfalzfe'rafeua I.,bd. Gesandten zur Resolution er- 

^neilet, datis Wir aua dieser Sachen zuvor mit Euch corimmniciren und 

"^'?h (brauf getvisse Instruction nach Betinduag der Sachen ertheileo 

^•^Uten. und Wir besurgen ndlsscu, dass es S. Lbil. ungleich veriuer- 

'Wi darflen, wann derselben nicht auf Ihr Begehren endlich gewisse 

^kläruDg widerfahren aollte, so ergehet hiermit au Euch Unser gna- 

%st<;r Befehl, Ihr wollet diese an aieh wichtige Sache in reife Deli- 

'*'^tiiia ziehen und ITu.s nach gehaltener Deliberation Euer uutertb. 

ratbamcB Bedenken einBchickeu, ob die Confimiation des Pruvisional- 

'Sfgleieha Uns stuträgUch, oder aber ob es besser und Uns snitrSgU- 



158 



n. Braniienbarg uid Pfalz-Kenborg. 



eil er, die Saclie auf neue Traetaten aukommeu za lassen, 
auf solcliem Fall darbei alleiifbalben, zumal da Uneers in G* 
tienden Herrn Vateiti Gnad. ebristtnild. GedäcbtnisB beim Provii 
vergleich so notorie laedirt worden, in Acht zu nehnieti sein m 

Zweierlei wUrile Unscra gnädigsten Ermessens wol eicht 
Aebt zu lassen sein, als nämlich, was vor eins dieGrafsehaftB 
berg, dero Wir billig stum halben Theil hätten geniessen, un* 
ander die 175,000 Rth„ welche Uns nicht weniger der ßilligkeil 
znui Behuf der Staatischen Schuld vorlUngst schon abgestattet n 
8<dlen, betrifft. Es möchten sieb auch noch wol andere Cona 
tiones bei künftigen Traetaten, dafeme solche gut befunden n 
sollten, ereignen, und durum inllBgcn Wirs auch daillr halten, da 
solches wichtiges Werk nicht zu praecipitiren . . . sei. — 



i 



12. Mjii/.. 



Gutachten der clevischeii Regierung über das Verhalt* 

Pfalz-Neuhurg. Dat. Emmerich 12. März 1642. 

(Unterz. allein von Johann von dem Broel, gen. Plater.) 

[Entschaldigaug des ä}iiit(!u EtntrefieDa des UutacliteDa. Kritik des l'rov; 
Vergleichs von 1()29. Unter den ungünstigsteo , ungleichst!?!] Verh&ltnia« 
schlosaeD. Verdächtige Uolle SchwaHzenberg'a dabei. Poaitire Schädigung 
dctibtirgs. Der Vergleich ist ssii verwerfen. Gegenwiirtige günstige Congt« 
aa neuen Verhutidluiigeu, Besoodere die GeneralBtaaten zu Käthe zu 
darnach ttui<h Fruukreicli und Euglaud. Stafeureibe der KU crhubendenj 
riin>,'ea. Kirchlicher Vorlit-balt: Uebernahine der BtaatiBchcQ tächnld durcl 
Neuburg; Aeuderiiug iu der Collation geiatlicher Beneflcieo. Nor provraj 

zu scbliessen.] 

E. Cb. Ü. hat sich gnädigst lassen gefallen, uns unter 
nigsberg in Preussen den 20. Nov. verwicbenen .Jahrs IWlj 
melden etc. |8. oben]. 

Dass wir nun mit solebein unsemi uuterth. Bedenken 
seind einkommen, dasselbe hat sieb dannenhero vernnlasset,] 
meisten unter uns die eipentlicbe Bewaudtuussen angeregterJ 
nicht SEUin liesteu kundig gewesen , und wir demnach vor 
achtet, dass ein jeder absonderlieh sieb eine Zeitlang inj 
ersähe, und also die Gedanken Ueniächst desto reillielierj 
mochten getragen werden. 

Was nun die Frage IwtrifTt, ah die Confirmation des 
Vergleichs E. Cb. D. zuträglich, oder aber ob ea besser uj 
zuträglicher sei, die Mache auf neue Traetaten ankomme 
daraul' wird sich die Antwort und die Erörterung ab 
tiudeii, wann xoxa gedachten Vergleich zavorhero, 8o\ 



OnUcliteo der cleTiscbeo Regierung. 



159 



ümttänden als auch in seiner SabHtanz und Ef^senz wird betrachtet 

Mben; da uns dann betilhikeu will, derselbe Vergleich sei 1) Übel 

«Bgerifhtef und augefaugeii, 2) Fcrdärhtig vcrrichtot und gefUhret 

uml ii) nberauB praeindicirlich und disputirlich vor das hnchllililiclte 

1 '^s Brandenburg aufgerichtet und gescbloBsen, in t^umnia. Hbel 

-en, llbel gemittelt und libel geendigt worden, 
üehel war er eingeriehtet. Dann er ward zu einer solchen 
Zeil tnr Hand genommen, da Chur Brandenburg alles Nacbthcil und 
Wab-Keuborg alkss Vortheil hatte. Pfalz -Nenburg hatte schier alle 
diese Lande in seiner Gewalt. Chur Brandenburg uiusBte sich mit ' 
rtlicli wenigen Aemteru behelfen. Pfnlz-Nouhurg hatte auf Betner Sei- 
ten das mächtige Haus Burgund, die katholinche !-.iga und unter der 
Hand den Kaiserlicheu Favor. Dann ob ihnie der Kaiser ebensowenig 
*l« L eil. D. zn Brandenburg einiger PosKCSsion an diesen Landen 
f*«Uliidig war, so wurden doch die Lande vuui Kaiser lieher in eines 
ßötniMh-Katliolischen, als eines Evangeltscb-Reformirteu Herrens Han- 
"Go gcaeheu. 

C'har Brandenburg hatte dieses alles wider sich. Aui' seiner Heilen 

**»er Xieuiandes ; dann obwol die Herren Htaaten den Niiineii hatten, das* 

"•^ I. Cb. D. Allürtc wären, so waren sie doch dazumal vielmehr I. Ch. L). 

'***etirete als Alliirte, sintemal sie eben durch die Allianz, dadurch 

'••o rorgab, ^osse Assistenzen zu Wege gebracht zu haben, in ein 

^**»841ielie8 Misstraucn und uterklichcn Unwillen waren gerathcn. Ho 

""•tr auch kura zuvor, näuilich Auuo U\2H, der Herr Prinz zn üra- 

'"«iti etc. mit Zuziehung etlicher aus der Generalität wegen eines Ver- 

l^'^cts zwischen beiden Chur- und Fürsten benillhet gewesen, und 

^''•'teo bereits beiderseits Gesandten die von Hr. f. Gn. getroffene Be- 

^•'itiiing des Vergleichs, darin l. Ch. 1). Cleve, Marek, Raveusberg 

***! Kiivenstein zugel^ war, ad referendum angenummen, welcher 

^•"gleich und deninacb auch die von des Herren Prinzen f. Gn. und 

^^ dcoeD an« der GencralitSt angewandte Mühe, zu hücbster Offcu- 

'^n d« Herren Prinzen und der Herren Htaatcn. dadurch zurtlck- 

^■*»^, daas outer währendem Tractat dem Herrn Pfalzgrafen bessere 

^^«Kditioues durch gcu. Herren Grafen präseutirt wurden, wie dasselbe 

^^*>»» Theil in der sumniariBchen Anweisung, die K. Ch. D. wir uuter 

^^tu (Im 22. Auguati verwichcjien Jahre» KMl untcrthänigst eingeschickt 

^^Wn, mit mebrcreui zu finden'). 

Zu altem diesem ^'ortheil ward dem Herreu Pfalzgrafeu noch 






'i Vffl. oben p, 5 not. 8 nod p. 11. 



160 



IL BraaJoDburg uod Pfalz -Neubarg. 



mehr Vortlieils sowol au Reputation als sonst dadurch eingerSn 
dass bei währender ßffeutlieher Hostilität ein Churf. Braiideoburgischli 
Tiirnelimer und ««leiier Gesandter, der, bcvorab in Clerächen Sachej 
seines Herren ganzes Consilium schier allein war, ultro zu dem üerrei 



Pfalzgraten nacli Düsseldorf daher gezogen kam und 



deichsam un 



Frieden hat und ausuc^hete, inmasseu es dann dauial bei Groesen tili 
Kleinen, »ouderlich im Uaagen, vor eine sehr schimpfliche Prostituti«; 
gehalten ward. 

Und dieses ist die Ubele Emrichtung des Vergleichs gewesen. 

Verdächtig ist er auch verrichtet und gefUhret worden. Dan 
wo hat man sonst wol mehr, als nur au solchen Orten, da es an ga 
teni Rath gebricht, gehöret, dass 1) ein einziger Mann, 2) sich gletidi 
äaui selbst, 3) in solchen hochwichtigen und so viel Land und Lea 
betreffenden Sacbeu. 4) ohn einzigen Beistand oder auch vorher d]| 
geholeteu Rath, oder auch nur vorbewusst der .\lliirten seines Herra 
oder zum wenigsten der anderer Räthe desselben, .^i) zu einen3 wg 
Ben, in WeltsacLen erfabreneu und darzu mit viel Ratbsgebem ^m 
versehenen FSrsten, und der dazu seines Herren Feind ist, deputia 
und abordnet, und daneben H) nicht allein ansehnliche Geschenke M 
40 oder ,'>0,00() Rth, au Tapozerel von seines Herren Widerpart ci 
nimmt, sondern auch in den Tractaten sein Antheil, nämlich Huck^} 
wagen und die Monjoyschen jährliche ÖOOC* Rth. fein mit einbedingei 
Also dass diesfalls der Ausgang guugsam gewesen, was vor eine ru 
däcbtige Auguis iu diesem Bcgrasuugsgrase [?] verborgen geleg^ 
habe '). | 

Ueberatis praejudicirlich und disreputtrlich vor das Char- 
haus Brandenburg ist der Vergleich auch aufgerichtet und geschlüssen 
worden. Dann der Herr Pfalzgraf hat mehr dann zwei Dritteutheil, Chd 
Brandenburg aber noch weniger dann ein Drittentheil von allen dieaq 
Landen davon gebracht, da doch der Herr Pfalzgraf vorhin von Cha 
Brandenburg um friedlicbens willen durch den Dortmundschen Ver 
gleich pro indiviso ad communem possessionero gütlich war mit d 
gelassen worden, und also ihme heruäehst, durch etwa eine ProvisM 
naltransaction, auls höchste mehr nicht, dann die Hälfte der gesamm 
ten Laude, wie dann auch die Xantische Tractaten Anno 1614 dahii 
gegangen waren, gebühret haben möchte. Welche handgreifliche D^ 
proportiou dann ebenso disreputirlich als schädlich ist, dass sich u&w 
lieh ein mächtiger Cburt^t des Reichs, der seines herrliches uof 



') Vgl Cosmur Schwartcauburg p, 219 ff. 



ßutachteu der clevieclieu Regieruu^. 



161 



trefflieb gekündeten Rechtens vor allen unparteisehen ürtheileren ver- 
sicbert iet, so liederlicb abspeisen lasaen sollen. 

Und hierzu kommt noch dieses, dass auch das Geringe, was 
l Ch, D. zugelegt gewesen, nicht alles praestiret, indeme erstlich 
ßareasteln zwar an Seiten höchstged. 1. Ch. D. geliebert, aber von 
der Grafschaft RaTeusberg hingegen von dem Herren Pfalzgrafen nichts 
ein^räumet, sondern von Sr. f. D. drei Aemter völlig und von I. Ch. D. 
our eines genossen worden. Pro secundo, iudeme die ITG.iXK) Rtb., wel- 
che der Herr Pfalzgraf von seinem Theil vor 1. Ch. D. zu Wege hatte 
bringen sollen, und um welcher willen I. Ch. D. mit dem geringeren 
Theil zufrieden gewesen, nicht bezahlt, die Tractaten auch, so viel 
selbige Gelder betriffl, mit Fleiss also eingerichtet worden, dass dar- 
stis seeundum literam deswegen wenig- zu fördern sein sollte, sintemal 
der Herr Pfalzgrafe anders nicht dann Diligentiam bei den Ständen, 
».ber keine Zahlung aogeloht'); dahero dann gnugsam erseheinet, 
dass maus auf eine vor I. Ch. D. disreputirlicbe und schädliche Ver- 
vortheilung gemünzt und Ibro mit den 170,000 Kth. gleichsam nnr 
Honig um den Mund geaebmieret gehabt. 

Aus diesem allem nun können wir an unserem UDterthäuigsten 
Ort anders nicht schliessen, als dass es £. Ch. D. keinesweges zu- 
''■%lich noch zu ratbon sei, dass Sie den Provisionalvergleich, wie er 
"2« beschaffen ist, eontinuiren, sondern vielmehr, dass E. Ch. D. Re- 
putation, Nutz und Dienst, ueben der augenscheinlichen Red- und 
Billigkeit, erfordern, dass E. Ob. D. diesen Vergleich zu verwerfen 
"öd neue Tractaten mit Pfalz -^;euburg f. D. anzutreten und aufzu- 
rictiten haben. 

Mit denselben aber recht und gebührlich zu verfahren, will un- 

^^'Tm tinterthäuigsten Ermessens das beste sein, dass man in allem gerad 

d»a Widerspiel dessen, was bei vielerwähnten DUsseldorfscben Trac- 

^*«ii bescbeheu ist, vornehme und thue. Damals fing maus an, wie 

E«m«ldet, zur Unieit, jt-tzt musa man» anfangen zur rechten, nämlich 

*4»en zu dieser Zeit, da sich das Blatt merklich hat gewendet. Dann 

"ak-Xeuburg hat nun keinen so grossen Rltcken mehr am Hause 

Biirgoud, noch au der katholischen Liga. Sie aeind beide Übel mit 

S*'- f.D. zufrieden, der Favor bei Kais. Maj. ist auch schlecht; so ist 

**'ch ä. f. D. mit den Landatänden in grossem Missverstand begriffen, 

"Kises jetzigen Zustaudes dos (jUlichscheu Landes nach der Lamboi- 



*^^iü Niederlag zu geschweigen. 



Dargegeu bat der Aüerhücbste 



'> Vgl. oben f>. tS. 
"««. tm Cctcb. d. Gr. Kurnirst«n. IV. 



11 



163 



IL Brandenbar^ \uxA Pfalz^Nenburg. 



I 



E. Ch. D. stracks im Anfang Ihrer Churfilrstlichen RegieniQg albereit 
mit einer trefflichen Reputation eines weisen nnd tapferen Regenten 
gesegnet. Ganz Europa hat ein Auge auf Sie. Bei den benaeUbarten 
Herren General Staaten ist aller Unwill, gleich wie effeetus snblatä 
causa, verschwunden und hingegen ein grosser Respect und Affeetion 
za E. Ch. D. entstanden, und vermittelst der Herren Staaten wird es 
E. Ch. D. auch bei Frankreieh und Gross Britannien (die ohne das ge- 
gen E. Ch, D. wolgesinnt, auch bei Conservation und Handhab der- 
selben in diesen Landen desto mehr interessiret seind, weil sie durch 
ihre Kriegsmacht anfänglich E. Ch. D. Herren Grossvatern in Besitx 
gemelter Lande haben befestigen helfen) an gutem Willen, Rath und 
That aut allen Fall um soviel weniger mangelen. Damals kam man 
nitro und von sich selbst zu Pfalz-Neuburg gen Düsseldorf; jetzo hat 
Pfalz-Neuburg nitro und von sieh selbst zu E. Ch. D. gar in Preuasen 
hinein geschickt. 

Damals Hess sich ein einziger Mann zu selbigen schweren Trao- 
taten gebrauchen; jetzo werden E. Ch. D. wol eine rechte Anzahl 
Ihrer Gesandten oder Abgeordneten zu formiren wissen. 

Damals berrschte der Eigennutz und die Collusion; jetzt uiusa 
dasselbe Unkraut weit von denen sein, die E. Ch. D. hiezu verordnen 
wird. ■ 

Damals ward weder der Freund und Bundsverwandte, noch auch 
der eigenen Räthc Raths gepfleget; jetzo fordert E. Ch. D. nicht allein 
gnädigst Ihrer Räthe uutertbäuigstes Bedenken, sondern Sie wird auch f 
vornehmlich mit Ihrer AUiirten guter Eiurathung hierunter verfahren 
wollen. 

Da wir dann zuvorderst vor hochnöthig bieltcn, im Fall sich E. 
Ch. D, zu neuen Tractaten entschleusst , dass Sie vor allen Dingea 
diese Ihre Resolution den Herren General Staaten und Herren Priuzeu 
zu Oranien etc. durch eine sondcrbarliche Schickung zu erkennen gäbe, 
und sie, als diejeuige, welche vornehmlichen durch ihre Kriegsmacht 
das Churhaus Brandenburg in diese Lande gleichsam eingesetzt, um 
Rath und Beistand, wie sie vermeinten, dass diese Tractaten zu be- 
fangen und auszuführen »ein möchten, ersuchte, zugleich aber auch 
bei den Herren Staaten entschuldigte, dass dieselbe zu den vorigen 
mit Pfalz- Neuburg gepflogenen Tractaten nicht gezogen wordeu, mit 
Vermeldung, dass dasselbe allein aus damaligem bösen Rath des Gra- 
fen vou Schwartzenberg zurUckbl leben sei. Und ist kein Zweifel, 
wann die Herren Staaten E, Ch. D. dergestalt resolviret und dersel- 
ben gutes Vertrauen zu ihnen verspüren, dass ihnen, wegen ihrer zu 



1 
I 



Onlacbteu der ctevtschen Regiernn^. 



163 



E. Ch. D. tragender Affection, und weil sie E, Ch. D. gera vor an- 
deren zu einem beständigeu Nachbar hätten, dasselbe sehr lieb und 
hkiig«Debii) und sie E. Ch. D. in selbigeu Traetaten beirätbig und be- 
TifllflicL zu eracheinen willig sein werden, welches dabero so viel mehr 
abzunehmen, weil sie albereit Anno 1630, ob sie gleich unwiUig ge- 
macht waren worden, dennoch durch ihre kräftige Vermittelung die 
Option, welche Pfalz- Neuburgs f. D., dem DllBseldorfisehea Ver- 
gleich znfolge, auf das Herzogthum Cleve gethau hatte, dem Chur- 
liause Brandenburg zum besten verbindert und dasselbe bei Cleve et- 
liaUen haben. 

Bei Frankreich und Gross Britannien, als welche sich albe- 
:reit Anno 1614 bei den Xantischen Traetaten dem Churhause Bran- 
denburg zum besten so eiferig haben erwiesen, würden E. Ch. D. 
durch die Herreu Staaten auch leichtlicb eine Assistenz einiger Ge- 
sandten hei den jetzigen Traetaten erheben können, wie wir dann 
ancb zwar unsers untertbäuigsten Orts vor nöthig und erspriesslich 
erachten, dass E. Ch. D. beide selbige Kronen durch Schickungen 
darum begrltssen, und dass es bei vorigen Tractateu nicht geschehen 
sei. gleich wie oben erwähnet, entschuldigen Hessen, wann sicbs dies- 
falls nur mit Frankreich, bei gegenwärtiger Conjunctur, wol fügen 
wallte; sollte aber E. Ch. D. Gross Britanniens Assistenz ohn Frank- 
reich suchen, so würde es E. Ch. D. bei Frankreich eine schSdlicbe 
Beeiferung, auch dass et^van der Pfalzgraf daselbst Favor suchen 
und finden möchte, verursachen; daunenhero wir in untertbänigater 
Onvorgreifung der Meinung würeu, es kiMnte bei sogestalten Sachen 
^tirch der Herren Staaten Beistand in den Traetaten vorerst ein An- 
fang gemachet, imnittelst aber auch durch dieselbe um höchstgedachter 
beider Kronen As^aisteuz, da nüthig, femer geworben werden. 

So viel sonsten die Handelung selbst, und auf was vor Postulata 
•dieselbe an Seiten E, Ch. D. zu richten wäre, anreichet, wollten wir 
v^nlerthänigst davor halten, weil E. Ch. D. Herr Vater Christmilder 
Oedächtniss in den vorigen Traetaten, wie obstehet, so enormiter und 
lk&8»lich rervortheilet und hintergangen gewesen, und Pfalz -Neuburg 
^ie ihro durch solche VeiTortheilung verbliebene grosse und reiche 
l^ande so lange Zeit in Geuuss gehabt; auch die Grafschaft Ravens- 
feerg, die vermöge des Vergleichs in communiane hätte regieret und 
genossen werden sollen, ungeachtet alles Anmabncns immerdar ganz 
xind zumal (ausserhalb des Amte Ravensberg) vor sich allein behalten, 
imgleicben zu grossem E. Ch. D. Schaden die 176,000 Rth. zu ent- 
richten allzeit hat verweigert, daibei aus denen Sr. f. D. zugelegten 

11* 



164 



n. Brandenburg uod Pfalz-Neuburg. 



Laudeu dureb Extraordinarscbatzungeu seit dem ProvionalvergleU 

JEU ihrem Vortbeil Überaus grosse Summen gezogen, da hingegen abi 

E. Ch. D. aus Ibren Quartieren wenig Sebatzimg zu Ihrem besten g 

oossen: dass demnaeb E. Ob. D. wol befngt sei, erwähnte Ihre Pogtl 

lata folgendergestalt jier gradus zu furmiren, nnd zwar vors erst 

daes S. f. D. aus allen obangezogenen Considerationen sich billig fa 

bsB au dem Ilerzogthum Berge allein begnügen und das übrige alli 

E. Ch. D. zu lassen hätte. Vors andere und da dasselbe nicht J 

erbandelen stünde, dass S. f. D. alsdann zu dem Herzugthum Berg 

die Grafacbaft Ravensberg, oder drittens Berge, Ravensberg und Ri 

venatein, oder viertens das Fttrstentbum GUlich allein, oder fünfte: 

das FUrstenthum Gtllich und Ravensberg, «der aechstena Gtllieh, Rj 

venstein und die Flandrische Güter und endlich siebentens, nach Ai 

leitung des Xantiscben Entwurfs, Gulich und Cleve, dergestalt, d» 

die Bergiscbc- Aemtcr unter dem Wnpperstrom zu der Grafschaft Mai 

zu legen wären , wie bei den Xantiscben Tractaten lange gctriebt 

worden, oder achtens Gülich und Berge ganz, E. Ch. D. aber C\ev\ 

Marck, Ravensberg, Ravenstein und die Flandriselie Güter gclasse 

würden ; welche letztere Postulata, nämlich siebentens und achtens, Pfal 

Neuburg um so viel weniger zu difficultircn hätte, weiln S. f. D. 

selbige Weise einen Weg wie den anderen mehr dann E. Ch. D. rot 

den Landen haben würden, sintemal gewiss ist, dass GflHch und Bergl 

besser als alle die übrige Lande seind, Dieses alles aber und iuso 

derheit aber die beide letzte Gradus müsste auch mit diesem Beding« 

dem Herrn Pfalzgrafen eingeräumt werden: vors erste, dasa S. f. 

den Refonuirten und Lutherischen ihre Gemeinden und GffentltclK 

Exereitia, wie sie Anno 1614 gewesen, lasse; item, das« S. f. D. ait 

statt des übermässigen aus UDd durch oftbesagten vorigen Vergleid 

zuviel gehabten Genusses, und dass sie die HG.CMX) Rth. nicht h, 

abgestattet, die Bezahlung der Staatisehen Schuldforderung an Capit 

und Pensionen als ihre eigene Schuld auf sich nähme, und den Herrel 

Staaten, oder aber den Particularcreditoren, dafür gewisse Aeniter 

dem Bergiscben Lande, als Steinbach, Windeek, Blankenberg, du 

Kerspül') HUckeswageu, Bcienburg, Elberfeld und soviel dai-zu feniQ 

nöthig, zu Untcrjjfäuden bis zu ihrer gänzlichen Befriedigung einräit 

oicte, worin dann die Herren Staaten desto tieissiger würden coopet 

riren helfen. 

Im übrigen könnte es, unsers gehorsamsten Ermessens, wol allei 



■J äic. D. li. Ktrcliaiiiel. 



Gatacbteo d«r clenBcben Begi«niQg. 



165 



» 



io denen Termini«, wie der vorige V^ergleich jeU» stehet, gelassen 
werden; ausgennmmeu die nionatlic-he Alternativa der Collation geist- 
licher Benedeien und dass des einen Chur- oder Fürsten Collation nit 
g'Ditig ist, es sei dann des anderen Coufirmation dazu kommen, wel- 
clif» dann biehero [vonj E. Ch. D. Herren Vateru Christseligsten An- 
gedenkens und E. Cb. D. selbst in den CoUationen uttmals sehr hin- 
derlich befunden worden, indeme die von E. Ch. D. beneticirte Per- 
sonen dem Herren Pfakgrai'en zum Öfteren unangenebui gewesen und 
keioe Confirmation haben erlangen können, derowegcn einem jeden 
Chur- und Fürsten die Collation in seinem District fUglicher allein zn 
lassen wäre. 

Es wurden aber auch diese neue Tractaten nach wie vor, so viel 
wir es nuterthänigst ermessen, anders nicht dann provisionaliter und 
auf eine gewisse Zeit von Jahren verhandelt werden können, und sol- 
ches aus denen E. Ch. D. vorhin bekannten Ursachen, weil nämlich 
die Suceessio dieser Lande noch zwischen so viel Prätendenten in 
Streitigkeit schwebet, zu deren glUlich oder rechtlicher Erörterung ber- 
nächst und mit der Zeit der Allmächtige seine Gnad ferner verleiben 
möchte. 



Instruction und zugleich Churf. Resolution auf des General 
-''ieiitenant Norprad's übergebene Puncte '). Dat. Cüstrin 

13. Dec. 1643. 

i * «rwerfitng des letzten ProviBionalvergleiehB. Thatitcbes Vorgehen jetzt Dicht 

opportoQ.J 

Neben einer Anzahl besonders die inneren Verhältnisse der cievischen 1643. 

'"•»"de betreffendeo Puncte: 23. De« 

2) Was nu den Pfalxgrafen von Neuburg und den Provisio- 

"^^laccord, ob derselbe von t>r. Ch. D, vor genehm gebalten oder auf- 

^^«toBBcn werden solle, auf was Weise die ICCOtMJ Rth. mit den tn- 
*^®8«en 80 eigentlich zur Ablegnng der Ötaatischen Schulden bewilligt, 
le gleiehfalls Ihr Tbeil der Kavensbergiscben Einkommen ausznbrin- 

^^ ■. betritlt, so erachten ö. Ch. D. zwar sich nit obligiret, selbigen 

*^*v*i8ionalaecord zu halten nnd denselben zu conHrmiren, indem der 

^«"r Pfalzgraf, ohne der enormen Laesiou, dasjenige nit praestiret, 

^*^ er zugesaget, soodem demselben expresse contraveniret; daher 



') LHese Eingabe Norii r Uli' B ist nicht rorhandeD; wabrseheinticb bat er za- 
'?^"'»c|i mundiich dariiber verhandelt; a. d. Güstrin 18/28. Sept. batte er Befehl er- 
■**^n, zu einer Besptechnng uacb Berlin »u kommen. 



ue 



n. Brand enbiirg nnd Pfala-Nenbwg. 



Sie dAnn wol befugt wären, solchee Accurds ungeacht, einei 
in des Herrn Pfalzgrafen besitzende Oerter zu thun und sich daraus 
Ihres Nachtheils de facto zu erholen, zumal doch so vielfältige sehriftlichft 
tmd andere gütliche Erinnerung bei demaelben uit verfangen wollen 
Weiln aber bei jetzigen Zeiten dergleichen anzufangen ein weites Ana 
sehen hat und S. Ch. D, mit den Mitteln, so zu Ausführung solches Werke» 
nöthig sein, noch zur Zeit nit versehen, als befinden Bie rathsam, daat 
danuit noch etwas eingehalten werde. Unter dessen aber wird hoch« 
nöthig sein, dass der von Norprad aus diesem Werk, als einem Mittelj 
80 zu Abtragung der Staatischen Schulden das vornehmste sein könnte, 
mit dem Prinzen von Uranien sich unterrede und von demselben 
nehme, was dessen Gutachten in diesem Puncte sei. 



1 vm 



Gutachten des clevischen Ratbs D. Jobann v. Diest an di( 

clevische Regierung über die mit Pfalz-Neuburg zu führendei 

Tractaten. Dat. Gravenhaag 28. Jan. 1645. 

[Veranl&iEtia^ eq dem Gutachten. Ob der Zeitpooct fär neae Tructateo gänstil 
Gegenstaad derselbeD, InstrDctioaaentwtirr. Der dolus malus der bisherigen Veii 
gleiche; die orBpriiaglicIi Blipulirte GleicUiait dorTheile; die versproclieae GelJ 
antume^ kirchliclie Bedrückutigen etc. Eine Liquidation TarznnebmaD. Ged&nk 
eines völligen Ländertanschea. Nicht wieder in DuBseldorf zu verhandeln. Nor 
prad damit zu beauftragen.] 

1645. Pfalz-Neubcirg hat s. d. 15. Oct 1644 an den Kurfürsten in der Weis» 

las. Jan. geschrieben, dass man sieht, „wie er denselben zu wenigsten per indireetna 
an den vor diesem in Anao 1629 zwiscUea dem gewesenen Herrn Meiste 
nnd Grafen zu Schwartzeuberg und Sr. f. D. aufgerichteten ProvisionalTei 
gleich binden möchte, nnd dase zu dem Ende allein wegen der GebrM^H 
in der Grafschaft RaTeusberg, was daran depeudiret, die VoUoiiehni^m 
melten Vertrags und dann in speeie der Bielefeldischen Straf, and dari 
eine ConferenK entweder zu Cleve mit den Herrn Ruthen daselbst, oder i 
Düsseldorf, da die Acta in loco sein, auch das^s darzu die Zeit benenni 
würde, mit dem ehistcn gern sehen Bollte, damit dero Herrn Sohn Sr. f. 1 
Antheil dero väterlichem Versprechen nach in der Grafschaft Ravensbet 
einräumen möge.* Der Kurfürst dagegen hat in einem Rescript an c 
clevische Regierung und in dem Antwortsschreiben an Pfalz-Neubnrg (d; 
9. Nov.) sieh ,an den Prorisional vergleich uicht gebunden", im Uebrigen ab« 
zu einer Conferenz bereit erklärt, für die zuvor eine Instruction aufzuset» 
sei. Zu dieser ist das Gutachten Diest's verlangt worden. 

1) Bei dieser hochwichtigen Sache nun möchte vielleicht nid 
unbillig die erste Frage sein, ob es jetzo die rechte Zeit sei, deawi 
gen mit dem Herrn Pfalzgrafen sich dergestalt eiuzulassen, oder o 
nicht zu warten stünde, bis S. Ch. D. durch eine oder ander Alliam 



0nt»chten des JohasD v. Diest. 



1Ä7 



Qod mehrer Redreasirung Ihres Staats noch considerabeler und der 
Herr Pfatzgraf in der Billigkeit sieh zu fttgen noch weicher und ge- 
neigter worden wäre, nachdenimal die Grossen dann erst das rechte 
Tempo ttiit Nutz zum ^'erg!eieh zu nehmen pflegen, wann ihre Partei 
am stärksten und der Gegentheil am schwächsten ist; es hat auch die 
Erfahrung gelehret, dass der Herr Pfalzgraf solches wol wissen in 
Acht zu nehmen, und verschiedene vortheilige Verträge eben zu der 
Äeit gehalfen, da seine Partei stark und den gewesenen Herrn Meister 
durch grosse Offerten auf seine Seite gewonnen, als dessen hochw. 
Gn. der Zeit die Sachen fast allein anvertraut worden sein; so wird 
S. f, D. das Vortheil, was ihm einmal von gemeltem Herrn Grafen 
zugespielet, schwerlich abtreten, Sie raüsstens dann thun; man wird 
auch dieselbe nicht sonder Wort tinden, weniger dieselbe damit über- 
wigen. 

Nachdem aber hingegen es an deme, daea S. f. D. viele dero 

Fi-eunde überlebt, deren Macht auch so gross nicht mehr ist, als vor 

"iiegem, so kann die Conferenz, weiln S, Ch. D. dieselbe bereits gut 

gefunden, wol befangen, doch gleichwol also eingerichtet werden, dass 

^ Ch. D. frei Hand behalte und I. f. D. desto eher und mehr in Uu- 

ySUinpf gestellet und Ihro dabei, wenn nur S. Ch. D. das Ihrige folgen 

*Ä»«n und in Billigkeit fügen würde, gute Hoffnung gemacht und alle 

Woasion sich an andere Freunde zu henken benommen werde, son- 

dei-lieh dann S. f. D. bereits von I. Ch. D. Werbung und andern hohen 

At^tionen sein Äppreheneion zu haben scheinet, in deme selbst diese 

Konferenz suchen thuL 

2) Vors ander ist die Frage, ob dann die Conferenz von den Ra- 

vonsbergischen Sachen allein zu halten, oder auch von denen der An- 

fsttig der Handlung zu beginnen sei, dahin es von dem Herrn Pfalz- 

S*"«ien nach Ausweise seines Schreibens angesehen ist; welches aber 

*^**iMab I. Ch. D. nicht dienlieh, auch dero gnädigster Intention nicht 

g^mlsa ist, als welche nicht allein in den Ravensbergischen, sondern 

i^ allen Übrigen Gebrechen Öatisfaction begehret und ehe den Provi- 

«onalvergleich zu ratificiren billig Bedenkens tragen. — 

3) Die dritte Frage fället dann vor, was dem Herrn Pfalzgrafen 
"'wl seinen Deputirten vorzustellen, welches eigentlich auf die eapita 
•"structionis wird ankommen: 

I. u. 2. Allgemeioes. 

3. S. f. D. hatte bei verschieden Occasionen und unter andern 
*''<'h bei denen Verträgen, welche dieselbe mit dem gewesenen Herrn 
-^ei«ter und Grafen zu Sehwartzenberg als Plenipotentiario gehalten, 



168 



n. Brandenhorg und PfalB-Neobnrg. 



i 



gesucht, Sr. Ch. D. hocblöbliche Vorfahren zu Ternachtheilen und hä' 
sich dessen durch grosee Offerten und Oeschenk jiraevalirt, dass pub! 
cum vvÄre, wie und warum die Theilung so unrichtig und also am 
disrepuHrlich und unbeständig gemacht. 

4. Gestalt Sr. Ch. D., da es nfithig wäre, unschwer sein würd« 
bei gedachten Verträgen und auch noch bei dem letzten ProvisionaJ 
vergleich zu erweisen, dass 8. Hochw. fJn. per munera et sordes so 
weit kommen, dass, wo nicht dolus ex proposito, jedoch dolus ex rc 
ipsa klar am Tage ist, und dass derwegen Sr. Ch. D. Herrn Vai 
hoehs. Cm. daran nicht gebunden gewesen wäre, ^iel weniger 8. Ch, 
qui ex jure proprio in diesen Fllrstenthumenj Grafschaften und He 
lichkeiten succediret, welche juri majoratus unterworfen, ubi e' 
poBsessor suo successori non poeset praejudicare. 

n. Solcher Dolus nun enveiset sich selbst, dass beide Chur- un! 
Pursten sowol als die ansehenlicbe deutsche, france [sie], englisch! 
und medcrländische Gesandten bei dem Xantischen Vertrag Anno J(J 
darin einig gewesen, dass, wenn die Lande provisionaliter gethei! 
werden aollen, Gulich und Berg allein so gut und besser ge 
halten, als der Rest, nämlich Cleve, Mark, Ravenaberg, Raren 
stein, Breskes und die Winuenthalische Gater '), und gleichwol in gl 
meltem ProTisionalvergleich Sr. f. D. zu Gulich und Berg noch halt 
Ravensberg und Ravenstein und gemeltes Breskes und die Winnenthal 
sehe Guter zugelegt und Sr. Ch. D. abgenommen und altein Cleve an 
Mark und die halbe Grafschaft Ravensberg angetheilet, aber doch, wi( 
notorie, darin das beste StUek vorenthalten worden. Und dass dabe 
der Herr Graf ein bös Propositum gehabt, erscheinet aus den vorigei 
Verträgen, die noch betrüglicher und schädlicher gewesen und danm 
in sich zerfallen sein, sonderlich was Anno 1624 tractiret war; dii 
Zeit hat auch gewiesen, dass der Hen* Pfalzgraf aus seinen Quartier 
ultra dimidium weit mehr, als 8. Ch. D. aus dero Quartieren geno; 
haben, welches in extraordinario Steuern mehr Millionen betra, 
sollte, als S. Ch. D. Tonnen Golds empfangen. 

ti. Und ob schon darbei S. Ch. D. l7ti,(HiO Rlh. von dem Hei 
Pfalzgrafen haben sollen, damit dadurch die eiufresseude Schuld 
Herrn Staaten befahlt werden könnte und darum S. Ch. D. bocbl 
Ged. desto eher darzu verstanden, so ist doch solches solchermas: 
in den Contracten gestellet, dass S. f. D. sieh zu deren Praesi 



') Xanteoer Vertrag Art. VI— VIU. 
p.55ff. Aitzeua I. p. 106. 



Roneeet bist, de la sacceesion 



(rutachten des JohnnQ v. Dieat. 



im 



^jttii 



^^QlK 



iuigehuDden achten will, dahero dann dolus ex re ipsa desto ^deser 
qiii dedit causam contractui ac proinde eundem ipso jure nallum 
VcMit, Und da S. Cb. D. der Zeit mit solcher Summen die Hochmög. 
Herrn Staaten der Vereinigten Niederlanden bezahlen und sieh Ruhe 
«cbaffen k(lnneD, da ist durch Entstehung dessen die Schuld nach 
ihrer Rechnung bis in die 1 1 und 12 Tonnen Golds erstiegen, dadurch 
Sr. Ch. D. dero ganze Antheüe inutil gemacht werden Itönnen, auch 
leicht dieselbe von dem Römischen Reich abgerissen werden möchten; 
daram dann S. Ch, D. einen solchen unbilligen disrepuHrlichen Vertrag 
ZB ratificiren allein billig hoch Bedenkens tragen, bis daran in allen 
illige Satisfaction geschehen ist. 

7. Andere Unrichtigkeit und Ursachen, welche vor diesem , vnt 
gemelt, aufgesetzt, können hierbei ferner angeregt und darbei auch 
einigerraassen geahndet werden, dass S. f. D. die Religionsverwandten 
» weit betrübet, dass die Herren Staaten desawegen zu scharfen Re- 
presgalieu sich Fcranlasst achten, welches dadurch verhtltet werden 
können und sollen, dass denen dasselbe gehalten wurde, was ihnen 
bei Antretung der Possession in den Keversalen und bei Sr. f. D. 
Abfall zu der Papistischen Religion Anno 1614 durch öffentliche Pa- 
tent« fürstlichen versprochen ; item dass die geistliche Jurisdiction hei 
währender Possession dem Herrn Churfllrsten zu Cöln eingeräumet; 
d*88 riele vumehme Stück dem Herrn Grafen von Schwartzenberg 

<1 andern ohne Bestnction eingeräuiaet und gunxlicb alieniret; daas 
»cb S. f, D. der Direction des Westphälischen Kreises, welche Sr. 
Ch. D. zum wenigsten mit zustehet, allein unternommen und Ursach 
gegeben, dass ein tertius, nämlich Cbur Cöln, sich deren praevaliret, 
^ unwiederbringlichem Schaden des Kreises etc, 

8. Wenn in diesen Puncteu Plalz-Neuborg Billigkeit lejgen will, mag 
■Mo «ich auf Tractaten einlassen. 

9. Üie Vorschläge nun wären zu nehmen aus dem Bedenken, 
''elches E. Hochedl. und Herrn vorlängst I. Ch. D. auf dero gnädig- 
len Befehl eingeschickt und darum wieder hie aufzusuchen und bei- 
tolegen wäre'). Das Fundament derselben Vorschläge ist und nuiss 
kltiben, da«8 Sr. Ch. D. als simultaneo possessnri so viel Ihres Theils 
''«be, als S. f. D., und was daran ermangelt und S. f. D. zu viel ha- 
"6n. 80 yfo\ in ordinariis als extraordinarüs , dass solchs gebührlich 
«rgälazet werde. 

10. Solche Gleichheit nun zu treffen, könnte gefunden werden 



') Du obige Gatocbten der clerischea BAgienwg v, 12. Mi» 1642 p. 158 S. 



170 



n. Brandenburg imd Pfnls-Nenbarg. 



darch eine Liquidation. Darzu dann der Verfolg und die Handltia 
mttsste aufgesucht werden, was vor dieeeni zwischen der Amtekammdf 
zu Cleve und Sr. f. D. Karamemieister Seger in puncto liquidatiooij 
ist vorgelaufen. Dabei dann zu überlegen, was der Herr Pfalzgraf 
Sr. f. D. Quartieren ordiuarüs et extraordinariis, darunter 8onderU( 
die auägesetzte Steuern, als welche etzliche Millionen differiren, 
Acht zu nehmen, und was dagegen S. Ch. D. gleichergestalt aus d 
Quartieren von Zeit dos Provisionalvergleichs genossen. Bei solc' 
Liquidation wird dann per cousequens auch kommen, was a,uB 
Grafschaft Ravengberg ein und ander genossen, dazu der deside' 
Verfolg vielleicht möchte in etwas zu statten kommen. | 

11. Sonderlich in den extraordinarie Brllehten zu Bielefeld, •w^ 
eher wegen (meines geringen ErmeaaenB) die Deputati von Sr. Ch. lj| 
die Acta von dem Herrn Pfalzgrafen S. f. D. zu fordern und naol 
Befinden demnächst ferner die Beklagten zu hören und cum causam 
cognitione dieselbe zu absolviren oder in proportionatam multam d 
condemniren, nachdem sie schuldig oder unschuldig mögen befundel 
werden. \ 

12. Vors ander könnte die Gleichheit getroffen werden durch e 
Verwechselung, dass S. Ch, D. die Quartieren, welche der Herr Pf« 
graf seit Anno 1629 inne gehabt, auch so lang und der Herr Pfalz' 
graf Sr. Ch. D. Quartieren dagegen einnehme; darzu wol S. f. D. nicht 
gern kommen wird; weiln aber die Unterthanen durch viele Schätzung 
und andre Pressnren numehr verdorben, und der Herr Pfalzgraf dii 
Quartieren in besserem Esse besessen, auch viel darab alienirt, mI 
wäre solches absonderlich zu repariren und zu vergleichen. j 

• 13. Vore dritte könnte die Gleichheit auch einigsinns gefunden 
werden, wann vorerst die beide Chur- und Fürsten in communionem 
nach Anlass des Dortmundischen Vertrags oder in gleiche Theilung 
nach Anlass des Xantischeu Vertrags wieder träten, und was 8. f. D, 
zu viel entbaben, dagegen Sr. Ch. D. ein sicher StUck voraus und a«4 
sicher Jahr gelassen würde. Im Uebrigen mich auf die vor dieaed 
beschehene Vorschläge beziehend. | 

4) Die vierte Frage wäre de loco, an welchem Ort die Couferei^ 
anzustellen und zu halten sei, da S. f. D. vorschlägt Cleve oder D 
seldorf; jedoch dass es lieber zu Düsseldorf haben sollte, geben dii 
selbe damit zu verstehen, in deme Öie schreiben, dass zu Dttsseliloi 
die Acta vorhanden sein. S. f. D. wtlrde auch dadurch eine Av; 
tage, wie vor diesem jederzeit gehabt, wiedenim aufs neue habenj 
derwegen, meines geringen Ermessens, I. Ch. D. zuti-äglicher und rff 



^ 



6at»cbten d^s Job&on t. Diesl. 



I7t 



potirlicher, dass des Herrn Pfalzgrafen Leute auch einmal wieder zu 
S«-. Ch. D. und dero Käthen kommen. Da es aber wegen der Ver- 
pfl«^ng8k(igten , die billig in keine Consideration z« nehmen sein, 
l>^cletiklich , konnte wol Duisburg alternative vorgeschlagen werden. 
i^ S. f. D. dann lieber der Xäh halber tn Duisburg als Cleve seine 
L.etite schicken möchte; der Aeten halber hat es keine Schwierigkeit, 
A.i.« können wol mitgebracht werden, so viel darzu nSthig. — 

5) Die fünfte Frage wttrde wegen der Personen »ein. da dann, 
i»veiln e« eine hochmchtige Haupthandlung sein wird, I. Ch. D. Be- 
voUiaächtigter Commissarius, mein Herr von Norprad General Lieu- 
tenant dieselbe zu führen sich wird gefallen lassen, dem nach Gele- 
genheit der Zeit, nach dem der Herr Pfalzgraf Leute committiren wird, 
^ oder mehr von den anwesenden Herrn Käthen wird adjungirt wer- 
ifn können. — 



Der Obersl-Stallraeigter des Kurfürsten GeorgBhrentreichv. Bnrgs- 
^<*rt bat den Auftrag erhalten 5 Üompagaiea ncngeworbener Reiter aus 
Preossen nach Cleve zu fiihreo. Es liegen bei den Acten einige Privat- 
Wefe, die er w&brend dieser Mission und nachher an seinen Bruder Con- 
rtd nach Königsberg schrieb, und die einige Blicke tu die YerhäUnisse in 
den cierischen Landen tbun lassen. 

lo dem ersten (dat. Ravensberg 9. Febr. 1645) meldet er, dass er mit 9. FebrJ 
0*0 Reitern glücklich In Ravensberg angelangt sei; überall unterwegs habe 
luaii die gute Disciplin der Truppen bewundert. 

Ich verhoffe, mein Herr Bruder werde mein zu Berlin abgelasee- 
Q^» letztes Schreiben empfangen and darans wegen des Sterns, so bei 
B*'ajidenburg erschienen, eins und das andere ersehen haben. Gleich 
"8 wir vorgestern hier zu Ravensberg angelanget seind, ist eben ein 
solcher Stern Morgens um 8 Uhr bei beliem Tage am Himmel ge- 
'^nden, über dem Regiment geschwebet und hernach herunter auf« 
wiJreich gefallen, woselbst er verloschen. Der Allerhöchste helfe, 
^*** dieses zu zweien Malen, beides beim Auszüge aus Sr. Ch. D. 
IjÄiide und dann wiederum beim Einzug in dieselben erschienene 
" undcrzeichen Sr, Ch, D, und dero Landen was gutes bedeuten möge. 



^eorg Ehrentreicb von Burgsdorf an seinen Bruder Conrad, 
Dat. Bochum H. März »t. n. 1645. 

l^ttiaiiiiiiigigQ geg«D Noqirml. Beeorgaiss für die Truppen. Unwille nber die 
Projecte Norprftd's ; sein« GroBssprocherei.] 

Er ist auf dem Marsch noch Cleve bis hieber gelangt g. Man. 

Ich finde hier so viel, dass dem Norprad niemand grossen Ruhm 



173 



TT. Brandenbttrg nnd Pralz^Kenburg. 



17. Mars 



beilegen will, absonderlieh von den Käthen, welche vorgeben, 
hätten mit diesem Werk nichts zu thun . . . und wollen dem Norp 

die Verantwyrtung lassen. Wenn nun S. Ch. D. ein ernstliches Sp 
ben an den Norprad abgehen zu lassen und demselben Obacht 
der Völker gutes Plaj«ir zu haben anzubefehlen geruhen wollten, 
könnte es nicht schaden. Denn wean es keinen andern Aussch 
gewinnen will, als wie sein beigefögtes Schreiben meldet, wollte i 
dass ihn der Teufel mit seinen Consiliis, so er Sr. Ch. D., wie dcra He: 
Bruder wissend, gethan hat, holen möchte. Uff solche Weise B' 
ich dieser 5 Compagnien, die ich ihm ohne Manquement liefere, gäi 
liehen Untergang vor Augen. Was wolhe dann werden, wann S. 
D. die nbrigeu Truppen auch dieser Lande senden thäten, weil 
diesen wenigen schon solche Difficultäten sich ereignen '). — 

Ich habe mich etzlichen berichten lassen, wie der Norprad 8i< 
hier gerUhmet, Sr. Ch. D. eine Arm^e von 20,0tX) Mann auf die BeL; 
zu bringen; jetzo lasset er den Etfectum erscheinen. 

Georg Ehrentreich von Burgsdorf an seinen Bruder Conrs 
Dat. Cleve 7/17. März 1645. 

[6evors(«tiende ZusntnmeDkimft der cleviachen Stände ; Agitation gegen die T: 
peo. PersüDUche Ad Wesenheit des Karfürsten nöthig. Rückreiee.] 

Diesem nach unterlasse ich nicht, dem Herrn Bruder zu hiatc 
bringen, dass die Stände alhier im Clevischen uf zukommenden Dienst! 
eine Zusammenkunft zu Emmerich halten und, wie ich von wei 
vernommen, an mich abschicken wollen, um zu vernehmen, zn 
Intention 8. Ch. D. diese Völker in hiesige Lande gesendet hahi 
da ich mich dann deshalb mit der Antwort nach meiner inhabend 
Information gebührend zu halten wissen werde. 

Sonaten hat der General Lieutenant von Norprad drei von d( 
vornehmsten Ständen anhero verschrieben, die noch vor der Zusam-' 
menkunft zu Emmerich alhier aehi sollen; denen wird er auch schon 
eins und das ander an die Hand zu geben wissen. — Es scheinet 
dae8 noch etzlichc darunter sein, Avek'hc Sr. Ch. D. nicht recht affec- 
tioniret; wäre derohalben höchst uothig, dass S. Ch. D. dieser EndeQ 



'l Norprad atebt in dieser Z^it in unabläBsiger Oaterliandluug mit 
StÄaden, um von iiinen die Miltel zur Uoterlialtuiig der im Lande sich samme 
den Truppen zu erlangen : aber fast ganz ohne Erfolg ; auf diese Mittellosigka 
ZQjn Uoterhatt der Truppen beliebt sich die Klage Burgsdorf's; es achaia 
daae Korprftd in dieser Bextebung AuBsichten eröffnet hatte, die sieh nicht 
rtillten. 



Bürge dorf und Norprad. 



173 



«o bald mOglicben selbst anlangeu mficbteii, welches deroaelben tau- 
send mal mehr Frucht bringen und erspriesslich sein wUrde. leb 
«^ollie nicht am viel, duss ich mit den Reitern nicht selbit hier kom- 
oten wäre , es ist gc^visslieh schon ein grösserer Respect vor Sr. Ch. D. 
f>ei vielen vorhanden. 

Ich will mich sobald möglich und wenu der Stände Zusammen- 
kunft nur gehalten ist, \viederurn auf meinen KUckweg nach der Mark 
^fehen, da ich dann verhofife. den Herrn Brüdern, be vorab aber S. 
Ch. D. wiederum daselbsteu zu linden. 



Joh. von Norprad an Georg Ehrentreich von Burgsdorf. 
Dat. Cleve 2. Juli 1645. 

[.A.efger über die Notzlosiglceit der Truppen; er «'anseht sie gtJ^ii den Pfals- 
grafen ta fubrea. Geldmangel,] 

Klagen über die Schwirrigkeiten mit dem Unterhalt der Truppeu. 

LMich dMucht, das» es nicht gar wol ist, bei solchen Truppen, 90 
ear hoch ins Geld laufen, die Zeit so inutil verachleisaeu zu lassen und 
»ich nicht resolviren, worzu daas man dieselben brauchen will; dann 
M> l&ng als man sie bezahlen können, hätte man bessere Dienst dar- 
▼ou haben mögen als darnacher. Wann es mir erlaubt wäre und ich 
desfalts Ordre gehabt, biltte ich als vor U Tagen mit den Reitern 
Qnd etzlicbem Fussvolk in dem FUrstenthum Berg und Jülich herum- 
marscbiret und die Zeit, bis Bescheid %on I. Ch. D. einkUme, all etn'as 
verläa^rt; aber darf es ohne Befehlig nicht thun; dann ich versptlre, 
dasg mau bei I. Ch. D. ohne speciale Ordre nichts will gethan haben. 
E« werde schliesslich nichts helfen, man müsse ,die dem Herrn Bruder 
'•ewttsdte Gelder angreifeu, wo nicht alles »oll zu Uruude gehen*. 



^Jali 



^eorg Ehi'entreicli von ßurgsdorf au seinen Bruder Conrad. 
Dat. Cüstrin i). Juli 1645. 
[tTnsurriedeDbeit mit Nurprad nod mit deu Dingen im Clerischen.] 
Norprad hat mir wiederum einen wunderlichen Brief gcschrie- 19. Ju^ 
®**; ist »ehr impatieut, daas ihm S. Ch. D. keine fernere Ordre er- 
^Ueten (die er aber ja nunmehr botlentlicb haben wird) ; er schreibt 
* *., dass S. Ch. D. zu Unterhaltung der Völker baare Mittel an Han- 
*** schaffen inftssten. Ich habe ihm wiederum eine Antwort darauf 
'^^«chrieben, so nicht viel gedotht [getaugt Vj bat. 
. E« schreibt mir auch sonst der Ohr, Wachtmeister Haus von 
^ »■ Marwitz, dass es toll darunteu zugehe, welches ich der Feder 



17Ö 



IL Bmodt^nbarg uDtl Pfak^Ni^ubarg. 




I 




veranlasset und mir daselbst in Vertrauen angezeiget, er hätte gewisse 
Nachricht, daas des Herrn Ptalzgrafen zu Neuburg f. D. entgehloasen 
wäre, die Staude der FUrstentbllnier GtlHch und Berg tu verschreiben 
und^sicb mit ihnen wegen der bishero zwischen Sr. f, D. und den- 
selben schwebenden Irrungen und Streitigkeiten zu setzen, dass auch 
S. f, D. etliche aus den vumehinsten AlrstUchen hessischen Ministris, 
nämlich itzgemclten von Maltzburg selbst und den HofmarschaL 
den von Günterodt zur Vemiittelung eines Vergleichs zwiBcben Sr 
f. D. und besagten .Ständen ersucht, wie uns dann bievon auch voi 
etlichen aus Mittel selbiger Stände vertrauliche Verständigung zug 
kommen. Auf dass nun unterm Schein einer oder anderer Pfalz-Net 
burgischen Zusaminenberufung der Gttlich- und Bergischen LandstSLnc^^^ 
dieselbe zu keiner Handlung oder zu einigem Sehluss, welcher E. C^ ~^ 
D. nachtbeilig sei, geleitet oder vertiefet werden möchten, so hab-^^^ 
wir nöthig und unserer unterth. Pflichtschuldigkeit in allewege gemfc^^Q^, 
erachtet, so viel au uns, ein wachendes Auge dai-auf zu haben t»_ö<f 
zu solchem Ende erwähnte Stände, imd zwar eines jeden rtir8teuthu.ujj 
absonderlich, Namens E. Ch. D. dergestalt vrie in Abschrift biet» ei 
liegt, zu erinnern und zu warnen; der unterth. Zuversicht, dieselbe 
werde diese unsere allein zu E. Oh. D. Dienst und Bestem untere^' 
wolgemeinte Sorgfalt, und dass wir angeregte Schreiben ohn E, Ch. M^- 
zuvor eingeholten gnäld. Befehl zu Gewinnung der Zeit haben abgeh^^'" 
lassen, um so viel weniger in Ungnaden vermerken, weil wir 8ond& ^' 
lieh auch durch den emsigen Fleiss, welchen, wie wir veniehmen, d^^^ 
Herrn Pfalzgrafen f. D. nach jüngst zu Duisburg gehaltener ConfereC^^^ 
zu Behauptung Ihrer Intention bei unterschiedenen Potentaten durÄ^" 
Sehreiben und sonsten anwendet, desto mehr darzu getrieben worde^^ ^' 

Hierbei Copic des im Namen des Kurfursteo erlasseneu Schreiben» ^^^^ 
die Stände von Jülich und Berg- 
Friedrich Wilhelm etc. Churfllrst etc. 

Liebe getreue. Wir kommen in Erfahrung, welcbergestalt Une^^^'^ 
Vettern des Herru Pfalzgrafen zu Neuburg etc. Ld. Vorhabens sei, Ev^-~ <-'J' 
die Landstände Unserer HerzogthUmer Gttlich und Berg zusammen ■^'' 
berufen und ihueu nnzumuthen, dass sie mit Sr. Ld. in sonderbare n^u^ • 
Tractaten, Handlung und Verfassung einseitig treten wollten, üb X^'if^m 
nun wol nicht zweifeln, Ihr werdet Euch Unsers zu allen diesen C7e- ^M 
mch-Gülicb-Bergischen Landen und angehörigen Graf- und HeiTscha/- ^H 
ten, sowol in possessorio als iietitorio habenden, auf die preussi^^e ^| 
der Zeit und Eurer Eltern und Vorfahren kraft der alten concoid«t» ^H 
maioratus et uoionis angenommene und mit leiblichen Eiden beevliiro* ^| 



Die cleviscbe Repertin^ and die Stände von Jiüich-Berg. -177 

rene und Ton damaliger Kais, Maj. befestigte Ehepacten gegründeten, 
stattjichea, kand unzweifliehen Successionsreehten» und deiimacli aucb 
<ipr Tlulde und Pflicht, damit Itr dannenhero gegen Una verbundeu, 
jederzeit genugsam entsinnen: s» haben Wir dennucb ans erbeblicben 
Reden und sütiderlidi darzu bewegenden Ursachen dienlidi und nötbig 
ennesäen, bei dieser Veranlassung Euch das Gedächtniss dessen allen 
^1 erfrischen und Euch hiermit gnädigst zu emiahnen und zu warnen, 
^a«8 Ihr Euch mit wolged. Unaers Vetters lA. in keine solche Hand- 
lung, Verfassung oder dergk^chen, welche Uns eiuigerlei Weise an 
oberwähnten Unsern Rechten, es sei im petitorin oder pnssessorio, nach- 
tbeilig ergeheinen oder auch angeregter Eurer gegen Uns tragender 
Pflichtscbnldigkeit weder jetzt, noch ins künftig verweislich sein möchte, 
einlasset. Wir wollen Uns gar keinen Zweifel machen, Ihr werdet 
■^Ues wolbedücbtlich er\vögen und es nf solche Wege richten, damit 
*Vir darob zu Euerm aelbsten Besten gnädigste Ratisfaction zu neh- 
*tten haben mögen, iumassen Wir Euch dann hieuiit gnäd. vergewis- 
sern, dass Wir hingegen nicht alleüi bei Euern hergebrachten Privi- 
'egien. Freiheiten, Recht und fJerechtigkciteu Euch landesfÜi-stvUterlich 
*U schützen und bandznhaben, sondern auch in Chnrf, Gnadeu und 
Hulden es gegen Euch aaiumt und sonders zu erkeuueu, gnädigst ge- 
**illt und geneigt sein. — 
Dat. 19. Sept. 164n. 



' ristructioii zu der Confereuz mit den Pfalz -Keuburgischen 
tfcätlieti ui Duisburg für den General-Lieutenant und gevoU- 
*iiäelitigten Coumiissar Juliaini von Norprad. A!art Philipp 
Von der Borch, Johann vun Diest UJid Wilhelm Bachiuaun, 
^er Rechte Doctoren sanunt und sonders. Dat. Königsberg 

21. Sept. 1G45. 

Es ist zu erkläreil, dass der Kurfürst durch die Conferenx keineswegs 21. Sej 
beabsichtigt, „den von Auuo Iöl*9 d, 9. März pruetemlirtcu Provisioiialver- 
^leicb vor geoebm zu halten," souderu sich ati seiue Rechte restrvirt. 

Erklärt sieh Pfalz -Neuburg bereit, Satirfactioü für die vielfachen ße- 
KiacbttiriligaugeD Braudenburgs zu leisten, su babea di« Conimiaäsire aus- 
einander zu setzen, dass der Vertrag von 1029 zwar schon ipso jure null, 
fiberdies aber auch auf die verscbicdenste Art vcn Pfalz -Neuburg verletzt 
worden' seL Was Brandenburg versprochen und nicht gehalteu worden ist, 
ist besonders : 

1) Die 16U,000Ktb. auü Jülich und Berg und 20,000 Rtb. ms Rarens- 
beug imd Ravenitein. 

]|*tw. nie Gncb. d. Gr. KurRmUn. IT. 12 



Q0Q rfiÜT 




2) «Orvoi oad vm den uüclebL' 

3) ,Die Oraftciiaft RaTpfi4>«Tg und «u auch dabei gehott.'^ 

4) Bdionaufr tk-r l'r'jt^ttanun io Jitlkh nnd Btrg. 

5) BrmoAttämrg bat Hieb sti tK-kla^D, da«s der Pfalzp^r dem Kurfür* 
■>ü Tou C'AId die gouUich« Jurisdiction <ib«r die La&d« eiogeräumt bat 

4) Da** TcnwUedent! i<iiitd««KtUck« so Andere verAuK.Kcrt wurden sind — 
/ H oocb JiingKt da« Amt Bornrr«l(l an tteo jetcigeu Grafen SchwarUen- 
i.-rjf. 

") It&n. der Pfnlzgraf fticli|die Directi<Mi den wes^tfaliiK^hen Kreises allein 
anmaavt. 

5) .Die bsibe Steuern in Gölicb und Bfrg, welche Sr. Ch. D wegeu 
njchl erfolgten lSfj,(((K) Hth. gebühren, babeu S. f. D, ulleiu vorentbobeu, 
di«" Sr. Cb. D. etiaui nUuk- contractu ratione praeteriti restituirt und ra- 
tiotie fuiuri lur recbten Halbtcheid gela^iyeti wenlen miissen." — 



Die Confcrens iti Duisburg beginut scbou am 25. Augnut. Vou Nea- 
bargS»ebi-r Seite sind dam drjiotirt der Jüljch^che Marraball Preih*rr 
lon 8)jiring, der Ucrgii-cli<-' Mur^chttll Wescbpfenning, der Vieeeanilrr 
Dr. AltcnboTen, L. Revot nnd >'. Rutandt. — 

üeber die Verbnndlnngen liegen «nfliihrliclie Protocolle bei den Actes. 

In Betreff der Nichtanerkennung der Verträge 1629 und 1630 bemfr- 
..ktti VL A. die Brandenburger im Protocolt vom 30. August: ^Dass 
|tUigO S. Ch. D. nlß berec iure proprio mnioratus, geaülitiae et 
tu »olchen utchtigcn Tractaten nicht obligirt seieu, das hätten sieb 
Pfiilr.-Neubürgi?cheti so fremd niebt vorkomiueu zu lassen; sie 
xwiir, dtif'S S. Ch. D. auch in altia bouis heres und alüo facttiia 
»u prnei'tiren gehalten sei: die Herren aber mij.<:&en wissen, da»$i alle Sr. i 
D. Land und Leute ttiri inaiora[n)< unterworfen nnd also demselben $ot 
»1k i-inigeD) König nicht praejiidicirt werden mag: der König Francif^fasl 
in Frankreich, ob er schon in allodii* «uccediret. hat doch den I 
ab t.ie Sr. Maj. Herrn Vätern Schulden gefordert, geautwortet, ,^ 
dcbilu pattma mM non ofalipunl, cum iure proftrio »uccedamn*. m I« 
trgitima chuI. ej-tolvamux-'^ Al^o kann uDch S. Ch. D. nicht aadci» ' 
billige i'onrenfione> ciiorom praederessornin gebunden werdeB. 
die Politid und IC" alle einig sind/' — Die Nenborger baltm 
dans, was auch in der Mark nnd iu Preussen gelte, liier ta Laadr 
ieg«t, constitntiones nnd consuetndine.^ Imperü in Betracht 
(«Q, .velcbe. «ie auch alle Jura, mit sich bringen : qnod 
soris factum prmestAre tenealur ;" wie cü auch der ProrismaalKOidiilk 
drt^ich bestimme. — 




Coiiferenz in Dutsbui^. 



179 



Der Kurfürst an die Commissare bei der Couferenz in Dtiis- 
bm-g. Dat. Königsberg 26. Sept. ltJ45. 

[PfQCbtlosigkeit der VerhaadluDgen. Ur. Dieat aull biDe Bruschure ubrttsseD. 

Widerlegung SchwarUenhergiachpr Einwürfe.] 

Die in Duisburg mit deu Rätbeii des Pfaizgrafeu verhimdelnden Com- 26. 3^ 
tujssare b&facn ?on dem schlechten Fortgaug der Trnctuteii gemeldet, indem 
der Pf&Ugraf keinerlei Nacbpiebigkeit zeige. 

Und weil Uns Sr. Ld. Humor und zli dieser Sath hallender grosser 
Eifer und Vig^ilaoz gnugsam bekauut, so Laben Wir Uns keines an- 
dern zu Tennuthen, als dass S. Ld. eich zum hiicbsten angelegen sein 
lasgea werde, Ihre Sacb uffä beste zu scbinücken und zu pöloriren, 
tlna aber bei aller Welt und zuvorderst der Kais. Maj, und Kn>n Po- 
len, sammt Wir wider klare Verträge bandelten und dasjenige, was 
«ti't Unsere in Gott ruhenden Herrn Vaters Gnad. richtig veracenrdiret, 
'o Streit zu zieben und gar zu retraetiren gedäehten, zu deuegriren 
önd dadurch in offentlieben Verdacht zu setzen; so wird die unum- 
irSngUcbe Nothdurlt erfordern, dass auch Wir uff Unsere Nothdurft 
üncl wie solchen Machinationibua der Gehltbr zu begegnen, verdacht 
«<«^iü; darzu dann hochnöthig sein wird. dax.<t in Zeiten ein zwar kur- 
^^s. Jedoch nervöses uud wolbegrWndetes Manifestum oder Scriptum 
apoiogeticuOT verfasset, mit zugehörigen Beweis und Beilagen der Ge- 
Wtllir bestärket, und dadurch die Gereclitigkeit und Billigkeit Unserer 
^»■ejj luänniglicben für Augen gestellet werde. 

Und weil Wir dann aus hisberigem Verlauf und Euem Uns aa- 

*«ri> geschickten unterthän. Bedenken betinden, dnss Ihr, Dr. Die«t. 

^«>n der .Sachen eigentlicher Bewandniss gute und vollkiiuinilicbe In- 

*^*Tnati<in habet, so wollet Ihr diese MUbwaltunsr uubcschwort Über 

^•^'cb nehmen und eine solche kurze doch gründlicbe Dcduction zu 

J»ier bringen und Uns dieselbe, sobald zu geschehen mtlglicb. zu 

•Ttitrer Revision anhero tlliermachen. 

Und weil Wir vermutben. es mOchto der junge Graf von 

*^ li wartzenberg seines Vätern Factum zu justificiren sieh bemUhen. 

^*^li wol zu dem Behuf einige Unsers Herrn Vaters Gn;iden seinem Vater 

*Segcbene und Unsers Wissens von dem von dem Knescbeck sei. 

^''^cipirete Instnictiones und andere aus Preussen an ihn abgelassene 

^^« reihen und Attestationes iinzuziehen haben; gestalt Wir dann be- 

'^^tet, dass sein Vater im Process wider den von Itoehow') der- 






S 



. ') üeber deu ProcBsa de» \V 11 1 r IJiet rieb V. Koebow gegen Sc li wart ekö- 

^ *"£ bei Gelegenheit des Vertiags vun ItiÜS i. Cosmar Schwartzenberg 

^- Säaa 377. 

12* 



180 



n. Brandenhurg und Pfal8-Neuburg. 



gleichen Schriften produeiret und dadurch behaupten wollen, dass 
Ünsern Herrn Vatera zu dem Provisionalvergleich nicht persuadin 
sondern die Insiructiones in seiner Abwesenheit begriffen und ihni 
nachgeschickt worden, ja dass er weit ein mehrers. als seine lustruc 
tion vermocht, erhalten; dann dieselbe soll dergestalt eingestellet g, 
wesen sein, dass huchgcd. Unsers Herrn Vätern Gnad. endlich 
Berg und Mark sich etuiteuHren lassen wollen: so wird nicht iindiei 
lieh sein, auch dieses Einwurfs in etwas zu gedenken und denselh 
der Gebuhr abzulehnen. So Ihr dann also zn beachten wissen werde 



Johann von Norprad an Conrad von Biirgsdorf. Dat. Lünei 
(Grafschaft Mark) 27. Sept. 1645. 

[Verbandlung mit eiüem öecretär duB Pfaizgrafen. Drohunp mit Gewalt Aiu 
weichen dua Pfalzgruft;n. GeheimhaltuDg des AngrißspluBes; weoige eiageweibl 
Ußbeätimmte ItiBtructiim Norprftd's; mangelhafte Mittel zum Ivrieg; ober doei 

hercit vorzugehoa.] 

.Sept. Demselben bleibt mivcrhalten, dass ich den Pfalz- Neuburgscha 

Secretarium bei mir geliaht und Miene gemacht, als wenn ieh nit gen 

wollte, dass Uneinigkeit /.wischen diesen hohen Häusern entstünde 

deswegen möchte er I. D. vorstellen, dass dieselbe 1. Ch. D. alsbali 

Satisfactiou tbüten; ich uiUsste sonst deroselb ins Land gehen um 

dürfte es auf den widrigen Fall nit langer unterlassen, und es möeh 

ten doch I. f. D. ihrer ßäthc Rath darin nit folgen, die ich wol nilsst^ 

dass alle dargegeu rietheu; vemieiuten das Werk mit Zungeudresserfl 

und Schreiben auf die lange Hahn m «peilen; er sollte selbst dei 

besten Rath geben ; zudem hingen seine Käthe au deui jungen Priniteti 

durften uit anders rathen, als derselbe gut find, damit würde ab« 

I, D. endlieh nit gedient sein. 

Worauf derselbe mir geantwortet, I. f. D. wüssle noch könnU 

L Ch. D. keine Satislaction zu geben, weil dieselbe sich nit erklärten 

deu Vertrag zu halten. Worauf ieh ihme antwortete, das thätea I. Ch 

D. durchaus nit, es wäre dann, dass I. f. D. sich erklärten auf eil 

gewisses. Darauf bat er, ieh möehte etwas ftlrsehlagen. Dieweil mn 

nun der Herr Bruder 1. Ch. D. Äleinung zuge.''elirieben, so sa^e ici 

uuvorgreiflich, wenn 1, Ch, D. das halbe Fllrsteuthuni Berg, Gr-ifseha 

Ravensberg und Herrschaft Raveustein präsentirt wUrde, so dUrfte icJ 

muthniaesen , dass der Accord gehalten wUrde werden, und wollt i 

auch auf den Fall wol einhalten. Dieses hat er zu hinterbringen a 

sieh genonnuen; dieweil ieh aber wegen der Märkischen tjtände Zusa 

menkuufts heul alhier -m Lüueu sein uiusste, konnte ieh den Ajitwo 



Norjjrad's Ansicbtea und Pläne. 



181 



m IDuisburg uit abwarten; was mir aber deewegeo von I. f. D. als 
nuc-b von dem Secretario wird zugesc trieben, solcbes geniie ich dem 
He»-Tn Bruder in Original liierbei'), daraus er siebt, wie arglistig 
dieser Herr ist, indem er uus noch nit commiiuicirt hat, was erl. Ch. 
D. v-ugesehriebeü ; entweder er besorgt sich, wir möchten etwas dar- 
gc^eo rathen, oder 1, Ch. D. möchten uns darüber hören wollen; so 
gewinne er als Zeit. Es wäre aber meine Meinang, 1. Ch. Ü. schrei- 
be ti demselben etwas ernstlich zu und diesergestnlt , dass er möcht 
iicVi gegen mich beraust^er lassen, welchergestalt er L Ch. D. Satiä- 
factiou gedacht zu geben, sonst hätten dieselbe mir schon befohlen, 
wie ich mich verhalten solle; geschieht es nit auf diese Weis, so hält 
^r Ulis so lange auf, bis unser .Status bricht; es wäre dann, daes der 
Bruder noch Uath >v11s8te zu schafl'eu. Er wolle doch auch diese 
Sebreiben ins geheim zwischen 1> Ch, D. und ihme halten, damit die 
bosshaftige Leugner nit weiss werden, dass ich alles mit seinem Fllr- 
wissen thue, und können dieselbe bernachmals desto bass sebamroth 
e*"niacht werden; dann sie doch sonst keine Dienet gethan haben noch 
**i*S8en zu tbun, als anderer Diensten zu tadeln, auch uiäuniglicb dar- 
K^en aufzurücken, alles zu Nacbtheil 1. Ch. D. 

Ich hah auch dieses alles vertraulich mit dem IlermStrurackede') 
5^*"Pdt; so bald der Tag alhie gethan, werd ich weiter darin fortfah- 
•"^n; 80 wird er auch von dem Herren Dieeten alles erfahren können, 
*'*'■ dieser und der Haagischen Sachen halber dort hingesonden. 

So verhalte auch dem Herrn nit, dass seinem Schreiben zufolg 

>ch \^fji ehender fortführe, wenn nit die starke Clause! darin wäre, 

^* Uämlieb: wenn I, Cb, D. Vortheil darmit zu thun wäre; so 

^^'»8 der Herr Bruder, dass jederzeit das Glück bei dem Unglück 

Wehet, 80 kann er aach gedouken, wenn ich die occupirte Orter recht 

besetzen lasse, uit gar viel Fussvolk (Ibrig habe; dann die bos&halb'ge 

"^ itlerwillige Leut in Calc^r mir fast alle Coriipagnien zu Schanden 

****<ilieu, welche ich darin bringe, und darf ihnen nit trauen; derowe- 

^^ nmss ich das Ort wol besetzt lassen, so mangelts mir auch an 

^^^leu Sachen und anderen; jedoch dem ungeachtet, soll der Herr 

^^rUfJer sehen, im Fall der Herr sich nit recht hält, dass ich 1. Cb. D. 

^^f<i beweisen die Wolmeinentheit und befehle den Herrn Bruder 

^ieuiit in Schutz Gottes. 



') F«lilt. OfTeobar des tnhalts, dass der Plalz^af sieb mit dem KorfiirgteD 
™*ct in Verbiodaog zti setzen gedenke. 

*) FUlh hei der cleviBChen BegieniQg; ebenso wie gleich darituf Joh. v. Diest. 



tft8 



II. Brandenburg nnd Pralz-Neabnrg. 



Gutachten des geheimen Rathes über die Frage eines Kriegt 

gegen Pfa.lz-Neubnrg, Dat. Colin a. Sp. 7. 0«t. 1645. 

(Abschrift im Dllsseldorfer Archiv.) ') 

[(.•«jgea den Krieg iiherbaapi, Dur Pfalzsirar keiueswe^s hilflue; aeine Verbi 
dangen, üet Kurfürat veürdv atich die befremidoten Mächte beleidigen. Räa 
sieht auf das Wohl der clevischen- LTDlerthaneD. Die Mittel lutn Krieg vöU 
unzureichend : gänzlicher Mangel der Artillerie. Der ganze Plan ist ohne rech 
Umsicht entworfen und wird scharf getadelt. Kein geoügeoder bruud zoiii 
ginn eines Krieges. Hinweis auf den noch schwebenden Process. Der W^ 
diplomatischer Vermittelung wird empfohlen. Die Truppen noch eine Weile 
der Reputation willen bei einander zn halten. Vor allem erst einen bes8(>r 
diploniatiecheo Rückhalt] 

17, Oct. Der KurflirBt habe s. d. 6. Oet. st. n. ihr üutaehten rerlangt über 
pfui X - neu boTgiscbe Sache und ^ob mau mit dem Pfalzgrafen brechi 
oder doch isonaicn etwas in der Grafschaft Raveiisberg oder wider den Graf 
yoD SchwartKenberg leutiren solle". 

Das Gotachten geht aus von der Verderblichkeit jedes Krieges, g& 
Europa habe jetzt nur den einen Wunsch nach Frieden. Wie übt»! si 
dem Kait^er, (.'hurbaiern , Dänemark ihre gegenwärtigen Kriege bi.'komtu« 
Wie übel einst dem Kurfürsten Georg Wilhelm*), dass er die pfals-a< 
burgischen Truppen aus der Festung JUlich herauswerfeo liess — ,8o wui 
hiednrch kein mehrere, erhalten, als das^ der Pfalzgrafe ex det^pcratio 
sich an die Krone Hispauien hing und durch dieselbe Macht nicht a]l< 
Gülich die Festung recuperirte, sondern es wurde auch dazu Wesel ein] 
nommen und E. Ch. D. Herr Vater hoehl. And. von deu Hisjtaniechen 
eoge nach den Niederlanden eingetrieben, dass sie kümmerlich ihre n^ 
dürftige Alimente drau» haben und nehmen können". Wie viel Geld 
der Mark und aua P^eu^sen hat Jas gekostet; wie viel Zölle und Aeu 
$iad darüber vernetzt worden, in welche Confnsiuii ist das gesammte Sc! 
denwesen dadurch gerathen! 

Dann die Ijeideu uuJ Verluste des schwedischen Kriegs. H&ttc 
nicht das Armistitiura von den Kehwedeii erlangt, der Kurfürst hätte ui 
bis zur ^tuude nicht in die Mark kommen können. 

Einen neuen Ki'ieg auzuratheu, wäre also gegen daü Gewissen 
sagt zwar, dass die Partei, auf die sich der Pfal/graf stützt, augenbliej 
Heb sehr wenig in der Lage .-^ei ihm zu helfen, aber darauf ist nichts 
bauen. 

Der Pfalzgraf ist ein alter arbeitsamer geübter Herr, der 
nen Sachen sehr vigilant und nicht feiert. Er liat wegen seiO' 



') Als Verfasser des Gutaclitens darf man sehr wahrscheialicb den Kan^ 
Bigiamnncl v. Götüe vermutJien; vcrgl. die beiden Gutachten von ilun Volj 
p. 2r>8 ff. und p, 1173 ff. und die BHmerkuag daau p, 613 f. 

') D.h. dem damaligen Kurprinzen Georg Wilhelm im Jahr 1614; 
DroyacD Ueach. d. preuse. Politik U. 2. p. 619. 




^B*" 



6at»ciit«a des gebeimeD Ratbes ober einen Krieg gegen den pralzgrafen, j Q3 

ligion dneo grossen Anhang. Es seind ihm auch durch E. Ch. D. 
geworbene Vfilkcr die Augen dermassen geöffnet, dass er dahin wol 
sehen wird, darnil es ihm an Assistenz nicht ermangeln mSge; gestalt 
d&nn E. Ch. D. aus der Oanabrückischen Relation ersehen werden, 
dass druateu eine uene Liga aufgerichtet und sieh der Plalzgraf mit 
in »lieselbige, dessen er sich doch znvor jederzeit verweigert, begeben 
habe; das« aurh f'hur Trier albereit auf löOO Mann zu werben Pa- 
tenta ausgegeben, 

Wa& die Rom. Kais. Maj. albereit zu zweien Maleu an E. Ch. D. 
derhaiben, dass E. Ch. D. nicht mit dem Pfalzgrafen brecheu möch- 
te u , geschrieben und wohin E. Ch, D. I. Kais. Maj. hinwiederum be- 
antwortet, solches wird derselben noch uuentfalleu sein, wie Sie sich 
dann auch erinnern werden, was albereit I. Kön. Maj, in Polen und 
elzHche der Kronen .Seiiatores dieser Sachen halber an E. Ch. D., und 
•tum Theil gar bcdrüulich, haben gelangen lassen, auch wohin E. Ch. 
sie Iteantwürtet. 

Sollten nun E. Oh, D. dero Erklärung zuwider etwas thätUehea 
vornehiuen, Averden diese beiden Potentaten solchs llbel empfinden 
«tid Jeu Pfalzgrat'eu ohne Assistenz nicht lassen; dazu es ihnen auch 
nicbl ermangeln wird; denn der v. V^ehlen ist albereit drunten im 
I-ande. 

Wird auch die Neutralität mit Baiem geschbtssen, daran man nicht 
^weitelt, 80 kommt das wcstfölische Volk, so ihme zu Ilhlfe geschicket, 
'^edemm in Westfalen, und die neue Liga bringet auch Volk auf die 
^'öe; 80 werden sie bald viel stärker werden, als E. Ch. D. Völker 
f^'O können. 

E. Ch. D. haben itzo den Herrn v. Dohna in Frankreich ge- 
^•icket'); werden nun E, Ch, ü. unerwartet der französtsehen Erklä- 
*^ etwa» de facto vornehmen, so wird es unzweifelhaft Frankreich 
*^"*" offendiren. 

Die Krön Schweden und die Herrn Staaten, sammt des Prinzen 

ü. werden es übel cmpiindeu, dass solche weitaussehende Sachen 

**^1 ihren Kath angefangen; gestalt denn E. Ch. D. selbst wissen, me 

'*ael ^ yyn theils der Staaten genommen, dass E, Ch. D. Ihre Völker 

* *lie clevische Lande ftlhren lassen. Wie viel weniger werden sie 

^^'^»es approbireu und gutfiuden, wenn E, Ch. D. ihnen gleichsam vor 

ihr^jy Thlir einen neuen Krieg anheben wollen. Was der Pfakgrafe 

'^Ufch seine Corruptiones in den Niederlanden vermag, solches ist E. 

^*» D. unverborgen, — 

') Urk. <i. Acten st, L p. 610- 640, oud oben p, 51. 






184 



n. Brnodenbnrg nod Ffak>Neobnrg. 



Bedenken wir auch, mit wem E. Ck D. diesen Krieg ftthra 
wollen, 80 seind es dero figene Untcrthanen. I>enn obwoi d( 
Krieg wider den Pf'alzgrafen angeeehen sein mag, so wird er deimoe 
vornehiidich die Uiitertlianen treffeu; Ihre eigene Lande» werden dt 
dtiffb venlerlit und verwti(*tet, Sie werden alle AffecHon der Unta 
tbanen verlieren. Und ob man das nicht achten, sondern vielmel 
davor halten wollte, dass, wann man die Waffen in Händen, so hat 
man auf der IJuterthanen .^ffection oder Disaffeetioa nicht viel a 
seilen; m hat doch solches ins gemein nicht lange Bestand; denn wenl 
die Furcht der Waffen vorUber, dazu es leichtlich kommen kann, 
erweiset sich alsdann, v^-ie riel an der Aö'ection der Uuterthanen g 
legen, sonderlich an deren Unterthanen *\ffection, die so nahe an dl 
beiden kriegenden Theile Frenzen gelegen und bald einen Rticki 
finden können. Ferrum luctur principem, melius (ides. 

Mau wirft ein, es bedarf uichc eines offnen kriegerischen Bruchs, mi 
kann auch etwas in der Grafschaft Raveusberg, oder gegen die Güter, dl 
Gnifeu Schwartzcnberg uaterneluueii — aber es it!t ganz aubereeliel 
bar, welch grosses Feuer aus dem kleinen Funken entstehen kann. 

Wir sehen auch die Mittel nicht, die zu Führung eines Kriej 
gehören, so wenig wegen des ordentlichen Unterhalts des Volks, ■ 
auch der extraordinär Spesen, die znni Krieg erfordert werden, welc] 
öfters viel höher als die ordinär Unkosten hinanzulauten pflegen. 9 
beklagen sich albereit, dass Sie nur ein gross Stück haben und d 
liehe wenige Feldstllcklein zu 1^ und 2 Pfd. Was will nun wol ( 
fordert werden, wenn eine ganze Artillerie soll formiret und mit all 
Nothdurft versehen werden! Sollte es nun daran mangeln, so seb 
wir nicht, was auszurichten. 

Wir bekennen gerne, dass E. Ch. D. das Vulk ohne Verrichtui 
wenig nützen werde. Wir würden es auch unterthäu. erinnert liubs 
wenn wir von E. Ch. D. Meinung, dass Sie werben wollten, etwa 
gewisses gewusst, und E. CL. D, unser Einrathen von uns begeh] 
hätten. Dann in allen Dingen muss man auf das Ende sehen , lU 
ist nicht gnug, dsiss etwas angefangen werde, sonder« es muss v< 
nehndich betrachtet werden, zu was Zweck und Ende man es anfan 
und ob auch Mittel vorhanden, dasjenige, was man angefangen, ai 
zuflibrcn, und da man dieselbe bei sich nicht findet, oh von and« 
Orten, und welchen, dieselbige zu erlangen. Und dieses ist ein 9 
ches ungezwcifeltcti Axionia, dass sich dessen unser Herr und Heila 
Christus Selbsten gebrauchet, indem er sagt, dass keiner ein Hü 
sni bauen anfange, er Überlege es dann vorhero, ob er es könne ai 



6ot^aclil»n des geheimen Rathes ober eiueu Krieg gegen den Pfslzgrafeu. -(§5 



flüireii; sonsteD, wenn er das Fundament gelegt und was er angefan- 
gen, nicht ausfuhren kann, so wird er von allen denen, die vorUher- 
gehen, gespottet. 

Nun haben «na E. Cb. D. noch nichts mehres wissen lassen, als 
d&8s Sie die Ihm eingeräumten Plätze dftniit besetzen und das Land 
ttmnteu v<ir die streifenden Parteien schützen wollten. Wir hahen es 
mioli davor halten mflssen, dass dieses E. Ch. l). eigentliche Intention 
11a d Wiliensmeinuug sein mUsse, dieweil E. Ch. D, solches I. Kais. 
MaJ. und der Kön, Maj. in Polen, wie auch den Ständen drunten im 
Lande also zugeschrieben. Sollten sich aber E, Ch- D. zu einem an- 
dern bewegen lassen, so sehen wir in Wahrheit nicht, «rie es E. Ch. D. 
werden ausführen können. Nun stehet gewisslich eines grossen Herrn 
Reputation gar nicht darin, dass er etwas anfange, sondern am aller- 
meiiten, dass er dasjenige, was er mit gutem Vorbedacht angefangen, 
aucb mit guter Vorsichtigkeit dirigire und endlich glücklich hinaus* 
toliie, Ermangelt es an dem letzten, so wird auch das erste gar nit 
eonsiderirt, sondern es wissen alle Leute (die ohne das ab eventu au 
jiidiciren pflegen) schimpflich genug von dergleichen Consilüs ni reden 
'^nd alles in die gemeinen Adiisen zu bringen, daas also an ^^talt der 
verhofften Reputation nur lauter Disreputation und Verkleinerung dar- 
*U8 au gewarten. E. Ch. D. wtlrde es in Ihren andern Haupteonsilüs 
^■■osse Verhinderungen bringen, wann E. Ch, l>, etwas anfingen und 
»eroacher wegen ermangelnder Mittel stecken lassen oder noch wol 
"*2tt einen viel präjudicirlichercn Vergleich mit dem Pfalzgrafen ein- 
?eheTi mtissten, so wtlrde E. Ch. D. von niRnniglichen vor einen un- 
^"tckseligen Herren geachtet werden. 

Wann aber gleich alle Mittel, so zu dergleichen Expedition von 

^ÖtVien, überflüssig vorhanden wären, nml man wollte den duhium 

^''^Htum belli und was vur Unheil daraus zu folgen pHeget, nicht con- 

"«^riren, ao wäre doch nüthig, dieses reiflich zu bedeukeu: ob dann 

^"h. D. gnugsame Ursache haben, mit dem Pfalzgrafen zu bre- 

."^«1. Dann wo man Ulut vergiessen, Land und Leute iu Noth, Ge- 

"^^^ und Elend, ja sich und seinen Statum in Gefahr setzen will, dazu 

^-^8 man grosse und wichtige Ursachen haben, damit mau nicht an- 

"^"M de» Segens und Beistands Gwttea desselben Zorn, Rache und 

' '*"^fe auf sich laden möge. Der gottselige König Josias. wck-lier «o 

^^*^ stätUches Zeugniss seiner Gottesfurcht hatte, . . . mussle dennoch, 

*^** er kaum 35 Jahr alt, und einen unnöthigen Krieg wider den Pha- 

*^^neiv Necho anfing, solches nit allein mit seinem Leben bttssen. 

•^*xdem es erfolgte auch auf seinen Tod die gänzliche Exstirpation 






18fi 



II. BraiKienbarg ond Prak-NeaborK. 



seiner Königlichen Linien und die total Ruin und Unter^ng seim 
Laude. Welches Exempel gewisslich wol z\x erwägen, Insonderhi 

haben wir dessen Ursache, indeui vom E. Ch. D. GUiek und Ungltt< 
alles unser Ollick und auch unser Verderben hänget. 

Wann wir nun aber die Ursachen, so E. Ch. D. zu solchen E&treto 
bewegen könnten, cousitleriren, 8o halten wir es ernstlich davor i 
können in unserm Gewissen anders wol nicht befinden, als dass di 
säuinitliche Jülichscta' Lande E. Ch. D. von Rechts wegen zustehen mjü 
gebühren; wür hoffen auch zu dem gerechten Gott, er werde E. Ch. E 
in dieser Ihrer gerechten ^acbe beisteheii und Sie nit verlassen. Wi 
bekennen auch gerne, dass der PfiUzgrate mit E. Ch. D. Herrn Vaten 
uud E. Ch. D. liisliiehero nicht also umgangen, wie recht und billig. . j 
Dennoch aber kennen wir nicht abschen, dass E. Ch. D. fllr diesuu 
zu einiger BliittitOrtzung Christeiilduts und Verderbung Ihrer Land 
gnugsame Ursachen habea, Wir haben es in der Thal und im Wer 
Selbsten erfahren, dass mit den Waffen wider ihn sehr wenig ausg< 
richtet v^-orden. 

Der Hauiitstreit hängt am Proeesg. in welchem E. Ch. D. He« 
Vater und Sic selbsten sich mit eingelassen, und würde es derowegö 
Unrecht sein, wann E. Ch. D. pendeute processu de facto procediro 
und verfahren ^vnllfen. 

Wegen des Prorisiunalvcrgleiehg ist E. Ch. D. Herru Vaters Ha» 
und Siegel vorhanden, und wird es der Gräfe von Schwartzenbefi 
vor Gott schwerlich zu verantworten haben, dass er solche L'ntreue ai 
seinem Herni verllbt, deiiBelhen nicht allein zu einem solchen präjudjcil 
liehen Vertrag und auf so lauge Jahr verleitet, sondern auch denseih« 
Vertrag also stylisiren lassen, dass zwar E. Oh- D. Herr Vater darinm 
hart genug verbunden, ihme dem Pfalzgrafen [aber] allerhand Effugi 
darinnen offen gelassen, deren er sieh zwar meisterlich, aber wid« 
alles Recht und Billigkeit gebrauchet '), 

Wie dem aber, so wird vornehmlicli itzund dieses controvertip 
dass er die versprocheue 18<>,iMXi Rth. nicht bezahlen, auch wegd 
der halben Grafschallt Ravensherg E. Ch. D. keiue biilige Satisfactioi 
thun will. Nüu dünkt uns nicht, dass diese Ursachen erheblieh guu 
sein, darum Krieg zu fuhren; 1K(>,i.k;)U Rth. sein bald verkrieget, um 
auch um der Prätension willen auf die halbe Grafschaft so viele an 
aehentliche Fllrstenthümer in Unruhe zu setzen, stehet E. Ch. D, niin 
mer zu rathen, dieweil Hoffnung, durch andere Mittel aus der ShcIi« 
zu kommen. 

'J Vgl. oben p. 12 über den Ausdruck: „dispoiüren", ^^fl 



Ontachten des geheimeti ßatheg ober ein(<u Kri«g: g«^geD jleii Vtalzgiatea, \QJ 



Statt dessen wird geratben, an den Kaiser und den König von Polen 
sosfubrlicbe Vorstellnngen über das ungerechte Verfahren de« Ffabgriife)! 
eiiiza reichen, ebenso auch au die spanischen nnd (TRuzösischoti Ge>niidi.i'n 
in Altiüster und Osnabrück. Desgleichen miiiäste man sich zuvor mit Seh Wf- 
ijfa verÄläudigen und besonders mit den Geueralstaatcn. Die Landgräfiii 
TOQ Hessen niUssic bestimmt werden, unter ihrem Namen die Franzosen 
nnci Seliweden für Brandenburg zu stimmen. 

Es haben eich sousten der Frau Landgräfin f. On, auBdrlicklich 
ramebiuen laaaeii, dass eie aebr besorgete, es würde E. Ch. D. das 
Werk mil Ihrem Volk nicht ausführen können. Dann auch wird die 
Landgräfin, wenn die Neutralität mit ßaiern getroffen und ihr Volk, 
M sich bei der (Vanzögischen ^\rn]ee befindet, wiederum von der Donau 
bei-imtergehet, dem PfaUgrafeu mit ihrem Volk aucli etwas Js'achdeu- 
ken machen können, wann diese zu etwa» verstehen wollen. 

So kann das Werk, gleich andern Sachen, durch Gottes Beistand 
weit besser und mit raehrer Hicberheit gehoben werden. Es wtlrde 
vielleicht Chur Trier und Chur Cöln, wann sie ersucht würden, gerne 
die Sache aecommodirt sehen, damit auch ihre Lande in Rahe ver- 
bleiben mögen, welches K. Ch. D. Gesandten unter der Hand wol wer- 
den unterbauen können. 

Dieweil auch das Volk auf den Beinen, so wären die Stände be- 
weglich zu erinnern, daseelbige noch auf etzliche Zeit zu erhalten; 
^Äßn obwol die Werbung nicht ao hoch uöthig gewesen sein mag, 
■** Würde es doch itzo etwas disreputirlicb sein, wenn das Volk wie- 
'lerum von einander gehen müsste. Es würde auch den Ständen dieser 
'-'»terhalt erträglicher sein, als wenn die Lande in einen offenen Krieg 
^'^then sollten. 

Ehe und zuvor aber E. Ch. D. einen beständigen Rücken gemacht, 
önöen wir nicht rathen, zu einiger Thätlicbkeit zu greifen, damit nicht 
Ch. D. Ihre hohe Churf. Rcputatiim zugleich uebenst den Landen 
^* einmal in Pericul setzen. 

Vaters. Sigismuud von Götze. Adam Georg Gans Edler Herr 

-Potlitz. Uauü Georg von Ribbcck. Utto von Schwerin. 

* t» ««(ian Striepe. 






ITJ 



Joh. von Norprad an den Kurfiirsteii. 
18. Üct. st. n. 1645. 



Dat. Duisburg 



*^ (Möglichkeit die Trappen weiter zn erholten. Zweideutige VerhBltungsmass- 

regeln über den Einfall in Berg.) 

Der Unterhalt der Truppen, die mau jetzt bei einander hat, kostet mo- 18. 0^ 
^^Uch 12,000 Rth. Die von den Standen bewilligten Gelder reichen nir- 
s^Udi 20, die Verlegenheit wird taglich grösser. 



188 



II. BrandenbuFg nnd Pfalz-Neubarg. 




Ich weis» giinzHch keinen Ratli darzti. die Völker beisamnaen tt 
lullten, iusonderheit die Keiler, «elclier Bt-stallimg so hoch läuft, um 
muss ich bekennen, das« sie sich dergestalt nicht wie andere zu be 
helfen wissen; dann wann eben t»ei Ausgang des Monats nicht zi^h 
gleich das (leid zur Hand iwf, ich in Sargen stehe, daes sie ^änzUc^H 
ruiniret, die Pferde verkaufen oder gar verlaufen niUssen. — 

Schliesslichen, das» E. Ch. D. auf dero Oberkanamerherm Schre^S 
ben sicli berufen, so gehet solches zwar dahin, dass ich |:mit de^ — 
Völkern Pfalz Xenhurg ins Land peheu, aber nichts ho8tiliter:| vu^^ 
nehmen sollte. Nun ist wol nicht ohne, dass ohne grosse Voreicfatigke ^ 
dasselb sich schwerlich will tbun lassen; dann es könnte leicht koaa^ 

nien jidas« einitre Hostilitfit vorgehen mUsste:]; derweigen dem m . 

allem Fleiss naclidenken und mich recht besinnen werde, wie d3= 
Werk am besten angreife und E. Ch. D. Meinung zum Eflect bring- — 



1 



Der Kurfürst an Joh. von Norprad. Dat. Königsberg 
19, Oct. 1645. 

[WuE der VtaW.ipra! abtreten Bolt. Sorge rtir die Truppen; der Einmarscli in d 
Laoitt des Pfnlügrafen als Mittel sie zu «rbilleo. Vollmacht a diacretiou,] 

l9. Oct. Wir haben l'ns fUrtragen lassen, was Ihr unlängst mit des Herren 

Pfalzgrafen zu Nenburg Ld. Secretario der Uns gebührenden Satiü — ' 

factidu halber geftlhrct, was 8. Ld. darauf an Euch gescbrieben und 

ferner an Uns durch Lnseru Oberkammerherrn gt-horsamst gelangen 

lassen. ■ 

Wir haben Eucrni getbaneu untertb. Vorsehlag nach uff Sr. Ld, 

alhier einkomnienen Bericht ein solch Antwortschreiben , inmassen die 

inliegende C'ojiia zeiget, anderweit ergehen lassen, sind aber jedoch 

nichts minder auch der Etirigen und Unserer andern Rfithe imterth. 

Gedanken nnd ausführlicher Beautwortung tifi' die von Sr. Ld. ange- 

ftlhrt« und Euch bei jüugster Post zugeschickte Fimdamenta mit dem 

förderlichsten gewärtig. 

Im Uebrigen lassen Wir Uns denjenigen Vorschlag, so Ihr be- 

nudtem Secretario gethau, gnädigst wol gefallen. Könnte e.s auch uff 

den Schlag gerichtet werden, «lass Uns nämlich uehen Raveusberg und 

Itavensteiu auch das halbe FUrstenthum Berg und der Ohertbeil de»- 

selben und in sjiecie die Aemtcr Mieselow, Portz, LUlsdorf, Leuen- 

herg, Hlankenberg, Wiudock und Sleinbach eingeräumt wUrden, sqb 

hätte es dabei sein Verbleiben; darauf Ihr anfangs fest zu beharren, • 

öollte aber S. Ld., wie Wir Uns fast ftlrstehcn lassen, zur Abtretung 



I 



Fordera&gen an den Pfalzgrartia: erentaell Exeouiton. 



189 



dea halben Fttrsfeiithmus Berc sich nicht verstehen wollen, könnet Ihr 
i^ersuchen, ob »eben der ganzen firafschafl Ravcnsberg und Herrschaft 
Ravenstein die drei Aemtcr Windeek, Blanken btrg und Lülüdorf, oder 
aucb i>ro tcrtio Blankenljcffr und Windeok m erlialten sein niöcliten. 
iJfi aber auch dies nicht /,u erheben, wollen Wir l'iis endlich, uin an- 
dere Unjielegeuheit und Weiterung, damit Uns und ünsern Landen 
wreiiig grcdienet, [add. zu vermeiden], ant der ganzen Grafschaft Ra- 
vensherg und Ravenstein und dem einzigen Amto Blankenberg, wann 
Uns dieselbe vun uun an bis zur Endschaft des Provisiimalvergleichs 
H* 8/iIidum zu geniessen eiugeraumet wUrden, contentiren lassen. — 

Und weil Wir liiedurch Unsere erlittenen Schadens bei Weitem 
»icbt ergiMzet werden, habt Ihr Euch nebst den andern dazu verord- 
neten zu bemühen, ob Ihr dazu auch das obajieeificirte Capital vou 
l86,iXX> Rth. entweder ganz oder zum Theil imcli erhalten könnet, 
"^Veil sonsten der Schade und Abgani: auf Unser Seite gar zu gross 
Sein würde; da aber über allen angewandten Fleiss hei Sr. Ld. ein 
mehrers nicht zu erhalten, niUssten Wir es pro extremo bei Ravena- 
'k»erg. Ravensteiu und Blaiikenberg obgedacliter Maassen bewenden 
lassen, und kOunte darauf im Xameu dottes der Schluss gemacht und 
der üflgemelte FrovisioualviTglfich von Uns bestätigt werden. 

Interim lassen Wir es bei der Euch albereit ertheilten Ordre be- 
wenden und werdet Ihr mit Fleiss dahin sehen, damit Unsere Völker 
ücLt untergehen, sondern bestmöglichst erhalten werden mögen. Wir 
stebeu gleiehwol an, ob Uns mit so wenigen Völkern (weil t/'atcar 
»US denen von Euch gegen Unsern Oberkanitnerherrii angebogenen 
I Rationibns nicht bloss gelassen, sondern stark Itesctzt bleilieu uiuss) 
1 Bber den Rhein ins Land Jülich zu gehen rathsaui, angemerkt die 
I kriegende Theile allerseits, so ihre Contribufiones daraus zu heben, 
m eolcbog nicht gestatten, stmdem vielmehr zu verhindern suchen wür- 
■ den, dadurch den Unsrigen leicht ein Sehimpf widerfahren und Wir 
1 um dif Viilker kommen könnten. Wollet demnach vor allen Dingen 
I <lie fernere Couferenz und Handluug mit Zuziehung Unserer andern 
^ I alsdann anwesender und hierzu deptitirter Ritthe ufls beste |iotissiren. 
|^_ Wurdet Ihr dann dabei bftinden , dass zur Güte keine llofl'nung und 
^^P CS vrullte S. T^d. sieh zur Billigkeit nicht anschicken, so lassen Wir 
Eurer Uns bekannten DexteritJit nnheini gestellt sein, obs nicht Sach, 
dn^ die Heiter zum Tlnil im Bergischen, zum Theil in der Grafschaft 
B*veusljerg zu verlegen, und wollen Wir Euch, sobald Uns von fer- 
oern Verlauf der C'onferenz Eiu-e nnterth. Relation zukommen wird, 
UoBere endliche Erklärung und mehr Pleni|jotenz unverlüngert zukoui- 



töO 



n. Brandenburg uud Pfak-Neubnrg. 



23. Üc 



9. Nüv 




men käsen. Und wie Wir nun das feste gnädigste Vertrauen zu Ecm.<:1i 
haben, Ihr weidet neben den andern Unseru deputirteu Käthen, zu- 
vorderst aber Ihr, Unser Restea hierin wissen und nach ausser«* ^m 
Euern Kräften befürdern, also wollen Wir dasselbe um Euch mit Gsm^K- 
den (damit Wir Euch beharrlich wyl zugethau) zu erkeniieu nicht 
terlasseu. — 

Joh. von NoriJrad aii den Kurfürsten. I>at. Cleve 
23. Oct. 1045. 

[Verhandlungen mit den Husien ober die Eintiuartirang in Berg. Der PftaUi 

und seine JjtAndc.J 

Norprad hat mit üem heRfiiseheu KnegscoiiJDii8§ar v. d. Malssbu "Jrg, 
gowit deu hejisischeri Obersten üiiuderrode und Rabeiihaupt verLuutA^l* 
und iliueu die Absieht kund gegeben, seine Truppen in das Gebiet «Jes 
Plslzgrafen %u verlegen ; doch ohne daiuit den besMacheu Truppen zu im. »i^ * 
zu treten. 

Der Oberate Rabenhaupt venneinte, er niüsste Ordre davon !»*■ 
ben. Der GeneraleominissariuB vi>n der Matssburg. so E. Ch. ^ 
eine suuderbare »nterlb. iVffectiuii zutrügt, vermeiucte, er wUrde te-^'" 
gross Bedenken babeu, wenn ihrer Contribiition nichts abginge; ^- 
wollte gleicbwol I. f. Gn. davon avisireu. 

Üerseiltc berichtete mich unter andern, dasa der Herr Pfalzg^r 
die Neutralität mit Fraukreicli erhalten; hätte auch seinen Stände ^ 
anerboten mehr als dieselben jemaleu begehret, weuu dieselben ihn* * 
nur wider E. Ch. D. assistiren wollten. Welche aber nichts mit d^ ^ 
Sacb wollten zu thun haben. — 






Der Kiirfiii^t an die clevisehe Regiei'ung. Dat. Königsber 

2. Nov. 1645. 

[Miasbilligt dos Schreiben an die jülich'bergtBclieu Staude; Rüge wegen Bigen- 

machtigkeit,] 

Wir haben Uns der Oebllbr nach referiren lassen, was Ihr der 
von Borch, Ü. Peil und D. Motzfeld fUr ein Warnungssebreiben 
an die Gülich- und Hergiscbe Stände unten« dato am 19. Sept. jüngst 
hin in Unsenu Namen at»geheii lassen'). 

Nun werdet Ihr Euch iu Untertbänigkeit uoch wol erinnern, dasa 
Wir Euch iugesammt am 23. Augusti itzlanfcnden Jahres in Gnaden 
rescribiret und befohlen, in dergleieben bocb importirendcn und Un- 
sem Staat aflicireuden Sachen ohne lllrgehende Comniunieatiou mit 
Uns nichts zu verordnen, sondern Euch Eurer habenden Instructiun 



1 



'} Vgl, oben p. 174 IT. 



Hesaeu-K&asel und üie Iuva«iou. Rüge au die clevieche Re^eruug. JQ| 

^mSss zu verhalten; und ilas hättet Ihr auch iu diesem .Sttlek alao 
billig beobaclilcii uud mit dem augerc^cn an die GOlieh- und Bergi- 
sche S>tfinde abgelassenen Schreiben (als dadureh Uns ^ar kein Nutzen 
Beschaffet, sondern an der andern Seiten die Crabnmes nur immer 
weiter irritiret und dem Herrn Pfalxg^rafen zu Unser noch mehr Ag- 
gravir- und Vernugliiupfun^ Anlass gegeben wird) an Euch halten. 
die Sacli zuforderst au Una bringen und darauf in einem so wichtigen 
>veitau3sehenden Hauptwerk Unserer gnädigsten Verordnung und Spe- 
eialbefehls gewärtig sein sollen. 

Nachdem aijcr dieses tou Euch obbeiuelten also nicht observiret 
wrordeu und Wir Uns hiebei wol fUrsteheu lassen, dass des Herrn 
F*falzgrafen Ld. es gar Übel nelimen uud allerhand ungleiche Berichte 
deshalb hin und her spargiren werde: so luUsseu Wir es abemial uflF 
Euere Verantwortung ankommen lassen, gnädigst begehrend, wollet 
in Zeiten darauf bedacht seiu, wie und welchergestalt dieses alles der 
•»et»Uhr zu justificiren uud dem Herrn Ptalzgraten oder auch auderen 
Potentaten (an die e« S. Ld. ausser Zweilei mit allerhand odiosen 
und anzüglichen Berieht gelangen lassen wird) hinwieder zu begegueu 
ttnd uff allen Fall mit Bestand zu beantworten sein möchte. — 



iJie ctevische Regierung au den Kurf'üj'steu. Dat. Cleve 

14. Nov. 1645. 

[Ht. Peil wird uio Manifest Terfaa86>u. Maeliiiintiniieii ilfs Pfnlzpraftu : der Kar- 
färet eoU itiui persüolicti enlf;egeuarl)iileQ.J 

E. Ch. D. gnäd. Kescripta d. d. 26. Sept. uud 1 1 . Oct. 9«iud alhie 14. Nov. 
'erfi)lgHrh wol einkommen. Wir haben daraus zu Unser gehorsam- 
sten Verrichtung dieses unterth, verstanden. dasH [wir] ein Manifestum 
••ier Scriptum apologeticum durch E. Ch, D. liath I>. Johann v. Die- 
**cn (sullten begreifen lassen. Wann nun jetzged. D. Diest vorhin 
*" E. Ch. D. auf unser Guttinden verreiset uud nnmehr mit einigem 
"otlidarftigcn Bericht angelanget sein wird'), so haben wir es dafür 
S*!»]!«!. diiss er die Arbeit daselbst wol werde verrichten können 
^ «chiekcn «u dem Ende die von E. Ch. D. desiderirte StUcke. Da- 
""* «IjfT auch ininittelst nichts venibsälMtiiet werde, haben wir unseru 
"itratb D. Johann Peil, welcher iu dieser Suecessionssachen viel 
Mre liero sich eiferig bemflhet und bestündige Nachricht hat, ein 
*'cae» Concept auch aufzusetzen au Hand gegeben"). 

') V'oo der cleviachen Begrierwig «n den Kurriireten geachickt, mit Creditiv 
ätt Cleve 13. Öept. 1645. 

i Dioaer Etitwurr von Dr. Peil wird d&tiD erst um S. Febr. 1646 von Clerc 



192 



n. BrBudenbarg und PfaU-Nenburg. 



Und verhalten E. Ch. D. demnächst unterth. nicht, daas wir E. Ct. 
Antwortschreiben an den Herrn Pfalzgrafen d. d. 28. Sept auf Gut- 
finden des Ocneral Lieutenant von Nurprad's eine Zeit lang bei una fl 
bähen liehaltcn und erst vor acht Tagen auf Düsseldorf per expres- ~ 
suui haben gesandt, darauf bie hierzu keine Antwort uns ausser eiuetu 
blossen RecepisBC von der Canzlei einkoninien. Wir vernehmen unter 
der Hand jedneh aus wtd aflectionirten Ödireiben, dass der Herr Pfalz- 
graf aller Oerter tieissig advigiliret und niclit allein den Marscbalk 
Weschpfenning, nebst noch einem Rath zu dem Herrn Prinzen von 
Uranien, sondern auch seinen Vice Canzlern nacber Münster dieser 
Differenz halber alifrefertiget. Er solle auch die seinigen zu Paris 
haben; er bemUbet sieb die GUlicb- und Bergiseben Stände an sich 
2U ziehen-, er befreundet sich mit den benachbarten, inmassen anch 
vor wenig Tagen zwischen Chur- und der Stadt Cöhi an einer und 
den hessischen Comniissarien anderseits über der Contribution ein Ver- 
gleich vermittelt, massen derentwegen auch I. f. Gn. zu Hessen zu 
bandeln ndt dero General Commisaario und geheimen Hath, dem ■ 
von der Maissburg, jetzo zu Düsseldorf in vollem Werk begriflfen 
sein sollen. Es möchte S. f. D. ferner unter der Hand mit den Kai- 
serliehen und Hessischen, welche die Contribution in den Landen ha- 
ben, sieh dermassen fest machen und sich an dieselbe aufs neue ver- 
binden, dass Sie E. C.h. D. Völker in die Landen zu Kachtheil ihrer ^ 
Coutributionen einzulassen, sich weigern durften. fl 

Wir wissen dagegen niclit« nachdrllckliehes vorzuuehnien. Ob 
zwar Sehreiben au den Herrn Prinzen vi>n Uranien durch den 
von Norprad ins partienlier und an die Frau Landgrätin von uns 
ins gesammt abgangen, wie E. Cb. D. von deme vou Norprad uuterth. 
werden berichtet sein: so mllssen wir doch glauben, dass in dieserfl 
hrtchwiclitigen Sache E. Ch. D. was ininiediate von dcroselben, und 
nit was von dero Dienern bcrkummt, au den hohen Uerteni in Con- 
sideraritin kommen könne, um so viel mehr, dteweil der Herr Pfalz- 
graf ausgibt, dass E, Cb. D, nicht, sondern einige aus dero hiesigen 
Bedienten an dos Provisionalvergleichs Aufhebung Ursache sein, welche 
er dermasseu confundiren wollte, dass sie niebt wissen sollten, wo; 
sie wären. 

(Alhardt Philips v. d. BorcU, Johann Peil D,, Jobann Motzfeld 






BD den Kurfüriiteu gescliickt, uachüeru die äache btsreita anderweit erledigt war. 
Tgt. Qntea ad 6. Jan. 164€. 



Vürsclilag des Prinzeu von Oranien. 



193 



Lurfurat an die clevische Regiemng. Dat. Köuigsberg 
12.Dec. 1645. 

Dr. Johann v, Diest ist bereits am Werk mit seiner Schrift ; Dr. Peil 13. ÜecJ 

II <iie seinige bald ciuscliickeu ; es wird ein neues Schreiben an den Pfal/.- 

graren Tom 19. Oct. zor Beförderung übersandt. Was die dii»[omatist'bcn 

BexnühuDgeii des Pfalzgrafen betrifft, ^o , haben Wir gleichwul bishero un 

Uns nichts ermangeln lassen, sondern ualäoget albereit eineo Bxpres^äum 

an Frankreich nud der Frau Laudgräfiu zu Hessen Ld. abgcschiekt; an die 

Kais, Msij., iiigleicheu des Prinzen von Uranien Ld. wollen Wir gleichfalls 

die Such tu kurzem entweder durch ausführliche Schreiben oder sonderbare 

Scbicknugen aacb gelangen lassen. " 



I 



Prinz Friedneil Helarich von Oranien an Joh. von Norprad. 
Dat. au Camp prfez de Hülst 17n>e Nov. 1645. 

[Der PrioE schlügt ein staatiacbes Schiedegericlit zwischen dem Kurfürgten and 

dem Pfalzgrafen vor.] 

Monsieur. Je recens avantbier la lettre qu'il Vüus a [deu ui'e- 17. No*a 
»erire le 3» du cnurant et ji aiiparavant avois apiirins ave*j l»eauci>up 
(Je desiilaiair Ics malentendus (|ui depuis fjueliiuc teuiiis ont cinniiieucu 
i renaistre entre Monsieur rElectciir de Brandenbourg et MoDsieur le 
ßuq de Xieubourg sur le Bubject du Traict^ prgvisionel faict a Dus- 
Mldorp lau lö29 toucbant le parta^je desd's priuces iJs PaTs de Ju- 
iJerK et de Cleves. Chose de la quelle voyant qu'il ne peut arriver 
tlie de plus en plus dmconveniens, qu'il impurte de prevenir en teuqis, 
'l nie »emble, Monsieur, quc le meilleur conscil que l'ou puisse dua- 
ler lä dedaus aukd'--^ Sci^ueiirs. cest qu'ils delnToyent lascher d'iu- 
dtiire Meti&ieurs lea Estats Geaeraulx A deputer quelques personue» 
üliuuneur, de cogiioiBsance et de diecrelion de leur [lart, qui travail- 
leDt i aee{;nnu(Mler ceg differeiits ä l'annahk* et que de pari et d'autre 
Ton gg goubsiuetle uue t'ois [wur tuutc» ä ce qu'ils en tletcruiineront. 
C'en »eroil, dis-je, mon aentiment. Vous en userez seloii Vre prudcuce, 
^' eepeudaut m'obligerez de cruire que cürame je desire rendre tont 
»firice de tnmi pouvuir a Monsieur l'Elccteur de Urandcnbourg, je 
»lii» en partieulicr et tres-veritableuient, Muusienr, Vre tres-atfectionti 
* Voiig faire serviee 1*>. Henri de Kassau. 



*»« nir GcMh. H. Gr. Karninlen. IV, 



18 



194 



IT. Bmndflnbiirg und Pfak-Nenburg. 



Die clevische Regieriuig an den Korfib'steu, 

28. Nov. 1645. 



Dat. Cleve 



[EntachuldiguBg einei oigenmächtigen ächreibeus an die jiilich-bergiBCheD Stind( 
Grande der Driuglichkeit dea SchreibeoBi Verbandiungen des Pfalzgrafea 
Hessen-Kassel ; setn Versuch, seine Landstände an sich lo feaseln. Guter ErfoiJ 

des äeliroibeDS.] 
|28. Nov. Der Kurfürst hat ibuen (2. Nov.) eineu Verweis erthcilt über ein t(iI 

der clevischen ßegieniög an die Stände von Jülich nud Berg erlössenö 
Schreiben (19. Sept.), woku er üincii keinen Aiil'trag enlieitt '), 

Nun erkennen wir uns m allo Wege schuldig, E. Ch. D, gvtSAlg 
8ten Verordnungen und Befehlen allenthalben nutertliänigst einzufolgen, 
\^ilrden auch auf den uuscrn djnnals an E. CJi. D. deiMhalber zugleict 
unterthiinigst abgelassenen Bericht dem guädi{rsteu Verordnung zuvol 
gerne geliorsanist gewartet haben, wann wir nicht dafür gebaiten 
daas E. Cli. D. Dienste durch Verzögernng wHrdeu sein Terabsäuran 
worden, und wir desfallB auch von andern E. Ch. D. wol affectionii« 
ten und aus Mittel der Staude selbsten gewarnet worden un<l der<( 
wegen dasselbe zu beschleunigen im Hath gut finden uiUssen. Uol 
wäre es an denie, das», da ich, der von der Boreh, von E. Ch. D 
zu der neulichen Duisburgieclien Conferenz gnädigst mit verordöet gt 
wesen, der fürstl. hessische Geueral ("oniuiissarius Otto von da 
Malssbnrg mir auf Duisburg zugesehrieben, dass er wegen E. Ch. Q 
hochaugelegener Sachen tuit mir mllndlicli zu reden hätte, mit B(j 
gehren, dass ich zu dem Ende auf Neuss zu ihuic liommeu wollte, wi( 
geschehen. Da er mir dann vertraulich zu verstehen gegeben, wa| 
gestalt des Herrn H'alzgrafeu zu Neuburg f. D. stracks xüt Wieder 
kuuft den» Abfreordneter von Duisburg ihn von der Malsaburg 2t 
dei'o auf Dllnseldorf zu kuuiuieu giuUliirst erfordern lassen, da dani 
dieselbe vorerwähnter Duisburgischen Couiuiunicatinn und soaderliai 
des an Seiten 1. f. 1). alstets und steif behaupten Provisinnalvcrgleicha 
Bo selbst als diux'b deio abgeordnete Räthe ihnie ansl\lhrlichen Ik-rick 
gegeben: und nachdeuie in selbigem Vergleich sonderlich begriöen um 
vorbehalten wAre, da deswegen einige Jlissvergtände zwischen beedffl 
Chur- und f. DD. vor und uacli entstUudcn, dieselbige durch einigt 
darzu erbetene Freunde und Arijitros hingelegt und entschieden wer 
den sollten, an denselben ganz insUtndig gnädigst begehret, die FriU 
Landgräfin, seine gnädige Fürstin und Frau, dahin zu bewegen tui< 
bereden helfen, eich zwischen E. Ch, D. und S. f, D. dieser Misshcl 
ligkeit halber in Mittel zu treten, wie dann Sr. f, D. derohalbeu 



') Vgl. oben p. 176. 190. 



BemähnDgeo des Ptahgrüha um tlie (üuogt soiiser Stäoili.'. 



195 



Wikheni, dass [sie]') ihre Waffen an E. Ch. D. dieser Lande Suc- 
oes«ioüs8treit8 wehren nieht verleihen und gegen Sie gebrauchen iHsseu 
wolltfn. Dabei dunu nicht nllein mir, derae von dor Borcli, weiter 
.aagtidget, dass Ö. f. D. Vorhabens wären, mit den OUlich- und Ber- 
eheo Bt&nden der bisherigen Differenzen halber sich zu verglei- 
chen, desfalls von ihme begehret, dass er sich als Mittelmnann ge- 
Iraucben lassen wollte, sondeni auch einige zu dem Ende von I. f. D. 
in .Schriften verfassete ihroe zu verlesen mitgegebene Conditioues mir 
wrgezeiget, welche ich an Seiten der Stände dermassen vortheilig iir- 
(heilen intlsseu, dass durch soklie Tractaten der Herr Pfalzgrafe sieh 
ge{,'en E. Ch. D. mit selbigen Ständen wol hatte festmaclieu können. 
Deinaächst noch ferner dietics cröflnet, dass die Stände einige ihres 
Mittels vor diesem an ihn geschicket und durch dieselbe sich aus- 
lirBeklich vernehmen lassen, dass gleich wie sie nienialu von E. Ch. D. 
mit ihrer nisteten getreuesten Devotion abgewichen wären, also nicht 
Twlioffen wollten, dass E. Ch. D. sie mit Kricgesgewalt überziehen 
untl anders dann Ihre getreue Untersassen mit Churf. Gnaden und 
Halden trartiren lassen würden; auch seihst gnugsam erkenneten, dass 
E- Cb. D. in dem letzteu Provisionalvergleicli von I. f. D, zu Neuburg 
uek'idiget wären und dabei v\el zu kurz kämen, sie sich aber damit, 
"■Tie nicht darzu gezogen worden, auch gar nicht gemischet, sondern 
«arliei allezeit stille gesessen, und dass ferner dem Herrn Pfalzgrafen 
gfi?cn E. Ch. D. sich nicht beipilichten wUrden, gleichsam versichern 

Womit ich. der von der Horch, mich wieder zurlicke begeben, 
«eü TonNorijrad Im Kitckreisen zu Calcar augetroflcn, vorgedachtea 
alles erzählet, der es auch gut gefunden, aber nacher Duisburg ge- 
'eiwii, (ier Orten in der Grafschaft Marck sieh ctzliche Wocheu anf- 
?*^alteu. Als auch dieses -mm Theil durch einen aus iMittel selbiger 
^'nnileu an deu von Kezgen, welcher jetzt* bei E. Ch. D. sicli auf- 
'^K vertreidich advisiret und von deme mir, dem von der Borcli, an 
"aml ^'egebeu ward, so haben wir dafllr gehalten, dass, da E. Ch. D. 
uns .i,Tiüv|iggt aiihefoblen, dass wir dcroselben Jura allenthalben gegen 
'1*11 nichtigen Provisionalvergleich , als in welchem Sie zum höchsten 
'"nacbtheilet, salva et illibata behalten sollten, solche Eriuuernng au 

Stände keinen Verzug leiden wollen, 

,Wir seind folgcnds berichtet, dass dieses unser Schreiben bei den 
den vorgesetzten Zweck guter Massen en'eichet, dass auch 




'J PeUt bn Ms. 



13' 



196 



n. Braodenbnrg tmd Pf&lz-NeDbnrg. 



als niehrged. unser Schreiben an die Stände Sr. f. D. vorkommen w 
weiln man sich allein damit in geinem Rechte rerwaliren wollen, ni 
sonderliches dagegen zu sagen {teliaht, massen uns auch nichts 1 
dero deswegen oder sonsfen Jemand bishcro zukonnuen. 

Alldleweiln wir dann in diesem Htfick einzig und allein auf 
Ck. D. Dienst und Bestes gczielet und in diesem Schreiben nichts 
ders angezogen, als was auf Billigkeit und E. Ch. D. wolfundi 
Recht gegründet und der ganzen Welt wnl bekannt sein mag, so wo 
wir der unterthänigsten Hoffnung leben, E. Ch. D. derowegen k( 
Ungnade gegen uns fassen etc. 



Conrad von Burgsdorf an Joh. von Norprad. Dat. Koni 
berg 30. Nov. 1645. 

[Verhalt ungsmassregeln gegen Pfalz -Nenburg. Aurscliub der FeindseUgkei 
Norprad aUzti eifrig gewesen. Mahnung zur Yoriicht. Verhandlung mit 
ßtändeu wegen Unterhalts der Tnippen. Baldige Abreise des KarfürstoD 
Pranssen nach der Mark iiod nach Cleve; hoßeotlicb mit einigem Geld fiij 
Trappen, Prenndachaftsveraichernngen and nuchinalige Warnung Tor P« 

Beligkttitou.] 

30. Nov. Desselben vorige Schreiben habe ich, als aus Kurland albier ' 

der augelanget bin, alle vor mir fundeu und wolemijfangen etc. 
zweifele ich nicht, dem Herrn Bruder werde vor Einlaugung di( 
Sr. Ch. D. gnäd. Resolution wegen der Pfalz-Neuburgischeu 8a8 
wol eingeliefert werden, er auch daraus zur Geniige ersehen, wie 
S. Ch. D. gegen Pfalz- Neuburg zu gehen vermeinen, wie daun 
Herr Bruder Uberdas bei dieser Post noch anderweit von St. Ch, 
selbst desbulb gnäd. Ordre emfifangen wird, darinnen auch zugl 
gewisse Vorschläge geschehen. 

Dass mein hochgeehrter Herr Bruder in seinem Schreiben 
denket, dass ich in meinen Schreiben nicht pure geschrieben. 
Herrn Pfalzgrafen \m Land zu gehen, suudern solches sehr cl« 
Uret, das habe ich nicht anders in Befehl gehabt; es ist auch j 
nicht de tempore, sondern S. Ch. D. mllsseu eich erst einen »tai 
und festen KUckeu machen'). Ho schreibet auch der Herr Bni 
dass man zwar Pfalz-Neuhurg was u.äher treteu, aber doch derge 
geben uiUsste, dass es vor keine olfeutlichc Hostilität geschätzet 
den könnte. Wie aber mein bochgeehrter Herr Bruder es eigen 
verstehet, Pfalz -Neuburg näher zu treten und doch oflentliche F« 



») Vgl. <1a§ oben tnitgetheilte Gutachten dea gebeimen Raths dat. 7/17. 
1645 p. 182 ff., deaeen Einflaas hier erkennbar ist. 



Slstirang des AngrlffsplaneB. 



197 



der 






ibVkeit nicht zu verüben, weiss ifh wol nicht; man hält aber doch 

den Ilerru Bruder dea Verstandes, ilaas er hierunter wol die rechte 

Maas« werde haben zu treffen wissen. Derhalben auch der Herr Bru- 

sehr wol gethau, dass er si» vorsichtig ^'ewesen; wiewol dennoch 

it und breit ein Ruf davon wurden, und alhereit von Münster und 

aabrllck Bolcbe» anhero geschrieben, woselbst es aucli Übel gedeutet, 

•S. Ch. D. mit Plalz- Neuburg zerfallea und zur Hostilitiit schrei- 

*6Q solhen; welches danu daher rlthret, dass der Herr Bruder an der 

Frau Landgrätin f. Ga. gesehrieben (davon er mir auch Copei zuge- 

«hicket), dass 1. f. Gn. zufrieden sein und bewilligen möchten, das« 

•1« Herr Bruder sich uff dero Feetungen und Völker uff allen Fall 

reteriren möchte; wie denn Kasseische Gesandten daselbst sich haben 

'^erianien lassen, dass die Frau Laudgrätin vorbero von Sr, Ch- D. 

versilbert sein will, d&m ihr Volk sieh wieder riff Sr. Ch. D. Völker 

teriren möge, und dasselbe ist alsofort erschollen. 

Zweifele demnach nicht, gleich wie Sr. Ch, D. Intention zuforderst 

ilaliiii zielet, Pfalz- Neuhurg zu etwas mildem Gedanken zu bewegen, 

•laiiiii er sich was uilher 7,ura Ziel legen möge, und zu solchem Ende 

auch die Werbung augestfllet (iumassen denn Sr. Ch, D, nicht gewehret 

werden kann, in dero Landen einige Völker zu verlegen und halten): 

*li*'i werde mein hochgeehrter Herr Bruder auch dergestalt behutsam 

^u peheu wssen. dass nicht öffentliche Feindseligkeiten verttbet, son- 

'icru uur Pfalz-Neuburg sich et\va8 besser anzuschicken bewogen wer- 

'len möge. 

Unterdessen aber mviss der Unterhalt vor die Völker, damit die- 
"^'ben nicht untergehen, beigeschaffet werden, wie denn in dem Schrei- 
'•Cü, »0 an die clevische iStände ergangen, alles wol in Acht genom- 
"len- md wird die Contribution durch allerhand Mittel, auch gar durch 
•■if Eiecution, ausgebracht werden müssen, bis ein Vergleich mit den 
'^'Sndea getroffen. Was sie eigentlich biingen werden, wird mau er- 
™rcn, bisher haben die Herrn Deimtirte mit der Propoaition noch 
^■tbt fertig werden können, ü. Cb. D. werden sie nach gestalten Sa- 
^^P^D schon beantworten lassen. 

^V ^ werden 8. Ch. D. auch des Herrn Brüdern abgelassenes Schrei- 
''^ an den Herrn Prinzen zu Uranien wol zu secnudiren wissen; 
"*• ilieser Pnst aber hat es nicht sein können, weil sie gleich abgehen 
^''- wie ich denn auch mir es zu verzeihen bitte, dass ich nicht alles 
'^rUcher beantworte; die Geschäfte haben sich seit meinem Aus- 
in Kurland dergestalt gehäufet, dass mirs bei dieser Post ua- 
licli, ein mehrers zu beiintworten. 



198 



II. Bruudenburg und PfulE-Neoborg. 



Dieses aber bericbte ich dem Herrn Bruder noch, tlass nannel 
S. rh. D. fest rosülviret, acht Tag:e nachom neuen Jahr v<ni hiniii 
ufzubrechen, und nacli dero Cliur llrandenburg zu reisen, da t»ie al 
nicht nher vierzehn Tage Ideibeii, soudem ganz gewiss nacher Op 
eich Iiegebeii werden, um nicht allein dasjeuiye, was des Orts m 
falleu und in Üisordre gerathen, durch Ihre IVaesena wieder nufsi 
helfen und in Ordnuug zu bringen, sondern auch den Haujittractata 
(weil man nun anfängt, von der Satisfaction zu reden und die Heu 
Schweden sein' auf Pommern zielen sollen) uäher zu sein, und dafl 
mein hochgeehrter Herr Bruder daran nunmehr gar nicht zwcifeW 
dann S. Ch. D. werden sich von Niemand davon abrathen lassen; derti 
wegen er sich nur eigentlich darnach richten wolle. 8. Ch. D. iftw 
den sich bemühen, so viel iiuiner mltglich, etwas Geld mit zu brinfffli 
haben auch dero Amtskammcr daselbst befohlen, so viel Geld, als fll 
nur können, aufzubringen und an Hand zu schaflen, damit das Voll 
niebt Noth leiden dürfe. 

Im Uebrigen aber hat sich mein hochgeehrter Herr Bruder m 
zu beftlrchten, dass ihm einiges Unrecht widerfahren sollte; di 
Bolebes werde ich nimmer zulassen, sondern allzeit dahin sehen, <W 
er unerhört nicht gelassen oder in Verdacht und Misscredit gemg< 
werde; wie er sich denn meiner treuen Affection und FreimdsclH 
(welche eigentlich hieraus erkannt werden soll) festiglich zu ve4 
ehern. Bitte der wegen, der Herr Bruder nelimc sich ja wol in A«^ 
dass 68 nicht zu einer oftentlicheu Feindseligkeit gcrathc, sondern 1 
mühe sich nur mit allem Fleiss, das», vermöge obbemelter 8r. Ch. • 
vorigen und jetzigen Rescripten, eine neue Conierenz mit Pfiilz-lrt 
bürg siugestetlet werde, waun Pfalz-Neuburg die Vorschläge belieÜ 
80 könnte vielleicht hernach ein ganzer Vergleich wegen der Lan 
getrofl'en werden. \ 



i 



5. Dec, 



Johann von Norprad an den Kurfürsten. Dat. Wesel j 

5. Dec. 1645. 

[Bericlit über Verhandlung mit dem pfalz-neubiirstiachea gell. Uath \. SchaessH 

über Abtretung der fiälfl,e von Berg. Beuiti?iiz der märkiscbeii Stande gti 

Bintinartieraug der Truppen.] i 

Was E. Ch. D. in iifalz-ueuburgisclier Sache unterm dato Könij 
berg deu 1<1. August UJ45 an mich gnädigst aVtgelassen, ist den J 
abgewicheneu Monats Novenibris in Duisburg mir geliebert, uud wA 
dasmal I. D. Pfalz- Neuburg sich gleich bei E. Ch. D. Itütheu \ 
Cleve erkundigen lassen, ob sie keine weitere Verordnung von E, Ch.j 



VerhttndloBg ztrlschen Norprnd nnd Schaessberg. 



199 



en', m'rt Hiro fernerer zu tractiren, imd solch Schreiben aelbig- 
vun vermellen E. Ch. D. Häthen beantwortet ward, dass njlnilich 
irnth ilher nichts weiters befehligt wären, habe ich dabei an I, f. D. 
aul Dtli^ieeldorf alenbald geschrieben, waegestalt flieser Sachen halber 
Tim E. Ch. D. mir Hber eins nnd anders eben dasinal von neuem gnä- 
*!ip<ter Befehl zugekommen; daferu nun S, f. D. geroeinet wären, E, 
Ch. D. die gesuchte billigmäBeige Satisfactioii zu geben, möchten Sie 
Belieben? tragen, Ihren Öecretarium oder Jemanden nebeus ihm zu mir 
aof [(uisbnrg zu sentlen und Ihre Resolution hieritber mir in etwas 
M offenbaren, so wollte mich weiter in einem nml anderen, E. Ch. D. 
irnAdigsten Befehl zufolg, vernehmen lassen. Hierauf hat sich begeben, 
'^* I, f D. dero r.andhofmei9teni und geheimen Rath den v. SchaesB- 
lier»en, nebens Ihrem Secretario Hain, des folgenden zweiten Tags 
£u mir aacher Duisbtirg abgefertiget, derselbe aber von der erwähnten 
feati»faction sich in nichts erkläret, sondern gesagt, dass der naeher 
f- Ck D, mit Schreiben .abgefertigter pfalx-neiiburgischer Courier mit 
<)« Antwort noch zur Zeit nicht wiederum angekommen; nach Em- 
pfaliuüg dero Antwort wollten S. D. in Ihrer Resolution sich weiters 
'■eruehmen lassen. 

luimittelst habe ich deme von Schaessberg die von E. Ch, D, 

mir zugeschickte Copei aus der dem Courier zurückgegebener Ant- 

•^ort, 80 zu Üllsseldorf noch nicht eingelangt gewesen, zugestellt, er 

"w sich in nichts einlassen wollen, sondern dabei verblieben, dass 

' ■ f. D. bis noch in ein oder anders nicht resolviren könnten vor An- 

^iiift des Courier«. Itnmiftels habe demselben ziendich scharf ange- 

"^det um! vorgehalten, wie man doch ihrerseits mit deme. so man 

Web gegen den fUrstl. hessischen Oeneralcommisaarium, den von der 

^Älsshurg, hätte verlauten lasseu (desisen doch der von Sehaess- 

*®fg nicht geständigen wollen), bestehen wollte, dass nämlich I. f. D. 

'*1»-Xeuburg E, Ch. D. die (Irafschatt Ravensberg und Herrlichkeit 

^*vetistein znr Satisfactiou zu präsentiren gertächte, da doch ganz un- 

'^^Uersjirechlich, ilass, wann schon der Provisionalvergleich gehalten 

^*^rden sollte (vvorgegen aber ich zum höchsten protestirte), die Graf- 

**^l>aft Ravensberg E. Ch. I>, nun hinwiederum so nel Jahren, als 

* f. L>. selliige im Bcsit/, gehabt, vor allen Dingen wirklich einge- 

^**Utnt werden mDsste und sich nicht gebühren wollte, E. Ch. D., wie 

J^t^o dero angeboten «-ird, mit Rechnungen zu zahlen, als wann die- 

*Clhe etwan Jeniamlcn zum itentmeititer dahiiigeselzet gehabt; dann 

-"^isfbeu Fürsten und bohcu Häusern sothanige Rechnungen nicht 

^*"Ä«(;yich wären , und. aI»o was alsdann die Herrlichkeit Raveustein 



200 



n. Brandenbarg nnd Pfalx-Neubnrg. 



zu dieser Satisfactinn tbun könnte, aiicb ob man solches E. Cli. D. 
präscntiren dürfte, womit sie gcmsslich gauz nicht bestehen, nock 
E. Ch. D. im fferiugstcn nicht würden contentireu kOnnea, söudern E. 
Ch. D. zum wenigsten das halbe Fürstenth\iiii Berge zu der Henlitbi 
keit Ravcnstein mttsste eini^eräunict werden, zudem auch die liintef 
steUige schuldige 168,o0f i [sie] Rth. cum Interesse E. Ch. D. von Sr. D 
Pfalz-Neuburg roUens billigniässiger Weist', abzustatten wären; duo 
Hber selbiger Gelder Misshezabluug E. Cb. D. hiesige Landen in wich 
grosse Schulden geratlieo wi'iren, dass auch nunmehr das halbe FUr 
etcnthum Berge (so jetzo zur Satistaction gefordert wird) von die* 
Schulden die Pensiones (welche auf etzlicbe 100,(KX1 Rth. «ich bei 
gen) niebl abstatten kömiten; gäbe ich als«« ihme. dem von SchaeM 
bergen, selbsten zu bedenkeu, in was Untuge mau ihrerseits h^ 
stünde, worüber dann demselben der Länge nach alles weitläufig rfri 
monstriret und das Gesetz ziemlich gesehärfct habe, also ein uai 
andere harte Worte zwischen uns beiden passiret seiud; endlicia| 
aber er, der von Schaessberg, auf sich genommen, 1. f. D. aW 
zu referiren und demnächst nach dero erlangter endlicher Rcsoluti» 
mich weiters zuzusprechen. Und als derselbe inz wische a bei mir «8 
Mahlzeit geblieben und etwan fast beschenkt gewesen, sagte er, mMit 
gleichwol bekennen, daes die von mir vernommene Resolution selbslfl 
nicht uubilligeu könnte. Folgenden Tages derselbe wieder zarM 
und ich uacher Cleve, dcro von E. Ch. D. anderwärtlicher gnärUgsw 
Befeblichen halber, gereiset, habe aber gestriges Tages wegen dieÄ 
Sacben wiederum Anmahnuug getiian. Sobald icbtvvas vemehml 
werde, auf was Weise 1. f. D. E. Ch. D. Satisfaction zu gehen g 
meint sein, vrill mich wiederwm auf Duisburg an Stund erheben i4 
die Zusammenkunft, welche zuvor unnötbig erachte, anstellen, nt 
demnächst zu Dienst E. Ch. D. mit allem Eifer und Fleiss unter^l 
nigst schuldigster Gebühr, Alles treiben und was in einem und l( 
derm ferner» vorgebet, Itei näcbeter Post gehorsamst übersebreibeni 
P. S. Auch, gnädigster Churflii'st und Herr, was die Märkiscj 
Landstände unterm dato 2',), Octobris wegen Eiiuiuartierung einil 
E. Ch. D. Viilker in die Städte Hattingen und Schwelm an mich i 
ecbriebcu und sich darinnen auf ihre von auswärtigen kriegea4 
Tbcilen erworbene Neutralität stark berufen, auch was denselben fj 
nur darauf unterm 30. October nächst bin geantwortet, dass aäni]| 
keineswegs hoffen wollte, dass sie eine Neutralität zum NacbtheiLl 
Ch. U. oder dieselbe dadurcli aus Ihrem eigenen Lande zu balt^ 
gemacht haben wUrden, solches alles habe unterm 31. sclbigt 



1 

! 



Verbandlting «riachen Norprad n. Schftessberg. Nentrnlitat d. mütk. Städte, gOt 

tut« Octobris E. CU. D. zur Nadrricht in Copiis unterthänigst eingc- 
«chickt. Inzwischen, ale ich in Erfalirung koiniuen, das» der Bön- 
ninghiiuaen mit seiner Werliung in die Ötadt Soest zu logiren ge- 
dachte und seihige Stadt hierum stark angelangt, habe ich alsbald dem 
Miijriiitrat zu Soest geschrieben und angeboten, dass, weil sie jetzo sehen, 
»ie ihre NentralitUt von Auswärtigren respectirt und «jbsenirt werde, 
«ondern «ich deren jede kriegende Theilen bei vorfallender OccAsion 
M ihrem Vortheil gebraucheten ; und obschon ich dieser Orten keine 
Vfilker übrig hätte, so wollte doch, wann sie es begcbreten und zu 
ihrer Versicherung von E. ('h. D, Völker zwei «der drei Conipagnien 
ia die Stadt logirea; hierauf dieselbe mir in Copia beigelegtes geant- 
wortet, woriniien sie zwam des Bimningbausps Vorhaben und sei- 
ne« gethanen Ansinnens nicht allerdings geständigen wollen, nuange- 
»ehen icb dessen eigentlichen Bericht habe, dass ihres Mittels dieser- 
wegen einige nacher Lipstadt abgcseUickt gehabt, um diesem vorzu- 
hanen, and dann aucb gaben dieselbe in ihrem Schreiben zu verstehen, 
^*8* bei Erhaltung ihrer Neutralität sieb stark hätten reversiren mtts- 
%o, keinerlei Kriegsvolk, wie die auch Namen haben möchten, nicht 
einzunehmen, vvoi-inuen meines iintcrtbänigstens Erachtens ^u weit ge- 
S^ugeu, und dasselbe ihnen verweislich vorzuhalten nei. Inzwischen 
gleichwol eine Compaguie zu Fuss in die Märkschc Stadt llat- 
''Dgen eingeleget, damit sie sehen, dass E. Ch. U. sieh des Landes 
«ich nicht begeben. 

Johann von Norprad an den Kurfürsten. Dat. Wesel 
5. Dec. 1645. 

t<^*&%eBdaiigeD der Landgrifio von Hessen gegen den Emniftrgch in Jtjlich-BiTg, 

^''■ilMiiition FronkreicIiB »n die Uolluoder. Eine neuburgische Drncluclinft in 

Aneeichl; Nurprad saclit vorjiubeogeii.] 

E. Ch. D. werden nunmehr empfangen haben die Antwort I. f. Gn. .'>, Dec. 

*^®*' Frau Landgrüfin zu Hessen auf das wegen rfalz-Neuburgschcn 

^^he von E. Ch, I>. Käthen au dieselbe abgelassenes Schreiben, 

*elehe Antwort hierbei zu mehrerer Sicherheit in Copia nochmals un- 

*^*^l]änig einschicke. Woraus daun gänzlichen abz-unehmcn, dass 

• ^' On. die Frau Landgräfin, Ihres eigenen Interesse halber, und dass 

^Sorgen, es möchte an Ihren Contributinnen, wann E. Ch. D. ins 

^*>ul kämen, Ihro etwas abgehen, dahero hierinnen noch nicht ein- 

''^Uigen wollen, sondern darum E. Ch. D. nicht gern in den Waffen 

•*öcn sollten; dass aber nnterdeasen dieses I. f. D. I'falz-Neuburg nicht 

uitQ besten aogescben sei, haben E. Ch. D. aua mitkummcudcr Zeitung 




302 



n. Br«niienbarg tind Pfali-Nenbnrg. 



gnädigst z« ersehen, welchergcstalt I. f. D. in Ilirer NeutralitÄt 
den fUrstl. beHsiachen Völkern aiij;;epriffeii wird. 

Inzwischen werde berichtet, olt sollte 1. Maj, die Königin i1 
Frankreich au die Herren Staaten von Holland, davon doch keio^ 
eigentÜLheHicbcrlieit, geachrieben haben, dass, weil diceoUi in ErfaH 
ruiig käme, daas zwischen Churbrandenburg und Pfalz-Neuburg einigdl 
Streit entstanden, so mfiehten doch die Herren Staaten eie| 
darin nicht mischen, es seie dann, dass PfaU-Neubarg dW 
Krön Spanien zu HUlf nehme; wenn dienern also, so ists nion 
anders, als dass die Franzosen besorgen, die Holländer wtlrden Wm* 
durch ein weiteren Fuss den Rhein hinaufsetzen. 

Weiter llbersende auch nnterthänigst in Originali hierbei, wat 
L f. D. Pfal/,-Xeubtirg an mich neulich geschrieben, dasselbe aber bl 
dato noch nicht beantwortet habe, sondern es bei demjenigen bewei 
den lassen, was ich mit dem Herren von Sehaessherg geredel 
deme ich auch sagte, es käme mir fUr, ob sollten I. f. D. etwas druckfll 
lassen; das mticbte er wol nit thun, dann das gäbe Verbittcnmg uni 
darnacher grössere Stösse; das hätte er ja zwischen Schweden 1104 
Dänemark wol gesehen. Er berichtete darauf, I. f. D. hätten nur dil 
Protokoll und das Schreiben au E. Ch. D. drucken lassen, aber nocl 
nit ausgegeben. Worauf ich demselben .intwortete, I. f. D. uiöchtei 
doch 80 laut Ul)erall nit rufen, als dass K. Ch. D. den Accord nit bal 
ten wollten, daran Sie auch nicht gehalten seind. Ich hätte noch nit 
mals gehört, dass Sie sich erboten, dass dem Accord ein aufrechte 
(Jenllgen thun wollten; dann ich das wol wüsste, dass auch solcbfl 
in Ihrer Macht nit wäre ; so hätte ich ihnie nun genugsam remonstrirt 
in was fUr Schaden E. Cb. D. durch die Nitbaltung gerathen wgr«4 
er möcht mir doch sagen, ob seinem Herren besser dasjenige, wl 
ich tiiirgcschlageu, anzunehmen oder E. Ch. D. durch die Nith» 
schadlos zu halten. Es ist aber darbei verblieben. 



Der Kuriiii'st an die elevische Regierung. Dat. Königsbc 

13. Dec. 1(>45. 

[la.Dec. Der Kurfürst fordert sie . auf , dass Norprad, Belliaghofe^ 

Struncbcdf und einer von den rcchtsgelehrteu Katlicu der Kegierung 
Stände von Jülich und IJerg an eiueu gecigucteu Ort benifen und dieselbd 
,ihrpr Schuldigkeit dahin crinacm" sollen: „dass sie Uns sowol als dg 
Herrn Pfa!y,gi'afcn Ld, vor iiiren Herren bis zu Auistrag der Bachen za a 
kennen haben, und zü dem Ende die Huldigung oder zum wenigst*o di^ 
Handstreich von ihnen, B'ie vor diesem geschehen, abnehmet. * Öie soll) 



Diveraa. 203 

des Standen die Lage der Sache rarstellen and ilioeo den knrfürKtlicben 
nScbtits und Schirm ülier ihre Freiheiten und Keligiou, iuhalts der alten 
hergebrachten Privilegien, Re?ersaleii etc. vertiicheru'- 

Die Ansführung dieses Auftrags verzieht sich bis in den Fehriiar 1846. 
Da erfolgt wirklich die Eiuladuog der Jülich - bergischeii Stttuile zu eiuer 
Zasammeukuull iu Essen (dat. Königsberg 2ö. Febr. 1646), Einen Erfolg 
hutte dieselbe nicht; die beiden Landschaftssyndici von Jülich und Berg 
schiebten die Berufungsschreibea zarüek; sie liegen unerbmchen bei den 
-Ä^cteu; mehrere Stände hatten geäussert: .„wofern sie würden erfahren, das« 
die clcTisehe und märkische Stände anf ein dergleichen pfalz-nenbilrgiBches 
Aasschreibea zu erscheinen willig wären, so wollen auch sie sich anf E. 
^h- D. Verschreiben der Erscheinung halber bedenken." Die Zusammen- 
kauft kwo daher nicht zu Stande. (Die dev. Regierung au den Kurfürsten 
^t- Cleve 23. Marx.) Düsseldorfer Archir. 



Job, von Norprad an den Kurfiirsten. Dat. Wesel 
20. Dec. 1645. 

INorprad drängt «n schärferem Auftreten; Noth der Trappen. Neae Anafliiehte 

ie» Jr*fa|»grafen wegen Ravensberg und Ravenstein. Bitte um umfaaaendere Voll- 

^^**ht. 0er Pfalzgraf soll um einen kaiserlichen BecUtBaprueh aollicitiren. Er 

hofft auf die Widerspänstigkeit der clemuhen Stände.] 

Es geruhen E. Ch. D. sieh gaädigat zu entsiitneo, was deroselbeo 20. lii 

^®' voriger Post, heut acht Tage, in l^falz- Xeuburgischer Sachen ge- 

"^rsamst berichtet, dasa uämlich S. 1). der llerr Pfalzgraf zu der Sa- 

***action sich noch keineswegs Terstehen wollte, dahero iiöthig, dass 

^- Ch. D. mit liiehrer Resolution die Saehen angreifen und mir eine 

•-•'che und grössere Pienipotenz . . . unverlangt zukommen liessen; in 

■^^tracht dies Werk keine Verweiluug erleitlen könnte, aus Mangel 

**^«' Unterhaltang»mittel vor hiesige E. C;h. D. Völker, deren IJnter- 

®^**lg b. D. (1er Herr Pfalzgraf zu Seiner mehrem Sicherheit gern 

*®*»eB sollte. 

Nachdem nun inz^visehen der fürstliche hessische General Com- 

*•*•««»», der von der Malsshurg, aus Neuss mir zugesehrieben, 

***«« gern hiehcr kommen und mit mir einige Unterredung pflegen 

^'*lUe, tnassen geschehen, so seiud unter anderen verscheidene Dis- 

'^'^Bcn auch tlber dieser Pfalz- Neuburgischen Sache vorgelaufen, da 

'**-Än derselbe mich berichtet, ob sollten Ö. D. der Herr Pfalzgraf sich 

"*Wn verlatiten lassen, weiln seiner (jenmhUn die Herrlichkeit Kaven- 

•'©iu und die halbe Grafschaft Uavensberg seines Herrn Sohns Ge- 

niabÜn verwittibt hätte, könnte also diese Stück mit Reputation nicht 

*'>t«ten, dahero dann E. Ch. D. gufidigst abzunehmen, wie S. D. der 



204 



n. Braudenborg und Pfak-Neubnrg. 



Herr Pfalzgraf intentioniret. Ich hatte zwar in Belbjgem Tneioem tö 
geu Meldung gethan, dass, BwbaUl einige Sieherlieit hätte. da88 4 
Lothringsche Völker iiiclit dieser Orts ins Laud kumrueu wiird» 
wullle ich starker in den Herrn Pfalzgrafen dringen und auf die Ss 
tisfaction anhalten, wek-hes uuuiehr auch, weil der gänzlieheu Hol 
nnng sein, dasiä diese Völker ausbleiben werden, geschehen soll. Ab4 
uuterdesseu will vor alle« Dingen hoehnöthig sein, dase E. Cb. D, 
ruhen, dero endliche Resolution nebeue der gedachter Plenipote: 
sowol in der Sache als auch über diese Völker mir allerforderst zi 
kommen zu lassen, auf dass mit Eifer und Bestände diese Sacb 
greifen ki'mute. 

Nebens diesem komme in sichere Erfahrung, ob sollten auch' 
der Herr Pfalzgraf bei Sr, Kala. Maj. um ein Bannisenient wider E. 
D. wegen Nichtbaltung des Pruvisionalvergleichs anhalten, auch li| 
reite darauf Vertröstung erlaugt haben. Wie sichs aber bierum eigeo 
lieh verhält, kann ich noch nicht wissen. Und dann auch sollen S. 
der Herr Pfalzgiaf in sehrer Hoffnung sein, das» E. Ch. D. auf 
sem Landtage hiesige Stände zu dero Völker Unterhalt nichts o 
wenig einwilligen würden, damit die Völker zergingen und er. 
Herr Pfalzgraf, desto sicherer alsdann sein könnte; tngestalt S. Ch. 
der llciT Pfalzgiaf Ihre Abgesandten auch noch im Haage und 
überall Freunde zu machen suchen. Werden dcrwegen E. Ch. D. « 
nicht säumen, und, wie vorn oft angezogen, eine beständige endli 
Resolution liierinnen fassen und mir darllber gnädigste Verordm 
Überschreiben lassen. 



eo 



iineB 



Johann von Norprad an den Pfalzgrafen Wolfgang Wi 
Dat. Wesel 30. Dec. 1645. 

[AnfzähtuAg der Wiakel^ugt' des l'ddzgruka. Kategorieche Aufforderung i 
Anberaumung einer Conferenz.] 

f80. Dec. Nachdem E. f. D. den Freiherren von Schaessberg vor et] 

cheu Wochen zu tnir auf Duisburg altgeschickt und ich vermeinet, ( 
f. D. würden sich durch denselben erklärt haben, auf was Weise £ 
l. Cb. D. zu Brandenburg, meinem gnädigsten Herren, die gesonne 
Satisfaclioü zu golien gemeint wären, damit alsdann eine weitere Co 
ferenz könne angestellt werden: so hat doch woblgemelter Herr vi 
Schaessberg mich berichtet, dasa er darüber von E. f. D. nicht ■ 
fehligt wUre, sondern dieselbe könnten sich vor Wiederankunft des' 
Preussen abgeschickten Conriers und Einlangung l. Ch. D. Antwi 
sich hierauf nicht rcsohiren; und ob zwar deme von Scbaetftb; 



Sommation an der Pfalzgrafen. 



205 



H eine Coptatn deseeii Schreibens, so I. Cli. D, an E. f. D. dem Courier 

■ »fieder zurttckgegeben, zugestellt, au bat doch derselbe vermeint, daas 

■ £- f. D. sieb dannoch nit resolviren würden, bis der Courier selbst 
H ia^kommen wäre, wobei ichs zwaren dasmal hab mtlssen bewenden 

r Usseu; iraniittels gleichwol dem von Scliaessberg unvorgreiflich zu 
»•erstehen gegeben, womit E. f. ü, I. Ch. D. Satisfaetion geben könn- 
ten. Aucb habe zugleich remonstrirt, wie weit I. Ch. D. in diesem 
Provnsionalvergleich und danu auch Über Nithaltung desselben ver- 
kttrzt wäre; mit dem Begehren, er möchte E. f. D. erinneren, dasa 
dieselbe dieser Sachen ein Endsebaft machten, zu mehrerer Unterhal- 
tung der so nahen Verwantltscbaft zwischen den beiden hohen Häu- 
sern, und wäre ich bei Ankunft des Couriers E. f. D. Erklärung ge- 
Ä'ärtig, Habe auch demnach, als der Courier meder kommen gewe- 
een, durch ein Schreiben bei E. f. D. Secretario Hain von hieraus 
darsQf wiederum Erinnerung getban, der mich aus E. f. I). Befehlieh 
bcantwnrtet, dass Sie dieserwegen die Xotbdurft bereits au I. Ch. D. 
eehpime Rättae nacher Cleve zurückgeschrieben hätten, ohne aber mir 
*888elbe in Copia zu cunimumciren. Als mich nun hierüber tob be- 
*agten cleriscben Käthen Bericiits erholet, vernehme ich, das» E. f. D. 
^«»rbahens sein, auf I. Cli. D. Autwortschreiben Ihre fernere Notbdurtlt 
*^ QlierBehreiben. Wann aber I, Ch. D. Meinung ganz und zumaleu 
'"''Ut ist. dass diese Sache ins weite Feld mit Verlicrung der Zeit 
*""© uffgescboben werden, und dann dieses nirgends anders hin kami 
""'l musa angesehen sein, als die Zeit zu extrahiren, sintemalen E. 
^- aus I. Ch. D. antwortlii'hen Schreiben selbst gutermassen künnea 
*"*^ehtuea und es die Wahrheit ist, dass I, Ch. U. zu Abschneiduug 
'^^''Igeblicber und dero beschwerlicher Dilationen mich mit Zuziehung 
*['*i^r BSthe zu fernerer Confercnz und Tractation mit E. f. D. gnä- 
^&^t instruirt und bevollmächtigt haben; und dass derowegen E. f. D. 
'^^jenige, was ferner zu erinnern babeu, bei der Confereuz wol kann 
'"^'fttelk'n lassen, und ilasa gar nit nöthig sei, dieselbe damit lunger zu 
'^^^*»rdiren, welches mir auch unverantwortlich sein will: als bitte E. f. D. 
*^^»iiit uochmalen unterthänigst, dieselbe wollen sich mit Zeigeren end- 
"^la erklären, ob Sie gemeint sein, I. Ch. D. aus Ibro hewussten und 
•ifef Dselhen durch den von Schaessberg vorgestellten Ursachen billig- 
"^^ssige Satisfat-tion zu geben und auf den Fall zugleich den Tag zur 
^uiiferenz alshalden zu benennen, in dessen unfehlbarer Erwartung E. 
^' D. ich Gottes Schutz treulichst befehle. 



306 



n. BraDdenbttr^ nnd Pfatz-Neiibarg. 



,3. Juu. 



Der Kurfürst an Juli, von Norprad. Dat. Königsberg 

3. Jan. 1646. 

[D&a VerbäUuiaa zn dem Pfalz grafen in der Sehwebe eu erhalten. Diplotnatischa j 
AnkDÜpfußgeD mit veracbiedeDcu Mächten. Erhaltung der Trappen; Verhiuidlua|r ' 
tnit, de» lieiderseitij^eü Ständea.] 

Was rbr in der Pfalz- XeubiirgiscUcn .Sache anhero abermals in 

Untertliänigkcit gelangen lassen, solclies iRt Uns der GebUlir nach mit 
mehrem relerirt worden. Nnn befinden Wir keineswegs rathsam zu 
sein, noch zur Zeit einige Feindseligkeit ivider de« Herrn Plalzgrafen 
Ld. zu Üben oder vorznuehuien, sondern achten dienlicher zu sein, 
die Bachen in dem fitandc, darimien sie itzi> sein, beruhen und ver- 
bleiben zu last^en, bi.s Wir Unsere Nothdnrft an die Kmu Franki'eich, 
des Prinzen zu Uranien hd., die Herrn Geueral Staaten der vereinig- 
ten Niederlande und an der Frauen Landgräfinnen Ld. werden ge- 
bracht und dero Assistenz, ob Wir Uns derselben versicheru können. 
hierunter werden venuinimen haben. Wie W^ir dann albereits Unsere 
Ratb, den Herrn vun Dfihna, nac her Frankreich abgeschickt und im ■ 
Werk begrifien sein, Unseni Rath und Rittmeister, den von Kleest, 
nebst Unsen» clevischen geheinicu Käthe D. Diesten an des Herrn 
Prinzen zu Urauieu Ld. und die Herren Staaten mit dem förderlich- 
sten abzueenden. So vernehmen Wir auch, dass etzliche fürstliche Ca«- 
selsche Gesandte albereits uuterwe^'ens sollen sein und in kurzer Zeit 
anhero gelangen werden, bei weh^hen Wir dies Werk gleichmässig zu 
unterbaueu nieht unterlassen wollen, gestah Wir dann vernehmen, 
dass sie auch darüber iustrnirot sein soUeu. Und wh*d unterdessen 
dahin zu sehen sein, auf Mittel und Wege zu gedenken, damit Unser 
Volk in dem Clevischcn möge unterhalten uud veridleget werden kön- 
nen. Zu weleheni Eude Wir Euch hiebevor zugeschrieben, Unsem ■ 
Clevischcn und Märkischen Ständen hierunter die Nothdnrft zu reuion- 
strircii und sie wegen Unterhaltung Unserer Völker aufs beweglichste 
zu dispouirenj die GUlisidien und Bergisjchen Stände aber an Euch zu 
verschreiben, sie Uos mit einem Handschlag verbindlich zu machen 
und sie zu dispotiiren, wann der Herr Pfaizgraf etwas widriges an- 
fangen würde, dass sit; ihm in seiner ungerechten und unbilligen Sache 
nicht zur Hand gehen, gondern sich dabei den Xantiscbeo Vertrag 
und was darllber mit den Ständen tractirt zu GeniÜth fahren woll- 
t©E'). - 



I 



I 



') Vgl. oben p. 202 f. 



Genesis einer politiachec Flagachrift. 



207 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an Norprad. Dat. Düsseldoi-f 



3. J 



an. 



1G46. 



Antwort auf das Schreiben vorn SO. December. Er könne die ihm von 3. Jan. 
Schaessberg überbracbten Vorscliliige niclit. für ernstlich gemeint balten; 
der J&Qiiurst mÜEiiäe nicht genügend über die Suche iuformirt' sein. Aber 
»oi" Onuid des Vergleichs von 1Ö29/30 sei er zu neuer Verhandlung gern 
bereit. Habe Norprad hiexu keine Vollmacht, *io müsse der Pfalzgraf 
sovor erst den Kurfürsiten „der jN'othdurft mich in den Suchen iuformiren 
lassen". 

Die geheimen Räthe in Berlin an den Kurfürsten. 
Dat. Colin a. d. Sp. 27. Dec. 1645. 

IKritilt mehrerer Entnürfe z.u einer poUlischcn Broschüru gegen ileo rfülzgrafen.] 

Als E. Ch. D. ans des Herrn Pfalzjjnifen au Sie erjraugeiies Schrei- 6. Ja 

^^u, unterm djito des 'JO. Sept. und eine von D. Diesteu darauf ge- 

stellete Beantwortung, »owol Blaspiel's Bericht und die von dero 

geheimen Rath Erasmo Seideln aufgesetzte Beantwortung zuge- 

.Bciiieitt, mit gnSd. Bct'ebl, solche zu verlesen, zu coiiferiren, unsere 

"Cdankeu darüber zu eröffnen, und was in einem uder andern zu ver- 

t>e«8crn oder auH/Ailassen sein rauchte, zu belichten'): so haben wir 

*^*>n zu gehdrsamster Folge solche Schriften collegialiter verlesen und 

■■^iflich erwogen, befinden, dass beide Conecptfi grlindlidi und mit 

fc'utetn Bedacht gestellet und E. CIl Ü. Jnra und Befuguiss darin wol 

•leduciret und in .\cht genommen wordwi, lassen uns aber bcddiiken, 

"• Ctieaten Bcanlwortung sei nichl gar ordentlich gnfassct und etli- 

"'&rnuisseu zu scbjirf, das« der Herr Pfalzgraf leicht irritiret werden 

uncX m,el aufuebuieu niöclite; Seidelü Coueeiit ist gliiniiflicber und 

1* ^tssser Ordnung begriffcu, derlialben könnte man dniigelbe praefe- 

•^Vi und abgehen lassen, wann dem einverleibet würde, wns wir aus 

Ijiesteu Conecpt und synsten xur Verbesserung desselben uiivor- 

^^i flieh augezogen, suppliret und an Orten und Enden tolgeuder- 

'''^-•»«en einzunicken verzeichnet haben. — 

Sigiii, V, Götze, Adam Georg Ganf^ zu Putlitz, Hans Georg v. Ribbectc, 
^*o f. Schwerin, Andreas Kohl, Seba^tia;n Striepe. 



Die Plughcbrift , deren Entstehung wir Licr im einzelnca beobachten 
kö*»«ea, ist die: 

Responaiio Sereuii<sinii Septemriri Bran deoburgiei ad Se- 
'^ •*isisimnni Ducem Keobnrgicmu e Tentonico Latine versa, de con- 



'J Vgl. oben p. 179. 191. 



308 



IL Brandenburg and Pfalz-Neuburg. 



ventione, quam vocaat, provisionali annorum 1629 et 1630 super partitii 
prorinciarum Clis'iae , Juliae , Bergao et caeteraram ad istas pcrtineotiom 
ditionurn. — Anno 1646. ^ Am Schluss: Regiomontü 8 Decembris 1645,-^ 
14 Bll 4". \ 

Der Entwurf von Erusmuü Seidel ist zu Grunde gelegt; in denselbeii 
sind wörtlich eingefügt einige Stellen aus dem Entwurf von Die st und einig« 
audere aus einer von I^ucas Blaspcil verfassten: „Unverfängliche aÄ 
terthanige Erinnerung, was (jedoch ohne Maassgebung) bei des .J 
D. Diesten Aufsatz ... ab- nnd zuzufügen sei." Am 23. Jan. 1646 sctiial 
der Kurfürst von Königsberg aus das ausgefertigte Original dieses Schrti 
bens (ia dentsehor Sprache) der clevischen Regierung zur Bestellung ol 
den Pfalzgrafen ; zugleich eine lateinische Cebersetzung, welche sie inClevt 
„in ein paur hundert Exemplar'^ drucken lassen sollen ; ^das deutsche Con- 
cept soll alliier gedruckt und, sobald es fertig, auch Euch einige Eieni' 
plaria detiselben zngefcrtigt werden". Mitte Februar 1646 werden die li 
Königsberg gedruckten deutschen Exemplare nach Cleve, Osnabnick, Mün- 
ster etc. versandt, Au£i<erdem Uegt auch cino gedruckte bolländtsche Ue- 
bersetüung vor unter dem Titel: I] 

L'opie vau de Rescriptie ghedaen door Sijne Chenr* Vorstelycki 
Düorluchtigheyt van Brandeuburgh etc. Üuseu genadigstett Cheurforst ende 
Heere aeu Sijue Vorsteüjcke Dourluchtigheyt Paltsgrave van Kieuwbur^ 
Anno MDCXXXXVI. (36 pag. 4".)') 1 

Die Antwort des Pfalzgrafen hierauf ist sein gleichfalls als Broseh 
gedrucktes Schreiben an den Kurfürsteu dat. Düsseldorf Q. Juni 1646 



Johann von Norprad an den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhel 

Dat. Wesel 10. Jan. 1646. 

10. Jan. Nor]irad rechtfertigt die ausgesprochene Meinung des Kurfürsten, den 

Provisionalvergleicli von I6'i9 und l'JSO ^vor keiue Regel einiger Confereiy 
KU achten, weil er an Seiten E. f. D. nicht erfüllet nnd dannenhero Alk]«|| 
gegebe« worden, den Sachen an Seiten I. Cli. D. tiefer nachzusinnen und 
derosselben Kothdurft dagegen in Acht zu nehmen". Selbst wemi der Pfair 
graf jetzt erbötig wäre, den ^' ergleich zu halten, so würde er bei dem 
Stand seiner Finanzen „mit denen zu solcher Erfüllung gehörigen Mlttelj 
uicht Wut uujliommen köauen". Es müsse also bei der ihm ertheilten Te 
Ordnung des Kurfürsten bleiben. 



') Ein Verzeiehnisfl der wichtigsten iu dem jülict-cleviichea Erbfolg 
gewechaelteii Streitschriften gibt f^hr. 6. Hofruann bibliotheca juris pnbü 
p.3I3ff. und V. Schttumburg die Begriindung der braudenb.-preues. Herrscba 
am Niederrbtiiu nnd in Westfaleu (1859) p. 2&Q S. Ygl. liuüli 0rk. u. ActauM. 1 
p. 64-*i. 



Der Pfalzgraf nnd Norprad. 



309 



Pfalzgraf Wolfgang Wllheln» an Johann von Norprad. 
Dat. Düsseldorf 16. Jan. 1646. 



[F* ^»«Üialteii an dem DösBeldorf-Himger Vergleich. Norprad wird der ludiscretioo 
^ hieben io Bezxig aat «eine AetiigeniDg über die Finanzen des Pralzgraren. 
AM^-fnfe, ob Norprad Vollraaclit zu riiiadBeligem Auftreten habe. Er wunsclit 
n<:ll mit dem Karfursteo direct in Yerbindnug KU setzen. MahnuDg, die Sscb^a 
uiciit gefiissentttch zum Bmcb zu bringen.] 

D^r Provisional vertrag sei in aller Form zn Stande gekommen; in Be- 16. Jan. 

tr^fl der gemeinsamen Regiernng in der Grafschaft Bavensberg sei er stet« i 

«»•fecitig gewesen, den V ertrag anszufijhren nnd sei es noch ; auch sei er er- J 

bcVtig, über die tod dort getiossenen Einnahmen Rechuuug rorzulcgen du<1 ■ 

eventaell dem Knrfürsteii die ihm znkonimende Compenfntion auf^znaahlen. I 

Da sieh dann befinden wird, dass diese Sachen \nel anders be- I 

s<?baffen, als Ihr Euch einbildet, und das» es Uns, ob Gott will, an I 

Mitteln und dem Vermögen nit ermangeln wird, (wie Ihr Uns in ■ 

Euerem Schreiben mit gar geringer Bescheidenheit und Respect vor- I 

rtlckt. welches Unser Unvermögen Ihr auch als Unser gewester Kam- I 

ojerrath. da Ihr davon beständige Nachrichtung gehabt, vielmehr I 

Ewerer Uns geleisteter Pflieltt nach, bis in Euere Gruben hättet in ge- I 

heim und verschwiegen halten sollen), des Herrn Cburftlrstcn Ld., V 

Wann Sie, wie billig, Uns auch dergleichen zu thun erbietig, gebllh- 1 

rende Satisfaction wiederfahren zu lassen. Und dieweil Wir gar nit I 

^TtlT halten können, dass oft wolgedachter Herr Cbnrflirst, als ein I 

l*«Tyhmter friedliebender teutscher und Unser so naher anvei-wandter I 

Forst solche Unsere in allen Rechten . . . fundirte Begehren und Er- I 

bltlen anszuschlagen und zu Zerriltt- und Trennung der zwischen I 

St. Ld. und Unserm Haus hergebrachter Einigkeit Gefallens tragen I 

«ollten, Ihr Euch aber uf Sr. Ld. anderwärtcr Verordnung sowol in I 

gedachtem Euern Schreiben als sonsten mit fast weit aussehenden Re- I 

den gegen die Unsere zu raehnnalen habt vernehmen lassen: so ist I 

hiermit Unser billiges Begehreu, Ihr wollet Uns berichten, ob Ihr auch I 

(angeachtet obgedachten unser» billigen Erbieten s) änderst als durch I 

gütliche und rechtliche Mittel von Sr. Ld. dieser Sachen halber gegen I 

ÜBB ZU verfahren befehligt und bemächtiget seid, damit Wir Uns dar- I 

oaeb zu richten, und was Ihr diesfalls vorzunehmen, und üb Ihr auch ■ 

8r. Ld. weitere Verordnung llber dasjenige, was Wir bei deroselben I 

ferner anbringen lassen werden, zu erwarten gemeint seid. Sintemal ■ 

Wir nunmehr Unsere Gedanken dahin gestellt und sind im Werk be- I 

griffen ... an Unsers Herrn Vettern des llerni Churfllrsten zu Bran- I 

denburg Ld. selbst die Sachen umständlich gelangen und deroselben I 

ein and anders der Nothdurft nach vortragen zu lassen ... Wie Wir I 

Uua. cur C«icli. a. Gr. SuffOrKen. IV. 14 ^^M 



310 



n. BrftQdenbtirg und Pfalz-Neubnrg. 




Uns dann auch zu Euch versehen, Ihr werdet Euere Theils zu geßhi 
licher Weiterung zwiechen Sr. Ld. und Uns . . . keine Ursach gebec 
sondern vielmehr Eure Consilia und Actionea dahin richten, dann da- 
gute Vertrauen und Einigkeit zwischen Uns und Unser beiderseitr*" Jt* 
Posterität erhalten und fortgepflanzet werde; solltet Ihr aber eines aiÄT^n- 
deni gesinnt sein, 8t> würdet Ilir Euch eine schwere Yerautwortuni^ «Tg 
bei Gott und den Menscheu auf den ilals laden; darfUr Wir Euch ge^a^^ 
treulich gewarnt haben wollen. — 



A 



Johann von Norprad an den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm 
Dat. Cleve 23. Febr. 1646. 

[Becbtrertigt die ihm vorgeworfene Indiacretion, lieber die angedenkte Verord- 
nung dei Kurfürsten wird Auskunft verweigert. Alle Schald auf den PfnJzgntfeira 

geschobon,] 

!3. Febr. Der Ffalzgraf wird inzwischen die Meinung des Enrfürstea aus desMn 

Schreilien vom 8, Dec. 1645 ersehen halTPu. — 

Dass ich aonsten in angeregtem meinem Briefe vom 10. JanuariÄ^ J 
unterth. Wolmeinung und Vemiuthung unter andern raitgemeldet, ea 
würde besorglich an Seiten E. f. D. numelir mit denen zu gänzlicher 
Erftllluug des Pro vistonal Vergleichs der Jahren l(52£i und 1630 noth— 
wendigen Mitteln nicht wol aufzukommen sein; solches hab ich vor- 
nehmlich von den 176,000 Rth. und durch deroselben nicht erfolgte 
Bezahlung verursachte Interesse und Sehaden verstanden, welches alles 
von E. f. D. in Ihrem Äntivortschreiben vorbeigegangen wird und sicli 
danuoeh mit einander wol auf 600,000 Kth. belaufen mag, da dann 
ohne Zweifel keiner aller E. f. D. liäthe sein wird, welcher nicht 
rund herauH selbst würde bekennen müssen, dass der Kamuierstaat 
dasselbe nicht vermöge. 

Anreichend die von I. Ch. D. erlheilte Verordnung, die ich in be- 
sagtem meinem Schreiben vom In. Januarii atigerllhret, werden E. f. D. 
selbst gnädigst ermessen, dass mir nicht gebtlhrc. deroselben davon 
einige Eotdeckung zu geben. Und bitte ich daneben unterth., E. f. D. 
geruhe giutdigst sich zu versieheru, dass gleichwie höchstgcd. I. Ch. D. 
selbst neben deme, was Ibro von Gott und Rechts wegen gehöret, an- 
ders nicbt dann fricd-, freund- und ruhSgliches Wohlbegehen zwischen 
denen so nahen verwandten Häusern suchet, also auch ich an meinem 
unterth. Ort nimmermehr zu einigem andern oder widrigen werde ra- 
thcn helfen, und wäre zu wünschen, dass E. f. D. vorlängst beliebet 
hätte, xu Beförderung eines so guten Zwecks sich in die hierzu uö- 
thige billige und abhilfliche Wege finden zu lassen. — 



Üet Pfaltgraf and Korprail. VVeatfalische Terhandlongen. Kursachaen. 211 



Die geheimen Rathe in Berlin an den Kui-fSrsten. 
Dat. Colin a. d, Sp. 14. Jan. 164G. 

[-AAregung der pfolK - aeaburgiacheD Suche bei den westialbchen Tractataji. 
I 8«cliseD niuht zn dea YerhajidliuigeD zu ziehen; die andern Prätendenten kom- 
( meo nicht ia Frage.] 

' tfeberschicken die eingegangenen Relationen der Gesandten in Münster 24. Ja 

Kasd Osnabrück ond fügen das Concept der Beantwortung bei. — 

Demnach auch der Herr Graf von Trautmannedorf Handelung 
zwischen E. Ch. D. und des Pfalzgrafen f. D. vorgeschlagen, auch 
"Von den Chur-Cölnischeu in diseursu dessen Ei-wähnung geschehen 
sein soll als zweifeln wir nicht, dass in dieser Sachen etwas vorgehen 
tnAchte. Dabei ungezwcifelt allerhand wichtige Considerationes vorkom- 
f inen werden, denen wir zwar unsern PQichten gemäss gerne nach- 
denken wollen; damioch finden wir, dass wegen der Tmportanz und 
"Wichtigkeit, dass wir wenige uns hicrinnen viel zu gering halten, E. 
Ch. D. allein zu rathen, und tragen wir auch nicht wenig Bedenken, 
den Clevischen Käthen und Ständen, als welche dea Status am besten 
Irandig, die es auch am meisten affieiret, vorzugreifen. 

Vornehmlich wird gleich in limine wol zu erwägen stehen, ob 
nicht besser sein werde, wann diese Handeltmg allein zwischen den 
"beiden possidirenden Fürsten geführt und geschloeaen wUrde; dann 
sollten alle Interessenten mit in die Handlung gezogen werden, dtirfte 
das Werk sich sehr weitläuftig anlassen und leichtlich den verhufTten 
Schiusa verhindern. — 
{ Unter allen Praetendenten aber möchte das Haus Sachsen wol 

ani allermeisten in Cousideration gezogen werden. Wir können aber 
1 iii unserm Gewissen nicht befindeu, dass dasselbige Haus einig Recht 
auf die Lande zu praetendireu habe, so wenig wegen der angegebe- 
nen Anwartung, als auch der Sybillae aufgerichteten Ehepacten'). 
Wann wir ein anders bei uns befunden , wollten wir gewisslich nicht 
rathen, demselbigen Hnus Unrecht zu thuu; xatius enim est, iiQurias 
ftrre quam faeert. Wir sehen auch nicht, dass dieses Haus bei dieser 
Sache einen sonderbaren Eifer erweiset, ungezwcifelt dieweil es sei- 
nem angegebenen Rechten nicht gar zu viel vertrauet. — 

Die lU>rige Praetendenten vermeinen wir nicht, dass sie so hoch 
txk coDsideriren, sie be&nden sich auch alle in einem solchen Zustand, 



') U. h. der Ehepacten der 1527 mit dem Kurprinzen Johann Friedrieh 
Von Sachsen verntäblteu Hcrzo^n Sibjlle von Clfve, Tochter des HerKOgs 
Jubaon lH.; über die hieraus abgeleiteten Ansprüche des aachsisclien Hausea 
•u di« jütscli-cieviscLe Erbschaft b. Rousaet bist, de U succeesion L p.6E 

14* 



213 



n. Brandenbnrg nad Pfalz-Neubarg. 



dass zu hoffen, sie mScbten stell darcb ein billiges abhandelo und 
contcntireu lassen. — 



Der Kiu'fiirst an die geheimen Räthe in Berlin. 
Dat. Königsberg 7. Febr. 1646. 

[SachseD von der Verhandtung fem zu halten. Nnr proTieionaliter, mit Hoffaaag 
auf künftige beseere Gelegenheit, zu Terbaadetn.] 

7. Febr. In demselbeu Sinne, wie das Gutachten der geheimen Räthe. Die Be- 

clieiliguug Kftcbssens an der Verhandlung muss abgelehnt worden, .,bei itzi- 
gem Znstande und da da§ Haus Sachsen am Kaiser!. Hofe und fast bei 
allen Kaiserl. Minästris so grossen Favor hat". Man mus« mit dem Pfali- 
grafen allein verhandeln, womöglich unter Vermitteluug der Generalstaaien, 
jedoch alles nur provisionaliter uff eine gewisse Zeit und salvo per 
oninia petitorio; dann Uns mit dem Herrn Pfalzgrafen erblich und 
ewig zu vergleichen und im Uhrigeu Unsers Suecessionsrechtena Uns 
gar zu begeben, ist Uns aus gewissen Considerationen zumal bei itzi- 
gern Zustand bedenklich. Vielleieht möchte sich ins künftige eine viel 
bessere und bequemere Zeit oder Gelegenheit praeseutiren, dadurch 
mit mehrem Unsertn Nutzen und Reputation das ganze Hauptwerk so- 
wol mit dem Herrn Pfalzgrafen, als dem Hause Sachsen gehoben und 
beigelegt werden könnte; und alsdauu, weun es nämlich zu solchea 
Haupttractaten kommen sollte, wtlrde der uff jüngstem Reichstage von 
Uns und dem Hause Sachsen beliebte Modus und die von dem Churf. 
CoUegio anerbotene Mediation und Handelung wol nicht auszuschlagen 
sein. 



I 



Pfalzgraf Wolfgaiig Wilhelm an den Kiu-fiu'sten. 
Dat, Düsseldorf 24. Jan. 1646. 

[Klage über Norprad. Sendung von Weficbpfenniag an den Karfürsttto.] 
S4.JaD. Wiewol Wir unlängst auf E. Ld. Schreiben zu anttvorten vorge- 

habt, in Meinung E. Ld, darüber ferner die recht gründliche Beschaf- 
fenheit in einem und anderem vor Augen zu stellen, wie Wir auch 
solches Unser Vorhaben E. Ld. zu der clevischen Kegieruug verord- 
neten Käthen zugeschrieben; nachdem Uns doch darauf E. J^d. ge- 
heimer Kath und gevoUrnftchtigter Commissarius Johann von Nor- 
prad unter dato den 30. gedachten Monats Decembris schriftlich zu 
erkennen gegebeu, dass er von E. Ld. neuen Befehl, Instruction und 
Vollmacht bekommen, mit Zuziehung anderer E. Ld, Käthe mit Una 
zu tractiren, und dass Wir dasjenige, was Wir ferner zu erinneren, 
wol bei der Confereuz konnten vorbringen lassen; diesem nach haben 



Sendutkg Weschpreanmg'a. 



213 



Wir am 3. dieses ihme, Norprad, darauf geantwortet, und darin Uns 
xa abermaliger Conferenz und aller Billigkeit erboten, wie E. Ld. aua 
der Abschrift sich referiren zu lassen. Und ob wol Wir darauf Uns 
änderst nit versehen können, als rtass tlber solches Unser billi^iAssiges 
Erbieten und Begehreu der Tractat seinen Fortgang würde erreichen, 
eo hat doch er, Norprad, Uns unter dato den 10. dieses Jahrs und 
Monats ein gar unverhofftes und nachdenkliebes Schreiben, dessen 
Copia hie beigelegt, zugeschickt; darauf Wir «war ihme, Norprad, wie 
aus der Copia zu ersehen, geantwortet, aber doch zugleich auch Un- 
serem geheimen Rath und Bergiscben Marschalken, dem Freibern von 
Scheidt') (deme Wir bei der hochzeitlicher Festivität und Beiläger 
der Kön. Maj. in Polen Unsere Stell zu vertreten, Befehl aufgegeben) 
ferner aufgetragen, dass er sich ron dem KQnigL Polnischen Hofe 
fUrders zu E. Ld. nacher Königsberg oder wo dieselbe derzeit anzu- 
treffen , erheben , und deroselben , worauf eins und anders eigentlich 
bestehe, neben Unserer trcundlicher Begierde zu Erhaltuug des tm- 
eehen E. Ld. und Uns, auch beiderseits Häuser, hergebrachten ver- 
wandtlichen guten Vertrauens und Einigkeit, und dass Wir auch von 
Herzeu gesinnet seien, E, Ld. in demjenigen, dahe sich in Tractatione 
befinden wird, dass Wir vermag der zwischeu E. Ld. gnädigsten Herren 
Vatem und Uns in Anniß l(j29 und 1630 alhie und in dem Haag auf- 
gerichteten Verträgen deroselben etwas hinauszugeben schuldig seien, 
Ihro in solebem alle Billigkeit und gebührende Satisfaction geben, 
vorbringen and zuGemüth fuhren solle. Der freundlichen Zuversicht, 
E. Ld. werden (wann 8ie ob der Sachen eigentlicher Beschaffenheit 
grtindlich und umständlich berichtet) damit freundlich und wol zu- 
frieden, auch weiters in Uns zu dringen nit gemeint sein. Als ist 
demnach an E. Ld. Unser freuudvetterliches Gesinnen, Sie wollen be- 
inelten Ihren zur Clevjschen Regierung verordneten Räthen befehlen, 
dase sie alles in jetzigem Stand, zum wenigsten so lang, bis ermelter 
Utiser Gesandter bei Ihro angelaugt und E. Ld. auf seine Werbung 
sich gegen ihne und Uns selbsten erkläret, und dieselbe ihnen, Kä- 
then, ein anders anbefehlen werden, ungeändert verbleiben lassen 
BoUeo. 



') Johsiui Bertrsm Weachpfeaning Freiherr von Scheidt. 



214 



n. BMiodenburg und Pfftlz-Nenbofg, 



I Der Kuriürst an die Stände von Jülich und Berg. J 

Dat. Königsberg 1. Mai 1646. ^H 

[Die ÜDhaltbnrkeit des letzten ProviEionalvergleicba. MahuuQg an äea Vergf^o) 
von Xanteo nnd aD die vou tlea Ständen überooinmeaen Verpflichtnagen.] j 

I.Mai. Wohlgeborne, edle, feste und ehrbare liebe Getreue. Ihr werd«4{ 
Euch ohne weitlfiiiftige Erholung erinneren, wasmassen zufolg del 
Dortuiundischen, llallischen und Xantischen Vergleichs Unsere Voi«* 
fahren hochaeligster Gedäclitniss und Wir mit des Herrn Pfalzgrafei 
von Neuburg Ld. zu der GUlischen und angehörigen Landen Poflsea 
sion zu der rechten Halhschci<l gekommen und bei filrstlichen Worte! 
einander versprochen, dasa beide Theile in dem Stand, wie sie datuali 
waren, verbleiben und kein Theil immittelst ibme etwas zu Vortheil vol 
eich erlangen und hernächst dem andern zu Xachtheil anziehen sollt 
Ob nun schon des Herrn Pfalzgrafens Ld. durch offene Kriegsgewa 
mit Unserer getreuer Unterthanen äusserstem Verderb, auch folgen 
durch einen A. 1629 mit dem Grafen von Öehwartzenberg prov 
sionaliter gehaltenen nichtigen Vergleich dargegen nelfältig attentii 
und gehandelt, und Wir aus verscheidenen Reden, welche Wir ä 
einem an S. Ld. abgegangenen und publicirten Schreiben ') kUr^lioi 
wie hiehei, angezogen, daran nicht gebunden sein und Uns dage;gt)| 
bei dem Uusrigcu zu btilten Fug nnd Macht hUtten: so haben WJ 
doch wegen Unwer Churf. Vorsorge, welche Uuaers gross Herrn Vate 
und Herrn Vaters 6n. ehrlstmilder Ged. und Wir gegen Unsere 
ti-eue Stände und Unterthanen ihrer Wohlfahrt, Friede und Kulie . 
her jederzeit wie noch getragen, alle Mittel zur Gtttlichkeit erst vc 
gehen lassen wollen, und in der HotTnung, wiewol bis noch ol 
Effect, gestanden, S. Ld. würden bei denen deswegen gehaltenen Co 
ferentien Uns vollkommene Satisfaetiou nach der Billigkeit gegebi 
habea, auf den Fuss, wie es etwan bei dem Xantiuehen Vergleich gt( 
richtet worden; gestalt derselbe durch Interposition so viel vornebmfl 
Potentaten Botschaften, mit der Stände Vorwissen, nach der Gleiehbeii 
und Billigkeit allerseits beständig geschloaseu und iu viele Wege m 
viel practicabler, und Sr. Ld. und Uusern Unterthanen nützlicher ofli 
zuträglicher sein würde, als dass Ö. Ld. auf der grossen Uagicichhei 
welche Wh- endlich nicht erdulden können, gegen vorige klare Veä 
träge bestehen wollte. i 

Wir haben auch gegen Euch als Unsere getreue StAnde dm gni 
digste Vertrauen, dass, gleich wie Ihr Euch kraft dieses aller Chud 



') Die oben p. 207 f. angefuUrte „Beeponsio" 



Der EnifärEt und die Stände Ae» PtaiigTUfen. 



21. % 



G-xm^de und Hulde, auch über Eure Freiheit und Reli^on Inhalt der 
al*«n herbrachten Privile|rien, Reversalen und darauf erfolgteu Erklü- 
rt».x3g:en ünsers gnädigsten Schutzes und Schirms versicliert halten nirtget, 
d^K.es Ihr aUo auch Euch Eurer uuterthänipster PflichtsdiiUdigkcit crin- 
n^sam, Une so viel als Unsem Vorfahren hochsei. Ged. trou und hold 
s^ 1 1 und bleiben werdet. 

Zuforderst wollet Ihr aber Euch hiebet des vor diesem beiden 
Claur- und Fürsten gesammtlich gethanen Handstreichs, dern anpo- 
bOToer Pfiieht und dann auch wegen Flaltung des Xantiseheu Ver- 
gleichs der in A. I6I4 anwesenden Deputirter zu Wesel auf des Herrn 
Pfahgrafens Ld. selbst eignen gethanon Zumuthen (den allein vor 
Aero Herrn zu erkennen, welclier den Vertrag halten würde) erfolgter 
Erklärung erinnern, der Sachen BeschafTenheit und die grosse Unbillig- 
vitid Ungleichheit, so Uns bishero angethan worden und noch unauf- 
iiörlieh angethan wird, wol beherzigen, auch Euer selbst eigene hier- 
'inter nicht wenig interessirte Wohlfahrt der Gebtthr wahrnehmen und 
darauf bei des Herrn Pfalzgrafen Ld. vermittelst beweglicher Zuge- 
lollthfmining luid dienlicher Remonstration es dahin vermitteln und be- 
ordern helfen, damit xwischeu Vm und Sr. Ld. gebllhrcnde Gleichheit, 
dadurch allein Ruhe und Friede und gutes Vernehmen beständig er- 
lialten wird, hinwiederum gestiftet, was daran ermangelt, redintegriret, 
Loa wegen bisher erlittenen Schadens und grosser Verkürzung bülig- 
""ÄÄsige Satisfaetion gethan und also dadurch ferner Unheil von Euch 
"nd andern Unsem getreuen ünterthanen abgewendet, auch sie und 
"if allergeitg 6ei habenden und wolhergebrachtcn Privilegien, Frei- und 
"öi^ehijgkeiten gehandhabet und gesehUlzet werden mügen. 

Wir haben dieses an Euch also in Gnaden gelangen zu lasiien, 
eiae Xothdurft zu sein erachtet, und wollen darUber Euere gewierige 
Erkläning, die Ihr bei Unser Clevischer Regierung einzubringen habet, 
gaädigst erwarten. 



I^«r Kurfiirst an die clexTsche Regierung. Dat. Königsberg 

2. Mai 1646. 

;Kot1un»Ug«r Vertnch tu Gate aozostetlen. Die von dem Pfalzgrafen nbzntre- 
Msdui Stöeke. AafrvAiBg der Jälieli'VerKiacbeii 8tmi>de; sie loUcii zur Hleaer. 
'*Un| M den Knf&nteti aa4 war St«aerr«rwmgeT«ng gegen deo Pfabgrmfea 
*alB*{oidert werden; AxBotianag n «restmllein AbM ton <I«b PCilsgrafira, 
Ttmög« de* Yerteags tob XMtaK. Aanieht ««f im» Scbnilea <« JtxtnaütittmT.] 

Xidi dea letzten ms Gere erbaiienen Besiciitea wiU der KoHtnt « 2. 1 
»BB vtoa üebniau ao^ danml" is Güte mit <km PfSiljgnfta 



216 



n, Brand enb arg and Pfalz-Neubnrg, 



doch diesergestalt, dass Ihr des HerrD Pfalzgrafens Ld., sich zuTc 
derst uud ebe man weitere Ztitäammenäprnch durch vergebliche Wo*| 
wechselung angehet, vor allen Diugeu verbindlich und beständig ai 
klären lasset, dass Uns neben Cleve und Mark die Grafschaft Ravem 
berg, Ravcnatein , die Brabandische, Flandrische, Monjnyische uö 
andere Güter zu Unserer Halbschcid auf die übrige Jahren des Pr« 
vigionalvergleichs einräumen und dergestalt Uns nach Anweise d< 
XantJHchen Vergleiche') zum nächsten bei in gleicher Poaseesion nd 
I. Ld. stellen und der Kreisdirection ror Uns her Ihro nicht anmasse 
wolle. 

Weitere Ansführatig darüber, dass aber auch diese RestitniruDg dji^ 
MaasRgabe des Vergleieha von Xanten bei weitem nicht genugead sei, a 
den brandenbnrgiseher Seits erlittene o Schaden auszugleichen, — gleiehw« 
um mehrcr beiderseits bochnöthiger Zusammensetzung willen, sein W 
zufrieden, wenn dergestalt Uns obgcdachte Stück voUends eingeräun» 
werden, die übrige Ungleichheiten und was bereits zu\'iel genösse] 
durch Einräumung einiger Aeniter ira Fürstenthum Berg oder Gulifl 
abhandeln zu lassen, oder dasselbe (da es ohne Verlängerung g( 
Bchehen könne) der Pfalzgrafischen Räthe bestem Vorschlag nach, j6 
doch ohne Approbation des Provisionalvergleichs, an Unparteiisch 
zum götlichen Vergleich zn (jtellen. Da aber S. Ld. sich keineswef 
zur Billigkeit und Gleichheit erklflren, sondern immerhin, wie nun 1 
Jahr hero, tractiren und immittelst possidiren und Uns schimpflich an 
dem Unsrigcn halten wollen, so sollet Ihr Euch deswegen behörliche 
bezeugen und bedingen. Uns alsbald berichten und üniern gnädigsti 
Befehl, den Wir auf aolchen Fall ertheilt, unterthänigst einfolgen. 

P. ä. Norprad nehst einigen andern Räthen süÜ sich in Verbindai 
setzen mit den jülich-bergisehen titanden (wörtlich wie oben p. 202). d| 
Herrn Pfalzgrafens Ld. wird dasselbe auch nicht missfallen könne 
weiln es den alten Verträgen gemäss und dem berühmten Provisiom 
vergleich auch nicht zuwider ist, dessen Ihr ihn dann auch zu recl 
Zeit erinneren, und dass es Sr. Ld. zu keiner Praejndiz gereii 
solle, zugleich versicheren könnet. 

Deme vergangen, könnet Ihr ihnen auch augesinnen, dass zu 
sereni ihrem Schutz und Schirm und zn FaciUtirung ihrer Versehontit 
und der Neutralität Uns unter die Armen greifen und nach und nai 
so viel an Uns allein steuern wollen, als sie an den Herrn Pfalzgrafi 



') Art. VII. des Xuat^ener Vcrtxsgs vom 12. Nov. 1614, wo die hier geau 
ten Stucke ule die eine, Jtilich und Berg [Att. VlIL) als die andere TbelUii] 
Ibfilinjint wurden. (Bousset LI. p. Ü9 u. u.) 



Der Kurfürst und die Stande des Pfalzgrafen. 



217 



'^«T-floBsener Jahren gesteuret hätten, auch allen Amtleuten, Richtern, 
I^^npfängern, Schöffen und Boten bei unser höchster Ungnade, ohn 
L^ÄiMern gnädigsten Willen keine Steuer im Gttliachen und Bergischen 
t-^-nde auszusetzen oder heizutreibeii verbieten und die Verbrecher 
■^^-ch Befinden dafür anzusehen. 

Imgleichen könnet Ihr sie erinneren, wie der Herr Pfalzgraf bei 

^Xifrichtung des Xantischen Vertrags zu Wesel den Ständen angesun- 

^^n und sie auch darauf resolvirt, dass sie den von beideu Chur- und 

^^tlrsteo vor ihren Herrn annehmen wollen, welcher den Xantischen 

^'^«rgleich würde halten, und da Wir Uns da/u, so viel zu dieser Zeit 

^^liunlich, auch noch erklärt hätten, des Herrn Pfalzgrafeiis Ld. darin 

*»:» Mangel bliebe, ob nicht denvegen sie dieselbe unterthänigst belan- 

^£"«n und zu einem solchen Vertrag, der Uns und Sr. Ld., wie auch 

*i«n .Ständen, in viele Wege am ntttztichsten sein wird, erinneren, und 

^ia sie demnächst finden würden, dass S. Ld. sich dazu gegen alle 

^Öilligkeit nicht fügen solle, ihrem eigenen Versprechen, Uns allein zu 

^^rkennen, nachkommen wollten; mit andern dazu dienlichen Reden und 

^^Ues zu dem End, damit, wenn alles versucht worden, Wir vor aller 

"%pVelt entschuldigt bleiben, dass Wir zu Erhaltung ünsers Rechten und . 

"Wnser Dignität zu den Extremitäten schreiten mUßsen. 



Die clevische Regierung ao den Pfalzgrafen Wolfgang Wil- 25. 
"l»elm dat-CleTC 25. Mai 1646.— Sie fordert ihn im Namen des Kurfürsten 
«uf, Commi&safe zu einer Conferenz nach Duisburg zum 6. Jöui zu schicken. 

Der Pfalzgraf (üat. Düeseldorf 3ü. Mai 1646) lehoE es ab, mit ver- 30. MaL 
schiedenen Gründen und besonders deshalb, weil augenblicklich alle seine ^H 
«Uzu brauchbaren Rüthe anderweit beschäftigt seien. ^^ 

Norprad Bchickt; diese Verbaudlniigen dem Kurfürsten ein (Cleve S.Jnoi. 
2. Juni) ~- „uud kann ich uichl umgeben, E. Ch. D. untertb. eu bitten, Sie 
wollten sich gnaü. eutgtuiieii, wie oftmals ich uatertb. Wolmeinang habe er- 
i&aert, ee würde doch des Herrn Pfalzgrafen Dchl. zu keiner Sach schrei- 
ten, eis wäre dann, dass E. Ch. D. Sr. f. D. etwas näher treten. Welches 
idch dann meines outerth. Erachtens je länger, je mehr also spüren laäsi". 



Werbung des neuburgischen Gesandten Job. Bertram Weseh- 
pfeuiiing Freihen*n von Scheidt an den Kurfüj'steii. o. D. 

[Berlin Jiüi.]') 

Die Fnncte, wornm der Pfalzgraf deu Kurfürsten ersuchen lässt, sind: Jq 
1) Dass es bei gedachtem Prorisionalvergleicb wenigst die noch 
Qbrige verglichene Jahre verbleihe. 

') Tgl. oben p. 213. 



218 



n. Brandenbarg nnd Frab-Neobtirg. 



2) Die geBammte Regierung und Kammerwesen in der Grafgc 
RaTensberg neben 1. f. D. fllrderlichst angestellt werde, und 

3) E. Ch. D. gelieben wolle, dass wegen dasjenige, was sowoT 
Sie aus bcmelter Grafschaft als der Herrschaft Ravenstein und etlichen, 
andern Oertem . . . tlher die Halbscheid eiupfangeE, richtige Liquida 
tion hinc inde vorgenommen werde. — 

4) Dafern sich alsdann befinden wird, dass I. f. D. über Ihr« 
Antheil und Gebührniss etwas empfangen, der wegen sein Sie billig 
massige Erstattung und Satisfaetion zu thun erbietig. 

Nebenmemorial. Schon über zwei Jahr hätten die Genertüstaata 
verschiedene , geistliche Personen und Pfarrherren" aus Jülich und Berg h 
Reinberg und Orsoy gefangen gehalten; alle Remonstrationen seien vergft 
bens. Der Kurfürst werde mit diesem gewaltsamen Eingriff der Staatei 
in die Landeshoheit auch nicht einverstanden sein, and möge daher in die 
eem Sinne nach dem Haag schreiben. 



Resolution des Kiu'fürsten. Dat. Colin a. Sp. 11. Juli 1646i 

f^.Jalt. Mit den bekannten Argumenten; die clerischen Räthe hätten VolbnacW 

weiter zu verhandeln; ausserdem werde der Kurfüri't jetzt selbst an den 
Rhein kommen; die General Staaten haben ihre Vermitt^lung augeboten, dil 
der Karfiirst gern annehmen wird. 

Was die Gefangeuhaltnng der katholischen Geistliehen betrifft, „so ia 
darvon Sr. Ch. D. das wenigste bewusst; können und wollen anch dergtej 
eben hai'te, nnfreundliche, auch die jura territorialia und landesfiirstliclH 
Obrigkeit nicht wenig afficirende Proceduren (wann nur an Seiten Sr. f. D 
den Herrn Staaten durch Turbirung der Evangelischen in ihrem Religionif 
exercitio und Erweisung dero unKcitigen Eifers wider dieselbe nicht Ursaci 
dazu gegeben wird) weder billigen noch gat lieissen". Sobald der Korflira 
in die Lande kommt, wird er sich über den Stand der Sache informira 
lassen. — 

Pfalzgrai" Wolfgang Wilhelm an die clevische Regierung. 

Dat. Düsseldorf 20. Sept. 1646. 

. Sept. Er bittet die beabsichtigteu neuen Tractatcn noch eine Zeit lang aid 

zuschieben, weil er gerade jetzt, während der Verhandlungen über die pläl 
zische Sache in Munster und Osnabrück, seine Rathe dort nicht eutbehred 
könne. 

Zuvor wünscht aber der Plalzgraf ?,ur Erleichterung der Verhaudlnngei 
über vier Puucte versichert zu werden (die uämlichen, wie in der •vorher^ 
gehenden Propobition Weschpfenning's). 




T""^ 



Zorückhaltong der Stäade. 219 

Die Stände von Jülich und Berg an den Kurfürsten. 
Dat. Colin a. Rh. 28. Sept. 1646. 

[Entjcbuldigniig versäumter Antwort. Mit dem Versrleich von 1629 hätten sie 
nichta za thiin. In den Streit wollen sie eich uicht eiDmischeo.] 

Sie eatäcbaldigen, dass sie die verschiedpnen, theils tou dem Kartür- 28. SepS 
rten, theils ron der cleTischen Regierung an sie geriehteteü Schreiben ans 
diesem und dem vorigen Jahr') nicht beantwortet, damit, dass sie wegen 
beständiger Kriegsgefahr lange nicht hätten collegialiter ztIl^ammeIlkommeIl 
tönnea. 

Sie hoffen, der Kurfürst wird nich mit Pfalz-Neuburg so verti'ageii — 

damit die Stand und Eingesessene dieser GUlich- und Bergischen Fttr- 

stcElliiimer deswegen uobefahrt und ilirer uralten Freiheit, Reli^on, 

Privile^en, Raversalen, Recht und Gerechtigkeit «nturbirt und unbe- 

Icidigt bleiben mögen; bevorab uns mit dem zwischen E. Ch. Ü. gn. 

Herrn und Vätern christsel. Andenkens und L f. D. Pfalz-Neuburg ver- 

Büttelst des Graten zu Schwartzenberg Unterhandlung mit einander 

»• 1629 provisionaliter aufgerichteten und berahniten Vergleich wir 

fis nimmer cingemischet, auch nietnalen darzu von ein oder der an- 

''ß'" Seiten gezogen oder berufen worden, also unsers Theils denselben 

*uie8 Ortes hingestellt sein lassen mtlgsen; dannenhero unsere Re- 

""'ßstratiün oder Vennittclung über die vorfallende Streitigkeiten zwi- 

^Oen beiden EE. Ch. und f. DD. bei I. f. D. von Neuburg weaig 

^ten werden, auch dessen uns auzumassen und zu unternehmen be- 

*«*>Wert finden. 

E. Ch. D. hiemit unterth. bittend, gnäd. zu geruhen, unser mit 

"teolchem ^äd. beachchenen Zumuthen in Gnaden zu verschonen und 

^^*€ Furstenthuin und Landen bei ihren uralten theuer erworbenen 

•"^iheit, Religion etc. . . . gnäd. manuteniren und vnr allem unbilligem 

^vpalt gchUtzen zu hellen. 



Wl*kx. 



Der Kiu'fürst an den Pfal2gi*afen Wolfgang Wilhelm. 
Dat. Duisburg 2/12. Kov. 1646. 



^ -i«ige voa seiner Ankunft im Cleviscben. Aufforderung ssu kategorischer Er- 
^^^^tig über die zu leistende äatiafactton, mit Ilindeutang auf eventuelle Zwangs- 

mittnl.] 

E. Ld, erinnern sich guter Maassen, was Wir') an dieselbe we- 12. Nov. 
8^13 der Uns und Unserm Churftlrstlichen Hause provisionaliter zuge- 

'} VgL oben p, 174 ff. 203, 214. 

*) Statt dei araprünglicben „Ich, Meiit" etc. ist im L'oncept äberoll „Wir, 
"«»««" etc. oorrigirt. 



220 



H. Brandenburg and Pfab-NeubiiTg. 




theilten, aber von E. Ld. dem Xantischen Verti-age Bchniirgleich «iL — - 
wider nun bo lauge Zeit vorenthaltener rechten HaJbacheid diese'i^r 
Clev- und Gälistrhen, auch zngehöriger Lande und Uns daher gehül»_— 
render Öatisfactiou zu mehrmalen gut- und freundlich gelangen lasaei]^ . 

Nachdem aber an Seiten E, I.d. ausser dem wörtlichen Erbiete^Ki 
bJB hierzu in etfectu nichts erfolget und Wir daraus fast kein andre ^» 
zu scbliessen, dann dass man die Saeh nur von einer Zeit zur ander^^ 
aufzuhalten und ins weite Feld zu spielen gemeinet; solehes aber ohn- 
Unseru und ünsers Hauses unwiederbringlichen Schaden, auch äusserst - 
Beschimpfung nicht zugehen kann: so sind Wir verursacht wordec=^ 
Uns hiesigen Ungern Landen insoweit zu nähern und dadurch dies 
80 lange angestandene Sach vermittelst der Herrn Staaten Genera 
offerirteii und sowol von E, Ld. und Uns beliebten luterposition z_^=u 
guter beständigen Hichtigkeit um so viel mehr zu beschleunigen; die 
selbe nochmals freundlich ersuchende, Sie wollen Uns nunmehr ob 
längern Aufenthalt (als womit dem Werk an sich und Unsem beide" 
seits Chur- und filrstl. Häusern gar nicht geholfen) dero endliche uB^zrsd 
eigentliche Erklärung, ob Sie Uns behfirige und billige Satisfaction nir~-r 
thun gemeinet, bei gegenwärtigem Unserm Oberwachtmeistem urr^mt 
lieben Getreuen Hansen von der Marwitz unbeschwert zukommen ei 
lassen, auch zugleich solche Mittel, so darzu gnugsam und zureichen^K^ 
fttrschlagen. 

Dadurch wird zwischen Unserm und E. Ld. Chur- und fhr 
Häusern gutes Vernehmen und Freundschalt , darzu Wir Unsera Oir -^rt 
ganz geneigt, hinwiederum gepflanzet und erhalten, andere beeorgenaczziidi 
Weitemng aber, darzu Wir sousten von E. Ld. gleichsam wUrden üeo~=^se» 
sitiret werden, praecaviret und verhütet. Und erwarten Wir noch al- 

hier hierauf E. Ld. gewieriger, uiiverlängerter, freundvetterlicher Fr l" ^ '1- 
rung, nach welcher Wir Uns alsdann weiter zu achten haben werd en. 




15. Nov. Der Pfalzgraf an den Kurfürsten dat. DüSBeldorf lö.Nov. l^^48. 

— Beharrt auf der GmadUge des \'ergleichs von 1629/30 and läugnet die 
RechtiibeBtäudigkeit des Xantenschen Vertrags; übrigens erbietet er sicla '4~ 
V erb andlniigen . 



Der Kurfürst an den kaiserl. Feldmarschall Peter Graf* 
von Holtzapfel Dat. Duisbiu-g 7/17. Nov. 1646. 

[Änsieige seiner Ankunft, and der angeordneten Einquartimag im Bergischeii-l 

17. Not. Nachdem Wir vermittelst göttlicher Verleihung nunmehr alhier ** 
Unser Stadt Duisburg glücklieb angelanget und der Sachen Wicliti^S* 



Hinmarsch io das Eerzogtbaiii Berg. 



321 



kfil erfordern will, dass Wir Uns wegen der zwischen Uns und des 
Berra Pfalzgrafen Ld. schwebenden Tractaten noch eine Zeit lang dies 
Orts «'erden aufhalten müssen: so will wegen des Unterhalts und in- 
•ooderheit der Fourage für Unsere Reiterei etwas Maugel fUrfallen, 
<l»iero Wir dieselbe etlicher Maaasen m eslargiren und in die nächst- 
^elegeoe Bergische Quartier zu vertheilen veranlasset worden*). 

Damit es nun vun des HeiTn Pfalzgrafen zu Neuburg Ld. nicht 

«abin gedeutet werden möge, als wann solches Euch und Euem un- 

•«rbabenden Truppen zum Xachtheil und Verringerung ihrer Quartiere 

öder Behinderung ihrer Fouragirung geschehe und angesehen wäre, 

*ö haben Wir an S. Ld. ein solches Schreiben, wie beikommende Copie 

•oit mehrem besagt, abgchu lassen, welches Wir Euch nicht allein 

oommnnieiren. sondern Euch auch hiermit versichern wollen, dass Wir 

Unsere Reiterei dahin alles Ernstes beordern und solche Anstalt unter 

Jinen machen und halten las-sfeii wollen, dass den Kais. Quartieren 

*lie geringste Ungelegenheit nicht zugefiiget, n<tch sie an ihrer Coutribu- 

tion dadurch behindert werden sollen. 

I Ebenso niDt. mnt. an den hessiscbeii Gcooralm^ar Rabenhaupt. 
Pfalzgraf Wolf gang Wilhelm aii den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 17. Nov. 1646. 
IProtest gegen den Einmarach der brandenbargiachen Trnppeo.] 
Demnach Wir berichtet werden, dass einer E. Ld. Obrist-Lieute- 17. Nov. 
**Äxlen sammt etlichen derselben Corapagnien in Unser Fllrstenthum 
ß«rg sieh eingelegt, auch albereit von andern Orten gedachten Unsera 
*^ttretenthunig in ihre Quartier einige Lieferung an Hafern, Fourage, 
' ivreg, Hühner u. dgl. mit Bedrohung der Militärexecution gefordert 
»*abe: wenn Wir Uns nun nit wol einbilden können, dass solches mit 
**• W. Vorwissen, weniger an» dero Verordnung besehehen sein solle, 
«mteioal hievon Uns von E. Ld. das geringste nit zugeschrieben wor- 
^*^ (da doch in den heilsamen Reichsconstitutionen wol versehen, auch 
*^chen Chur- und Fürsten des h. Rom. Reichs löblich und wol Her- 
***iömen ist, dass dergleichen Ankunft und vorhabende Einlogierung 
^^ü Fürsten, deren Lande berühret werden, vorher notificiret werde); 
^d weil es auch E. Ld. an Comrooditüt, um Ihre Völker in dem Für- 



^^B *) Das Datnnt des Etumarsehs der ersten braDdeaburgischen Trappen in daa 
^^***oftlmm Berg ergibt sich aas den Acten nicht; er wird um lö. oder 16. Nov. 
l^^**When »ein. Ebenso fehlt die Instruction für O. E, von Biirgadorf, auf 
■■K er in geiaen uuteu folgenden Berichten aicL bezieUU 



222 



n. Brandenbarg nnd Pfali-Nenbafg. 



atentlmnj Clevc und der Grafschaft Marok, die Sie der Zeit Tcnnüg te 
Proyisionalvergleichs de a. 1629 und 30 einhaben, zu logiren nicM tr- 
mangelt, wie Wir danii auch Uoaers Theils noeh niemaleD I'ascr Kriegs- 
Volk in das Clcvische oder Märkische eingelegt haben: als ist an E. U. 
Unser freundvetterliches Gesinnen, Sie wollen gedachtem dero Liwte- 
uanteo befehlen, dass er gedachte E. Ld, Völker aus Unsem Linden 
wieder aUftlhreu solle. ^ 



IS.Nov. Autwort des Kurfürsten dat. Duisburg 18. Nov. 1646. 

kurz auf die in frübereu Schreibeo ihm dargelegten XJrsacben. 



Verweilt 



19. Nov 



Instruction für die geheimen Räthe Johann von Norprad, 
Wirich von Bernsow, Conrad von Strunekede und J). Johaiio 
von Diest zur Coiiferenz mit dem Pfalzgrafen. Dat. Duisburg 

9/19. Nov. 1646. 

[Der Xantener Vergleich und die vollkommeoe Gleichlieit der Theile tii 2uit 

der Verstäudi^iiu^. Die Vorachlüge des Pfalzgrafen anzuhören. Nene Y oncUiS* 

des Kurfiirsteu. Anregung eines neuen definitiven TheilungsTertragg.] 

Zuvörder!!t trollen üie wieder auf der Nichtigkeit des Vertrags «"^ 
1629/30 besteben. 

Hingegen BoUen sie an Unserer Seiten uff dem XantiBcbeti Ver- 
trage und dcsBeii AdiinpUrung beharrlich bestehen, und dass Una nw'* 
Anleitung desselben gebdhrende billiguiässige Satisfaction gegeben uud 
alles dasjenige, was Uns und Unserm Hause demselben zuwider «" 
kurz geseheben, hinwiederum erstattet und repariret werden mB^ 
inständig anhalten. 

lu diesem wie dem Halliücben und Dortmundiselien Vergleich i^^' 
sei Gleichheit der Theiie stipulirt. 

Und diese Gleichheit würde das einige Mittel sein, friedlich^* 
Wesen, Liebe und Freundschaft zwischen Unseni beiderseits Häuser*' 
zu restabiUreu und beständig zu erhalten. — Und weil Wir bei ^®' 
sein Puuct aus Sr, Ld. itzigem Schreiben befinden, dass Sie von dies^^y 
Xantischeti Vertrage, und dass Sie denselben ToUnzogen, fast gar nic*^ 
wissen wollen, sollen Unsere Käthe das Original desselben zu s»*- 
nehnieu, den Pfalz-Neuburgischen Deputirteu solches ftlrzeigeu ii** 
dadurch Sr. Ld. auch dieses Dubium benehmen. 

Sollte dann über Unser besseres Verhoffeu dieses alles an l^fa^' 
Neuburgischer Seiten nicht attendiret, noch einige Rutionea admitti«'^ 
sondern der Provisionalvergleich de a, 1629 nochmals beharret ^'^ , 
den wollen, so haben Unsere Käthe, doch praevia protestatione i**^ 



FordentQ^eD bei wälireader Occnpstion. 



223 



ich, zu vernehmen, wie dann S. Ld., oder sie, die Deputirte, 

seo Vertrag eigentlich verstanden haben wollen, auch welcherge- 

It S. Ld. denselben zu adimpliren geiueinet; insonderheit aber, ob 

welchergestalt Sie die im Neljenreeess Uns versprochene und ge- 

AbtrctuDg der C'ontrihutionen reciproee bewilligte 186,000 Kth, 

nguriä a tempore morae, auch allen eausirten Schaden zu zahlen 

abzuführen; 2) ingleichen, wodurch Sie Uns den grossen Scba- 

f tiud Abgang, so Uns dadurch, dass S. Ld. nun ins 16- Jahr die 

iie Grafschaft RaTCnsberg (das einige wenig importirende Amt 

Teasberg ausgenommen) allein genossen und Uns zur Ungebtthr 

■enthalten, entstanden, zu ersetzen gemeinet 

Was sie sich nun hierauf erklären, auch was sie etwa fllr media 
isfactionis fUrschlageu werden, das haben Unsere Rätbe ad notaui 
kehmeD und Uns nnsäumlich zu referiren. äollten sie mit der alten 
mt alhier, dass nämlich der Ilerr Pfalzgraf die 186,0<X) Kth. pure 
lit promittiret , sondern sich allein ad operam et diligentiam ver- 
igiret, item das» S. Ld., so >nel die Grafschaft Ravensberg aatrlfll, 
ht in mora gewesen, aber gleichwol zur Liquidation sich verstehen 
Inach Belindung Uns gerecht werden wollte, aufgezogen kommen: 
Riesen Unsere Räthe vorhin albereits und haben hiervon in mehr- 
ueltem Unsenu gedruckten Schreiben sattsame Nachricht, wie sie 
shen oicbtigen Einwänden begegnen sollen. Insonderheit sollen sie 
i^ doch nur eveutualiter und cum protestatioue, auüiehen, 1) dasa 
«uch uff Bolcheu Fall, wann es beim Provisionalvergleich ver- 
1, dannoch Uns xu einiger Liquidation, ehe und bevor dem Ver- 
!b in allen Punctcn und Clausulen ein völliges Geutlgen geschehen, 
die Grafschaft Eavensberg in die Genieiuschaft wirklich gestellt. 
Dm wegen vorenthaltener li.y ähriger Abnutzung behörige Erstat- 
5 geschehen und dann 4) die 186,fX>0Rtb. cum usuris realiter ge- 
gar nicht verstehen könnten noch wollten. 
ei dieser üccasiou können Unsere Käthe femer unter der Hand 
en, ob nicht S. Ld. zu bewegen, Uns die Grafschaft Bavens- 
dergestalt und also, wie Sie dieselbe bis bieher genossen, uff 
15 Jahre provisionaliter zu Überlassen und dann wegen der 
hrten 186,00(J Rth. Uns darzu die Herrschaft Ravenslein und 
em Herzogthum Berge uffs wenigste die Aemter . . . ') mit allen 
ngen, dieselbe auch ufl' In Jahr inue zu haben und zu gemessen, 
KurUunien: so möchten Wir nelleicht zu bewegen sein. Uns um 



Die Nameu dot Aemter felileo in deu CoiicepL Vgl. obuu j>. 188 f. 



224 



n. Brandenburg and PfiUi-Ketibarg. 



Friedens willen, obgleich Unsere Forderung ungleich höher anliefe, 
provisionaliter damit begtltigen zu lassen. Uns hingegen dieser 0n- 
aerer Praetension, ingleicheu der obspeeificirten 18(l,fX>0 Rth., der Zin- 
sen und causirten Schäden zu begeben und darauf Uns mit Sr. Ld. einC8 
neuen Provisionalvergleichs uff die folgende Ifi Jahr freundlich zu 
vereinigen. Jedoch werden sie caute hierin gehen und diesen Vor- 
schlag nur vor sich und mit Protestation, daäs sie deaaen von Uo» 
kein Befehl hätten, fürbringen und Uns hicrllber im geringsten nicht 
verobligiren, sondern Alles, was hiebei vorgehen möchte, weiter niebt 
dann ad referendum nehmen. 

Und eben uff solchen Schlag können sie auch weiter sondiren. 
ob dann S. Ld. zu einem perpetuellen und ewigen Erbvertrag (s'* 
auch noch wol unter währendem itzgedachtem Provisionalvergleicb 
geschlossen werden könnte) nicht geneigt, und da sie dergleichen 
verspUretea, haben sie discursweise weiter zu veniehnien, ob aiicb 
S. Ld. üff solchen Fall mit dem Fiirstenthum GüHch, Ravenstein a«»^ 
den Flandrisehen GUteru, oder pro extremo mit itzgemeltem Stlick 
und dem halben Herzogthum Berge content sein und das übrige tT** 
und Unserni Hause llberlassen möchten: so könnten alsdann Wir l>^i" 
derseits in ein rechtes Vertrauen so perpetuell zusammentreten u.*^^ 
den am Kaiserl, Reichshofrath sehwebenden Proccss durch Geaammtt»*'' 
diente wider das Haus Sachsen betreiben und ausführen und Uns aß- ^^ 
conjunctis animis et viribus wider alle andere Praetendetiten bei d»^' 
sen Landen mit mehreren) Nachdruck mainteniren, auch dabei unt*^' 
Unsem beiderseits Häusern ein pactum mutuae successioiüs aufjg^ 
richtet werden. — 



Pfalzgraf WoLfgang Wilhelm an den Kui-fürsteii. 
Dat. Düsseldorf 19. Nov. 1646. 

[Nene VerzögeruDg der ConfereoE. Protest gegeo die gescheLeiie Einlagerung 
braDdetiburgischer Truppen im BergischeD.J 

19, Nov. Neues Deductionasclireiben für die Rechtsbegtändigkeit des Vergleichs 

vou 1629 und 1630. — Zu weitereu Verhandlungen werde er seine Räthe 
pchickeu. 

Nachdem aber Unsere Räthe, die von dieser Sachen den besteo' 
Bericht haben, nicht bei Uns alhier, sondern zu Münster sich hefindeu, 
haben Wir zwar dieselbe beschrieben, weil aber, bis sie erscheinen 
und alhie der Nothdurft nach instruirt werden köuuen, eine Zeit er- 
fordert, und Wir kein Bedenkens haben, dieselben zu E. Ld. uacher 
Cleve zu schicken : so wird nicht nüthig sein, dass dieselbe deBbalber 



1 



J 



VerhaiKllQUgCD bei währeuder Occupation. 



225 



^^'t 



sich inmittels zu Duisburg aufhalten. Viel weuiger werden Sie ge- 
meinct sein , Ihre Vßlker in Unser inhabender und mit E. Ld. Herrn 
Vätern also accordirteo Landgränz . . . dergestalt, dass die noch wenig 
Bbrige irnterthaneuj Uns ihre Erbscliuldigkeit uud Dienst nicht lei- 
sten. Doch weniger aber zu nötbigen Mitteln, welche zu Defension und 
CüBgervation Land und Leut und Abwendung derselben mehrer Ge- 
falir und Schadens angewendet werden mflssten, die Nothdurft hei- 
steueru und zugleich sich selbst bei häuslichem Wesen erhalten und 
Mubringen können, Ihr Kriegsyölk (die sich schon in nelen Dilrfern 
terstanden, nit allein viel Habem und Fouragie, sondern auch Ochsen, 
Hnken, feiste Hammeln und Hühner, auch Bier abzufordern, wel- 
es auch sogar in dem Bezirk Unser hiesigen Aussen - Bürgerschaft, 
welche doch von Kaisersehen und andern kriegenden Theilen bisher 
irechunet worden, bcscheben) länger auf dem Hals liegen zu lasaeu und 
iien die Mittel, Uns die Erbschuldigkeit und Beisteuer zu leisten. 
Doch ferner zu entziehen und sie femer uud länger zu iuconiniodiren 
und zu bedrängen; sondern Wir versehen Uns vielmehr zu E. Ld. 
freundlieh, Sie werden uneingestellt verordnen, dass sich dero Soldaten 
""it guter Ordnung und ohne einige fernere Abnahm und Beschwe- 
"iug Unser Unterthanen, aus Unseru inhabenden Landen in das FUr- 
nthuu! Cleve oder Grafschaft Mark begeben, auch sich hinfÖro nit 
eder auf Unsere Unterthanen legen, noch mit andern Excursionen, 
£i>eli andern Exactioneu sie beschweren. — 



|K« clevischen geb. Räthe Norprat], Bertisaw, Striinckede und 
-t>iest an den Pialzgrafen. Dat. Duisburg 21. Nov. 1646. 

J« Trappen bleibeii einstweileD im BergieclieD; Exceseeu iull vurgebeugt wer- 
liaa. LaduDg zur (jonferenz.] 
Antwort auf das Torige. Wiederholte Deduction zu Gunsten desi Xau- 21. Nor« 
ischen Vertrage, — 
Die Soldaten beireffend, welche 8. Ch. D. ins Bergische Land ein- 
|1.^*artiert bat, wann dieselbe exorbitirten. werden die Ufficierer, wann 
l*^*leieB die Beamten ihnen vorbringen und remtnistrireu, gebtlhrlich rc- 
r**«diiren. Wegen Abführung derselben wollen wir E. f. D. Begehreu Sr. 
L^~^. Ü.. weiln dieselbe auf etzliehe wenig Tage von hinneu verreist, 
ibührlicb hinterhriugen und dero gnäd. Verordnung unterth. erwarten. 
füjwisclicti möge dtr fialzgrul bald seiue Käthe hiehcr schickt-u, so 
'ie «if ilim ilire für Jic-e Vcrliaüdluug ausg^btellteu Crcditi»i' uberscbickeu. 



lUter. tiD Citcb. d. Gr. Kutfi»«t(?u. IV, 



16 



226 



n. Brnndenburg und Pfalz-Neubnrg. 



'■2I.N0V 



27, Nov. 



Georg Ehrentreich von Biirgsdorf an den Kurfürsten. 
Dat. Duisburg 21. Nov. 1G46. 

E. Ch. D. ^äd. Ordre habe nach dcro Abreise ich in unter 
Devotiou mit gebiüirender Reverenz empfangen. Wie ieli nun n 
Herzen wünsche, dass E. CIi. D. an dem vorgenrimnieneu Urte n 
guter Disposition nicht allein angelangt sei, besondeni auch daseli 
erwünschtes Contentement erlangen mögen, also werde E. Ch. D. gaä 
Ordre unterth. Parition zu leisten mir eine höchste Lust sein lasse: 

Und demnach der Herr Ffalzgraf von Xeuburg bei seiner aV 
Gewohnheit zu bleiben vermeinet ... so kann ich nicht vorbei, 1 
E. Ch. D. obgenielten mir gnäd. eitheiUen Ordre die noeh übrige 
l»en und die vier Conipagnicn z. F. /.usauimenzuzieheu, mich zu de 
albereits im Bergischen sieh vorfindenden Compagnien damit zu er- 
ben und sodann ferner (weil die letztberöhrte Compagnien an de 
Ocrtern, da sie jetzo liegen, nicht \'iel mehr zu leben, indem die Le 
alles in die Städte und feste Häuser gefltlchtet liaben) mit denen 
sanuntcn Reitern und Knechten zu avanciren und um mich zu greiPi 
da dann, im Fall wir nur die notlidtlrftigste Lebensmittel erheben ki 
nen, in allem gute Ordre gehalten werden soll. 

P. S. Es besaget auch E. Ch. D. gnäd. Ordre, dass ich fleissi^ 
recognosciren lassen soll, ob sich einige Trouppes von andern Oertern 
gegen mich mnriren möchten, welchen ich dann gcbOhrlicher Maasseu 
den Kopf bieten auUte; im Fall sie aber zu stark kommen möchten, 
also dass ich mich nicht bastaut genugsam befindete, sollte ich luicli 
wenden und zurUckwärts Über die Lippe und Uubr mich retitireii 
Welchem allen ich dann unterthänigst Folge zu leisten verbünd« 
und iiu geringsten nicht mannuiren werde. Allein ist zu betaorgeoj 
daas die Kuhr und Lippe so gross wachsen möchten, dass man mit den 
Trouppes nicht wieder darltber konmien könnte. Ich will mich zvv^ai 
dessen nicht befahren, gleicbwol habe E. Ch. D. ich solches gehol 
samst zu vernehmen geben wollen. 

Antwort des Knrfürsten dat. Haag 21. Nov. 1646, — Billigt sein 
Massregeln; er soll „gute Ordre" halteu und fleissig recoguosciren. 



Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an die clevische Regierung 
Dat. Düsseldorf 24. Nov. 1646. 

[Fordert von neuem die Räumung des Landes.] 

fSi.Nov. — Weil sonsten des Herrn ChurfÜrstens Ld. jetzo von daonen sll 

gereiset, so wollet Ihr Uns, wohe dieselbe anzutrefl'en, berichten; unl«* 




yerhaudlungeti bei wührender Occnpation. 



1 



üsburg 



n aber dero Völker (die der Zeit an den Orten, da sie lieg«n, 
^ Sr. Ld. Versicherung nit dienen können, sondern viel melir tmd 
''illi^er in den Cle^-iseheii und Märkischen Landen unterzubringen, als 
<ä*«8 Unsere ohne das mit den Contributionen für die Kaiserliche und 
Hesgisehe Völker so hochbeschwerte üntertbanen Unsers FUrstenthuras 
Berg . . . durch dieselbe ferner beschwert werden sollen) von dannen 
"nd aus obgemelten Unsem Landen ohne femer Verschieben wieder 
«hfordern. J 

^►ie clevische Regierung an den Pfalzgrafen. Dat. Duisburj 

25. Nov. 1646. 
(Concept von Norprad.) 
[Fordert von nenem die Seuduag aeinur Räthe zur Coiifereni.] 
E. f. D. gnäd. Antwortschreiben vom 24. Kov. haben wir heut mit 
outerlU. Reverenz emjifaugco, den Inhalt mit uiehierem und unter an- 
dern verstanden, dass E. f. D. sich in keine Schriftwcchselung, darzu 
wir auch nicht befehliget, einzulassen, sondern mit L Ch. D., unserm 
gnäd. Herrn, selbst zu tractiren gemeint. Wann nun böcUstged. ö, €b, D. 
tiei dero Abreise nach dem iiage uns in dero bubeni Kamen in specie 
^li diesen Tractaten vermög des Üriginalcreditivs gnädigst committirt 
"öd darneben vollkommlicb instruirct, so stellen wir oochmaleu zu 
**- f.D. gnädigster Erkliirung, ob dieselbe, um Zeit zu gewinnen und 
*l^n Sachen /.a Unterhaltung und iJtabilLrung mehrer Freundschaft desto 
"älief in treten . dero Itäthe mit genügsamer VuUuiacht anhero zu 
scliitkeu gnädigst geruhen woUeu. Die Abführung der Völker betref- 
•eud, tia haben wir Ör. Ch. D., unscrui gnäd. Herrn, E. f, D. Schrei- 
"^Q zu deroselben gnäd. Verordnung uuterth. hinterbracht. — 



t9 



v»eorg Ebrentreich v. Biirgsdorf an die clevische Regieru: 

Dat. Hauptquartier Bülck 26. Nov. 1646. 

i**»-icht aber sein Vorriickeii jeuseit Düsseldorf. Verliandlung mit dem Pfabg- 
~^*^B. Besehroibtiiig der eiugeuomiueneu Pusitiou; Bitte nm Naclirichteti vom 

"»■riftrateü. J^chwierigkeit der tJitnatiou; böaea Welter; die Buuuru übeful! ge- 
,. '^«^Iftt: die Verpflegung sehr erstliwert, dabfi aber diu Ordre des Korrürsten 

*^*^l zu vt'rfuliriin, Sendungen di's Pfalzgrafen «ach allen Seiten. 



lui 



eines AngriffB der Rückzug: schwierig,] 



m 



k'h lasse ineiucn hochgeehrten Herren hiermit dienstlieb unver- 

'""•ten »ein. wie dass ich vorgestern gegen Abend mit denen Übrigen 

*^*Bttagnien zu Koss und dem Kegimente zu Fuss in dem grosseu 

^%enwetter und Sturmwinde zwar in die Quartiere jenseits Kaieers- 

16* 



228 



IT. BrandenbaTg und Pfab-NBuborg. 



werde angelang:et, daselbsten aber ein sehr weniges nnd fast gw iiifto «^ 
an Vivres, so die Leute aus angrenzenden Quartieren einsenden iokt 1 
gefunden; al«o dasa ieb gezwungen worden, laut der in Händen In- '• 
benden Ordre, dieseeits Kaiserswerde und Düsscldurf samint Wm B 
Begimentem zu Pferde und Fuss zu avanciren, gestalt ich dann pr 
Stern Abend, war der 2.'). hiijiis, alhicr zu Btllck anbelanget undfüt 
beedeo Dörfer Hani und Fllle ncbcns diesetti beleget, wiwtelbst & 
Völker eebr enge gespannt zusammen liegen müssen, Indenie ich uim 
die Passage ein ziemlich Theil WegeH vor Düsseldorf vorbei m» 
men habe, bat der Herr Pfalzgraf von Neuburg den CouiniandantBi 
aus Düsseldorf zu mir berausge»audt, wiewol in der Meinung, im 
der Oberste Lieutenant Marwitz noch einzig bei den Völkern »ein 
würde; als aber vorgcmelter Commandant mich angeti'offen, hat eruf 
Befehl seines Fürsten ineine Ordre zu sehen begehret, welche ieb \h)t 
zu zeigen keinen Befehl gehabt, besondern dieselbe ihm mlindbch fuf- 
decket, und dass ich aus Mangel der Zufuhr, wiewol mein Obersler 
Lieutenant solche iiusgeschriehen, aber doch in währender Zeit in 
wenigste nicht erlanget bütte, dieser Endes heran niarschiren müsätii) 
mich auch sofort dahin resolviret, im Fall Ö. f, D. die VerordDung 
thun wollten, hiermit vor die Völker einige Zufuhr jenseits Kaisers- 
werde Ubersandt werden mHchte, wollte ich wiederum in selbige Quiif- 
tiere gehen und daselbst fernerer Churf. Ordre gewärtig sein, in Ver- 
bleibung dessen aber könnte ich nicht vorbei, mich mit denen Tronp- 
peu dieser Oerter bis zu Erlangung genielter Cbnrf. Ordre aufzuliftH«" 
und zu logireu. Was der Herr PfsiUgrai' nun hierauf resohireu wiri 
bin ich heut oder morgen an wartend. 

Sonsten liege ich dieser Oerter in etwas hoch heran und li»''* 
uff einer Seiten die Berge, uff der andern den Khein; wiewol i"'' 
noieb über denselben so uugewarneter Sachen nichts zu vermntlißO) 
weil ich von einem und andern Orte noch einige Correspondeni '" 
Überkommen vermeine, gestaltsam meine hochgeehrte Herren aui'li "*'' 
mir Verlass genommen, einige Erkundigung von Seiten der Gnifscb«*^ 
Mark einzuziehen und mir zu advertiren, deren mich dann auch r^^' 
sehen will, und dahero auch verhoffe, um so viel mehr sicher *" 
gehen. 

hl Vorsehung dessen nun habe meinen hochgeehrten Heiren ^* 

solches dienstlich hinterbringen wollen, wie ich dann auch fenier "-^ 

r» 



nenselben von des Herren Pi'alzgrafens erwartenden Kesolutiou p*' 
zu geben nicht unterlassen will. Meine vielgcehrte Herren hierbei 



suchende, mir desselben durch den abgesandten Trompeter getl»*^ 



Bericht ßwgsdorf a von der ExpeditioB. 229 

OB ohn Beschwer zu entdeckeo, wie auch, ob dieselbe von 
D. glttcklicheu Ankunft uicht eini;^e Gewigsheit erlanget, micb 
ländijren. 

S. Auch, lioi'hgeehrtc Herren, denenaelben muss ich hierbei 
eses mein weuiges Bedenken eröffnen, dass allem Ansehen 
diesem nunmehr ein^fallenen continuirlichen bösen Sturm 
fenwotter, da das Erdreich so weich und vidier Wasser wird, 
hem danu die Reuter täglich, ja stündlich travallieren und 
ts aUard sein mttssen, man wenig zu dieser Sachen dienliches 
fird tentireu können, zumalen auch da die Bauern in hieBigem 
ttuiuie aus allen Dörfern entwichen, dag Ihrige in die Städte 
!e Häuser geflüchtet, also dass man dahero keine Lebensmittel 
I kamt; und dafern man gleich etwas durch Zwaagesmittel 
ilUe. lasset nur solches die in Händen habende Ordre keines- 
;a, sondern befiehlet mir, alles mit Discretiün zu suchen, durch 
aber weniger als nichts zu erhalten ; massea mir dann gestern 
r Pfakgraf durch dessen Commandanten aus Utlsseldurf sagen 
er sehe nunmehr wol, wie es gemeinet wäre, weiln ibme so 
kes in sein Land gefilhret würde, da er ihm doch zuerst ein- 
hätte, es wäre nur dasjenige Volk, so S. Ch. D. zu Ihrer 
mitgebracht. 

•jetzo nun sendet er auch hin und wieder seine Einspänniger, 
ter und Diener dies- und Jenseits des Rheines aus; zu was 
rt mir anbekannt und habe auch solche Ordre nicht, dass ich 
n ihrer Verriehtang halber einziehen und befragen darf; da- 
es auch gleich thue, so finde ich keine Briefe bei ihnen und 
n mir auch ihre Verrichtung nicht. Dafern auch dieser Oerter, 
ich mich dessen so bald nicht versehen noch vermuthen will, 
ider mich vorgenommen werden sollte, dagegen ich mich nicht 
heündeu möchte, wllsste ich nicht, wie oder wo • ich füglich 
ktira<le suchen sollte; ziimaln das Wasser von dem Gebirge 
skem so zusammen gelaufen, dass ich fast bei drei Stunden 
|ri»racht, ehender die lYouppen gestern Abend durch einen 
Inchiren künnen. 

sen beeden Reutern werden meine hochgeehrte Herren diese 
ber Quartier geben zu lassen befehlen, damit sie morgen, ge- 
itt, wiederum bei mir sein köuueo, da sie mich dann wiederum, 
der Herr Pfalzgraf sich was reeolviret, zu MUllicbum, jenseits 
verde, anfinden sollen. Diesen Brief bitte ich St. Ch. D. bei 
zu tlhersendeu. 



330 



n, Brandenburg tiod Pfalz -Netiburg, 



I 



^B Georg Ehi-entreich von Biirgsdorf an den Kurfürsten. | 

H Oat. Quartier Mülliehum ') 28. Nov. 1646. 

^H [Bericht äher deo Einmarsch, Poitlioa etc. wie vorher. Verhandliing mit He«^° 

^H V, Prankenberg. Burgsdorf bei dem PrahgrafeD in Düsseldorf siir Tufel: »'*'" 

^H cheo ELndmck die Maasregul des Kurfürstt'n auf ihn gemacht; sein Widerwi*!* 

^H gegen die cleriichen Rälhe: er will mit L'avalieren verhandeln. Er sagt die L#»^* 

^B . femng von Proviant anf 3 — 4 Tage zu ; Burgsdorf rieht sich von Düsseldorf ^ " 

^B riick; Rechtfertigung dieses Schritts. Schilderong der aehr precären Lage ci*^ 

^^1 Expedition; die Truppen finden weder im fremden Doch io) eignen Laad Mit 

^H zum Unterhalt. General Melaader zeigt sich barsch. Der Pfttlzgraf Ünsserst eKX 

^^^ röstet. Die Einwohner für Kriegafsklle praktisch eiDgewühnt. Trostlose Aux 
^^ Bicbteu.] 

28. Nov. E. Ch. D. lasse ich hiermit in ünterthanigkeit unverhalten eeiD 

das» dero gniidigeten Ordre g^emslse (weiln der Herr Pfalzgraf zu Neu- 

I bürg sich nichts erspriessliches gegen E. Ch. D. liinterlasseue Clevi- 

^^ vische Räthe resolvjren wollen) ich mich mit denen annoch im Duis- 

^H burgiachen gelegenen Völkern zu Pferde und Fuss dieser Endes, alwo 

^1 der Oberst- Lieutenant Marwitz mit denen andern Trouppen bereits 

^V logiret, erhoben. Und weil ich in solchen Quartieren diesseits Kai- 

^H serawcrde das geringste nicht zu leben gefunden, der Oberste Lieute- 

^H nant auch fielbgt auf sein Ausschreiben nichts erlangen krinnen, indeme 

^B die Leute aus denen hemmgelcgenen Dörfern alle entwichen, das 

^1 Ihrige in die Städte und feste Häuser gcschaffet, der Herr Pfalzgraf 

^H auch überall verboten, dass man uns keine Zufuhr tinin sollte, so habe 

^H ich, gezwungen um Lebensmittel zu suchen, höher an und jenseit 

^B DUsseldoif (weiln sonsten zwischen dies und hier keine Dörfer mehr, 

^B da einige Lebensmittel zu erlangen, vorhanden gewesen) nmrschiren 

^H mtlssen. Indeme ich nun vor Düsseldorf unumgänglicher Maassen 

^H vorbei und so nahe, dass man micb mit Stücken erreichen können, 

^H geben müssen, hat der Herr Pfalzgraf seinen Gommandeur aus der 

^H Btadt zu mir gesandt, mich durch ihn fragen lassen, warum ich dem- 

^H selben so nahe käme, und üb ich deshalb Ordre hätte; selbige sollte 

^1 ich ihme zu verlesen Übersenden, Darauf habe dem Herrn Pfsdzgrafen 

^H ich zur Antivort sagen lassen, wann ich keine Ordre und an denen 

^H Oertern, da ich gestanden, Lebensmittel gehabt oder solche erlangen 

^^ kSnnen, wllrde ich ihme so nahe nicht kommen sein; dass Sr. Dchl. 

^H ich die Ordre aber zu verlesen einsenden sollte, ein solches wäre in 

^H derselben nicht enthalten ; ich wllrde utf die uilchst erlangende Dörfer 

^H gehen und daselbst vor micb und die boihabende Völker nothdfirftige 

^P Lebensmittel suchen. Worauf gemelter Commandant wiederum in die 

^^L ') Sic. Mühlheim an der BnhrT 



I 




Bericht Bnrgidorfs von der Expedition. 



23 J 



^B Stadt geritten, ich aber mit denen Völkern micb in drei der Stadt zu- 
^Haftchst gele^'cne Dörfer, worinuen die Bürger auch ihr Häuser gehabt, 
^HvOfgen der hereingefallenen Nacht logirt, da dann ia zwei Häuser eine 
^ Compagnie biliettirt worden. Ich hahe aber an solchen Orten, welche 
noch fast Tor die besten im Fftrüteiithuiu Berede gehalten worden, we- 
niger dann uicbta gclunden, da die Leute alles in die Stadt und 
ttbem Ehein geflüchtet, ja auch selbst aus ihreu näusera entwichen 
gewesen. Nicbt» da minder, so habe ich selbige Nacht alda stehen 
"ind um mehrcr Sicherheit willen, weil uff einer Seiten der Rhein, uff 
der andern die Berge und hinter mir die Stadt Düsseldorf am näch- 
sten gelegen, gute Wacht aussetzen lasseu, welche dann dem Herrn 
Pfalzgrafen ziemlich nahe au seiner Residenz zu sein gedeuchtet. 

Des andern Tags aber ist der junge Herr zu Frankenberg, 

Welcher gleich in Düsseldorf anwesend war, zu mir herauskommen, 

'ich gestellet, als ob er einige PrivatgescbUfte oder Visite vor seine 

Person bei mir verrichten wollte, da ich doch so viel verspüret, dass 

w Vom Herrn I'falzgrafen instigtret gewesen. Selbiger nun hat mir 

'^rtchtet, dass der Herr Pfalzgraf gar malcoutent über meiner Ankunft 

*ärc und wol leiden möchte, dass ich wiederum mit denen Völkern 

Toa dannen wäre, weiln zu besorgen, dass so viele Volkes, die in 

•""eien Dörfern, worinnen wenig Häuser wären, so enge gespannet 

"Ken, nicht wol hauseu und das wenige Futter, so sie noch etwa an 

Hetj uud Stroh tiudcD möchten, alles consnmiren würden. Worauf 

"^^ deme von Frankenberg geantwortet, dass ich es nicht zu än- 

Q^ni wüsste, weiln die Leute alle verlaufen und das Ihrige hinweg- 

ff^ bracht, der Herr Pfalzgraf auch verboten hätte, mir nichts zu ge- 

•*^Äi; Sil müsste ich im Laude suchen, ob ich was finden könnte, da- 

*'t»o zu leben; wollte aber der Herr Pfalzgraf die Verordnung machen, 

"**ss ich Zufuhr aus deneu Aemteru oder Kirchspielen überkäme, so 

wolUc ich siifurt wiederum in die hiesige Quartier diesseit Kaisers^ 

^'enle rücken und hicselbst E. Ch. D. ferneren gnädigsten Ordre ge- 

w^Äjtig sein. Worauf der Herr zu Franke nberg geantwortet, er 

'*'wlltc solches dem Herrn Ffalzgrafen unterthäuig hinterbringen, Interim 

*oer ersuchte er mich vor seine Person de:* andern Tages zu Mittage 

'** Uusseldorf sein Gast zu sein, wesfalls ich mich entschuldiget, und 

^'^^igewandt, ich mUsstc zuerst des Herrn Pfalzgrafens Resolution ha- 

"•^ womach ich mich zu achten hatte. 

Darauf ist der von Frankenberg hinein geritten und hat sol- 
* "iea dem Herrn Pfalzgrafeu hinterbracht, welcher mir sofort des an- 
•»eni Tages, als gestern frtthe den 27 ■ hujus, durch eeinen Conmiaa- 



333 



n, Brandenhorg nnd Pfalz- Neuburg. 



deur diese Resolution, das» er mir uff ein Tag drei oder ?ier, bti 
E. Ch. D. wiedermn zu Duisburg anlangeten, Zufuhr thnn lassen wollt«, 
sagen und dabei bej^cbren lassen, ich möchte selbigen Mittags zu ibm 
hinein kommen und Tafel mit ihm halten. Worauf ich dann m Sf. D. 
hinein geritten und von deroselben zivar gnädig empfangen worden, iitier 
wol so viel verspüren könneu, das» deroselben ziemlich nahe auf den 
Fnss getreten sei, welches dann bei deroselben sensibel genommen 
worden, und haben S. D. einige Discurse geftlbret , so E. Ch. D. iek, 
geliebts Gott, untertbäuigst referireu werde. Worbei Sie sieb »atb 
ausdrücklich heraus gelassen, mit deneu Cleviseben Käthen nicht mcti 
zu tractiren, weil alles LUgen wären, so dieselben anbringen thSte», 1 
besondem 8. D. wollten einige Cavalliere an E. Ch. D. spediren uni I 
einen richtigen Vergleich mit deroselben treffen und tractireu lassen. 

Und weiln dieselben mir dann die Zufuhr au Vivres nochmals uff 
ein Tag drei oder vier mtlndlich versprochen, so bin ich heute frah^ 
wiederum aufgebrochen und in hiesige Quartiere diesseits KaiserswertJ^ 
gerUcket; in Betrachtung, dass, wann ich gleicli an selbigem Orte jetHj 
seits Düsseldorf, in solchem vorgemelten Schluftloche, da keine Leben 
mittel vorhanden gewesen, hUtte stehen bleiben sollen, oder ja weit« 
in das Gebirge, da auch nichts ist und die Leute alle binweggelau 
fen, marschiren sollen, so hätte E. Cb. D. Ordre in diesem Fall io 
auch tiberschritten ; dann darinnen ausdrücklich enthalten, dass uff 1 
gebenden Fall, da ich mich einziges zu befahren hlltte, ich mich 
den Lippe- und Ruhrstrom halten sollte. Nun wäre mir eine waii 
ünuiögliehkeit, wann ich jcuseita Dlisseldorf oder höher im Gebt 
stehen und mich einiges, so ich nicht bestehen könnte, rencontriren 
sollte (gestaltsam ich nicht wissen kann, was der Herr Pfalzgraf et 
vorgenonmien oder durch andere thun zu lassen gemeinet hätte; sin 
maln er hier und dar Aussehiekungen gethan, deren Bedeutung mir 
aber unbekannt), dass ich meine Itetirade au solche Ströme zurßcke 
nehmen können. Darum, weilu ich im Kriege nicht gelemet, dass 
mau hiuter sich das Loch sollte zumachen und sieb in einen Sack 
treiben lassen, so habe ich mich mit den Völkern vorgedachter Maasaa 
wiederum uff auhero hegeben wollen, hieselbet erwartende, w^as dd 
Herr Ffalzgraf an Vivres zufuhren lassen wird. ■ 

Alldieweil denn, gnädigster Churflirst und Hen-, vorberegter Maassefl 
ich von dem Herren Pfalzgrafen mich mehrerer Lebensmittel, als afl 
vier Tage, albier niciit zu verseben habe und E. Ch. D. in VerflieeguiiB 
derselben Welleicht nicht anlangen möchten, iviewol dieselbe deniA^ 
kunft bis auf den 2. Dceemhcr augesetzet, so weiss ich in Wahrha 



im 




Beriebt BorgsdorTs tod der Ezpeditioa. 



233 



keine Mittel mehr, vor die Völker Lebensmittel zu erbeben; dann ob 
ich gleich in das ganxe FUrsteuthum ausöetiden wi>Ute, so ist nirgend 
oichtfl zu erlangen, tuid die feste Häuser i>der Städte mit Gewalt an- 
«ugreifen, habe ich keine Ordre; E. Ch. D. aber in gnädigste Consi- 
deration fassen können, dass die Vfdker so Nachts als Tages in deine 
eine Zeit heru gewährten und nuch ungestümen Bturm uud Kegen- 
wetter Traraglien und Wachen, wie deren Schuldigkeit ertV)rdert, aus- 
stehen mtlssen, dass dieselbe dannenhero auch Lebensmittel von Nö- 
tben: als ersuche E. Ch. D. ieh hiermit unterthanigst gehorsam, Sie 
geruhen so gnfidig, im Fall dero Wiederkunft sich annnch fernerhin 
erstrecken möchte, mir indessen fernere gnädigste Ordre, wie ich mich 
femer tu verhalten, zu ertheilen; ob ich mich ehva uff sidchen Fall 
•nit denen Völkern wiederum ins Duisburgiscbe, woselbst auch nichts 
mehr übrig, oder anderwärts hinweudeu aolle; dann mir nicht zu ver- 
»ütworten stehet, dass ich die Völker wegen Maugel der Lebcosmittel 
lum Ruin kommen lassen solle. Erwarte hierauf E. Ch. l). gnädigste 
Resolution in aller Unterthänigkeit. 

Schliesslich soll E. Ch. D. ich auch in Untertbilnigkeit nicht ver- 
fallen, flass ich heute im Vorbeireiten bei dem Obersteu Flaus in 
Kaüerowerde gewesen, welcher seine uuterlbäiiige Dienste an E. Ch. D. 
*•* repräsentiren mich ersuchet, mir auch dar bei berichtet, dass er 
^- Ch. D. Schreiben durch einen Expressen an den Herrn General Me- 
'a Odern gesendet, welcher ihn bei acht Tagen hiltte suchen müsse n 
"Od endlich zu Bonn bei Ch. D. zu Colin gefunden, da er demselben 
^* Schreiben überreichen lassen, aber nichts mehr zurllekgcbracht 
*'* ein kahles Kecepisse, woraus E. Ch. D. die gute Affection leicht 
*^e8sen können. 

Ja, E, Ch. D. kann ich dieses zum Ceberfluss unterthanigst ver- 

•chern, dass ich dem Herrn Pfalzgrafen so nahe ufTm Fuss getreten 

***>(i das Herz geruhret habe, dass es aut-h nicht höher kommen k«n- 

^1; dannenhero er auch öffentlich gesaget, dass ihm sein Lebetage 

^^lUer so nahe gekommen wäre. Wie dem alleu aber, da er gleich 

"•eruber entrüstet und verursachet worden, mir uff die drei oder vier 

*Se Zufuhr zu senden, und er niOchte vernehmen, dass E, Ch. D. 

*Qtioch iu etzlicher Zeit oder Tagen nicht anlangen sullteu, würde er 

''^Urch nur veranlasset werden, in seinem Prmios fortzufahren, mich 

^f^ser Endes mit den N'ölkem liegen und keine Zufuhr thun lassen, 

Öa<l\irch dann der endliche Kuin der Völker gewiss erfolgen würde. 

Dft-Hn E. Ch. D. wollen sicherlich glauben, dass die Leute dieses Lan- 

fcs des Krieges dermasscn gewöhnet seiud, dass sie deuaelbeu weniger 



234 



II. Brandenburg: □iid P^lz-Neaburg. 



als nichts achten, ihre Aecker seind besäet, das Getreide haben sie 
ausgedrtiachcn und weggeflilchtet. 

In Bunitna, es stehet fast nicht zu glauben, wie ee dieser Oerter 
bewandt, und waa Gewaltsatnes zu tentiren, habe ich keine Ord«. 
bin aueii darzu zu schwach, ist auch keine Zeit des Jahres dam. 
Also hoffe ich nochmals, E. Oh. D. mir gnädigste Ordre, wie ich niifii 
verhalten soll, ertheilen werden, dieselbe damit der göttliches Bfr 
echützung und mich in dero Churi'. finade unterthänigst ergebend. 

Georg Ehrentreich von Burgsdorf an den Kurfürsten. 
Dat. Quartier MülUchnin 29. Nov. 1646. 

[Ein Brief des Pralzgrafen.' Die Floclizeit des KurfüTStea; Klage über leia' 
gezwungene Abwcseabeit.j 

l29, Nov. Uebersendet ein in dieger Naciit vom PfalKgrafen an ihn (Borgsdori) 

eingegangeDes Schreiljen (s. u.). 

Nächst diesem kann E. Ch. D. ich auch gehorsamst zu bericliten 
nicht vorbei, welchergestalt aug dem Haage Schreiben anhero koniiB*"' 
sammt würden E. Ch. D, inner wenig Tagen daselbst gar gewiss B^'' 
lager halten, und seind auch stdche Umstände darbei geschrieben, da** 
solches wol zu glauben stehet. 

Gratulation dazu. 

Eins aber rauss ich von Herze u heklageu, dasa E. Ch. D. f** 
eine so grosse Ungnade zugrewortea und meine Wenigkeit dero 
hoch deeidcrirte Freudentage nicht wollen gemessen lassen. E. Ch. ^"^ 
in allem, so Sie mir befehlen, ja auch mit Leib, Gut und Blut zu A* 
nen, bin ich zwar schuldig und ganz willig; alleine meines wenig"^ 
Eraehtens hätte dieses mir jetziger Zeit anbefohlene Officium, t** 
Bauern zu placken, wol ein anderer verrichten können. Doch m 
ich alles der Zeit heimstellen und E. Ch. D. gnftd. Willen gebor: 
men. Meine Hoffnung aber hat mich dieses Mal betrogen. Patientin 

P. S. Der Christ- Lieutenant Schön a ich grämet sich fast 2^ 
Tode, wo das Beilager noch fortgehen soll, dass er nicht die untertb' 
Aufwartung darbei haben soll, weil er so weite Reisen desfalla gC- 
than und darauf gehoffet hat. 

S9.Nov. Pfalagraf Woligaug Witheliu im G. E. vou Burgsdorf dal. 

Dü^^eldorf 29. Nov. 1646. Br i^all ho schleunig aU möglieb abziehen; ehtt 
könne er seiae Riithe ÄurUiUorhaudluug nicht seliiekeu; er uud seiu Bruder 
Conrad mögpii seiner Zfit dufür sorgen, dass der Kurfürst friedliebende 
Leute mit den Tractaten heuuftragt. 

In gleichem Sinne unter demselben Dtitum au die clevisehe E«- 
gieruug. 



LO 



&o 








VerhaDdiung mit dem PfaUgnvfeD. 235 I 

[Die clevisehe Regierung an den Pfalzgrafen, o. D. ^H 

(Concept.) ^H 

ingt&tiren die fernere ge&issontticlie TerzögeruDg det> Pfalzfrafcn. Der Kur- 1 

I komme Docb aicbt eo buld: üt sei völlig iiutruirt nud imhii sie beauftragt ■ 

mit den Tracta(«o.] I 

Wir haben E. f. D. Anhvortscbreiben vom 29. Nov. heut iiutertli. 1 

ipfangen und daraus mit mehrercm vemommeu, dass E. f. D. die I 

aetaten in effeetu noch nicht maturircu, dadurch aonsten allen MiBahel- I 

leiten und L'ngelegenheiten hätte abgeholfen werden kennen ; und ob I 

il I. Cb. D., unsere gnäd. Herrn, Meinung gewesen, selbst ehe wie- 1 

r hie anzulangen , so vemehuien wir doch , dass dero Ankunft sich I 

ch in etwa verweilen möchte, derwegen auch der auageachriehene I 

EttUag bis nach den Feiertagen auegestellt. Sr. Ch. D. semd die 1 

!hen vorhin gnugwim bekannt und haben uns auf alle Fälle, wie 1 

f. D. Räthe von uns veruehmen werden, voUkorandich iustruirt, dass, I 

nn E. f. D. dero Käthe gleichfalls also vollkommlieb auf die ganze 1 

ihe instruiren würde, es alsdann ku einem beiderseit-s gewünschten I 

ie in kurzem gelangen wlirde, und werden E. f. U., dass dazu 1 

lit bereits gelanget sei, nicht I. Ch. D. oder uns, dero Käthen, zu- I 

Pireiben haben. E. f. D. nochraaln unterth. anheimstellend, ob I 

it deroeelben gnäd. gefallen möchte, dem Werk mit Effect eiuen I 

idruck zu geben und dero Käthe, die suwol als wir zur Einigkeit 1 

igt und in der ganzen Sachen vollkommlieh instrnirl sein, anhero I 
chicken. — ^H 

Kurfürst an den Pfalzgrafen von Neubm-g. Dat. Haag I 

2. Dec. 1646. I 

taert die neue VerKogerong; gebt auf den Wnüscb des Pfalz^fr&fen ein, 1 

I Csvoliere v«rbandeln zn losieu. InzwiactieD bleibcu die Trappen im Ber- I 

giscbeu.j I 

iWir hätten Uns nicht versehen, dass E. Ld. würden Bedenken -2. Dee,j 

Ragen haben, die von Uns zwischen dem und Uusorn Käthen vor- i 

Bctdagene Confereuz, dieweil Uns die iteise anhero uuvermuthet I 

^gefallen, vor sich lussen zu gehen, wie Wir von Unserm (.'ammer- I 

nn, Oberstallmeistem und Obristen, dem von Burgsdorf, in Unter- I 

Wgkeit berichtet werden. Nachdem Wir dann verspüren, dass Wir I 

M noch wol etzliche Tage dieses Urts aufhalten möchten und E. Ed. 1 

Kuklich vorfällt (dazu Wir danno^h keine erhebliche Ursache se- -J 

B, dass Wir Unsere Käthe hierunter gebrauchen milgen, sondern I 

■ vielmehr einige (javalliers ilasu du^iuliicn wollen, »u lassen Wii- I 



i36 



II. BraDdenburg and Pfalz-Neubnrg. 



Udb solches auch niclit entgegen sein. Stellen es demnach In E, li. 
Gefallen (sofern Sie bei Ihrer gefassten Jleinung verbleiben and be- 
sagte Conferenz viel ehe dnrcli Cavalliers als durch Käthe Terrichlen 
lassen wollen), ob Sie Beliebung wollten tragen, etzliche dero Caf&l- 
licrs deshalber zu verordnen und sie anhero zu schicken, dabei Wir 
dann etzliche von den Unsrigen auch emplnyiren wollen; und soU 
Uns lieb uud angenelim sein, dass da» Werk ulm einige MediatiuQ in 
der Göte möge eomponirt nnd beigelegt vifcrden können. 

Unterdessen verhoffen Wir, es werden E. Ld. nicht übel vemer- 
ken, das» Unsere Völker noch eine Zeit lang in dero Quartiereu 8ul>- 
sistiren und sich daselbst aufhalten mögen, gestalt Wir dann E. L<i- 
liieinit freundlich ersuchen, die unbeschwerte Verfügung zu thun, das* 
berührte Unsere Völker mit nothdürftigem Proviant mögen versehe* 
und also zu keiner Üisordrc Ursach gegeben und veranlasset werde*»- 
Darauf Wir dann E. Ld. freundvetterlicher Erklärung wollen gewärtig 
sein. ^ 



Der Kurfürst an G. E. von Burgsdorf. 
2. Dec. 1646. 



Dät. Haag 



H 



[Hartnäckigkeit dea PfakgfBfeo. Soll eventuell eine Stadt zun ünterliaU i 
Trappen besetzen. Im änsaersteo NolhfaU «oll er die Trappen wieder aoröck-- 

futüfeiL GeldanweiBang.] 

2. Dec. Uns ist der Gebühr nach vorgetragen worden, was Ihr durch Ua- 
sem Major, den von Arnim, an Uns in Unterth. gelangen lassen. 
Nun hätten Wir Uns wol nicht yersehen, dass des Herrn Pfalzgrafen zu 
Neuburg Ld. die von Uns vorgeschlagene Conferenz würde difücultiret 
und LTnsere Räthe refUsiret haben. 

Beifolgend aljermttligeB Schreibeu au deu Pfalz^afen zur Bestellnng' 
nebst C'opie. Ein Schreiben von dem Prinzen von Uranien und eins von 
den General Staaten an deu Pftilzgrafen steht in Aussicht. 

Wir versehen Uns, Sie werden darauf in sich gehen nnd Uns ge 
recht werden wollen. 

Würden Sie aber zu Prcmantirung Unser« Volkes nichts anordnen 
wollen, so würdet Ihr wol dahin sehen, dass Ihr Euch in ein Städt- 
Icin, da noch Lebensmittel vnrhunden, einquartiren und so lang, bifl 
Euch andere Ordre von Uns /.ukomuit, daselbsten verharren möget. 

Sollte dann an keinem Ort Noth dürft zu leben zu finden sein, so 
wollet Ihre dahin veifUgeu, dass die neue mitgekommene Reiter (de- 
nen der General- Lieutenant, der von Norprad, von seinen und des 
Obrlsten Uaken's Regiment ctzliches cuuimandirtes Volk zuzugeben, 



I 



Schwierigkeiten in Feindealaotl. Der Prinz von Oranien. 



237 



welelem auch noch wol eine Compagnie von den alten adjungiret 
werden kann) in die Grafschaft Mark, die anderen aber in ibre vorige 
Quartiere, liisere Leibgiiarde zu Xanten, die Puttliausische in Unser 
Stadt Cleve und die Dragoner um Cleve herum, wie es hiebevom ab- 
g«redt und Unsem Clevischen Käthen ^vissend . . . gelefrt werden mli- 
$ev. Wiewol Wir am liebsten werden sehen, dass mehrbesagtes Unser 
^^olk an dem Ort, da sie jetzo sein, so lang bis steh der Herr Pfak- 
graf auf dieses Unser letztes, wie auch des Herrn Prinzen zu Uranien 
Ld, und der Herren Staaten abgebendes Schreiben erklärt haben wird, 
verbleiben möge. 

P. S, Auch seind Wir gnäd. zufrieden, dass iglicher Compagnie 
20 Pferde 80(1 Rtlu, den Potthausischen iJcXM) Rth. und den Dragonern 
^ioe Löhnung von denen Geldern, so Uns von Unsem Clevischen, 
''ärkiseben und Ravensbergi sehen Ständen bei Unser Ankunft ver- 
"^liget worden, müge ausgezahlet werden. 

Die betreffenden ürdres an diu Stände utnl ciiisclilagende Beamte sind 
eitheilt. — 

[Später stellen sich Scbwierigketten berauii, in Folge deren das Geld 
ßielit gezahlt wird.]j 

F*rinz Friedrich Heinrich von Oi-atäen an den Pfalzgrafen 
von Neuburg. Dat. 2. Dec. 1646. 

I^^t Gelegenheit der jetzigen Heirat des Kurfürsten dringende Aürfordemng sich 

mit ilim zD verständigen.] 

Monsieur. U y a long tempa que je consid^re aveq regret et S. Deo. 

^esplaisir la mesintelligetjce qu"\] y a entre Monsieur l'Eleeteur de 

^Tandenbourg et Yous. jugeant bien iV la veritö aveti tous Ics gens de 

^^©n que cea aigreurs sont nieeseautes entre des pcrsounes de Vre 

^**D(lition si yoyaiues et ei proches de sang et de parentage. Main- 

*^*»a[)t, Monsieur, que je nie trouve ä la veille de veoir mond' Sieur 

*^'eeteur mon proclie alllt |iar le manage de ma fille aisnee, dont, 

^'*üt estre, Von» aurez ouy parier, j'av creu que Yous trouveriez la 

*i8€ de mesdts ressentiments encor plus raisonnable et plus fondie; 

^n ceate eonsideration me suis tenn en quelque surte oblig6 de 

"Ujj eihorter et recomniander, Monsieur, comnie je fay de Ir^s-entiöre 

*^<^ction a Vr« bien reciproque, de vouloir Vous disposer tellement & 

* Raison et aux moyenB de rendre utondt yieur l'Electeur de Bran- 

^*il)(turg content et satisfaict dans la justice de ses prtStensions, en 

^*^ de ce qui en a est^ solemnellement traict^ et arreste ä l'entre- 

"****« taut de la Fraace et de l'Angleterre que de eest Estat, qu'en fin 




238 



n. Brandeubnrg und Pfalz -Neu barg. 



il y ayt mojen de pitrter l'affaire ä un accoinniodement raisonnattlc 
)»üur övitcr et pr^veiiir les iaconveniene , doniagen et desordres qui 
pouirayent prdvonir du contraire. A quoy si Vous m'estimez capaWe 
de rieu contribuer de ma part, je Vous gupplie de eroire que j'y am- 
ployeray toue les iiieillenrs otlfices qui nie seront possibles, et qn'i 
ces effei'tK, cnmiii<> ä toiiu autres de mon pouvoir, Vous appercemi 
clahement quc je «uis etc. '). 



Ct. E. von Burgsdorf an sebien Bruder Conrad. 
Dat. Hauptquartier Müllichuni 4. Dec. 1646. 

[Die Truppen id der höchBten Noth. Der Pfatzgraf will nicht mit den cleTisAe" 
Rätlien uaterhaDÜulu, Graf Moritz von Naäsau bietet ein Darleheu an.] 

. Dec. Mich verlangt nunmehr stUndlicb von Herzen, dass Sr. Ch. D. aH' I 

derwärtige jarnäd. Clrdre empfangen möge. Dann der Herr Pfallgr** I 
will uns durchaus uiclits nielir geben, wie er im beigelegten 8cln*^' J 
ben'), und auch durch den Kegiments-Quarticnneister mündlich re«*'^^ 
viret. Als weiss ich nicht, wie die Völker ferner Lebensmittel die«"*^ 
Ends überkoiunieu sollen, weil au keinem Orte mehr etwas zu ba^^'^ 
ist, ob ifb gleich hier und da aussenden thue. Und niUsseu sich <** 
Soldaten mit Rüben noch des Hungers erweluren, weil alles aus ^^^ 
Dörfern in die Städte gefluchtet und kein Stück Brod zu bekomrueu *^^ ' 

Ich will das Werk zwar gern so lange halten als ich kann; »^ ■ 
die Länge kann es so nicht Bestand haben. V 

Der Herr TAilzgraf will durchaus nicht mit den Cleviacben Rät J* ^ 
«u thun haben, sondern selbsten an S. Oh. D. Abscbickung thun, w^-*^ 
er nur wissen möchte, wo er S. Ch. D. finden soll. Inmittels a^^ 
mus8 ich alhier Miseriaui schmelzen. Der Herr Bruder wird mir &*-^ 
cheB nicht glauben, weil er es selbsten nicht stehet. Ich musa erW^* 
ten, was daraus kommen wird. 

Sonsteu hat auch der Herr Graf Moritz von Nassau*) mett»* 



4 



') Hierbei ein Entwarf: „UngefälirlicLe Ingredientia des Schreiben» ao 
Herrn Pralzgrafeu zu Neuburj;" von der Rand des geh. Balhe Erasmna 8' 
üel, worin ganü der Gedankengang and die Ansdriicke des obigen Sckreib' 
vorgezeicbnut sind. Dabei vüd derselben Hand und äluilichen Inhalts ein „A^ 
njorial ao wegen dos Herru Pfalügrafen zu Neuburg bei den Herrn Staaten »*• 
gegeben am 4, Dec. st. nov,", und hiernach eine entsprechende Reaolation *^ ' 
Generalstaaten „Aen den Heer Hertoch van Nieuburcb" dat. 14. Dec. 1646. 

') Der Pfalzgraf nn lir. B. v. Burgadorf dat. DüBgeldorf 4. Dec, — ^' 
heute Bolle er uocb versprochener Maaaacu Fourage belioniiueu, damit »ber ^ 
es KU Ende. 

•) Vgl. oben p. 25. 71. 



Schwierigkeiten in Feindesland, rniproviairte Hochzeit im Haag. 339 

Scbwa^er, den jungen Osten, an mich gesandt und sich hei mir 
•Wollen erkundigen lassen, wann Sr. Ch. l>. Beilager gebaiten werden 
äoUte. — Neben dein hat er auch in Vertrauen an mich bringen las- 
sen, dass er verstanden hätte, ob wollte S. Ch. D. nf einige Aemter 
Gelder aufnehmen und lehnen. Im Fall es sich also verhielte, wäre 
S. Esc. nicht ungeneigt, 8r. t'h. D. uf das Amt Dinslaeken einige Gel- 
der vorzusetzen; erwichte er mich derftwegen, solehea an den Herrn 
Bruder zu bringen. 



l>er Kurfürst au G. E. von Burgsdorf. Dat. Haag 
ö.Dec. 1646. 

ri>ie Truppea aollea noch liegeo bleiben. Kranliheit des Priozen. Die Hoclizeit 

lat improvistrt und ohne viel Festliclikeit.] 

Antwort auf das Schreiben vom 21>. Nov. Burgsdorf »oll in den jetzi- 5,Dec. 
gen Quartieren ziiuächst liegen bleiben, bis der Pfalzgraf eio jetat abge- 
hendes Sclu-eibeo des Prinzen vod Oranien und ein anderes von den Gene- 
lÄlHtaaten, das bald folgen sioll, empfangen nnd bmintwortet haben wird. 

Anlangend Unser vorseiendes Beilager, seiml Wir wol gewissUcU 
Wi dessen itziger Fortsetzung nicht anhero gekommen. Nachdem es 
al>er dennoch wegen des Herrn Prinzen zu Urauien Ld. zunehmender 
Schwachheit fUr gut angeschen worden, dieses christliche Werk bei 
tTnser jetzigen Anwesenheit alhier zu consumiren: so haben Wir Uns 
^»Iflies auch nicht entgegen sein lassen wollen. Ihr habet Euch aber 
inj geringsten keine ungleichen Gedanken, als war es aus Ungnade 
eescliehen, dass Wir Euch nicht anhero gefordert, zu machen, Bon- 
nern könnet Euch Unser beständiger Churf. Hulde nochmals wie bia- 
oeru gnugsani versichern. 

Es wird auch vorseiendes Unser Churf. Beilager in der Enge und 
ohne WeitlÜnfigkeit, wie auch ohne einige Ritterspiele gehalten werden; 
^äöuenhero Wir um so viel mehr nicht dienlich zu sein befunden, 
t-uclj nebst andern Carallieren anhero zu verschreiben; gestalt Wir 
daan auch Euere Anwesenheit bei Uusern Vcilkern des Orts nötbig 
^tt Sein erachten. 



240 



n. Brandenbnrg und Pfak-Nenborg. 






Pfalzgraf Wulfgang Wilhehn an Prinz Friedricli Heinricrla 

von Oi-ariien. Dat. Düsseldorf 10. Dec. 1646. 

(Eigenhändiges Original. „Zu Sr. Ld. eigenen Händen"^.) 

[Urtitnlatioo zur VermütiiDg seiner Tochter. Bitte am seine Termittelung 

dem Eurfürsteu.] 

10. Dec. Hocligelionier FUrst, freundlicher lieber Herr Vetter, Schwa^^^i^er 

und Bnid^T. E, Ld. gratulier ich von Herzen, Sass, wie Sie vor— -Tun 
weiland l'falzgrafen ChurfUrsten Friedericheu den Vierten zu eii^-^tu 
Schwestermanü , eines Königs Tuchter zu Ihres geliebten Sohns *Se- 
mahlin, alsii auch nuniehr einen Cburtllrsteu zu Brandenburg 2u \hi~em 
Tochtcniian« haben. Der Allmächtige wolle E. Ld. allerseits (rl9ci, 
Heil und Segeu verleihen, damit 8ie durch diesen Heuxat viel Freude, 
auch E. Ld, Kindskinder daher zu mehren Ihrem Contento erleben. j 
Weil ich auch nit zweifele, E. Ld. werden desto eher durch Ihr | 
bewegliches Zusprechen bei wolernieltes Herrn ChurfUrsten Ld, ehvas ' 
erheben können, so (ibei"8chicke E. Ld. ich die Copia, was ich an S. Ld. 
schreibe, freundlich gesiunend, Sie wollen auch Ihres Theilfl S. Ld. 
freundlich vermögen helfen, dass Sie nieiueui billigen Suchen Statt 
geben. .Mein t Jrigiiialschreiben an den Herrn ChurfUrsten hab ich Sr. 
Ld. Obersten Stallmeister deiu Obristen von Burgsdorf, von dem 
ich auch des Herren Churfllrsten Schreiben bekommen, zugeschickt,fl 
der es durch einen Edebiianu Sr. Ld. zuschicken wird. Und weil ich 
nit weiss, ob diese Copia eher E. Ld., oder das Original dem Herro_^ 
ChurfUrsten zukommen werde, so stehet zu E. Ld.' Ausschlag, ob SU^ 
dieser Sachen, ehe Sie wissen, dass der Edelmau in dem Haag an- 
gelaugt, gegeu des Herrn Churfttrsten Ld. gedenken wollen. Ich hoff 
gänzlich, E. Ld. wolgemeintes Zusprechen werde der Sachen zum be- 
sten kommen, sonderlich aber die schleunige Abillhiimg der schädli- 
chen Einlagerung der Brandcuburgischen Völker aus mciueu Landen 
und daranf die gänzliche Vollziehung der noch unrichtigeu Puncten_ 
befUrderen; das wUrd zu Ergslnzuug guten Vertrauens und Einigkei^| 
zwisclien wolernieltem Herrn ChurfUrsten und mir, auch E. Ld, zu 
hohem Kuhui gereichen. Kanu ich E. Ld. hinwiederum dienen, haben 
Sie mich darzu erbietig und willig. ^_ 



Ein anderes sehr ausführüches BechtfertiguDgs schreiben des Pfali- 
grafeii an den Prinzen von Oranieu folgt dann weiterhin (Abschrift 
o. D., Eiidfe Dec), woriu die Kcubtsbestäadigkeit des Vertrags von ItJ2y/30 
dargelegt wird. Uieriu u. a. die oben pag. 151 not.SJ benutzte Angabe über die 
St&rke der brandcuburgiücheD Üccupatiotiiitruppeu. lu Betreff der vielbe 





Schreiben des Pralzgrafen. 



EprcNilieuen Geldsomme, die Brandenbarg verlangt: ^da können Wir mit 
«len Laadtagsprotocollis gnngsam erweisen, dass Wir anfangs in Beisein 
jctzgedaehten (»rafeos zu Seh wartzenberg und hcruaclier nach seinem 
Terreisen auf folgeaden siwei Landtagen an Unser äuiser^ter, eifriger inid 

t treuer Unterhauung nichts unterlassen haben, gedachte Üosere Gülich- 
d Bergische Landstände m Erstattung ihres Antheils zq bewegen und 
la disponiren; Wir haben aber uit zu entgelten, dat's sie, die Ijaudstände, 
wider Pnsere besser«* Zuversicht , . zu Erstattung soleher Gelder sieh nit 
liabeu wollen disponireu lassen. — Es wird- sich aber in dem Vertrag de 
a. 1629 mit keinem Wort beßndcn, dttas sum Fall ihrer, der Laudstände, 
rerweigemng Wir den Abgang des Herrn Churfürgten Ld. aas dein Unsri- 

E Latten sollen." — 
Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm an den Kurfürsten. 
Dat. Düsseldorf 10. Dec. 1G46. 
Winkelzüfe in Betreff der Verliatidltmgen, Dräugen auf Abfübrnag der 
Truppen. Gratulation zur Vermalnn({,] 

y Den 7. dies ist E. Ld. rreundlicbett Sclireibcn aus dem liA&g vom 10, Ooc. 
2. December mir wul eingebändiget worden, daraus ich gern vernom- 
men, dass E. Ld. sich freimdlieh gefallen lassen, dasa die vorstehende 
Traftaten u\me anderer Jlediation in der Gute liingelegt werdeu. Da- 
bei ich gleichwol beedersetts Cavallieri gern gebraucht sehe; aber 
doch auch iiötliig befinde, dass auch andere snwol gelehrte, als Cani- 
nierrätbe gebraucht werden; der guten Zuversieht gelebend, der All- 
mäehtige werde Gnad VL^rleihcu, dass die nuch wenig bis noch nn- 
vollnzogene Puijcten xwischeD E. Ld. und mir mich vollends ehist 
zur Richtigkeit gebraeiit werden; weil mieh C. F,d. Cüinnicrer, Obrist- 
Ötallmeister und Ubrister. der von Burgsdorf, E. Ld. Churfürstlichcn 
friedUebenden, auch uffriclitigcn Geuiüths, und djiss Sie nichts, als 
was recht und billig ist, begehren, sofern versichert hat; und E. Ld. ^ 
hinwieder eines Gleichen bei mir wrd vergewissert sein können, und H 
dass ich je ehe je lieber diese Diöerentien gern hingelegt sehe und H 
darzu eiferig mich benidheu will. iJass ich aber Bedenkens getragen, B 
anf dero Clevisehen Kiith au mirh den ;?l.Nov. nligangenes Schreiben 
meine Kiltbc zu ihnen zu schieken und au der Handlung ein Aufang zu 
machen, ist daher erfolgt, weil daraus guugsam abzunehmen gewesen, 
dass sie die Handlung nach Anlass des Dortuiundischen Vertrags (der 
doch durch die bcnuich gefflgte und von weiland E. Ld. Herren Va- ^ 
^|eu ratificirle zween Vertrag de aunis 2'.' und ;■}<> aufgehoben) und H 
Hk Xantiscben Vertrags (welcher doch nie zum Efl'cct komiuen) an- H 
ZDStellen gemeint seiu, darin mau sich gleich anfangs würde gestosaen 

. iiu (Mttch. <i. Cr. Kurryntcu. iV. 16 



242 



IT. Brandenburg and Pfalz -Neabnrg, 



baben. Daliingregen ieh abenual der guten Zuversicht lebe, wana 
E. Ld. Ton meinen Rfitheu die Ursacli uiid Umstand werden venieb- 
men, dass mit tnehrcr Rllrze und Effect die Sachen werden richtig 
gemaclit werden kilimen, wann man den letzteren Verträgen de anuis 
211 und 30 nachgehet, Sie eich solchen Modum aucli belieben lassen 
werden: so hal> ich die Sachen bei E. Ld. ßelbsten tractireu zu las- 
Ben, verständiger zu sein ermessen. Wie ieh dann nochmal geraeiol 
bin, die meine zu E. Ld. ehiist abzuschicken, wann E. Ld. nur Torhcr 
dcro Vi'dker aua meinen Landen aldllhren lassen; damit es nit das 
schimpfliche Ansehen gewinne, als wann ich mit gepfilndeter Hand, 
oder durch E. Ld. Kriegsvolk darzu gedrungen zu der Handlung ili^ 
meinige abgeordnet hätte. Und lebe demnach der fre'undliclien 2w- 
versieht, E. Ld. werden numehr oUiie einig Verschieben dero Volk«' 
aus meinen Landen und meinen Unterthanen von dem Hals abführe'* 
lassen, uud mich darauf berichten, wo E. Ld. von den nieinigen ^^'^' 
den angetroffen werden könneu. Dann diesen schweren Last meÄn^ 
Unterthanen neben den ihnen ohne das obliegenden schweren Bilr*l** 
länger nit ausstehen können; und gleichwol dabei auch E. Ld. ^^ 
daten zu Ross und Fuss übel aecommodirt sein, je länger sie dar***^ 
tön liefen bleiben. 

Wollte E, Ld. ich in tVeuiKllicher Antwort nit verhalten, die *■ 
damit «eben E. Ld. vielgeliebtem Oespons nächst freundlicher " 
grÜBsung, auch Erhietung freundlicher Dienst und hcr/Jicher Grati*^ 
tion (so hiernächst von meinem Gesandten iiiit mebrem gesebel»^^ 
wird) dem starken Schutz Gottes empfehle. 



Sä?^ 




Norprad, Strunckede und Diest ati den Kurfürsten. 
Dat. Duisburg . . Dec. I(j4b'. 

[Der Pfalzgraf maclit uacli wie vor %iir Ausflüchte, um Zeit zu gewinoen. W* 

Beitraten von Cleve uud Mark aiod zur freiwilligen pecuoiären HiifleiBtuog hi?** 

beigeKogeii worden. Erfolg dieser MaaHsregel. Einladung der Stände i«»' 

UocliKcil.] 

l>ee. Uebersenden ihm das Schrcibeu des Pfftlzgrafen vom 10. Dec, d 

ihnen durch Ö. E. von Burgsdorf angekommen ist, 

E. Ch. D. werden daraus ersehen, dass S. f. I), jetzo anders uic 
thut, als was dieselbe bei dero Herrn Vätern bochsel. fJedäcbtni 
und nun 1 6 Jahr hero gethan, und dass anders nicht suchen als Zeit rU 
gewinnen, «od dass E. Ch. ü. Soldaten aus dero Land mögen abge- 
fllbrt uud demnächst von iler f;chiekung tractirt werden. Wir bättea, 
zum wenigsten dafür gehalten, da S. f. D. mit uns als Halben aichc 




t 



Aasfldchte des Pfaligrafeo. Freiwillige Anleihe bei den Beamten. 243 



tractiren wollen, Sie würden alsdann schon in den Haag zu E. Cli. D. 

geschickt und daselbst den Sachen ein Ende gemacht und sich zu 

Haltung eins oder des andern Tractafs völlig erboten haben. Aber 

ans dero Schreiben erscheint deru Intentinn gnug, dasa alles ins weite 

Feld suchet auszusetzen; dann, wann Sr. f. D. ein Ernst wäre, es auf 

den letzten Tractat zu nehmen, so würden sich wol resolvirt haben, 

das« die Grafschaft Ravonsberg E. Ch. D. so lange wol einräumen, 

als Sie dieaelbe gehabt, und daas wegen der 186,000 Rth. E. Ch. D. 

Satisfaction schaffen, oder die halbe Steuern und was daran depcn- 

dirt ... E. Ch. D. auch so lange lassen oder dagegen ein Aer|uiva. 

lent leisten wollen. Weiln ober darin sich ein oder andern nichts er. 

leat, werden E. Ch. D. die Sachen wol reiflich zu beobachten wissen« 

ond was femer zu thun, uns gnädigst zu befehlen. 

Die Bedienten aus dem Fürstenthum Cleve und Grafschaft Mark, 
»o viel die Richtern und Rentmeistern belanget, sein mehrentheils hie- 
»elhst erschienen und hat sieh jeder nach seiner Affection erklärt, 
dass gegen gnugsame Versicherung, der einer weniger, der ander mehr, 
auch theils gar nicht sich angreifen und ein sicheren Vorschuss zwi- 
schen hie und Christoph, theils auch auf Xeujahr, thun wollen, daraus 
et^^aij an die zwauzigtaueend Reichsthaler bekommen möchten, wie 
darob, wenn mit allen gethane Arbeit haben, in sp^cie untertbänigst 
•»eiichten werden. 

Die Drosten und Amtleute, welche nach E. Ch. D. bei dero Ab- 
•^tse genummener Resolution anfangs nicht, folgend aber auf dero 
foädigBteu Bifi'hl ?0Di '2b. Nov. citirt worden, sein noch wegen des 
^ögewttters und grosser Gewässer wenig erschienen; erwarten die- 
®*lbe aber numehr nach und »ach. und werden E. Ch. D. demnächst 
^if von dem Esftdg mit mehrcni uuteithäuigst berichten. 

E. Ch. D. gnädigste Anschreiben an die StSnde, dadurch dieselbe 
*tt dero Beilager mit I, f. D. der Frincessin von Uranien (dazu wir 
"•^cliinaln von Gott dem Allmächtigen Glück und Segen wlloschen) 
^'DReladeu, haben wir gehörigen Orts durch Expresse Uberschickt; den 
Erfolg werden wir gleichfalls unterthänigst berichten. E. Ch. D. da- 
''^it zu huheni Chiirfürstlichen Wohlstand, glllcklicher Regierung, lan- 
dein Leben und mit dero geliebtem Gcspons zu allen selbsterwfln- 
*«hendtiii Wohlergehen Gottes des Allerhöchsten Schutz und uns dero- 
wlbeti Gnaden getreulichst befehlend. 



16* 



244 



n. Brandenburg und PfalK-Nenbarg. 




Quartier 



G, E, von Burgfidorf aii den Kurfürsten. 
MüUichum 11. Dec, 1046. 

[Persönliche Besprechnng mit dem Ffalzgrafen. Voratellung Aber die Lagef 
man briogt den Pl'alzgrafeu niclit weiter ala er jetzt iat. Neue vergebliche Foo 

ragienrerauclie.] 

II. Dec. Das Schreibeu des KurfürsteD aa den Pfalzgrafeu isc darch drn Ritt- 

meister V. I/öben nach Düsseldorf gesiandt worden. 

Der Rittmeister bat nber keine scbriftlicbe Antwort an E. Ch. D_ 
mitgebracht, besondern der Herr Pfalzgraf bat uiicb zu ihm nach Düa — 
»eldof f verlntteo lassen , worauf iub denn gestern alsofort zu Sr. 1I> . 
geritten und ein andertbalb Stunden dessen Lanientationes und B^^^ 
8cb werden wegen der VölJicr ang'cbort. 

Ich habe Sr. D. platt geantwortet: ich hätte solches uieht zu ändetc— a 
gewusst ; S. f. D. mJichten mir Unterhalt vor meine Völker geben ud^ *! 
Zufuhr thun lassen, so dürfte ich üolche im Land nicht suchen lasse '^'^ 

Hierauf 8. D. geantwortet, Sie könnten mir nichts geben, beso^O 
dem das Land Btltnde offen, könnte ic!i was dariniieu tindeu, so mCch*'*' 
ich solches nehmen. Inmittels aber wollten Sie sich nicht ehender u» i' 
E. Ch. D. in Tractateo einlassen, es wären denn die Völker abge- 
ftlhret; dann deroselben disreputirlich sein würde, die Völker im Landtfj 
zu haben und zu tractiren. — 

Habe demnächst gegenwärtigen meinen Ca[dtain-Lieutenant an E. ] 
Cb. D, absenden und deroselben durch ihn nitindlichen unterth. Be- 
riebt, wie es um die Völker alhier stehet, tbuu lassen wollen. So 
viel sehe und vermerke ich wol von dem Herrn Ptalxgrafen, wie danit ' 
E. Ch. D. unterth. versichere, dass derselbe jetzo enge geuug und 
auch nicht höher gespannet werden kann; also dass ieh hofTe, etj 
werde nunmehr eine andere und bessere Kcsiolutiun zu E. Ch. D. Coo-* 
tento ergreifen. leb kann aber nicht abaeheu, dass man demselben 
bei dieser Zeit näher kommen kann, und dass die Volker wegen Mangel 
Lebensmittel nur dieses Ends zum Ruin gerathen. Im Fall der Herr^ 
Pfalzgraf, wenn er der Völker aujetzo entübriget wUrde, sich Ubei9 
alles Verhoffen nicht zur Billigkeit anschicken sollten, sttinde E. Cb. D. 
(jedoch oline Maassgebung)" die Thilre in des Herrn PCal/grafen Lande^j 
wiederum Völker biuein/,uaenden, offen, und könnte solches utls (rill 
Jahr verhotfentlicb mit besserer Conservatioa der Völker geschehen. 

Ich habe aujetzo zwar wiederum iu das Gebirge und jenseit» der 
Wup|ier um Zufuhr ausgesandt; allein die Beamte und die Leute, so 
noch an etzUcben Orten sein, beschweren sich, dass, da sie gleich 
gern Zufuhr thun wollten, könnten sie es des bösen Weges halber 



dej 
ih^ 
n. I| 







Ende der Bergischen Occnpation. 



245 



^icht fortbringen, wollten also lieber etwas an Gelde geben, welches 
*tier aiebt lange alao Bestand baben kann; und können die von E. 
^li. D. jüngst gQäd. assiguirte Gelder auch so bald nicht herbeige- 
^Heben werden. 

Ich will aber das Werk bis zu des Capitam- Lieutenants Wieder- 
konft annocb zu halten mein Äeusserstes thun. 



Der Ktipfürst an G. E. von Bxirgsdorf. Dat. Haag 
14.Dec. 1646. 

[Ordre sam Rückzog ans dem Berzogtfanin Berg,] 
Nachdem Wir verspüren, dass die Einquartirung Unserer Völker U.0«e.1 
'tt" Heraogthuiu Berge von des Herrn Pfalzgrafen 'Ld. übel ausgedeutet 
*er^e und Sie daunenhero die Zusamnicnsehickung Unserer beider- 
wita Räihe difficultiren, so haben Wir Uns auf der Herrn General- 
***aten Ansuchung hierunter accommodiren wollen. 

Ergebet demnaeb bjerroit an Euch LTnser gnäd, Befehlich, die An- 
^It lu machen, dass berührte Unsere Völker aus den Bergischen 
Quartieren abgeführet und in Unser Herzogtbum Cleve, wie Ihr's nebst 
tngeru Cleviacben Kegierungsräthen am besten dienlich befinden wer- 
bet, logiret und einquartiret werden mögen. 

Die Ertheilaog dieser Ordre wird (dat. Uaag 16. Dec.) dem Pfslzgrsfen IS.Bec. 
fou dem Kurfürsteo mitgetheilt, uehEt der Aufforderong, non unrerzügllch 
seine Deputirten zur A'erhaadlung abzascbickea. 



Pfalzgraf Woli'gang Wilhelm an G. E. von Burgsdorf. 
Dat. Düsseldorf 23. Dec. 1646. 

[Dank für AbCübmng der Truppeo. Die bevorsteheoden Tractateo durch Oa»»- 
liere zu fübrea; achtigt den FreLherrn von F ranke nberg-Ba^ryr vor.] 

Wiewol ich gerne vernnramen, dass derselbe auf des Herren Ctur- 
nirsten Verordnung also seine unterhabende Völker aus meinem Fttr- 
gtentham Berg abgeführet (dessen ich mich gegen ihm thue bedan- 
ken), 80 hätte ich doch wünschen mögen, dass ich mit ihme vorher 
hätte reden mögen, welchergestalt bei des Herrn Cburfürsten Ld. die 
Sachen praeüminarie also zu dispouiren, dass auch S. Ld. sich ver- 
nehmen liesaen, dass die vorstehende Handlung vermöge und nach 
Anlass der Vertrilge de a. It.i20 und ÖO ajuatiret wUrde. Zu welchem 
Ende ich zur Sachen nit nndienlich befinde, demselben anzudeuten 
und zu gesinnen, daas derselbe neben deui Freiberrn von Bawjr, 
fvenn es des Herrn Cburfilrsten Ld, auch also wird freundlich beliebig 
eein, uäcbst göttlichem Beistand hieran einen guten Anfang machte. 



, Dec. 



246 



II. Brandenburg und Pfali-Neabutg. 



Und wäre mir demnach Uel), dass derselbe hierüber des He 
ChurfUrsten Ld. Geniüthsmeiuimg ericundigen k<5niite, ob dieser Mod: 
Sr. Ld. gefällig sei, damit durch solche Personen, die Sr. Ld. bekamt 
und annehmlich, nächst göttlichen Beistands, an der Sachen ein gutet 
Anfang gemacht würdo. 



Der Kurfürst an G. E. von Biirgsdorf. 
2. Jan. 1647. 
[Der Korfürst ist eiaTerstaDden. 



Dat. Haag 



Werbangen des Pfalzgrafea und Beaetzang rc 

Bielefeld.] 

1647. Er Eoll auf dieses Schreiben in eeinen) (Bargsdorfs) NitaieD da 

2. Jan. Pfalzgrafea antworten, d&sa die vorgesahlageoe Person dem Kurfürsten g* 
rade sehr lieb sein wurde. Am 8. Jaa. würde der Kurfürst gewiss in Cle^ 
sein; der von Frankenberg (Bawjr) soll also bald sich dort einstelle 
and der Kurfürst wird dann einen Cavalier seinerseits sn den Pr&limiaA 
tractaten designiren. 

Nebst diesem aber hättet Ihr mit nicht geringer BestHrzung ge- 
nommen, daas er, der Herr Pfal/graf, nicht allein Überall stark we 
beu liesse, sondern auch Unsere Stadt Bielefeld besetzet hätte, we 
cbcs er doch so vor sich allciM zu thun gar nicht berechtiget war 
Wenn Wir das nun erfahren sollten (welches dann nicht ausbleibe 
würde} . . . würde S. Ld. selbst nrtheilen können, was ea bei Uns v 
Gedanken causiren und erwecken würde, Es würde auch dadurch d 
^nzliche Ansehen gewinnen, als wann es Sr. Ld. mit den TraciaM 
nicht allein kein Ernst wäre, sondern Sie Uns auch noch dann ui3 
zufuhren gedächten, Wolltet Sr. Ld, dcrhalben vor Eure Person ga: 
treulich rathen, die angefangene Werbungen nicht allein gälnzlii 
einzustellen, besondern auch Ordre zu ertheilen, dass Ibr Volk aus g" 
dacbter Unserer Stadt Bielefeld hinwieder abgeftlhret . . . werdi 
möchte. 



Der Kurfiü-st an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm. Dat. Clevi 

19. Jan. 1647. 

[Sendung Fraakenberg'ä ; foroiBle Ausstellung. Beschwerde über die Hetzer«! 
des jüngeren Pfaligrafen iu Polen.] 

19. JuQ. Macht einige Ausstellungen an dem Creditiv des Neuburgischen Q 

fraüdteu von Prankenberg, der sich jetzt in Cieve befindet — bcsood' 
dass das Wort „gesinnen" darin gebraucht, „so unter fürstlichen Per« 
neu niclit IIcrkummenB"-, indess soll es nicht weiter urgirt werden, 

Hiebei und nebst diesem kfinncn Wir E. Ld. nicht verhalten, w 
Bchr empfindlich Wir in Erfahrung gebracht, das» sich dero Herr So 




Beginn der neuen UnierhanttlnDg. Die AllarmBcbreibeD nach Polen. 247 

^TiWretaüden. Uns bei der Kön. Maj. und Rep. zu Polen vereuunglini- 
pfen und von Uns dergleichen Bachen, so niemals iu Unsern Sinn ge- 
toiiinien, viel weniger von TTns expracticiret worden, zu spargiren, ge- 
stalt E. Ld. solches aus beigefttgten beiden Abschriften mit mehrem 
Si reraehmcn haben werden '). 
■ Es wird Uns nicht können verdacht werden, dass Wir einige Om- 
wage gehabt, als wSre E. Ld. einige Wissenschaft von itzterwähnten 
Wden Schreiben beigewohnt. Dicweil Sie dennoch dea freundvetter- 
lichen Erbietens gegen Uns sein, dass Sie Uns alle billige Satisfaction 
geben und gute beständige Freundschaft mit Uns halten wollen, mehr-i 
besagter Herr von Frank enhorg Uns auch Unsern hierunter gehab- 
toi Argwohn benommen: so lisilten Wir E. Ld. deshalber wol freund- 
rett^rlich entschuldiget, lasaeo Sie aber selbst judieiren, ob es von 
fero Herrn Sohns und dessen Gemahlin Ld. verantwortlich geschehen, 
Las dergestalt bei Sr. KHn. Maj. und dcro vornehmsten Senatoren, 
Ü« wären Wir Unsers getbanen Eids gänzlich vergessen, zu denigri- 
Ba. Wir haben, Gott Lob, hiehei ein gutes reiues Gewissen und wer- 
fen nicht krinnen umhin, bei Sr. KHu. Maj. und Rep. Polen Uns des- 
>^n, wessen Wir zur Ungchttbr heschubliget werden, zu benehmen. 

Es ist von bochged. Sr. Ld. hiebevor schon dergleichen geschehen, 
>o Wir albereits iu Vergeasi^nbeit gestellt gehabt; dieses aber gehet 
"ns numehr sehr tief zu Herzen und befremdet Uns nicht vrenig, dass 
^ct S. Ld. dürfen unterätehon, sich in E. Ld. Kegieruug. die Sie so 
lel Jahr hero lob- und rühnilich gefilhret, zu mischen and dabei das- 
'^W'ige. was Sie werden nimmermehr verantworten können, einzu- 
Bpuen, welches Wir dann dahin müssen lassen gestellt sein. — 

Der Pfalzgral' an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 
B 23. Jan. 1647. 

(Der Formfehler. Eutschuldigung der beiden Schreiben naeh Polen.] 

In Betreff des Credid?s könne er wol „da nöthig mit etücL hunderten 23. Jon. 
^bt^.j(,j,fjj. beweisen , dass das Wort „gesinnen'^ durchaus nicht unge- 
'^«tilicL Bei ; inde^s habe er efi aljaudern lassen nnd schicke ein neues Cre- 
*■"*, wo statt „gesinuen'*' der Ausdrack „ersnchen"' gesetzt ist. 

Wir thun Uns auch gegen E. Ld. freundvetterlich bedanken, dass 
"ßselbe Uns abschriftlich communiciret, was Unser geliebter Sohn und 

elben herdiebste Gemahlin au die Proceres des Königreichs Polen 
ChriebeD haben . . . und verhalten hierauf E. Ld. nit, dass Uns von 



') Vergl, ürk. n, Actenst. I. p.219. 



248 



H. BraDdenburg und Ffalz-Nenbnrg. 



Bokhen SchreJlien vorhin nichts hewxisst gewesen, und wann dieseH« 
Uns fttr dero Ausfertigung zukommen wÄren, \YUiden Wir Unsern f^ 
liebten «Sülin erüinert haben, dass Sie dieselbige dergestiiU nit ausfer- 
tigen aollten. Dann ob wol gedachter Unser Sohn TiiTg:ibt, dass ihn 
aus Münster und von anderer hoher Potentaten Ministris solcher \)f- 
glanbter Bericht geschehen, daaa E. Ld. hio und wieder nit allein 
Ihres Theila starke Werbung und Kriegs]»raei)arat5ones fUrgehen liesäea, 
sondern auch eich bei der Krön Schweden und andern um mÄclitige 
Assistenz (dero Disegni mder Uns und diese Lande zu jtrosequireii) 
bewUrlien und daher Unser Sohu seiner Hchuldiglteit zu sein ermes- 
sen, bei Zeiten vorzubauen, flass dergleichen Vornehmen, ehe das 
Remediren zu spät, vorgebauet werden möchte ... so halten Wir doch 
auch Selbsten dafür, dass solche Schreiben^wol etwas geseUmeiiligi'f 
hätten gestellet werden können; und werden E. Ld. Unserm freimil- 
lichen Anvertrauen nach, da diesfalls Etwas, so E. Ld. fUr Offcoauo 
anziehen möchten, geschrieben worden wäre, dasselbe vielmehr den 
hitzigen Kelatiouibus und der L'nserro Sohn angebrachter grosser Ge- 
fahr ... als einem bösen Willen Unaera Sohns zuzuschreiben gemeio* 
sein. — 

Die Werbung des neubnrgischen Gesandten Johann von Bawy* 
Herr zu Frankcnberg und Burtseheit fiDiiet am 14. Jao. 1647 statt- 

Iq seiuer Antwort (liat. Cleve 23. Jau.) erklärt der Kurfürst die V 
schlage des Pfabgrafen (we.'ientlich wie oben p. 218) für ungeuiigeud. „P' 
mit ober dennocli Sr. Ch.D. .-um Frieden, Einigkeit und giUt^r Frcundsch* 
tragi?nde ungcförbte Incünation um eo viel meiir im Werk erscheinen B* 
mätiniglichen kuiid gethan werden möge, so erklären Sie sich hk'uit dabi 
daferiie S. f. D. wegen dessen, dasü dieselbe gegen die accordirie gerne» 
6chartliche Regiernng den mebrcru Theil, sowol wegen voreuthübcner »c 
zehujiüirigcr Abnützung und gebrauchter Festung, Hobt'it nml Regati 
allein genossen, als auch wegen der schuldigen und hisliero nicht ge^abl 
180,000 Rth. cum usnris, damoia et Interesse a tempore der nicht gchal 
nen Terminen Ihrem wörtJit-hen Erbieten naeb Sr, Cb. D, alsobald ood o' 
ferneres Tergivcrsiren, unniitbigeu Serupuliren oder Disputiren wirklic 
gebührende Sati^faction geben werden: dass Sie alsdann es auch Ihretf 
Ortes bei dem oft angeregten Provisionalcoutraet bewenden lassen nnd t\ 
desselben Observanz sich verstehen wollen. Ausserdem abtr soll diese I 
Erkliinmg für nicht geschehen geachtet und hiegegcn alle nnd jede Sr. Ch. 
ftUä dem Xanti»cheü und andern Vertrügen competireiide Jura überall sal 
integra et ilbbata Bein und verbleiben." Im Uebrigen wird der Knrfili 
nach vorgäagiger Comuiunicirung mit seinen „Aagehfirigen und AUürfe; 
seine weitere Erklärung durch Abscbickung einiger seiner Rathe zu erki 
nen geben. 



Nachgeben in Betreff der Verträge von 1629/30. Avis nach Parli. 249 



Sr Kurfürst an den Agenten in Paris Abrabam Wicquefort. 
Dat. Cleve 6. Febr, 1647 '). 

(Absiebt des Earfüriteu , eich gütlich mit dem Pfalsgrafea abzn&odea; dies in 
is aazu2eigeo. Im acdern Fall wird man auf die fruiizösiaclieu Hilfserbie- 
tungen reflectireti.j 

Er sei entschlosEea , in eine neue Conferenz mit dem Pfalzgrafen von 
I^eobarg za tret«n. 

Da Wir nun diesergestalt und auf solchem Weg zu einem guten 6. Febr. 

Aasschlag und Vergleich werden gelangen mögen, wollen Wir die 

Krön Frankreich deswegen nicht behelligen. Unterdessen aber habt 

Dir es bei der Kön. Würden und den» Tomehnieu Ministris dahin zu 

richten, dass man sich ob dieser Unser wolgemeiuten Intention nicht 

fortnaliBire . und sie hingegen zu versicheru, diiss Wir nichts anders 

'fön des Pfalzgrafen Ld. als gütige Coraposition suchen und begehren, 

keines Weges aber Feindthällichkeiten wider dieselbe tlirzuneUraen 

gemeinet sein. Wir verhoÖTen auch noch bis dato, das-s selbige sich 

lur Billigkeit bequemen uud anschicken werde. Daunbern, da einige 

widrige Impresüiones denen Königl, Miuistris beigebracht wären, welche 

doch gleicbwol von niemand attdern als des Pfalzgrafen i^d., Uns dar- 

iurch zu denigriren, herrUhren küuuten, wollet Ihr ihnen solche durch 

bewegUche und zu der Sachen dienliche Hemonstrationes zu benehmen 

Euch bestes Flcisses angelegen sein lassen. 

Sollte aber über bcBsera Verhoffeu des Pfalzgrafen Ld. sich zu 
ftttlicher Accommodation nicht verstehen wollen, würdeu Wir auf 
Solchen Fall nicht umgeben können, dasjenige, so Wir vor diesem 
■iiirch Unaem Kath, den von Üohna, negotiiren lassen, zu reassu- 
"liren und Euch von Unsenn Vorhaben gnädigste Communication zu 
*rtheilen alsdann unvergessen sein'}. 



') Vergl, Drk. a. Actenst. 1. p. 612 ff. 667 ff. 11. p.Sf. 
*) Den Weraaf erfolgenden Bericht Wjcqoefort'« g. u. ad 8. März. — Üeber 
*i» Dohn» in Paris gemachten Vorsebläge s. I. p. 643. 



250 



n. Brandenburg nnd Pfali-Keuborg. 



1 



Instruction für den Oberkaminerherni Conrad von Burgsdorf 
zur Verhandlung mit dem Pfalzgrafen. Dat. Cleve 9. Febr. 

1647'). 

[Eventuelle Annalirne der Basis von 1629/30. In Ravensherg nicht Li<)U)d«liim. 
sondern völlige Abtretung; auBserdem Bavenstein, einige Bergische Aemiar ima 
dl© flandriBchen Güter. Die Frage der 180,000 Thaler. Was bei der V«rh»iid- 
lang in den einzelnen Functen nacbgelassen werden darf. YorscLIage zu einet 
künftigen definitiven Theilnng; oder Wiederanfnahme des Xantener Vergleick*' 

Kircliiiche Verhältnisse.] 

.Febr. Es soll geioelter Uuser Abgesandter seine Sachen dahin richte*!^ 

und ansteUeu, damit er, so bald es immer zu geschehen mdglicli, »* 
Düsseldorf anlangen möge; zu seiner Ankunft hat er die ihm zu sol- 
chem Ende nntgegebene Credentiales an gehörigem Ort zu Überreichen 
- und zulordcrst bei des Pfalzgrafeus Herren Wolfgaug Wilhelm's L<1- 
um förderlichste Audienz anzuhalten. "Wann er nun darzu verstatt* 
wird, soll er ... sein hauptsächliches Anbringen ungefähr dahin ei« 
richten und proponiren. 

S. Ld. wurden sich gutermasaen erinnern, was für schwere Diff^" 
rentien sieh zwischen lins und Ihr wegen einer iu annia 10211 6t 16^^^ 
gemachter provisionalen AbtheiUmg dieser Gülich- und Clemcbi^'** 
Lande atmoeh utterörtert entliielteu etc. Ob Wir Uns nun wol zu de** 
damal aufgerichteten Provisionalverglcich aus \ielen bestiindigen vc^^ 
diesem ausgeführten Ursachen nicht gebunden halten konnten, aondef** 
vielmehr ufl' den iu anno lfil4 zu Xanten aufgerichteten Vertrag uif^^ 
dabei pruviüidnaliter gemachter gleich massiger Abtheilung zu bestehet^* 
genügsame erhebliche Ursache hsltteu; nachdem aber S, Ld, Uns 9^* 
vielfältig schrift- und mündlich versichern lassen, dass, im Fall Wi:^ 
Uns zu dem obbertihrten Pro visional vertrage nur verstehen und dcn-^ 
selben ratiüciien wUrdeu, Sie Uns alsdann in allem mit schuldiger ge — 
bohrender Satisfaction hinwiederum unausfällig begegnen und zur Han^P 
gehen wollten: so Hessen Wir es auch bei Unser Sr. Ld. Gesandten-^ 
uf gedachten Fall gegebener eventualeu und conditionirten Erklärung " 
allerdings nocbmalu bewenden, des zu Sr. Ld. gänzlichen und sicher- 



') Weitere diplomatisches PeraonnI (mit Ausiiahtne der nöthigen Hubalter- 
nen) war Burgsdorf, eo weit nvau erkennt, nicht beigegeben; nur der (lutes 
B. d. 32. n. 27. Febr. vorkommende) Eammeraecretär Job. Friedr. Schleier 
nimmt einen etwaa höheren, doch immerhin wenigäteuB halb - aubalternea Hang 
ein. Die folgenden Verhandlimgen sind also gaiix als das Werk Burgsdorf' ■ 
uuaaehen. Vergl, hierza die weiter ujiten folgenden mit dem Karfürsten voa 



1 



Ißstroction fiif Borgsdorf. 



251 



liehen Vertrauens, Sie Verden auch Ihres Orts Ihrem so Tielfälligen 
gethaneo freuüdvetterliehen Erbieten »nd Vergfvrecben mit wirkliehcr 
ErAHlnog des gemeltec Vertrages dernialeine ein gattsames und yölli- 
gea GenQgen leisten und hierunter IJna zu Uneer und Unsers Hnnsee 
Beschimpfung und unwiederbringUchem Schaden ferner nicht aufzuhal- 
ten gemeint sein. Und in solcher zuversichtlichen Hofl'iniug halten 
Wir die durch vorgedachten von Frankenberg angefangene gütliche 
^actaten vermittelBt dieser Abschickung anderweit reassumiren und 
Sf- Ld. dem jüngsthin genommenen Verlas» nach vfiti Unserer eudli- 
fihen Willenameinung nähere Eröfl'imng thuu lassen wollen. 

Es besttlnde aber Unsers Ermessens die ganze Sache voruchtniich 
"ff weien Hauptpuncten: 

I) Und zwar fürs erste uff die wirkliche Tradir- and Einräu- 
■"OBg der Grafschaft Ravensberg, auch Erstattung aller von Sr. Ld. 
Lue bishero vorenthobenen achtzehnjährigen Abnützungen und daher 
c^ttairter Schäden und Ungelegenheiteu. 

2 t Dann und vora ander uff die wirkliche Bezahlung derer Uo- 
^en Herren Vatem Gnad, versprochener 160,000 Bth. aus Giilich und 
^»ge und 20,0fX) Ktb. aus Ravensberg, zusammt allen von Zeit der 
^Aumnisfi aufgewachsenen Zinsen, auch causirten Schitdeu und ün- 
toaten. 

Das Erste ist ausser allem Streit und erkennen S. Ld. in dero 

Jttugsten Erklärung sieh nicht allein darzu .selbst schuldig, sondern 

^i'bieten sich auch Liquidation und Rechnung anzulegen und Uns we- 

Sen dessen, was Sie mehr als Wir geuusseu, (jedoch nach Abzug der 

L^ienergehälter und uff die fürstlichen Häuser gewandter Kusten) be- 

aörige Erstattung zu thun. Wir könnten aber nicht umhin. Sr. Ld. 

ttiebei freundvetterlich zu GemUth zu tlihreu, das» durch die auge- 

'^^Utete Lii|uidation der intentionirte Hcopus schwerlich za CTreichen 

®^*fi würde. Dann weil S. Ld. nicht nur die drei Aemier Spareuherg, 

*otlio und Limburg in Eiiuifhmuug aller Domaiucn und Intradeu so- 

**1 in ordinariis als eittraordinarüs ganzer achtzehn Jahr allein ge- 

|^*^88en, sondern auch in der gaazeu Grafschaft die hohe landesfUrst- 

*^ue Hoheit eierciret, die Festung Sparenberg zu dero einseitigem 

**taien gebrauchet, und was dem mehr anklebet und in keine Aesti- 

^^tioo oder Liquidation gebracht werden kann; e» auch Uberdem we- 

^^<» der fructuiim üim perceptorum, (}uam percipiendorum und sousten 

*^^chtlicb allerhand Streit und Zwiespalt abgeben und dadurch das Rjiupt- 

''^*'k noch länger remorirct und nur mehrere Weit lau ftigkeit verur- 

*^het werden durfte ; so köuuten Wir kein besseres Expedient ersinneu. 



252 



n. Brandenburg und Pfali-Nenhurg. 



dann dass zu Verhütung solclier Liiiuidation uBd daraus entstetenilea I 
fernem Uflcntlmlts und Mieshelligkeit l'ns die obbeinelte drei Aemlerl 
Sparciiberg, Vlotho und Limburg dergestalt, wie S. Ld. dieselbe bis- 1 
hero genoösen, die noch übrige sieben Jahr des Proiisionalvergleichsj 
ebenmässig eingeräumet; wegen der noch Übrigen eilfjährigen L'u*' 
gebührenden Abnutzung aber daa Amt Eavensberg auch mit eingda»^ 
sen, und weil daraus in denen' hinteratelligen sieben Jahren bei weö 
tem 80 viel nicht zu erheben, als der Genuss der obgedachten drfll 
Aeujter in den übrigen eilf Jahren gewesen, Uns femer die Herrscha« 
Ravensteiu und dann noch so viel Aemter aus dem FUrstenthum ßerg^ 
als lilankenburg, Öteinbacb, Bornfeld und Windeck, und dana di* 
Flandcrische Güter eingcrauniet würden, daraus Wir in den siebal 
künftigen Jahren effective so viel zu geniesaen haben möchten, aJ 
S. Ld. in den vorigen Jahren aus bemelten Aemtem genossen u»* 
genutzet haben. '] 

Dieses wäre Unsers Erachteus der kürzeste, auch billigste ual 
sicherste Weg, aus dieser tiach ohne Weitliiuftigkeit zu kommen, iiM 
zweifelten demnach im geringsten nicht, es würde S. Ld. auch Ihre* 
Orts diesen Unsern wolgemeinten , uff Raison und Billigkeit berubeal 
den Vorschlag gutwillig eiiibrassircn und denselben also werk6tellj| 
zu machen, Ihr freundvetterlieh belieben lassen. ' • 

Und ob wol S. Ld. bei diesem Pass noch einer andern Liquid» 
tion oder Compcnsation gedenken, so Sie vermöge ProvisionalvergleidB 
wegen der a primo Maji \{'>2\> bis [(i;{0 in communione geblieben« 
FürstenlhUmer Cleve und Berge in Defalcatiim zu bringen befugt seil 
wollen, so ist jedoch Unsers HerrenVaters Gnad. Sr. Ld. niemHin ii 
von iehtwas geständig gewesen, viel weniger können Wir Uns danü 
im geringsten verstehen. • 

Sollte es auch zur Liquidation kommen, würde sich vielwehr dH 
Widerspiel, und dass Wir von Sr. Ld, noch ein ansehnliches zu f<H 
dern hätten, klar befinden. Gestalt Wir unter vielen andern von Si 
Ld. auch daher ein Ausohnliches noch zu fordern wol befugt wäres 
dass Hie das Amt und .Stadt Orsoy, sammt was davon dependiret, S 
rechter Zeit nicht tradiret, sondern Unsers Herren Vatcm Gnad. dif 
selbe sammt deren Abnützung eine geraume Zeit vorenthalten, dahe 
Uns dann S. Ld. gebührender Erstattung aller Interesse verhaftet w| 
ren. Weil nun diese Sr. Ld. Prnetension an sich ganz unklar uij 
plane illiqnida ist, auch altiureui indagiuem erforderte, hingegen dj 
Schuldigkeit ex parte Sr. Ld. in diesem Pass ganz klar und unstreiti| 
80 könnte alhier die praetendirte compensatio illiquidi cum liquidj 



luatrnctioQ für Bargadorf. 



253 



nidit stattfinden, weniger die Adimylirans; des Vertrages durch dieseo 
Anhang aufgehalten werden. Ks würde aucli scdches dem ganzen 
CmlQit und klaren Buchstiiljcn des Vertrages zuniderlaufen. Wollten 
dann je S. Ld. sieh dieser vermeinten Prartension nieht gar begobon, 
Billsgten Wirs daliin gestellt sein lassen und der begehrten IJ*]uidation 
und Gegenliquidatiou, doch nach besclielieneiu Cnui}ileuieut des Vcr- 
ttiges und factig prius faciendis, erwarten; sinteraal durch solche 
und dergleichen Linuidationes das Ilauptiverk keinesweges weiter auf- 
zuhalten. 

Was vors andere die obspecificirte 180,tX)0 Rth. und deren In- 
teresse betrifft, besagte der Nebeurecess de anno 1629 klar, das» zu 
dem Ende, daudt Unters Herren Vaters Gnad. von dein Flirstenthuin 
Gulieh Zeit währender Interlnisvergleichung keine Cciiitributiun weiter 
w praeteudireu j B. Ld. der Herr Pfalzgraf hingegen ge williget, die 
Claude dahin zu disponiren, dass an (.hur -Brandenburgs Seiten für 
•"C gany.e Zeit des Interims, doch ufs längste in den nächsten dreien 
Jabren. l(Xi,0«X) Kth. tTStatten sidlteu; und gleiuhergestalt sullten auch 
■J'C Märkische und Raveusbergische behandelt werden, dass sie dem 
Herren Tfalzgrafen 6O,0CKJ Rth. in bemelter Zeit, gegen Abstand der 
^<*nrributii>nen . erlegen; nicht weniger sollte auch Fleiss angewendet 
•^•^■"den, die Clerische und Hergisehe Stände dahin zu behandeln, dass 
'^« Clevisehe 80,000 und die Bergisehe 60,000 Rth. bewilRgen sollten. 
Was aus Clevc und Mark dem Herren Pfab-grafen zukommen 
*^''»eu, das haben !S, Ld., wie llnserni Abgesandten bekannt, und Sr. 
''^•Schreiben de dato 1.5. Manu Anmi 1G29 (sn in dem Churfürstliehen 
-Archiv betindlich, auch bei Sr. Ld. Canzelei ohne Zweifel auch vor- 
*öden sein wird), item dero SehreilHu de dadi 9. Martii Anno 1G29, 
^ hjebei betindlich, bezeigen, Unaers Herren Vaters Ouad. cediret 
"****! abgetreten, üabero Wir Uns mit Unseru Clevischen und Märki- 
*cben Ständen hierüber zu vergleichen haben werden. Was aber die 
^♦^'iftfMt Rth., »u aus Gulieh. IJerge unti Raveusberg kommen sollen, 
^**lHnfete, könnte S. Ld, deren Zahlung cum usuris k tempore niorae 
^*^l» mit keinem Sehein Rechtens enlbrecheu. Dann obgleich gemelter 
^cpss also eingeatellet worden, dass der Herr Pfalzgrjif die Stände 
^«iu zu disponiren und zu behandeln gewilligct (welches darum ge- 
_ "eben mllssen, damit die Stände nicht in die Opiuion, sammt man 
*e gegen ihren Willen, ihren Privilegien zuwider, zum Coutrilniiren 
^''<sireu wollte, gesetzt werden uiöehtenj, so ist doch Sr. Ld. genugsam 
^*8eiid und bekannt, es gebens auch alle Umstände klar und augen- 
^^eiulich, dass die iutentiu coutrahentium , uä' vvelche mehr als uff 



254 



IL Brandenburg and PWz-Neabnrg. 



» -Mi 

1 



die Wort zu beheü, diese gewesen, dass Unsers Herren Vaters Gna^K-i 
weil Sie sich mit dem weit geringeren Theil der Lande, dem Xatifc^ 
sehen Vergleieli zuwider, etintentiren lassen, und ilberdem von den^^i 
in Zeit dos Interims fallenden Contrilnitionen gutwillig Abstand g^^" 
tUnn, diese iiaeiseirte Gelder realiter beibracht und geliefert werde'« 
Süllen. 

Wek-hüS daher genugsam und sonnenkbir erscheinet, weil dab^s* 
alsofoi-t eine sichere Zeit pro termino solutionis, uämlioh von dreie «i 
Jahren ufs längste, bestimmet worden, daraus dann nothwendig z.^mi 
schliesseii, dass intentio eontrahentium nicht gewesen, dass in oblig»*'- 
tinne nicht mehr als eine bbisse Sollieitatur ad danduiu, sondern ei».' 
wirkliebe praestatio solutionis habe sein sollen. 

So haben auch S. Ld. bei der im Baage Anno 1630 von d&' 
General Staaten und Herren Prinzen zu Uranien geschehener Vermitti 
lung diese Post uf sieh genommen und diese Gelder an die Herre» lO- 
Staaten zu Abtilgung der Staatischen Forderung zu zahlen pure luu' 
solenniter versprochen: iumassen davon der Herren Staaten Sehreib» 
de datis U. Sept. a. KiSO, 2. Aprilis a. mii2 et 20. Januarii a. 16S- 
gute Nachricht gel)en. 

Und wann das alles gleich nicht wäre, so besaget jedoch der N^^*" 
henrecess kliir, da?s diese Versprechniss der specilicirten Gelder ga-— ^ 
nicht sitiipliciter und absque causa, sondern gegen Abstand der Contr^^' 
butionen und damit Wir in Zeit des Interims keine Contribution an^^^ 
Gttlieh und Berge zu praetendiren haben sollten, welche Uns sonsteC^* 
vermöge Dortmundiachea, Haitischen und Xantischen Verträgen zu^^* 
Hälfte unstreitig gebllhret, auch an die Herren Staaten zu ihrer Con- — 
tentirung albereit Übertragen waren. Und dannenhero mtlssen Un^^ 
nothwendig vermfige aller Rechte entweder diese unter obbemelten^^ 
Beding paciscirte Gelder cum usuris, damuis et interesse gezahlet oder:^* 
von Hr. Ld. Uns die von Anno U>-2tt bis hiehcr aus diesen Lande t^^ 
erhobene Contributiones zur Halbscheid cum omni c^usa restituire^*^ 
nud Wir daneben in futurum zum Gebrauch dieses Juris in Steuera^^ 
und Eititiuartiningcn sowo! als S. Ld. unhinderlich verstattet und zu — ^ 
gelassen werden. — ^| 

Hierauf wird nun Unser Abgesandter zu erwarten haben, wa^^^ 
S. Ld. sich hierauf rcsolviren möchten; deme er dann seiner Uns 
bekannten Treu und Dexterität nach wol zu begegnen wissen wird-^ 
Jedoch finden Wir gar nicht rathsam, dase er sich mit Sr. Ld. odei^ 
dero ikliuistris in einigen Disputat einlasse; doch wird er dasjenige«^ 
was das Hauptwerk coucerniret und der Sachen Notbdurft erheische 



hei^m 




Instrttction (or Bnrgsdorf. 



255 



der Rebllhr erinnere und die ganze Öach überliaiipt zu vergleicben, 
«eti bestes Fldsses angelegen sein hissen. 

Und weil Wir leicbt zu vennutben, dass S. Ld. beim ersten Punct 
Dix^li allerhand Scbwierigkeit inaclieu, insotiderlieit die Abtretung der 
^xi.zen Grafschaft flavensl)erfr, Herrsfbaft Ravcnstein, item der obbe- 
oi^lten Bergisehen Aemter und Flandrische Güter für die bisbero aus 
iar- Grafschaft erhobenen Nutzungen iiiebt werde verstehen wollen, 
B» eoU er, im Fall B. IjA. nach eingewandter Bemtlbung zu dem er- 
gl^ci Vrjrschkg gar uicht tu bewege«, endlieb der Bergischen Aemter 
öobi begeben und dieselbe fallen lassen, aber uff ganz Ravensberg, 
B^venstein und die Flandrische Gitter (dieselbe wegen der so viel 
Ja.Yir entratbencn Abnutzungen die noch Übrige sieben Jahr Über in- 
gesanjmt und in solidara allein zu geniessen) bestehen. 

Wann auch unser Abgesandter zu Kavensiberg und Ravenstein 
m »eh die Flaiidcrische Guter uff Maass und Weise, wie jetzt gemeldet, 
erhalten wird, sind Wir erbölig, dagegen die Zinsen, Schäden und 
hitercjMje. so Wir wegen der nicht geaablleu Ihü,0(.h5 Rth. zu fordeni 
befugt, fallen und schwinden zu lassen; doch daes Uns gleiebwol das 
''»pital gutgethan und richtig gemacht würde. 

Beim andern, die t80,tKW) Rth. betreffenden Punct, wird von dc8 
'if rren I'falzgrafens Ld, ausser Zweifel nochmuls urgiret werden, dass 
'*ß »ich KU Bezahlung dieser Summ pure nie vembligiret, sondern 
""^ Stände dabin zu dispouiren sich erkläret. Es wird aber Unser 
^"gesandter solch Einwenden aus übangezogeiien und im beigef\lgten 
•»edenken mit mebrem deducirtcn Gründen uml Kationibus der Gebühr 
*"iulehnen, ihm angelegen sein lassen. 

Wurden auch gleich y. Ld. Uns mit dieser Forderung an die 

"Hch-Bergische und Raveusbergische Stände weisen und sich dabei 

**^hiBaln zu Anwenduug niUglicben Fleisses verobligiren wollen, hat 

Ocl) Unser Gesandter sich darauf gar nicht einzulassen, sondern uff 

^^ baare Bezahlung Capitals und Zinsen, oder aber um Einriiuinung 

^^c*s genügsamen und sicUern Unterpfands l^st zu bestehen. Würden 

^*^b ferner die Stände selbst interpouiren und zur Zahlung gemelter 

***»»ni cum usuris offeriren, hätte er zwar solches gar nicht auszu- 

. •''agen, sondern vielmehr das Erbieten Uneemt wegen zu acceptiren; 

**'»ch mit diesem ausdrücklichen Beding, dass Wir Uns dadurch von 

?*'• Ld 



V 



nicht abweisen, sondern bei deroseiben nach wie vor verblei- 
Sie auch d;iflir uoeh ferner steheti und haften, auch Uns zur 



*^*"sicberung ein gewi.'^ses Stück Land zur Hypothek versehreiben 
"te, dergestalt und also, dass, im Fall die Zahlung von den Stän- 



256 



II. BrKDdeobnrg nnd PfalK-Nenburg. 



den nicht erf«l|rte, ünß alsdann frcietelieu sollte, dag verschriebecJ 
Unterpfand projtria autlioritate einzunehmen, auch dasBelbe so laogi 
zu bpsito-ii und zu geniessen. bis Wir an Capital, Zinsen, auch ^eua 
gacbten 8t'h<iden und rnknsten vollköuimlich befriedig:et. I 

Wäre aber S. Ld. hierzu gar nicht zu disponiren, die Stände aba 
würden sich selbst verotiligiren, diese Summ und deren Zinsen bionol 
Jabrcsfrist oder uflTs liinf:ste in zweien Jahren richtig zu zahlen, odei 
diiös Uns widrigen Fall», durch zureichende Mittel Uns selbst bezalil 
zu machen, freistehen sollte, bewilligen, oder Uns sonstcn der Zahluaf 
halber genugsam versiehem, so soll er endlieh auch dieses eingeboi 
und mit den Ständen darauf schlicssen. I 

Bidlten auch ferner die auf dieser Post aufgewachsene Zinsen m 
Zweifel oder Disputat gezogen werden wollen, soll sieh Unser Ab^ 
aandtcr dahin veniehraen lassen, dass, wann Uns, wie oben alberes 
berühret, S. Ld. die ganze Grafscluift Kavensberg, Hen-schaft Ravel 
stein und die Flanderiscbe Güter uif die am Provisioualvergleich noc! 
hiuferstellige sieben Jahr, anstatt tuid von wegen der bisher entrath.^ 
neu Nutzungen besagter ftrafsehaft Ravensberg zu geniessen. einrM 
men wtlrden. Wir hingegen neben den entrathenen Nutzungen anö 
noch diese aufgewachsene Zinsen (so sich von 180,(X>0 Rth. ^ 
183,(iW Rth. betragen wllrden) gutwillig fallen und schwinden hm& 
wollten. Wann aber auch dieses nicht zu erheben, sondern von Sr. IM 
und den ÖtiUideti uff die gäüzliche Remission der Zinsen gedrunge* 
wUrde, wollen Wir Uns um Friedens willen auch bierin endlich ftigö 
und der Zinsen begeben, jedoch mit dem Beding, dafer« das Capital eni 
weder baar gezahlet oder ufs wenigste vermittelst wirklicher Einraumuni 
eines genügsamen Unterpfandes der Gebühr versichert werde. Zu einei 
uiehrern können Wir Uns in diesem Fass nicht verstehen, wollen aue 
nicht hofl'en, das» Uns von Sr. Ld. ein mebrers werde angeniufhet werdei 

Alldieweil auch dieser Provisitmalvcrgleich in wenig Jabren X 
Ende läuft, Wir aber anders nicht dann hoehnöthig, auch Unseni be< 
derseits Häusem sowol, auch diesen Landen zuträglich emiessen kdl 
nen, wann zu Verhütung aller künftigen fernereu Missvei-stände noc 
bei wäbreisdeni Prurisionah ertrag ein näherer Vergleich getroffa 
%vürde, 80 soll Unser Aljgesaudter des Herren Pfalzgrafen Ld. zu vel 
stehen geben, dass, ob Wir wol Unsers zu diesen Landen habend© 
stattlichen wolfundlrteu Rechtens Uns genugsam und überflussig ve« 
sichert wüssteu, dennoch an Unserm Ort, um diese Lande in Rnn 
und Frieden beständig zu erhalten, auch zwischen Uilsern beederseid 
Häusem eio rechtes vertrauliches gutes Vernehmen und aufreckJ 



InstmctioD fnr Burgsdotf. 



257 



Freandsebaft um so viel mehr zu etahiliren, nk'ht ungeneigt wären, 
Uns mit Sr. Ld. wol gar in einen perpetuellen und ewigen Erbvertrag 
nff billige Maass und Weise einzulassen. 

Und darauf hätte Unser Abgesandter, ob und weleliergestalt S. Ld. 
dirzu geainnet sein niöebte, vor sieh uder durch andere zu sondiren, 
aiicli zu vernehmen, ob uff solchen Fall 8. Ld. Uus Cleve. Mark, Ra- 
rensberg, Ravenstein und die Flanderisehe Güter ins geheel und darzu 
nocb das Obertheil vom Herzogthum Berge, so über der Wupper lie- 
|et, überlassen und sich mit dem Herzogthum GOlich und dem Ubri- 
|eti Stliek von Berge abfinden und contentiren lassen, oder pro ex- 
tremo mit Gttlich und Berge ins geheel content sein und das übrige 
(«•'ekhes vermöge Xantischen Vertrages noch kaum die rechte Halb- 
scheiJ gegen ganz GtUicb und Berge ist) Uns Uljcrlassen und darzu 
«ö Stück Geldes von drei oder vier Tonnen Goldea herausgeben 
«'ollte. 

Sollte eins von diese« beeden beliebet werden , hätte er darauf 
n»it Sr. Ld. in Gottes Nameu zu accordiren und zu sebliessen. Jedoch 
taUisäte dennoch auch in diesem Fall Uns wegen der Ravensbergischen 
»ebtzelinjährigen Abnützung und der 180,000 Rtb. balbea, wie oben 
erwälmet, Erstattung und Zaldung widerfahren. 

Im Fall Htm ein perjietueUer Vergleich, wie jetzt gedacht, getroffen 

w^Qide, könnten und wollten Wir beederseits in ein rechtes Vertraueu, 

*" [lerpetuell, zusammen und fllr eiuen Mann treten, den am Kaiser- 

Ü^^ben Reiehsbofrath schwebeudeu Proecss wider das Haus Sachsen 

^^i andere Praetcudeuten durch geaauimte Bediente treiben und aus- 

•^uren, und Uns also coujunctis anituis et viribus bei diesen Landeu 

"^•t mebrem Nachdruck maintenircn, das Directorium im Westföliscbeu 

^•''eig conjunctim oder alteruis vicilmsi vertreten, denen Unsem Lan- 

*ü bishero in contributionibus, Durchzügen und Einquartirungen zu- 

8'^fllgten Unbilligkeiten remediren, auch endlich zwischen Unseni bce- 

^»"seits HSusem ein pactum umtuae successionis Stabiliren und auf- 

•^ehten. 

Befinde aber Unser Abgesandter,' dasa S. Ld. zu einem ewigen 

^*^rag, welcher doch Uns und diesen I^anden am sichersten und zu* 

^glicbaten wäre, allerdings nicht inclinirete, so hätte er sich ferner 

*** iemtJben, ob es nicht, künftige Weiterung und neue Streitigkeiten 

** TerhUten, ufjj wenigste dahin zu richten, dass, wann die 2b .lalire 

^^ jetzigen Fnivisionalverglcichs zu Ende gelaufen sein würden, als- 

***»n es bei dem zu Xanten Anno Ii;i4 aufgerichteten und von allen 

^«Uen ratificirten Vergleich allerdings verbleiben und naeh demsel- 



Situr. lor Gawli. d. Cr. Kurßnxn. IT. 



IT 




258 



H. Brnndenbarg uod Pfah-Neuburg. 



ben die Abtlieilimg der Lande provnsionaliter gemaclit und aii|;estellet 
wei'dea sollte. 

Scliliesslich und zum Vierten \rird auch nötliig seiu, da«» Unser 
Abgesandter Erinnerung thue. dass die Religionaverwandte nach In- 
halt der Reversalen de anno 1(300 und darauf in anno 1614 erfulgter 
Erklärung bei ihrem exereitio religionis getaeson und erhalten, auct 
alle iliuen bisben» zugeftlgte Bc^clnverung und BedrÄngniss ubue fer- 
nem Verzug abgeschafft und die Kirehen und alles andere in vori^eji 
Stand redintegriret und dadurch auch der Herron Staaten Verfalirtu 
gegen die Katbolisehe abgestcllet werde. 



ßurgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 14. Febr. 1647. 

[Sehr höflicher Empfang in Düsseldorf. Gewechselte CoartoiaieQ, Eiitg«^!i- 
kommende AensseraDgen des jüngc'reu PfulKgrufea. Gespräch mit dem Fr^itierm 

Too Weschlifeiioig.] 

|l4.Febr. Als icU heut von Duisburg meine Heise anbero fortgestellet. i** 

mir ungefabr um Kaiserswerde der Freiherr von Frankenberg be- 
gegnet, mit welehem ich mich, weil es nocb xiemlieb Xeit war. ™ 
Gesprilcb etwas aufgclialten, bis mir, indem ieb ferner fortgerUek*^^' 
der Freiherr von Scheidt, genannt Wescbpfennig mit des Het^o 
Pfalzgrafeu f. D. Leil)knt8chen und noch zwn ledigen Carossen sani'J'^ 
einer Trouppe Reuter dreiviertel Meil jeiiseit hiesiger Stadt entge^*'* 
kommen und mich als E. Ch. Ü. Abgesandten voii wegen höchstg"^ 
Herrn Pfalzgiafeus Dehl verwillkomraet, sammt welchem ich mich ^' 
ervväihnte Pfalz - Neuburgisebe Leibkutscbe gesetzt, also an hiesig 
Ort angclauget und aufs .Schloss gebracht worden bin, da ich da 
wol kUhnlicb sagen kann, dass, woferu das Ende und der Abscb 
mit dem Anfang untl Eintritt übereinkommen wird, icb die tröstli« 
Hoffnung schöpfen darf, mit einer solchen Verrichtung, die E. Ch, 
zu gnädigstem Genügen gereichet, vuu hinnen zu scheide u. 

Unten an der Treppen . da ich meinen Abstand nahm, fuude 



en 



:id 



I 



ü 



etliche Br. f. D. Käthe, die im Namen ihres giiäldigsten Herrn m^ 
abermal willkommen hiesacu und mieh folgends hinauf zu St. f. 
Gemach fllbreten, vor welchem S. f. D. sammt Ihres Herrn Sot=^"^ 
Pfalzgraf Philipp Wilhelms üchl. durch zwo Auticammern mir e-""^^" 
gegen herauskamen, micli mit gar gutem und ergötztem Angeai' 
empfingen und iu Sr. f. D. innerstes Zimmer leiteten, in welcheuj 
f. D. und ich iu xween Sesseln Uns niedei-setzten, alda icb die 
E, Ch. D. mir rugleicb aufgegebene Compliuienten und Curialia 
richtete, daneben aber meldete, dass ich, weil es nun Abend ni^^^'^i 






Bar^dorf in DÜBevIdorr. 



259 



pendeo VonnJtta^s, wofcru S. f. D. also gnädigst beliebete, meinea 
IE. Ch. D. mir anbefohlenen Vortrag zu thun gedächte, welches 
b D. sich nicht missfallen liesB, jedoch auch zu einem Diseurs 
»cliritte, welcher eben in dasjenige, ao von E. Ch. D. mir gnädigst 
getragen ist, mit einliei'c, worvon ich Anlass nahm, Sr. f. D. anzu- 
iten, ich lebte der unterthän. Zuversicht, es würde deroselben diese 
Hckung, und das» von E. Ch. D. meine Persoa dazu gehraucht 
rde, destüweuiger unangenehm sein, weil B. f. D. eigener Vorschlag 
1 Begehren dahin gangen, tlass zu der Sehicliuug keine Gelehrte, 
[em Cavalieri gebraucht werden möchten; nun wäre ich wol ge- 

eh deren einer, welchen das Corpus Juris niüchtig ungehorsam; 

be ich auch gar einen schlechten Rechenmeister. S. f. D. lächelte 
zu und sagte, es niüsste dennoch gerechnet sein. Ich antwortete, 
tui S. f. D. dahinaus wollten, ao mDsste ich mich stracka morgeu- 
I Tags auf meinen Wagen setzen und wieder zu E. Ch. D, ziehen, 
bemal es so weit fchlete, dass ich mich auf Rechuungssachen ver- 

re, oder- mich mit Sr. f. D. m dieselbe einlassen durfte, dasä ich 
meinen eigenen Sachen nicht wol nachrechnen könnte. S. f. D. 
lelte abermaln und sagte, Sie wollte dann vernehmen, wessen sich 
h. D. durch diese t^ehickung erklären würde. Damit schied ich, 
ob ich wol uffs höchste bat und alles einwandte, was ich konnte, 
Bb doch S. f. D., welche die rechte Hand nahm, sanmit hochg. 
B Herrn Sohns Dchl, mir das Geleit bis in mein Gemach, welches 
t dasjenige ist, in welchem E. Ch. D. Vater hochlobsel. Gedäeht- 
, wie auch vorhin Marggraf Ernst bochlöhl. Andenkens auf die- 
Scliloee gelegen. 

Als S. f. D. von mir schieden and ich dieselbe wiederum bis in 
Zimmer geleiten wollte, ward mira von Sr. D. ganz nicht züge- 
ln, dahero ich meine Begleitung weiter nicht als ein ätUck Wega 
m konnte. 

S3. D. befahl boebg. Ibres öohns Dcbb mit mir wiederum zurück in 
Gemach zu gehen, welches Sie alsbald thaten und sich alda der- 
ea geneigt und gleichsam familiär erwiesen, als ob Sie mich vor 
tt sehr wol gekannt hätten. Zuforderst aber Hessen Sie ein sehr 
idliches und wolgemeiutes Gemtlth gegen E. Ch, D, zu Stiftung eines 
indigen friedlichen Vertrauüns merkcu, begehrten, ich wollte nach 
]M<"tglichkeit itzo dahin arbeiten, Sie wäre Ihres Orts erbölig, bei 
I Herrn Vaters Dchl. besten Fleisses die Sache zu einem eben- 
ige» Zweck zu unterbauen, sintemal Sie wol sähe und die Erfab- 
bezeagete, dags ohne Aufrichtuug einer festen Einigkeit nvischeo 



I 



260 n, Brandenburg ond Pfah-Neaborg. 

E. eil. D. und des Herrn Pfalzgrafpii zu Neuburg Dcbl. diese Lande 
mtissten zu seheitem geljen; liingegea aber uud durch Veruiitteluiif 
eines beständigen Vergleichs die Sachen dahiu kannten gebracht wer- 
den, daBs man sich hinfilro wol bedenken wörde, ehe man sicJi un- 
terfinge, diesen Landen so frevelhaftig zuzusetzen. 

Ich deutete .Sr. D. an, dass ich von E. Ch. D. in Befehl hält*. 
S. D. abBonderlich über den VergleiehungssaeheD zu begrUsseu. wel- 
ches sich itzo, da S. D. sieh in meinem Zimmer befinde, nicht schicten 
wUrde; derowegen wollte ich bis morgen oder Übermorgen sparen und 
meine aafbabende Schuldigkeit in Sr, D. Gemach al>zulegen nicht ua- 
terlassen, unterthänig hoffend, Sie würde diesen Uffschub in Cngule« 
nicht venuerken. Wie Hie es dann auch nicht allein wol aufnahn''' 
sondern sich auch erbut, zu solchem Ende selbst wieder in mein Zit»" 
raer zu kommen, welches ich gebührlich entschuldigte, und will de«^^' 
nach, was diesfalls bei Sr. D. mir gnäldigst aufgegeben, ehest r^'' 
richten. 

Nachdem S, Pfalzgraf Philipp Wilhelms Dchl. von mir war ^^ 
gangen, kam bald hernach der Freiherr Weschpfennig allein "** 
mir, an welchem ich spürcte, dass er mit seinem Gemllthe hoct*?' 
Pfalzgraf Philipp Wilhelm 's Dchl. sonderlich ergeben ist; danne?^^"' 
heru er auch fast mit Wiederholung dessen, was Sr. I). Reden gcg^^*^ 
mir gewesen waren, nicht allein Sr. D, Begierde zu Kühe und Frie«^* 
mit Eifer vorstelletc, sondern auch zu verstehen gab, wasiiiasscu dt-^*^ ' 
selbe wUnschetc, dass gar von einer ewigen Transaction in der Ilaup:^^' 
successionssaehe und nicht nur von einem Provisionalwerk, wele 
doch Über wenig Jahre wieder zur Hand genommen werden mQsst 
gehaudelt wUrde, und zwar hätte sich 8. Pfalzgntf Philipp Wi ^"^^m 
helm's Dchl. gegen mir eben dessen auch verlauten lassen. ^^ 

Ich antwortete wiederum, gleichwie ich auch vorhin gegen {5. C-*^-. ^ 

gethan, mir wäre zwar noch zur Zeit von E. Cb. D. diesfalls nich*" *^,u 

aufgegeben; wofern man aber dessen recht gcsinnet, so wären E. C"h-Ä "^ 

D. itzo nicht weit von hinnen und könnte derosclbeu Gemllthsincinuiit-** 

dartlber bald eingebniet werden; ich wollte aber treulich erinnert uu»** , 

gewarnet haben, dass man sich doch an Pfalz-Neuburgischer Seite nich*-* 

schwer machen, sondern das Werk zu einem sichern und festen End» f^ 

richten möebtc, angesehen diese von E. Ch, D. bescheheue Öehickunj ** 

dieser Sachen halber wol die letzte sein würde, und eben dieses^ "^^ 

r/1 



habe ich des Herrn Pfalzgrafen Dchl,, wie nicht weniger dero Her 
Sohns Philipp Wilhelms Dchl. selbsten rund auch zu verstehen f» 
geben. 



d 



BoTgsdorf in DSsseldorf. 



261 



Von fernerm Erfolg berichte ich meiner gehorsamsten Schuldig- 
keit Diich bienächst. 



Burgsdorf an den Kiu'fürsten. Dat. Düsseldorf 16. Febr. 1647. 

lAudieaz beim Pfahgrufea und smoi^r Gemahlia. Des Pfalzgrafen QemäidesaiDiii- 
feig und Beioe Frömmigkeit. Die roformirte Ptfkh^ätn. Beaprechang mit dem 
PhlzgrifeD aber die 180000 Bth. Wie es bei Tafel zuging. Aoseioander- 
Httiiog mit dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm über die Hetzereien in Polen. 
i.Wallfabrr' durch die ätitdt nod Bt.'sichtjgiing des Schlosaes. Vorschlag, ein 
ErnjahDungBsciiretben »üb dem Htiag aaszuwirkea; rait den Jülich - bergiacben 
Staaden jsa verhandeln. Bitto um Instmctianeo.] 

Hi(^rbei gehende meine uoterthäiiigste Relation vom \i. dieses 16. F«br, 
^Abe ich darum etwa;^ zurückzuhalten vor gut angesehen, auf daas 
feh nämlich E. Ch. D. auch zugleich dasjenige, was in der Audienz, 
*o ich des folgenden Vorinitttgs bei des Herrn Pfalzgrafen zu Neu- 
ipurg^ f. D. haben sollte, vorlaufen wtlrde, in Unterthänigkeit hinter- 
^»ingen könnte. 
I Nachdem derowegen S. f. D, gestrigen Vormittags ziemlich lang 

^ Ihrer Devotion gewesen und ich vernahm, dass Sie ungefähr zwi- 
en II und 12 Uhr aus der Mess kommend, schon unterwegs war, 
^ti Qtlr in mein Gemach zu gehen, und mir in demselben zu meinem 
'Vnbringen Audienz zu geben, hin ich Sr. f. D. entgegen geeilet und 
t^be davor unterthänigst gebeten, woranf S. f. D. mich in Ihr Zimmer 
^fiihret, in welchem Sie allein, oline jemanden anders Beisein, ver- 
bliebe, alda ich meinen Vortrag verrichtet, und als ich off die beide 
tlaupt|mnctc flrsselben kommen, gemeldet, dass ich zu Gewinnung 
öer Zeit und S. f. D. de« Verdrusses vielen Wurtmacheas zu llberhe- 
l>en, deroselben hiemit einen Extract meiner ItistrucHon überreichet 
lubeD wollte, aus welchem Sr, Ch, D. GemlUhsmeinung und Begehren 
eigentlich ersehen könnte; Sie nahm denaellien auch ku Händen und 
nach einigen Discursen bat ich um Erlaubnis», bei Sr. D. Gemahlin 
gleichergestalt meine von E. Ch. D. aufhabende Begrüssung und Wer- 
bang zu leisten; du dann S.D. in Person alsbald mit mir ginge, durch 
den llauptsehltlsBel, den Sie bei sich hatte, eine Thtlr nach der an- 
dern aufschloss, mich in die Kammer, da Sie mit Ihrer Gemahlin 
schlafet, uud ans Bett flÜirete, bei welchem ein .\ltar mit vielen Bil- 
dern und GemSlden aus dem Alten und Neuen Testament stunde, uud 
sagte S. D., dass Sie vennittelst derselben Gemälde die beide Testa- 
lueater allezeit ^or Ihren Augen und in Ihrem Haupt hätte und sich 
deren BehUlf zu Ihrer Andacht im Gebet gebrauchte. Ich konnte mich 
des Lachens nicht allerdings enthalten und sagte dabei, ich hätte 



262 



II. Brande rihnrii nnd Pfale-Nenbnrg. 



meines Theils gnug zu tban, tlase ich in meinem Oebct meine Sm l*j 
und Gedanken zu Gott richtete und wllrde gewisslich durcli »olcte fn 
Gemälde nur mehr irre gemaciiet werden. iSolchcrgestalt hielte sich |fl 
S. D. darum etwas auf, weil Sie verstanden, dass Ihre Gemahlin nucli R 
nicht gekleidet war. ■ 

Frtlgendg erliesse Sie mich, dass ich zu der Fürstin Dchl. ginge'). I 
die ich in Ihrem Gemach sararot dem Hofmeister Quad, der ILifineV I 
Sterin und vier Jungfern, alle der reformirten Religion, funde uoA I 
meine Werbung ablegte. I. f. D. erwiesen in Wahrheit eine recht i*- I 
nigliehe Afl'ection gegen E. Cli. D. und sagte, Sie setzte im Religion ^ 1 
werk, bei welchem Sie viel Anfechtung und Widerwärtigkeit ai»-* I 
stehen mllsste, Ihren Trost nitcUst Gott auf E. Ch. D. und erfreu»'^* 
sich, dass dieselbe itzo in der Nähe und also darunter Ihren Vorsch«-^^ 
desto bequemer leisten könnte; im Üehrigeii wünschte Sie von Herzs^ ^_ 
dasa die Sachen zwischen E. Ch. D. und Ihrem Herrn Gemal zu 
tem und beatändigeu Vertrag kommen möchte, wollte auch desser- 
was in Ihren Kräften wäre, hiezu einigerlei Weise zu helfen nicht a_^ 
terlassen. 

Als ich von I. f, D. geschieden war, kam mir des Herrn Pfat 
grafen Dchl. wiederum entgep;en und sagte, ich hätte Ihr mit de 
überlieferten Extract der Instruction eine harte Lection aufgegebe:*^ 
und zwar, so viel die J80,(XiO Rth. anlangen. wUrde sich nicht b^^ 
finden, dass 8. D. , wann die Stünde dieselbe nicht willigen wolltec:^*' 
sich verbunden hätte, die Gelder beizuschaffen ; indem auch E. Ch. C^' 
die ganze Grafschaft Ravensberg, Ravenstein und die Flandrisch-*^ 
Güter und daneben noch vier der vornehmsten Aemter aus dem Ftlr"^ 
stenthuni Berge Über die aufgelaufene Pensionen und Interesse de^^^ 
180,fX>0 Rth. forderten, so wäre dasselbe nicht im Bausch, wie ict^ 
mich doch hätte verlauten lassen, sondern dergestalt gehandelt, dasg^* 
8, D. endlich nichts behalten würden, sintemal dasselbe Fürstenthun 
nicht gnugsam dazu wäre, eine solche Summ aufzubringen. Ich 
plicirte, so viel das Geld angehet, wiese ja S. D. gar wol, es mögend 
auch die Wort im Pronsionalvergleich oder sonsten anderswo dies-— 
falls lauten wie sie wollen, was hierunter beiderseits die eigentliche 
Meinung gewesen und aus wag vor Reden und Ursachen die 180,()(JÜ Rth. 
vor weiland E. Ch. D. Henn Vätern hochlöbl. Gedächtniss ausbeschei- 
dea worden, welche Reden dann (die ich nach der Länge wiederholete) 




') Cathariue Cbsriolle von Zweibrücke a, zweite QemaliD des Pfalzgrafeo« 
refortoirter Cimfesaiuü, \ 1651. 



rf iu Düäseldorf. Erste Rrnffiiiingeu. Leben am Däaaeldorfer Hofe. 



0*1 



Sffi 



also besobaffeii, dass sie und die darauf gegrllndete Ausbeseheidiing unri 
Bedingung der ISO/km} Kti), ein substantial und solches Stück des 
Contractu, ohne dessen wirkliche Leistung der Contract selbst nnth- 
wendiir müsste unerftillet hetssen, wären, und demnach in alle Wege 
eine Verbindung- auf sieb bitten. Betreffend den Bausch, denselben 
hätte ich nicht dahin verstanden, als wann E. Ch. D. die büUgmälssige 
VergnQgTing, welche dann zwar in einem weit mehrerem, zum wenig- 
steo aber in E, Ch. D. Postulatis bestünde, nicht widerfahren sollte, 
imd was anlanget, dass S. f. D. vorwilnde, Sie wttrde auf solche Weise 
nichts behalten, so wäre es einmal gewiss, dass, wann Recbt Recht 
8©in sollte, Sr. f. D. freilich von diesen Landen nichts, und dieselbe 
sämmtlirh E. Hi. D. allein gebohrten. 

Um die Zeit zum Mittagsmahl hatte sich ,S. D. abermals auf den 

W"eg gemacht Und war sammt dem Prinzen und Fürsten von Sulzbach 

«cbon anf der Treppe, mich zur Mahlzeit zn holen. Ich ward es aber 

gewahr, begegnete ihueu eilends und ward also zur Tafel gefÜhret, 

tu welcher mich S. f. D, mit eigener Hand t\lhrete, und die Oberstelle 

sanimt Ibrer Gemalin nahm. Ueber der Tafel ward ziemlich stark ge- 

*'T»iJken, sintemal S. f. D. selbst Tiel Gesundheiten anfinge und aus- 

•^aok. da ich dann hinwiederum dergleichen anfangen musate, und oh- 

'*ol die Gläser nicht gross waren, so kamen sie doch mit solcher Menge, 

'iasä man sich gnug zu wehren hatte. S. f. D. hatte einen grossen 

**tfränkischen Becher vor sieb stehen, darin fast viel Weins ging, nnd 

*^ welchem Sr. f. D, Frau Slutter und Grossfraumutter war getaufet 

"^Oi^en, dahero er auch noch die Taufe genannt wird; denselben Be- 

^"^T überantwortete mir S, f. D. anstatt eiues Willkommens, und was 

'« mir braehte, möchte ich aus dem Becher ausschütten, also dass S. 

• ö. eben so viel trank als ich; in den Becher aber gingen wol zwei 

^*Ä«a. Dieser FUrst ist gewisslich einer starken Complexion, frisch 

**ö^ gesand; isset und trinket sehr wol, und ob S. f. D. gleich itzo 

*5* IThre G'J Jahre Ihres Alters gehet, so kann Sie doch, nach meii 

*^o<em L'rtheil, noch lange leben. 

Nach gehaltener Mahlzeit wollte mich Ö. f. D. abermal bis in mein 
^**»»mer geleiten; als ich aber datllr bat und dasselbe keinesweges z«- 



leu wollte, begleitete Sie uiich allein aus dem Gemach durch die 

■^^tjkammer bis auf den grossen Saal, und befahl Ihres Herrn Sohns 

^a Prinzen Dchl. und des Fürsten von Salzbach f. Gn. mich dahin 

*^ begleiten, leb bat aber des Ilerrn Prinzen Dchl., Sie wollte doch 

^^^ Ml!bc nicht nehmen, sintemal ich alsbald zu deroselben in Ihr Zim- 

****«■ kommen und bei Ihr ablegen wollte, was E. Ch. D. mir absoii- 



J 



264 



n, Brandenburg und PfslR-Neaburg. 



deilich an diegelbe axifgetragen und hefoblen. Wora Sie dann ancb 
verstund, and schickte imlängst hcruacli den Herrn vou Franken. 
berg zu mir, mit welchem ich zu Sr. D. ginge. Was ich nun bei der- 
selben anbrachte und ferner zwischen Sr. D. und mir vorliefe, dae k- 
mhete in zwei Puncten, deren ich den zweiten E. Ch. D. hieneben in 
einem absonderliclien Bericht aus denen darin angezogenen Ursachen 
unterthän. hinterbringe. Der erste aber war dieser, dass ich ale ein 
E. Ch. D. sehr beschwerliches Werk hart anzöge, dass B. D. in Polen Mtte 
lassen gelangen und der Kiln. Mfij. und selbiger Krön einige ungleiche 
Inpressianes von E. Ch. Ü. hätte einbilden wollen, als ob E. Ch. D. 
Vorhabens wären, den Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg mit Krieg ao- 
zugreifen und S. D. aus diesen Landen zu verdringen. Darauf ant- 
wortete Seine des Herrn Prinzen Dcbl. fast eben dasjenige, wa» das 
Schreiben, welches der Herr von Frankeuberg vor diesem von Em- 
merich nach Cleve geschicket, in eich gelialten, fügte aber allein dies» 
hinzu. 68 wäre Ihro glaublich vorbracht worden, als härten sich einige 
E. Cb.D. vornehmste Bediente (da Sie dann den von Norprad OMi- 
haft machte) öffentlich und unverholen verlauten lassen, es wäre köM 
Zeit mehr Processe zu fahren, sondern die Sache mUsste und sollte 
mit dem .'Schwert ausgefiihret werden, wodurch S. D. sieh bewegen 
lassen, auf einige Gegenmittel wider die Gewalt zu gedenken ^^^ 
solchergestalt in Polen zu schreiben. Meine Antwort war daranf, «• 
würde sich E. Ch. D. versehen, dass, gleichwie S. D. numehr im WerK 
selbst das Widerspiel dessen, was Ihro ohne Grund wäre vorgebract* 
worden, befliude, Sic also auch dasselbe in Polen gelangen, und ^"^^ 
uugUtlich E. Ch. D. hierunter geschehen wäre, zu verstehen gebe* 
würde. 

Indem wir noch in diesem Discurs waren, kam deroselben H 
Vater, nahm mich mit auf Ihre Kutsche und fllhrete mich in alle 
eben der ganzen Stadt, also dass ich wol eine rechte Wallfahrt thä- 
wie auch um die hiesige Veste, und beruach wieder auf dem ychloss 
allen Kammern und Gemächern herum, allezeit mit dem HauptschlUs 
in der Hand vor mir hergehend. 

Der Herr von Fraukentierg that gestern anderwärts einen V' 
schlag, welcher mich zwar, unter E. Ch, D. gnädigstem Belieben, nii 
uneben dcuchtet, dass E. Ch. D. jemand alsobald in den Haage 
geordnet hätten, bei den Herren Staaten und des Herrn Prinzen 
heit Schreiben an den Herrn Pfalzgriifeu zu Neuburg zu erhalten, 
Inhalts, dass Sie vernommen, was maassen E. Ch. D. itzo einen 
sandten bei Sr. f. D. hätte, wegen des von derselben nicht gehalt< 



i 



■4 



BQrg;sdaTf in Däaeeldotf. 



265 



ProTisionalviergleichs und E. Ch. D. daher gebührenden Satisfaction; 
wollten demnach S. D. wolmeinentlich ermahnet haben, sich schied- 
licb zu erweisen und in der Billigkeit finden zu lasseu, damit hesorg- 
licher Unruhe vorgebauet werde. Sonderlich aber wäre im selbigen 
Schreiben ausdrücklich zu melden, dass in der Vermittelung, welche 
a. 1630 im Haag getrofl'en, die 180,000 Rth. mit eingeschlossen und zu 
Chwr-Brandenburgs Behuf vwbehalten worden, dass auch Ihre Hochmög. 
und des Herrn Prinzen Hoheit gern sehen würden, da sieh beide Chur- 
and FtlTsten nicht nur provisionalitcr, sondern hauptsächlich über dem 
ganzen Suecessionswerk vergleichen; und mit Ausbring- und Ein- 
AohickuDg solcher Schreiben wäre etwas zu eilen. 

Dieweil auch die Gttlich- und Bergische Stände schierst känftigen 
Montag den 18. dieses sich zu Cöln wieder versammeln werden, ao 
wäre gut, unter E. Ch. D. gnädigster Verbesserung, dass die Cleve- 
tind Märkische Stände itzo zu Cleve vermocht würden, etwann zween 
ihres Mittels zu den Gttlich- und Bergischen nach Cöln ungesäumt ab- 
zuordnen und bei denselben anzuhalten, dass sie die Entrichtung der 
1 80,000 Rth. aus Liebe der zu Heil und Wohlfahrt ihres Vaterlandes an- 
gesehenen und gereichenden friedlichen Einigkeit zwischen beiden Chur- 
und Fürsten willigten und auf sich nähmen, wodurch den albercit grossen, 
dem Vergleich im Wege liegenden Schwierigkeiten würde abgeholfen 
eein. Ich spüre, dass der Herr Pfalzgraf sich in diesem Werk des 
■von der Horst, Dechants zu Speier, und Ihres Vice-Canzlers Alt- 
lioTea's gebrauchet, und mnthmasse, dass sie mit einander etwas 
Schriftliches und Weitläuftiges aufsetzen werden, wider welches ich 
mich wol in keine Disputaticm werde einlassen, sondern darauf sehen, 
was zu einem E. Ch. D- begnilglichen Schluss gedeihen möge. LTnd 
g'ebe demnach E. Ch. D. zu gnäd. Bedenken unterthänig anheim, weil 
*Wem Ansehen nach der Herr Pfalzgraf in keinerlei Wege zum Ab- 
■*Äiid der vier Bergischen Aemter zu bringen sein, auch immerdar 
'larauf beharren wird, dass Sie zu der Verpensionirung der 180,(MK) Rth. 
S^r nicht verstehen v¥olle, ob dieselbe mir gnädigste Verordnung zu- 
'^öjimien lassen wollte, wofern ich erhalten könnte, dass E. Ch. D. die 
&Äiize Grafschaft Raveosberg, Herrschaft Ravenstein und Flanderische 
^Oler bekäme, wegen der 180,0<X) Rth. Capital aber mit Begebung 
<*er Pension und Interesse (wie ich dann Über diesen und dann noch 
®men Punct mit eigener Hand an E. Ch. D. geheimen Hath Herrn 
^^idel mit mehrerm geschrieben) bei Gülich- und Bergischen Ständen 
*^'" Einwilligung and Beischaflung inständig, ungeachtet aller Ent- 
**^**aldigungen, angetrieben werden sollte, dass ich alsdann darauf bis 



2ß6 n. Brandenburg und Pfati-Neuhnt^. 

tiff E. Ch. D. Ratificalion zu schliesscn liätte; item ob ich mit eben- 
m&ssigeu ConditionibuB auch wol einen ewigen Vertrag einzugeben. 



Copia de la carta soritta dal Marques de Castel Rodrigo al 
Sr Diica de Neubourg. o. D. ') 

[Der Kurfürat von Brandenburg hat sich iura rriedlichen Vergleich wol gcneip 

erklärt; äpttnieo wünscht, dase der Pfalzgrttf desgleichen tbne.] Ij 1 

^ubr. Con ocasion del casamiento del S' Elector de Brandenbourg y de haJ- 

larse eu las vezindade» de estos E^tados, embie a viiisitarle al S' de Rv 
bancourt Gov' de la Provineia de Gueldres, encargandole particularmeot* 
le diesse a eutcuder lo que el Key, nii seüor, se holgaria, se ajubtasse con 
V. Dileccion amigablement«, y bttvieudose propuesto diö intencion, segan 
avisa el S' de Ribaucourt, que vendria en ello, corao V. D" dispussiese <' 
cumplimientci alo que se ha faltado de los acoerdots, qne anos a est*" 
heehos entre V. D" y el dicho sehor Elector, mostrando inelinacion de «"*■ 
nir eu todo la razonable y convenible; y viendo yo esta buena disposici*^'' 
en el seüor Elector, dsseo corao tan affeciouado serridor de Y. D" refer^" 
selo, paraque con esta noticia se valga V. D" de los medios que jnzg^»^^ 
paeden difponer la materia a mejor direceion, y eseusar los lanzes y fati^*' 
qne trae sobre si la guerra; deviendose V. D" asegurar que nadie de»** 
eoa conservacion y reposso mas que el Rey, nii senor, como tan interesa. ^^o 
en ella y eus interesses; por lo qua! holgarä que V. D" eucamiue erte c»*" 
gocio coE el e?ento, qne se deve esperar de su mucba prudencta y en c:»^' 
den a esto estoy protnpto a cooperar con mis officios en quanto fuere ma^ ^^ 
Batisfacion de V. D"- — 



Burgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 16. Febr. 164 '^• 

[Geheime VorBchläge des PfalzgrafeniFhilipp Wiliielni über einen Erbvertnfp«' J 
le. Febr. Den zweiten Punct dessen, was in der Audienz, so ich gestrig^ " 

Nachmittags bei Herrn Pf'alzgrafen Philipp Wilhelm'« Üchl., la«-'** 
meiner hierbei kommenden beutigen Relation, gehabt, habe ich darn** 
absonderlich an E. Ch. D. unterth. zu bringen nöthig erachtet, we?' ' 
8. D. in währender Audienz mich zum öftern und zum höchsten g^^' 
beten, dass dieselbe Sach in höchster und zwar solcher Gehei*^^^^ 
gehalten werden luüchte, dass auch Ihres eigenen Herrn Vate^' ^ 
Dehl. davon nicht» erführe, und ist es eben dasjenige, was S. C^-^^B 

I) Die Abschrift dieses Schreibens übersendet der Baron de Ribeaucoar' __ 
Gonvemenr von spanisch Geldern, dem Knrfärsten (dat. Rannonde Ic 13 de Fet^ ^^ 
1647) ond dieser dann an Biirgsdorf nach DiiaBeldorf (dat. Clere lö. Fek^ 
ltj47). Der Marquese von Castel Rodrigo ist GonTernetir der spanischen Ni- ^^^ 
derlaude. Vgl. unten s. d. 18. Febr, 



sdorf in Döaaeldoff. Reheime Verhftadlaniren mit d, juog. Phlzgntea. 267 

*. Ch. D. durch meinen Bruder hatten gelangen lassen '), nilmlich. 

S. D.. wofern Hie, nach Ontie« Willen, f>hn eheliche Ijeiheserben 

»9 verfuhren'), alsdann alles dasjenige, was Sie von diesen Landen 

tte, E. ('h. D. hinterlassen wollte. Als ich St. D. dieses vorbrachte 

wegen E. Ch. D. zu vernehmen begehrete, ob Sie desseh noch- 

I gesinnet w&re, gab Sie mir zur Antwort, das wäre freilieh noch 

gänzliche Meinung, dergestalt nämlich, dass E. Ch. D. reciproce 

•iinwiederum ein gleichmäsHigea zu Behuf Sr. D, einginge und 

beten, und ein sonderbarer Contract dartiber aufgerichtet würde. 

ie ich von dieser Reciprocation hörete, kam sie mir fremd vor, 

ich akbald, davon hiitte mein Bruder in seiner Relatinr 

gemeldet, vielwenigcr E. Ch, D. mir deswegen etwas aufgetra- 

Ich ki^nnte auch bei mir nicht abäehen, wie dieselbe Recipro- 

>n an Seiten E. Ch. D. thunlich und ins Werk zu stellen sein 

||, eiüteraal E. Ch. D. Ihren ftlrstlicben Gertchwistem auf allen 

Rhr Recht wegzugeben nicht befugt oder bemächtigt wären. S. D. 

ande darauf, liese mirs auch hernach, als ich von Ihr gegangen 

I durch den von Frankenberg nochmals bestätigen, dass Sie 

W das eine als das andere, nämlich beide, was Ihr Erbieten und 

Reciprocation betrifft, meinem Bruder angedeutet hätte, und könnte 

.^ar leichtlich zugetragen haben, dass es ihm entfallen wfire. 

»i brauchte ich die Freiheit und sagte zu Sr. D., es käme mir 

Hir, als wann Sie sich dieses Erbietens nur zu dem Ende ver- 

en Hesse, damit sich E. Ch. D. bei jetziger Handlung zu aolchen 

Klonen, die auf Pfalz - Neuburgischer Seite desto vertraglicher 

B, bewegen lassen möchte. Darauf antwortete S. D. mit bestän- 

m Gesicht und Geberden durchaus Nein, und dasselbe wäre Ihre 

■ 

png oder Zweck keines weges, sondern begehrete, E. Ch. D. wollte 
l^nzlich versichern, dass 8. D., im Fall Ihres tildtlichen Hintriits 
eheliche Leibeserben, obgemelte Lande lieber E. Ch. D. als wei- 
Plalzgrafen August i*) Söhuen günuete. 

D Sutuma. ich spllre so viel, dass S. D. einen solchen Contract 
^ Ch. D. wol sollte eingehen und aufrichten, obgleich kein Ver- 

Ueber diese Yerbandliing Philipp Wilbelm's und tieorg Ebreot- 
*e TOD Burg sdorf liegt auaaer dieser Notiz nicbta vor. 
Philipp Wilhelm hatte von seiner ersten GeiuaÜD Anou C atliiiriun 
tanlia Tön Polen keine Kinder ; diese starb 1651; roo aeiuer tweileo Oe- 
Elisabetb Amalie tod Hessen • Darmstadt bekam er atebcehn Kinder, 
V Dean götme. 

P&Ugnif August, Bruder Wolfgang Wilbelui's, Griiuder der Liai« 
Bulzbscli. 



368 



IL BrnDdeobnrg and Pfalx-Keabarg. 




trag z%vischen E. Ch. D. und dem Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg ft- 
trofl'en werden könnte. V'or allen Dingen aber bittet S. D. gar uii 
und inständig, daas dieses alles in verschwiegener gröegester Gehen i 
bleibe nnd niemandem, auch des Herrn Prinzen zu Uranien Hoheit 
oder auch meiner gnädigsten CliurUlrstiu und Frau selbst nicht com- 
municiret werde. Dann Sie sagt, dass Sie besorge, auch gäuzhchen 
glaube, da es bochgedachter Herr Prinz vernimmt, ao erfahre es die 
Frau Princeesin und durch dieselbe die Frau Pfalzgräfin von Neuburg. 
von welcher es des Herrn Pfakgrafeii Dchl. selbst, zu höchster Seiner. 
Herrn Pfalzgrafen Philipp Wilhelm'» Dchl, Ungelegen heit, stracks würde 
gewahr werden. 

Bitte um Instruction and erentaell mn etnea Entwurf für den ni 
_ sehlies 8 enden Vertrag. 



Der Kurfürst an Biirgsdorf. Dat. Cleve 18. Febr. 1647. 

[Unterstützung in der YerhuiidluDg vom Haag her. Neue Erklämog aber di« tu 
verlangenden LBudeatheile und Gelder. Jeder neue Yergleich auch von i^io 
JQngen Pfalzgrafeo mit zu unterzeichnen.] 

tl8.Febr. Wir haben Eure beide unterth. Relationes vom 14. nnd lü, diese« 
nebst dem dabei gewesenen Poslscripto gestern Abend spät alhie «i- 
recht empfangen und Uns daraus der Gebühr nach umständlich vor- 
tragen lassen, welchergestalt Ihr bei Eurer Anlangnng des Orts ei"' 
pfangen worden etc. Lassea Euch darauf in guäd. Antwort vors erst® 
unverhalten sein, dass Wir heute einen expressen Boten an Unser» 
im Haag residirenden liath abgeschickt '), mit Befehlich, bei des Herro 
Prinzen zu Uranien Ld. und den Herrn General Staaten um Erth^^" 
lung einiger Sehreiben an des Herrn Pfalzgrafen Ld., des Inhalts, vne 
Ihr in Eurer unterth. Kelation unvorgreiflioh erwähnt, sich zu beio**' 
hen und anzuhalten. Sobald nun selbige Schreiben werden aue^®' 
wirket und anbero gekommen sein, sollen Euch dieselbige ungesäuf** 
zugeschickt und tibermacht werden. 

Nebst diesem und vors ander seind Wir endjich zufrieden, w»**^ 
Wir provisionaliter wegen der Uns aus der Grafschaft Ravensberg ^*^, 
enthobenen Abnutzungen die noch hinteratellige sieben Jahr über *^* 



ganze Grafschaft Bavensberg, Grafschaft Ravenstein und Flanderises- 
Guter zu gemessen bekommen und die Gillich- und Bergische Stäi» 
zu Erlegung der lt3(i,rHMi Rth. in dreien Terminen (als das erste «- 

') GhriBtiitD Mull; bei dem Schreiben an ihn werden zugleich auch 
Entwürfe der Schreiben mitguichickt , welche unten b. d. 21. Febr. verzeicte^ 
sind. 



.C*« 



^^ 




Burgadorf in DüBsMdorf. 



369 



ndere Jahr jedesmal öO.OrX) und das dritte Jahr 60,OOCi Rth.) oder 
Is geringste zu Erlegung einer Summ von 100,000 Rth. angehalten 
HlOQ, auf welchen Fall Wir auch nicht ungeneigt, die aufgewach- 
B Zioaen und dabei erlittenen Schaden zusammt den übrigen 
H)0 Rth. schwinden und fallen zu lassen; darauf Ihr dann mit Sr. 
H wie itzerwähnt, provisionaliter zu achliessen. Wie es aber mit 
kMicBsung eines perpetuellen Vergleichs zu halten und was dabei in 
Wht m nehmen, das habt Ihr aus mitkommender Punctation zu ver- 
«hmeu. Es wird auch der von Will eh von Unsem hiesigen Stän- 
In nacher Cfiln zu den daselbst versammelten &Ulich- und Bergischen 
tonden, um sie zu Erlegung vorerwähnter Summ desto williger zu 
lachen, abgeordnet werden. 

Desgleichen üebcräendnug einer InstractioD in Betreff eines Erbver- 
Seicbg. 

Im Uebrigen habt Ihr Euch nach Unserer Euch mitgegebener In- 
tractitin zu richten . . . insonderheit aber dahin sehen wollet, dass 
ff Fall einiger Vergleich, er sei provisional oder perpetuell, ge- 
'uffeu würde, derselbe auch von des jungen Herrn Pfalzgrafen Ld. 
"gleich mit vollzogen, oder da Hr. Ld. Vater hierunter Difticultet 
"Achen sollte, von Sr, Ld. vermittelst eines Reverses absonderlich ra- 
ficin werden milchte. 



»truction für den Fall der Schliessung eines definitiven 
Theilmigsvertrags. 

Öie FordenmgeQ, die Borgsdorf hierbei gradatim vorbringen soll, sind: 
jl) C'ieve, Marck, RaTcnsberg, Raveustein Dud die Flandrische Güter 
^eheei, itera das Überthell des Herzogthums Berge, so über der Wup- 
Begt. 

i) Oder Cleve, Marck, Ravensberg, Ravenstein und die Flandrische 
neben einem Stuck Geldes von drei oder vier Toimeu Goldes auf 
ksCD TennioeD zu bezahlen, und dagegen bliebe des Herrn FfabgrafeDs 
GuUch aod Berg ins geheel. 
3) Würde e» des Geldes halber Difticultet geben and der Herr Pfalz- 
■ zu den drei oder vier Tonnen Goldes oicht verstehen wollen, soll Un- 
HSesaudter neben den obbeuielten Landen, als Giere, Marck, Raveas- 
H, Ravt'usteio, item den Ftandrischeu und Brabandscben Gütern mit 
5ien Tonnen Ooldess oder 200, UOO Rth, in vier Jahren von Sr. Ld. oder 
Sucueseoren zu zahlen, content und friedlich seb, auch darauf zu 

n, Macht bsbea." 
folgen weiterti Forderungen tou Vergütung für die letzten Jahre des 
aional Vergleichs von 1629/30, der im März 1654 zu Ende läuft. Jeder 
loU ferner für seine Stücke die Session im Reich führen und die Con- 



370 



tl. BniD^enbtirg nnd Pfals-Kenburg. 



ti-ibationen aus ihneu gemessen. Das Directoriam im westMisclieo EraiJ 
soll eutweder gemciusam geübt werdeu oder alteniiren. Die VerleUiUQg dtt\ 
geistlichen Ueiieüi'ien aud aller Atsmter gtcbt dem betreffenden Laudeiiteno j 
Busschlieeslicb zu etc. 



Memorial, was bei Verhandehing eines pacti luutuae sucees- 
sioiiis iii Acht 2U nehmen. 

Dieser Pass müsste iu enmmo »ecreto zwiscben Uns und des Jäogtrit 
H«rrn Pfalzgrafeu Ld, tractiret und darauf rdruelimlicb (^enomnieu werdn» s 
dass, ufni Fall S. Ld. Pfalzgraf Philipp Wilhelm ohne Erben abgehe« 
würde, alsdauu Wir oder Unsere Erben Sr. Ld. in die Ihrem Herrn TaJer 
and Ihr jetzo zugetheilte Lande und Fiirstenthiimer als die ungezweiftlte 
Successores succcdireu, auch von de» sämmtlicheu ünterthanen für ihren un- 
streitigen Erb- und Landesherro erkannt und unweigeriicb angenommen 
werde«. 

Also, da eg der AlterhOcbsto also schicken würde, dass Wir vor Sr. 
Ld. ohne Hinterlassung eiaiger Leibeserbeu mit Tode abgingen, iugleiclie'' 
Unsere beede geliebte Schwestern, Frau Louise Charlotte, Herzogin «■ 
Curlaud, und Fräulein Iledwig Sophie, Markgräfiu zu BrandenbnfE» 
flueh deren keine hiiiterliesseti, alsdauu S, Ld. oder dero Descendentes W 
die Das jetzo zugetbeilete Lande, Fürstenlhnm, Oraf- und Herrschaften 
ebeumässig ala ungezweifelte Snccessores sucuodiren, auch dafür roo deD 
Ünterthanen erkannt und angeuoinmeu werden sollen. Und diese* Parti'*' 
köunte mit allen dienlichen Clansulis, wie sich Unser Abgesandter mit »f- 
Ld. deshalb wird vergleichen können, wol versehen, auch allen rechllicheO 
beueficüs und exceptioaibus in genere et specie reanneiret werden. 

Wir vemebmeu zwar, dass Sr. Ld. Intention dahin gehet, dass dieSnfi' 
cessio reciproce geschehen und gleich wie Wir Sr. Ld., ofm Fall Sie «te 
Erben verstürben, succediren würden, also auch Sie hinwiederum Uns, 
da Wir keine Leibeserben verlieasen, Uns succediren, Unsere beede Ge- 
schwistern nud dero Kachkommen aber von der Succession atisgeschlosaeik 
werden sollten. Aber Wir können nicht befinden, dass Uns solches CT 
thuen und gegeu Unsere geliebten Schwestern zu verantworten sein »oUte, 
sintemal si6 ein jus quaesitum an diesen Landen (als welche ihrer !Nai:ur 
wegen jederzeit feuda foeminea gewesen) albereit erlanget, so ihnen wider 
ihren Willen von Uns nicht genommen werden kann. 

Ja, Wir müssen nicht unbillig anstehen, dass, da Wir gleich in die ob- 
gedachte Reciprocation verwilb'gten, ob auch solches hochermelte Uase 
Schwestern und dero Desceudentes zu Recht würde binden und denetiiel 
ben pruejudicirea köunen, und ob sie nichts desto minder auch uf solche! 
Fall ihr ErbgiiDgesrecht nicht würden vindiciren können, uf welchem Fall 
aber der Zweck dieser Vergteichung, nämlich die inteutiouirte immerwah< 
rende Ruhe dieser Lande, auch beständige Freundschaft iwiseheu Un.seru 
beederseits Chur- uud Fürstlichcu Häusern gar nicht würde erreicht werde 

Auch könnten Wir nicht absebeu, dass Sr. Ld., deroselbeo Herrn Ve: 



1 

t 

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BuTgfdorf in DÜBseldorr. Der Pba eiues geheimen SuccesBioasrertrags, ^71 

(£rn iii diesem Stuck in so grosse CoDsIderatioD zu zieliei] eioige Uraocli 

liiLljen sollieD. 

Sollte aber dieses nicht zu erbalten sein, sondern es würden S. Ld. nf 
die augedeotete Reciprocation so praecise bestellen, so müsaten Wir es dahin, 
d&Bs es Sr. Ld. mit diesem von Ihr rorgeschlagcuen pacto snccessionie kein 
rechter Erust gewesen, erraessen, und hätte Uuser Gesandter uf solchem 
fall vielmebr ron dieser Haudeluug gär abzulAs^cn, alts das tu bewilligen, 
dfcis ichtwas zu Exciudirnng Unserer Schwestern und ihrer Descendenten 
«tjtniret würde; jedoch hätte er nf ^otchem Fall die Saeh nicht ganz und 
gw in ahrumpircn, sondern Uns zuforderst ansfiihrlicli davon zu berichten, 
iiimittelf.t aber die Tractateti mit Sr. Ld. Herrn Vatcra Pfalzgraf Wolf- 
K»Dg Wilhelm desto eiferiger und fleissiger fortzuütellea. 



'ßurgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 18. Febr. 1647. 

PJie spuniiche Mahnung zam Frieden an den PfaiKgrafen, Die Verhandlung 
Oüch Dicht weiter. Neue Vorachldge Philipp Wilhelm'a, Bnrgadorf rätb die 
'^<>Idfordemng fallen zu laascn; deggleiclieu nucU die Bergischeu Aemter nnd die 
Hi'fte von Barensberg; letzlerea zu Gnustou des jungen Pfalzgrafen. Burgsdorf 
"al dem refortuirtea Guttesdieust iu Düsseldorf beiwohnen; der Pfalzgraf sucht 
iie Vergeblich abzahalten. Jesuiteupredigt und Tafelfrenden. Der Pfalzgraf är- 
S'^'Ucli, sein äohn am so verbindlicher. Besorgnisa des Pfalzgrafen wegen des 
Ständetags iu Cüln. Die Neuburgische Gegeninformation.] 

E. Ch. D. ^ädigstes .Schreiben vom 15. dieses neben einliegeo- I8. 
^^f Copey dessen, was der Marquis de Castel Roderigo an des 
"Crrn Pfalzgrafen zu Neuburg Dehl. gelangen lassen, habe ich ge- 
»trigep Jüttagä zu 12 Uhren wol erhalten und will micb gemelter 
Copey zu Gelegenheiten gebraueben; habe auch gleich itzo verstan- 
<lett, dam das Original derselben zu Sr. D. Händen wol dnkoni- 
men gel. 

Berichte nun weiter unterth.. dass mir von des Herrn Pfalzgrafen 
Dehl. bis uff die gegenwärtige Stunde, da ich dieses schreibe, näm- 
iicli ungefähr acht Uhr Vormittags, auf meine Proposition und was 
dero anklebt, ausgenomnien was angeregte meine Relationes in sich 
halten, weder schrill- noch mtludlich Elrklärung zugekommen. Allein 
rernehme ich, dass S. D. eine Öcbrift lasset aufsetzen, welche allein 
eine Information vor mich genannt werden soll; wird mir nun dieselbe 
geliefert, so will ich 8r. ü. durch den Hen-u von Frankenberg an- 
deuten, ich bedürfe keine Information, hätte deren schon vorhin ge- 
nug, und begehrte allein, S. D. wolle sich erklären, was Sie E. Ch. D. 
vor Satislaction zu geben gewillt sei. Hfilt nun S. D. damit zurück 
und will gar nicht heraus, so komme ich auf die zweite desfalls mir 
aufgegebene Staffel, und da ich auch in derselben nichts erhalten, 



Febr. 




U. Braadetibarg und Pfali-Nenbnrg. 



h auf die dritte und letzte, und im Fall sich S. f. D. auch i° 

Ibcn nicht zum Ziel legten, m scheide ich alsbald von hinn^* 

lasse die Sache wie sie stehet. Worauf, und da es solchergesta,^^ 

Ruptur käme, rathsam und nöthig sein wUrde, ein Manifest au^*^ 

en zu lassen, auf dass männiglich vernehme, dass die Schuld a^-* 

klz-NeuhurjjB Seiten und E. Ch. Ü. an allem daraus erfolgendem^ 

heil unschuldig sei. 

Heutigen Morgen hat mir der von Frankenberg erzählet, e^^^ 

Ire in einem langen Gespräch mit des jungen Prinzen Dchl. gewe- 

und von Ihro verstanden, wasmassen dieselbe Übel damit zu 

eden, dass Ihr Herr Vater die Sache also verzögerte, wobei S. D 

>ch von einem Vorschlaf gemeldet, dass nämlich Seine des PrinzeuKi^^ 
phl. die eine Hfilfte der Grafschaft Ravensberg (sintemal der Hen^^cr 
Bier Sr. D. dieselbe eingerüumet) und E. Ch. D. die andere Hälft^^^ 
pben Ravensteiu, Flandrischen und ßrubantisehen Olltern behielten -^, 
ild dagegen die 1S(MX>C) Rth. und was ferner wegen des langAvieri — -Ä- 
Genusses an Seiten E. Cb. D. gefordert wird, fallen Hessen, kt^ni 
te darauf, dass ich einen solchen Vorschlag E. Ch. D. nicht etoms-^^Bl 
terbringen dürfte, weil er dersellteu gar zu praejudicirlich. Ich ve n-^ ^i- 
ahm auch von dem von Franken berg, dass der Prinz selbst deswe^^ "**• 
iD zu mir kommen wUrde; und gewissüch Seine des Prinzen DchF .«lAl. 
rweiset sich Über alles mein gehabtes Vennuthen sehr begierig nn».Ä=«Tii 
[ihiedlich zu einem rechtschaffenen Vergleich; es ist ILme aber sehrJ^shr 
gst wegen der Grafschaft Kavensberg, in Beti'achtung, da E. Ch- HTTT D- 
selbe ganz sollte zukommen, dass der Herr Vater Ibme zu Sein^^Ä^er 
d Seiner CJemalin Unterhaltung keinen Heller oder Pfennig od^ ,tider 
tader Aemter zulegen wllrdc, also dass es des Herrn Sohns Dchl. a^s an 
Btteln zum Unterhalt, welchen Sie aus Neuburg nicht mehr erheben *^^° 
n. ennangeln würde und er sich gauz von danuen begeben mtlsst^'-^^te. 
Kürzlich davon zu .reden beruhet es hierauf: des Herrn Pfal 1'-^^'^' 
fen Dchl. hat sich (wie der von Frankenberg aus des IMnz^-^:*^ ^-^^ 
en meldet) vernehmen lassen, würde man Sr. D. mit dem alle^»-» '®^~ 
ten Buchstaben beweisen, dass Sie auf sich genommen, dt» ""^ 
|,00<J Rth., im Fall sie von den Ständen nicht beigebracht würdet -^*°' 
|Bizusc*haften, so wollte Sie keine Gegenrede gebrauchen. Und zw^"^^*'- 
iSdigster HeiT, die Wahrheit zu bekennen, wann es vor einen m:^' ""' 
irteischen Richter kommen sollte, so sehe ich nicht, dass S. f. '^• 

kzu verdammet werden könnte; dann bei allem demjenigen, was ''" 

(ovisionalvergleich von disponiren, sollicitiren, ein- und b^ "'- 
ingen gemeldet wird, stehet allezeit, dass S. f. D. dasselbe neb- ^ä 



^4 



all 




Borgsdorf in Döseeldorr. 



273 



len CliarbraDdenburgiaelien oder helfen than wollte. Ob auch vvol 
in sich selbst gut, wie ich jlfngst unterth. vorgeschlagen, dass die 
Jülich- und Bergieche um Beischaffungr selbiger Siuiiru belanget wer- 
leo, so ist doch zu besorgen, sie werden dasselbe schwerlich auf sich 
lehiuen. Was die vier Bergische Aemtor anlanget, hat S. f. D., der 
lerr Vater, ausdrücklich gesaget, Sie wollte lieher mit einem weissen 
tocfe aus Düsseldorf gehen, ehe Sie ein einziges Dorf aus Gtllich und 
^'■ge TOissen wollte; derowegen möchte dieses zum Vorschlag dienen, 
'*ixii E. Ch. D. die ganze Grafschaft Ravensberg, Ravenstein, Flan- 
i^che and Brabantische Güter bekäme und dargcgen die 180,(XX) Rth. 
'*'i dergleichen scbwindeo Hesse . und im Fall der Herr Vater hiezu 
M" nicht zu bewegen, iider auch der Herr Sohn aus obaugedenteten 
^'Rachen, nämlich seines Unterhalts wegen, dazu nicht verstehen 
^Änte, dass alsdann in conimunione, laut des Haagischeu Vergleichs, 
*« eine Hälfte der Grafschaft E. Ch. D. neben jetzt erwähnten an- 
•^Tn Stöcken, und die andere Hälfte dem jungen Prinzen die sieben 
^tirende Jahr Über verbliebe; nach Umgang aber derselben, oder 
^^ch, da vor Endigung selbiger sieben Jahr der Herr Vater oder der 
XiBge Prinz selbst mit Tode abginge, die Grafschaft eammt obigen 
Glücken E. Ch. D. ganz allein behielten; und ob nicht auf selbige 
^eise ein stets vvShrender ewiger Vergleich mit Pfalz-Neuburg einzn- 
gehen und alle das übrige dadurch aufzuheben; hierüber, wie auch 
iregen der vnni junge« Prinzen vurgeschlagcncr Keciprocation, wird 
E. Cb. D. sich gnädigst gefallen lassen, mir gemessene Verordnung 
EU erthcilen. 

^ Vorgestrigen Samstag war ich entschlossen, des folgenden Sonn- 
Ip die J'redigt bei der Herzogin f. Ü. zu hören; hernach bedachte 
ich, es wUrde E. Ch. D. zu Erhaltung des evaugeliachen Exercitii an 
diesem Ort und in den sämmlUehen fTttlicli- und Bergischeii Landen 
gefasster Intention ähnlicher, deroHClben Rcspect und Autorität vor- 
träglicher, und den Häunnttiehen eviingclischen Oemeiuen tröstlicher 
und zu ichtwas Enjutckung erspriesslicher sein, da ich in itziger von 
E. Ch. D. aufhabender (Jualität llirci* Gesandten bei der hiesigen re- 
formirten Gemeine In der Stadt erschiene, wozu ich dann auch die 
Anstellung macheu liess. Dasselbe vernahm alsbald des Herrn Pfalz- 
grafen Dchl. und schickte des ge.'Strigeu Morgen wol viermal zu mir, 
mich unter allerhaud Schoin und V<irwand von selbigem Kirchgang 
abwendig zu machen; ich erachtete aber, je mehr der Herr Pfalzgraf 
dawider strebetc, je mehr ich gleichni)! berllhrter Ri'dcn halber damit 
fortzufahren hätte, wie ich dann auch getban. Ueher der Mahlzeit 

V>i«r. tur GHCb. d. Gr. Kiirrumen. IV. 18 



274 



n. Bfandeoborg and Pfalr-Neuburg. 



erzeigte sieh des Herrn Pfalzgrafeii Dchl. sehr fröhlich und begehrte 
unter andern, weil ich hont in der reformirten Kirche gewesen, sn 
wollte ieb aueli um der Voiä|>cr Zeit mit Sr. D. in die Jesnifeqiredigt 
kommen. Ich enthraeh mich aber desselben oud sagte, es könnte 
noch wol ein andermal geschehen. Unterdessen hielten wir die Vesjiei- 
zeit Ulier der Tafel mit vielen Gläsern und ward also aua der An* 
dacht ein halber Rauseb. 

Icli vornehme, da.ss S. D. uf^eb sehr ungehalten auf Einige ist, 
die Sie in Verdacht hat, als hätten sie mir zu gedachtem Kircheiiga,"«^? 
gerathen, indem Sie sonderlich zu einem Ihrer Redienten vi>n Ad^V 
80 der reformirten Religion ist, gesaget: thr haht mir das Bad gF*^\ 
macht. Des jungen l'rin7,en Dcbl. aber bat sieb durch den von Fra 
kenberg bei mir entschuldiget, und begehret, ich wollte Sie d(^ •*'' 
nicht in Verdacht halten, fxU ob Pie an des Herrn Vaters eiferig;^' 
Bezeiguug Theil hätte; dun» 8ie vielmehr ein ^lissfai! darau trtl^S^' 
Diese biei-unter vom Herrn Pfalzgrafen gehnmchte Verfahrung niac^!sht 
mir die Gedanken, dass, wann es in itziger meiner Vci-richtung 
den Religioogjmnct kommt, sieh alodann allerhand, DifticuUst ereign 
durften. 

Heutigen Vormittags kam des Herrn Pfalzgrafen Dchl. persSnlK: 
in -aller Eil zu mir in mein Gemach, da ich eben mhs und schrie! 
und sagte, es wäire jiericulum in luora ; Sie bfltfe Zeitung bekomme 
dass itzo die GUlich- und Bergische .Stände zu Coln beisammen wär^^") 
und dass die zu Cleve versammlete (Jteviscbe und Märliiäche Stän. ^^ 
eine Abordnung zu den audern nach Cöln t.bun wflrden, da dann *" 
erachten, sie möchten ingesammt etwas zu Praejiuliz eines und and»* 
Chur und Fdrsten an Kais. Maj. bringen. Ich antwortete, von d^' 
gleichen vorbaheudem Anbringen bei Kais. Maj. wUsste ich uicuts, al^* 
das wUsste ich wo!, dass die Clev- und Märkischen Stände genieitm 
sein, itzo, da E, Ch. D. einen (Jesaudteu alhier hat, bei den Olihc ^^'' 
und Bergischen zu gesiuneu, dass zu Beförderung der Tractaten z "^^ 
Einigkeit eine Abordnung anbero gcscheheu möchte, und zwar v^'^ 
gesamtiden Stünden ticmelter Lande. Worauf S. D. sagte, wäre 
anders uiclit, so hätte es seine Maass. 

Als ich eben dieses Schreiben endigen wollte, schickt mir ang 
Wir um 12 Uhr beutigen Mitlag«? des Herrn Pfalzgrafens üchl, biels 
liegende Infttruiationsschrift. deren ich auch oben erwähnet, dass i- 
Bchou etwas davon vernommen hätte; welche dann anders nichts 
sich billt, als was S. f. D, so oft und vielmals eingewandt; einig 
Puucten wird darin erwilhnet, worUber ich an den vou Schwer 



dl 




Burgsdorf in DtiBseldorf. 



275 



Aufüuchung und Ci»uiiuunication der Nachricht itzo mit eigener Hand 
»reibe. Auf »emelte Infunnatittussirhrift \Fill ich Sr. f. D., gleichwie 

drtthen in geeeiiwärtiger meiner unterlh. Relation melde, durch den 
«chaU Weachpfennig und Hcrnt von Frankenherg entbieten, 
t» derselben nicht bedurft hütte, und was ich tliesfalts ferner 
gen des niodi und der graduuni, so icb darunter E. Cb. D. mir fUr- 
sdiricbener Instrui-tion zufolge zu gebrauchen gedenke, tn berühr- 
a obigen Ort andeute. ITnd wann icb mm auf der dritten Staffel 
>rdc geküuimeu sein, wovon ich E. Ch. D. alsdann unverlangten 
terth. Ilericht thnn will, 80 werde ich mich albier noch so lange 
nialten, bis E. Ch. D. mir auf obangcdcuteten Vorscblag zum Pro- 
rtonal- oder auch ewngcn Vergleich Ihre gnädigste befehlende Er- 
iTnng wird ertheilet haben. 



irgätlorf au den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 19. Febr. 1647. 

t<?i(ibitten. Vermittelnde A''or8i'lvti(gf' Burgsdorra zd Gqdswd des jungen Pfali- 
■Meu; auf dit? beuDBprui'litt; Geldstimiue iat gar keine Auaaielit. Gespauutea 

(Itaiaii Ölfischen dem Pfakgrufän iiud e^inuD Ständeii. Fttiüpp Wilheltn 
anders gesinnt ; Beine Wiclitigkeit.] 
iljen bei Abgang meiner jUngstcn untertb. Relation hin ich* von t9. 
sr gewöhiilieben Krankheit des Steins dermaegcn Überfallen wor- 
, dan» ich mich die vcrHcbiencne Nacht fast des Lebens verziehen, 
Sk mich nicht weiss, mIc es abhülfen uiücbtc; nichts desto weniger 
^Hasse ich, meiner unterth. Schuldigkeit nach, nicht, nachzusinnen. 
Hieb in der von E. Ch. D. mir aufgegebenen Verricbtung mit die- 
Bbarthalteuden P^ürstcn endlich zurcebt kommen möchte; und hier- 
K mm»s icb mich itzo gleichsam der dritten Hand gebrauchen, wo- 
Bi ich gleiehwnl so viel erfahren, dass des jungen Herrn Prinzen 
K dabin incliuiret, weil E. Cb. I>. ja auf der (Jrafscbaft Ravens- 
H .«»ammt Ravenstcin. Flandrischen und Brabaatiscben Gittern und 
Bben ufl" dem Ca|>ital der l><li,(HWi Rtb. bei^ttinde, so müchte zu 
Hu Mittelwege dieses dienen, dnsi« K. Ch. D. sieb spnnte und als 
■eigener HewegnisA erklürete, naelidcni Sie des Prinzen Dchl. zur 
Hdlicbkeit geneigtes (jciutith cpUrete, dass .Sie derowegen und in 
Hiebt demselben Seiner des Prinzen Ik-hl. vermittelst einer Commu- 
H die Hällfte der (irafncbai^ Kavcnsberg lassen, auch vor dasmal 
Bdie ISO.tHKi Kth. nicht so hart dringen wollte, jedoch dergestalt, 
Hl wann der Prinz zum Regiment der Ijiudc k/inie, :ilsdann nicht 
Bn £. Cb. D. die ganze Grafschaft in soliduui verbleiben, sundera 
Hl der Prinz sich auf denselben Fall jetzt als dann, und dann als 



Febr. 



276 



n. BraDdenhnrg und Pfali-Neubnrg. 



jetzt verbindeu sollte, aus seiueii eigenen Mitteln eine Sumoi nuM 

2(X'),rtfKi oder IRO/KXI Rtli.. oder wie man sicli desfatli« euillich tb' 1 
glcicLen könnte, E. Cb. D. innerballi dreien .lahreji, von der Zeit u, I 
dasB der Prinz ins Regiment getreten sein würde, zu entnchti'n; wM I 
ferner zu Itedingen wäre, und der Herr Vater selbst sieb zu verWinlei I 
hätte, imFiiIl der Prinz vordem [lerrn Vater sttirbe, das9 alsdnimd« I 
Herrn Vaters Ücbl, gebalten sein sollten, E. C'b. D. die ganze Gralsilisft 1 
(allezeit neben Raveustcin, Flandriseben und Brabautiscben OOtem) eia- 1 
zuräunaen und daneben vmi Zeit des tödtlicben Hintritt;* des llemi W»- I 
zen in dreien Jabren aus Seinen, des Herrn Pfalzgrat'en, eigeueD MiOeb I 
die Summe, wie obgedacht, deren man gicb wird vergleichen köiiMii, 1 
zu bezablen. Und zwar, so viel die 180,rKX) Rtb. anlanget, und dassmai 1 
meinen» wolgemeiuten untci'tb. Vurseblage nach, die rtUlirii- und Bti' I 
giscbc Stünde darniu an8|irecben und von ibnen etwas botlen woillf. I 
da vernebme ich numebr, dass darauf ganz keiue Hoffnun}; vi o* 1 
eben; dann es ist zwiseben des Herrn Plalzgrafen Dcbl. und erffShB- I 
ten Ständen eine solcbe misstraulicbe Verbitterung, dass die !?täii(tf 1 
dieselbe Summ, weil S. f. D. dadurch erleiehtert werden würde, nio- 1 
mermehr werden willigen. Dahingegen suchet des jungen Herrn Iw I 
zen Ücbl, der Stände guten Wilk-u und maeUet sieb dahem die Uo' 1 
nuug, wann es zu dein uliangeregten Fall käme, dass 8. D. abilW I 
bei den Ständen die besagte, oder eine solche Summ, die nun «i- 1 
glichen werden würde, erhalten; wiewol E. Cb. D. nicht darauf, o^ 1 
und was die Stünde willigten oder nicht, sondern einzig und allw" | 
auf des Herrn Prinzen Debl. (so Sie den Fall erlebet) oder da W* 
vor demselben abginge, auf den Herrn Vater zu sehen hätte. 

Auf alleu Fall aber auch des Herrn Vatem Uchl. Ihrer WeL« 
naeb zu dem Punct der Gelder nieht zu bewegen sein, aoudern b"" 
barrlieb dagegen streben sollte, so stunde E. Cb. D. ferner gnädigst I 
zu erwägen, olt dann eben um einer Summ fJcldes willen ein soW*! 
Werk, das zu Stiftung beiderseits Friedcu und Ruhe dienet und oöi 
thig ist, insteeken zu lassen, und obs nicht vielmehr auf den aussen 
8ten Fall, und da der Herr Vater zu Versprechung der Gelder vi^"i 
zu bewegen wäre, dabin zu nehmen, dass mit Hintangetzaug derselbe 
Gelder der Sebluss auf obbesagtcn Fuss gemacht werden kßtio*^ 
dieses alles aber noch auf die Provisinnalvveise, es wäre dann, d^M 
E. eil. D. vor gut ansähen und mir befiehlen, solehcrgestaltVauel» j 
perpetuura zu bandeln und zu sebli essen. \ 

E.Cb.D. wolle sich gnädigst gefallen lassen, mir in diesem al'^ 
bevorub auch über des jungen Prinzen Dcbl. Vorschlag von der 'i 



Bargsdorf In Düsseldorf, 



277 



»ation Ihre gnädigste Meinung und Verordnung zu ertheilen, und 
i sehe ich (lurehaiis nicht, dass es dicBfulls ufif ein liöheres, dann 
^meldet, zu bringen. 

fc. Ch. D. kann uiclii glauben und icb werde derselben zu niei- 

nederkuoft unterth. guugaam zu erzäbleu baben, wie seltsam es 

Bben des Herrn Pfajzgrafen Dcbl. und denen Ständen stehe"). 

lal scheinet gemss zu sein, dass S. f. D. anders nicht, als der 

le gtinzlifhen Untergang: sudie; und wann S, D. sptlrete, dass 

i. D. gegen Ihre Landstäiide dergleichen zu thun gesinuet wäre. 

Brden E. Ch, D. mit Sr. D, in diesen Tractaten riel besser zurecht 

len; nachdem aber Sr. D. diese Vermuthnng fehlet, so hält es 

iesto härler. Des Herrn Prinzen Dehl. aber ist gar eines andern 

» und Vorsatzes, wie oben schon erwähnet; wann der Kaiser 

Jaiem nicht ein Ang auf diesen jungen Prinz hätten, so würde 

n den Herrn Vater wunderlich stehen, wie viel bequemer raünd- 

I in Untertliäuigkt'it wird gemeldet werden können. 



rnere iind endliche Sr. Ch. D. Erklärung. Dat. Cleve 
20. Febr. 1647. 

FemiitteltiiigBvorBChläge verworren; keine gemeisaame Regiemog. Letzter 
Vorschluf des Kurfiiraten.] 

Den ersten VorschLig , dass nämlich die Grafschaft Etavensberg ao. Febr. 
KDmunioQ gesteliet, die eine Halbscheid zusammt der Herrschaft 
Utein und Flandrischen, auch Brabantischen fitltern ins geheel 
Jh. D. (dieselbe die noch liinlerstellige sieben Jahr über zu ge- 
BD) eingeräumet werden sollten, betinden ri. Ch, D. nicht practi- 

uoch thunlich zu sein. 

,) Dann zu geschweigen, dass die Anrichtung der gemeioschaft- 
i Uegierung noch riei DifUcultät haben und nicht wenig Zeit er- 
m würde: 

) So ist am Tage, und beztigets die tägliciie Erfahrung, dass 
ummutiio nichts anders, ab eine mater discordiae sei, und daraus 

lerhand Streit und Mtssbelligkeit entstehen, der intenüonirte 

aber einer besUtndigen Freundschaft dadurch gar nicht würde 

et werden. 
So thnt auch dieser Vorschlag der Sachen kein Genügen, ist 

icht sufticient noch zureichend; dann, wann diese Grafschaft 



/'gl. die Klagschilft der Stände gegen den PttAzgiixkn an die General- 
Aarch Aitzema forgehracht, bei Loodorp Acta piibl. VI. p.316i'. 



378 



n. Br«naeiiboTg nni Pfalsi-Neuburg. 



in die Commiinion die noch übrige Jahr Ober gestellet werde» «11,1 
80 möBste Sr. Ch, D, wegen bisher putratheiier acUtz<'bnjiihri^*ef AM 
oUtziiag Erstattung geschehen, welches uff ein Huhe!* sich belwif« 
würde. Dann obgleich der Herr Pfalzgraf vorgibt, stammt hä«t ffj 
die ganze Zeit Über aus dieser Grafscluift über ö^j.OfX» fioltirfldnl 
nicht erhoben, so ist doch solche» iiit vermiithlieh, sintemal liic lii»'' 
ecbat't in ordinariis et tixis über 12,(m;iO Guldglilden nach allem Al«^] 
jährlich gar wol ei-tragen kann. 

Wann nun gleich eine Quarta wegen dos Amts Ravcnsilterg iii^ I 
von abginge, so bleiben doch jUhrliche Heiuuig noch IKiOO tluhliiülila 
thut in achtzehn Jahren lt)2,(HX) fioUIgüMen, davon würden Sr.rili 
zukommen 81,(XK) Gnldglllden. Und daninfcr 8ein4 oo*''' "'<"''' ''* 
estraordinari Getlille, Contrihutioueij und andere der Landeslmheil »«• 
klebende Nutzungen, noch weniger die fruetus percipiendi, sim!"« ' 
auch zu consideriren und nicht nur dahin zu sehen, was S. f. D. «it^' 
lieh genossen, sondern auch was genossen werden können, wpkwj 
alles uf ein sehr Hohes anlaufen wUrde. 

Dasselbe aber würde in denen noch Uhrigen sieben Jabrea «iM 
dei' blossen Herrschaft Ravenistein, item Flamirischen und Brabw»"'' 
sehen Gtlteru (als welche durch Vcräusseruug der Holzungen sehr «f- j 
wüstet, auch sonsten mit vielen riehulden bc^clnveret sein solleul ''*'j 
weitem nicht zu erheben sein. 

4) Noch weniger würde S. Ch. D. sich der 180,CI0<J Rth. hallK 
BO Ihr aus GUlich, Berg und Kavensberg gebühren; 

5) Am aller wenigfiteu aber der grossen Schäden, so Ihr in to 
Staatischen Bchnldforderung durch diese Nichtzahlung cansirel sind, 
daraus im geringsten zu erholen halicu; liiuft also dieser VursebU 
uff eine notorische Unbilligkeit hinaus, ' 

Damit alter gleichwoj y. Ch. D. an Zerschlagung dieser Traclalen 
nnd daher besorgender Weiterung keine Ursaeh, sondern Sr. f. D 
das Maas voll geben möge: »o erklären 8ie sich pro extremo dubio 
dass, wann Ihr die ganze Grafschaft Kavensberg. llavensteiu uud Flau 
drische, auch Brabautische GHter itzo alsofort eingeräuniet und di 
sieben Jahr über, so aui Provisionalvcrglcieli übrig, zu gcniessea g< 
laseen werden, dass Sie alsdann sich Ihrer Forderung wegen <ler cn 
ratbeueu Abnutzungen gänzlich begeben; auch daneben Ihre Praetei 
sion und ganzes Recht, so Sie zu den 160,(>iX) Rth., welche aus Gülit 
und Berg cum usuris habcu sollen, an des jungen Herren Pfakgrafe 
f. D. übertragen wollen. Da dann nicht zu zwcüeln, es würde S. f. D 
weil Sie der Staude Aflection haben, bei denenselben als weui« 



Btirgsdorf in Düegeldorf. Neue InBlruction. 



279 



lS»Pä|»ital ta' üirer desto bessCTcn Unterbaltnng leicht erheben und 
desBelben uff gewisse leidücUc Termine fjlhig werden könuea. 

Darzu würde Teriiiutlilich dee alten Herrn Pfalzgrafeu f. D. ge- 
gen dem, dasB 8ie dieses Ansiiruehs von Hr. Ch. D. erlassen wllrden, 
Uinwiederum geneigt st-in, Ihrem Herren Hohne noch darzit ein Paar 
gute Aeniter entweder im (TÜlichschcn oder Bergischen einKuräuraeu. 
iiff welchen Fall dann Sr. f. D. weit besser ale mit der halben Graf- 
staft fJÄvenöberg gedienet sein wllrde. S. Ch. D, versehen sich, es 
rerden beede Herren l'fakg-rftt'en diesen billigen Vorschlag nit re- 
äiren, weil ja uff diese Weise S. Ch. D. ein mehrers nicht denn nur 
»iehenjährigen Genuas der obbemelten Guter erlangen, hingegen aber 
alle Ihre so stattliebe Forderungen wegen der achtzehnjährigen Ab- 

^nutamg, item der ltiO,tlOÜ IKh. und dero Zinsen gänzlich fallen und 
kwjnden laascn. 

üud hierauf könnte nun prorisioualiter geschlossen und der vorige 
Ptoviaionalvergleich die nuch übrige sieben Jahr bis zur Endschaft 
wntiuiiiret werden. 

Und uff s<dche Weise könnte auch wol der ewige Vergleich ge- 
schlossen werden, doch dass die Summ Geldes etwas hilher gesetzt 
iBd genominen werde: also dass !>. Ch. D. Clcve, Mark, Ravensberg, 
liavensteiu and die Flanderische. auch Brabantische tiUter. der Herr 
1'1'aUgraf aber Gülich und Berge erb- und eigcnthümlich behielten; 
if<1uti Sr. Ch. l>. oder dero Erben alsdann von des Herren Pfalz- 
.-,:;itijui* f. D. ufs vveuigste noch 15U,(X)0 Kth. (in casu wann der erb- 
liche Vergleich itzo alsotort angehen sollte;, oder aber im Fall, wann 
tlifi»er Erbvergleich erst nach Ablauf der sieben Jahren anginge und 
8. Ch. D. ludcBSeu die obbemclte Gliter die sieben Jahr über zu ge- 

nieziseu hätten, nfs wenigste UK.MAM.) Kth. uucb zugeschossen, uud Sr. 

Cb. D. deshalb zur Assecuratiun gewisse Aemter uuterpfändlich ver- 

eeluieben würden. 



Prinz Fnedi'icli Heinrich von Oranien an den Pfalzgrafen 
PhiHpp Wilhelm. Dat. Haag 21. Febr. 1647. 

(AofTorderuQg deu (i'LcdUchcii Absichten des Kurfürsten iu gleicliwr Weise 
ei) tgegeozn komme Q. ] 

Monsieur. Les differens, (^ui k mon regret s'agitent depuis quel- 2t. Pebij 
qnes annees en i-ä cnire Mona. l'Elecleur de Brandeubourg et Mong. 
le Duij de Nieuhurgh Vostre pcre, Vüus concernent de ei prös, que 
j'»y pense ne luy pouvoir recomiuaiider aveq assez d'efticace les 




280 



n, Brandenburg and Pfals-Neaborg. 



moyens de s'entendre lä desBUB h Vamiable, si je ne^VooB tesmoifluv 
en siiite le desir que j"ay de veoir de mou vivant l'une et 1 autre dt 
Vo8 maisons descliargöes da subject de ces aigrcur». Mondt Siar 
l'Electeur aussi e'j estudle aveti taut de passion, qii en fin voici le 
Sieur de Burckstorf, son Grand- Chainbellan et Premier luiiiistrt, 
qu'il y eiuitluye par voyage expres, dout. eu somme. Ic biü n'c'st mW 
qua de ventr mondt Sieur Vostre p^re se resondre ä tbumir «t » 
complir ce qui a esttS portö par le dernier traict^ golemnel ile iu 
1630- Je Yoiis supjdie, Monsieur, de si bien peser rimportance in 
repos corniiiun et llnterest, que Vous avez ä le procurer. qne decoi- 
tinbuer ce qui Vous sera posBible k ce que ceste eatrevue nesep«?»!« 
inutileiuent. Je travailleray de müji costti k Vous y rendre eiiB«niblt 
tüU8 mee meilleurs officcs, et Vous me fcre» favcur de eroire, qw. 
quand ce seroitt lä lee eflects de ma passion au bten publiq, ce w 
seront pas moins des teBmoignages de Celle que j'ay pcmr Vnstre ««i- 
vice, aux üccasioiie du quel cuncourranteB aveq eelui de rai^a poiiToir 
Vous trouTerez toujours infaiiliblement que je suig etc. 

Hierbei Briefe den gleichen Inhalts und Datnius vou dem Prinzen m ^ 
Pralzgrafeti Wolfgang Willielm und rou der Geinab'n des Prinzen «i ilif C«- 
nialin des Pfiilzgrafen; alle in Abschriften. Ueber die Abfassaug di«" 
Briefe s. ob. p, 268 not. 

Der Kurfürst an Burgstlorf. Dat. Cleve 21. Febr. 1641. 

(Der wahre Gmnd für Ptilipp Wilhelm'B (Hedliche Gesimmng.] 

21. Febr. Resolution auf die Relation aus Düsseldorf vom 19. Februar. — InB* 

treff der Vorscbläge wegen Rareasbergs muss der Kurfürst noch bei sein* 
bieberigen Erlclärnng rerbleilien. . I 

Das8 aber dee jungen Pfalzgraten Ld. sich so geneigt zu de*" 
Vergleich erweisen sollen, lassen Wir dabin gestellt sein, und kOiin^ 
doch nicht dalllr halten, dass es aus einiger zu Uns tragenden Affe^ 
tion herrühre, sondern vielmehr aus der Ursaclien, welche Ilir aus Am 
von Hoverbeck Euch übers duckten) Schreiben albereits werdet vafl 
nomuieu haben, dass uämlich die Krön Polen Sr. Ld. vor eudlicliem \m^ 
Uns getrofl'enem Vergleich wegeu dero Gewalin die Ehegelder iiicl 
wollen auszahlen laesen, in Erwägung, des Pfalzgrafen Ld. dero G^ 
nmlin sonst wegen benielter EhegeUler einige Assecuration in di 
nen Gillichschen und Bergisclieu Herzogthunien zu geben schwer u« 
zweifeUiaftig lallen würde '). 

') Bo Verb eck' s Sclireibon ans VVarscIiau vom 11. Jsa. 1647 a. Urk. 
Actenst. I. p. 226. 



Bnrgadorf in Dnasetdorr. 



281 



Kurfiirst an Burgsdorf. Dut. Dusseldorf 22. Febr. 1647. 

|SchIicl)e des PfalzgrafeD. Keioc Aussicht zu eiuetn defioitiTen Vergleicb; ancb 
•t ein pröTiaio Haler rathlicher. Vorschläge Bnrgsdörra. Die Stande wirklich 
DBo1v»nt. Der geheime Erbveftrag mit Philipp Wilhelm, Persönliche Inlercaseu 
er Fimilie v. d. Horst. Versammlung der Stände io t'uln; Seodung' Schlejör'a 
Weachpfennig; die 160,000 Rth. von deo St«Q<len nicht zu verltiofjen. 
Seoer IncideuzfaU: der alte Theiluiigsvorschlng von 1628 wieder vurgebracht, 
Btirgsdorf empfiehlt denselben.] 

Vorgestrigen Vormittags uni IfiUhr, da ich wegen der Scbtueraea 22. Febr 

Stein bettlägerig war, kam des Herrn Pfalzgrafcn Debl. selbst gar 

lein zu mir und bliebe alda fast eine Stunde. Unter andern i-ielen 

in Discoursen, die ich als zur Sache «nnfithig Fiberscbreite, scblug 

Sie vor, dasB Sie und ich ohne Zutbun anderer alldn mit einander 

ictircten. Ich aber erachtete es unvortriiglieh ; denn ich nillsste ineinen 

Gebrechea rundaus bekennen , das» ich eines et^vns hitzigen Kopfs 

|Wär€ und in den Wctrt^^-echselungen rielleicht ailerdings den schubli- 

jen Respect ait halten möchte. Sie sagte, so wäre Sic dann gcnieinet, 

len Secretarium dazu zu gebrauchen. Das verdrose mich, wie ichs 

ittcli Sr. D. ausdrllcklicb zu verstehen gab, und hegehrte, es möchte 

jOabei gelassen werden, wie es S. D. selbst vor gut angesehen hätten, 

die Tractaten durch Cavaliere gejsflogen werden sollten, leh tbat 

liei Sr. D. Anregung um Resolution; Sie wandte ein, ich foderte zu viel; 

iBnd als ich darauf begehrte, Sie wollte sich dann dieses Falls etwa« 

r^eiifr herauslassen, wiir Ihre Antwort, Sie wäre erbötig, die Rech- 

Duiigen anzulegen und vor dasjenige, was sich befinden wllrde, das» 

*>ie in den achtzehn Jahren zu viel genossen, E. Ch, D. Satisfaction 

^ leisten; vor die 180,U(X) Kth, abei- hätte Sie sich nicht veröbligiret. 

''^" antwortete, dass ich auf eine solche Erklärung keiuesweges zu 

'^^'dlen bemächtiget wäre; und da S. L>. sich nicht näher erklärcte, 

""'ÄBte ich wieder davon ziehen, wollte mich aber gleichwol durch 

®*i Marschall Weschjifennig und Herrn von Fraukenberg ferner 

^'Tiehmeu lassen, durch welche ich hierutichst vorschlug, dass nel)en 



H 



^tofitein, Flauderische und Hrabantisebe ('ilter die ganze Graf- 
«aft Ravensberg E. Ch. D„ die vier Bergischc .\euiter aber desjuugen 
^*Tii Prin/en Dchl. anstatt der halben Grafscbatl zugetheüet würden. 
*^Ä«8 zwar, und inebesonder was die vier Bergisehe Aemter belangt, 
. * des Herrn Vaters Dchl. Übel aufgenommen, uud dabei gemeldet, 
■UnUte Ihren Herrn Sohn doch wol versorgen; niemand durfte Ihr 
egen etwas vorschreiben. Ich aber hatte selbigen Vorschlag ge- 
nicht allein, weil er E, Ch. D. Intention in Betracht des jungen 



't^^ 




283 



n. Braadenbonr nii4 Pfals-Keaborg. 



Prinzen nicbt uogem仫. soDilem auch damit ich des Prinxeo Ml I 
dadurch veroiiligiiete. I 

l'nterdessen veraehnie ich durch Na«'lifor8cJiung. worauf ti di»- I 
fall» zum Aeuaserateu zu bringen sein möchte; nämlich, das» desHcmi I 
Pfalr^afen Dchl. diirchausi zu keinem stets wälirenden, sondern «ul 1 
zu einen zwanzig-, dreissig- oder vicrzij;;jShrigeo Provisiivnalvtrglwl» ' 
rerstehen werde; und zwar kann ich uieines unterthäni^tcD unvot- 
greiflichen Eraehtens nicht seheu, warum E. Ch. D, so sehr auf eine» 
ewgen Vergleicli zu gehen hfltt. und deroselbcn ein so lauger Pro^'^ 
Bionalvergleich von (htih^ig oder vierzig Jahren, innerhalb deren si 
grosse Veränderungen zutragen kfinnten, ausznscblag;«» wäre. 

Ein solcher Frovigiünalvergleicli möchte darauf angenommen w 
den, dass E. Ch. D. die Grafschaft liavensberg, gleichwie Pfalz-N 
bürg derselben achtzehn Jahr laug genossen, gleichergestalt aehtzr 
Jahr allein zu geniessen zngeleget würde, wodurch E. Ch. D. die 
rechnungen, darauf der Herr Pfalzgraf so sehr gehet, wdrden abscha 
den; was aber Ruvenstein, Flandrii*ehe und Urabantiifche Guter betril 
dieselbe w.ären E. Ch. D. zuzutheilen vor Capital uud Pensionen 4- 
160,0fK> Rth., welche Peusioneu in achtzehn Jahre» sechs \-on hunde 
zu rechneu t"2,H00 Kth. uud also Capital uud Pensionen zusainun 
3J2,800 llth. erl ragen*, zu deren Entrichtung des Herrn I^aligndi 
Dchl. keine Mittel hat, uud derowegen, damit Sie solcher Anfordernd 
tiberhoben werde, desto ehe sich des Uavensteins, Flaudrisch- un 
Bral)antischer Guter begeben möchte; zu welchem Ende dann E. Cb.I 
ferner ganz unbeweglich beides, auf der ganzen Grafsebat^ Raven 
berg imd den 100,tM)ORlh. eammt denen Pensionen, zu beharren uu 
sieb desfall« einzig und allein an des Herrn Pfalzgrufen Dchl. zu ha 
ten und keiueswegcB auf die Stände zu weisen lassen hätten: UK 
zwar würde der Nachlass der lüO.OOORth. gegen Ravenstein E. Cb. I 
desto unbedenklicher fallen , weil E. Cb, D. doch eich in ihrer jflti^ 
8ten Verordnung erkläret, ^ie wolle dieselbe wol des Herrn PrinM<^ 
Dchl. übertragen. ^^H 

Mit den Olllich- und Bergiscben T^andständen aber hat es gd^H 
lieh die Beschaffenheit, wie ich nun alhier eigentlich vernommen, da^H 
PS mit den guten Leuten Armuth ist, dergestalt, dass. ob «ie gleic^ 
dieselbe Summ au Ca])itiil und Peusionen auf sich nehmen, sie de« 
noch diosellte anders nicht, als mit dem Bediuge, wann die Lani^ 
nämlich in einen besi^eren Stand gerathen wären, würden ihuji o^^ 
die Gelder iu vielen Jahren nicht beibringen können. I 

Vors zweite und so ncl des jungen Prinzen VorsehUii; t«i O^B 



Bargadorf ia Düeaeldorf. 



383 



^a succeesione anreichet, vernehme ich, wofern E. Ch. D. iSr. U. aus 
^« GrAfsobaft Raveusberg zwei Aeuiter, nämlich KaveiiBljerg und 
Portio, ohne einige Gemeinschatt, und zwar nur so lange, bis 8. D. 
ins Regiment käme, liesaen; item die ItiO.fMX) Ktb. neben den Zinsen 
ihr» auch abtreten möchten, um dieäelbc, eo gut Sie kfinute. von den 
Gölich- und Bergischeu Ständen zu fiirdwn, dass S. U. nbdann mit 
\K Ch. D. einen solchen Contract eingehen mtichten, kraft dessen Sie, 
auf Iliren Todesfall ohne eheliche LeihestTben . E. Ch. D. auch mit 
fiinschliesBuug E. Cb. D. fürstlichen Gesicliwistcrn und mit .Vusschliessung 
Heiland Pfalzgrafeu AuguBti .Sübne und darzu ohne einige Recipro- 
catioQ Sr. f. D. hinwiedrigen Suoeeasion auf E. Ch. D. oder Ihrer Ge- 
»chAvistern Todesfall ohue Leibeserben die aämmtliche ' Lande hinter- 
lassen wtirde. 

Dieser letztere Vorschlag, gnädigster Herr, ist nur also und der- 
gestalt gemeinet, wann der junge Prinz sich einlassen würde zu Ein- 
Bchliessuug E. Ch. D. Geschwister und Auascblieseung gemeher seiner 
»Ottern, ijotlte aber ein solches nicht zu erhalten sein, so bliebe es 
bei dem ersten Vorschlag, daes, wie gemeldet, E. Ch, D. die Graf- 
schaft liavensberg achtzehn Jahr lang giinz und wegen der UiO,ÄK} lith. 
Capital (tamnit Pensiuueu besagter Uestalt Kaven-stein, Flamlriach- und 
ofabantiache Gflter behielte, welches alles alsdann E. Ch. D. mit gutem 
***^8tande aller Billigkeit würde tbun können, üu dieser beider Vor- 
*Phläge einem, welchen nun E. Ch. D. unter ilenselbcn Iht' am zuträy- 
"Caaten werden befiudeu, desto ehe zu gelangen, so ist vors dritte 
»ocli dieses unterthänjgst zu erinnern übrig, dass nämlich der von der 
'**"8l, Domdecluint zu Öpeier, welcher gleichsam das Faetotum bei 
"6s Herrn Pfaizgrafeu Dclil. ist, einca Vetter hat, welchen Ü. D. zum 
*^*"osten zu Vlotho gemachet (^wie dann die vou der llorat etzliche 
«iifaig Jahr selbige Amtmaunschaft gehabt, auch, wie in solchen Fällen 
o^oräacblicb, etzliche Gelder darauf ausgezahlet ). lugleichen hat des- 
^»l»<jn Donidechants Üruder, welcher itzo Stattballer zu Ueidelberg 
*•■• «m Lehngnt von Hr. Ü. in der Stadt Bielefeld, welches doch schlech- 
*" liup^irtanz sein soll. Nun besorgt er sich, wann E. Ch. D. zu der 
*^*i^en Grafschaft Uaveusberg käme, Sie würden seinem Vetter die 
'***^annachaft und seinem Bruder das Lehen nehmen. Damit dero- 
^fe^«ü dem Domdeehanten dieser Sehwindel benommen und er bei 
**>«nj Fürsten desto lieber zum Vergleich obgesatzter Gestalt rathen 
. '^l selbigen befordern möchte, so sltUide bei E. Ch. D., ob Sie sich 
'^^Ät förderlichst in Gnaden erklären und erbieten wolle, gleichsam 
* aus eigener Beweguiss, Sic wäre entschlossen, wenn der Vertrag 



284 



n, Brandenburg nnd rfals-Menbnfg. 



* 



auf gesagten Fuss gcachloascn wBrde, gedachten des Domdechants Veite* 
vor seine Person allein (und uiclit zwar "die ganze Lini stetahinj b*^ 
dem Amte \lotho und seinen Bmder bei gedachtem Lehen 2U ksseo 
und ta hestätigen. 

Hierüber, gnädigster Churf. und Herr, bedttrfte ich wol E. Ch. D. 
gemessener Verordnung aufs eheste. Ich schreibe aber auch die»©* 
nicht darum, als wenn es eben also geschehen würde; dann die W^e^^ 
ist arg, und m<)chte derjenige, von welchem ich» habe, dass die O^ 
danken jener Seiten dahin gehen, etwa selbst betrogen »ein, sonder* 
es ist mir utir darum zu thun, dass, im Fall mir solche Sachen \T'ttT- 
den fUrgelegt, ich alsdann von E. Ch. D, gewisse Verordnung hat>ei 
mßge, wie ich mich uff einen oder andern Fj»!! zu verhalten. Xc» 
kann auch nicht seheu, wie E. Ch. D. zu einem weiteren verstel«^^ 
könnten; es läuft auch E, Ch. D. jtingst unter dato des 20, dieses rO*r 
zugeschickter Ordre nicht entgegen, au»iserhalb, was die zwei Aea»*^'^ 
in der Grafschaft Ravensbcrg vor dem jungen Prinz, und was E. <^*' 
D. daraus fllr Nutzen würde zuwachsen, belanget; deuu der H^^ 
Vater wird ja nicht ewig leben, und ob ea gleich noch ein starJ*-^' 
Herr, wie ich auch letztmals angedeutet, so jitlegen doch auch eol*^*** 
Personen, die eines solchen Alters sein, denn er sein fiOstes Jahr 
reichet hat, wenn sie einfüllen, wol gar liegen ku bleiben. 

Die GUlichsehe Stände seind noch zur Zeit zu Cöln nicht angel 
get, weil sie wegeu des Herzogs von Lothringen itzigen Durchso- 
noch verhindert werden, sollen aber heut ankommen; derowegen 
heut den Cammersecretarius Schletzern') nach CöId mit einem 
morial an den von Wilich zu Winnenthal gescbicket, welcher r' 
den Clevischen Ständen an die GtUich- und Bergische abgeordnet i- 
und lasse an ihn ge.'^inncn, es dithia zu beforderen, dass die gesam 
Stände bei des Herrn Pfalzgrafen Dchl. um Fortsetzung eines ewig 
Vergleichs anhalten; item dass er sich bei gemelten Ständen bearbeii 
ob wol E. Ch. I). sich wegen der 160,000 Kth. nnd deren Peastum 
an den Herru Pfalzgrafcn halten und desfalls von Sr, D. nicht abla- 
sen werden, dennoch und im Fall der Herr Pfalzgraf sich beharrli 
weigerte, duss alsdann die (iiiUch- uud Rergische Stände lieber 
ehe sie die Vergleichuugsf ractatcn zerschlagen lies.sen, gedachte Sunin»-' 
an Capital und Pensionen auf sich nUiimeu und baar bezahleten. We 



bI 



I 







') Johniia Friodricb Schleser, Broder des all EeaideDt in 8tockbolx 
aogegtülitea Adulf Friedrich Schleeeri er spielt spater io den Jahren 16ÖÖ I 
eine Rolle bU Geeaodter des Rurfüiiteti aa CramwelL 




Burgsdorf in Däaseldorf. Oaa Project von 1628. 



285 



ehes ich dann um so viel lieber gotban, weil E. Ch. D. ohn des daliin 
tbieU niren, dass Sie dem jiiiigeu Prinzen mit ubgesatzten Bedingungen 
'gemelte Summ abtreten wollten. Es wird auch der MaraflialMVesph- 
pfetinig auf der Stände besebebenea Begehren morgen nach Cöln 
reisen und alda bei ihnen eben dasaelbige zu verniifteln suchen; und 
ist gedachter Wesehpfennig dahero, dass er soh?heniiassen von de- 
D^Q Landständen ersuchet wird, bei dem Herrn Pt'alzgi'afen nicht im 
besten Credit. Ich kann aber E. Ch. D. noch nicht rathen, dass Sie 
sich oft erwähnter Summen halber vun dem Herrn Pfalzgrafeu ab 
und auf die Stände weisen lassen, in Betracht, wie oberwähnet, sie 
«>"iii aeind und die Gelder in vielen Jahren nicht worden erlegen kön- 
öeo • und beziehe mich diesfalls auf dasjenige, was oben klärer ge- 
***ßldet worden, dass nämlich E. Ch. D. uieines Erachteng viel besser 
^hviu werden, diesfalls bei Ravensteiu, Flandrischen und ßrabantischen 
intern zu bleiben. 

Schliesslieh, gnädigster Herr, hätte ich schier ausgelassen, dase 
<*^a Herrn Pfalügrafeu DchL, als Sie vorgestern bei mir in meinem 
^^laiach waren, unter andern eines Schreibens erwähnete, mich auch 
<la«ftgelbe lesen Hesse, welches E. Ch. D. Herr Vater bochlöbl. Ge- 
^S-elitnigs a. 1(>28, als damals zwischen beider Chur- und Fllrsten Ab- 
geordneten im Haag Tractaten vorwaren, an S. D. nach Neuburg ge- 
*"*s.ii, darin sich S. Ch, D. erkläret haben, dags Sie mit Berge. Mark 
****c3 Kavensberg zufrieden sein wollte,- wie Sic mir dann auch die hier 
^*i gefügte Cujiey gedachten Schreibens hernach einhändigen lassen'). 
leli fragte S. U., im Fall sich E. Ch. Ü. iUo nochmals mit Berge, 
^a.rk und Kavensberg befriedigen lassen wollte, ob dann Ö. D, ge- 
^"iiiiict wäre, Berge und Raveusberg gegen Cleve, Kavenstein, Flandri- 
sche und Brabantische Güter abzutreten. Darauf stutzete gleichsam 
^- D. und sagte, ja. wann die Staatischc Schuldforderung nicht thäte, 
^^^* auch die Unkosten, so S. D. auf Rei)aratii:)n der hiesigen Resi- 
^ö« angewandt. Und gewisslich, gnädigster Herr da der Herr Pfalz- 
^^f mit einem solchen Uiscura von Berge, Mark und Ravensberg wie- 
®'" terilirkäme und es Sr. D. ein Ernst damit wäre, wollte iehs E. 
**- D. nicht widerrathen; vors erste, weil E. Ch. D. die Nachbarn 
**'*«nten so hart fallen, und vors ander, weil dieselbe guäiügst er- 
^^aen können, was Sie durch die Zulage des Stifts Minden vor eine 



j^ *) Der vielbesprocheoe , raa dem raveDsbergischcD LatKlactireibur Bier- 

jg^ «> n Terantasste Brief Oootg Wilbelin's an Ju» Praizgrnfen vom 5i5. Febr. 
"*'*- S. Cuamar SchwarUenberg j». 221. 




266 ^^- Braiideuburg unJ Pfalz-Neubarg. 

weitp aneinander hangrende hcfiuenie nefrend an Berge, Mark. Kavens- 
berg und Miuilcn Laben wünle; aher irli sitrge. der Herr Pfakgraf 
wird sich wol bedenken, ehe sieb 8. D. dazu einlasiven, jedoch be- 
ruhet bei E. Cb, Lt., dh nnd was Sie mir autb tliesrallg aufgeben 
wollen. 



ßui'gsdorf an den Kuri'ürsteii. Da.t. Düsseldorf 23. Febr. 1G47. 

[Es wirti eine neue Zwongsexecntion ge^en den Pfalstgrafen ncthlK sein. Ebenso 
ancli alreogere Mikäsreg:eln gagvü die clevigclien Stände.] 

B. Febr. Der Pfalzgraf lint ihm vou neuem ein Memorial üliersuhickt. in wel- 

chem er einfach wieder auf Herstellung der gemein.schaftliehen Regieninp 
in Raven-sberg Kuriickkommt'). 

Da auch der Herr Ffalzgrraf in seiner Ilärligkeit beharrete, deuchtet 
nicht allein mieb, «ondem auch der von Ulumenthar) (welcher doch 
seiner hierunter nicht gemeldet xa werden bittet) ist cTjcnmässiger 
MeinuD«:, dass 8r. O. etwas näher zu treten und E. Ch. D. Kriegsvolk 
wiederum hiesiger (lerter einKutjuartieren wäre, und dsisselbc nicht 
zwar mit Ausschreibung einiger Contribulion, sondern nur zmn Unter- 
halt mit Fnfter und Mehl, indem au Seiten E. Cb. D. zu vernteheu 
gegeben werden künnte, es erforderte vor diesitial uffs neue also die 
Nothdurft. I\i8selbc wllrde auch dem Kaiser nicht niigsfallig sein. 
wenn nur die Contributiones vor 8r. Maj. Kriegsvolk nicht wllrden 
verhindert werden, welches dann gegen den Ilessiacben gleicherge- 
stiilt also müBste gehalten werden; zu welchem Ende dann E. Ch. D. 
Ihre diesfalls habende Intention der Frau Liiiulgräfin f. Gn. durch eine 
sonderbare und gloichwol unvermerkte Abordnung, die meines uuv<tr- 
greiflichcn Ernebtcns vielleiebt S. grSfl. Exe. Graf Moritx") ciuigei 
inaguetiBchcr nach sich ziehender Ursachen halber nicht so g^r uii_ ^ 
gera auf sich nehmen möchte, anzudeuten hätte, damit 1. f. Gu. Qiclk--4| 
etwa andere ungleiche Gedanken aus solcher Ein»|uartipmng schöpf 

.Sollten auch die Cle\"isehe Stände bei ihrer Unmiligkeit behai 
ren, so wurde gleichergestalt bei ihnen ein ander Gang vorgenomma^ 



') Eine bei den Acten liegonde Bereclinnng gibt die OrdinareimikabiueD a 
der gosammten GrofBcUaft Kavonsberg für <lie Juhrt? 1608^ IGlü au: in dies 
aiebeü .labreu xuBammen 230,010 CiiUen iiitel) ilem .Miiuzedict von 1595 (drei ^ 
eiueu Rlh,); nlso im Ifiirciiöchnift jiihrücli 10,y.ö3 Ktli. 

') Joauhim Friedrich v. Bliimeuthnl; vergl. iiber ihn Urk. u. Act«tt*) 
I. p. 4^ nut, 1, Kr fungirlc jetzt ala kaiaerliciier OeDerHlliriegseomiuissar /i=^ 
westfalisclieu Kreise. 

*) Graf J »bttii 11 Mnritz voll Nassau- tsiegeu (nb. p. 71), damals noci^ 
oiulit tunuell iu bruudebbtugiaclieu Dicaeleu. 




1 



Borgsdorr in Dusauldorf. 



287 



werdeii und mit der Frau haiulgräfin f. Gn. gebainllct werden uiUs- 
*«ii. dass Ihro die Stadt Calcar wieder eiiigeräumet und von I. f. Gn. 
^»f^cn E. Ch. D. vor Ihr KricgsTulk so viel an Hcssisclier Contri- 
botion in der Orafschüft Jlsirk absptrcten werden, als E. Ch. D. bis- 
'"''■ aus der Clcvisclien Westseite au Cnutribution gehabt; dieses aber 
•*• Qur auf den Fall, da die itzige hiesige Handlung zerschlüge, (je- 
•"Cinet, derowegen es auch in geheim zu halten sein will, 

loh vemi^bnie sousteu auch, dass gleich wie der Syndicus Ising 

oe» dpy Clevisclieii, alwo auch die GUticb- und Rer^scbe Syurtici bei 

'Qren fftänJen die einzige Oracula seind, darnach sie sich alle ein- 

'"Ütlijy. richten, also dass allein bei denselben Syndicis alles beruhet 

""fl in ihrer Hand stehet. 

P- S. Der Plalzgraf bringt ihm eine B'ereehtmug, nach welcher der 
^**t-njr5.i bei der anzustellenden Liquidatiou filr Ravensberg noch etwas über 
»Ogo Rth. heranszuEablen hsüte. 

Ich musste aber des Handels lachen und sagte, ich wäre nicht 

*** Rechnungs wllen hier, sonderu begehrte, S. D. wollte mir, der 

**''^de gemüHis, ein Paar f'avalier schickcMi, durch welche ich Sr, D., 

''^il Sie mit Ihrer endlichen Hesolurion nicht heraus wollte, E. ('b. D. 

l^lieseliche Meinung andeuten möchte; wie es dann, gnädigster Herr, 

**" o^inet dass es auf einen der beiden in meiner Relation vom 22. be- 

^^^O'ener Vorschlägen will anknmnien: derowegen E. Ch, ü. forder- 

'^liste Verordnung darlllier zu erwarten stehet. 

E. Ch. D. w«dle sieh auch gnädigst gefallen lassen, zu Cleve uaeh- 
, ^^-lien zu lassen, wan doch die Clevische und Märkische Stände seit- 
dem zwischen E. Ch. 1), Herrn Vatcnv und des Herrn Pfalzgraten 
'^Vil, aufgerichteten Prnvifiiorinlvergleich au Contribution entrichtet, 
*Bit flie Gülich- und Bergisehc Stände daraus zu ersehen haben, 






■ ^ ein 90 geringes es sei gegen demjenigen, was sie dagegen gethau. 



^^«rgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 24. Febr. 1647. 

>^~^^eitepe vaa Burgäduft aur^estetlte Turschläge. Der Pfalzgraf hat kaiserliche 
^^loriBiniDg Jtnr Hsltnog \ua Truppen. Schreiben an die ätände von Jülich 
and Berg. Ein Canonical tu Cleve.) 

Es hat sich mit Abgaug meiner gestrigen Tags datirten, hierbei 24. Fehl 

*^ »kommenden Relation bis heutigen Xachndltags um .'i Uhr verzogen, 

^^80 da»« ich neben derselben E. Ch. D. ferner untertb. melden kann, 

^«»6 gestrigen Abemhs von wegen des Herrn I'l'alzgrafen der Dom- 

^cchant «u Speier und der Herr von Frankenberg bei mir gewesen, 

da dann der Domdcchaut aus einem in der Hand habenden Papier 



288 



IL BronJenburg und Pfslz-Neuburg. 



mir vorgelesen, waa mir S. D. zur Kesolutiuii eDtbietea licBse, wel-B 
ches altes aber nur das alte Lied war. I 

Ich aiitwnrtete ktlrzÜcli. wofern 8. D. mir keine andere ResolutioD 
andeuten zu lassen grenieinet wäre, so liätte ich zu bitten, Sie wollte 
mir dasaellie nur rund heraus lassen sagen, woiauf ich dann Sr. D. M 
Beschwer lilngor alhicr nifht wollte liegen bleiben; unterdessen, und 
indem S. D. mit einer zuträglichen Resolution zurtlek hielte, wollte 
ich derselben uielit bergen, was K. Ch. D. eigentliche und endliek.'^ 
Meinung wäre, durch welche Sie Sr. Ü. das Maasa vollzuschütten g«* 
dSchte, nslinlieh, dass E, Ch. D. dahingestellet sein lieeseu, dass S. ^' 
Ihrem Herrn Sohn die vier Bergischo Aemter nicht zulegen wollt* 
E. Ch. D. aber forderten die Übrigen sieben Jahr Über die ganze Gt 
sehaft Ravensberg, Ravenstbiu, Flandrische und Brabantische Gu,-^^^ 
dergestalt dannoch, dass nacli Umgang der sieben Jahr des Hec —' 
Pfidzgrafcn D. E. Ch. D. anstatt der 160,00ü Rth. und der Zinsen et -=^ 
Summe von 20ft,000 Rth. entrichtete, und da S. D. zu einem hau -^^ 
sächlichen Vergleich gesinnet, wfiren E. Ch. D. nicht nngeneigt, av 
denselben auf jetzt besagte Weise einzugehen, allein dass alsda 
S. ü. auf sich nehme, in gewisser Zeit, deren man sich zu vereint^^ 
ren, ntjch 100,000 und also zusammen 300,000 Rth. E. Ch. D. tu t^:»- 
zahlen; dann, gnädigster Herr, obwol E. Ch. D. sich in Ihren ^C*"- 
scriptis dahin gegen mir gnädigst erkläret, dass Sie die lt)0,(XH* Rt£- 
sauimt den Zinsen wol gar wollten schwinden und dem jungen Herrn 
Prinzen zu Gute kommen lassen, so habe ich doch diese Clangul der 
20f),rHK) oder 300,000 Itth. Aorerst mit hinzuzusetzen nicht undienlich 
ermessen, weil man sie hernach wol wieder fallen lassen kann. Da- 
mit seind der Domdechant und der von Frankenherg von mir ge- 
gangen, und ich erwarte, wessen sich S. D. darauf werde vernehmen 
lassen und hoffe unterdessen E. Cli. D. gnäd, Hesolutiou auf mein j 
unterth. Schreiben vom 2i*. dieses, V 

In meinem gestrigen Postaeripto hatte ich vergessen zu melden, 
dass des Herrn Pfalzgrafen D., als Sie selbigen Tags bei mir war 
und ich unter andern erwähnte, wie gütlich sich schon E. Ch. D. ge- 
gen den Ck'vischen Ständen erklaret und wie unerkenntlicb die Stände 
gleichwid daliingegen unter andern auch auf Abschaffung des Kriegs- 
volks dringen, mir ein Kaiserliches durch .S. D. vor diesem ausgebrachtes 
Schreiben, welches S. D. hernach drucken lassen und E. Ch. D. hier- 
bei zu beiluden, gezeiget, darin S. Maj. nicht allein dem Herrn Pfalz- 
grafen 201X1 Mann zu Fuss und 3CN.) Pferde zu halten zugelassen^ son- 
dern auch die Stände ermahnet, sich in Beischaffung des Unterhalts 



Bnrgedorf ia Dnaseldorr. 



289 



nicht weigerig zu erweisen, welchen Unterhalt S. D. von selbiger Zeit 
an biä auf diese Stunde eigener Autoritfit ausselireibet und mit Exe- 
cutionen bcitrcibet; und raicli deucht uiivorgreinich , E. Ch. D. würde 
eben ein «olches bei Sr. Maj. entweder vorlängst erhalten haben kön- 
nen oder nach erhalten mögen. 

Femer, guHdigster Herr, hält der von Blumenthal (welcher 
noch alhier), der MarschaU Weachpfennig (der noch nicht nach 
Cöln gezogen igt), der von Frankeuberg und nebst ihnen ieh un- 
terthänigst und ohne Maassgebung davor, wenn E. Ch. D. ein solch 
Schreiben, wie ich in eventmu hiebeitiegeud habe aufsetzen lassen, an 
die fttllieh- und Bergische Stände Hesse abgehen, so würde dasselbe 
nicht wenig gutes und E. Ch. D. zuträgliches nicht allein bei erwähn- 
ten Glllich- und Bergisehcn, sondern auch liei den Cleve- und Mürki- 
achen, und dann bei dem Herrn Pfalzgrafen vielleicht selbst wirken. 
Zu allem demjenigen, was im Concept stehet, weiss ich E. Ch. D. schon 
gnild. geneigt, bevorab auch im Stück der Contributionen. und wofern 
dieser Vorschlag E. Ch. D. gnäd. beliebig wäre, so stünde bei der- 
selben, dass mir das Sehreiben an die Gtilich- und Bergische Stände 
ehest auher geschickt würde, welches ich bei eigenen Courrier alsbald 
naeh Cöln abfertigen wollte; es wäre auch gewisser zu E. Ch. D. 
Dienst gereichender Ursachen halber nöthig, dass dasselbe Schreiben 
ttff den 18- dieses zu Cleve datiret würde. In meinem heutigen un- 
terthänigsten Handbrieflein an E. Ch. D. melde ich zwar, dass ein 
ttolches Öebrciben in meinem Namen von binnen abgehen könnte, her- 
nach aber ist es von uns obbenanntcn vieren unvorgreiflieh dahin er- 
oiet-seu worden, es wäre fruchtbarlicher, dass es in E. Ch. D. eigenem 
Xamcn abginge. 

Schliesslich hat des Herrn Pfalzgrafeu Uehl. Ihrem Leibmedico 
l>. Maffaeo einen zu Cleve in Sr. D. Monat crüffneten Canonicat con- 
feriret und au mich begehret, bei E. Ch. D. di© Sache unterth. zu re- 
Coromendircn, dass der Mcdicus zu seinem Intcnt komme, beruhet dcro- 
^•egeo bei E. Ch, D.j deswegen gnäd. Verordnung zu thun, dass er 
Auf »ein Anuielden die Coutirmation erhalte. 

Uifrbei dag t'oneept eine« t^cbttibcns ao die jiilich-bergischen Stände; 
«» wird, wie Biirgsdorf gerntlieo, vom 18. Fehr. datirt; in Wirklichkeit 
♦rTolgl die Auüfertigoug am 27. Fcbr 



HaMr. IUI G»cli, d. Gr. Kurianuu. IV. 



19 



290 



II. Brandeubtirg aad Pralz-Neuburg. 



^1 Der Kui-fürst an die Landstände von Jülich und ßerg^^^| 
^ Dat. Cleve 18. Febr. 1647. M 

[Der Kvifätet wiiAsuht sich mit seinen cleTiecfaea Stünden, aowie mit dem P fjaJi 

grafen gutlich zrx veruebmeo, Gescbehene nod beabHJclitigte Reformea in gein^ 
Landen. Der Kurfürst wünscht tboeD das GleiuLie von ihrem Latideshen-u ; Bmi*^'< 
dorf soll dafür wirken. Bitte, am ihre Mitwirkong bei den cleviscben Stände ki. 

, Febr. Uusern gnädigen Gmes zuvorn. Wolgeborne Veste Ehrsanie li<?*^ 
Getreue. Als Wir verDommen, dass jetziger Zeit Ibr als Landstäo«!' 
Unserer Fürstenthttmer Glilich und Berge in der Stadt Colin Euch v^K» 
samiueln würdet, haben Wir vor gut angesehen, in gnädigster W^t:*' 
meinung Euch hiemit zu verstehen zu gehen, wasniftgsen unter and*?^ 
Ursachen und vorgesatzteu Zwecken Unserer Ankunft und jetzig* 
Gegenwart in hiesigen Unsern Landen auch diese mit begriffen 8eha«3i 
dass Wir mit guter und treuer Einrathung Unserer Clevisch- und M*"^^ 
luschcr Landstände Unsern Staat in erwähnten Landen recht forinir«'^ 
zu selbigem Ende gemelten Ständen in ihren Beschwernissen bilÜ^S 
massige Vergnügung widerfahren lassen, Uns mit Unsera Vettern, d^^ 
Herrn Pfalzgrafen zu Ncuburg Ld. der zwischen Uns und Iliro sehw^^ 
bender Missverstände halber durch einen redlichen Vergleich rahiglic^^ 
setzen, und also dieser sämmtlicher Lande, deren Stände und Einge-' 
sessener Benihigung, Heil und Frommen befördern möcliteo. Zu wel- 
chen Zwecks Erreichung Wir nicht allein besagte Unsere Clevisch- 
und Märkische Stände zum Landtage nach dieser Unserer Resideuai- 
stadt Cleve, allda sie auch noch beisammen sind, verschrieben, sondern 
auch, nachdem wolged. Ilemi Pfidzgrafens Ld. über angeregtem vor- 
babendetu Vergleich zuvorhero eine Gesandtschaft an Uns ergehen 
lassen und um eine hinwiedrige Unserige an Sie gesonnen, jetzo Un- 
sern Gesandten den Würdigen Unsern etc. bei Sr, Ld. habeu, der Zuver- 
sicht, der Ailerhüchste werde Segen und erspriessliche Mittel xu einem 
guten Vertrage an Hqnd geben. 

Und zwar, soviel übgedaehte Unsere Clevisch- und Märkische 
Stände betriflft, dieweil Wir von ihnen venstanden, wasgestalt ihr 
Anüegen hauptsächlich in einem Verlangen beruhet, dass neben Hand- 
hab- und Erhaltung ihrer Privilegien und hergebrachter Gerechtigkeiten 
1) das Jus iudigenatus in Acht genommen, 2) die Administration 
der Justiz, 3) die Oeconomia und 4) das Werk der Steuergelder 
in eine gute Richtigkeit gebracht werden möchte. Wir auch selbst er- 
kennen und allerdings davor halten, dass in itzterzählten drei letzteren 
Puncteu die Befestigung eines jeden und also auch Unseres Staate« 



1 



CkpUtio beoevolentiup bei deo jüticli-bergiBchen Ständen. 



291 



«ht, 80 haben Wir scbon vor Anfang berlllirfen itzigen Cleviachen 
uud Märkischen Landtags zu der Regierung solbiger Unserer Lande 
drei C<illegia. als einen geheimen Ratb, einen Hofgericbtsrath 
önd einen Amts- oder Rechencammer-Rath angeordnet und ein 
jedes derselben Collegiorum mit einer ziemlichen Anzahl eingeborner 
adeliger und gelehrter Räthe besatzt, Uns auch gnädigst erboten, hin- 
f^o. wie Wir Uns auch nicht besinnen, dass es vorhin von uns be- 
schehen sei, keine Steuern ohu der Landstände Verwilligüng auszu- 
scliTeibea, aneh einen richtigen, klaren Unterschied zwischen dem. 
Was vor Uns selbst oder etwa zu einem oder anderm sonderbaren 
Belnif von den Ständen mag gewilligt werden, zu halten und in diese 
letztere Art gewilligter Steuern keines Weges zu greifen, noch lüesel- 
»en zu Unserem eigenem Nutzen oder anderm Zweck, dann sie ge- 
billigt seindt, zu vervveuden; und im Fall io der Justiz, in der Oeeo- 
Ootiue^ in den Sieneru, oder sonste« einiger Feh! erschienen, denselben 
Jetlerzeit, sobald Wir dessen nur gewahr werden, zu bessern, inglei- 
^fen niui furthin snwol in gedachten drei Collegiis, als sousten in 
'^^o8t-, Amtmannsehnftcn, Richter-, berechneten und dergleichen Dien- 
sten nur Eingeborene zu gebrauchen, des gnädigsten Versehens, er- 
^fähnte Unsere Clevische und Märkisehe Landstände werden, was ob- 
Wsagte Pnucten anreichet, sich damit befriedigen und desfalls weiter 
Uicht in Uns dringen. 

Und diese Unsere gnädigste Erkhvr- und Erbietungen seindt nicht 
uur zu Unserer Clevij^clier und Märkischer Stände, sondern auch zu- 
gleich zu Eurem Frommen und Besten, und zwar solchergestalt von 
Uns angesehen und gemeinet, dass, weil Wir vcmehnicn, wastuassen 
auch Ihr Über eben den obgeiuelten drei vornehmsten Puiicten bei 
wolged. Herrn Pfttlzgrafen Ld. mit Eucrn Ueklagnngen und Ansuchuu- 
;en iiflegt cinzukotunien , Wir dadurch Sr. Ld. mit Unserm Exempel 
vorgehen, und Sie sich desto ehe bewegen lassen möchten, nicht we- 
iger Euch in besagten Puncten Eueres Anliegens mit billigmässiger 
lezcigung, als Wir Uns gegen den dorischen und Märkischen zu 
iuen berteissigen, zu begegnen. 

Und auf dass Ihr destn klarer zu crspllren habt, dass Wir Uns 

Euer Bestes nnd Wnlergehen mit eben der gnüdigstcu Gewogenheit, 

als auch Unserer Cleviscbeu und Märkischen Stände Wolfarth, angele- 

Q sein lassen, so bergen Wir Euch nicht, dass Wir obgedachtem 

nserm jetzigen Gesandten ins besondere aufgegeben, von Unsert- 

egen S. des Herrn Pfatzgrafeu Ld. zu glimpflicher und uuklagbarer 

19* 



392 



n. Brandenburg nnd PfnU-Keabnr?. 



VcrfahniDg; gegen Euch , be vorab was obangeregte drei Principal- 
Puncten belangt, zu ermahnen und zu behanildn. 

Dahingegen tragen Wir Aas gnädigste Vortrauen zu Euch saitimt 
iinrl sondere, Ihr werdet hieraus Unscrn gnädigsten und wnlgeraeiHten 
Willen erkennen und Eucb hinwiederum gegen Uns in Gchllhr erwei- 
sen und sonderlich jetziger Zeit einer Seits Unsere Cle\'i8cUe oa<1 
Märkische Stänrlo, nb sie sich vielleicht über alles Unser oben g"e- 
meltcs Erklären und Erbieten zu solchen Postnlatis, deren Eingehurig 
Uufl und Unseren Nachkonimen zu Disrepntation und grossem Nacli- 
theil gereichte, verleiten lassen möchten, davon ab- und zur Bc^nö- 
gung an Unsenn nbgesatzten Erbieten anermahnen, anderer Seits »ucli 
zu Treff- und Aufrichtung eines beständigen oder auch wol hauptsäch- 
lichen Vergleichs zwischen Uns und Sr. Ld. (worzu Wir ünsers Ort«| 
begierig, und durch welchen Ihr und andere Stände dieser ünserct] 
Lande aus grosser Beschwer zu guter Ruhe kommen könnt), es »^^\ 
ruit fttglichen luid zu Glimpf und Schiodlichkeit ersitriesslicben Zu^< 
niUthfUhruugen bei Sr. Ld., oder in andere Wege, soviel an Euch i*' 
mit herbeibringen. 



I 



Exti-act aus des Cammer-Secrefani Schlezer's Kelatioii ai^ 
des Herrn Ober-Cammerherrn und Abgesandten Hochw. und 

Excell. von seiner Vernchtiiiig zu Colin, o. D. ') f 

Die CleTischcQ und Märkischen Deputh*ten haben sich erboten, nicht 
nur den Vergleich zwischen dem Kurfürsten und dem Pfalzp'afea möglichst 
txit Beförderung zu empfehlen, somlem am-h dahin üu wirken, diiss die 
Stände ^mit Ueberuelimung der Pfalf. - Neubnrgischen Schuld auf MaaiSi 
und Weise, wie ihnen dieselbe niimlich cum damno et Interesse vorgesteliet 
worden, was immer in ihrem TermögeQ sein würde, wirklich contribuirvn 
möchteu". 

Die Depatirten sind indess ohne Instruction dafür. ^.Es hat aber ge- 
dachter Schlezer bei der GliJich- nnd Bergischer Stände Syndicis, denen* 
er gleichc-rgCi-'talt oberwähnte beide Pnncten bei Gelegenheit recomnicudireV- 
so viel abnehmen künnen, dass auch der letzte uit gar so weit geworfen f>' 
jedoch hat er Bedenken getragen, anders als in genere von der Pfal*-Nen 
burgischen Schuld mit ihnen zu reden." 

„Wegen des Juris imJigenatus, um welches Erhaltung willen des Herrn 
Ober-Canimerhcrrn Hochw. ihnen liattc gratntiren lassen nnd dahero Aulass 
achmeu wollen, einer gleichmässigcn gnädigsten Bezeiguug von Sr. Ch. D, 



') Vgl. oben p. 284 



CapUktio benevoientiae bei den Jälicb-bergischen Stäiiden. 



293 



aut ^bdanktiDg der Tölker zu gelegener Zeit sie zu Tertrösten und dahin 
in %-ennögen, dasä sie ihre PriQci}:talen dorch Schreiben von ihrem htftigen 
Andrin^eo abmahnen und znr tieduld für eine kleine Zeit disponiren woll- 
ten : hielten sie dafür, duss ihnen des Juris iudigenatus halber tti)ch nichts 
in effecto bewilliget worden, dieweil Sr. f. D. jüngste Re.'ioliition dergestalt 
clausnlirct gewesen, dass, was Sie anfangs gnädigst concedirel, in dem Be- 
schlags derselben . . . wieder nmgestossen wäre 

Ebenermassen bezeigten sie sich wegen länger Unterhaltung der Völ- 
ker sehr schwierig; jedoch bethenerten sie gegeo dem Cammer-Secretario 
■wT anderwärtige dessen Erinnerongen gar hoch, dass sie weder von ihren 
Principalen instroiret, noch fiir sich selbst geneigt wären, besagter Völker 
»n sinistram parteni gegen die Güüeh- und Bergische Stände zu erwähnen. 
oder etwas zu ihnn and fürzunehmeu , das zu Sr. Ch. D. Praejudix gerei- 
chen ktinnie. — 

Im Uebrigen könnte er, Schlczer, an!< fielen Umständen abnehmen, dase 
•*>« CiüHcb- und Bergische Stände ein (ibergrossen Widerwillen wi- 
^*r des Herrn Herzogen Dchl. gefasst, daher dann ad res novan 
«berriiissige Materia vorhanden, und gaben ihrer etzlichegnug- 
^ata zu verstehen, dass S. Ch. D. sich sothauer Missverstäude 
*o Xhrem hohen Aufnehmen würde gebrauchen können.* — 



Bürgsdorf an den Kiu-fursten. Dat. Dilsseldüi-f 26. Febr. 1647. 

Nochmaliger netter VorecMag des Pfalxgrafen. Borgstlurf empfiehlt ihn. Nene 
■^^egnag des BrbvergleichB mit Philipp WilUelm; ein neuer Schachzug des 

letzteren.] 

^^ Geotrigen Nachmittag um 12 Uhren kam des HeiTtt Pfalsigrafeu 26. Febr.j 
^■■Bchl. mit dem Domdecbaut von Speyer uud Herrn von Franken- 
■^ Ijerg zu tnir. und nach einem weitläuftigen, hie zu erzählen uunttthi- 
■ gen Dißcurs erklärte Sie sich endlich auf dasjenige, so ich Ihr laut 
meiner Relation vom 24. dieses durch jetzt^iemeUe heitle Cnvaliere 
liatte andeuten lassen, dtcsergestalt, dass Sie uänilich E. Ch. D. acht- 
zehn Jahr lang die beide Aemler Sparenberg und AHotho, so viel die 
Renleu und den Geiiuss anlanget, lassen und Ihres Theils selbige 
Zeit Über die Acniter Kavensberg und Litnhurg ebenerumssen , was 
Keßten und GefSUe angehet, neben Ravenstcin, Flandrisch- und Bra- 

Kiiitischcn Gütern behalten wollte; die Regierung aber der ganzen 
rafschaft uud also auch die Hoheit und JurisdietiQu in gemelteu vier 
Aenitern sollte zwischen beiden Chur- und Fürsten in comnmnione 
gtelicn. Uud ob sich wol S. D. nocbmalen zu den 160,rHX) Rth. 
nicht bekenn etc. 8o wäre Sie doch erbötig, sobald die Gülich- und 
BergiiM.'he Stände in einen öolcheu Zustand gerathen aeb wUrden, 
das« sie der fremden Cootiibationen entschlageu wären, bei denaclbeu 



294 



II. Bmndenbtirg und Pfalz-Neuburg. 



sich äasserst zu bemühen, äam sie die 200,(XX) Rth., so icb (Iniialli ^H 
erwähnter meiner Relatiim vom 24.) iu selhiijeui Betracht gefordert ^H 
hätte, willigteu utirt beibrächten. Was angeregtes Amt Limburg be- ^M 
trifllt, da bestehet S. D. festiglich darauf, dass Sie auB deuiselhen ^M 
ganz nicht« genosBcn, tind wisse aucii nicht aaders, als dass der Ge- ^M 
HUBS desselben an Chur-Braudenhurgischcr Seiten gewesen sei. ^M 

Ich replieirte, dass ich Ör. D. Vorschlag, die Grat'achaft Raveo&- V 
berg betreffend, zwar an seinen Ort stellete, E. Ch. D. aber wUrde | 
sich einen Weg wie den andern der IüO,(XM llth. und deren Interease I 
und Zinsen halber an S. ü. halten und nicht auf die Stände wei- | 
seu lassen. Im Fall nun S. D. dasselbe Capital sammt PensioneD, 
Schaden und Unkosten haar könnte erlegen, so würden E. Cb. D- 
vielleicht auf Ravenstein, Flandrisch- und Brabantischc Gtlter so iiocfc • 
nicht sehen i sollten aber ü. D. mit gedachtem Capital und Interesse 
nicht baar aufkommen können, so wäre ja billig, und E. Ch. D- 
wtiide dabei beharren, dass deroselben Kavcnsteiu, Flandriach- uod 
Brahantiscbe Güter daftr eingeriiumet würden. 

Ungeachtet aber alles dessen, was ich dessfalls einwandte u»d 
Sr. D. m Gemlltb fUhrete, blieb Sie bei Uirer Erklärung und b»* 
mich inständig, ich wollte dieselbe E, Ch. D, hinterbringen, l'o^ 
zwar, giiäd. Herr, deuehtct mich an meinem uutertb. Ort, dass Sr. X?- 
Erbieten wegen der Aemter iu der Grafschaft llavensberg nicht so p*^ 
abwegs oder nnfdglieh sein : dann Sparenbcrg, in welchem Amte aa<3^| 
die Stadt Bielefeld lieget, reutet vor sich allein mehr, als die ande«*^ 
Aeniter alle drei; Limburg aber bringet kaum Hfttt Gulden aus; ox^^L 
wann von denselben der Beamten Unterball abgezogen wird, so bl^^ 
bei wol nicht viel übrig; es könnte auch wol wegen der Regierui*^ 
und Jurisdiction über besagte Aemter also \vie bisbcro ferner gehakt '^ 
und solchermassen verabredet werden. Ich merke auch wol unter d*^ 
Hand, dass S. D. endlich auch wol Ravenstein fahren lassen möcht;^^ 
die Flandriecbe und Brahantiscbe Güter aber wird Sie wol behalte»'^ 
und nicht aus Händen lassen wollen, weil Sie dieselbe, wie ich ve 
nelmie, etwas mit Schulden beladen. Was nun bierunter E, Ch. 
guäd. Wille und Befehl sei, dessen bin ich unterth. gewärtig. 

Eben al» ich in Ausfertigung dieses Schreibens bin, eniptahe 
unterth. E. Ch. D. jüngste Kceolution und Verordnung auf meine 
ferth. Relation. Ich Hess alsobald den Marschall Weschpfenni^ 
und den von Frankenberg zu mir vcrmögeu und mich zwar g^KL 
nicht merken, oh oder was ich von E. Ch. D. vor Befehl bekomme:^' 
sondern durch sie dem jungen Herrn Prinzen allein anzeigen, w« 



Bnrgsdorf in DöBgeldorf. 



295 



Beb der Herr Vater geatrigen Tags gegen mir erkläret hätte; und 
könnte icb leiebtlich erachten, daas E. Ch. D. dasselbe, nämlich so 
wenig die genieinsehatTtliehe Regierung der Grafschaft Ravensberg, ale 
den Abgang der Hen-sciiaft Ravenstein, Flandrisch- und Brabantiscber 
Guter eingeben würde. Unterdessen begehrte icb von Sr. des Prinzen 
Dchl. zu vernehmen, wofern icba bei E. Cb. D. uuterth. dahin könnte 
bringen, nicht allein in der Grafschaft Ravensberg mit den Aemtera 
^parenberg und Vlothy dergeatalt zufrieden zu sein, dass Sr. D. die 
beide Aemter Ravensberg und Liraburg zugeleget würden, sondern 
weh Ör. D. die rechtmriasige Forderimg der 160,000 Rth. Capital, 
Mmmt aufgelaufenen Pension, Kosten, Zinsen und Schaden ahzutre- 
tett, dass S. D. dieselbe so gut und zu was Zeit Sie könnte, von 
■len GQlich- und Bergischen Ständen vor sieb zu Wege bringen möch- 
tet»-, ob dann dahingegen S. D. mit E. Ch. D. einen solchen Pact, wie 
Torgeschlagen worden wäre, und zwar dergestalt einzugehen noehmals 
gföxeinet sei, dass mit Einsehliessung E. Ch. D. Förstl. Geschwistern, 
uacl Auösebliessung weiland Pfalzgrafen Augusti Söhne, E, C. D. und 
ro Leibeeerhen auf dem Fall, da S. des Prinzen D. ohne eheliche 
Leibeserben abginge, die sämmtliehe Lande anheim fallen sollten. 

Hierauf liess mir S. D. durch gemelte von Wesohpfenuig und 
F*"ankenberg antworten, m einem dergleichen Pact mit E. Ch. D. 
wäre Sie nochmals entschlossen, aber Sie gäbe E. Ch. D, zu ermes* 
f^tx , wann derselbige Contract kräftig und gültig sein sollte , dass er 
*on der Rom. Kais. Maj. bestätiget werden mlleste; S. Maj. aber würde 
densetbea nimmermehr bestätigen, da Pfalzgrafen Angusti Söhne aus- 
•"^cklicb darin ausgeschlossen würden; darum schlüge S. D. vor, 
'*'> nicht der Contract nur auf Euer beiderseits Chur- und FUrstl. DD. 
"^rsonen und dcro eheliche Leibeserben, ohne Erwähnung der Schwe- 
^'^ij oder der Vettern aufzurichten. 

Was nun hierin E. Ch- D. thunüch oder ratbsam denchtet, oder 

•^ot, dessfalls kann ich, der ich kein Jurist bin, E. Ch. D. nicht ra- 

-*J , sondern muss es bloss zu deroselben hochvernilnftigera Nach- 

®*iken und gnädigstem Belieben anheim gestellet sein lassen. So viel 

,'® Grafschaft Ravensberg, item Ravenstein, Flandrische und Braban- 

*<iUe Guter betrifll, ging S. des jungen Prinzen Dchl. Antwort und 

^**chlag dabin: weil der Herr Vater so hart auf die Gemeinschaft 

*T>ieht wäre, so wUnsehete S. D., dass E. Ch. D. dem Herrn Vater 

. *^ Sachen allerseits zum Besten um so viel fügen und sich die An- 

'^«^tung der gemeinschaftlichen Regierung selbiger gesammten Graf- 

^^ft (4em sonderbaren obangedeuteten Genusa der Aemter 



&a 



^ 



296 ^- BrandeubuTg nnd Pfsts-Neuburg. 

unahhrUchig) nicbt zuwider seio lassen möchte; S, D. wäre audi 
tler Meinung, es hätten sieh E. Ch. D. auf den 2(X),0Ct0 Rth., hei Äc- 
ceptation des Vorschlages gedachter Aemter betreffend, nochmals fe»* 
zu halten. Dann ob es wol itzo also bewandt ^ dags aie nicht beig&' 
bracht werden könnten, so würde es doch heniach, wenn die freiudß 
("ontributions-Exactionen aufhöreten, wol geschehen können. Anrei- 
chend die Herrschafl; Ravenstein hielte S. D. davor, der Herr Vater ! 
wUrde auch zu Abstand derselben endlich zu bewegen sein. Vo«! 
den Flandrisch- und Brabantischen GlUera aber, weil er auch Schuld 
darauf gemacht, würde er nicht gera scheiden. Zudem wtlnsehete 
und begehrte Ö. D., es wollten doch E. Ch. D. auf selbigen Gutem 
um HO viel weniger hart bestehen, weil S. D. vergewissert wäre, d&se 
Ihro der Herr \'ater über die beide Aemter Itaveusberg und Ltmburig 
zum Unterhalt ganz nichts mehr würde zulegen; Sie hätte aber Hoff- 
nung, da der Herr Vater die Flandrisch- und Brabantische Güter be- 
hicUe, dieselbe noch zu gemolteu beiden Aemtern zu erhalten. L'acl 
damit E, Ch. D. in diesem allen desto weniger Bedenken zu macheD 
hätten, so wollte sich S. D. damit erkläret bähen, dass Sie, Bobal<l 
Sie zum Regiment käme, E. Ch. D. die ganze Grafschaft Raven8berg^,J 
ohne einzigen Vorbehalt, und dabeneben samnit Ravenstein mehre k*-J 
wähnte Flandrisch- nnd Brabant lache Güter abtreten wollte. 

E. Ch. D. wolle sich demnach gnädigst gefallen lassen, mir hie«''] 
über gnäd. gemessene Verordnung zu ertheilen. 



Bnrgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 28. Febr. 1647^ 

[Die jülicb-borgiscbeo blande. Weiterü VerliuniUung über Raveuaberg. DieAk^'' 
tretnug von Ravenstein erledigt. Der geheime Erbvergleich tinausriilirbar. Vo«" 
geschlagene Theiluug der 200,000 Rtb. Der Prinz erbictpt sieb zu einem gehe *^H 
men Eevcra über Abtretung von Kaveasteia unJ üen flaadrischoa liatern b»C5-^^B 
dem Tod seines Vaters. Burgsdorf rätb wegen der GoldHumine nachiag^be *^* 
Bitte der PfttliigräfiD. Fröhliche Aussicht iiuf des ITalzgrafon nahen Toi] ^ 

2e,Febr. Meine nächstvorige Relation war yom 26, dieses. Unterdess^^^B 
würd E. Ch. D. aus hieran gefügtem Extract gnfid. vernehmen, \f^^^ 
des Camnierseeretariuö Schiet /.er's ') Verriclitung zu Cöln gewese»-^- 
und weil daraus zu ersehen, dass oberwähnte Stände eine Abordnut»^^ 
anhero zu thun Vorhabens, besorge ich, dass die Stände mit zu do^J 
Tractaleu werden müssen gezogen werden, und ich mich also »0*^** 
etwas länger alhier aufhalten; sonderlieh, weil sich itzo dieses 

'J Vgl. oben p.292. 



Bnrgsdorf La Düsseldorf. 



297 



orechläge ereignen. Dann gestiigen Vormittags etwa um llXThr 

te des jungen Prinzen Dchl. den Marseball Weschpfennig 

errn von FranRenberg zu mir und lieas tuir andeuten, Sie 
e mir nicht bergen, dass die halbe Grafschaft Jßavensberg nicht 

vorl&ngst Sr. D. von dero Herrn Vätern abgetreten, sondern 

Seine des Prinzen Dchl. Oemalin darauf beleibzUchtiget wäre 
der König in Polen dessen gute Wissenscbaft trüge; dcrowegen 
Bte der Herr Prinz, es möchte sich besser fügen, dass E, Ch. D., 
b1 die Grafschaft Baveusberg belanget, nicht mit dem Herrn Vater, 
im mit dem Herrn Sohn tractirte; 8eine des Herrn Rolins Dchl, 

nicht weniger, als wie sich der Herr Vater schon erkläret hätte, 
lufrieden, das« E. Ch. D. die 18 Jahr liber die beide rentbarste 
er der Grafschaft, als Sparenberg und Limburg, behielte, jedoch 
die Hoheit uud Jurisdiction, wie auch die Besatzung des Sparcn- 

und Ravensbergs in Gemeinschaft gestellt wltrde. 
eh antwortete, dieses wäre ein novum emergens, darüber ich 

bei E. Ch. D. gnäd. Bescheid erholen mtlsste, und fragte unter- 
ai, wann die Gemalin oder auch der Herr Vater den jungen Prin- 
Iberlebte, wie es alsdann geben Bolltc, sinteoial auf solche Fälle 
i. D. die ganze Grafschaft Ravensberg, wie es doch die Meinung 
sollte, nicht haben künute, angesehen die tteuialin bei Ihrer 
«cht bleiben, der Herr Vater aber, weil nicht mit .Sr. D. , son- 
mit dem Herrn Sohn tractiret worden, von einem solchen Ver- 
i nichts würde wissen wollen; woraiis darm femer zu erwarten, 
»ach tödtÜchem Hintritt des Herrn Vaters die Pfalzgrafen zn Sulz- 
demselben unmittelbar würden wollen succediren und E, Cii. D. 
tu der ganzen Grafschaft nicht gelangen kSnneii. 
lir ward replicirt, auf den ersten Fall, wegen der Gemalin, 
E. Ch. D. deroselben alsdann ja leichtlich entweder bis auf 
der Princessin, oder auch bis auf des Herrn Vaters TodesfaU 

Dßitz und Genuas der beiden Aetnter Ravensberg und Limburg, 

Hoheit und Jurisdiction, welche aUdaiiii neben der Ge- 
ichatt fallen würde, lassen, und wann der lleiT Vater hernach 

Bttlrbe und E. Ch. D. also zu den aiimmtlichen Landen kämen, 
'rinccsein anderswohin die Leibzucht verlegen können; auf den 
In Fall aber wtlrdi-n E. Ch. D. ein grosses Vonhoil in Händen 

, sich bei der ganzen Grafschuft wider Pfalzgraf August i Söhne, 
E. Ob. D. denselben au Recht uud Macht weit tlbertegeu, auch 
schon mehr als zur Hälfte in Besitz der Gralschaft befinden, die 

uUbacb aber weit davon sein würden, zu behaupten. 



298 



n. Brandenburg und PfBls-Neubtirg. 



Ich gab darauf zu verstehen, ich hielte gtlnzlich daför, E. Ch. D. 
würde die Gemcinseliaft nicht iimiehineii, wollte es gleichwol derugel- 
ben unterth. liiiiterhringen. So viel mcrko ich aber, dass Vater und 
Sohn eben fest auf der Geniciiischafl beharren werden, da dann E. 
Ch. D. guäd. zu bedenken ist, ob Sie nicht lieber, ehe sich» daran 
atieeee, dieselbe Goineiuschaft der Hoheit uud Jurisdiction, wie ancb 
der Pflicht der Besatzungen antreten wollte, bevorabj weil der Herr 
Ton Frankenberg, dessen Treu und Holde E. Ch. D. sieb wol ver- 
sichern kann, auf dem Sparenberg, auf welchem Schloss das mei-' 
Absehen, das Coniuianilo haben wird. Doch stünde auch zu verj!, 
eben, das», gleich wie ich auch in einer meiner vorigen unterth. Re- 
iatjon angereget, es mit der Hoheit und Jurisdiction, ingleiohen Be- 
satzung der Amtshauser, also wie bisher gcbalten würde, nämlicli, 
dase jeder Chur- uud Fürst die Hoheit und Jurisdiction über die !?f- 
ChuT- oder fUrstl. DD. zugethcilte Aemter, und also E. Ch. D. Über 
Sparenberg und Vlotho, der Prinz von Neuburg aber Über Ravenekif 
und Limburg hätte. 

Des Prinzen Dchl, liess mir auch melden, daas E. Ch. D, auch 
RaveuBtein eingeräumet werden möchte; wogegen der Herr Vater eil»' 
gewandt, Raveostein wäre Seiner jetzigen Genialin, des Prinzen Fra>^ 
Stiefmutter, Leibgeding; ob doun der Herr Sohn wollte und zufriede*^ 
wäre, dass der Herr Vater der Frau Mutter eine andere Leibzuch 
anwiese; und als der Prinz rundaus darauf geantwortet, er wäre ga; 
Wol zufriedeu, dass der Frau Mutter zu anderweitcr Leibzuebl nicht ^ 
allein so viel, als die Aemter Kaveastein uud Limburg ausbringen 
könnten, sondern viel ein mehrers geordnet würde, da habe sich der 
Herr Vater auch erkläret, es wäre dann Sr. D. gleiebergestalt damit 
zufrieden ; also dass es numehr wegen Kavensteiu keine Schwierigkeit ■ 
mehr haben möchte. 1 

Der früher in Rede gewcseue geheime pjrbvergleich mit dem Prinzen 
Philipp Wilhelm zeigt doch Scbwierigkeiten und wird sieh schwerlich 
ausführen lassen. 

In Betreff der 200,000 Rth. lässt der Prinz wiederholt bemerken, dass^ 
sowol bei seiueiii Vater als bei den Ständen man mehr Bereitwilligkeil? Bn-' 
den würde, wcun der Kurfürst die eine Hälfte davon ihm (PbilippWil- 
belm) abträto. 

P. 8. Gleich in dieser Abendstunde, da ich das Packet schliessen 
will, kommt der von Frankenberg und bringt mir das Aensscrste,' 
worauf alles beruben wolle. Der Herr Prinz bittet nochmals zum In- 
ständigsteu, E. Ch. D. wolle sich die genieinsehaftliclie Regierung der 
Grafschaft liavcnsherg in Huheitssachcn und JurisdictiotialibuB (vor- 



'S 



I 




BargsdoiT in Dneseldorf. 



299 



* 



hältlich die vorgeschlageuc Abtheilung der Aeiuter, wie meine heu- 
tige Kelatioa mit mehrerm naehftlljrct i utcht zuwidLT seiu lassen; im- 
gleichen sich der Flundrischen Güter und der Brabantiuchen um so- 
weit begeben. S. D. erbeut sieb, einen Kevers, jedoch in gehein» und 
obne Bewusst des Herrn Vaters, berauszugebeu. daas er nach des 
Herrn Vaters Tod E. Ch. IJ. die ganze Grafschaft Havenslierg (^also 
daw der Prinz auch Seiner Gemalia alsdann ein ander Leibgeding 
ordne; und die Flandrische Güter und die Brabantische einräumen 
^oUe. Wegen der 2(xt.(.MKJ Rtb. sagt Ö. D., die (TÜlich- und Bergi- 
sebeu Stände Hürden dieselbe Summ weder auf des Herrn Vaters, 
noch auf des Herrn Sohns Angesinaen einwilligen. Wann aber H. 
Ch. D. sich festigUch auf die :?tM;i,(MKi Rth. bielten, s.» wUrden die 
Stande, ehe sie den Vergleich liesseu, zurllckgehen, sieb endlich zur 
Einwilligung der Samme, wann die fremde Exaetionen aufgehöret hÄt- 
ten, dieBelbe zu entrichten, bewegen lassen. Auf selbigen Fall, bittet 
der Prinz, wolle E. Cb. 1). Sr. U. ICKJ.lHX) Bth. davon zukommen las- 
sen. Ich an meinem unterth. Ort wollte E. Ch. D. auch treulichst 
dazu rathen, und dass Sie den Bogen nicht zu hoch spannen, uoeb 
diese Gelegenheit aus Händen lassen wtdle. E. Cb. D. hat in dem 
Entwurf des Vergleichs am I{aude setzen lassen, woferu der Prinz 
die tnutuam successionem dergestalt, wie E. Ch. D. meldet, nicht wollte 
eingehen, so soll alles, wozu sonst sich E. Ch. D. dariu erbeut, nichts 
•ein- Aber, gnädigster Herr, es stehet auf selbige Weise gewisslich 
j%i des Prinzen Kräften nicht. 

I. D. die Frau Herzogin bat mir anch lassen sagen, sie wäre 
Ikerzlicb daxait zufrieden, dass E. Ch. D. Ravenstein. worauf Sie sonst 
t^elcibdinget wäre, bekäme. Eines biltet I. D., dass E. Ch. D. mir 
^näd. befehlen wolle, bei des Herrn Pfalzgrafen Dchl, einige Meldung 
x^nd Anregung zu thuen, E. Ch. D. boflle, der Herr Pfalzgraf würde 
§>eiiie liebe Gemalin anderweitUch mit Leibzucht versehen. 

P. S. (Eigenhändig.) Heute habe ich auch erfahreu, dasg der 

«Ute Herr zukünftigen Mai in das 71. Jahr eintreten wird; also dllrfte 

«re wol nicht lange mehr treiben, wie er dann heute sich nicht aller- 

Dgs wohlauf befunden bat; abdann bekommen E. Ch. D. sofort die 

^anze Grafschaft und die Flandriscbc und Brabautiscbe Güter, ja, mit 

dottea Htllfe, noch räthlicher die sämmtliche Landen. — 



300 



n. Brandeobarg und Pfnli-Nenburg. 



Burgsdorf an [den geh. Rath Erasinus Seidel]'), 
Dat. Düsseldorf 28. Febr. 1647. 

(EigcnliUntiig.) 
PSth eifrig nur Nachgiebigkeit. WidurepäDstigkeit der cleriscIt^D ätÄ&de. ]3«»r' 

Erb vergleich.] 

28. Febr. Meiu insonders hochgeehrter Herr etc. Desselben geehrtes habe 

ich anhcute dato, habe meines hochgeehrten Herren Schreiben zureclite 
erhalten, auch was in der Sache autgesetzet. so ich als so genommeüi, 
als ör. Ch. Ü. eigentliche Erklärung; darüber ich fast erschroclien und 
öcheinet das mir den Bogen zu hoch spanneu. Mein hochgeehrter 
Herr wird sehen, was »ider daher vor anderweits Vnrsehhlgo vorlioru-. 
men sein. Uutt weiss es, dass ich nicht absehen kann, es wolgetliao"^ 
zu sein, wann man diese Tractaten also zurgehen Hesse; es seiud 



die noch «.ttf 
dennoch kllnf- 



nieines Ermessens dennoch solche neue Vorschläge, 
Raison bestehen, tind werden, nh Gott will, S. Ch. D, 
tig zu der ganzen Grafschaft Kavensberg, Brahantischen und Flaaclri- 
schen Gütern kommen, indem, menschlichen darvon zu aagen, aucb zv 
schliessen, der alte Herr ebender sterben wird, als der junge Hei** 
Wegen derer Gelder bleibe ich darbei, dass, wenn es darzu komm 
sollte, wir schwerlichon obsiegen wUrden, wann die Stände aus gut 
Willen nicht geben wollten, dass sie der Herzog aus seinen Mitteln 
nicht zu geben schuldig ist. 

Die Stände zu Cleve hatten sich warlichen sehr Übel. leh schrei 
es aber ihnen allen nicht zu, sondern nur denen, die die Bolzen df 
hen und die Stände sie nur versehiessen ; hätte man solche sofort u**» 
im Anfang abgedauket, so hätte man viel besser gethan, mehr K"**^ 
in solcher schweren Sache mahlen. Man muss suchen, es so la-t^ 
aufznhalten, bis man zavorn alhie sehen wird, wohin diese Tractat^" 
ablaufen werden. Verbleiben S. Ch. D. dar bei das, was mein ht>»^^' 
geehrter Llcrr in margine gesetzet hat, wegen des l'acti, Kxcluei*'^ 
der Vettern, so wird aus der ganzen Sache nicht; wir werden» i*-'^ 
aber nicht rtlhmen dtirfeu, dass dergleichen Unbilligkeit von i»^* 
gfisuchet wtn'diMi und dahero diese ganze Tractjilen zerschlagen ß^*"" 
tea. Ich kann nicht mehr sehreiben wegen grossen Wehe mei**^. 
ÜSÄhne. — 






') Adresse fehlt; waUrscheinlich an Seidel, desson (iescliäriskrüis «.1**" 
AAgelegeDheitSD &DgeharäQ ; vgl. oheu p. 365. 



Bnrgaäott in Dflseeldorf. 



301 



fr Kurfürst an Burgsdoi-f. Dat. Cleve 1. März 1647. 

foracUläge ilee Pfslzgrafen ühgelehnt. Der geheime Rrbcergleich- Vor- 
Htläge %n geheimer Vereinbarnng mit dem PrinEen Philipp Wilhelm.] 

Puere untf rtb. Rrlatioii vm« 2G- hujus (sie) haben Wir vorgestriges l. März, 
auch wol erhalten und daraus was sowol des alten Herrn Pfala- 
, Bowol auch dem Herrn Sohns Ld. Ld. für anderweite Fttr- 
^ thun wollen, mit mehrem vcmoninien. 

D viel nun anfänglich des aUen Herrn Vorschlag belanget, thut 
be der Sachen kein Geniigen; dann zn gesehweigen , daea Wir 
Italt 1) an Statt der 180,<.X)0 Rth. (so Uns aus GUlicb, Berge 
iavensberD; gebühren und mit aufgewaebsenen Itderessen über 
K»Rth. sich belaufen werden) Uns ein mehres nicht dann 2(XMHX1 
jukouimen und also »ler Verlust, über alle eausirle Scliäden und 
iteu. über 163,000 Rth. sich noch erstrecken wUrde; 
) so wollen S. r>d. vors andere der Zahlung halber Uns von 
h an die Stunde und zwar ufl" gar weit hinausgesetzte mid ganz 
iase Termine verweisen, welches Una auch nicht annehmlich, 
thunlicb sein kann; 

) mehr praeaupponiren S. Ld., samnit Wir die verflossene 18 
Iber das Amt Limbnrg genossen; da doch Unsere hiesige Re- 
g und Caramer beständig das Contrartum, und dass Uns die 
Zeit nicht ein Denar daraus zukommen, berichten; 
) und llherdem fiillt Uns die gemeinschaftliche Regierung der ^ 
aft Ravensberg aus dcuen in Unserer letzten Erklärung Euch H 
riebenen Ursachen gan« beschwerlich und hocbbedenklich, wUr- H 
cb daraus, als einer bösen Wurzel aller l'ueinigkeit, nichts als ^M 
toen Streit und Missbelligkeit zu gewarten haben. ^B 

fei dem andern des Herrn Prinzen Ld. Vorschlag ist Uns nichts 
r bedenklieb, dass S. Ld. zu Ausschliessung Ihrer Herrn Vettern 
lnschliegt«ung Unserer für.stlichen Geschwistern (dazu Sie sich m 
ror diesem inrtinirct erwiesen) numehr nicht verstehen wollen. ^| 
(rmeinen zwar, es wörde die Röra. Kais. Maj., wenn die Vettern ^M 
bgeschlosgen würden, zur Ratification dieses l'acti oder Vertrags ^M 
viel desto mehr zu bewegen sein. Al^er dafür können Wir es H 
Berm Ort gar nicht halten, sondern sind der gänzlichen Met- ^ 
dass, obgleich Sr. Ld. Vettern mit eingeschlossen werden, den- 
tre Maj. wegen des Cliur- und Fllrstlichen Hauses Sachsen zu j 
' Ratification nimmer zu bewegen sein wird. Wir verstehen ^| 
ot, dass dieser Contract, ob auch gleich eine Kalserl. Confinna- H 
frie doch nicht zu hoffen) darüber erfolgte, dannoch allerhand ^| 



302 



It. Brandenburg und Ffala-Nenbiug. 



ge Ä* 



künftigem Disputat unterworfen und -von denen ausgesclilosseneD G«- I 
vettern, pro re inter alins aetii, so tertiis an ihrem TeriueinteD jure I 
quafsito nielit schädlicli sein küirnte, werde gehalten werden wallen: 1 
aber »ließen Nutzen oder Vurtbeil hätten Wir gleichwol beidereeita 1 
daraus zu gewarten, dasH das überlebende Tlieil uff begebenden Fall 
mit niehrem TituI sich der Snccession zu des abgelebten Landen wörie 
atinehmen und sein albereit habendes Suecession-Recht durch Ergrei- 
fung der wirkliehen Possession alsdann noch mehr zu befestigen and 
sich bei den Landen mit mehr Nachdruck zu conMOrviren, die noct 
Übrige Praetendenten aber ad aequiores conditiones zu bringen ut 
zu disitonirei) gute Gelegenheit überkommen k<3nnen. 

Vors ander biltten Wir es gegen Unsere geliebten Schwesteri 
wann Wir dieselbe, diesem Vorschlage nach, ausschliessen oder n«-»' 
praeteriren sollten, nicht gar wol zu verantworten; sie seindt Uns JF * 
näher, als 8r. I<d. dem Herrn Vettern, verwandt. Wir geschweige 
das», gleiehme S. Ld. dero Vettern, also Wir hingegen Unser Franc 
Mubnicn, oder Unsere Herrn Vettern Geschwister auch ausschliess 
oder doch Übergehen; dadurch dann gute Gleichheit und eine recli* 
Ueciproeatio in diesem Pacto gehalten wird. Aber Sr. Ld. Vetter 
mit einzuschliessen, Unsere beide noch lebende Muhmen aber, bo ÜC^ 
doch eben so nahe, als .Sr. Ld. dero Gevettern, verwandt, als d^^ 
ver^vittibte Königin in Schweden, und dero Tochter, die itzige regi^S 
rende Königin, ingleichen die verwittibte Heraogin zu BraunscbweMfl 
and Lüneburg, welche nach Abgang Unserer und Unserer Ge^chwist^^ 
Linie zur Succession nichts minder berechtigt, auszuschliessen, würi— 
eine grosse Inaequaiitet in diesem Pacto nutorie imj>ortireii und ta^ 
sich llthrcn. Welches, wann es S. Ld. recht erwSgen werden, werde:^:^ 
dieselbe verhoffentlich hei diesem Punct keine fernere Difficult^S 
machen. 

Uffn Fall nun, so nämlich Ö. des Prinzen Ld. : 1) das oberwähnt»- 
Paetum, mit Einschliessung Unserer Geschwister und Ausschliessiui|^ 
dero Herrn Gevettern, eingehen und in gehein) mit Uns sehliessen; — " 
2) dero Herrn Vätern, dass 8. Ld, Uns zu den Aemtern Sparenber^ 
und Vlotho, item denen anpraesentirtcn 200,000 ßth., dieselbe uff ge^ 
wisse Termine und ufts längste in 4 Jahren, von liato an zu reebuen^ 
noch die HerrBcbaft Ravenstein (gegen dero Erhaltung Wir endlicitf 
die itzbenannte Summ nS 150,000 oder uffs äusserste uff 100,000 Rlh* 
(doch dass Uns dieselbe von dato an verzinset würden) kommen iMB 
Ben wollten) itzo also fort einräumen und abtreten, disponiren; — " 
^) sich selbst auch vor's dritte üu Wiederabtretung der ganaen Gralfl 



BttrgRiiorf In DüMeldort Die Frage des gebeimeo B«v«rseA. 303 

^Wü Ravensberg, auch der Flandrischen und Brabantischeu Gitter 
wff Ihres Herrn Vätern TodesfnlJ und sobald Sie zur Regierung ge- 
Itagen. kräftigUch verobligiren (tvelches alles s part und in geheim 
init derselbeo eu tracriren): 

St) wollen Wir Üne endlich auch hierin Sr. Ld. 7.u gefallen freund- 
»etterlich in so weit accommodiren , diesen Vorschlag eingehen, Uns 
Üttsenr Praetenaion wegen der IBjAhrigen enthobenen Abnutzungen, 
nie auch ilea Geuusse« der beiden Raveasbergischen Aemt-er Ravens- 
t)ärjg und Limburg, sowol aucfi der Flandrischen und Brabantischen 
Guter ( Ravenstein ausgenommen) nbgesatzter Massen gutwillig beige- 
be ia. auch Sr. Ld. Unsere Bhrige Forderung, so Una wegen der 180,000 
Rtti. und dero Zinsen über die obberlthrte 200.(T00 oder 150,iXX) oder 
100,000 Rth. (wie vorgemeldet) [noch zusteht]'), gänzlich cediren und 
abtieten. 

Nur wollet Ihr Euch uff diesen Fall uff« fleissigete bemUhen, dass 

"*^ Regierung und Jurisfliction der Grafscbatlt Ravensberg Uns allein 

''Orbiejben möge. So aber dieses über alles Verhoffen nicht zu er- 

''»llen sein, sondern die Gemeinschaft der Regierung beharret werden 

*^'"jllte, 80 müchten Wir endlich dem Herrn Prinzen auch die Juris- 

•"«-•tioD in denen beiden Aeratern Kaveuslierg und Llndjurg (doch dass 

"•* landesfürstliehe Uuheit auch in denenselben Uns allein verbliebe) 

^*^öUen and verstsitten. Wir hoffen, es werden beiderseits Herren 

"*^*grafcn fjLdd. diesen Unsern so billigen Vorschlag nicht aus Händen 

^*®^n, zumal da der Herr Pfalzgraf die obgedachtc drei Aemter die 

f^osseae 1.*^ Jahr durch mit aller Jurisdiction, in Hoheitsacheu aber 

*^ ^nze Grafschaft unverneinlich allein genossen, und dahero ja 

*^ b&cbste Billigkeit erforderte, dass Wir dieselbe ilie klUitlige 18 Jahr 

^t" gleichergestalt also haben, besitzen und geniessen sollten. 



X)ei' Kurfiirst an Burgsdorf. Dat. Cleve 2. März 1647. 

*** PaDct der Kavenshergiachen l.nndeshoheit nachgegebec. Die 200,000 Bth. 
Di« FrKge des Erbvergleiclis oiclit mebr zu berühren. Raveugtein] 

Antwort auf die Relation »om 28. Febr. 

Worauf Wir Euch ... hinwiederum anfllgcn. das», soviel die Com- 8. 

*^üiiion in der Grafschaft Bavensberg anlanget. Wir Uns darzii kelues- 

^eges auf die Maasä und Weise, wie der Herren Pfalzgrafeu LLdd. fllr- 

^eschlageu, verstehen können; Wir wollten aber zuletzt, da es ja nicht 

Veiter zu bringen sein mSehte, insoweit coudesceudireu und zufrieden 



>) PeUt im CoDcept nud Orig. 



304 



n. Brandenburg nnd Pfali.Nenbui'g. 



sein, daas die vier Aemter iu besagter Grafschaft zwiscbea Uns u»i 
Ihren LLdd. dergestalt gethcilet wllrden, dass nfimlich Uns die i^^e^ 
Aemter Hjiarenberg und VIotbo mit völliger Jurisdiction und Hob< '^M 
wie nuch daa Jus praesidii durcluius frei und allein gelassen, die ^mA- 
dem beide aber, als llavensberg und Limburg, ebenenuasBen mit c3ct 
Jurisdidiou und Hoheit m Verhütung alles künftigen Zwiespalts t^*wi4 
Uneinigkeit Ihren LLrld. sannnt dem Jure in-aesidii übergeben wttrd_- f^- 

Was aber die 2(:t0,(:>00 Ktli. betrifi't, habt Ihr mit des jungen Pf^^di- 
grafen Ld. es dabin zu beliandeln, dass Wir Sr. Ld, auf begebencrzrdea 
dern Herren Vaters Ld. TndeKfall darvon zwar 100,000 Rth. nachi—a»- 
sen wcdlcn. aber dennoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, das« S, 
Ld. sich TcrbUndig mache und auf solchen Fall selbst sieh zur "^ ~^hi 
lung der Uns zukommenden IWMXK) Rth. nach Ihres Herrn Vat^^B 
Todesfall, wie nicht weniger des Interesse von jetztbenannteni Ten»ffl 
an, coustitulrc und Ihren Reless au die GUlicbische und Bergiscbe 
Stände nehme; wnrhei auch insonderheit zu bedingen sein wird, das* 
S. Ld. solche Summ der 100,000 Rth. sammt behHrigen Intereeacn«. 
eg werde im Köm, Reich Friede, oder bliebe Krieg, zu erlegen pui« S 
auf sieh uehnien. ^ 

Des pncti mntnae &ucces»iöai8 soll nun nicht weiter gedacht werden. 
Da Rnvensteiu, üh desseo Abtretaug der alte Pfaligruf sich uun erklärt hat, 
das Leibgediu^ seiuer UemaliQ ist, so soll er dazu thun, dass dieser ein 
Büderes angewiesen wird. 



I 



Burg.sdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 2. März 1647. 

[Dober den Erbverglcicli kaiiii man eich iiiclit timigt^a. Borgsdorf rÜth eu missi- 

gea BmJingußgeD. DIb Qaudriaclica und brabantitcben Guter siad verschulde 

ntid lieber aurssTigeben. Angelegenheit des Herrn v. Frankenberg.] 

S.März, Auf E. Ch. D. Rescriptum muss ich dieselbe untertb. versichern, 

wofern dieselbe auf dem vorgeschlagenen Contract mit dem Herrn 

Prinzen dergestalt bestehen, dass derselbe mit Einschliessung E. Cb. 

D. Geschwister und mit Ausschliessung der Pfalzgrafen von Sulzbach 

aufgerichtet werden solle, ko wird gewisslicb aus diesen hiegigeo^l 

Tractateu ganz nichts werden, sintemal dem Herrn Prinzen die Aus-^^ 

sebliesBung der Vettern weder verantwortlich, noch anch möglich oder 

anch, da es gleicli geschehe, wie doch ganz nicht geschehen 

ein solches ciuerlei Weise zu Recht (wiewol ich kein Rechtsgelehrte 

bin) hcstiiudig oder krriftig sein würde, er, der Prinz, auch festiglich ' 

darauf beharret, dass S. D. niemaln zu AuBschliessuag der Vettern 

geeimiet gewesen, und demnach dieses übel verstanden sein mtlsste. 



Borgsdorf in DüBeeldorf. 



305 



rie auch schon in meinen vorigen Relationen gemeldet; wie dann der 
lerr tob Franken berg auch nochmals dabei bleibet, das« ea mit 
lern Vorschlage reciproee gemeinet gewesen sei. « 

Anf die Aufhebong der genieiuscliaftlichen Regiening in Ravensberg, 
iowie aaf die Verpflichtung des Pfalzgrafeii für die Summe von 200,000 
Hit. oder auch weniger, isi keines Falls zu rechnen. 

Am besten ist, jetzt die gemeinschaftliche Regiening und daneben den 
l^beiuieD Revers des Prinzen über künftige Abtretung der ganzen Graf- 
icb&ft EU aceeptiren, und zugleich sich mit den Jülich- Bergiscbeu Stauden 
ilber die Geldsumme zu vereinbiiren, 

■ Was die Flandrische und Brabantigehe OUter betrifft, dartlber 
tallet dieses neue vor, das» man mir deutlich anzeiget und gewiesen, 
wasmasseu der Herr Pfalzgraf IfKUTM") Rth. Schuld darauf gemacht, 
derohalben E. Ch. D. gnäd. zu bedenken hat, ob Ihro selbige Gtiter 
mit einer solchen Last dieneu wollen, oder ob es nicht besser, dass 
Sie dieselbe auch fahren lasse, weil Sie ihrer doch dieser Last hal- 
ben wenig wUtden genifssen können. Zudem ist dasjenige, was man 
flandrische Güter nennet, schon hinweg und in ßHter Sticken Han- 
len ; Winnentbal aber hat der Herr Pfal7;grnf gegen Chur-8achsen mit 
iecht gewonnen, und yenneinet man alhier, wann gleich E. Ch. D. 
lle diese Lande durch Kechtspruch zuerkannt wären, so würden Sie 
[ocli zu selbigen Flandrischen und Brabantischen Gütern nicht ge- 
angen können, weil selbiger Oerter ein amler Kecht ist, und Über 
.38, wie vorgedaeht, wenig daran zu erholen, weil Über KHi/iOO Rth. 
Schuld darauf siebet '). Derohalben werden E. Ch. D, diesem Werk 
rol nachdenken, ob Sie auch dieser Guter halber eine so wichtige 
Jache dieses Vergleichs sollten aufstosaen, und uh Sie nicht besser 
bSten, die beide beste Aemter in der Grafschaft Kavensberg, bis der 
Prinz in der Kegierung käme, einzuhatten; dazu die Herrschaft Ra- 
reostein und dann die lOCOfMi Rth., und behielten daunoch stets die 
Hand offen, wann es also gesetzet würde, niimlich bis zu Austrag der 
Sachen, oder wie man sich ferner in der Gute vergleichen uioehte. 
Vielleicht schickte es Gott, dass E. Ch. D. noch ein mehrers von die- 
sen Landen künftig müchte angeboten werden, woriunen man sich an- 
itzo 80 hart gegen dieselbe bezeiget. Das meiste aber ist, dass [dieser 
Vergleich] E. Ch. D. viel besser und nützlicher sein wird, als der vorige. 
E. Ch. D. thnt des Herrn von Frankenberg in Ihrem gestrigen 



'j Die £u der juticb-cievischeti Erbacbaft gehörigen Qaudriaeliea uud bmbaD' 
tiscben Güter depeodirteo nicht vum Reicli, aotidüru von der brnbanUsclieii L«bos- 
kftmmer xu Bräaael, Ebenso die Herrschaft RaveDSlela. 

IUt»r. lur Cucb. d. Gr. KurFünten. IV, 20 



306 



II. Braadeabarg; and Pfuli-Neaburg. 



Beecripto keine Meldung, vou welchem deroselben ich in meiiiein 
tertli. Haudbrieflein geschrieben. Ich hofTe ja nicht, daae E. Ch. 
den eliilichen Mniin hintansetzen, welcher sonst viel Treue und MB 
übel würde angewendet haben. Zudem würde auch mir und meinei 
Bruder aehr unglttlich daran geschehen, weil wir aus E. Ch. D. gnfii 
Befehl ihn dessen versichert uud zugesaget haben '). Ich hitte n: 
terth., E. Ch. D. wollen sieh hienuif förderlichst in Gnaden erkläre«^, 
dan» dieselbige Resolution wird vielleicht wol die letzte sein , und ics 1 
bioB ailhier in Wahrheit von Herzen müde. 




Der Kurfürst an Burgsdorf. Dat. Cleve 4. März 1647. 

4. Mnrü. Autwurt anf die Relutiou vom 2. März. 

Iii Betreff RaveiiisLergs bleibt der Korfürst dabei, die gemeiuschaftUch» 
Regierung zu verweigern; der b randetj burgischer Seits gctnnehte Tbeiliing*- 
vorschlug, so dass die Aemtcr Si»areiiberg nnd Tlotbo dem Ktirfürsk'ii , die 
Aemter Ravensbefg uud Limburg dem l'falzgrafeu verbleiben, wird uocb- 
mals emjifoldeu. 

Dagegen fordert der Kurfürst die sofortige Abtretung von RaTearft'M 
mit allen Huheitsrechten für die gauze Zeit de» ilu treffeudoti V'ergleich*^- 

Weiter fordert er die 200,000 Rth,, ,davou Wir jedoch des Herrn Fr»«'" 
zeu Ld, die Halbscheidt abzutreten eioehmali, geueigt seiu"; doch muää ^^ 
sich dauu Itir die audcreij 100,000 Rth. mit einem besonderen Revers ve"*' 
bindlich machen, wogegen der Kurfürst dann auch auf die Zinsen reriit--*^' 
teu will. 

lu Betreff der fiandriüeheii und brabantischen Güter, will der Kurfüf! 
dieselben dem Prinzen gern überlassen ; „dagegen aber wird Uns voo S: 
Ld. ein absonderlicher verbiudi icher Revers gegeben werden müssen, dan 
Sic also fort nach Ihres Herrn Totem Absterben Uns nicht allein die ob 
bemelte beide Ravenbergisehe Aemter nnd also die ganze Grafschaft nnd 
Herrschaft Raveusteiu, sondern auch die obbemeldete Flandrische und 
Brabautisfhe Guter mit allen jS'utxungen, Jurisdiction nnd Hoheit wieder 
abtreten und wirklich eiriräimien.* Damit bekomme der Kurfürst niebt mehr, 
als was ihm nach dem Xante uschen \~ertrag ohnedies gebührt hatte*). 

Dem von Franken berg soll das gegebene V'ersprecheu gehalten 
werden. 



') Vergleiche über diese Angelegenheit das Kähere untoo in der ReUtioti 
Borgsdort'a dat. 12. April 1647. 

') In der Reaolutioo des KurfürBteu dat. 6. Mitrz fügt er Mnzn, dass Tür den 
FqU, dasa der Prinz sieb der flaudriscben Güter doch nicbt begehen wollte, der 
Kartürst sich begnügen will, wenn statt deren ibni nach dem Tude des alten 
Pfatitgrafen das Bergiaclie Amt Blaokenbarg eingeräomt nad Jetzt ein Bevera 
darüber aasgeatellt wird. 




Bnrg^dorf in Düsseldorf. 



307 



Burgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 4. März 1G47. 

[Die Frage der zu zaUJenden Golder. Gute Wirkuuf des Schreibens an di« 
''tätidif des Pfalzgrafen. Fromme Wiinacbe. Die Raveasberger Frage noch immer 
aa^eioat Klage über das hiesige niiregeliuiissige Leben. Prinz Philipp Wilbelni 
Terreiat. Bargädorf will die Verhandlung einstweilen abbrechea.) 

DsÄS Prinz Philipp WiHielm, wie der Kurfürst (dat. S.März) ver- 4. M»x 
l&ng-i, sich für die tod den Ständen zu zahlenden Gelder persönticb rer- 
bincilich machen soll, .besteht nicht auf Billigkeit"; riplitigcr ist, sich mit 
den jillich-bergischen Stauden, deren Depntirtc (zugleich mit Depntirten der 
clevis;ch-märkischen) jetzt hier sind, zu rereinharcn. 

Scbliesslich habe ich schon genierket, dass E. Cb. D. an die 
GtHich- und Belgische Stände jüngst abgegangenes Schreiben ') all- 
bereit »ehr viel hat gefruchtet, und dass erwähnte Stände davon An- 
laaa nehmen werden, des Herrn Pfulzgrufeii Dehl, hurt zuzusprechen, 
uiitl sich wol verlauten zu lassen, wofern Ö. D, siifb nicht eben eines 
Solchen Sinnes, wessen E. Cb. D. sieb gnädigst hat erkläret, vemebnien 
lasseu und bezeigen wollen, dass alsdaun die Stände wol uff andere 
Mittel und Wege wlirden liedaeht sein mltsseu. Was das nun vor 
Mittel und Wege seiu sollen, weiss ieh nicht; Gott gebe aber, daaa 
sieli die Stände vielleicht eutschliessen, wann sie mit dem Herrn Pfabs- 
S^^'ai'en nicht könnten zurecht kommen. E. Cb. D. allein vor ihren 
rechten Landes -Fürsten zu erkenuen und anzunehmen, übgenielte 
^^piitirte werden zu mir koniuien und mich ansprechen, da ich dann 
'^^i ihnen, vvas zu E. Cb. D. Vortheil und Bestem gereichet, lllrzu- 
^'«'Men keineswegs will untorlassen. 

P. S, tu der Kavensbergischen iSfiche steht es uoeb beim alten; ünmcr 
,T^^f unauneliiubare Vorschläge kommen auf, die nur dazu dienen, die Zeit 
"*2n2iehen. 

Ich will nicht umgehen, in S. D. um Uesolution zn dringen, und 
*<?h dabei ausdrücklich verlauten lassen, dass ich mich sonst uif mei- 
®*^ "Wagen setzen und hinweg ziehen will. 

Ich muss auch anregen, dass es allbier ja so unordentlich und 

. *^H mehr als am Chur-Sächsiscben Hofe mit den Mahlzeiten zugehe. Vor 

,^** Uhr, oder ehe dann zwischen 1 und 2 konnut man nicht an die 

, ^^'e?l. und an derselben bleibet man sitzen bis zwischen 4 und 5; 

, *"*iacb zwischen (i und 7 gehet man wieder zur Mahlzeit. Der FUrst 

^«" hat gut warten, denn S. D. isset des Tags wol fünf oder 

P. S. 2. Mit Abfertigung dieser Post hat eichs verweilet, bis icli 




') S. oben p.290li: 



20* 



308 



II, Br«ndBnburg und Pfoli-Neubnrg. 



iteo um 4 Ubr von der Mittaggniablzeit kooiiue, da mir dann de« 
gen Prinzen Dchl. angedeutet, Sie wäre Vorhabens, schierstkllnl 

Donnerstags oder Freitags sich ufF die Reise nach Neuburg m 
ben und daselbst Ihre Gemalin anhero zu holen. Ich sa^le dj 
diese Tractaten wtlrden ohne Ör. D. Beisein und Volhixieimng 
geschlossen werden kr>nDeu, und weil ich, wann Sie hinweg 
alhic atich nicht mehr würde xu ttiun haben, bn wllrde ich niicl 
dem Sie Donnerstugs oder F'reitags auf wäre, gleich ergestalt voi 
uen des nächstfolgenden Tagg wiederum zu E. Ch. D. erheben, 
gab darauf zu verstehen, Sie wollten Ihre Hand und Siege! derg 
hinterlassen, dasa Temiiitclst guter Leute der Schluss der Trai 
gleifhwid nicht sollte verabaäuniet werden; ich aber hliehe bei in( 
vorigen und zog an, dass damit, was itzo S. D. wegen Hinterlai 
Ihrer Iland und Hiegels gemeldet, der Sachen nicht wllrde gel 
sein, nud mag also die Zeit lehren, was ferner daraus werde 






Bui'gsdoi'f an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 5. März 

[Üräogeo auf EutscbeMuug; der Pfalxgraf zögert, Die Saudriechen GöUB 
SU geben; gttjeimer Revers des Prinzen.] ^H 

5. Märif. Heute habe ich abennal hei des Herrn Pfalzgrafen DcbL { 

Anmahnung um Resolution, wie sie auch tiele, zum Beugen odej 
Brechen, sintemal ich mich nicht länger alliier aunialten lassen kl 
thuen lassen. Worauf Sie begehrte, ich wollte den Verzug oioht 
deuten, Sie würe mit vielen GeschiHten flbcrladen, und jetzo i 
der Gtllich* und Bergi.schen Stände Deputirte auch alhier, die Ihr 
Haupt noch mehr irre machten; Sie hätte nicht alzeit die Venum 
solchen Sachen obzuliegen; ich möchte ndch doch nur ein weni 
dulden, so wUrdc Sie sich gegen mir gebührlich vernehmen las? 

Obgcmclte Deputirtc werden heutigen Vormittags bei .Sr. D 
dienz haben und, so viel ich erfahre, derselben eine seifsame L( 
aufgeben. 

Gleich diese Stunde, indem ich dieses schreibe, lassen 
selbe Depulirte ein Crediliv von ihren Prracipalen einreichen un 
Audienz auf den Nachmiltag gesinnen, worzu ich mich willig erk 
und werde von ihrem Anbringen E. Ch. D. hemSchst unterth 
richten. 

Wegen der 200,000 Ktb. oder zum wenigsten Ifi0.0tt0 lüh. \ 
ich mich fest an S. D, halten, es wäre dann, dass die Stand 
Mittel träten uud von sich selbst erwähnte Summe auf Uma» 



flu 



Bnrgsdorf in Düsseldorf. 



309 



Vfoise und Zeit, wie meine vorige iiuterth. Relatiynes melden, willig- 
ten und verspnlclien. 

Ais dieses iiucb gesclrrielteu ward, lässt der junge Prinz durcb 
dexi von Wesebpfennig und Frankenberg nochmals gar inständig 
bitt«D, E. eil. D. wdllc dneli atif den FlaiidriscIieD und Brabantischeu 
Gütern niclit so hart bestehen, das» dieselbe E. Oh. I). entweder jetzo 
da.«-ch den Vergleich oder Iicrnächst vom Herrn Prinzen, wann S. D. 
ins Eegiment kommen sein wlirde, abgetreten und von Sr. D. des- 
wegen ein Revers herausgegeben werden sulfte; wie Sie zwar wegen 
der ganzen Grafschaft Ravensberg auf berlihreten Fall Ihrer Antretung 
des Regiments, jedoch dergestalt, dass es vor dem Herrn Vater 
beiiu bliebe, nochmals sich zu verreversiren anerboten. 

Meines unvorgreiflichen untcrth. Ermessens hätte E. Ch. D. bier- 
Öber wol kein gross Bedenken zu machen; dann nicht allein, «He in 
'neiaeu vorigen unterth. Berichten erwähnet, die Flandrische Güter 
*choa in fremden, uUmlifh Ritter Sticken, Händen, sondern auch 
''ie Brabautische Gdter mehr dann mit ICjOjWXJ Kth. beschweret, nnd 
"Soeben ohn das nur eine Burgiindische Pfaudschaft suind, die mit 
°*^>OO0 Goldgulden jederzeit durch die Burgundische wieder eingelöset 
''**^en kann. 



•^itrggdorf an den Kui*fürsteii. Dat. Düsseldorf 7. März 1647. 

In dem, was die Dcputirten der Stünde der gesammten Lande bei dem 7. Mm. 
*ttl2grafcu und bei Bnrgsdurf uiigebraclit , sind einige Puucte, die es uö- 
*S machen, sie diw Kurfurstt-n persöulich vorzutragen. Er bittet daher 
^* llrlaübtiiss, auf eiaige Tage zurückkommen zu dürfen. 






Abraham Wicqiietbrt an den Kurftirsteii. Dat. Paris 

8. Mäi-z 1647'). 

^vhaadtnog mit Lionne über die Keaburgiscbe Difierenx. Allgemeine Vereiche- 



-^*^Ken; die franzÖBisehe Vermitteluiig; in der poiumörischeo Saeb». Frauki-eichs 
^*>orjfuifiB wegen eines uiederlitudiaeli-sjjiuii&clien Seftaratfriedens ; ServiüU iin 
Haag; des Korftireten Mitwirkung dagegen wird gewünscht.] 

Monseigneur. Je n'ay pas mantinö d'executer cctte .«lepmaine le ä" 

^*»»nittndement dnnt il a jdu !l V. A. E. ni'honorer par «es Icttres du 

*cvTier, au sujet de la resolution jiar eile prise de tascher de faire 

" aceoiumodement ä l'aniiable des differcnts qui Bont entre V. A. E. 

Afonaieur le Duc de Neubourg. J'ay ven pour oet effect Mon- 



•> VgL oben p.249. 




310 



IL BraDdeobnrg und Pfak-Neuborg. 



siear de Lionne, qui est celluy, qui a La dircction generale de touli 
lc8 afiaires sous M. le Cardinul (il est uepveu de M. de Öervicn 
et reeognft en niesme temps iiue ilessrs, lea miiuslres estojent tri 
pai-ticiiU6reitieut iiistruits de tout ce qui se {tasse en (set'affaire-lä; « 
taut B'en faut qu'il ait fait ci^g^noistre qu'oii le deuBt truUTer niaura 
icy. qu'il rii'a protest^ que la Reine en seroit bien aiee, que IVm l 
demandoit que la paix, jmrticulit'renieiit eu Allemagne, et que lu Rei) 
n'aroit offert l'entremiae du Roy que pour faciliter cet accnmmodeme 
et par ce queV. Ä. E. avoit fait temoigner par M. de Dohna, qu'e 
la desiroit. 

Je repondis ä cela par un compliinent convenable au sujet et li 
die que V, A. E. avoit choisy cette voye pour öviter les peines qae \ 
ministrcs du Roy eussent este Obligos de prendre, si on y eust appe 
touB les Princes qui autrefuig se sout mesles de eet' affaire, lors qii 
ATOyent tous interest d'empeiclier (jue la niaison d'Austriebe ae 
saisi&t des Eatats de Juilliers, Cleves et Berg etc. J'y adjoustay ( 
tout le proceder de V. A. E. envers ÄUnisieur le Duo de Neubou 
Bereit si syncere et ai raisonnable que, si inondit Sieiir Due n'y 
pondoit de soQ costä avec la mesme trauubisc, en gorte que lou 
coutraint de rompre les traittös coimneucös, V. A. E. ne l'cruit pi 
de dilTiculte den Jaire le Roy juge, lequel eile suppliuit en ce ( 
\k de luy contiiiuer la bonnc volonte dunt il l'avoit voulu faire asg 
rer par M. de Dohna. 

Surquoy M. de Lioane me dist, que V. A. E. se pouvoit ase 
rer, que la Frauce travaiUeroit tousjours A faire cognoistre fest 
quelle fait de lamitie de la maison de Brandehourg et particuli' 
ment de la personne de V. A. E., et que le Roy ne souftrira jam 
qu'il se fasse quoy que ce soit ä son pr^judice; que Ton avoit tag 
de le tenioiguer en Taffaire de Pomeranie, luais que V. A. E. s'e« 
tenu trop couvert, ce qui n'auroit pas cnipescliö ncantnioiiis de f 
pour eile, si Ton leuBt pö faire sans rompre absolument avec 
alli68. Qu'il croyidt toutesfois, <iue V. A. E. avoit sujet d'estre st 
faite du proceder de M. d'Avaux, et que le Hieur de Pr^fontai 
8011 secretaire, qui arriva iey dimauche deruter avec les nouvellea 
ce qui s'estoit passe k Osnabrug, avoit rapport^ que les oduibtrei 
V. A. E. navoieut point fait de difJicultS de le t^moiguer. Et d'aii 
que Mona, de Burgsdorf m avoit fait la faveur de me maiider, 
M. d'Avaux travailloit de bonnc grace en cet' affaire, je pris la 
role et luy dis, que V. A. E. se Testoit tousjours prouiis de Yeq 
des miiiistres de France et du veritable iiiterest de ceUe couroi 



: 



VMhaodluagt Wicqueforfs in Paris. 



311 



qui ne peut usseurer sa converBatioo que par cell« de» Princes Pro- 
tt>itlaQts d'Atteiuagno , [laruiy lesijuele V. A. £. est sasjs contredit le 
l)lu8 iiüissaut et le plus c«iisideral»le. 

11 tue replicjim lä-desBus, qu il esperoit, qiie V. A. E. recognoistroit 
lei Uohb Offices qu'elle avoit receus en cette occasion, en favorisant les 
iutentiüiiH du Kwy et particulii'reiuent la uegütiation de M. Servien 
eo Uüllande. Ceti deriiiercs parolee me donnßrent sujet de croire quej 
l'iin desiroit quelque sen ice particulier de V. A. E, eu ees quartiers-läl 
ft le voulufl preaser lä-deesua; mais il ne se voulut pas ouvrir d'avan- 
läge V 

Ce qui m'obligea d'aller voir M. le Cointe de Brienne, qui n'est 

P&is 81 refenu eu ses discourä. En effect il me repondit d'abord sur 

•^f que je luy dis, touclmul raccotnmodcment qne V. A. E. desire faire 

*^ec M, de Duc de Neubuurg, que c'estoit le meilleur couseil que 

*• A. E. puisse preudre, quelle t^uiuignoit eu cela la bontö de aou 

J%ciueDt et que le Sloutfenat, oii cliacun demeurcra le inuistre de ce 

11 il y possede ä present, devoit servir d'exeniple aui Princes qui 

emploj-eQt le secours de leurs puissants voisins pour vuider leurs dif- 

'^^*^öts particuliers. 31ais il fit dilliculte de s'ouvrir mir le sujet de t& 

"Cgoiiatjon de M. Servien et de l'offiee que l'on desiroit deV. A. E.; 

*^Ulciuent lue dist il, qu'il estoit eertain, que parmj les plenipotenti- 

*"'es de .^lesäieurs les Estats et mesiues Ä la Haye il y avoit des 

f^^rsoanea de trtis-grande qualile qui s'estoyent laias^ corrompre par 

^*"geat d'Espagne, qu'un lea cognoissoit par nonis et sumoms, et que 



"*i Bcaroit les soiuiiie» qu'ils avojent receues, iiiais que luy estaut 

'**5ti8oniie publique ne le» iKJUvuit pas noinuier. Que cela aeul taisoit 

^ßaoistre la mauvaise iutention des Espaguols et devoit ubliger V. A. E., 

^*öt les vrais intereets duivent desirer la ruine, au moius l'abbaiaee' 

**nt de la maison d'Auötriche, de se iniudre en cette oceasion ä la 

*"*iice et de faire en sortc, (|ue tous les iutcress^s en cette guerre 

**Vaiiceat pas leurs traittes particuliers au prejudice des autres, qnand 

^^smes eile ne seroit obligee k la France de quoy que ce aoit, sinon 

**^'" la liaifion de leurs intereste comniuns. Que l'on ne manquoit paa 

^ le faire represeuter a V. A. E. et ä ses uiinistres sur les lieux, maia 

r***'il nie prioit den faire autant par me» lettre» et de t^moiguer ä 

' A. E., que le Roy, staelümt qu'elle peut beaucoup sur les pereoutie» 

"*** gouvenient tout en lloliaude, se promet d'elle ce tdmotgnage de 

^*> amiti^ en cette rencontre. 



^^ ') Serrien befand üich Liu Haag, am g6get) dua Abschlass des niedorlän- 
*^«a äeparatlriädeDa oiit äpauien zn wirken. 




312 



n. Brandenbiirfc' nn<) Pfalz -Neiibnrg. 



Ce que je fay par la prcsente, pas taut k la requisitiou qui tti'eni 
a estß faite, i^ue par le devoir de l'euiploy dont il a piß a V. A. E. 

ra' lionorer ete. 



Plalzgraf Philipp Wilhelm v. Nenbiirg an König Vladislav IV. 
von Polen. Dat. Düsseldorf 9. März 1647. 

[WtdernifuDg der frölieren nDg'uastigen InsiDaationeD über die Abgicbteo Braa- 

denburgs.] 

T^a prescnte mia hnmilissima si esibisce portatrice di un accordo 
provisloDalmonte et fin alla decisione della causa o fioale atnicbeTole 
couipcisitione coiiehiuao tra il Sermo Elettnre di Brandenburg et U Ser""' 
mi» Signore et padre eol imbaaciadore et caineraii« maggiore deli' 
A. S., Corrado Bürge dorf. • . . Ne posso tacere ehe gli effetti 
niostrano il animo de) Sermo Elettore esaere iiiolto diverso di quello 
che alcuui gpiriti inquieti hanno cercato d'iiiiprimere; poiche speru che 
da qui inauzi si piantera iin fondamento cosi fenwo et coiistaiite di 
reciproco amore et conßdenza tra le nostre persone et caee, che n- 
dondera in stabilimento , siciireüza et auniento dell' una et l'altra, ^ 
cid fine il eudettn Sigr Aiubasciatore La mosti'ato un zelo et destre***' 
tale che dagli efl'etti cognosco il frutto et eflicacia della recominani* 
tione che la Mta \r& si ha compiaciuta farli etc. '). 






Der Kurfürst an Burgsdorf. Dat. Haag 11. März 1647- 

pSernfting zr mßadlicher Besprechung. Prloa Friedrich Heiarich in extrem i*' 
1.1. März. Autwort auf die Relatioci dat. Düsseldorf 7. März, lii Betreff der be**Z 
üichtigten persönlichen Besprechung mit dein Kurfürsten — ■ 

80 stellen Wir es Euch gnädigst anheim, ob Ihr es nöthig ^ 
sein befindet, Uns diesclluge (puncta) anhero zu Überschreiben, o«^^ 
»elbst zu Uu8 auhero zu kommen. Wir seiud »ynsten reBolriri, 
diese W'oche, geliebt ea Gott, wiederum von binnen xurück zu 
geben. 

Was des Herrn Prinzen zu Uranien Ld. Leibeszustand anlang' 
ist dcrselbige gewisslicb sehr schlecht; Sie seind diese vergangene Nac 
abermals mit einem Fieber überfallen, welches bis daher gewähr 
also dass S. Ld. besorglich diesen Tag, dieweil Sie fast itzo Lu d< 



') Natürlich ostensibel und specieU für den Eurfiirsten beetimmt als Sat^" 
faction für die früher (s. oben p. 24fi. 264 uod Vol. 1 p. 219) im entgegen g«eat£t# 
tjinu uacU Polen gerichteten Schreiben. Tgl. unten b. J. 27. März. 




ÜQterbreohaog der Düsseldorfer Verlisiidlung. 



313 



letzten liefen, kauDi liberieben möchten '). Stehet Alles in Gottes 
Willen und Wolgefallen. 



► 



Der Kurfiirst au Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neiiburg. 
Dat. Cleve 27, März 1647. 

fI>M SatigractioDSSchreiben aa Konig Vladislnv voo Polen. Der Kiirförst bewilligt 
dein Prinüen Pbilipp "Wilhelm RaTenitein.] 

Spricht seine Befriedigung aas über das Schreilien ao den König roa 2T. Ma 
Polen (9, Märi), welches ibtn Burgsdorf iu Absfhrift überbracht; 

allermaesen Wir dann zu niehrer Bezeugung Unserer zu E. Ld. 
tragender guter AfFectiou und Hochged. Sr. Kön. Maj. zu Ehren und 
sonderbarem CTefallea E. Ld. durch vorerwähnten Unsern Ober-C'am- 
merherm au Uns gebraehten Desiderio wegen der Grafschaft Raven- 
«tein freundvetterlich gratificiret und Ihr dieselbige, unaugesehen sie 
weit ein mehreres jährlich austraget, als die beiden Aemter, als Ita- 
vengberg und Limburg, welche E. Ld. sonst in Unser Grafschall Ila- 
rensberg zukcimmen sollten, einräumen zu lassen verwilligt, Uns dar- 
nebst versichernde, dass E. Ld. dem deshalber abgefassten und aus- 
fegebeueu Kecesa gebührlich «erden nachkommen und leben wollen. 



Bwrgsdorf an den Kurfürsten, Dat. Düsseldoi-f 3L März 1647, 

Ißöckkebr nach Düsseldorf. Drei Differenzpuncte. Neue militärische DetDon- 
etration gegen die Bergische Gräzize hin.] 

Gestrigen Nachmittags ungefähr um drei Uhr bin ich albier wie- 31. Mg 

der angelanget, alda sich des Herrn Pfalzgi-afen Dchl. dem alten löb- 

'^«en Gebrauch gemäss noch an der Tafel befunden, bei welcher ich 

•^^ch der Mahlzeit etwa um fünf Uhr Audienz gehabt und deroselben 

^- Ch. D. Erklärung auf die drei Punctc, so in Sr. D. mir mitgege- 

_^*i€m Entwurf enthalten seind, vorgebracht, nändich I ) dass E. Ch, D. 

^eh wegen der ltjö,(XX) Rth. nicht auf die GUlich- und Bergische 

*^iide weisen lassen, 2) noch auch zu der Hatisfaction, welche S. D. 

^^en dessen begehret, dass Ihro die Herrschaft Havenstein nach dem 

^'^^^i'fjffeuen Prirt'iüionalvcrgleich zu s|iät sollte eingeräumet worden 

^**j, verstehen könnte. 3} und dass der einzige Weg wäre, die 8taa- 

^*» aus dem Kcligionswerk in diesen Landen zu bringen, wann das 

**^ercitium Evangelischer Religion wieder in den Stand, wie es a. Iül4 



') Prins Friedrich Heinrich starb am 14. März. Bargsdorf reiste nach 
^*B BMkg, wo er mit dem Korfürsten znsamnieiitraf. Das RegoJtat der mäud- 
^*^lk«tt B«iprechtuig ergibt aick aue den aächslfolgoadcn Briefen. 




314 



II. BrDDdenbiirg und Pfalz -Neuburg. 



geweeen, gestellet vrUrde. S. D. aber Wiebe vor (la«mal fest bei Ihrer 
Meinung in besagen dreien Puncteii, derowegen ich Ihr» ausdrücklieli 
meldete, wofern Hie, bevorab iu den zween ersten nicht weichen bull- 
ten, 80 würde die Handlung aus und E. Ch. D. alles darauf folgenden 
Unheils entächuldiget seiB; worauf Ö, D. mir stracks antwortete, es 
wäre also nicht geaieinet, sondern es müsste nur etwas mehr daroa 
geredet werden, in welchem allen ich deuijeuigen, was E. Cli. U. mir 
diesfalls gnäd. hat anbefublen, gehorsamst nachsetzen will. 

Sonaten wundert mich, dasa die Verordnungen aus dem Um; 
wegen der zu Rheinberg und Orsoy sitze uden Kömisch - Catholisclien 
GetBtlichen ') so lange zurück bleiben, und im Fall sie nicht ankä- 
men, wdrde es grosse Hinderung gebären. 

Am 3. April gedeutet Burg^dorf aufzubrechcu und Mcb nach Cöln zar 
Verhaudlnng mit den dort verfiammelieu Stauden zu begeben. 

An den Capitain- Lieutenant der Dragoner schreibe ich ilio, dsa* 
er sieh mit der ganzen Compagnte und dem Standart schierst kUnfti' 
gen Freitags, wird sein den 5. Ajirilie, zu früher Tagzeit bei Cleve iv* 
etwa einein Dorf ein.Ntelle und selbigeu Tags alda verbleiben soll-'-' 
ich habe auch Vorsehung gethan und ibme solches gleichergestalt g^^ 
schrieben, weil den Dragonern etzliehe Lohnungen zurückstehen, da^^* 
ihnen gemelten Tags vier Löhnungen sollen gereichet werden; d^^*® 
folgenden Samstags, wird sein den 6. Aprilis, soll er sich mit besagte*^*^ 
Cüuipagnie um Xanten auf einem Uorf in der Nähe, und des Sonc:^^^-** 
tags am T- auf diesseit Duisburg gleichergestalt iu einem Doif bcfii*:^*' 
den und allda fernerer ^'erordnung erwarten; derobalben bei E. Ch, UC-—-^' 
beruhet, ob Ihro gnildigst gefalle, die Verfügung thun zu lassen, da* ^^^ 
gedachte Compagnie auf gemelte Zeiten und Oerter in einem Dürf«^''^»^ 
ganz beisaumien liegen und von den umliegenden Dörfern mit notb*-^" 
dürftiger Zufuhr versorget werden möge. 



') Vgl. oben p.2I8. 




Borgsdorf in Dügitsldorf, 



315 



Burgsdorf an den Kiirfürsteit. Dat. Düsseldorf 4. April 1647. 

[Ver«chleppuaps;item des Pfalzgrafen. MilitÄriscbe DemuQätratiou au der GrÄDZu, J 

Vorschlag Burgsdorra, eine neue Occnpation im Ber^ificlien liuti'effend. Wichtige H 

Vorgänge bei der StändeTersamniUing in CÖlu. AuHsieht auf evoutuelie Losaa- H 

gtmg der StiutJo von dem Pfalzgrafea, Burgadurfs Seuduog oacli Cola. Plan H 

«iaer geraeineamen Vbrhaadluog wegen Neutralität der Lande mit dem Pfalzgrafea H 

und Knrcöln; der Pfaizgraf ist dagegen aus Haas gegen seine Stände. Protest * 
gegen eine in Ravensburg geschehene Geldhewilligimg an den Pfalzgrafen Philipp 

Wilhelm. Angelegenheit der Stadt Hervord. Stellung des Pfalzgrafeu r,u der- M 

■aiben. Geldangelegenheiten in Betreff der fiesandtschafl za Müuster und I 

^M Osnabrück,] ■ 

Dä^ ich mit meiDeni untertlj. Bericht nach ineiner jüngsten Be- i. Apr. 
Utitm vom iSl- Martii so laugsam einkomme, darau habe ich gevviss- 
licb keine Schuld, sondern es rllhiet her von dieses Fürsten unreso- 
'uten Verzögerungen und Sr. l). gegen mäunigUeh und in allen Sachen J 
^ewöhnlicheu Aufhaltung, welche in sicli seihst und (iondedieh itzo ^ 
Dir dergestalt verdriesslich seiud, dass ich bei 8r, D. nicht dienen 
voUte, wann Sie mich gleichsam schon mit Gelde aufwiege. Nach- 
leni ich des Tags meiner Wiederanherokunft , laut angeregtcu mei- 
len uoteith. vorigen Beriehts, was darin kilrxlich begrifien, bei l^r. D. 
»bgeleget, hat Sit sich bis auf diese tituude noch uicht erkläret, suu- 
üem nur zur Entschuldigung eingewandt, die Sache wäre wichtig, be- 
trÄfe Land uud Leute, uiUsste derohalben reiflich erwogen werden; 
dabero ich notbwendig meine soost auf gestrigen Tag entschlossene 
Beise nach Cüln habe aufschieben müsüen. Ich vernehme auch, daas 
B. D. ioi Werk sei, eine weitläutlige Öchrift, mit vielen Bedenkungen 
und Erinnerungen auizutietzen. VVoferu ieh nun derselben noch beut 
habhaft werden kann uud behndeu werde, dass die von Sr. D. bei- 
gebrachte Veräaderuugen nur in Worten und nicht in der Substanz ■ 
bestehen;, will ich mich dadurch nicht aufhallen, sonder» alsofort zu ■ 
dem, \\&s meine autliaheude Instruction ferner mit sieb bringet, sctirei- I 
teil- Könnte ich aber die Schrift heute nicht erlangen, oder sie liefe % 
etwa in die Healia des Entwuri», so werde ich gleichwol darum an 
der mir gnädigst aDbefiiblener Vcrrichtuug zur Ciilu uichts versäumen, 
sondern meine Reise morgenden Tags, geliebt» Gott, dahin fortsetzen, 
und schierstkiinftigen Moutaga, wird sein der 8. dieses Monats, wie- 
der albier sein, auch alsdaun mein Bestes thun, dass ich mit diesem 
Ffirsten zur Kichtigkeit gerathe, und die Reise nach der Grafschaft 
Kavensberg zu Werk stelle. Ich verhofte, es werde unterdessen der 
Herr von Fraokeaberg auch wieder zur Gesundheit und alhier an- I 



316 



ir. Brandenburg nnd PfalE-Neaburg, 



langen '), nicht zwar, dass er bei dem Flirsten etwas vermöge, soh- 
deru dasB er allein geinen Schwiegervater, den Marschall WeBch- 
pfennig. welcher auch einigertnaesen in dieser Sache träge ist, an- 
treibe. 

Unterdessen will nöthig sein, daea sich die Dragoner, welche 
«chierstkltnftigeu Honntiig um Duisburg sinküinnien werden, daselbst 
aufhalten, ituch vielleicht nicht undienlich, dass ich dieselbe, im Fall 
längerer Verweiluug dieses FUrsteus, gar hieher in Sr. D, Quartiere 
ziehe; wie mich danu druchtet, es würde zur Beförderung der Sachen 
nicht wenig geholfeu haben, du meinem jüngst zu Cleve gethanea 
Vorschlage nach E. Ch. ü. ganzes Kriegsvolk in die Pfalz- Neuburgi- 
sche Quartiere geleget worden wäre; halte es auch nochmals dafür, 
dasB es noch wird geschehen müssen, da sich ö. D. nicht sollte zum 
Ziel legen, und dasselbe nicht zwar auf der Edelleute, sondern auf 
Ör. D. eigene Camnicr- und TischgUter, wie icb dann nicht verges8e''C* 
will, geliebte Gott, m Cöln hei dem Änsschuss der Stände in eventui** 
diesfalls nachriclitlichc Meldung und Vorbauung , damit sie sich dar"-" 
unter nichts befahren, noch daran ärgern, zu thuen, 

Ich bähe von einigen ans Mittel jetztbesagter GUlicb- und Bi 
gischer Stände vernommen, dass sie mit Verlangen meiner Änk 
nach Cöln und E. Ch. D. gnäd. Erklärungen zu verstehen erwarten:::^' 
und unter sich gar wichtige Kesulutioneu gefasset, nämlich: wofer~ ■" 
ihnen von des Hemi Pfalzgrafen Üchl. nicht eine ebeumässige Sati^^* 
faetion, ^vie sich E. Ch. D. dazu gnäd. erbieten wird, widerfähre- -^^^ 
dass sie alsdann Sr. D. alle Öubjectiou aufktindigen und eich in des!^^'* 
Herrn Sohns, oder wo S. 1). dasselbe nicht annehmen wollte, i^S^ '" 
E. Ch. D. Arme werfen wollen. Ich hin auch entschlossen, vor me. ^^^'' 
nem Verreisen Sr, D, ausdrücklich zu melden (weil ichs anders nicl:^ ~" 
zu E. Ch. D. Dienst CTspriesslich ermessen könueu, auch schon spUr^ '"*''' 
das» Sr. D. meine Heise nacher Cöl» verdächtig vorkommt), aus ws^^- "** 
Ursachen £. Ch. D. mich dahiu senden, nämlich die Gülich- und Bergisch«:^ 
Stände zu versicbeni, das» E. Ch. Ü. sich gegen ihnen ebenergestaK -^" 
wie Sie sich schon gegen den Clev- und Märkischen erkläret, zu b^ ^^^ 
zeigen gemeinet sei. 

Anlangend gcmelter Stände Schreiben an die Clev- und Marl 
sehe, davon icb E. Ch. D. vor diesem unterth. gemeldet, habe ich 
bereit Unterbauung gethan und botle dasselbe zu erbalten und E. C 
D. gehorsamltch zuzuschicken. Was auch ich deswegen an die Cle 




') S. uuten B. d. 12, April. 



Bargsdorf in Dnsseldorf. 



3!7 



1(1 Markische gesehriebeii, ingleiclieti dem von Winnenthal auf 
in Schreiben geantwfirtet, das wird E. Cli. D. von dem von Schwe- 
ll gnäd. Temehmen, dem idm sub sigillo volante /.ugeschicket, daas 
es zudrücken ntid ilhergeben lasse. 
Ich habe de« Herrn Pfaizgraffn tJchl. unterschiedlich selbst zu 
NuUth gefHhret, auch lassen zu GeniUth führen, wie nSthig es sei, 

tnian nnt einem guten Schlus» dieser hiesigen Tractaten eile, auf 
E. beiderseits Vh. und f. D. conjunctive Einacliickuug an Chur- 
Hn thun uud dahin arbeiten lassen könnten, wie man sich mit Chur- 
}ln dergestalt vereinbarete, dass allerseits Lande aus der schweren 
ist, wo nicht ganz, jednch meistentheils gerathen möchten, wie sich 
um jflng8tTer\>n ebener Tage ein Chnr-rölnischer Rath, ü. DUstel 
oannt, aus Befehl Sr. Ch. D. bei mir angemeldet uud mich versi- 
ert, dass S. Ch. D. dazu geneigt wären. Es ist aber einerseits der 
iderwille zwischen Chur-Ciilii , Chur-Haiern und Pfalz- Xeuhurg, an- 
rerseits auch der Mass und Abgunst des Herrn Pfalzgrafen D. gegen 
terwäbnte Stände, welche durch eine solche Vergleich- und Znsani- 
sosetzung sehr erleiclitert werden würden, so gmss, dass S, D. sieh 
erllber noch nichts vernrhrnen läsMCt, sondern gUnchsani viel lieber 

rgute Gelegenheit versäumen, als den Ötündeu so viel Guts gön- 
will. 

Ich verstehe alhier. diiss die Stände der Orafschaft Ravensberg 
egen und in Hetraclit dessen, was sie E. Ch. D. unlängst gcwilliget, 
>eii 80 viel dem jungen Herrn Prinzen von Neuburg mich gewilliget, 
Imlich eine Verehrung von IKMI Rth. und wegen Sr. D. Heirat 
TKt Rth. Ob es nun wol eine Freiwilligkeit itit und derhalbcn nicht 
iel darauf tu sagen sein müchte, dieweil dunnoch numehr E. Ch. D. 
\ß ganze Grafschaft haben soll, die Stände aber durch eine so hohe 

rringnng an Gelde, als l'2,rHX) Kth. vor hochgem. Herrn Prinzen D. 
also zusammen 24,< KKt Rth.. E. Ch. D. zu nicht wenigem Nachtheil 
Elesto mehr erschöiifet weiden, so habe ich vor nicht undienlicb 
tet, gemeltem Marschall darauf anzudeuten, dass E. Ch. D. ein 
es aus jetzt berührten Ursachen nicht würde verafatten, sondern 
um Aeusaeräten nur etwa .5(XK) Kth. zulassen können; im widrigen 
All aber, und da man an Pfalz-Xeuburgs Seiten dasselbe durchdrin- 
■ wollte, wUrde E. Ch. D. dem Herrn Prinzen die zwei Aeniter in 
wr Grafschaft, nämlich Ravensberg und Limburg, lassen und den 
'aoscb mit Kavenstein nicht eingehen. Der Marschall antwortete, er 
fjte von dem Herru Prinzen darüber nicht inatmiret; ich aber werde 
^of, w) viel ich kann, bestehen und versuchen, wie weit ichs 



318 



H. Brandenborg und PWs-Neubnrg. 
weil dieser Punet allein den jungen Prinzen an- 



bringen kfinne 
gehet. 

Au» E. eil. D. jtlugst an mich abgegangenem Re8m|it veretek 
ich unterth-, dasH die bewui*ste Leut angekommen sein; ich befinde 
aber nochniaU mit dem Herrn Fromhold') aus dem mitgegebenen 
Documcnt von Cleve 8o viel, dass man sich billig in dem Werk nicht 
abereilet; ich habe auch unvermerkt bei dem Herrn Pfalzgrafen ge- 
füTSchet, wohin Sr. I>. Gedanken diesfalls gerichtet, da Sie dann der 
bewuesten Btadt alsbald ganz und gar Unrecht gab, liesa sich al 
dabei verlauten, Sie gedächte diese Sache zugleich mit E. Ch. D. 
zufuhren. Als ich das liörete, brach ich ab, weil mich deucht 
wUrde E. Ch. D., die numehr die ganze (Trafschaft haben soll, nacl 
theilig «ein, wann Sie diesfalls den Herrn Pfalzgrafen mit zuUease; 
sondern, dass E. Ch. D., nachdem Sie sich in wirklichem Besitz i 
ganzen rTrafscbaft IwHnden wird, von sich gelbst dem Werk wol g 
wachsen sein werde. 

Die Ursacli aber, warum 8, D. vermeinet, sich dieser Sache co 
junctim mit E. Ch. D. tbeilhaftig zu machen, ist diese, dass S. D. noc 
nicht anders weiss, als daws Ihr Herr St>hn die beide Aenitcr Raven; 
berg und Limburg behalten werde, sintemal vor Ibro verborgen blei 
bet, was E. Ch. D. diesfalls mit dem Herrn Prinzen wegen Kavenste 
gegen besagten beiden Aemtem absonderlich abgebandelt; wie mic 
dann des Herrn Pfalzgrafen Ochl. auch fragte, ob nicht die bewnsst 
Stadt in gedachter beider Aemter einem läge. Uerohalben hielte ic 
nnvorgrci flieh dafttr. E. Ch. D. hfltte dieses Werk, so lange bis Si 
in Besitz der Grafschaft sein, aufzuschieben und voritzo den obh 
rührten eingelangten Leuten, dass sie sich bis zu weiterem Beschei' 
wieder zurück begäben, ansagen, die mitgebrachte Sachen aber vo 
denselben abfordern und verwahren zu lassen, auch diesfalls an S. 
den Herren Prinzen zu Uranien zu echreibeu, dass erwähnte S; 
in gutem Verwahr bleiben solleu. 

Bei meinem morgenden Uö'bmch von hinnen nach Cöln wird 



3 



') Jobaüü Fromhüld, branJenbargischer Gesandter bei den westtalisctia 
Friedensverhandlungeü. Die Angelegtnliuit, auf welche oben angespielt wir 
betrifft die Verauclie der in der OrafscUaft Rafensberg gelegenen Stadt HerJ 
vord, ihre AnerkenuuDg tiis unmittelbar« Reichsstadt durchsoaetseD: ein! 
actcnmäBaige Darlegung des gatizeu Verlaufs dieser Streitigkeit von der eine 
nnd der andern äelte ündet eicb bei Lundorp Acta publica YI. p. 706 — TTG 
Vgl. r, Meiern ActaPac. Westpb. IV. p. 743 ff. T52ff. u. a. 0. nitd AcU Execnfe 



Bnrgadorf in DJisseldorf. 



319 



flerr Fri»niboId nff die Reise nach Cleve zu E. Ch. D. begeben, wie 
CT dann heut seine l'ferde voranseliicket und iu einem Tage vermeinet 
Bberrufahren. E, Ch. D. bitte icli untertii., Sie wollte ibu nicht auf- 
lialteo, sondern stracks nach Mliiister und (Isnabrllck fort/jelien lassen, 
jedot'h, da88 er vor allen Dingeu die l.'i/lfK) HtU. mit bekomme, wel- 
ches meines ErachteuB auch wol wird geschehen können; sintemal 
<ier General -Major Goldstein 20,000 Rth. herschiessen , die Amta- 
Caiumer auch eine Summ beibringen wird, woraus dasjenige, was nach 
Mtlüster und Osnabrück geben mnss, genommen und das (Ihrige vor 
•Jas Kriegsvolk angewendet werden kann. Es werden aber ge wisslieh 
3OO0 Rth. vor dem Verweser'), dem von Heiden, und D. Port- 
"•anoen zu wenig sein und deren zum wenigsten 40(K1 sein uittssen, 
"'elthe, wann die jetztgenannte drei Räthc von dannen zieben (wie 
ich dann untertbäuigst treulich rathe, dass sie abgefordert werden, 
»i^tenial das Übrige durch den Herrn Grafen von Witgen stein, We- 
^^iiheck und Frouiholden wol verrichtet werden kann), bald wie- 
"^iTim eingebracht werden können; angesehen durch selbiger drei Käthe 
Abzug E. Ch. D. alle Monat über 1000 Rth. ersparet; zudem wird 
*^**'' Herr Graf, Wesenbeck und Eronihold auch etwas in Händen 
aalten müssen, welches sich mit den 3(K-N) Rth. desto weniger wßrde 
**8riehten lassen. E. Cli. 1). kann gnild. ennessen, wie bochnöthig es 
dass Fromhold un verlänget mit den Geldern an besagte Orten 
Hige; denn sonsten wegen des Stifts Minden iwiewol itzo anstatt 
^^s^u Osnabrück in Vorschlag kouinit) viel «lirde versäumet werden, 
***i es ist heutigen Tags eine solche Zeit, dass auch der Priester um 
*^ ' t»e3 eigenen Nutzens willen um den Altar gehet, und ohne derglei- 
"^ri Miltel nichts ausgerichtet werden mag. Anlangend erwähntes 
^ **^ Osnabrtick. stünde bei E, Cb. Ü. guäd. zn erwilgen, da man ja 
^* Stifts Minden nicht mächtig werden könnte (wobei man sich doch 
fest als immer mllglich zu halten), ob man alsdann mit Osnabrück 
I ^*Xi lieber zufrieden sein möchte, als dass man gar nichts cr- 



sei 






'} Job Ann Friedrich von Löbea, Verweser des Berzogthams Croeseu; 
wie ali die weiterbiu geuaunteu, Gcsundte bei den weatfäiiscbeB Friedeiia- 
^'^^«odlaDgeti. Vgl. deu fult^endeu AbBchüitt. 




320 



n. Brandenburg nnd Pfak-Ntabiirg. 



Der Kurfürst ati Burgsdorf. Dat. Cleve 8. April 1647, 

[UeberBendunp des vollzogenen ßeceaaea.] 

Ö,Apr, Wir liaben aus Eurem «nterth. Scbreiben ') gern vernommeiL, ila«ft 

die zwischen Uns und des Herrn Pfalzgrafens zu Neuburg Ld. rorg©- 

wesene Differentien numebr gUtlicben verglichen und beigeleget ffor- 

den. Thuu Euch derwcgen den darüber abgefassten und ton Ca« 

vollzogenen RecesB hiebei llbersenden '), welchen Ihr hochged. Sr. Li--» 

wenn Sie zuvor auch ein Exemplar davon vollnzogen und e8 Eucl» 

zugeatellet haben werden, auszuantworten wisaen werdet. 



a. Apr. 



Burgadorf an den Kurfürsten. Dat, Lennep 9. April 1647_ 

[AbacbluBB der Traototen mit dem Pfalsgrafen. Reise nach Cöln snr Stiada — 
verBaniinlHtig. SanRuiniacbe HoflnuDgen Bürgsdorfa aaf den Abfall der Stinil«^ 
Vota Hanse Pfalz -Nenburg. Der Pfalzgrof scheint Verdacht gegen seinen Soll** 
ÄU hegen. Verbandlunf; über Nentralität der westföliachen Lande. Der Clnia*" 
Vertrag and der Kurfürst von Cöln. Vorgeschlagene captatio benevuleBti*^ 
bei d«Q Ständen des Pfalzgrafeu auf Aolass der Neutralitä tafrage. Miiitäriicb& ^ 
in Betreff der Festung Sparenberg.] 

Weichergestalt die Traetaten mit des Herren Pfalzgrafen xu Kei»- 
burg f. D. nach vielfältiger Bemühung am 5. dieses abgelaufen, (b-sl 
werden E. Ch. D. ans meiner damaligen unterth. Relation gnäd. if~ 
sehen; äutii Tbeil wird es auch dero Rath Herr Fromhold mllndlicl» 
berichtet haben; in der Zuversicht, weil es nicht weiter zu bring»» 
gewesen, E. Ch. D. es alles in Cruaden placitiren werden; ich in mei- 
nem Orte aber wiederhole nach wie vor, dass ehender ich femer io 
dergleichen mit dem irrceoluten Herren zu thuen haben, mich \\i^^ 
in die Türkei verschicken lassen wollte. 

Selbigen Abends um 7 Uhr bin ieh nun noch nach CöUn aufe«* 
brochen, den (5. gegen U Uhr Morgens aldort arriviret und von ile'" 
Freiherrn von Rlumeiithaln, auch derGUlich- und Bergischen Stä»^* 
Deputirten fast ein Viertel Weges vor der Stadt zu unterth. Ehten 
E. Ch. D. mit etlichen Carossen eingeholet und in itztgenanuten Hei™ 
Blumenthal's Losement begleitet worden. Weihi dann die Her*^° 
Deputirte nicht von einant^r gingen, Hess ieh ihnen E. Ch. D. C^*' 



') Diese über den Abächluaa der Verhandlung berichtende Relfttion 
5. April ist nicht aufzufiaden gewesen; sie scheint durch irgend eioen Z**"_ 
Oberhaupt nicht zu den Acten gekommen zu sein, da die fortlaufende NoiT»* 1 
rang der Relationen, ^ie bei der Aufnahme in das Archiv vorgenommen w^ 
dnrch da.^ Fehlen dieses Berichts nicht unterbrochen wird. _ 

*) Diu vorachiedenen an diesem und den folgenden Tagen gescbloBseUBS -*^a 
cesee a, unten am .^cbluss des jibgchnitts. 



Bargsdorfs Yerfaaiidlaug mit deo Ständea. 



321 



V iDsinuiren. Darauf mir zur Antwort ward, dass, weil theils ihres 
Dicht bei der Hand, sie vorhero dieselbe berufen und aach- 
s mein Anbrin^n veraeUnicn wollten, so aucL in ziemlicher Fre- 
fenz geschehen, und habe nicht allein die Nothdurft geredet, son- 
dern auch zugleich die Contiruiatirtn dej- Frivilegiorum Überreichet, 
"'e desfalls das Rccreditiv, auch was sie an die Clevisch und Mfir- 
isehe Stände (davon eine Abschrift in E. Ch. D. Registratur beige- 
g'ct und heriiaeb das Originale mgedrucket eingeliefert werden muBs) 
äugen lassen, beiliegend zu 'finden ist. 

Ihrer, der löblichen Stände, unterth. gute Affection und Liebe zu 
[51. D. inu88 ich billig rtlhmen, und glaube festiglieh, dass Gott 
Allnjächtige noch die gesuramte Lande E. Ch. D. ab dem rechten 
;u zuwenden werde; denn wenn S. D. der alte Herr Ffalzgraf 
!Xi sothane Privilegien zu confirmiren abschlaget, so ist man Wil- 
, es bei Sr. D. Herren Sohne zu suchen, und wenn er es auch 
siret. 80 ist niebts gewissers, denn dass sie diesem Hause giinzlieb 
inciiren und sich zu E. Ch. D. wenden werden, allerinassen ich 
Is ein gutes Fundament geleget und bei meiner ZurUckkunft, weil 
ich nicht alles in Schriften will tbuen laa&en. davon, wie auch was 
]biebendiscurse gefallen, uutertb. Kappurt der Länge nach mUndlicb 
an werde. 
Nachdem ich nun besorget, E. Cb- D. gtiUd, Ratification und die 
ttzfjgene Recessen wllrden vor morgen oder Übermorgen durch den 
Tornpeter schwerlich in UUsaehlorf sein können und mich des Herrn 
Jbristen Iselstein's Bruder Morits: von laelstein zu Gaste invi- 
■iret, SU bin ich aus Colin recta anhci-u gt reiset und werde des Trom- 
peters morgen oder Übermorgen in Düsseldorf erwarten. Sollten aber 
&Ch. D. den Actum mit dem Herrn Marschall Wesehpfennig nicht 
Kleicb geschlossen und davon den alten Herren Ffalzgrafen, wie 
weh der Herr Weschpfeunig, uiehts aviüiret haben, so werde ich 
lieht abgefertjget werden können; denn der Herr ist Bcrupulös und 
wllte wol lieber wollen, dass seinem Herrü Sohne die Aemter in der Graf- 
leha^ Raveuaberg gelassen würden; glcicbwol aber hilft er ihme, dem 
^hue, nichts, sondern schadet ihm vielmehr, wie er danu gleich itzo, 
U ihm vor seinem Aufbruch von den Stünden einige Post Geldes zu 
■tribuiren gewilliget, in allen Aemtcm stark inquiriren lasset, wie 
Bch die Summa, mit Befehl, die Reste ihm und nicht seinem Herrn 
lohne einzuliefern. Und ob zwar der Verlags zmscben Vater und Sohn 
gewesen, dass der Sohn mit seiner Gemaliu nach Düsseldorf kommen 

ror Gocli. d. Qr. KurfürtieQ, IV. 21 



333 



n. Brandenburg nnd Pfals-Nenbiufg. 



sollte, SO wird doch nichts daraus, weil ihn der Vater im Neubu^ 
sehen zu bleiben contremandiret. 

Aus diesem allem nun werden E. Ch. D. giiäd. colligiren. (i»M 
ich erst nach Ostern Ihro wiederum untcrth. aufwärtig sein könne. 

Der Kurfürst von Cöln hat Bnrgsdorf durch Graf Fiirstenhetg 
und durch adneu Ticecauzler den Wunsch aussprcchea lassen, sich üb deo 
Verhandlungen za betheiligen, wek'he, dem Veruehmen nach, Brandenburg 
nndNeuborg anstellen wollen, um die Neutralität der im westfölifcheri Kreis 
belegenen Lande zu erlangen. Burgsdorf stallt in Austiicht-, daää dit bei- 
den Fürsten zu diesem Behuf wahrEcheinb'eh nächstens Gesandte nach Bona 
an den Kurfürsten tou Cöln pcliicken w-ürdcn. 

Gnädigster Churttlrst und Herr, weil ich dieser Orteu, scmder- 
lich vom Freiherrn von Blumenthal, vernommen, dass Chur-Baiem 
mit Frankreich und Schweden eine Neutralititt getroffen'), und Cbar- 
Colin, dafern es ihm bcliebi«,' und sich innerhalb acht Wochen resol- 
Tiren würde, mit darin begrirt'en, annectirdc icli, dass E. Ch. D-, aucl* 
der Herr Pfalzgraf anstunden, ob bei solcher Beschaflenheit diese Za- ] 
sammenschickung uöthig, bevorab, wann S. Ch. D. zu Cüllu sich tn 
die Neutralität mit zu begeben rcsHiriret hsttcn; aho wWrde der Herr 
Graf Ftir.%tenberg und der Vice-Canzler (die ich, wie obeu uutefth- 
referiret, nicht zugleich, sondern den einen als heute, den andern *» 
morjjen gehöret), dafern sie dessen kein Bedenken, sich heraus/,ulas9* 
gefallen, ob S. Ch. D. zu Colin solche Neutralititt acceptiret oder no* 
zu aceeptiren Willens wären. Der Herr Graf wollte mir hierauf k* 
neu Bericht geben, sondern verschob alles bis zu des Herren Yic 
Canzlers Ankunft, so des andern Tages erfolgte. Derselbe nun envähnet' 
dasB es sich zwar alsü, wie erzählet, verliielte; S. Ch. D. zu Cölf 
aber hätten grosses Bedenken, sich in die Neutralität mit einzulassel 
Baiera könnte es wol thuen, weil jene seine Erblande ; nachdem i 
Chur - Colins Lande nur zeitlich wärcu , si« mUssten Ö. Ch. D. vor 
mit deiu Capitul und deu Landsländen dcsfaUs deliberiren; im Vet 
trauen aber ofifenbarete er mir, dass S, Ch. D. vielmehr gesianet wären 
mit E. Ch. D. und Ffalz-Neuburg die rngelegenheit Ihrer Lande \oi 
sieb zu berathen, als sich in die Neutralität zu begeben, mit fernere 
Bitte, es in Geheim zu halten. Und wUrden Ö. Ch. Ü. mit E. Ch. 



') KurbairJBcher NeatralitÄtavertrag mit Frankrtich und Schweden dat. Ula 
14, März 1647. Gedruckt n. a. Lundorp Acta pnbl. VI. p. 18€ff. (der Vertr 
mit BchwedeuJ, Meiern A. P. \V. V. p. 6 — 13 (der Vertrag mit Frankreich! 
Kurecilu war iu deuselbeu etugeacblosieu mit ucbtwochenllicher Prisl xor 
tiScation {Art. XII. resp. XXII.); dieselbe erfolgte a. d. Bonn 2. Mai 1612 
Loudurp p. 193. Meiern p,15. 



0er ülmer Tertrag, Knrcötn und die westfSlisolie Nentralilät. ^3 

diesem Punct gar einig sein, diese Sache also zu negotiireu, dasa 
bei keiner Partei Umbragie verursacben möchte. 
Bargsdorf räch, zu diesen YerhandluDgeu über die Neatralität sach 
>iitirte Ton den elegischen ete. Stünden liiniazuziehen. 

Sollten nun S, f. D. darin dero Stände nicht mit gebrauchen wol- 

, 80 kann ich Pflicht halber nicht anders rathen, denn dass es E, 

. Ü. ex antoritate werkstellig machen, um dieser SfÄnde Affection 

so viel mehr zu pewiunen und auf den Htein, den E. Ch. D. ich 

unterlh, Dienst treulichst geleget, bald ein ganz Gastell und Fe- 

ng zu bauen nud diese Lande ingeaammt erblich zu besitzen. 

Weil auch schleunifre Rescdntion wegen eines Couiraendanten in 
irenberg mir hochniithig. so bestehe ich noch darauf, das Beste zu 
1, wann ein Eingeborner, der des Soldatenwesens erfahren, sowol 
» Drosten als Comroendantcn dieses und der anderen Plätze be- 
ißt wttrde. Sollte aber der Drost kein Soldat sein, so beruhet bei 
Ch. D., ob Sie dem Herrn Major Arnim solch Comuiaudo auftra- 
■irollen; könnte es aber ohne Üffence der Stände zugehen, so gön- 
e ich dem Herrn Borch die Urostei gern, weil er E. Ch.D. Hand 
Siegel hat, aber das Commando der Soldaten stehe ich au, oh 
rathen, dass es ihm anvertrauet werde. L'ff allen Fall dorfte 
ine starke Compagnic geniachet werden, daraus man zugleich die 
e Plätze besetzen könnte. Die, so ifio in Sparenherg logiret, 
meist in Catli(»lisehen und vielen reformirteu Ofticirern und Sol- 
beetehen; ich werde aber w*ol. weil ich sie vor E. Ch. D. er- 
. was citholiscli und nicht dienet, ausuiustera und theils Dra- 
ufl" die Veste. die übrige aber in die Öta<lt Bielefeld legen. 



r Kui-füi'st an Burgsdorf. Dat. Cleve 11. April 1647. 

frieden mit dem Sollreiben der Stände. Der Beitritt zur Keultaiitätsver- 

liaudloug nocb UDgewiss.] 

Antwort anf die Rdntioa vom 9. April. 

80 viel nun anfangs der GUlichschen und BergiBciieii Stände an 11. Apr. 
Ihier versammelte Deputirte von Ritterschaft und Stftdten ergan- 
> Schreiben bctriflt. Laben Wir solches so laulicht und derge- 
eingestellt befunden, dass Wir solches einreichen zu lassen nicht 
am erachtet, sondern es Unseru Acten beizulegen befohlen. 

Was aber die von Chur-Cölns Ld. fürgeschlagene Conferenz we- 

Anriehtung der Neutralität oder neuen Verfassung coneerniren 

dieweilu Wir vernehmen, dasa des Herrn Pfalzgrafen Ld. die 

nction abzufaseeo veranlasset worden, wollen Wir derselbeu Con- 

21« 



324 



n, Brandenburg nnd Pralz-Neoharg. 



cept zuvor erwarten, Cns daria erselien und nach Befindung zn rad-l 
viren wissen. — Ob aber die Neutralität oder neue Verlasaung ait 
wählen, und welche unter beiden fllrzuziehen sein werde, wird lii" 
alsdann bei reifer Berathschlagung wol finden. 



Bui-gsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 12. April 1S41 

[Augwechaelong der Insfrutnente. Neue Daebträpliche Fordemagen des Pfill' 
grafen von Bnrgsdorf abgelehnt. Zur Abtretung von Ravenateiü. D«r gelKäwl 
NebenrecBSB mit dem Prinzen Philipp Wilhelm, Die Besetzung der Droetoi Spi-J 
renberg und desCommatido's der gieichiiaraifien Festang. Einsprache Bo 
zu Gunsten der Ravensberger RitterBChal't nnd des Herrn von der Bo 
Yorgicbtsmaassregelo gegen Kniff« des Pfalzin'aren in Betreff Rsvenatein«. 
Ettldigang daselbit nnd in Ravcnsberg. Cotnmiaaion in Kirchensachen. Gt«-j 
seasaDgit des Pfatzgrafon. Mculerei unter den brBQdenbnrgiacheD Trupp«*'] 

Vncnnte Compagnie.] 

[12. Apr. E. Ch. D. wird verhoffentlicb meinen unterth. Bericht. datiret«raij 

9. diBBes zu Lennep auf Moritz von Iselsteines Hause, gtA 
empfangen haben. Von itzged. Ort hin ich vorgestern gegen AbeWj 
wieder awliero kommen, aldar ich E. Cb. D. Rescriplum neben de» 
von dcroselben vollzogenen Haupt- wie auch dem Nehcnrecese, so ?t«J 
mir durch Ihren Trompeter gnädigst zugesehicket, vor mir fiind 
worauf ich gestrigen Morgens, woil es vorgestrigen Abends «n spS 
ward, fi-Uh angefangen, bei des Herren l'falzgrafen Dchl. uiu gleitli 
massige Ausfertigung und Vollziehung des Hauptrecee« inständi| 
anzutreiben, bis icbs endlieh dabin gebracht, dass Sie gestrigen Nai'*'" 
mittags zu mir in mein Zimmer gekommen, da S. D. und ich die Ur 
ginalia mit einander collationiret, .S. D. das eine Hires Theils suc 
unterschrieben und vollenzogen. mir das Ihrige und ich Ihrn luBwi« 
deruni das von E. Ch. D. unterzeichnete Original ausgeantwortet, w« 
mit siehs aber bis um acht Uhr Abends verweilet; bevorab. weil S. 
nach beschehener Auswechselung der Originalien noch einige aiidel 
zu Papier gebrachte Forderungen herfllrzoge und vorwandte. E. Ch-' 
wären schuldig, Sr. D. deswegen eine Vergnflgung zu leisten; als «Bt4 
andern, was Sr. D. noch aus der Com m Union, in welcher die Cic 
sehe und Bergische Einkünfte vom Jahr Ifi29 bis 1G30 vermi'ige *' 
maligen Pro\isionalvergleicbs hHtten stehen sollen, gebobrete; itö'*' 
was deroselben aus allzuspäiter EinrSumung etlicher Oerter naehstün**^ 
wäre etc. Welcbes alles ich mit einem Worte ab- nnd ausschlüge, **" 
dem ich sagte, das wären neue Aufeflge, die sieh nun nach getroö*" 
nem Vergleich nicht mehr reimetcn, auch theils schon in dem bi»** 
rigen Tractiren vorgekommen, aber hintangeaetzet worden; ich 




Aaswechseltuig der Bee 



325 



ch nicbt darauf iuatruiret, S, D. möebte es, ob Sie wollte, au E. Cb. 
selbst bringen. Und zwar, gnädigster Herr, im Fall Ö. D. dasselbe 
thuet, kaim sieb E. Cb. D. dessen Icichtlich entbrecben, da Sie diese 
Dinge nur abweiset und sich erkläret, Sie wUsste tiicbts da van, hielte 
eicb an den itzu geschlossenen Vergleich , dadurch alles aufgehoben 
und geschlichtet sei. 

Aus oberwäbntem E. Ch. D, jttngstem gnäd. Besoripto bab ich mit 
Verwunderung vernommen, dass der Slarsebalk Weschpfennig von 
Sr. D. keine Verordnung zu Abtretung der lierrschait Eavenstein mit- 
^^ gebracht, da es doch albier, dass es gewiss geschehen sollte, verab- 
redet gewesen. Ich habg auch Sr. D. hart genug verwiesen, dass Sie 
mich der^'estalt haben anlaufen lassen; Sie wendet darauf eins und 
andere Kur Entschuldigung vor, uud bringet Zeiger, der Trompeter, 
dieselbe Verordnung itzo an den Marscbalk mit sich. In dem Schrei- 
ben, welches E. Ch. D. desfalls an des Herrn Pfalzgrafen Dchl. we- 
gen Ravenstein abgehen lassen wird, wtirde dienlich sein, Sr. D. zu 
GemUthe zu führen, weil E. Ch. D. aich haben bewegen lassen, die Herr- 
schaft Ravenstein auf Sr. D. freundvetterlicbes Begehren Ihrem Sohn, 
dem jungen Prinzen, gegen die beide Aemter Ravensberg und Limburg 
wieder abzutreten, so versähen sieb E. Ch. D., es ivürde S. D. nu- 
niehr wegen der Kaveusbergiscben Restanten vom Jahr 1646 bis 1647 
nicht viel Schwierigkeit machen, dieselbe E. Ch. D., die sonst die 
Aemter Sparenberg und Vlotbo fast ledig und bloss antreten würden, 
xu lassen, wie dann E. Ch. D. S. D. freundvetterlich darum ersuchet 
haben wollte; in sonderlicher Betrachtung, dass £, Ch. D. auch an 
den 160,(tOO Rtb. 6(J,ü(K3 uachgelassen; fruchtet dasselbe bei Sr. D., 
80 ist es gut, wo nicht, so ist auch nicht viel daran gelegen. 

E. Ch. D. empfängt auch gnäd. bicneben wieder zurück den von 
Ihro vüllenzogenen und mir anbero geschickten Nebenrecess, weil der- 
selbe iu etwas, wiewol nur in Worten, aber nicht in der Substanz auf 
Sr. D. Begehren geändert werden, wie E. Ch. D. aus hiebei kommen- 
den zweiten vom Henn Pfalzgrafeu scbou untcrschriebeuen ürigina- 
lieo gnä<iigat zu ersehen, und sich gefallen hissen wird, die Origiualia 
auch alle beide zu unterzeichnen und mir wieder anhero zu kommen zu 
lassen, auf dass sie vou des jungen Prinzen Üchl. gleichergestalt, laut 
des Baehstabena, uu Sr. D. Wiederkunft unterschrieben'), das eine 



') Diea ist dunii doch nicht geacbeheo; Gowul der HauptreceBB, als die be- 
treffenden NebenrecesBe (unleu &ut> ntitu. 2. 3. 6) aiud iti den vorbaadeueti Origl- 
iiklieo voa Neaburgtecber Seit« allew von Wolfgaug Wilhelm auterieichnet. 



326 



!!• BraDdeobarg und Pfals-Nenburg. 



4 






Original alhier bleiben , das andere E. Ch. D. eingebändiget wert!« ] 
möge. 

Sonsten weiss E. Ch. D. sich gnäd. zu entsinnen, was es mit dem ' 
zweiten geheimen xwiBchen deroeelheu nnd dem jungen Herrn Prinieo 
aufgerichteten Nebenrecese, davon der Herr Vater nichts wissen mas, 
TOT eine Bewanduiss hat, welcher dieseu Nebenrecess ganz aafbebei, 
und dass demnach E. Ch. D. sich nicht daran zu kehren haben, diu 
in dem itzigen Nebenrecess der alten Restanten der Aemter Sparen- 
berg und VIotho gedacht wird, sintemal stiiche, wie itztgenieldet, niclii 
allein im geheimen Nebenrecess gänzlich aufgehoben, sondern aocli 
in demjenigen Nebenrecess, darinnen Sr. D. die 60,fX(ü Rth. nachge- 
lassen werden, ausdrücklich darauf verziehen ist. 

Mein Bruder schreibet mir, es haben E. Ch. D. des jüngst ver^" 
Btorbenen von Franken bergs Söhulein suwol die Drostschafl zu 
Sparenberg, als auch das Kriegscommando dergestalt zugeleget, das« 
der Rittmeister Eller bei währender Minderjährigkeit des jungeo 
Frankenberg's beide itztgcmeke Dienste bedienen, und die eim 
H&lfte der Besoldung und Nutzbarkeit Von beiderlei Diensten er, 4 
Bittmeister, die andere Hälfte aber das Söhnlein gemessen sollte. N 
ist gedachten Personen dieses alles sehr wol zu gönnen; ich we; 
auch gar wfd, dass der Rittmeister ein redlicher Mann und zu svlcben 
Bedienungen sehr bequem ist, imgleichen, dass die Ravensbergische 
Ritterschaft sich nicht damit bekümmern wii'd, wem E. Ch. D. son- 
derlich das Kriegswesen in der Grafschaft Uavensberg anbefehlen; so 
viel aber die Drostschafl belanget, da will ich iinterth. hoffen, E. Ch. 
D. werden hierin ohn Vorbewusst und guten Willen gedachter nitteifl 
Schaft nicht verfahren sein; denn sollte die Ritterschaft nicht ihren 
Willen darin gegeben haben, so %vird E. Ch. D, gnäd. crmessen kön- 
nen, wie sich eine solche Anordnung mit der ausdrücklichen gnädig- 
sten schriftlichen Erklänmg, dadurch E. Ch. D. die Ravensbergiscbfl 
Ritterschaft viel eines anderen gnäd. hat verbichert, reimen, und wa^ 
es auch bei sämmtlicheu anderen IStäudeu dieser Lande, be vorab den 
GUlich- und Bergischen, die ich eben so frisch zu Ciilln Namens E. 
Ch. D, , dass nur Eingeboroe nu Aemteru sollten angestellet werden, 
vergewissert habe, vor ein Ansehen gewinnen würde; zu geschweige:^™ 
was es itzo bei dem Clevischen Landtage vor ein E^empel und dä^| 
Ständen zu noch mehr Klagen Anlass gehen würde. Ungeachtet aber 
auch dessen, was mir mein Bruder diesfalls hat zu wissen gethan, 
Bchreibet mir der von der Borch, wie auch Frombold, E. Ch. D. 
habe sich nacbmais erkläret, dass der von der Borch, wvfem er 




Letzte Verband langen in Däeseldorf. 



327 



^Mm 



eich legiümire, getnelte DrostBchaft zu Sparecberg haben boU; wie 
dann E. Ch. D, gnäil. bewusst, was der von der Borch deswegen 
vor schriftliches Versprechen von E. Ch. D. in Händen habe, und daSB 
er sonsten eieli au seines Vätern Forderung etlicher tausend Kth. wie- 
derum hallen werde. Aber auch in diesem Fall wird dahin zu sehen 
sein, dass nichts geschehe, so E. Ch> D. der Ravensb ergischen Ritter- 
schaft ertbeilter Erkhirung zuwider zu laufen scheinen und die guten 
ehrliehen Leute vors Haupt stossen möge, sintemal er einer Seite, der 
Ton der Borch, sieh zwar «ur Legitimation erbeut, anderseits aber 
die Ritlerschaft davor hält, er werde damit nicht aufkommen können; 
kann er nun mit gutem Wissen und Willen der Kitterschaft zum Dro- 
Bteu augesetzet werden, so hat es sein Maass, und E. Ch. D. bleiben 
obangcregter Schuldforderung alsdann befreiet; will aber die Ritter- 
haft nicht gutwillig dazu verstehen, so würde es ihm eine Offension 
d E. Ch. I), vorangedeutete böse Nachrede gebären, zu deren Ver- 
hütung in alle Wege ratbsamer, der Ritterschaft die gebührende Ver- 
gnügung zu leisten und den von der Borch zur Geduld zu ermah- 
nen. Anlaugeud den Rittmeister Eller, htilte ich unterth. davor, dem- 
selben wäre das Kriegscommando gar wol aufzutragen; erwarte aber 
in untettb. Gehorsam über diesem allem £. Cb. D. gnäd. Resolution 
und Verordnung. 

P. S. L Auch, guäd. Cburflirst und Herr, muss ich noch eines 
unterth. erinnern, dass ich nämlich besorge, es möchte der Herr Pfalz- 
graf dem jungen Herren Prinzen wegen der Herrschaft Ravenstein 
noch einen Streich versetzen und Sr. D. am Genuss derselben Eintrag 
thuQ und Sie deren frustriren, Deme vorzukommen hielte ich unterth. 
davor, E. Ch. D. hätte bei Tradition und Retradition besagter Herr- 
schaft dem Marschall Weschpfennig (mit dem auch zuvorhin da- 
von zu reden wäre, wie es ihm denn auch angenehm sein wird) eine 
Erklärung und ßedingungsschrift unter E. Ch. D. Hand und Siegel 
einUeferu zu lassen, des Inhalts, dass E. Ch. D. dem jungen Herren 
Prinzen die Grafschaft Ravenstein Sr. D. zu freundvetterlichem Ge- 
fallen aus sonderbarer zu deroselben gesetzter Afl'ection, wie nicht 
weniger auf freundliches Begehren des Herren Vätern und sonderlich 
in (tespect uud zu Ehren Sr. KOn. M%j, in Polen abtrete und einräume, 
jedoch alles mit diesem ausdrücklichen Bedinge, dass des Prinzen Dchl. 
dieselbe Herrschaft oder deren Gctiiess niemandem anders, der sei auch, 
wer er wolle, ohne einige Exception, einräume oder Überlasse, und 
wofern dasselbe geschähe, dass E. Ch. D. alsdann an diese Retradi- 



338 



II. Brsndenlmrg nnd Pfal«-Neobnrg. 



tion keineswegea gebiinden, sondern dieselbe ala niebt gescbeheD i\x 
achten sein wolle. 

Es wird auch von X(5theu sein, wegen der Huldigung, welche die 
Unterthanen der Herrschaft Eavcnstein bei itziger Tradiiion und Re- 
tradition zu leisten haben, gute Vorsichtigkeit zu gehra neben; der Herr 
Pfakgraf hat deswegen noch keine Erwähnung getlian, derohalbeo 
wäre ich der untertb. Meinung, man hätte die Havensteinische Unter- 
thanen dem jungen Prinzen allein (wiewol nur so lange, als der Haupt 
vergleich währet) schwören zu lassen, sintemal der Herr Pfalzgraf a! 
dann auch nicht fremd würde beftuden, wanu auch die Ravenshergi-- 
sehe E. Ch. D. altein huldigten, damit es an einem Ort wie am anderen 
gehalten wtlrde; da auch die liaveuBbergiBcbe £. Cb. D. allein bal- 
digten, wUrde es dergselben viel zuträglicher sein. 

Gestern liess sich des Herren Pfalzgrafen Dchl. auch verlauten, 
dasB die Commission, welche im Kirchenweseu ergehen soll, ihren An- 
fang im FUrstenthum Cleve nehmen, demnächst im Ftirstenthum 6tt- 
lieh, darauf in der Grafschaft Mark und letzlieh im Fdrsteuthum Berg 
veixichtet werden mlleste. Ich kann meines unterth. Orts nicht ab- 
sehen, was S. D. darunter suche, es wäre denn, dass Sie sorge, es 
möchte im Ftirstenthum Berge am härtesten halten, weil Sie ia dem- 
selben die Evangelische Kirchen am meisten hat gekräuket. Ich kann 
auch Bonsten keine Bedenklichkeit dabei finden, lasse es aber E. CL 
D. gnäd. Nachdenken und Belieben aLheimgestellet sein. 

Es war auch lächerlich anzuhören, dass S. D., als Sie von di 
verglichener Kestitution der ETangcliseben Kirchen, wie es a. Ifil2 
gewesen, auf zehn Jahr laug, etwas erwähnte, dabei tilgte, Sie härte 
dieselbe Nacht, da Sie dasselbe ge williget, mit solcher .\ngst zuge- 
bracht, dass Sie alle Stunde besorget, der Teufel würde Sie holen. 
Ich antwortete lachend, wanu der Teufel S. ü. sonst um keiner an- 
deren Ursach willen bolete, so wllrde er Sie wol ungeholet lassen; und 
wann ich damals, wie itzo, gewusst hätte, dass der Kaiser in seinen Erb- 
landen die Evaugelische Religion numehr frei Hesse, wollte ich Sr. D. 
so Wel nicht eingcräumet haben. Darauf war Sr. D. Antwort, wollte 
der Kaiser zum Teufel fahren, das mOchte er thuen, Sie begeh rete 
ihm nicht zu folgen. Sie hätte auch unlängst einen Verweis vomh 
Päpstlichen Xiuitius zu Mtiuster emitiangeu, dass Sie im Religions- 
wesen 80 weit gefl-ichen. In snnima, gnädigster Herr, die Jesuiten 
haben diesen guten Fllrsten dermasseu im Gedraug und in der Kl, 
mer, als die Schulmeister ihre Schulknaben. 



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Letite Verhandlnngeo in Däiselriorf. 



329 



P. S. 2. Nächst dieBem ist auch der Capitain Spee aus Duia- 
barg gleich itzo anhero kommen and referiret, dass die aldortige Sol- 
*(feteHca 2« nieiiteriren sich etiicheniiassen unterfiogeu und bereits viele, 
weil die Französische Werber grosses Geld geben, ausgerissen wären. 
Wann dann dies kein Gutes thuen. auch E. Ch. D. diereputirlich sein 
wollte, wann die Soldatesea ganz verlaufen sollte, so werden E. Ch. D. 
g'näd. darauf verdacht sein, damit zu etwan drei Löhnungen Rath ge- 
schaSet werde, oder es könnte auch wol der Rath daselbst von E. 
Ch. D. befehliget werden, die Soldaten ad Interim zu speisen, welches 
meines Erachten» zum wenigsten geschehen muss. 

Snnsten ist es anch an dem, dass zu Duisburg der Capit>iin 
la Vacquerie von seiner Compagnie abgedanket, Nun weiss ich 
zwar nicht, ob E. Ch, D. noch der Meinung, etzliche Conipagnien zu 
reduciren; derowegen, im Fall Sie sich hierunter geändert und die 
Compagnien alle beibehalten wollen, so reconmiandire ich in Kraft 
dieses anstatt des la Vacquerie zum Capilain seinen Lieutenant; 
denn der hat die Compagnie raehrcntheils geworben und ist ein wacker 
Mann, und wird die i?oldatesca dadurch um so viel mehr bei Willen 
erhalten werden. 



Burgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 13. April 1647. 

[Bäth dtts Schreibeo der Jülich- ber^iacheo tütütide an die cleviacben trotK aller 
Bedenken doch übergeben 211 InaseD. Ungeduld zur Abreise.] 

Ans E. Ch. D. an mich gnSid. abgelassenem Kescripto vom 11. LS, Apr. 
dieses ersehe ich uuterfh., dass. weil der Gtllieh- und Bergischeu 
Btände Schreiben etwas laulicht eingestellet, Sie solches denen Clevi- 
schen einreichen zu lassen Bedenken getr.agcn. Nun muss ich zwar 
bekennen, dass das .Schreiben nicht so nachdrücklich, als es vielleicht 
begehret werden möchte; »intenialcu aber E. Ch. D. denen Cleviscben 
nicht minder als diesen Stünden ihre Privilegia sonder Zweifel confir- 
miren werden, und aber E. Ch. D. gleichwol insioueit Contcntement 
geschiehet, dass man ermahnet, die itzigc auswärtige Bediente usque 
ad dies vitae in Diensten zu continuiren, so ßnde ich nicht, warum 
da» Schreiben nicht zu insiuuircu sei, sondern bin \-ielmehr der Meinung, 
dass es etsvas fruchten werde; nachdem aber, wie gedacht, E. Ch. D. 
ihnen, den GlUich- und Hergischen .Ständen, ihre rri\-ilcgia und darin- 
nen das Jus indigenatus contirmiret, so hab ich auch nicht riel expo- 
stuliren dorfen gegen das, so E. Ch. D. selbst gut geheissen, und 
hätte wol der Bemtihung gar geUbrigct sein können, wann ich gewusst, 



330 



II. Brandenburg und PfBlz-N"enlmrg, 



dass sie nicht beliebet werden sollen. Ich moss es alles dabin 

stellet eein lassen und erwarte nur des vorgestern abgeschickten Trom— -^- 
peters mit Verlangen, damit ieli endlich aus diesem Fegfeuer erlöeer-^^st 
werden möge. 



'5 



. Apr 



ßiu'gsdorf an den Kurfürsten. Dat. Düsseldorf 16. April 1647- 

[Bevorstehende Abreiße znr Uehernaliiue von Sparenberg. Der Herzog tod Lotha- 
ringen im Stift Cöln. Verhandlung über eine Nentralität mit Kurcölo, oder Bei- -^-^^ 
tritt des letzteren eam Ulmer Vertrag.] ^| 

Man hat mich zwar aufs Neue durch allerhand Winkelzüge wei- .^^F 
ters alhie aufzuhalten getrachtet, ich habe aber schon vorgestern EI^ "^ 
Ch, D. Schreiben wegen Tradition und Retradilion der Herrschaft Ra-^^- 
venstein Sr. f. D. hisinuireu lassen und bin resolviret, morgen, geheb •^cra»' 
es Gott, mit dem frühesten auftubrechen. dass ich am Sonnabend ii«^ -*^ 
Bielefeld sein, daselbst des Gottesdienstes pflegen uud den 24. Apri,-« u 
Sparenberg ein - , und Namens E. Ch. D. die Ritterschaft und Städta^ ^^^ 
in Pflicht nehmen möge; dannenhero E. Ch. D, die Post nicht mehr-Ä^'' 
anhcro, sondern rccta, wie sie mein Bruder durch Reuter vergeheiKr ^S" 
und einliegende Designation besaget, auf Bielefeld gehen lassen wemK"«!^ 
den. Zum Commissarien der Tradition haben S. f. D, Ihren KatM"^'' 
Winkel hausen benennet, der auch mit mir ziehen wird. E. Ch. D^^— -'■ 
aber werden wegen des neuen Hauptmanns und Comnmudanten zi^ — " 
Sparenberg, wer der oder die sein sollen, mir förderlichste Ordr*^ "^ 
nachfertigeu, dass ich mich darnach richten könne. 

Der Herzog von Lothringen ist zwar intentioniret gewesen, mi^** 
14 Regimentern den Rhein zu passiren; weil er aber, wie 8. f. D. de^^ 
Herr Pfalzgraf mich versichern, der Herr General- Coniraissarius Blu "^M 
meuthal auch in seinem l^cbrciben confirrairet, in wirklichen Spani— ' 
sehen Üieneteu uumehr ist und also, wohin sich die Französische 
mit ihrer Maclit hiuweudcn möchten, sein Absehen haben muss, so 
liegt er noch im Stift Cöln um die Residenz zum äussersten Verderb 
des Landes stille, dahero S. Ch. D., als mir S. f. D. der Herr Pfalz- 
graf eröifnet, gar hocli desidcrircn, dass er conjunctis mit E. Ch. D, 
und. Sr, f, D. viribus lierausgeschhigen werden möchte, welches aber 
bei sothaner Bewandtniss nicht 5511 rathen stehet, und S. f. D., weil 
es nicht de tempore, verlachet haben. 

Im Uebrigcn werden E. Ch. D. sich eindüchtig zurtlekerinneren, 
vras ich wegen Absehicknng einiger Gesandtschaft an itztged. S. Ch. D. 
nacber Bonn hiebevor erwähnet. Nun schreibet zwar der von BIU" 




Letzte TerhaDdlnngen io Dügaeldorf. 



331 



enthal. auch Herr Bilderbeok'), dass S, Ch. D., weil ausser dem 
Capitul zu Colin, so es doch Hr. Cli. D. auch aulieimgcsteUet , die 
Stifter dazu geneigt, die Neutralität mit Frankreich und Schweden 
«toceptiren dürfte '). Alldieweil aber der von Sr. f. D. expresse an 
S. Cb. D. abgefertigte Ratb davon noch zur Zeit nichts referiret, so 
möchte zwar auch noch nichts geachlossen sein; weil aber endlich 
"wol gescblosBen werden und also periculum in mora sein könnte, so 
•wUl hochnöthi^ sein, daas E. Ch. D, nach dero gnäd. Gefallen den 
Herren Ketzchen und drei von den Ständen mit einem Jlemorial, 
, auch daneben vier Blanqueten zu Creditiven an Kais. Maj., die Krön 
I Schweden, Chur- Colin und 1. f. 6n. die Frau Landgräfin zu Hessen 
und dann einem Blanquet zur Instruction cito auf anhero senden, auf 
üaes, wie mau sich hie vergleichen uiHchte. nachmals die Instruction 
I ins Reine gebracht und beiderseits Geaaudten damit ahgefertiget wer- 
fenden könnten. Denn obgleich Chur-CöUn austreten und mit Frankreich 
r^Tind Schweden die Neutralität placitiren sollte, so halten doch S. f.D. 
genug zu sein, wann Sie mit E. Ch. D. alsdann zusaumien stehen, 
tind wtirde Chur-Cölln doch das Maas» voll gegeben; denn sollte es an 
ö. Ch. D. zu schicken unterlassen werden, so wUrden Sie hernach 
sagen, man hätte dieses Werk mit Ihr nicht comraunidret, und weil 
ich in Colin gegen dero Vice-Canzler erwähnet, dass E. Ch. D. im 
Werk begriffen, nebest Ör. f. D. Jemand an S. Ch. D. abzuschicken 
und zu consuliren, wie der ganze Westfiilische Kreis solcher schweren 
Last befreiet werden möchte, wie ich in meiner vorigen Kelation 
Unterth. gedacht, so würde um so viel mehr dieses grosses Nachden- 
ken causiren. Gewiss ist es, dass vorged. Chur-Ctil Inischer Vice-Canzler 
^osdrlicklich gegen mich diese Worte geredet, sein guäd. Churflirst 
tmd Herr würde viel lieber bei E. CL D. und Pfalz-Neuburg bleiben, 
^8 «ich in die Neutralität oder Amdstitium Ihres Brüdern einlassen, 
in Betrachtung I. Ch. D. Lande nicht wie Ihres Brüdern Erblande 
wären, und was Sie in solchem Falle zu thuen, vorhero mit Ihrem 
fapitul und Standen eommuuiciren mllssten. Bei Kais. Mjy. mUsste 
aber, gnüd. Churfürst und Herr, principaliter die Sache nicht auf eine 
Neutralität, weil i. Kais. Maj, dem Worte gebässiär sein, und sich viel- 
mehr von E. Ch. Ü. und Pfalz-Neuburg, da Baiern und Colin ausge- 
setzet, einiger Assistenz getrösten würden, sondern auf eine Verfassung 




') Agent in CÖtn n. KL 
') VgL obea p. 32-2 uot. 



333 



n. Brandenburg und PfslE-Ncnburg. 



wider alle diejenige, so diese Kreise angreifen würden, nehmen; deun 
uff die Art, meinet der Herr von Blumeutbal, daga vun Kais. Maj. 
ehender, was man suchet, zu obtioiren sein würde. Dieses alles isl 
an £. Ch. D. untertliäuigst zu bringen, zwischen är. f. D. und niidi 
abgeredet. 



16. Apr. 



.Apr. 



Der Kurfürst an den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm. 

Dat. Cleve 16. April 1647. 

Macht ihm Anzeige von der mit seinem Sohne stipulirten \'frtaaschoag 
der Herrschaft Raveuptein gegen die beiden Aemter Raveusbcrg und Lioi- 
borg- Es ist Ordre gegeben, dnss, sobald der Pfalzgraf ihm, dem Koi' 
forsten, die Herrschaft Raveusteiii hat übergeben lassen, dieselbe alsb»-^* 
an den Prinzen Philipp Wilhelm retradirt werden soll. Der Pfalzgraf wi*_ 
hofl'eutlieh keine Schwierigkeit machen, dem Kurfürsten die Kavensber^S^' 
gehen Resiauten für 1Ö46 und 1647 ku UberlasKen, zamal da ihm au ^-*^ 
äamme der 160,000 Rth. ein su beträchtlicher Theil (60,000 Rth.) uacti^^' 
lassen worden igt. 



I 



Burgsdorf an den Kurfürsten. Dat. Lünen') 19. April 164 

[NachrichteD ans Polen: gute Wirkung des Vergleichs mit Neuburg, Drack d' -^ 
KaiaerH auf Kurcölö, wegen des Ulmer Vertrags.. Die beabaiehtig-ten Verhao«» ^* 
Inngen der drei weslfkliecheu Fürsten über Neutralität oder Verfu^suag. Baldi^^- ^ 
Heimkehr. Schwere CoDtributionen in der GrafacUafl Mark.] 

Bürgsdorf hat unterwegs einige Briefe empfangen, uebst einem Eic^^^' 
schlug 8 an den Kurfürsten aus Polen (wol von Hoverbeck); «ich ha b ^ "^ ' 
sie aber darum erbrochen, weil sie Dicht zu E. Ch. D. eigenen Händen 
standen, in der Zuversicht, dasg ich dadurch nicht gross gestindiget habet 
werde"»). 

Ich vermuthe, wenn nun der Herr Hoverbeck aufm be vorsein 
den Reichstage noch das italienische Schreiben, so mir der junge HerT^ 
Pl'alzgraf jüngst ausgeantwortet, so ich ihm, Herrn Hoverbecken,, 
nebst Copia zugeschicket"), L Kön. Maj. iusinuiren und den Herren 



') Lünen, an der Lippe, in der Grafschaft Mark; Burgadorf ist auf dem 
Wege nach Kaveusberg, lun dort die Ueberualime des Landes EU leiten, 

') Vgl. hiergegen die ätelle in dem Fumphlel gegen Bitrgedorf bei Üos- 
mar Schwartzenberg, Beilagen p. 37. Wie weuig überhaupt das Bild, welches 
diese Eelationen von Burgsdorf und von seinem Verhaltniss zum Kurfürsten 
bieten, dem iu jener Schmähschrift aufgestellten entspricht, liegt auf der Hund. 

') ti. oben p. 312. Ueber die Ueberreicbung des ächreibeoe durch Hover- 
beck in Warechou b. L p. 237. 



Letzte VerhandlQDgeo in Düsieldorf. 



333 



latoren , wie ieli es ihm eingebunden , Copiam lesen lassen vrird, 
man noch mehr ergreifen werde, dsiss man verleitet und E, Ch. D. 
zu viel gethan. Also wollen E. Ch. D. auch mir im Uehrigen getrost 
eetn: denn Gott, auf den Sie stets rtlhniiich getrauet, also ferner Ihre 

fiderwärtige zu Schanden machen wird. 
Gleich wie mich nun obiges erfreuet, also krUnket mich dahin- 
gegen, dass jUngsthin zu Kfinigsherg tbeils gehässige Leute ihre Gra- 
Taniioa listiglich ohne Ursach dem Reichs -Ueferendario einzullheiTei- 
chen nicht gescbeuet. Auf was Maass os aber der Herr Hoverheck 
abgelehnet. das wird sein Schreiben besagen. 

t Nächst diesem niuss E. Ch. D. ich gehorsamst berichten, daas 
r auch gestriges Tages der KaiserL General-Comniisaarius Freiherr 
Ton Blunienthal notifieiret, wie der Kaiser!. General -Wachtmeister 
Sparr aus den Westfälischen Guarnisonen ^ ad 4000 Mann gelichtet 
^nd damit auf den Gülichschen Fruntieren geben werde, vornämlich 
darum, von Chur- Colin zu vernehmen, ob S. D. die Neutralität mit 
acceptiren wolle oder nicht'); und dtlnket ihm das rechte Tempo 
zo sein, dass E. Ch. D. nebst Pfalz-Neuburg mit Ihren Gesandten, wie 
ich hiebevor unterth. erinnert, zu Bonn cinkämen; denn es ist an dem, 
dass der Herr General-Major Sparr schon heuten durch Hamm mar- 
echireu solle. Die Gesandten aber dürften nicht eben so fort sich zu 
tief berauslasseu , sondern nur vortragen, durch was Mitfei wol dem 
Westfäliachen Kreise von gegenwärtiger Last zu helfen wäre, damit 
DIU- Sr. Ch. D. Intention sondiret würde; deun da Sie ja schon die 
Neutralität placitiret, so venueinet der Herr Blumenthal, dass es 
doch genug sein würde, wann E. Ch. D. nur mit Pfalz- Neuhurg bei- 
Mmmen stunden; gegen Kais. Maj, mUaste aber nichts wegen einer 
Neutralität, sondeni nur Verfassung, als ich vor etlichen Tagen erin- 
nert, erwähnet werden; Pfak-Neuhurg wäre nicht ohne Ursaeh etwas 
langsam: denn, wann Chur-Cölln mit anstiinde, würde ihm das Direc- 
torium coinpetiren, als es, wann Colin recusirot, E. Ch. D., so er, 
Pfalz-Neuhurg, aber nicht gern sehen, billig competiret. Diesem nach 
werden E. Ch. D., nach dero gnadigstem Belieben, solche Gesandt- 
schaft nur ehests werkstellig machen. 

Im llebrigen werde ich meine RUckreise, als der Herr Schwerin 
mir im Kamen E. Ch. D, durch den Cancelisten Michel Matthies- 



') Vgl. T. Mörner M.irkiscbe Kriegaoberstea des siebieltnieu Jahrbnoderta 
p.l68t 



334 



It. Brandenbnrg und Pfala-Nenbor;. 



sen auftragen laggen, zwar mOglicIist laaturiren und keine Pferde, 
der ich acbon zwene zu Schanden trieben, sparen; weil aber erst den 
24. dieses die Traditio des Hauses Sparenberg und die Huldigung 
daselbst erfolgen wird, so gebe E. Ch. ü. ich gnäd. zu bedenken, ob 
es niüglich sei. ludeui gleichwol Zeit zu dergleichen Actu gehöret, Ifi 
werde aber denncicb an meiner Beschleunigung nichts ermangeln Ussen, 
sondcTu Tag und Naeht eilen, wie ich dann mich S. Exeelleuz den 
Herrn Urafeu Witgenstein wegen dieser Grafschaft schweren Contri- 
bution mit dem Herrn Grafen Trautmansdorff zu reden erinnern 
werde; denn obgleich hiernäehst die Grafschaft nur 7000 Rth. monat- 
lich erlegen snll, sei ninss sie doch auch den Hessiaclien monatlien 
25rK> Hth. entriehten, und seind dabei die Executionaspesen, BaugeW 
und dergleichen nicht mitgerechnet, so sie in die Länge nicht cooö" 
nuiren kann, sondern zu Grunde gehen niuss. 



( 



Der Kurfürst an Burgsdorf. Dat. Cleve 21. April 1647 — 

[tu Betreff man Neatralität des tcesträlischen Kreises darf man bei jetEiger L 

eich niclit übereilen.] 
, Apr. Antwort anf die Relation vom 19. April. 

So \-iel nun anfiinglich lile Schickung an de» Herru ChurfUr»' 
zu Cf3lln Ld. betrifft, wfdien Wir zwar den von Kleist mit dem 
derlichsten abfertigen und deniselben in gnäd. Befehl mitgeben, sii 
Jiulbrderst zu des Herrn Pfalzgrafen zu Neuburg Ld. nacUer Düsseldc 
XU erheben, mit 8r*. Ld. daraus zu conmiunieiren und im Fall S. Li 
wie Wir nicht zweifeln, ihm auch eiuen von den Ihrigen zuordui 
wird, sich mit demselben zugleich zu Sr. des Herrn Churflirsten L 
zu verfugen, deroeclben des Westfrilisehen Kreises itzigeu bedrängt< 
Zustand mit niehrem zu remonstriren und darauf an dieselbe weit 
zu vernehmen, wie und welch ergestalt diesen Bescbwemisaen am fü0 
liebsten zu remediren und der Kreis fllr endlichem Untergang noc 
in etwas zu consernren ; ingleicben wie S. Ld. zu der Ihr angebot' 
neu Neutralität ineliniren, oder was sonsten in einem und anderm ssi 
resolviren gesinnet sein mögen, damit Wir Uns dann um so viel me 
darnach zu achten . . . haben können. 

Dann vor itzo, da Wir noch zur Zeit Sr. Ld. und dero Assisteoi 
nicht versichert. Uns gegen dieselbe wegen einer Ncuti-alität oder an- 
dern Verfassung allzuweit herauszulassen, finden Wir bedenklich, m- 
mal da die Universalfriedeustractateu, wie Euch bewusst, nunmehr iu 



Schlots der Gesandtgchaft, 



S35 



riei und uff dem Schluss bestehen, und Qae Werk in wenig Tagen 
tttweder wird biegen oder brechen müssen. Sollten Wir nun bei 
>lcher Bewandtniss Uns mit Sehlieasung einer Neutralität (darzu Wir, 
"eil Wir mit keinem kriegenden Tlieile in öffcnth'cher Hostilität, wie 
er Churfllret zu Baiern gewesen, stehen, keine grosse Ursach haben) 
bereilen, würden Wir Uns dadurch bei der Kais. Maj. nicht wenig 
i8 Auge setzen, nnd dass Sie Uns, wie jetzo dem CburfHrsten zu 
tSUn geschiehet. Ihr Volk ins Land schickten oder uffs wenigste die 
ommerische Tractaten, insonderheit aber in puncto des Uns geblih- 
Sndcn Aequivalenta, wie auch die Evaeuirung der Stadt Hamm' desto 
^hwerer machten, selbet causiren und verursachen. 

Und Bherdeni können Wir nicht wol begreifen, dass Wir einigen 
Tntzen hieraus zu gewarteu haben könuten. Daun einmal bedörfeu 
^ir mit der Krön Frankreich und Schweden, wie auch der Frauen 
■andgrJifin zu Hessen keines armistitii oder ccssalionis armornm, weil 
Vir mit deren keinem im Kriege, sondern viehnehr uüt der Krön 
khweden eine Alliance zu tractiren itzo im Werk begriffen sein. 
VoUtc iiians aber uff eine Neutralität nehmen und ankommen lassen, 
PÜrden Wir Unsers Erachtens auch dadurch wenig gewinnen; dann 
k8 ist noch ungewisa, ob die kriegende Theile die im Westtalisehen 
Creise inliabendc Pl&tze zu evacutreu zu bewegen sein werden. — 

Diesem allem nach befinde« Wir das Werk von solcher Wichtig- 
leit, dasa Wir Uns darin billig nicht zu sehr zu praeeipitireu, sondern 
'orher dasselbe reiflich zu überlegen nnd wol erwägen, «o dann bei 
ZuTtT Wiederkunft am fltglieheten wird geschehen können. — 




Kecesse und Nebenrecesse, 

1) Hauptrecess des ProTisionalvergleichs dat. OUgseldorf 
"April 164T. 

Gedruckt bei Londorp Acta publica VI, p.241ff. Durnont Corps 
diplom. VL 1. p. 386 ff. 

2) KelienreeesB dat. Düsseldorf S.April l(i4T. (Unterz. und 
gesiegelt allein vom PfaizgratVu Wolf gaag Wüheliu').) 

Obglcicti der Hniiptreceüs verfügt, dass die Summe von 1CO,000 Kth. 
dem Karfiirsteu von den Ständen vou Jülich und Uerg biuueii sechs Jahrein 



['; Dieses und ilfi) tulk'cudeu Vertra|;rsiostruu)etite sind oiriteodB gedruckt; ea 
; für dieselben die obeu gegebene genante Aualjse genügen. 



336 



11. Brandenburg und Pfals-Neoburg. 



erlegt, oder, wenn dies nicht geschehen, dieselbe toq dem Pfalzgrafea WoK 
gang Wilhelm oder eventnell seinem Sohn berichtigt oder dafür die Herr- 
schuft Winnenthftl dem Kurfürsten iibgetretec werden soll: so hat doch der 
Karfürst in einem besonderen Vergleich sich dazu verstanden, dem Pfalignfen 
60,000 Kth. von dieser Summe nachzulassen; doch mit der Bedingung, (In" 
der Kurfürst erst die ilira znsteheadeu 100,000 Rtli. haben, oder ihm Win- 
oenihal übergeben Bein muss, bevor der Pfalzgraf die 60,000 Ktb. erbeb«! 
darf. 

Dagegen überläest der Pfalzgraf dem Kurfürsten sämmtlichen Vorrwb 
an Artillerie, Munition und Proviant, sowie das gesanintte Inventar, das sich 
auf der Festung Sfiareuberg vorfindet; desgleichen will der Pfalzgraf die 
dort liegende Compagnie in braudenburgische Dienste übergeben lassen. 

Ebenso (tuf dem Hause Raveusberg. 

Der Pfalzgraf verzichtet auf alle Restauten in den Aemtern Spareoberg 
und Vlüthu und in der Herrschaft Ravenstein (ausser den vom 1. Mai uiMä 
1. Aug. IÖ46 bis ult. April 164T fälligen). 

3) NebenrecesB dat. Düsseldorf 8. April 1647, (Unten, und 
gesiegelt vom Kurfürsten und Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm; dazu ein 
drittes nnausgedrücktes Siegel, aber keine Unterschrift Philipp Wilhelm'!.) 

Nachdem in dem Hauptrecess der Pfalzgraf zugesagt, dasjenige gotr 
heissen zu wollen, was der Kurfürst in Betreff der Grafschaft Rareosber^ 
mit dem Pfulzgrafen Philipp Wilhelm stipuliren würde, so wird nan 
deingemüss folgendes bestimmt: dem Kurfürsten verbleiben die beiden Aem- 
ter Spare nberg und Vlotho in ganüem Umfang, ohne alle Gemeinsun- 
keit der Regierung und werden ihm alsbald nach Vollziehong des Haopt- 
vergleichs übergebe«; jedoch mit der Bedingung völliger Belassung <J« 
katholischen Kirche dort in ihrem Recht und Bessitz — „insoiidcrhcit »b" 
auch die Patres Societatis Jesu zu Düsseldorf bei demjenigen, vtt 
die vorige Herzogen tu Gülich ond Berg wegen eine« vorher eingezogeuca 
Klosters im Amt Vlotho (dafcrn dasselbe in a, 1609 bei Absterbeu d 
letzten Herzogs zu Gülich, Cleve und Berg alschoa zu mildesten Sachen vel 
ordnet geweseu und zu Cammergefälleu nicht gebrauchet worden) verordoi 
ruhiglieh und uugemolestiret gelassen und gebandhabet ... werden solleu.'*' 

Gewisse feruere von dem Pfalzgrafen Woifgaug Wilhelm den Je — ' 
aniten für den Unterhalt ihrer Düsseldorfer Scbnle angewiesene Eiuküufle^ 
jährlich auf 60 — 10 Rth. sich belaufend, löst der Kiirfürst mit emmaligef^ 
Zahlung von 1400 Rth. ab. 

Dagegen ist der Pfalzgraf Philipp Wilhelm verpflichtet, in deuAem- 
terii Ravensberg und Limburg die Verhältnisse der evangelischen Kirche 
unverändert bestehen zu lassen, nacb Maassgabe des Hauptvergleichs. Die 
Verleihung geistlicher Aemter und Beneflcieu in der ganzen Grafschaft wird 
von dem Kurfürsten und dem Pfalzgrafea Philipp Wilhelm monatUcb 
altern itoud geübt. 

Die Besetzung der Fegtang Sparenberg und des Hauseö Vlotho 






RecesBe und Nebenrecmse. 



337 



eschieht, ohne jede Beisteuer und Besehwening der beiden Aemter RaTens- 
Eig und Limburg, doreh den Kurfürsten; Itir den Notbfall bleibt den beiden 
fakgrafen, nebst Gemalinneu uud Domestiken, die Flocht dahio und zeit- 
eiliger Aufenthalt vorbehalten. 

Ravensberg und Limborg verbleiben dem Pfalzgrafen Philipp 
F^ilhelm unter denselben Bedingungen, wie die zwei andern Aemter dem 
[orfiirsten. 

Beide Theile nehmen gegenseitig die von ihnen seit 162R anf die jetstt 
em anderen zugewiesenen Aemter etwa gemachten SehnlUen auf aich. 
(er Pfaltgraf behält sich die Restauten in den Aemteru Sparenberg und 
iotbo vor. 

4) KrkUrung des Kurfüretea dat. Cleve 8. April 1647. 

Jfaehdem die Bestimmung getroffen worden ist, dass der Kar fürst 
ir die beide« Raveinibergi.schen Aemter RaTensberg und Limburg dem 
falzgrafen Philipp Wilhelm die Herrtjchaft Ravenstein überlassen 
ill, nnd zwar so, dass diese HerrEchaft nach dem Tode Wolfgang Wil- 
elm's an den Kurfitrst>eu zurückfällt: so gibt dieser, auf den Wunsch 
hilipp Wilhelm'«, die Erklärung ab: dasss, wenn mittler Weile ihm 
urch rechtlichen Ansspruch die gesaramien Jülich -clevc-bergisehcn Lande 
lerkannt werden sollten, die Herrschaft Ravenstein dabei nicht mitbegrif- 
'.a .»ein hoII nnd er darauf znnäehrit keinen Anttpruch erheben will; doch 
nter Torbehalt der tigentlichen Rechiäfrage über diese Herrschaft and die 
nderen flandrischen Güter. 

6) Vergleich zwischen demKtirfiirsten und dem Pfalzgrafen 
'hilipp Wilhelm dat, Düsseldorf 10. April 1647'). 

Da der Kurfürst i-ieh bereit erklärt hat, dem Pfalzgrafen die ganze 
[eiTBchaft Rsrensteia für Abtretung der Aemter Ravensberg und Lim- 
org anf Lebzeiten seines Vaters zn überlassen: so verpflichtet sich hier- 
nrch der Pfalzgraf, nach dem Tod seines Vaters dem Kurfürsten sowol 
Uven^tein znrück/ugeben, als auch ihn in Besite obiger beider Aemter (so- 
üt also von gauz Ravensberg) zu belassen. 

Der Kurfürst willigt in den für ihn Gnanciell anvortheilhaften Tausch 
08 Affeetion für deu PfaUgrafeu und au.« Respeet für den König von Po- 
!n; doch unter der Bedingung, dass d<■^^elbe die ihm Uberlassene Herrschaft 
:eineui andern übertragen oder abtreten darf. 

Auf die im Nebenreeess vorbehaltenen Restanten verzichtet der Pfalz- 

rnf. 

Der Auhtnusch der beiden Raven^le^gischeu Aemter und der Herr- 
■chaft Ravenstein erfolgt gleichzeitig; die Rechte der beiderseitigen Kir- 
theo werden gewahrt. 

Stirbt der Pfalzgraf vor seinem Vater, so soll Ravenstein seiner 



'j Papier Dud Handachrifl anders aia bei den andern Stücken. 

Wtui. rar Gatch. d. Cr. EurrürsKn. IV. 22 



338 



n. Brandenburg and Pfals-Neoburg. 



Witwe so lange TerbletbcD , bis sie Ton dem alten Pfatzgrafec oder t«1 

dessen event. Nachfolger anderweit befriedigt wird; die fürstliche Wim] 
soll alsdann die Jurisdiction in Rareastein haben, aber nicht die Laadr»- j 
bobeit und Besntzungsrecht, welche alsdann an den Kurfürsten fallen. 

Auf alle Fälle dürfen der Pfalzgraf und seice Oem&lia keiue Schiildea] 
anf Ravenstein machen. 

Der Pfalzj^raf verpflichtet sich au allen Puncten des HatiptTergldcb, ] 
als ob er denselben mit unterschrieben hätte. 

6) Recess zwischen dem Kurfürsten und dem Pfalzgrtfd 
Wolfgang Wilhelm dat. Düageldorf 16. April 164T, (Ton btiiiei 
Fiir&ten nnterzeicbiiet und gesiegelt.} 

Nachdem der Kurlürst und der Pfal/graf Philiiip Wilhelm sich üb 
den Tausch von Ravenstein gegen die zwei Ravensbergiscben Aemter für ■ 
Daner dei neuen Provisiomdvergleicha geeinigt ba>jen') (No. 5): so soll et I 
doch bei allen übrigen im Nebeurecess {No, 3) verglichenen Pnnctea odtct»] 
Ändert sein Verbleiben haben, namentlich den anf die kirchlichen Verh»ll-J 
nisse bezüglichen. 

T) Erklärung des Pfalzgrafeii Wolfgang Wilhelm dat. Dfit- 
eeldorf 16. April 1G4T. 

Nachdem der Kurfürst ihm durch ein Schreiben dat. Iß. April von d«ni 
beabsichtigten Tausch Kunde gegeben, so ersucht er den Kurfürsten, bei 
den Oeneralstaaten und dem Prinzen von Oranien dahin eu wirken, dass 
nun die Herrschaft Ravenstein von FcRtungs- und Truppenlaslen biö\ 
liehet befreit werde, weil sonst sein Sohn weniger darans bezirheu wü; 
als ans den beiden abgetretenen Ravensbergischen Aemtern. 

Das Verlangen des Kurfürsten, die in Sparenbcrg und Vlotho n 
laufenden Restanten vom 1. Aog. 1646 bis nlt. Juli 164T, die der Pfalzgraf 
sieh vorbehalte (No. 2), ihm zu überlassen, kann nicht erfüllt werden, 
über diese Gelder zumeist Kcho» zu Gunsten von Privatleuten verfugt ii 
Zwar hat der Kurfürst an seiner Geldforderung auch 60,000 Rth. oachi 
lassen ; es kann aber versichert werden , ,dass die Restanten allein tn o1 
gedachten zweien Aemtern nit weniger als 60,000 Rth. . . . sich ertragen". 

Versicherang, dass er und sein Sohn ernstliöb geneigt seien, das P«c- 
tirte zu halten. 



lüES 



•} Nur dieser eine Puuct des Tausches wird aus dem Vergleich vom 10, Apii 
erwähnt — die beBondereu weiteren Bestimitiangen dieses geheimen Ver 
hut der Pfalzgraf Wiilfgang Wilhelm, wie es scheint, nicht erfahren. Pufea3 
dorf IV. §. 24 io seiner kurzen Analyse dieser Verträge übergeht dieses Te 
hältuiss des geheimen Vertrags mit Philipp Wilhelm mit Stillschweigen. Da 
zwischen Vater und Sohn vuu Pfalz-Neuburg ein gespanntes VerhältnisB obwa 
tete, er^bt sich »ms verschiedenen Btsllen der Bur^dorfiachen Berichte. 



Receaee und Nebenrecpsse. Recht rertigimi^ BurgsdorrB. 



339 



todtruction für den Kammerberrü von Kleist zur LeitQQg der 
■ebergabe vou RavenKteiD an den PfnlKgrafen Philipp Wilhelm dat. 
neve 13. April 1641. — Von Seite den Pfalzgrafen war Bertram Wesoh- 
Ifeunig Freiherr von Öcheidt mit der Uebemahme beauftragt. 



Kurfürstliche Attestation für Bnrgsdorf dat. CleTe 10. Sept. 

1641. 

Der Oberkammerherr etc. Conrad von Burgsdorf ist Torstellig ge- 
Irorden : er habe vernommen , „dass von einigen böseu verlÄumderischeu 
jeoten dieüe von ihm so treulich und sorgfaltig vollbrachte Negotiation, 
insonderheit in pnucto religionis, nicht wenig iiugilliret und, Bammt er ein 
mehreres, als er im Befehl gehabt, gethan oder verwilliget hätte, hin 
nnd wieder, wiewol mit üngrnnd, spargiret und ausgebreitet werden 
woUe-'). 

Auf sein Verlangen bezeugt der Kurfürst die Unwahrheit der Beschul- 
digung und gibt ihm „das beständige Zeugniss eines redlichen und getreuen 
Dienere, und dass er die Limites seines Mandati keines Weges über* 
«chritten*. 



*) Tgl. hiermit die atta dem Jahr 1649 Btammenden äbnlicben Auklagen ge- 
gen Bargedorf in der „Copia Schreibens aua Collen" bei Coamar Schwartaen- 
berg. Beilage LX. p. 30 ff. Ebendaaelbet p. 36 flodet sich die Angabe, dasa 
Burgadorf bei dem Vertrage mit dem Pfatzgrafen für sich die Sumtne vou 
30.000 Rtb. bedangen habe. Der richtige Verhall der Sache kaun zur Kritik der 
öbrigeo Angaben jener Schmähschrift (lieneo. Ea findet sich in den Acten der 
fiäcbaten Jahre, dass Burgadorf allerdings dos Versprechen einer Geldsumme 
am PfalzgraftiU erhielt, aber nur 10.000 Rth.. und dteae nicht Ueimiicb, sondern 
lit Wiasen des Kurfürsten , da in ufficiellen Schreiben davon gehaudell wird. 
Aber noch im März 1650 sind dieselben trotz mehrfacher Mahnung nicht be- 
khlt : der Pfalzgraf erklart, aie erst entricbten zu wollen, wenn alle übrigen 
Jeldangelegenbeiteu zwischen ihm und dem Kurfürsten geordnet seien (dat. Dus- 
eldorf 2. März 1650). Da dies nun in der nächsten Zeit nicht geschah , so ist 
»Chat wahrscheinlich die Katastrophe und der Tod BurgadorC's U651/2) er- 
folgt, ohne daas Ihm jene Gratification dea Pfalzgrafeo zu Theil geworden ist. 



22* 



m. 



Die we^tfölischen Friedens- 
verhandlungen. 



Einleitung* 



V 



om BegiuD seiner Rpgieruiiif an stund dem Kurfürsten Friedrich 
[elm da* Zusammentreten der aügeraeinen Friedensverhfindtungen in 
lOrdersten Reihe »eiuer iwlitlcchen Ziele. Vou diesem GesiehtspuDCt 
Mte er seine tStclluug zu den uubvi artigen Mächten geuomraeu; eben 
pe bestimmte sein Verhalteu zu dem Kaiser und den übrigen deat- 
r ReichsMaailen, leitete sein Anftreteu bei den deut'<ehen Reichsver- 
ptongen teit lt540. Keine der Fragen, von deren Lösnng der deutsche 
pB abhing, war endgiltig zu lösen auf dem Wege einseitiger Verein- 
J^fia im Schoosse des deutuchen Reiehskörpers oder einseitiger Ab- 
Ite mit der einen oder uodem der betheiligten auswärtigen Mächte. 
iKtaod der einlachen Alternative gegenüber zwischen einer Entschei- 
Met deutsehen "Fragen im Sinne der h ab m burgisch eu Politik und einer 
W durch die vereinten Kräfte der enropäiscben Diplomatie mit ent- 
tkender Preiszahlung an die lieidcn militärii^chen Nachbarstaaten Schwe- 
md Frankreich. Ein Drittes war nicht gegeben, und nur phrasenselige 
lendung kannte glauben, däas die Lage der deutschen Verhaltnisse 
{feinen anderen Weg, den einer Losung itu Sinne einer deutschen Na- 
|tolitik ans eigener Kraft heraus, gestatte. 

kie habsbargiüctie Lösung der deutncheu Fragen — das bedeutete die 
k Ferdinand'« IL, das Sjstetn des Präger Friedens, Vernichtung 
pieastbarkeit fiir die deutschen Reichsfursten, Unterdrückung oder 
Ürdigung nnd Verfall in sich selbst für das p rote stAn tische Bekenntniss, 
rriumph für die combinirten Interessen des habsburgisehen Hauses 
les römtsehen Kireheuthums, Wie die Dinge jetzt, bn Anfang der 
per Jahre, logen, war ein vollkifuiaiencr Sieg dieser Richtnng bereits 
pdeukbnr; die kaiserliche Politik kämpft schon nicht mehr fiir das 
i jener Pläne, sondern sucht tu retten, was zu retten ist. Sie be- 
deu Norden preiszugeben, um den Süden nnd Westen des Reichs 
ster halten eu können; sie sncbt Schweden durch einen günstigen 
frieden in beseitigen, um mit gesammelt«r Kraft sich gegen Frank- 



344 



UI. Die west(EliBoh«n FriedeniTerbsudhingen. 



reich wenden zn ItöDnen. Hieran» erwachsen ihr mit Nothwendigkeit nrei 
Haaptgegner. 

Im Süden Baieru, welches befurchten mnss, in diesem Kampfe ohne 
jeglichen weiteren Gewinn, als den eg schon davon getragen, nur die Roll« 
als gezwungener ßundesgeoosse des Kaisers oder eventuell sogar als des- 
sen Beute spielen m müssen; die ligistische Soiiderpolitik des Kurfürsten 
Masimiliaa erhält einen neuen Anstoss; immer von neuem treten die 
Versnche Baierns hervor, sich durch Separatverhau dlungen mit dem Erb- 
feind des Kaisera, mit Frankreich, eine freie gesicherte Stellung neben die- 
Eom ZQ schaffen nnd in dieselbe unter seinem Protectorat einen mögUehst 
groseen Theil des deutschen Südens und Westens hereinzuziehen, Büera 
mnsste versuchen, sich in der Mitte zwischen Ocstreich und Frankreich ein 
eelbatändiges europäisches Ansehen zu gründen. 

Ebenso wie Baiern dnrch die neue Richtung der kaiserlichen Politik, 
80 wurde anderseits Branden barg dnrch die Preisgehung des Nordens 
bedroht, Sie bedeutete für diesen Staat den Verlust von Pommern, ^e 
gefahrvolle unmittelbare Nachbarschaft, der grossen Militärmacht, deren ge- 
waltige Expansivkraft nun schon mehrere Jahrzehnte hindurch den Norden 
Earopa's in Athem hielt. Eine Rettung vor den Ansprüchen Schwedens 
auf die deutschen Ostseeküsten gewährte nicht der Kaiser, nicht das Beich 
als Ganzes oder einer seiner Theile; der Korfürst hatte bereits auf dem 
Keichntag zu Regensburg erfahren, wie gross bei diesem Organe der Ge- 
sammtheit die Neigung war, ihm das schwerste Opfer aufzuerlegen, nnd wie 
gering die Bereitwilligkeit, ihn dafür entsprechend zu entschädigen '), Aach j 
hier gab es keinen andern Auf weg alü den, die brandenburgisch - pommer 
sehe Frage von dem Foram von Kaiser nnd Reich hinweg vor da» de 
europäischen Diplomatie zu ziehen. Indess, während Baieru zu seinem Zie 
den Weg der geheimen Separatverhandlungen ging , so versäumte Bran- 
denburg zwar von dem Beginn der neuen Regierung ab gleichfalls nicht, 
seine in Verfall gerathenen diplomatischen Beziehungen zu den wichägstea^ 
auswärtigen Mächten neu zu beleben ; aber seiue Aufgabe war doch «in^il 
wesentlich andere als die der süddeutschen Macht. Der Kurfürst Friedrich 
Wilhelm war in der eigenthümlichen Lage, dass er zuerst mit voller KraR 
und mit dem Beistand Aller, die etwa dafür zu gewinnen waren, Pommern 
gegen Schweden vertheidigen musste, um dann, wenn es missgluckte, mit 
Hilfe derselben Schweden den widerstrebenden Elementen in und ausser ^ 
dem ßeich die Entschädigungsstücke abzuringen, welche er beanspruchte 
Eine so verwickelte Aufgabe war nicht auszuführen ohne die Beihilfe un^ 
eventuell die Garantie der europäischen Mächte -, keiner jener Zw- ecke 
erreichen, ohne dass Schweden, Frankreich, die Niederlande, Dänemark 
neben den befreundeten und gldchinteressirten oder auf die Unterstützung 
Brandenburgs angewiesctien deutschen Ständen ihre Mitwirkung leistet^i 
Nur anf einem uUgemeinen europäischen Congrcss konnte der Kurftjra 
hoffen, entweder Pommern zu retten oder im schlimmeren Fall eine Ter-"' 
Stärkung seiner Machtstellung nach anderer Seite hin zu erlangen, wodurch 



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») ürk. u. ActeuBt, 1, p. 703. 7Ü8. 755. 



EinleitODg. 



345 



dtkS Bedrohliche jenes Verlostes eiuigermassen aasgeglichen warde. Branden- 
borg war somit darauf aogewiesen, jeglichen aoderen Lösnngsversuch toq 
sich zn weisen und den aligemeinen FriedeaaCODgreS!> der eoropäischen 
M&chte allein Tür eompeteut r.a erklären zar endgiltigen Regulirnng der 
eigenen und der allgeraeinen deutschen Angelegenheiten. Es ist eines Ton 
den wegentlichüt mitbestimmenden Momenten für die fernere Entwickelung 
des br&Ddenbargiseh^preusäischen Staates gewesen, dass seine Neugründung 
durch den grossen Knrfiirsten in ihrem Beginne zusamraetiße) mit einer 
grossen dentschen Krimis, welche zugleich eine enropäiKche war and uar 
auf dem Wege allgemeinster nnd umfassendster Vereinbaruugjn tnitgeloät 
werden konnte. Dieser Umstand hat dem sich bildenden norddeutschen 
Staate von Anfang an den Stempel europäischer Zusammenhänge aufgeprägt, 

Die bisher publicirteo Acten, soweit sie dem Jahre 1648 voranstiegen, 
leigen nns den angedeuteten Gang der brandenburgischeu Politik mit Con- 
sequenz rerfolgt. Die Umstände begünstigten ihn. Brandenburg würde für 
eich allein, ebenso wenig wie Dänemark oder andere davon betroffene 
Reicbsstände, vermocht haben, einen Ab^chluss über Pommern Ewischea 
dem Kaiser und der Krone Schweden zu verhindern ; das Interesse Frank- 
reichs verhütete es, und die Capitalfrage für Brandenburg blieb somit den 
allgemeinen Friedens Verhandlungen vorbehalten. Auch bei diesen freilich 
wiederholen sich jene Y ersuche der habsburgischen Pulitik, über Pommern 
kraTb kaiserlicher Gewalt trotz und ohne Brandeoburg zu entscheiden'), 
aber nun schon mit verminderter Gefahr; das Forum, vor welchem Jetzt 
verhandelt wurde, Hess wenigstens eine ganz einseitige Entseheidnng nicht 
mehr zu. 

Die Verhandlungen über die pommerische Angelegenheit in Osnabrück 
bilden die unmittelbare Fortsetzung derjenigen, welche bis in doB Jahr 
1644 zwischen dem Kurfürsten und Schweden durch wecbselEeidge Qe- 
Sftndtschaften geführt worden waren*); sie sind in dem vielverschlungenen 
Oetriebe der Congresageschäfte eine Zeit hindurch die brennendste Frage 
^weten, an deren Entscheidung vielleicht der Ausgang der ganzen Frie- 
denshandlnng hing. Aber neben diesem hanpti^ächlichsten Interesse ist 
Brandenburg doch zugleich auch nach vielen anderen Seiten hin anfs we- 
sentlichste an dem betheiligt, was in Osnabrück und Münster zur Sprache 
kommen amsiite, £3 war kein allgemeber Friedeu^schluss denkbar, ohne 
dsis die Stellung der drei Coufessionen im Reiuh eine eudgiltige Reguli- 
roDg erhielt; die beiden letzten RcichsTeräammlnugen in Begensburg und 
in Frankfurt hatten die wichtigsten Fragen der inneren deutschen Politik, 
über das Verhäliniss der Stände zum Kaiser, über die Gewalt der Reichs- 
tage and Reichsdeputötiunen, über die Keebte der höheren und niederen 
Stände, über die Stellung der Reichsstädte und so viele andere von neuem 
in Flusä gebracht, es war vorauszusehen, diiss auch diese hier ihre Erle- 
digung sncben würden, nnd mehr noch, als sich im Anfang voraussehen 
Hess, griff dann in der Folge der Congress theils geradezu constituirend. 



*) Vgl. besonders unten die Verhandlungen im Oecember 1646. 

*) Urk. u. Actenst. I. Abschnitt ITL und die Einleitung daseibat p. 518. 



346 



HL Die westriliBcbeo Priedeoaverhaudlaogen. 



theils wenigstens beBtiminte Aufgaben für deu nächsten Beichstag f'f'iH'^ 
in das Detail der deutschen Verfassungsverhältnisse hiaein. All dif^c vd 
zahlreiche andere Beziehungen mussteo im Auge gehstU'D werdta lod 
macbtea die Aufgabe der braadeiiburgiscfaeu Diplomateu &a einer ziemlid 
complicirten. 

Kurbrandenburg stand seit deu> Regeuaburger Kurfiirstentag Tom J. ItiSt 
zu den künftigen GeneraÜriedenstriictatetj insofern in einem näheren VerUt 
tüss, als es gemeinschaftlich mit Kurmainz und Kurcöln für das Karfiirgteacolleg 
und, wie man damals gedachte, für die gesammten Bcichsstände znr ThA- 
nähme an denselben deputirt worden war, auf dem Nürnberger Kurftirateittj 
(1639/40), aof dem Begensbnrger Reichetag war diese Mission bertiiigl 
worden'); noch die Hamburger Friedenspräliminarien vom 25. Dec. IWl 
hatten dieselbe implicite auerkaaut und wiederholt'). Sie bedeutete dei 
näheren, dass die Rolle der Unterhandlung mit den auswärtigen MichtHi 
dem Kaiser als Reichsuberhaupt zukomme , dem Dur eine Deputatiun iIm 
Kurfürstencollcgs berathenil znr Seite stehen sollte. Diese Anordnung ent 
sprang im Jahr lö36 dem grossen Siege, den die kai.^erliche Politik $» 
eben mit dem Prager Frieden über die Autonomie der deotschen Reici»- 
stände davongetragen hatte; eie wurde wankend, vis die dnrch jenen FnV 
den geschaffene Lage sieh bald wieder zu Ungunsten des Kaisers änderte: 
je näher man dem wirklichen Zusammentritt des Cougresses kam, mu » 
zweifelhafter wurde es, dass es der kaiserlichen Politik gelingen werde, 
jSnen aupschüessenden Anspruch zu behaupten. Ebenso das Interesse itt 
unteren Reichsstande, yoti deu Fürsten an, wie das der auswärtigen Mäclil« 
sträubte sich dagegen, die Entscheidung über Krieg nud Frieden, sowf ^ 
über die Einzelheiten des etwaigen Friedens allein dem Kaiser und einer 
kurfürstlichen Commission zu überlassen, die nur zur , Assistenz'' des £«i- 
sers berufen war'). Der Fraukfurter Deputaüonstag und die EreigniiMf 
welche gleichzeitig mit seinen Verhandlungen eintraten, eoiNschicden die 
Frage gegen deu Kaiser zu ünn.'iten der deutschen lieichsstAude; die ÄCttn 
dieser Vorgänge, weiche von Seiten des Reichs die unmittelbare Eiuleitunj 
zn dem Friedeu.soongre.s8 bilden, sind in dem ersten Baude ausfuhrlich mtt- 
getheilt. Schon dort wurde daruaf hingewiesen, dass Brandenburg in dies«: 
Präge eine neue bedeutsame Wendung machte'); es entschied »ich für di« 
Ansprüche der unteren Reichsstande und verzichtete damit thatsächlich 
die ibiQ früher zugewiesene bevorzugte Stellung. Mit diesem Schritt bft 
gründete der Kurfürst seine neue elgentbümliche Parteistelluüg Im Reic! 
die wir während der westrälischen Verhandlungen und dann besonders i 
der Zeit des Regensburger Reichstags von 1653/4 beobachten, 

8eit dem Mai 1643 sammelt-en sich allmälig die Deputirteu an den b< 



•) Chemnitz Schwodisclier Krieg III. 1. p. 58. Crk. u. Aeteust. l. p. "; 

') V. Meiern Acta Pac. Westph. 1. p. 9. Adami Relatio historica p. 35. 

') ä. besonders das charakleriatiBche ächrcibun des sebwudiaeliea Geiandta 
Salvius an den Markgrufeu Christian von Brandenburg dat. Homb 
20. April 1643 bei v. Meiyr« I. p. 12. 

') I. p. 799. 




Einleihtn^. 



347 



Coogressortcn. Es war vorauszusehen, dass eine geranme Zeit ver- 
%*ben werde, ehe man zu den eigentlichen Verhaudlungen schreiten Jionnte. 
*Jie ßasniielle I^age dei Knrfiirsten Uese ihm räthlich erscheinen, seine Ge- 
*«idi8chaften nicht eher abzuordnen, als bis der Beginn der Geschäfte wirk- 
™li beroTZUStehea schien. Wenigstens ein Theil der unerlässlichen Form- 
•treitigkeiten war erledigt, als im December 1644 und im Januar 1M5 die 
''''^troctioneD für die beiden Geüandtechaften uach Münster und Oi^nabruck 
•■•gefertigt wurden. 

Crraf Johann Ton Sayn und Wittgenstein') stand als Prineipal- 

g*«atidter an der Spitze beider Gesandtschaften; als Mitglied ebes reichs- 

P^nichen Geschlechts rerlieh er der brandenburgischen Repräsentation den 

Giarii eines vornehmen Auftretens; bei den Verhandlungen zeigt er sich 

*1* geschicicter , oft sehr energisch eingreifeuder Diplomat; er galt unter 

^tt Gesandten des FriedenBCongresses als die einzige Autorität in militari- 

scben Dingen'); dass er Geldgeschenke von den auswärtigen Mächten an- 

bBäjuj ist in einem Fall erwiesen, in einem andern wird es ohne Beweis 

betiatiptet"); doch betraf der Zweck dieser Besteehnngen jedenfalls nur 

"^ genstände, welche ausserhalb der unmittelbaren Interessen seines Herren 

^*fe*:n. Es scheint, dass Graf Wittgenstein erst kurz vor dem Beginn 

^^T westfälischen Verhandinngen in die Dienst« des Kurt'iirsteu eintrat; er 

^Ue früher in schwedischer ßestalinng, wahrscheinlich als Militär, ge- 

^^Aodcn und hatte diesen Dienst, wie sich aus einer gelegentlichen Aeusse- 

^Ug ergibt, ziemlicfa misszufrieden verlsssen"). Von da an blieb er bis 



•) Geboren 3. Oct 1601, gestorben 2. ApriJ 1657. Eioige Notinen über ihn 
1. Imhof Dotitia proceram tl. p. 1139. 

•) S. dieseg ürtheil über ihn bei v. Meiern Acta Execut. Pac. I. p. 18. 30: 
der £iu2ige , „ der die Kriegs - Baisona verstehet". — Dass mau ihm dagegea 
mangelhafte £.enntniBB des Latein vorwarf, a. Pütter Geist d. westphäl, Friedens 
p. fö. 

**) Erwiesen von franzöeischer Seite, b. das Schreiben Brienne'a an die 
franzdaischen Gesaodlen daL U. üec. 1645 (Negoeiations secr^tea IT. p. 230): 
,JeH deux milie ecus qua vous avez baillez an Comte de Witgbensteiu ont 
ete Uea bien employez et ... Sa Majesle vuadruit bieu que pluaieurs Deptttes 
TQuluBsent en prendre". Dass ihm von detv .Schweden eine bedeutende äumme 
(160,000 Btb.) versprochen war für seine Ooterstützung bei der Angelegenbett 
der Ablöbnnng der echvrediscben Tmppen, behauptet der kaiserliche Gesandte 
Volmar bei v. Meiern A. F. W. IV. p, 902. 

") Leider mangelt in den Acten jeder Nachweis über die näheren Umstände 
wioea Eintritts in brandenhurgische Dienste. Die obige Notiz über sein Verbältoiss 
ZD den Scbwedeo gibt Wittgenstein selbst bei Gelegenheit einer tebbaftsn Dis- 
cnssion mit dem schwedischen Gesandten Oxenstjernu iu Osnabrück im Jan. 1646; 
aliOzenetjerna ihm vorhält, er sei ja früher „gut schwedisch" gewesen nod jetzt 
»0 entgegengesetzt, erwidert Üim Wittgeusleio: ,,icb vor meine Person dienete 
«nitxo £. Ch. D. ; wollte mir die Krön Schweden dabero feind werden, so müsste 
ichs geacheben lassen, and wären noch ein drei kahte Bauern übrig; wollten sie 
mix diea«U>«a nehmen, ao musste iclu eine WeUe dahin stellen; hätte aach der 




348 



HL Die Hestßliscbeo FnedeasTerhaodlnn^D. 



an seineu Tod in bedeatendeu Chargea einer der Angesehensten Beunten 
des Kurfürsten"). 

Speciell für die Verbandlnngen in Osnabrück waren aasserdem be^tjnuo' 
der Freiljerr Johann Friedrich von Loben nod Dr. Peter Fritie» 
,Hof-Cammer-Geriehts- und Amts-Rath, auch des geistlichen Consiätorii 
Präsident". Wir sind dem Ersteren bereits mehrfach in diplomatische.^ 
Verwendung begegnet"); er war schon unter Kurfürst Georg Wilbelir« 
aus kurBächsischen in braodenbnrgisehe Dienste übergetreten { 1632) aa<2 
gehört oßenbar zn den gewandtesten und kenntniss reichsten unter den Uia— 
oern der älteren Generation in der Umgebung des Kurflirsten. Zn be- 
dauern ist, dass die Tagebücher, welche er während dieser Gesandteclmffc 
wahrscheinlich ebenso schrieb, wie bei fniheren (vgl. Yol. I. p. TtS), niolk 
mehr vorhanden sind. 

Auch dem ConsiistorialpräsideDteu Dr. Fritze sind wir bereits ale 6»— 
sandten auf dem Nürnberger ColSegial- und dem Regensburger Reichstag be- 
gegnet"). An den Verhandlungen in Üt-nabrück nahm er nicht lange Tbdl ; 
ein Schlagaufall traf ihn noch im Jahr 1645, der ihn zur Arbeit nnfahi^ 
machte; er atarh 1648. 

Der Kammergcrichtsrath Matthäus Wesenbeck, der »d seine Stelle 
trat, hatte so ebeu dem Frankfurter Depntationstag bis zu seinem ScbiosS J 
beigewohnt; auch au dem Regeusburger Reichstag hatte er, als Vertttte«' ■ 
der pommerigchen Stimme im Fürsteucoüegium, Theil genommen. Er vm*" 
der Enkei des gleichnamigen berühmten Juristen (t 1586); die Famili« 
beanspruchte von altem niederläudischen Adel zu sein; ein Diplom Kaiie*" 
Maximiljan'.s 11. hatte diesen dem älteren Matthäus Wesenbeck be^ 
stätigt; doch hatte weder er, noch seine Nachkommen von dem Adels-' 
prädicat Gebranch gemacht, bis im Jahr 165*2 Kaiser Ferdinand IIC' 
dem jetzigen brandenbnrgischen Rathe dasselbe anfs neue bestäubte") - 



1 



Krön ehrlich gedient, aber wenig Satisfaction erhalten. Dnd bat ihn, Oxen- 
Btirn, nur zu befördern, dass mein Expreaser mit einem Recepigse von Stock- 
holm wieder zurückgelasseo werden möchte; dann ich so gross nicht meiner 
wolverdienten Satisfaction begehrte." (Relation aua Osnabrück dat. b. Jantutf 
1646.) Yieileicht dass die von Yolmar (not. 10) angegebene Summe mit dieser 
Forderung des Grafen au die echwcdiache Begieruug EuBsmoienhangt« 

''} Cosmarn. Klaproth der geb. Staatsrath p. 3öl. 

•>) Joh, Friedr. V. Loben geb. 1595. 1 1666. Urk. u. Actenst. l.p.SHS. 
778fr. 871 ff. — Eine Lebensskizze Ton ihm hat v. Meiern A.P.W. Indexband 
p.46fr. Cos mar u. Klaproth p.348. 

'*) Urk. u. Actenst, I. p. cit,; mit Loben lag er in hanSgen Zerwürftii«- 
sea; 8. das Crtheii desselben über ihn ibid. p. 779. ä. anch v. Meiern l. cit. 
p.48. 

<>) MaitbäuB Wesenbeck geb. 1600, gest. 1609. TgL Zeis hittor. und 
genealo^. Nachricht von dem ... alt adelicheu Oeschlechte derer von Weaeu- 
beck (Frankf. a. 0. 1751); Ferdinand III. bestätigt ihm den Adel: „obwohl 
obbesagter sein Grossrater, Vater nod Er solch adenlicbeu Staadt und Herkom- 
men sich allerdings nicht gebraucht, noch auch allewege mit von Geblueth adeli' 




ihn 



EiDleitnng. 

stahlreiehen gelegentlichen Notizen hervorgeht, war Weseübeck 

'i^ennas^en als Zäuker gefürchtet nucl hatte viele Feiade; die von ihm 

'wr» Säten Relationen zeichnen äch durchweg durch eine überans trockene 

Weitschweifigkeit ans, die sogar in jener hierin nicht verwöhnten Zeit ihm 

»Ott seinen Gegnern zum Vorwurf gemacht woriic '*). Doch hatte er offen- 

zagleich ancb bedeutende Verdienste als Geschäftsmann; er wurde lööl 

Kanzler des Füretenthums Minden, 1655 zum geheimen Kath ernannt 

snsserdero zd wichtigen politischen Missionen verwendet, bei denen wir 

weiterhin noch begegnen werden. 

Za den Verhaiidlnngan in Münster wurden neben dem Grafen Witt- 

gexA äteiu die beiden Räthe Friedrich von Heiden und Dr. Johann 

P» r tmann bestimmt. Beide treten nicht sehr iu den Vordergmnd undPort- 

oiÄxin wurde nach einiger Zeit wieder abgenifen. An seiue Stelle tritt der 

Hof— Qud Kammergerichtsrath Johann Fromhold, welcher bald die ei- 

g«t»tltche Seele der branUenborgischen Verhandinngen in Münster wurde"). 

Die Berichte dieser beiden Gesandtschaften nebst den Resolutionen 

d6s Kurfürsten und anderen einschlägigen Actenstücken bilden den Inhalt 

des Turhegenden Absclinitt^. Ausserordentlich reich ist die Literatur der 

Äßt«ii zm- Geschichte des westfäJisehea Friedens; und so wie die Rolle 

Ka_rbraadenbürg3 bei diesen Verhandlungen eine ansehnliche und einfluss- 

reiolie war, so fehlt es auch in den bisher gedruckten Materialien nicht an 

Biaer lusammenhäiigendeu Folge »ctcnmässiger Beiträge zur Geschichte der 

'"^•odenburgischen Politik in diesen Jahren»*). Der Abschnitt iu Pufeu- 

dorf's Leben des Kurfürsten Fried rieh Wilhelm, in welchem die west- 

•■liÄchen Verhandlungen nach den Acten des Berliner Staatsarchivs darge- 



ctLeti, jedoch aus guth alt Familien und Gescblechteu gebornen Frauens Fersoh- 
"*** verhejTBth" (ibid. p. 27). 

'*) Vgl. ürk. u. Actenat. I. p. 779 f. v. Meiern II, p. 127. — In einem 

^chj-eihen dat. 19. Dec. 1653 hält Graf Georg Priedricl» v, Waldeck, wel- 

^^ ilbrigens Weaenbeck protegirt, diesem den oben beüeichnuteD Fehler sei- 

*" ttelatiooen vor — „ich wollte gern Seitieo Feinden die Materie, so sie hierin 

*^'»C||t, Seinen Verrichtungen etwas anzumachen, beoehmao". 

. ^ **) Job, Fromhold geb. 1602, geat, 16&3; 1/11. Mai 1648 wird er znm ge- 

**i)et) Bath emanat in Aaerkennurig seiner „treuSeiseigeu und □ützticheu Dienste 

Ij. * S«genwärtigen annoch währeadeu Geueralfriedenstractaten", 165Ü ward» er 

***«ler des Fürfitentbuma Halberstadt (nicht Minden, wie bei Cosmar u. Klap- 

'***•*> p. 353 gesagt istj. 

n , *^) Ein Verzeichnis der wichligBten Werke gibt Flitter Geist des westphäl. 

^^dens p. 77 ff. Von seitdem hinzugekommenen aetenmaBsigen Pablicationen 

spociell brandeuburgiicbem Interesse sind zu ntsnneu: die Berichte der pom- 

n ''*Bchen landstäodiscben Abgesandten Marx v. Elckstedt und D. Friedrich 

Ol ^ge in den Baltischen ätndien Jahrg, IV S. v. Bohlen die Erwerbung 

***ftlnem8 durch die Ilobenzüllern (Berlin 1865). Otto v. Gnericke Bericht 



_^ ^«u Magistrat von Magdeburg über seine Sendung nach Osnabrück und Mfio> 
g^*" 1646/7. Mitgetheilt von Opel iu den Neuen SlittheUuogeu (des tharingiseh- 
1^ ^^aischen YereiDs) aus dem Gebiet histor.-antiqaar. Forschungen Vol. XI. (1866J 



350 



m. Die west^Uscheo FriedeDiTerhiini]liin^e&. 



stellt sind, ist rortrefflieh gearbeitet. Dennoch wird die Ansicht roo da] 

DiDgeu in vielen 8tücken den Originalien gegenüber sich anders gestalt 
als iu der Uebertragung Pufeiidorrü, Theils jeuer Reichtham an «llgend 
sugäoglichen Acten, tbcüs die nngeheure Masgenhaftlgkeit des vorliegeudti 
handschriftlichen Materials erlauben es and nöthigen dazn, bei der Miit 
Inng desselben mehr in der Weise coniprimirenden Excerpirens als wör 
cbeu Abdruuks zu verfahren; namentlich rechtfertigt sich dies toq seibat i^ 
den ersten Parthieu, während die späteren wichtigeren mehr die fa 
Wiedergabe der Actenstüclce fordern. Auch da, wo wir nur Aaszäge i 
ben, ist möglichst dahin gestrebt worden, dass die VerkiirKung TorrogJ- 
weise die Form trefle und d&i Wichtigste dea lubalbs doch berührt werde. 



Die westfälischen Friedens- 
Verhandlungen. 

1644 — 1648. 



istruction für Graf Johann zu Sayn und Wittgenstein, 
riedrich von der Heiden imd Dr. Johann Portmann zu 

»Friedensverhandhin gen in Münster. Dat. Colin a. Sp. 
4. Dec. 1644. 

ioleitnng. Ceremoniell des Enpf&Dgs und der Tisiten. Erste Vorstellung bei 
a kaiaerlichen GeBaadten. Desgleichen Uc'i den Veimittlero; bei den franzö- 
Äheo Oeaaodteu; bei Jen Knrcölntscheo. Der Titel „Majeatäl" für den König 
■Frankreich und „Serenissimus" für den Ktirfürsten. Der GeBandtentitel. 
BEe de ozcontro Verse mit den Veneziaaern und Niederländern. Cljarakter der 
rforstliclieu Wnrde; Vergieicli mit dem C^srdiuatscüllegiutn. Modus tractandi; 
I Frage der alleinigen Verliandiiiiig des Kaisers mit den Auswärtigen; in Ifei- 
m Fall katia Brandenburg' sich von der Theilnahiue Busschliessen lassen. Die 
mjt der Zniassung' der anderen Stande zu Jen Tractaten: sie tat zu bejahen; 
Htadns ilirer Theilnahme; am geeig^Detsten nach Kreisen. Erentnelle Ernen- 
m einer Deputation ans beiden Retigionsparteien. Vorsiciit gegenüber etwAU 
iMsjoritätabescbläsBeo. Protest gegen unziemliche Benennung der Evange- 
:hen. Freundlicher Verkehr mit den andern Gesandtschaften. Die Angele- 
^beit des Kurfürsten von Trier; seine Freilassung wird gewünscht; sie ist 
^tig«r als die Restitution des Herzogs von Lutiiringeu. Modus tractandi mit 
kttBwärtigeD ; Vorsieht in BetrefiF der beiden katboliachea Mediatoren. Er- 
tode Erörtemngen ober die Ursachen des Kriege sind zn vermeideo. Ver- 
Bb«feble in Betreff der Communication mit dem Kurftirsten tind mit den 
Gesandten in Osnabriick.] 

^ÜDfien] Rätheo ii^t zur GnUge wigeend, in was bocbverderUlichen 1644. 
;^esunrubf u Unser geliebtes Vsitertaud dub so viel Jabr aneinander ^** *^' 
li webet, damit aucb ganz Deutseblaud dermassen tlbergcbwemmet, 



352 



ni. Die weetfülUcliei) FriedensTerluDdliuig«». 



dasB derer Lande sehr wenig zu finden sein werden, welche nicht 
Grunde und Boden albereit gerichtet worden. So ist auch Unaern 
then wissend, wie viel MUlie und Zeit bishero darauf gewendet wor- 
den, elie man es zu diesen itzt bevorstehenden Tradaten bringen uod 
befordern können; es seind auch nunmehr albereits Kais. Maj. nnd 
der auswärtigen Kronen und ReiHibliqnen Botschaften. Rllthe und Ge- 
sandte eine geraume Zeit daselbst einkoniraen; so wollen auch die 
auswärtige Kronen zu keinen Tractateu verstehen, es sei dann, dass 
auch der Churfttrsten, Fürsten und Stände Gesaudte daselbst aDg^ 
langet. Damit nun Uns, sammt wären Wir an Verzögerung diete« 
so heilsamen Werks schuldig, bevorab, da Wir nebst des Herrn Ch^^ 
fürsten zu Colin Ld. insonderheit im Namen des Cburförstl. CoÜefii 
deputiret'), auch bochgedaehtes Herrn Cburfllrsten Ld. Abgesandte 
sich albereit vor etlichen Wochen daselbst eingestellet, beigemesses 
werden könnte: als sollen auch Unsere Gesandte, ohne einigen fer- 
neren Verzug, sieh dabin vcrfllgcn und Unsere hohe Churfürstl. Stelle 
zu Münster bekleiden und gebührlichen vertreten. 

Hicmäcbst werden Unsere Gesandte von dem wol Nachricht er- 
langet haben, wie hoch die säniuitllche Cburfürsten des heiligen Reich« 
ihnen bishero angelegen sein lassen, hei I. Kais. Maj. es dahin i» 
unterbauen, damit ihren Abgesandten bei ihrem Einzug eben die Ebre 
und Respeet widerfahren möge, welche dem Venetianischen Ge- 
sandten enviesen worden; welches auch 1. Kais. Maj. allergnüd. gf- 
williget, auch Ihren Gesandten deswegen Befehl ertheilen lassen, d*** 
Wir dahero nicht zweifeln, es werde auf Seiten der Kaiserl. Hern 
Abgesandten auch alstt wirklieh erfolgen. 

Nicht weniger wollen Wir Uns zu den Übrigen Gesandten gfin*' 
lieh versehen, es werden dieaelbige auch Unsem Abgesandten aucb 
eben die Courtoisie erweisen und widerfahren lassen, deren sie de® 
Herr» Churftlrsten zu Colin Ld. Abgesandte gewtlrdiget, bei denci* 
sie sich alles Verlaufs werden erkundigen können; Wir haben auc^ 
bei deo Kttnigl. Französischen Abgesandten durch Unsem Hofjunker*- 
Zepherin Cuilla deshalben Erinnerung thun lassen, von welche 
sie wegen seiner Verrichtung Relation einnehmen werden. 

Gleichergestalt haben sie sich zu erkundigen, wie es bei Ankunft 
des Herru Chur-CCdlnisehen Gesandten der Visiten und Roisiten hal-- 
her gehalten worden, darnach sich die Unserige auch zu achten; da- 
mit Überall eine Couf'ormität und Gleichheit verspOret und die UuBeri^ 



') Vgl. Ad am i Belatio bistorica p, 64 



) 



loBtnictioD fär Müneter. 



353 



ni' ht geringer alß andere» Cburfilratlielie Gesandte gehalten werden 
'ii.'_-cn. 

Nach diesem baben sich Unsere Gesandte bei den Herrn Kaiser- 
lich eu Abgesandten auzuoielden and denselbigen nebst den gewühn- 
lifben Curialien in Unserni Xameu hauptsächlich vorzutragen, dasa 
Wir Uns des in a. t53ri und (Hl gemachten Schlusses, vermittelst wel- 
ches Wir nebat des Herrn Churfllrsten zu Colin Ld. im Kamen des 
pinzen CliurfUrstl. Cüllegii zu diesen bevorstehenden Tractatcn zu 
1. Kais. Maj. und des heil. Kelchs Assistenz, Beruhigung und Bestem 
deputiret worden wären, wol zu erinnern gehabt, deme Wir auch zu 
»cliuldigster Folge sie. Unsere Käthe, an Unsere Stelle dahin abgeord- 
nrt; wUnscheten und bäten den vielfrütigen Gott, da?s derselbige alle 
heilsame C'onsilia sollte geben und verleihen, auch aller Interessireu- 
den Herzen dahin lenken und neigen wollte, damit die ganze werthe 
Christenheit tran<(uiiliret und aller Enden der so hoch desidcrirte 
Zweck eines aufrichtigen und beständigen Friedens erreichet werden 
uiOge. Wir halten zwar diese Abscbiekung wol etwas zeitiger thun 
wollen, wann Wir ans denen Uns euikommenen Kelatiouibus nur su 
viel absehen können, dass Tusere Absendnng derer Orten etwas hätte 
nutzen mögen; dieweil Wir aber daran billig zweifeln müssen und 
Unserer Lande itziger Zustand nicht zugeben will, viel und schwere 
Unkosten ohne Notb aufzuwenden, als verhoffeten Wir, es wOrde 
l. Kais. Maj., Unser allcrgnäd. Herr, wie auch sie, die Herren Kaiser]. 
Abgesandte, diese« Verzugs halber. Uns rcspective allergnädigst und 
wol entschnidiget halten; Wir hatten ihnen aber insonderheit in Gna- 
den aufgetragen und anbefohlen, nicht allein von den Herrn Kaiserl. 
Abgesandten zu vernehmen, in was Terniinis die Sachen vor itzu stttn- 
iJen. wjßdern auch, so oft es nolhig und etwas vorlallct, dass sie Un- 
sere Gesandte zu erfordern, um Unsere Gedanken und Gutachten zu 
r*ern«-bnu'n. da.ss sie -sich bei ihnen eiustellen, und da ea der Sachen 
beschaffenheit leiden wllrde, sofort in Unserem Samen darauf erklä- 
rt-n, oder Unsere Gedanken, die sie, dieweil Wir eine absonderliche 
FoBt anlegen woilttn, inner kurzen Zeit habhan werden könnten, ein- 
koleu sollten, dazu sie sich dann gehitrsamst hieuiit wollten anerboten 
baben. Zu melirer ilirer Legitimation aber empfangen Unsere Ge- 
B;indte Unsere Credcntiales und dann Unsere Vollmacht, derer sie sicli 
nicht allein bei den Kuiserlichen Gesandteu. Sündern wo es sousten 
nötbi^. zu gebrauchen; davon Unsere Gesandte von des ChurfUrstcn 
zu Cdlln Ld. Abgesandten mehrere Nachricht, wie sie e» gehalten, 
eriangeB werden. 



Mmw. tat fi«>ck. i. Cr. KufftaniM. IV. 



23 



S54 



ni. Die weBtfiiUscIien FriedeDsverhandlangen. 



Was nun hieraaf die Kaiserlichen OeHatidte» antworten wenls 
haben sie zu erwarten uml in generalibu» bei der ersten Cnnfereifl 
7.U verbleiben. 

Wie es mit den Mediatoribus') ?,u halten, werden sich IJnsot 
Gesandte zufönlerst erkundi^eu; Wir stfbeu aber in denen Oe<Iankfa 
dass man liieselbif^e nicht werde )mieferiren kfinncn. Wann nun In 
aere Gesandte dieselbe visitirfn werden, hätten sie ihnen uebs( ilcu 
Ciirialibu8 in Unserm Namen vor die über ßich gcmmmiene Beniüljnuf 
der Mediation liöeidieh xii danken, wie hoeUrllUnilich dieses We^ 
ihren hohen Prineiiialcn und ihnen selbsten wäre, und wie sie ibnaj 
hiediirch die ganze Christenheit nud in^imdetheit das heil. KümiicbM 
Reich zum allerh^Jchstcn (ddigireii wUrden, vorzustellen und sie sou 
tleissigste zu ersuelien, die Haud von diesem so htudiufjthigen und 5^^ 
meinniitzigen Werke nicht iibzu/.ichen, 8»)ndern ihre vielvermiigemt«^ 
Erinnerungen bei den interesBirenden ludien Parteien dabin anziiwtMsiieD. ' 
damit der heiltiame Friedenszweck eifeichet ete. . . . werden m(ieble; 
Hessen ihuen dcniwegeu dicseH hocbwichtige Werk im Itesten rectwi- 
meudiren und sie dauchcu aueh ersuehen, inj Fall bei diesen Trac- 
taten einige Sachen, so Uns und Unsere Lande afbciren niüehteiL. ror- 
ki>nimen würden, dass sie auf ferneres Unserer Gesandten Ansuchen 
es dahin wollten dirigircn helfen, damit Uns vor andern nichts Wider- 
recbtliuliehs iioeb Praejudicirlielics zugezogen werden möge; solche« 
würden Wir mit aller Dankbarkeit um sie hinwicdjerum zu verschul- 
den nicht unterlassen. 

Wir vermeinen nicht, das« Unsere Gesandte einiger Creditiv ab- 
sonderlich werden bedürfen. Jedoch haben sie sich auf ihre habende 
Vollmacht zu rcferiren. Sollte _aber bei solcher Voll macht einige Erin- 
nerung vorkommen, so können sich l'uKere Räthe bemühen, damit sie 
von der Chur-Cölluiseheu Volhnacbt Cojjiam erlangen und Uns dane-j 
ben, was an Unser Vollmacht desideriret werden wird, UberacbreibeoJ 
SU wollen Wir Uns mit dem förderlichsten darauf zu resolvirea tüchl 
unterlassen. I 

Bei den Königl. Französischen Gesandten, wann sie zn voH 
hero von ihnen visitiret, werden sich Unsere Gesandte auch zur Hevisitd 
anzumelden wissen und nebst den CuriaHbus ihnen Unsertwegen aoJ 
deuten, dass Uns aus l. Köu. Wrd. in Frankreich und aus ihren, dM 
Gesandten, Schreiben an Uns sehr erfrcidich zu vernehmen gevvcseil 
die sonderbare Begierde, die sie zu Wiederbringuug eines aufrichtigud 
und beständigen Friedens contestirten; widlten nicht zweifeln, bäten 
auch darum den vielgUligen Gott, dass er zu diesem allgemeinnfilzig^ 
t\ Die Gesandten des Pupetea ond der Republik VeDedig^. 1 



4 



loatractiou Für Munster. 



355 




IK 



Werk alle heilsame Consilia felieitiren und aller Interessenten Heraen 
uod rjemtlther zu diesem Zweck und Scopo fleetiren und neigen wollte, 
damit die Christenheit tPanquUliret und alles in friedliehen Wohlstand 
hinwiederum g^setzet und erhalten werden möt'litc, wozw Wir dann 
nach bestem Unsenu Vermögen mit zu cooperiren nicht unterlassen 
wollten. Im Fall auch hei diesen Tractaten einige Sachen, welche 
Uns und Unsere Laude mit afTieiren möchten, vorkommen würden, so 
trltgen Wir zu ihnen das sonderbare {jute Vertrauen, sie würden viel- 
mehr mit Fleiss abwenden und verhüten als nachgeben und verstat- 
ten, was Uns zum Praejudicio und Xaehtheil gereichen könnte, ge- 
stalt Wir sie dann hienuii flcissig ersuchen und bitten liessen; wollten 
68 auch um sie dankbarlich hinwiederum zu erkennen , in kein Ver- 

n stellen. 

Bei des Herrn ChurfUrsten zu Colin Ld. Abgesandten haben 
«e sieh gleichfalls anzumelden (dm.'h /.weifclti Wir nicht, sie werden 
Unsere Gesandte, als die letztankomtncnde, zuerst visitireu und be- 
suchen) und mit Ueberreichung Unsers Creditivs sich nebst geziemen- 
den Curialihus zuforderst auf diejenige Dejintation, so Unserer Pereon 
halber auf dem CUurftlrstcntag zu Nllrnbcrg und dann dem Reichstag 
zu Regen^burg geschclieii, zu refcrircn, und dass Wir scilcher bcsche- 
heuen Deputation zufolge sie. Unsere Geauudte, al)gefertiget und ihnen 
aufgetragen, aus allen vorfallenden Bachen mit ihnen, den Chur-Cfdl- 
nischen Gesandten, vertiaulich zu commnniciren, auch in allem dem, 
«ti zu Beruhigung des heii. Rom. Reicbi« und dann auch zu Eriiultung 
der wolhergebrachten fürstlichen Praeemuienz und Oolieit nütz- und 
n^Hhig sein wird, zu cuopcriren, dem sie auch also nachkommen woll- 
ten, und versehen Wir Uus einer gleiclimässigen liczeigung zu ihnen, 
denen Wir mit aller Freundschaft und ChurfUrstlicheu Gnaden wol 
zugethan verbleiben. 

Eh können auch Unsere Gesandte ihnen, den Chur-Cöllnisehen Ge- 
itandten. in Vertrauen entdecken, dass die Fninr.ösische Gesandte Un- 
seren Bedienten ein Chur-Crdluisclics und Cbur-Baierisches Schreiben, 
in welchem Ihre beiderseits I.Ldd. dem Könige in Frankreich das 
Prädieat Majestät geben, scheu lfi»scn und an Uns gesonnen, der- 
gleichen zu thuu; Wir hätten bis^heni dabei etiva» Hedeukcn getragen 
und Unsorn Herrn Mit-Churfßrslen Ld. hierunter nicht vorgreifen wol- 
n; Wir kr.unten endlich dazu auch wol verstehen, wann Uns hin- 
iedcrum das Praedicatum Herenissimi gegeben und Ungern Ge- 
sandten bei den Audientien zu decken vergönnet würde, welches auch 
geringeni Stiindeu, als ChurfUi-sten, bishero verstattet wurden; man hat 
^B. 23* 



356 



ni. Die westf^IigcTien Fried«fUEverbandlusg«D. 



Uneera Herrn Groes-Vatem Gn. dieses alljercit» offeriren laMen, w«im 1 
nur S. Gn. tlem Könige iu Frankreich binwiedenim die Majestät his | 
geben wollen. Dem Künige iu Pulen geben Wir das Pracdicatuin M»- 1 
jestät als Vasallus wegen Unsere HerzogtJiuinB Preuesen, e« wirf 
Uns aber hinwiodenini der Titiilus Herenissiini gegeben. Wir halten 
es auch gäny-lich davor, dass bei dieser Oceasion dieses aldorten gar 
w*d werde zu vergleichen stehen; wann auch Frankreich und Hispa- 
lüen hierin einwilligen würden, sn vermeinen Wir, das» auch die Kmo 
Schweden sich dazu wol werde dispuniron lassen; sollten mm diese 
drei Könige sieh mit den Herrn Clinrflirsten eines gewissen verglei- 
chen, 80 würden auch die llbrige Könige ihrem Exempel folgen, oder, 
im Fall sie sieh ihres vorigen Styli gebrauchen wollten, so hätte man 
sich auch gegen ihnen der alten Form im Schreiben zu gebrauchen. 

Es wllrde auch wol gut sein, da man sich der Gesandton ban)er 
mit gedachten Königen verglichen liStte, wie einer den iiudern ütu-| 
liren sollte. Hierüber haben Unsere Gesandten der Chur-Cölhiigchen 
Gesandten Gedanken zu vernehmen, die es auch au ihren Herrn selhä] 
wol werden gelangen lassen und I. \A. Erklär- und Meinung dar9l>erj 
einbülen können. 

Sonaten wollen Wir nicht, ditss Unsere Gesandten jemand ander»! 
als der gekrönten Könige und Unserer Vorsitzenden Mit-ChurfUrsten] 
Ld. Gesandten weichen sollen, sondern sie haben sich vielmehr der] 
Congressuum, da zu Unserm und Unserer Mit-Churfürsten Praejudiciol 
etwas vorgehen könnte, xu jtussern. Wir wollen auch uieht davor) 
halten, dass sich jemand dergleichen unterfangen werde, ohne das« 
die Respublica Veneta, nnwissend der Chnrfllrsten, von der nächst 
abgelebten Kais. Mnj. F er dinan du 11. dergleichen Deoret erbalten ha- 
ben soll, deme aber die ChurfUrsten , sobald sie hievon Xacbricht 
erlanget, contradiciret, und werden dieselbigc auch förders ihre Xoth- 
durft in Acht zu nehmen mcht unterlassen. Diesem Exempel wollen 
die Herrn Staaten der Vereinigten Niederlande folgen, die doch 
bei Unser» Gross- Herrn Vätern und Herrn Vätern GGnu, christmil- 
desten Angedenkens Zeiten nichts dergleichen praetendiret; derowegen | 
sich Unsere Gesandte hienmter in Acht zu nehmen und mit den an- 
dern Churflirstl, Gesandten hieraus vertranlich zu commuuiciren ; dann 
obwol die iStslnde des Reichs, sonderlich aber die Herrn Chnrfllrsten, 
ein gewisses Haupt eligiren und erwählen, so gcschichet doch solches , 
mit einer gewissen Capitulation, in welcher ihnen die Herrn Chnrfllr- 
sten unterschiedliche Kegalia des Kelchs vorbehalten, deren ohne Vor- 
bewusst und Einwilligung der Herrn ChurfOrsten sieh kein Uömisuber 



Instracüoii fiit Miiniter. 



357 



laiser vor sieh gebrauchen kcinneu. also, dasa sie mit anderer Kronen 
.Ständen uud UnteTtUaueu gar nicht zu eumpariieu; sie haben bei sieh 
einen gekrönten König in Böhmen m einem CoUegcn, also dass das 
Cullegium £lectoralc wol ein Collej^ium regium in Germania 
kann genennet werden: um welcher Considcration mlkn die alten 
liiblichen Churftirsten auch mit gekrönten Königen aemuliret 

Es werden auch diese beide Respublicae, sonderlich die Respublica 
Veneta, welche die Cardin ülc darum, dass sie das Iiöchste Haupt ihrer 
Kirelie erwählen, sn hoch halten, auch die Herrn Churltlrsten , derer 
90 wenig au der Zahl und dennoch das höchete weltliche Haupt er- 
wählen, nicht unter sieh ziehen können; derowegeii Unsere Gesandte 
hierunter »ich vnrsichtig erweisen sollen. In dem Uehrigen sind Wir, 
daes sie ilinen alle Ehr und C'iturtuisie erweisen, wol zufrieden. 

Es will auch fast das Ausehen geivinnen, sammt wUrde es bei 
der einmal verglichenen Deputation nicht allerdings verbleiben, son- 
dern es würden auch die Übrige Churfursteu ihre Gesandten dahin 
schicken, da Uns dann nicht zuwider, dass das sAmmtliche CoUegium 
sich zusammen thue, nnd was r.ü des ganzen heil. Rom. Reichs Nutz 
iintl Bestem wird können bedacht werden, fleissig dcliberire und bc- 
rathschlage. An dem aber wird es anstehen, das» vielleicht 1. Kais. 
Maj. vor sich und allein in Ihrem Namen werde tractiren wollen, nach 
dem Exeropel der ausw,Hrtigcn Kftnige, welche bloss in ihrem Namen 
ohne Zuziehung ihrer .'^tsiudc und L'nterthancn die Tractaten fuhren. 
Wir zweil'elu aber daran gar sehr, oh die auswärtige Kronen hierzu 
verstehen werden, welche bishero die Ankunft der äämmllichen Reichs- 
stäiide so hoch urgiret, und sieh mit den Herrn Kaiserl. Gesandten 
allein und uhne die anderen Stände werden einlassen wollen. Auch 
wissen Wir nicht, ob sich die Herrn ChurfUrsten selbsten hievou aller- 
dings werden ausgchliesscn lassen. 

Derowegen Unsere Gesandte diejenigen Vota secundiren wollen, 
die 1. Maj. ratheu werden, der Herrn Churfllrsten Abgesandte zu sich 
zn ziehen, nicht allein iui Rath, simdern auch bei den Tractaten 
Selbsten, sintemal die einmal beliebte Assistenz der ChurfUrsten auf 
beides wol kann verstanden werden; und werden sich die Herrn Chur- 
fiirsten ohne das dazu nicht verbinden lassen wollen, was ohne sie 
etwan möchte verhandelt und geschlossen werden. I. Kais, Maj. wird 
auch gar nicht verkleinerUeh sein, die Herrn ChurfUrsten, als Ihre 
innerste Räthe, und welche Säulen dea Reichs genennet werden, zu 
«ich zu ziehen und diese Tractaten nehst ihnen zu führen, dieweil 
8ich dergleichen Käthe andere Kronen nicht zu rUhmen. 




358 



HL Die westfriHscheD FriedenaverhaudliiogeD. 



SoUteu nun die Churftlretl. Aljgesanclteii iusgeBamml hiezu admit- 
tirct werden, liaben es dio Lluüerigc aucli dabei zu lasse» und dem 
eelhigcn uicht zu mderaprecbcn. Im Fall aber auf eine neue I>c- 
pntatioü syllte gezielct werden, so stellen Wir es endliuli dahin. Nur 
köonea Wir Uns von solcher Deputation nicht ansscUliesgen lasBen; 
dann oh wol Chur-Maiuzcs Ld. Ihr liergcbrachtes Directuriuni dawider 
prätendireu möchten, der Wir dasselbige auch zu dispntircn nicht ge- 
meinet, 80 ist doch diese Haudelung ganz extraordinaria und haben 
Uns S. Ld. selbst luezu mit deputiren helfe«, also, das« es Uns. die- 
well 63 zu niännigliches Wissenschaft lioiumen, zu Unserer ausser- 
steu Verkleinerung gereichen wltrde, wann Wir itzt, da die Handelung 
ihren Anfang nehmen soll, [iriUeriret und zurliek sollten gest^tzet wer- 
den. Wir kijnnen Uns uioht ciuhilden, dass sich Chur- Colins Ul. 
welche nehst Uns deiiutirct, dcrgt-stalt werden verschimptisn laswa 
wollen. Auch seind Wir an diesen IVactatcn so hoch wol Intcres- 
»iret, als einiger Unserer Mit-ChurfUrsten, zu geschweigen des sonder- 
baren Interesse der protcstireuden S^tände iui iteicli, welche aber, wiion 
es bei der ordinaria deputatione, als Uhur-Mainz und Chur-Baieni, wo- 
gen der Pfalz verbleiben mltsste, von dieser Haudelung allerdings wttf 
den excludiret werden; deiuc werde sie sirh ohne Zweifel sehr «idcr- 
setzen, auch deshalb wol Heifall linden. IHusem naeb haben sie allen 
Fleiss anzuwenden, dauut Wir in der Üeiiutalion nicht [iräteriret wer- 
den mtigen. 

Kiinie dann auch dieses im Vorschlag, wie dann albereit lu 
Frankfurt hievon eonsultiret worden, dnss man die Traktaten zu Osna- 
brück und Münster auf eiuL'U Ort, als etwan Ciillri, zusuinuienriehen 
wollte, ilamit die Couunuuic<itionea desto eileudei* geschehen, auciki 
die Unkosten in etwas niilclitru ersitaret worden, allennassen CIiuT' 
Colins Ld. Wir liiezu nicht ungeueiget betindcu , so haben sie soldicfj 
nicht zu difficultiren ; nur daas Wir vou der Deputation, dieweil Wii 
zugleich an beide Orte einmal depnth-et, nicht ausgesehlosseu werden. 

Es werden Unsere fTcsaudten anderer Fürsten und Stände de 
Reichs Abgesandte alda vor sich tinden, oder es werden derer uod 
mehr nach ihnen daselbst anlangen, da dann die Frftgen entstehei 
werden, ob und wie weit diesclbigc zu dieser Haudelung zu adniitti 
ren. Nun seind au diesen Tractiiten die sämmtliche lieichs -.Stand 
und dem Lande und Leute merklich intercseirot, dass auch ihre ganz 
zeitSiche Wohlfahrt oder endliche Knin von denscibigcn depeiidire 
•m[\\ können dahero nicht absehen, wie sie mit einigem Fuge bicvm 
auszuschliessen oder tfaueQ das Jus suffragii künnc geweigert werdet 



1 




luslruction Tür HüüBler. 



359 



sintemal »lic Alisdiiede dos Rek'hs kläirlicli erweiseu uml tlartlniii, *la86 
ihrer, der Stünde, ratliwaiiies Gutaelileii und Eiuvvillijjuug iu viel pc- 
ringeren Sachen gefordert und orfulgeu oiUsgen, ehe man zu eioigem 
verlHndlk'bcn Selduss gt'Iangcu luBge. Und ist diese Saclie also be- 
scbaffen, dass sie, die Staude, Hbcrall mit lieheu nud legen »ollen; 
derowegeu sie dann auch um dasseUiige, was vorgehet, werden Wi»- 
»euitchaft tragen mtt.sgeii. Die auswärtige Kronen begehren dieses in- 
ständig, werden «ich iiuch davon schwerlii'L abwendig machen lassen, 
tind wurde lien Uiblicheu Churftirsteu eine sehr schwere Verantivor- 
tiing zuuaihseu, wann es anders als wol geralhen^ und »ich faeies 
Iniperii iu kUuflige« Zeilen, wie leichtlich gesehelien kann, ilndern 
teidlie. Derowegen l'usere fTpsandtt* sichjltmiselbigeu keinesweges wi- 
dersetzen, sondern vielmehr zu dessen Beförderung alle dienliche Er- 
innerung thun sollen, damit, ob etwan durch dergleichen Venveige- 
rung die Friedenshaudlung zerschlagen sidltej Wir vor Gott und dem 
ganzen heiligen Reich entschuldiget bleiben mögen. 

Ob aber dieses der Stände SiiftVagium per Circulos oder von einem 
jedweden unmittelbaren Stande, wie solehes auf ottnen ReicUstligen 
llerkMinmeus. absunderlicJi sollte ahgeleget werden, darinnen sind Wir 
zwar indiftereiites; jedoch möchte es zu Abschucidung aller undien- 
lichen Weitläutligkeiten last vorträgiicher sein, wann es per Circulos 
geacbehe, allcrniasseu dann hiezu der IVäukische Kreis albercit den 
Anfang gemachet, demc auch ungczweifelt andere Kreise folgen wer- 
den. Wir befinden auch, das» des Herrn Churfflrsteu zu Baiern Ld. 
in etncur an I. Kais. Maj. abgelassenen Schreiben, wie beigeleget, eben 
dergleichen Gedatdceu fuhren, derowegen ihr Sr. Ld. darinnen secuu- 
direu werdet. 

Wie es aber bei dem C'ougresau zu den Handelungen gelbsten zw 
kalten, darttber habt ihr Unserer Vorsitzenden Mit-Churfürsten Ld. Ge- 
danken zu vernehmen. 

Sollte nun gleichJalls, wie in dem Churfilrstl. CoUegio geschehen, 
auf eine Deputation gesehbisacn werden, und es wllrden die Stände 
der Augsburgischen Conlcssiou nicht excludiret, haben Unsere Gesandte 
dannueu iu Unserm Namen auch zu verwilligeu. 

Der Majonim halber liaben sieh Unsere Gesandte sehr wol in 
Acht 2u nehmen, damit sie sieh daran nicht zu eilfertig mit ihrem 
Votu verbinden; dann obwid sonsten ins gemein den Majoribus nacb- 
gegaogeu wird, so möehfen doch solehe Sachen vorkommen, in wel- 
cbea VVir und andere Unsere Evangelische Mit^täude sich an die Ma- 
joru nicht könnten verbinden lassen. 



360 



in. Die wostrillacUBn Pj' 



Sie sollen auch, wann sie rennerken werden, »lass raan die Etsd- 
gelisehe Stände durch aectirisclie Namen trennen und einen l'ntef- 
Bchied unter sie machen wollte, demselliigen contradiciren and niclit 
zugehen, dass dem Herkommen zuwider ihnen ein ander Prädical. 
als Stände der Augsburgischeu Confession oder Protestiren- 
der Stände gegeben werde. 

Wann sieh die Stände, Evangelische und Catholische, zur Visite 
oder zur Audienz bei IJnseni Käthen anmelden werden, sollen sie die- 
selbigen willig zu Bsch verstatten und hören, sie auch hinwiederum 
entweder insgesauimt oder durch etliche ihres Mittels revisitiren las- 
sen und sie versichern, dass Wir Uns nichts hölier angelegen sein 
Hessen, als des ganzen heiligen Reichs und aller deaselbigen Stände 
Wohlfahrt, hätten auch sie. Unsere Rsithe, dazu